MIME-Version: 1.0 Content-Type: multipart/related; boundary="----=_NextPart_01C495A2.538F0920" Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Webseite in einer Datei, die auch als Webarchivdatei bezeichnet wird. Wenn Sie diese Nachricht erhalten, unterstützt Ihr Browser oder Editor keine Webarchivdateien. Downloaden Sie einen Browser, der Webarchivdateien unterstützt, wie zum Beispiel Microsoft Internet Explorer. ------=_NextPart_01C495A2.538F0920 Content-Location: file:///C:/0CEB11F3/LabyrinthdesSchicksals.htm Content-Transfer-Encoding: quoted-printable Content-Type: text/html; charset="us-ascii" Labyrinth des Schicksals

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Labyrinth des Schicksals

 

 

 

 

Pionierleben und Schamanismus der Neuzeit

 

 

 

Paso de Lobo=

 

 

 

 

Chile

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Berichte und Empfindungen eines deutschen Pioniers im Exil

 

 

 

 

 

 

 

 

Widmung

 

 

 

Dieses Buch wid= me ich meinem „verlorenen“ Sohn, all den anderen verlorenen Tö= ;chtern und Söhnen meiner alten Heimat, besonders jedoch allen Menschen die mir große Steine auf meinen Lebensweg gelegt und mir Leid verursacht habe= n. Diesen Menschen bin ich zu tiefstem Dank verpflichtet, weil Sie zu meinen Herausforderungen wurden. Ohne Sie hätte ich nie das Lernen könne= n, was ich in meinem Lebensweg zu lernen hatte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorwort=

 

Lieber Leser, ich sehe ein, daß es viele Bücher über das Thema der Selbstfindung, Selbsterkenntnis, Lebensgestaltung, der Psychologie im Allgemeinen, der Ökopsychologie, der Metaphysik, der Mystik, der Esoterik, der untersch= iedlichsten religiösen Weltsichten usw. gibt und damit den Einzelnen bereichert od= er aber auch verwirrt. Ob da ein weiteres Buch angemessen erscheint, vom kommerziellen Interessen der Autoren und Verlage ganz abgesehen oder dem Se= ndungsbedürfnis des dahinterstehenden Geistes im speziellen, ist fragwürdig.

Da aber eine ständige Entwicklung des Geistes stattfindet, viele Wirren entwirrt werden wollen, d= as Bedürfnis den Sinn hinter all unseren gesellschaftlichen Aktionen, sow= ie unseren persönlichen Schicksalsschlägen zu erkennen, wird wohl das Interesse des Menschen nach dem Erkennen so lange bestehen bleiben, bis wir sagen können, „Ja, ich habe die Welt erkannt, Ja, ich habe mich erkannt und sehe nun ein, welchen tieferen Sinn mein Leben im großen = universellen Tanz hat“.

Meist haben wir nicht die Möglichkeit die Suche nach „der Wirklichkeit“ konsequent durchzuführen, denn unsere körperliche Erscheinung in der Welt verlangt die Anpassung an die allgemeingültigen Vorstellungswelten des menschlichen Lebens in einer festgelegten gesellschaftlichen Ordnung. Das i= st die Verpflichtung an den Alltag.

Wir haben ein Bild vom Mensche= n in uns eingeprägt, mit dem wir unseren Lebenszyklus beschreiten wollen. W= ir glauben an das, was wir sehen, hören und schmecken, glauben in zweiter Instanz an das, was man uns sagt und lehrt und allgemein als wahr anerkannt ist. Dies umfaßt grundsätzlich unseren sogenannten Kulturkreis, = in dem wir uns bewegen, wobei anderes Empfinden, Denken und sich Leben zwar wie ein fernes Windrauschen in unser Bewußtsein dringt, aber nicht als lebbare Alternative für uns in Frage kommt.

Das ist der Traum von der Inse= l.

Meist ist dieses leise Säuseln und Rauschen auch so unklar, taucht auch oft nur in nächtlichen Traumwelten auf oder in der Presse als für uns unzumu= tbare Lebensmodelle, so daß wir es gut wegfiltern können. Anderes Empf= inden verstehe ich hier als das sich wahrnehmen als z.B. afrikanischer Bauer, indischer Schafhirte oder chilenischer Fischer oder aber auch, sich im Glau= ben leben als Buddhist, Hinduist oder Mohammedaner.

Durch unsere Geburt werden wir= auf das Denken und das Empfinden festgelegt, welches uns als kollektives Empfin= den repräsentiert.

Wir haben dann weder Zweifel, noch das Bedürfnis dieses Empfinden zu hinterfragen, sondern nehmen es als „die“ Wirklichkeit war. War= um sollten wir auch zweifeln z.B. Deutscher, Franzose oder Amerikaner zu sein, wenn die sogenannte Außenwelt sich so benennt. Es gibt dann wohl kaum einen triftigen Grund sich als Chinese zu leben oder sich zu fühlen. Unsere Startposition im jetzigen Lebenszyklus ist durch unsere Geburt festgelegt. Also geht es im weiteren nur noch darum, sich dieser Form im Außen anzupassen, um eine für andere sichtbare klare Gestalt zu = erlangen. Schließlich ist das Leben ja nichts anderes, als eine überdimensionale Spielwiese, die uns die Möglichkeit gibt, uns als Wesen auszuprobieren und durch unser persönliches „Da-sein“ eine neue Gestalt hinzuzufügen.

Unsere Schicksalsaufgabe ist a= lso durch unser Leben über unser Erleben die Welt zu bereichern.

Dabei ist es unwichtig für das Gesamtsystem, ob wir uns als Heilige, als Geschäftsmann, als Verwaltungsangestellter oder als Mörder leben.

Im christlichen Glauben wird dieses Prinzip der Liebe Gottes für all seine Wesen deutlich. Für= die „himmlische Urkraft“ gibt es kein werten und beurteilen, sondern nur ein Annehmen allen Seins.

In allen anderen Religionen, d= ie visionär entstanden sind, liegt die gleiche Idee zu Grunde.=

Wenn wir nun davon ausgehen, daß jedes Schicksal, jedes Leben durch das sich Erleben eine Bereiche= rung für das Gesamtsystem darstellt, ergibt sich nur noch die Frage für den Einzelnen, welche Aufgabe übernehme ich in diesem Gefüge, in = diesem kosmischen Tanz des Herrschergeistes.

Das Erkennen seines persönlichen Lebensziels und Sinns, das Finden und Anerkennen seines individuellen Schicksals soll die Aufgabe dieses Buches sein.

Es wird nicht, wie in therapeutischen Konzepten oder religiösen Abhandlungen darum gehen, wie werde ich glücklicher, wie erfolgreicher oder wie gesünder, sonde= rn nur um das Erkennen des eigenen Sinns und damit um die Erkenntnis des Lebens selbst.

Das durch die Erkenntnis „der“ Wirklichkeit“, man selber wirklicher und damit auth= entischer wird, was wiederum ein entspannteres Leben möglich macht, ja gar zu ei= nem Gefühl der Freude und des Glücks über seine eigene Existenz = mit sich bringt, ist dann wohl als angenehmer Nebeneffekt zu sehen. Aber es geht eben nicht um das Thema, wie werde ich glücklicher, sondern wie werde = ich wirklicher.

So will ich an dieser Stelle gleich hinzufügen, daß diese Thematik aus mir nicht durch angelesenes Wissen in Erscheinung tritt, sondern als Erlebte und erlittene Erfahrungen, dank vieler unterschiedlicher Tätigkeiten in meinem Leben= , so wie vieler Reisen und ungewöhnlicher Lebensweisen.

Ich habe keinerlei Ansprü= che auf akademische Richtigkeit meiner Behauptungen und Theorien, noch glaube i= ch an allgemeingültige Wahrheiten, was das Menschsein anbetrifft.

Ich glaube an die „ander= en Wirklichkeiten der Schamanen“ und damit auch an einen sich frei entfaltenden Geist mit Milliardenhaften Möglichkeiten sich auszudehnen= und damit unser Menschsein zu bereichern.

Ich hoffe, daß die Wortwerdung meiner Gedanken in so simpler Form stattfindet und meine persönliche Erlebniswelt so lebendig einfließt, so daß jed= er einfache Geist das Gesagte verstehen kann und als spannend miterlebt.<= /o:p>

Ich danke Ihnen als ein Bruder oder Schwester in der Zeit, daß Sie an diesen Gedanken teilhaben woll= en.

 

Paso de Lobo  (Gang des Wolfes)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1.&n= bsp; Teil=

 

 

Das Lebensabenteuer

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Am Anfang wa= r das Licht der Erkenntnis

 

Wenn wir an das Licht denken, so denken wir an Feuer, Sonne, Glühbirne usw.=

Ich denke da aber auch an die Geburt, an das ins Licht treten, an das reine Sein im Licht, aber auch an d= as Leuchten des Erkennens oder das innere Leuchten eines Erleuchteten.

Mir persönlich ist allerd= ings noch kein Erleuchteter begegnet, der mich dazu veranlaßt hätte, = mich in den Staub zu werfen. Ich gebe aber gerne zu, daß mich der Gedanke = des Erleuchteten, des Wunderheilers und des „Erretters“ immer fasziniert hat. Besonders dann, wenn mein Leben mal wieder in einer Sackgas= se landete, aus der ich keinen Ausweg mehr sah. Zum Glück hatte ich da im= mer einen kleinen Mann oder Engel im Ohr, der mich darauf hinwies, daß die schwarzen Seiten im Leben, zu den weißen Seiten gehören, da&szli= g; die Freuden sich mit dem Unglück abwechseln.

Dank diesem kleinen Mann im Oh= r, der für mich oft sehr präsent war und immer noch ist, mußte= ich nie in die Fallen der Illusionen stürzen, die sich in den Magiern der heutigen Zeit zeigen. Die Magier von heute sind die Gurus, ob nun indische = oder amerikanische, sind die Therapeuten, die Heilswege für viel Geld anbie= ten, sowie die Kirchen als Institutionen ohne Gesichter.

Bevor man mich nun schläg= t, möchte ich diese Behauptung etwas abschwächen und nur dahingehend geltend machen, daß ich damit einen Wahrheitsanspruch meine, einen He= ilsweg für alle, den es nicht geben kann. Ich hoffe, daß ich damit dem Vorwurf des Ketzers knapp entkommen bin.

Auch ich möchte nicht ger= ne verbrannt werden!

Aber kommen wir zurück zu= dem Thema Licht.

Was uns vom Nicht-Geborenen Le= ben oder nicht existierenden Leben unterscheidet, ist, daß wir ins Licht getreten sind, also sichtbar werden, für uns selbst, so wie für andere durch unsere sogenannte Geburt.

Denken wir viele Gedanken, sprechen wir sie aber nicht aus oder zeigen sie nicht, so kommen sie auch w= eder für uns, noch für andere ans Licht.

Wir wissen, daß wir jede Nacht viele Träume haben, jedenfalls behauptet das die Wissenschaft. N= ur wie viele dieser Träume werden uns gewahr und wie wenige kommen tats&a= uml;chlich als Gelebtes und Erlebtes ans Licht? Wer lebt schon seine Träume? Wer = spricht schon seine Gedanken aus? Wer zeigt schon seine Gefühle?

Dürfen wir uns als ganze Menschen überhaupt ans Licht bringen? Läßt das Kollektiv das zu? Dürfen wir uns als ganze Persönlichkeit zeigen, als komplette Wesenheit mit all unseren positiven und negativen Eigenschaften? Darf unser Schicksalsweg, unser Karma ans Licht kommen, läßt die umgebene G= esellschaftsform uns als gesamte Erscheinung „in den Raum“ treten?

Was passiert, wenn wir nicht a= ns Licht und in den Raum treten dürfen, als diejenigen, die wir wirklich sind? Da müssen wohl ganze Teile in uns im Dunkeln bleiben, dürfen nicht geboren werden und dürfen damit auch nicht leben. Was passiert d= ann in solchen Gesellschaften, die systemgesteuert die Einzelindividuen formatisieren, einzwängen in die Zwangsjacke einer staatsgesteuerten Persönlichkeitsnorm?

Die in diesen Systemen lebenden Wesenheiten dürfen nicht ans Licht treten, bleiben im Meer des Unbewußten und reichern damit auch nicht das Leben als Gesamtheit an.=

Ich würde einfach mal behaupten, das Leben wird dann langweilig oder aber die dunklen Seiten drängen in unwirklichen und damit meist pervertierten Formen an die Ob= erfläche.

Das passiert genau in Industriestaaten mit institutionalisierten Sozialsystemen, weil ein großes Menschen- und damit auch Seelenpotential für die „großen“ materiellen Werke verbraucht werden muß. Da tritt nicht mehr die einzelne Wesenheit ans Licht, sondern ein Industrieprodukt, an dem viele mitwirken müssen.

Das heißt der Mensch opf= ert sein persönliches Schicksal, seine Träume, Gedanken und Gefü= hle für das materielle Werk der Allgemeinheit. Ans Licht tritt dann eben a= ls Output der neueste CD- Player, das glänzend lackierte Auto, oder von m= ir aus auch die Flugreise nach Thailand.

Das mag für mich soweit g= anz in Ordnung sein, denn ich habe mich ja frühzeitig ausgeklinkt. Der kle= ine Mann im Ohr sagte mir recht deutlich, das kannst Du nicht leisten. Ich taus= che nicht freiwillig ein koffeinhaltiges Getränk mit Kohlensäure, geg= en einen frischen Schluck Wasser aus dem glasklaren Bach und muß auch no= ch dafür Geldverdienen gehen und das auch noch in einem Job, den ich am liebsten am Wochenende aus der Entfernung sehe. Für mich kam das Befre= mden der Situation oder einer falschen Illusion ans Licht.

Somit könnten wir das Wort des Lichtes und ans Licht bringen auch mit dem Erkennen gleichsetzen. Denn = wo kein Licht ist, kann nichts gesehen werden, wo nichts gesehen wird, wird ni= chts erkannt, und wo nichts erkannt wird, erscheint es auch nicht im Bewußtsein als Erkenntnis. Leider bleibt ohne Erkenntnis dann auch die Wandlungsfähigkeit einer Situation aus.

Ohne Erkenntnis kann sich dann weder die einzelne Persönlichkeit wandeln, noch eine Familie, noch eine Sippe, geschweige denn ein Staat.

Nichtsdestotrotz kommt eine Wandlung, wenn zu viele Dinge im Dunkeln bleiben. Wir wissen, daß uns= er physikalisches Raum- Zeit Kontinuum auf eine Dialektik angewiesen ist. Wird= ein Spannungsfeld überschritten, schlägt zu weit in die eine Richtung aus, muß zwangsweise die konträre Kraft folgen, die für den Ausgleich sorgt.

Das bedeutet gesellschaftlich: bleibt zu viel im Dunklen, wird das System vom Lichten übernommen, fal= sche bzw. dunkle Denkstrukturen werden fallen und durch lichtere ersetzt. Deutli= cher gesagt: machen Sie sich nichts draus, wenn sie sich jetzt entfremdet und ni= cht ihrem persönlichen Schicksal lebend fühlen, die Zeiten werden sich ändern, weil nicht nur wir als Menschen leben, sondern das gesamte Sys= tem in Bewegung und damit am leben ist.

Als Jetzt- Persönlichkeit dürfen sie aber keine schnelle Veränderung erwarten, denn Zeitrhythmen laufen verschieden und Gesellschaftsstrukturen brauchen in der Regel ein paar Hundert Jahre.

Und dennoch können Sie für sich persönlich etwas tun, was sie neben Ihrem Beruf befriedi= gen könnte, außerhalb der üblichen Freizeitgestaltung. Sie können im Rahmen einer dunklen, die Wahrheit verdrängenden, Gesellschaft Ihr persönliches Licht suchen und eine etwas im auß= en stehende persönliche Lebenswahrheit leben. Nur gehen sie damit das Opf= er ein, Ihr Licht für sich selbst genießen zu müssen. Die Umge= bung wird Sie dafür nicht wertschätzen, denn die will Sie ja im Kreis = der Nicht-Erkennenden einreihen. Das Dunkle liebt das Helle, aber nur als Spann= ungszustand, als die Freude am Kampf, als Potentialausgleich, um überhaupt existier= en zu können.

Ähnliches, was das Licht anbetrifft, hörte ich in meiner Schulzeit in der Physik.

Licht bzw. Photonen werden nur frei, durch den Sprung der Elektronen von einer Bahn auf eine andere.<= /o:p>

Licht ist also auch ein Zustand der Wandlung, sowie das ins Licht treten durch die Geburt schon andeutet.

Im übrigen weisen Berichte von fast Verstorbenen bzw. klinisch toten Personen in ihren Todeszustä= nden und Wahrnehmungen wiederum auf das Licht hin. Da wird von Lichttunneln und Lichterscheinungen geredet, von lichten Engelswesen und ähnlichem. Der= Tot ist wiederum ein Quantensprung, eine Geburt in einen anderen Zustand oder w= ie ein bekannter Astrologe so schön sagte, der Tot ist eine Art Umzug, ein  Milieuwechsel.=

Wider der christlichen Auffass= ung hat da der Tot nichts mit dem Dunklen zu tun, sondern eher mit dem Aufsteigen in das lichtere himmlische Gefüge. Da verbindet sich die Seele wieder mit= dem großen Geist, mit dem Unikum, dem Universum, mit Gott, mit der Einhei= t. Da hat dann das Licht nichts mehr mit einem materiellen Raum- Zeit Gefü= ;ge und Polaritäten zu tun. Da gibt es weder Dunkel noch Hell, sondern das reine nicht wertende Sein.

Kein Wunder das die Geburt etw= as mit Schmerz zu tun hat und der Tot auch. Es hat immer etwas mit dem Abschie= dsschmerz zu tun, weil wir uns auf dem Wege befinden von einer Dimension in die ander= e. Verlassen wir die Einheit in unserem „göttlichen“ oder kosmischen oder ozeanischen Gefüge und treten ein in ein Gefüge d= er Vereinzelung, als Einzelwesen, erleiden wir den Wechsel, treten wir wieder daraus heraus, erleiden wir wiederum eine Wandlung und durchleiden den Scho= ck einer Geburt.

Merkwürdigerweise erfreuen wir uns jedoch an dem Zeugungsakt, der als kleiner Tod (Orgasmus) bekannt i= st. Ich habe jedoch diesen Zeugungsakt persönlich schon einmal als eine se= hr beängstigende mich in der Einheit in dem Partner selbst verlierende Wesenheit erlebt. Da blieb mir plötzlich die Luft weg, sprich mein Atmungssystem hat seinen natürlichen Automatismus aufgegeben, so da&sz= lig; ich schockartig, nach Atem ringend auf einem Bauch aufwachte, der nicht mei= ner war, und nicht mehr wußte, wer ich bin. Das nennt man dann wohl vorübergehender Egotod. Ich konnte mich jedoch noch sehr genau an einen Zustand von universeller Einheit erinnern. Zugegeben, dieses phantastische Erlebnis tauchte bisher in diesem Zusammenhang nur einmal in meinem gesamte= n 50 jährigen Leben auf.

Da gab es jedoch noch andere lichte Erlebnisse, die im Zusammenhang mit der Sexualität nichts zu tun hatten.

Sicher ist jedoch, daß d= ie Sexualität sehr viel mit der Suche nach der Einheit, Ganzheit und damit etwas mit dem Erkennen unseres wahren Seins im „himmlischen“ Si= nne zu tun hat, vorausgesetzt, daß wir es mit dem Gefühl der Liebe koppeln. Rein organisch betrachtet und unterkörpermäßig gel= ebt und gesteuert, bleibt der Sexualakt wohl eher dem Dunklen zugeordnet. Das h= at aber jetzt mit Moralvorstellungen und Ehe nichts zu tun. Liebe kann nicht institutionalisiert werden, lebt sich als Kraft der Einheit zugewendet und = hat damit seine vollkommen eigenen Gesetzmäßigkeiten unabhängig aller Glaubenssätze und gesellschaftlichen Vorstellungswelten.

Hell wird auch dann meine Bewußtwerdung, wenn ich deutlich zwischen meiner Körperlichkeit = als nackter Affe und der von ihm übernommenen Seeleneinheit unterscheiden lerne. Graf Dürckheim schreibt da sehr schön etwas vom doppelten Ursprung des Menschen. Lernen wir zu unterscheiden zwischen unserer körperlichen Erscheinung, die ja von mir aus auch gerne Darwinistischen Gesetzmäßigkeiten unterliegen und dem Alien , Seele, die vollkom= men andere Interessen vertritt, so könnte man fast von einer schizophrenen Struktur des Menschen ausgehen. Und diese Struktur ist tatsächlich gespalten.

Nur ist sie eben in Erscheinung getreten, als das was sie ist und sollte deswegen nicht weiter von uns bewe= rtet werden.

Wenn eine Erscheinung, ob nun schizophren oder als reine Form, wie das in der Mineralwelt auftritt, ans L= icht kommt, so sollten wir es in erster Linie erst mal annehmen lernen, Ja, dazu sagen und es bestaunen.

Das Gleiche sollte für al= le Erscheinungen unserer persönlichen Umwelt gelten. Aber vergessen wir nicht, das Erscheinungen, obwohl sie „scheinen“, also wieder mal erhellt sind, doch nur ein Schein sind.

In der Identifikation mit dies= en von uns außen liegenden Erscheinungen, sprich Umwelt, verfallen wir in die Illusion einer Wirklichkeit, die es zwar für uns persönlich g= eben mag, aber mit „Der Wirklichkeit“ rein gar nichts zu tun hat. Er= scheinungen sind die Kulisse unseres „Da-seins“.

Was bleibt ist unser Sein.

Mehr nicht.<= /p>

Damit dürfen wir uns jedo= ch in die Form, oder als Erscheinung des nackten Affen verpackt, ein Lebenszyk= lus lang erfreuen oder erleiden. Je nach dem?

Das Erfreuen kommt über d= as Erkennen der Wirklichkeit unseres Seins, das Erleiden kommt über das n= icht hinsehen wollen, was unser Lebensweg uns eigentlich ins Ohr flüstern w= ill.

Die Erleuchtung unseres Wesens= ist das Erkennen unseres Schicksalsweges, sozusagen unseres Abenteuers Leben, w= obei es aber wohl im irdischen häufig beim ahnen bleiben muß.

Nur wenige von uns in Raum und Zeit erreichen die Demut, die Bescheidenheit und den festen Glauben, Illusi= onen abzuschwören, um als Heilige und wahre Erleuchtete aufzusteigen. Dies = ist und soll wohl auch nicht der Plan des Lebens sein. Denn wenn jeder mit sogenannten „Lichtnahrungsprozessen“ ala einer Jasmuheen in eine andere Bewußtseinsdimension aufstiege, würden wir das Leben und damit unsere persönliche Erlebniswelt und unser Schicksal betrüge= n. Es gäbe nichts mehr zu leben und erleben. Das Ganze gilt auch für= den Betrugsversuch anderer sogenannter Therapeuten, die sich selbst und andere einreden wollen mit einer Rebirting- Atemtherapie z.B. in Verbindung mit ei= nem Kurs über Reichtumsbewußtsein könnte man seinem Lebensabent= euer entfliehen und als Armer plötzlich reich werden. Sicher, die Kursleiter verdienen ein nettes Sümmchen dabei, aber außer dem Gelde werden weder Kursleiter noch Seminarteilnehmer klüger, welches eigentlich ihre wahre Aufgabe im Leben darstellt.

Das Lichte ist und bleibt immer das Erkennen und Anerkennen dessen was ist, nie aber was sein könnte, wäre man ein anderer.

Hilft ein Mensch einem anderen, auch wenn er sich Therapeut, Priester oder Guru nennt und in Erscheinung tr= itt mit Liebe in seinem inneren Wesen als „Orientierer“ einem ander= en Menschen zu erkennen, wer er ist und nicht, wer er sein könnte, wenn ....., dann ist er ein guter Mensch und bereichert das Lichte. Er wird dann weder seine Therapiemethode als einzigartig in den Himmel heben, noch wird = er es der Bereicherung wegen tun, sondern als Freund und Begleiter, des Intere= sses am Lichten tun.

Insofern bleibt die Liebe die Antriebsenergie des Lichten, denn die Liebe ist unser gemeinsamer Ursprung = aus dem „All-Einen“.

Aus der Liebe heraus kommt das Erkennen und aus dem Erkennen heraus kommt die Liebe.

Wobei die Liebe rein gar nichts mit lieb sein zu tun hat.

Erlebniswelten und Erkenntnis können sehr hart sein.

Schuld auf sich zu laden und es für andere zu übernehmen ist ein schweres Brot, Täter zu wer= den und Opfer zu hinterlassen bringt keine Freude, sich zu opfern, damit andere= leben können, bringt Leiden und Märtyrertum, intensives Lieben ohne etw= as zu verlangen, bringt Stärke, bittere Armut zu ertragen, bringt Zähigkeit usw.

Nur was bringt Ignoranz und Bequemlichkeit? Bringt es das Erkennen, bringt es Kraft oder bringt es die Nähe von Liebe und Mitgefühl?

Mir ist ein gewiefter Betrüger in all seinen Gemeinheiten lieber, als ein Mensch, der sich in seinem inneren Todsein bequem bei Kartoffelchips im Fernsehsessel zurü= cklehnt und über die selbst nicht gelebten Gemeinheiten dieser Welt redet und dabei gähnt oder urteilt.

Er wird nie eine Selbstachtung, innere Würde und Ehre verspüren können, so lange er die Welt nicht in Erlebnissen spürt. Zum Erleben gehört ein Körper un= d damit eine Seelen- und Körpererfahrung in gemeinsamen Tanz.

Nur welches unsere Rolle in di= eser Zeit und in diesem Leben sein mag, ist eine harte Suche und manchmal ein la= nger Weg vieler Jahre der Mißverständnisse. Nehmen wir uns immer wied= er einmal die Zeit zu schauen, was wir denn da eigentlich taten und immer noch tun, so kommen wir unserem persönlichen Geheimnis näher. Erreichen wir dann einen Punkt in unserem Lebensweg, der eine klare Veränderung einfordert, sollten wir sehr, sehr aufmerksam sein und eventuell gute Ratge= ber hinzuziehen, die unparteiisches Sehen eingeübt haben. Erkennen wir ein= en roten Pfaden in unseren vergangenen Aktionen und Wiederholungen, die uns Fr= eude und Leid brachten, sollten wir beginnen, von leidvollen Aktionen Abstand zu nehmen. Tun wir es nicht, folgt der Kreislauf des Leids. Dies geschieht dan= n in unterschiedlicher Form und Mechanismen. Ein Unfall oder eine Krankheit ist = immer ein Zufall. Nur verstehen sie den Zufall aus einer Ordnung heraus. Ihnen fällt etwas zu. Sie bekommen das, was Sie verdient haben. Verdienen ko= mmt vom Dienen.

Der Kraft, der Sie dienen, ist auch die Kraft, die Sie bedient. Dienen Sie der Freude, bedient Sie auch die Freude usw.

Dennoch gibt es einen Faktor, = der Ihnen das Gruseln lernen kann. Es ist der Schicksalsfaktor.

Das höchste Gesetz, ist d= em Gesamtgefüge zu dienen, in dem Sie ein Muster darstellen. Nehmen Sie I= hr Schicksal an, kommt Ihnen das Gefüge entgegen, verweigern Sie sich Ihr= en Anlagen, schlägt das Schicksal zu. Schicksalsschläge sind immer leidvoll, drum wünsche ich Ihnen, zu Erkennen und Licht in Ihr Leben zu bringen.

Bauen Sie Ihr Leben nach dem Prinzip der Selbstverwirklichung nach dem egoistisch therapeutischen Grunds= atz des sich Durchsetzens auf, machen Sie einen Riesenfehler. Sie werden immer = nur das Durchsetzen können, was Ihren Anlagen entspricht und das mit Freud= en. Wollen Sie das durchsetzen, was Ihre Umwelt als Überzeugung Ihnen einr= eden mag, leben Sie in einer Fremdüberzeugung, die Ihrem Wesen nicht entspricht. Die Zeugung sind Sie, die Überzeugung ist das Außen.= Entscheiden Sie sich, ob Sie ein Schauspieler in einem Film eines Anderen leben wollen,= ohne Ihre Marionettenfunktion zu spüren, oder ob Sie sich Selbst spielen wo= llen, auf dem Parkett, daß Sie selbst schufen. Tun Sie letzteres, könn= en Sie viele unterschiedliche Filme inszenieren und wechseln Kulissen, wie es Ihnen beliebt. Leben Sie als Marionette, verlieren Sie den Überblick u= nd ahnen nur noch im Unbewußten, was das Ihre ist.

Aber glauben Sie niemanden, der Ihnen sagt, Sie könnten mit genügend Bewußtsein alles tun u= nd bietet Ihnen diesen Bewußtseinskurs an. Es ist eine Lüge. Sie können immer nur das tun, was das Gefüge für Sie vorsieht. D= as Gefüge ist das Gesamtsystem des Lebens überhaupt, was gewöhn= lich als Gott bezeichnet wird. Das Gefüge hat eine klare Ordnung und brauch= t im Raum-Zeit Kontinuum eine Dialektik, eine Polarität, ein Spannungsfeld,= um überhaupt Leben hervorzubringen.

Wenn Sie ein Plusteil sind, können Sie aus sich selbst heraus kein Minus herstellen. Versuchen Sie= es dennoch, werden Sie aus dem System eliminiert. Dies geschieht nicht nur mit Ihnen als Einzelperson, sondern ganzen Gesellschaften im Kollektiv. Wird das Kollektiv unbrauchbar, weil es sich seiner vorgesehenen Rolle durch falsche Vorstellungen entzieht, wird es vom Plan gerufen.

Wie der Mechanismus funktionie= rt, können wir tagtäglich in unserem persönlichen Leben beobacht= en, wenn unser Blick dafür geschult wird. Und das werden Sie später erfahren.

Seien Sie mir nicht böse, wenn meine Worte manchmal sehr sarkastisch oder unangenehm scharf klingen. Meine Aufgabe ist Klarheit aufzuzeigen und dort zu Erhellen, wo Dinge im Dunklen bleiben wollen. Drum bin ich genötigt, oft bissig zu werden, w= ie es der Strahl einer grellen Taschenlampe auf die Augen eines im Dunklen Wandernden erscheinen mag. Dennoch verspüre ich tief im Innern eine Li= ebe zu jedem Wesen, weil ich immer versuchte, Leid nachzuvollziehen. Jedoch sind  einem jeden Menschen Gre= nzen gesetzt. Oft noch läuft mir ein kalter Schauer über den Rück= en, wenn ich viel Unverständnis und Ignoranz in der Welt wahrnehme. Aber i= ch fühle mich der Welt verbunden, drum ist sie mir nicht gleichgülti= g. Es gilt mir immer noch nicht alles gleich, aber ich kann ungleiches gut neb= eneinander stehen lassen. Ich meine nicht, das arm zu reich werden soll und schwarz zu weiß, aber mich gruselt, wenn Schwarz meint, es wäre weiß, oder Profilierung meint, es wäre bescheiden, oder Frau meint, es w&aum= l;re Mann. Dann verdreht sich die Welt und bekommt einen ungesunden Aspekt.

Wenn wir gemeinsam Licht in ge= rade dunkle Teile der Welt bringen, in Teilen, die von sich selbst meinen sie wären reich, weil sie Geld hätten, aber Liebe verloren, könn= en wir etwas Heilen, was sich lohnt zu heilen. Ich denke an den Forschergeist,= der vielen Neugierigen , die die Natur verstehen wollen, an den Erfindungsgeist vieler Techniker und Ingeniere, die phantastische Dinge entwickelten, aber = ich denke auch an Diejenigen, die in ihrer besessenen todkranken Gier versuchen, andere zu übervorteilen. Seid langem fällt mir schon auf, da&szli= g; wirklich bahnbrechende Dinge nicht mehr entdeckt werden, daß das große Abenteuer der Raumfahrt mehr aus Schau und Betrug besteht, als = aus seriösem Voranschreiten, ich sehe das die große deutsche Herausforderung eines auf Induktionsschleifen aufgebauten Transportmittels, namens Transrapid, aus imperialistischen Größenwahn an Geldmitte= ln scheitert und ich sehe auch, daß alle wegen einer Rezession jammern, = die durch ein verdrehtes Weltbild erst zustande kam. Doch scheint man scheinbar= nur Licht in ein Lebenssystem zu bringen, wenn es erst schmerzhaft spürbar wird. Im Leben ist es eine Krankheit wie Krebs, in Staatsystemen eine Krank= heit , wie Krieg oder Pleite.

Aber glauben Sie nicht, da&szl= ig; sich nur ein Fuchs, Vogel oder Baum um unsere Belange kümmern werden. = Die anderen Arten werden weiter grenzüberschreitend ihre Lebensfreude kund= tun, denn sie wissen, wer sie sind. Ein Fuchs glaubt bestimmt nicht, er wäre ein Vogel, und ein Baum wird sich hüten, wie ein Vogel fliegen zu woll= en. Begreifen wir, wer wir sind, gibt es keine Rezession und Kriege, höchs= tens mal ein paar Hungerzeiten und kleine Scharmützel.

 

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Die gemeinsa= me Reise und das Wir

 

Wenn ich ein Buch lese, interessiere ich mich für den Inhalt. Spricht der Inhalt mich an, fühle mich von ihm verstanden bzw. verstehe ihn, weckt der dahinterstehende Geist mein Interesse. Der dahinterstehende Geist zeigt sic= h aber als Mensch aus Fleisch und Blut, mit seinem persönlichen Leid und Freu= de, Erfahrungen und Geschichte, mit einem Schicksal.

Also will ich etwas erfahren v= on diesem Menschen. Wenn nun auf dem Buchdeckel nur ein Geburtsdatum und f&uum= l;nf Schlagwörter seines beruflichen Werdegangs stehen, empfinde ich es als enttäuschend. Fast würde ich sagen, ich fühle mich getäuscht. Der dahinterstehende Geist wird zu einem Phantom, bekommt k= ein Gesicht und damit auch keine Substanz.

Das Thema eines Schicksalsfakt= ors und die Erforschung des Geheimnisses des Lebens ist aber ein Gemeinsames zw= ischen Leser und Schreiber. Es ist eine Interaktion, eine gemeinsame Reise, die wir zusammen antreten.

Wenn ich mir Sie, lieber Leser, als Menschenwesen vorstelle, der mit mir an diesem Thema teilhat, dann sind= sie eben mit in der Geschichte. Sie sind ein Teil davon, weil Sie an meinen Gedanken teil-nehmen. Ohne Sie würde es doch sinnlos sein, überha= upt ein Buch zu schreiben. Da könnte ich mir ja alleine meine Gedanken mac= hen und sie an mir vorbeirauschen lassen. Aber gerade durch Ihre Anteilnahme realisiert und damit auch materialisiert sich ja dieses Ding, was Sie gerad= e in den Händen halten, mit Ihren Augen wahrnehmen und sich Buch nennt.

Ich, als der Schreiber bin zwar nicht das Holz, was in dem Papier verarbeitet ist, ich bin auch nicht die Druckertinte, die diese netten Symbole, die sich Buchstaben nennen, sichtbar macht, aber ich bin der Geist, der diese netten kleinen Symbole in der Form aneinanderfügt, so daß Ihr Geist sie aufnehmen und verarbeiten k= ann.

Somit glaube ich, daß es= Ihr gutes Recht ist, den dahinterstehenden Geist eines Schriftstückes substantiell kennenzulernen, ihn in den Bereich der Wahrnehmbarkeit zu rücken, ihn anfaßbar werden zu lassen.

Ich, als Derjenige, der sich I= hnen mit-teilt, habe da schon ein größeres Problem. Ich kann Sie mir jetzt als ein großes Publikum, also als eine unfaßbare Masse oh= ne Identität vorstellen, oder aber als eine kleine, vielleicht 6-köp= fige Gruppe in einem gemütlichen Blockhaus vor einem offenen Kamin, oder al= s Einzelperson mir in einem Sessel gegenübersitzend.

Sind Sie eine fremde Masse, si= nd Sie eine Vielzahl von Personen, die mir bekannt sind, sind Sie meine Familie oder Sippe, sind Sie meine Kinder, denen ich meine Erfahrungen mitteile?

Für mein persönliches Grundgefühl werden Sie am ehesten ein Bruder oder Schwester in einer gemeinsamen aber an unterschiedlichen Orten durchlebten Lebenszeit im Rahmen einer Familie um ein Lagerfeuer geschart sein. Dieser Rahmen entspricht am ehesten meinem archetypischen Bild von Kommunikation und Miteinander. Der u= mgebende Wald schützt uns und gibt uns Feuerholz, ein rauschender Gebirgsbach im fernen Hintergrund und eine kleine gurgelnde Quelle nahe bei uns, sowie das Knistern des Feuers gibt uns die Begleitmusik. Ein klarer mondloser tiefsch= warzer Sternenhimmel unter dem Kreuz des Südens macht uns unsere Winzigkeit a= ls Einzelwesen deutlich und läßt uns die Unendlichkeit von Raum und Zeit fühlen. Wir sind als kleine Gruppe Eins, verbrüdert, auf ein= em gemeinsamen Boot in einem gemeinsamen Zeitabschnitt. Wir haben uns getroffe= n, nach langer Zeit wiedergefunden und berichten nun über unser Abenteuer „Leben“, unsere Erfahrungen, unsere Visionen, unsere Gedanken u= nd unsere Entscheidungen für unser Leben.

So und nicht anders muß = es für mich als Schreiber sein. Ich habe ein tiefes Urvertrauen zu Ihnen,= als einen Teil in mir und außerhalb von mir, damit ich mein Inneres nach außen kehren kann und das Äußere zu meinem Inneren.

Und da gibt es noch etwas.

Manche von Ihnen sitzen merkwürdigerweise mit Bügelfaltenanzügen da, andere mit grel= ler Modekleidung, andere mit blütenweißen indischen Saris, andere mit einem Overall, eine meiner Schwestern hat diese modischen Stöckelschuh= e an den Füßen und einer ist zerlumpt und dreckig. Und doch ist jeder gekommen, dem anderen zuzuhören, ihn in seinem Dasein zu respektieren = und ihn als Geschwister anzunehmen. Jeder hat auf seiner persönlichen Reise durch „seine“ Welt und „seine“ Wirklichkeit etwas vollkommen anderes erfahren, keiner ist mehr so wie der andere und doch gib= t es die Gemeinsamkeit einer Familie und Sippe: Wir alle verstehen eine gemeinsa= me Sprache und sind alle gemeinsam bereit, dem anderen zuzuhören.

Alle haben wir unendlich viel = Zeit für diese Zusammenkunft, niemand wird uns stören können, weil unser Zusammensein außerhalb der Zeit und damit außerhalb aller geprägten Vorstellungswelten des persönlichen Alltags liegen.

Dies ist meine Vision von Ihnen als Leser, Bruder in der Zeit!

Ich erwarte nicht, daß s= ie mich verstehen werden in all meinen Gedankengängen, ich erhoffe mir au= ch nicht, daß wir nach dieser Zusammenkunft eine Einheitskleidung tragen werden, aber ich glaube im tiefsten Herzen daran, daß wir etwas voneinander über unser Lebensabenteuer gelernt haben.

Nehmen wir uns die Zeit, die A= ugen für die unendliche Vielfältigkeit des Lebens zu öffnen, in unseren Schwestern und Brüdern, in den Pflanzen und Tieren, in unseren Flüssen und Bergen, werden wir begriffen haben, wozu der „große Geist“ den Schicksalsfaktor erfunden hat. Wir werd= en begreifen, woher wir kamen, wohin wir gehen und wozu wir uns verkleiden, ja maskieren müssen und warum wir auf dem Weg leiden müssen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Unendlic= hkeit in Einheit

 

Unendliche Weite und unendliche Zeiten umgeben mich, frei schwebend im Nichts und doch den Lebensplan als e= ine Ahnung in mir begleiten mich. Ich habe vergessen, woher ich kam und wei&szl= ig; auch noch nicht wohin die Reise geht, aber spüre, daß ich geschi= ckt werde von einem Etwas, was keinen Namen hat und damit nicht aussprechbar is= t. Ich denke nicht, sondern spüre nur ein Geschehen. Da ist nur ein Lausc= hen auf etwas, aber ein inneres Lauschen, was keiner Ohren bedarf. Die Buddhist= en sagen dazu, es wäre ein tiefes Brummen und Schwingen, daß sie da= nn als Om ... benennen. Ich kann es noch nicht ein mal als Om identifizieren, = weil es noch gar kein Identifizieren gibt. Wenn ich nicht bin, gibt es auch kein Ich, wenn es kein Ich gibt, gibt es auch kein Om.

Und dennoch gibt es mich als Einheit in einer Einheit, daß man vielleicht als allumfassendes und allgegenwärtiges Einssein umschreiben könnte.

 

Die = Ahnung geht auf die Suche,

doch= sie kennt kein Ziel,

befi= ndet sich auf einem Wege

und = hat doch keinen Willen.

Die = Ahnung nimmt alles in Allem wahr,

doch= sie braucht kein Wissen,

sie erkennt alles Sein

und = doch ist selbst kein Sein.

Sie = schaut sich um, im Unendlichen sein,

hat = keine Augen und ist doch Allwissend.

Ich = bin eins in Gott und habe Dich dennoch verloren,

weil= leben als Gott, kann ich mich nur leben in einem Wesen, brauche Grenzen in meiner allumfassenden Größe,

um m= ich selbst zu betrachten, um mich selbst zu fühlen,

um zu erkennen mein Wesen.

Darum opfere ich mich für die unendliche Größe,=

die = in mir wohnt und gebe mir Blöße,

teil= e mich auf in das Kleine, in Grenzen,

auf = das ich durchs Leben erfahre das Außen.

Denn= bin ich nur Innen, werde ich nicht zum Sein,

erst= das Außen gibt mir Entrinnen, gibt mir Raum und Hiersein. Doch die Zeit g= ibt mir Ursprung,

die Spaltung gibt Kraft,

mu&s= zlig; aber vergessen die Einheit

und = mich fügen der Macht,

doch= die Allmacht bleibt Liebe,

in m= einem himmlischen Gefüge,

kehr= e ich zurück aus dem unendlichen Lauf,

blei= bt die Erfahrung, das Kreisen, der Raum.

Lebe= n ist Spannung, Spaltung und Grauen,

doch= ohne Leben bleibe ich in fernen Auen,

kann= nicht fühlen, nicht sehen, nicht hören, nicht schmecken, verliere mich = in unendlichen Strecken.

 

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1. Phase - S= paltung, der Anfang eines Lebens

 

Doch da ist etwas ganz plötzlich um mich, etwas Greifbares, etwas Hörbares.

Kurz, ich bin geboren als Mens= ch in Deutschland Berlin, Spandau an den Flüssen Havel und Spree, am 22. April 1953 um 17.36 Uhr.

Meine Umgebung ist nicht gerade das, was ich mir so darunter vorgestellt habe. Irgendwie scheinen diese Wes= enheiten um mich herum vergessen zu haben, was ich eigentlich als dieser Organismus, Mensch, brauchte. Als ob der Schock des Ursprungs, und das war ja wirklich = ein heftiger Sprung in die Zeit, nicht reicht, behandelt man mich als ein Tier,= welches das Muttertier nicht wärmen oder säugen darf. Dabei steht in mein= er Körperahnung doch klar geschrieben, ich habe ein Anrecht auf Wärm= e, Nahrung und allgemeiner Gemütlichkeit. Statt dessen werde ich in einem Rhythmus, der nicht in meinem inneren Plan geschrieben steht, genährt = und erhalte einen mich wärmenden Körper, der mir sehr bekannt ist. Den Körper nennt man hier Mutter, den Rhythmus Uhr. Es gefällt mir hi= er gar nicht, ich will wieder zurück in den Mutter-Körper, nein bess= er zurück in das Einssein. Aber die Wahl ist getroffen, der Rückweg versperrt. So ein Mist, da kann man doch nur wütend werden und sich die Seele aus dem Hals schreien, bis man letztendlich in ohnmächtige Trauer fällt und wieder abtaucht ins Träumen über die allumfassende Liebe und Einheit des Nicht- Seins. Und doch wird da etwas anderes spürbar, es ist Haß und Ärger auf das, was mich umgibt. Er prägt sich ein und prägt mich, als eine Art Empfangsmusik. Kein schöner Klang, zugegebenermaßen, aber es ist etwas, was ist, was bestand hat. Außerdem ist da auch noch etwas anderes, was ich schon v= or dieser schrecklichen Zeit des selbst atmen Müssens empfand. Es ist die= ser Körper, in dem ich wohne, der wuchs, sich langsam ausbreitete und eine seltsame Form annahm. Das ist doch wenigstens was, oder. =

Ich bin!

Ich bin da, jetzt und hier!

Das Jetzt ist da merkwürd= ig aufgeteilt. Die messen das alle in Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen, Monat= en und Jahren. Weil sie das alle selber nicht so recht begreifen und auch gar nicht als Wirklich spüren können, haben sie da so ein komisches D= ing an dem einen Extremität, was sie Uhr nennen, auf das sie immer wieder eilig drauf starren und danach eine erkennende verstehende Miene im Gesicht zeigen, so, als würde ihnen dieses Ding, namens Uhr, ihnen etwas neues sagen. Sie scheinen dieses Ding auf jeden Fall sehr interessant zu finden, = aber manchmal erscheint es auch, als würden sie, wie so leblose Körper danach funktionieren.

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, als sei dieses Ding der größte Feind mein= es Jetztdaseins. Der Körper, den sie meine Mutter nennen, reagiert und funktioniert nach dem gleichen Rhythmus, wie der Körper, der hier Kran= kenschwester genannt wird. Das kann doch eigentlich nicht sein und erscheint mir recht ungesund. Meine Mutter ist doch nicht die Krankenschwester und umgekehrt. D= ie Krankenschwester ist noch nicht mal eine Schwester von meiner Mutter und be= stimmt darüber, wie oft ich Wärme und die warme Flüssigkeit haben d= arf, die mich noch mit dem Einssein verbindet. Ich glaube, die wollen mich hier nicht haben, ich soll wieder gehen, irgend woanders hin. Ein merkwürdi= ges Theaterspiel, eine merkwürdige, irgendwie ungesunde Kulisse und welche Rolle soll ich hier spielen?

Wer sind die überhaupt, daß sie mich so wenig achten, der ich doch gerade hier angekommen bin= . Da hatte ich nun schon den Mut, den unendlichen Raum zu verlassen und etwas für das Ganze beizusteuern und werde nun so blöd empfangen.<= /o:p>

Irgend wie Scheiße, das Ganze.

Und wieder spüre ich in m= ir etwas Neues, was mir zwar nicht im Einklang mit diesem Lebenskörper erscheint, aber dennoch ist. Es ist der Trotz und das Zurückziehen. Und wieder spüre ich: Ich bin!

Nur diesmal bin ich mit Wut und Trotz und Unverständnis und Sehnsucht nach der verlorenen Einheit. Der Sprung aus der Unendlichkeit in eine Greifbarkeit ist gelungen. Ob da nun e= in Begreifen daraus wird, bleibt erst noch dahingestellt.

Was ich sagen wollte, ist, mein Start ins Leben war für mich als organisches, sich immer noch an eine Einheit klammerndes Lebewesen nicht gerade das war, was man sich als harmon= ischen Klang vorstellt. Was ich auch bis heute nicht recht verstehen kann, ist, daß ein Menschenkind in einem Haus das erste Licht der Welt, also ein= er vollkommen neuen Dimension, erblicken soll, was sich Krankenhaus nennt. Eine Geburt hat ja wohl mit Krankheit gar nichts zu tun, es sei denn, man bezeic= hnet das Neugeborene als eine Art von Virus, welches lieber in Isolation vor ein= er heilen und sauberen Welt isoliert werden sollte.

Und da fängt eben schon m= al die Distanzierung zwischen außen und innen an. Und das sind die ersten Prägungen in einer neuen Welt. Kein Hund und keine Katze muß die= se Entfremdung erdulden, denn sie werden ja nur als Tiere von uns gesehen, also als etwas, was unter uns steht, unter unserer Würde ist und damit als Anderheit in der Welt unseres Erlebens ausgegrenzt wird. Jeder Mikroorganis= mus, jede Art von „Schmutz“ wird ausgegrenzt, um dem ach so geheilig= ten Menschen eine garantierte Gesundheit zu geben.

Dies folgte dann als Erfahrungsbilder in meinem Heranwachsen in einer Stadtgesellschaft, die sich von der Natur isolierte und anderes Leben nicht mehr herein lassen wollte. =

„Mach Dich nicht dreckig, Junge!“, ist einer der typisch mütterlichen Besorgnisse.

„Paß doch auf, wo = Du hin trittst“, heißt es, wenn man mal hin fiel und sich einen blutigen Ratscher am Arm holte.

„Kannst Du nicht einmal pünktlich nach hause kommen“, schrie es mir entgegen, wenn das E= ssen mal wieder kalt war, was mich eigentlich als Kind nicht weiter störte.=

„Mußt Du immer so = laut sein“, heißt es, wenn ich mal vor Freude oder Schmerz schrie.

Kritik und Begrenzungen fanden sich tagtäglich in meinem Lebensgefüge, was die Großen Erziehung nannten.

Schuld war immer und fortlaufe= nd mein Begleiter, Hunger jedoch nie. Mütterliche Wärme wurden im La= ufe des Aufwachsens immer seltener, väterliche Wärme waren tabu. Ein Vater ist die absolute Macht, der Herrscher, aber nicht wirklich greifbar, = weil distanziert und kalt. Ich war ja nicht doof, als kleiner Steppke, und konnt= e ja noch wesentlich besser hinter die Dinge sehen, als die Großen. So sah= ich schon die künstlich zurückgenommenen Gefühle meines Vaters, = der tagein tagaus aus dem Haus ging und mit schlechter Laune wieder zurückkehrte. Was dieser große Mann machte, machte ihm offensichtlich keinen Spaß. Er sagte immer, ich muß es machen, = um Brötchen zu verdienen.

Ich bin ein Junge und werde später mal ein Mann und das was Männer machen, wenn sie aus dem H= aus gehen, macht keinen Spaß und sie kommen unglücklich nach hause. = Das merkte ich mir! Das war eine Prägung.

„Geld verdienen macht ke= inen Spaß und ist mit entfremdeter Mühsal verbunden und Geld ist immer knapp“, also muß es wenig Geld geben und das männliche Leb= en dreht sich um Geld und Mühsal. Ich lernte eine ganze Menge dazu, nicht wahr!

Dann die fehlende Anwesenheit = des Vater, des großen Mannes, der nie Zeit hatte, weil, er mußte ja Geld verdienen gehen, sagte mir: „Geld verdienen, heißt, keine = Zeit zu haben und „abgespannt“ nach hause kommen“.<= /span>

Dann kam die Schule.

Angst!

Das Haus und die Sicherheit verlassen, wieder einmal abrupt und nicht fließend und weit entfernt = mit Straßenbahn und strammen Laufen verbunden.

Die Schule selbst lag dann auch noch in einem isolierten Bereich im Grünen von Berlin, Spandau, umspan= nt von einem ewig langen und ziemlich hohen Eisenzaun, zwischen dessen Sprossen man nicht den Kopf stecken durfte, weil man ihn danach nicht wieder herausbekam. Das hatte ich mir nach einem Panikanfall gut gemerkt. „Vorsicht, der Zaun ist eine Kopffalle!“ man bekommt ihn zwar irgendwie zwischen die Sprossen, aber die verdammten Ohren ließen den Kopf nicht wieder raus.

Das ganze Gelände gehörte der evangelischen Kirche, wurde als überdimensionales Altersheim, Pflegeheim, Krankenhaus und Grundschule benutzt und von mir als Kind als erschreckender Ort der Krankheit identifiziert. Ich wollte ja Leben und Spiel und nicht Krankheit und Krüppel. Es hing immer der Gedanke v= on Bedürftigkeit in der Luft, das gemeinsame Miteinander in Christlichkei= t, die ich so nicht verstand. Ich kann mich noch gut an den Nachhilfeunterrich= t, ich weiß nicht mehr welches Fach, erinnern, in einem Pflegehaus f&uum= l;r Menschen mit Kinderlähmung und spasmischen Lähmungen. Es roch da = nach Medikamenten und irgend etwas anderem, was mich gruselte. Nur gab es da eine Frau im Rollstuhl, die gab den Nachhilfeunterricht einzeln, nur für mi= ch. Es war ein liebe Frau, aber es war ein Mensch, der ein Schicksal zu tragen hatte, das ich nicht verstand, mit dem ich nichts zu tun hatte. Sie selber = war eigentlich akzeptabel, aber die Umgebung, das Haus war für mich ein Ha= us des Gruselns.

Ob es da wohl nach Krankheit r= och, nach Tot oder Verderben?

Es ist schon merkwürdig, = wie sensibel ein Kind spürt, wenn etwas da ist, was nicht so sein sollte, = wie es ist.

Zum Glück habe ich mir di= ese Eigenschaft noch bis heute erhalten!

Mein Leben zu hause ging weiter seine normalen Bahnen. Die Mutter war akzeptabel, lieb und beschützend, der Vater kam schlecht gelaunt nach hause, so daß wir alle (ich, mein Bruder und die Mutter) zitterten, wenn wir sein Schlüsselbund im Türschloß hörten, mein Bruder ging zum Kinderpsychologen und die Oma verlangte, Großmutter genannte zu werden und trieb ihre unsichtbaren Keile zwischen uns allen. Jeden Tag kamen neue Prägungen dazu.

Das Thema Gerechtigkeit in der Welt wurde dann in der Schule auch schon früh praktiziert. Ich hatte in besagter christlicher Schule einen Klassenlehrer über 4 Jahre. Herr Stegemann (Name verändert) war enorm potent darin, immer nur mich zu erwischen, wenn ich mal nicht „aufpaßte“ oder träumte oder mit meinem Nachbarn redete. Seine Methode der Justiz hieß dann „Frühstück“, wobei er den abgewinkelten Daumen nahm, = um über die Haare der Schläfen mit enormer Kraft zu reiben oder genau diese empfindlichen kindlichen Häarchen zu nehmen und den Kopf daran h= ochzuziehen. Da sah man keine blauen Flecken hinterher. Er hatte noch andere recht kreat= ive Methoden entwickelt, um uns das christliche Wesen von Liebe und Brüderlichkeit näher zu bringen. Die Falschheit seines Systems em= pfand ich damals leider als eine Unzumutbarkeit und verstieß ganz extrem ge= gen meine kindliche Ethik. Als ich ihn darauf hinwies, bekam ich postwendend schlechtere Noten, ständige Ermahnungen, Klassenbucheintragungen, bis = ich meiner Mutter gegenüber die Schulverweigerung aussprach.

Sie hatte dann, als richtige Löwenmutter auch den Mut, zu besagtem Lehrer zu gehen, um ihm meinen Entschluß mitzuteilen. Irgendwie fanden sie scheinbar ein Abkommen, d= er als Ergebnis die totale Ignoranz meiner kleinen Person nach sich zog, eine = Zahl unter der wirklich verdienten Note und ansonsten Waffenstillstand. Ich hörte dann Jahre später, daß besagter Pädagoge aufstieg zum Oberschulrat – hoffentlich in einer Position, in der er weniger Schaden anrichten konnte.

Ja, ja, späte Rache, Herr Stegemann!

Aber ich habe etwas sehr wichtiges, vielleicht sogar das aller wichtigste für mein Leben in der Menschenwelt gelernt: Gerechtigkeit und Justiz sind zwei verschiedene Dinge. „Gerechtigkeit ist die Justiz Gottes bzw. des Schicksals, Justiz ist Macht“. Seitdem mir dies als Erwachsener später richtig bewu&szl= ig;t wurde, unter anderem nach einigen sogenannten Prozessen, lächle ich nur noch über die Justiz und weiß ....., daß auch Richter durch den Schicksalsfaktor gerichtet werden!

Je weiter in einem Staatsgebil= de Gerechtigkeit und Justiz auseinanderklaffen, desto kranker ist der Patient Staat und wird bald ein Bärenkur durchmachen müssen, um zu begrei= fen.

All die Herrn Stegemanns, Müllers und Pinochets werden wichtigst gebraucht und geliebt, um die Dialektik des Lebens aufzuzeigen, zwischen Fehlbarkeit und Unfehlbarkeit, d= em Lichten und dem Dunklen.

Als kleiner Steppke ist dies allerdings noch schwer verdaubar. Man lernt ja noch, auch von den Herrn Pädagogen und man lernt, wie man mit den Kameraden umzugehen hat. Lieb= en und betrügen, besser sein und den anderen niedermachen. Stärke ist Anerkennung, Schwäche ist Verlust.

So einfach ist das, .. wenn man die Dialektik begreift.

Ich will reich sein, dafü= r wird ein anderer arm sein. Es klingt bitter, traurig, macht schon als Kind wütend und ist doch nötig für das irdische Gefüge.

 

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2. Phase und= die Pubertät

Im Gymnasium ging mir denn lan= gsam auch die Luft aus. Lernen hatte etwas mit Herumsitzen zu tun, mit Zahlen, L= atein, besser sein als der Nachbar. Selbst als Jugendliche wurden wir nicht gefrag= t, was wir eigentlich lernen wollen, wo unsere Stärken liegen, sondern sollten uns anpassen an ein Weltbild, bei dem sich die Erde um die Sonne dr= eht, obwohl wir doch mit unseren eigenen Augen die Drehung der Sonne jeden Tag um die Erde beobachten können. Wir lernten weder, wie man jagt, noch Beer= en findet und pflückt, noch etwas über unser Menschsein an sich, noc= h, wie man ein Lagerfeuer mit feuchtem Holz entzündet, was die Sexualität mit Liebe zu tun hat, geschweige denn, was Liebe überh= aupt ist. Wir lernten nichts über die Wesenheiten von Pflanzen und Tieren, sondern wie einzelne tote Pflanzenfasern unter dem Mikroskop aussehen und m= it welchen Wörtern man Kleinstpartikel benennt.

Wäre ich damals zu meinen Lehrern gegangen und hätte ihnen etwas über ein Seelenleben der Pflanzen oder anderer Lebewesen erzählt oder sie darum gefragt, wä= ;re ich schon wieder verhaltensauffällig geworden. Nur gut, daß ich damals nicht mehr an eine Seele glaubte. Ich wäre als Idiot oder Ketze= r niedergemacht worden und mein Zensurendurchschnitt wäre noch weiter in den Keller gegangen. Irgendwie wußte etwas in mir, daß ich mich selbst bes= chützen muß.

In all meiner Verwirrung, Nich= t- Angepaßtheit suchte ich mir einen Ausgleich. Das waren das Basteln, d= ie Sterne und die Psychologie.

Als 12-jähriger baute ich große Modellsegelboote mit einem richtigen Bleikiel, lenkbarem Großsegel und allem Schnickschnack, mit denen dann Regatta gefahren w= urde. Hin und wieder gewann ich Preise, die mir in der Schule verwert wurden.

Während die anderen Latein büffelten lernte ich Esperanto, fuhr abends zur Berliner Sternwarte in Schöneberg, ca. 80 Minuten einfache Strecke mit dem Bus, hörte mir Seminare für Erwachsene Astronomen an und war als jüngstes Mitgli= ed der Sternwarte mit 14 Jahren in einem Kurs dabei, wo man sich sein Spiegelteleskop selber bauen konnte. In monatelanger mühseliger und geduldiger Schleifarbeit entstand zwischen lauter großen Leuten mein = Parabolspiegel. Gut kann ich mich noch an den Geruch von Carboneum erinnern, was als Schleifmittel diente. Mein Stolz war schon recht mächtig, als ich Mars, Jupiter und Saturn das erste mal durch mein eigenes selbst gebastelte Spiegelteleskop sah.

4 Jahre braucht Alpha Centauri= mit seinem Licht hier anzukommen, 8 Minuten die Sonne, 1 Sekunde der Mond ̵= 1; was für eine phantastische Geisteswelt. Ob die Erwachsenen mich als Jugendlicher zwischen ihnen als Störenfried empfanden oder nicht, konn= te ich in der Sternwarte nie herausfinden. Ich glaube, ich war ein bebrilltes Muttersöhnchen und Exot zwischen ihnen. Andere Kameraden gingen in die= Diskotheken und ich schliff Parabolspiegel, las Bücher über Psychologie und machte Hypnoseversuche mit einem Schulfreund.

Die Zeit der Hypnoseversuche w= aren allerdings schon schwer verdaubar für mich. Ich konnte ja mit keinem Lehrer darüber reden und auch nicht mit meiner lieben Mutter. Die hatt= en ja alle keine Ahnung davon, keine Ahnung von dem, was mich interessierte. <= o:p>

Aber ich hatte einen guten Klassenkameraden, nennen wir ihn Axel Huber. Der war ganz scharf auf die Hy= pnoseversuche, denn wir versprachen uns „Lernen im Schlaf“ davon und das Erforschen unseres Gehirns und mehr Erfolg und Mut bei den Mädeln.

Lernen bedeutet immer Risiko u= nd vielleicht sich die Hände verbrennen, wenn man keinen Lehrmeister hat.= Ich bestellte mir einen schriftlichen Lehrkurs für 100 Mark, der das Hypno= tisieren in 2 Wochen versprach. Die Annonce fand ich in einem meiner geliebten Perry Rhodan Hefte.

Also rann an die Arbeit, studi= erte ich die Lehrhefte, machte mit meinem Freund die ersten Suggestionsversuche = und Übungen und brachte tatsächlich den Axel in Hypnose. Das Ganze war auch gar nicht schwierig für mich, so als kannte ich die Materie aus e= iner anderen Zeit. Der Freund schrieb dann tatsächlich in der Schrift eines 7-jährigen, erinnerte sich an Geburtstagsgeschenken seines 3. Geburtst= ages und konnte sich wesentlich besser an die Englischvokabeln erinnern, als es normal je möglich gewesen wäre.

Als er aber dann nach ca. 1 Ja= hr anfing in einer Sprache zu sprechen, die es auf dieser Welt nicht gibt, ein= er Sprache die so ähnlich klang wie die Harry Potters mit den Schlangen, = kam schon etwas Gruseln über meinen Rücken. Aber wo menschlicher Geist forscht ist er schwer zu bremsen. Neugierde ist eine total schöne aber auch sehr gefährliche Gabe. Also forschten wir beiden Zwerge von ca. 15 Lebensjahren weiter. Axel schrieb in dieser fremden Sprache, die ähnli= ch aussah, wie das arabische (aber doch anders, weil ich nun arabisch etwas kenne). Er redete von Erlebnissen, festgebunden und verankert auf einem Konsolensitz in dem er Jahrelang verweilen mußte. Letztendlich gab es Schwierigkeiten bei dem Zurückholen aus der Trance bis hin zu gefährlichen Situationen auf dem Balkon unserer Mietswohnung.

In mir tauchte ein klares rotes Licht auf, was mir sagte, keine solchen Versuche mehr. Die Situation wurde = so unheimlich und beklemmend, daß ich beschloß, alle Schriftstücke und Tonbandaufnahmen zu vernichten. Etwas in mir hat es  beschlossen, nur war mir nicht kla= r, wer in mir die Entscheidung traf, wichtiges Material zu vernichten.<= /span>

Also wurde ich auch recht früh mit einem Mysterium konfrontiert und noch heute würde ich als reifer Mensch sagen, das Material und die Situation war absolut echt und ni= cht anzweifelbar (außer von der Wissenschaft, die die Wiederholbarkeit ei= ner spontanen Situation fordert).

Irgendwann in der 11. Klasse g= ing ich dann vom Gymnasium “ab“. Abgehen war immer das Wort für die Erfolglosen, die es nicht schafften, die nicht durchhielten oder die einfach keine Lust mehr aufs Pauken hatten. Bei mir waren es wohl alle drei Dinge.

Was tun also?

 

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2.&n= bsp;     Phase und die Anpassung an die Welt

 

Mutter sagt, eine Lehre machen, Vater sagt, ist mir alles egal, aber Du bist technisch veranlagt. Also wurd= e gemeinsam etwas gesucht, was in die Vorstellungswelten meiner Eltern und der umgebend= en Gesellschaft paßte.

Elektronik ist gut, Mechanik a= uch, also begann ich eine Lehre als Elektromechaniker im größten deut= schen Elektrokonzern.

Die Eignungsprüfung, die = man da ablegen mußte, fiel gut aus. Zum Glück haben sie nur die Funktionen meines Körpers und Intellekts kontrolliert, einer psychologischen Kontrolle hätte ich wohl nicht standgehalten.

Also ging die Tortur weiter. Anpassung an die gesellschaftlichen Bedürfnisse, nur diesmal in praktischem Bereich. Ich kann Ihnen sagen, 1 Jahr hintereinander an Werkstücken herumzufeilen, Würfel, Hämmer, Dreiecke usw. war= ein gutes Training dafür, wie halte ich einen Abstumpfungsprozeß dur= ch, ohne zu Grunde zu gehen. Gemein gesagt könnte ich auch das als einen Anpassungsprozeß am Sklaventum benennen. Dieser schöne alte schw= arz- weiß Film über „Utopia“, eine Stadt der Maschinen, drückt ganz gut die Örtlichkeit meiner Leerzeit aus.

Ich lernte dabei zu verstehen,= wie es möglich ist, über ein Sklaventum und Volksverdummung man einen Weltkrieg entfesseln kann und wie, die nötigen Waffen produziert werde= n.

Erstaunlicherweise merkte das = kaum jemand um mich herum. Die anderen lebten von einem Wochenende zum näch= sten, träumten von Mallorca, neuen Autos oder aber auch nur von der neuen Beleuchtungsanlage in ihrer Mietwohnung im Badezimmer. Ich war heilfroh, daß ich mit meinem Lehrgeld mir ein kleines Zimmer leisten konnte und einen alten VW- Käfer Baujahr 1956.

Aber ich lernte. Ich lernte wiederum das Meister Krause, hoch auf seinem Podest über den anderen thronend launisch Ungerechtigkeiten straflos austeilen konnte, lernte, daß das Hinweisen meinerseits darauf bestraft wurde. Lernte bei einem kleinen unverschuldeten Autounfall, daß ein Polizist vor Gericht mehr wert ist, als ein Lehrling. Der Polizist ist in meinen Käfer reingefah= ren. Ich lernte an schweren Bohrmaschinen, Drehbänken, Stoßmaschinen = und Biegevorrichtungen zu arbeiten, lernte das Feiern mit den Lehrlingskollegen, lernte, daß man in der Industrie in der Gewerkschaft sein sollte und = doch die Klappe halten muß. Und ich lernte, daß man unter Neonlicht, Werkbänken, Zementfußböden alle Hoffnung auf ein Leben mit Blumen, Sonne, Wald und Flüssen aufgeben muß. Da gibt es nur noch das Werken für den Menschen, durch den Menschen und über den Menschen. Andere Welten sind nicht vorgesehen und wenn, dann kann man sie s= ich im Fernsehapparat als Tiersendung betrachten. Den Fernseher verdient man si= ch über das arbeiten in diesen Werkhallen.

Damals kannte ich noch nicht d= as Ausmaß dieses Teufelskreises, dieser Vorstellungswelten und die Verar= mung der Gefühle und Empfindungswelten meiner Zeitgenossen.

Aber, wie gesagt, keiner merkte es!

Ich jedoch, von Tag zu Tag verzweifelter, abends mit meinen Freunden Whisky saufend und besoffen mit d= em neuen gebrauchten Opel Kadett Coupe (68) über die Stadtautobahn heizen= d, von schönen Mädchen träumend, eine Tüte Marihuana rauch= end, Urlaub in Calella in Spanien planend, hielt durch. Am Kurfürstendamm in den Club 2 gehen, bei guter Musik mit Pink Floyd und Hawkwind sich bedröhnen, beim Athener Grill eine Pizza für 2 Mark kaufen, Billa= rdspielen um die Ecke, mein Auto suchen, weil ich mal wieder den weit entfernten Park= platz vergessen hatte, ist auch eine Erlebniswelt. Aber das Einnehmen von LSD war= da schon heftiger, brauchte seine Vorbereitung mit meinem Freund Klaus und ein= em Schachspiel vor unserer Nase. Die Spielregeln veränderten sich urplötzlich, je nach Bedröhnungszustand, die Pferde liefen gerade, die Läufer um drei Ecken herum, die Türme übersprangen die Königin – die Welt hatte plötzlich andere Regeln. Sie hatte= die Regeln des inneren Selbst und brachen so plötzlich heraus, daß es kaum zu ertragen war. Klaus spielte nach seinen Regeln und ich nach meinen = und es klappte wunderbar ohne Streit und Justiz. Wir sahen hohe Flammen aufstei= gen an verschimmelten Tapeten, Farbkompositionen, die auf die Musik reagierte, = wir sahen all das im Extremen, was unsere fremde Umwelt uns sonst vorenthielt. Etwas lästig war dann schon das Klo einen halben Stock tiefer oder die Duschkabine in der Küche, weil es kein Bad in der Mietskaserne Berlin, Moabit, Beusselstrasse gab.

Aber wir fanden uns Selbst wie= der, im Chaos der Droge. Unser Selbst, welches wir fast verloren hatten hinter d= en Steinmauern einer Fabrikanlage mit den Neonröhren. Die Drogen halfen u= ns, unser Selbst nicht gänzlich zu verlieren, selbst mit dem Risiko einen sogenannten Horror zu kriegen. Mein Kumpel stammte aus Lüneburg und ha= tte einen liebenswerten Alkoholiker als Vater und eine eiskalte Mutter. Auch ni= cht so ein einfacher Start. Dann gab es da noch den lieben Michael, Kunststudent seines Zeichens, Teetrinker und ganz brav und doch rauchte er manchmal versteckt einen Joint, um Visionen für seine Bilder zu bekommen. Da ga= b es den Tito, der sich mit Grippe in die Diskothek wagte, wild „abtanzte&= #8220; mit ordentlicher Alkoholdosis, im Klo zusammenbrach und mit 18 Jahren einen Herzfehler davontrug. Da gab es den Jürgen, der sich immer ganz toll u= nd furchtbar schön fand, die Mädchen, die er „flach legte̶= 0; abzählte, erstaunlich viel Whisky trank und mir noch vor 2 Jahren die Wichtigkeit eines neuen Hausanbaus erklärte und die Vorteile der Feder= ung seines neuen Autos beschrieb. Aber was ist aus den Umarmungen geworden, aus= den einfachen herzlichen und liebevollen Gesten? Die meisten haben sie verloren, nach 20 oder 30 Jahren Industriewelt.

Ich merke schon, wenn ich so weiter mache, werde ich keinen Verleger finden, denn der fühlt sich ja dann plötzlich selbst angesprochen. Aber es geht ja auch nicht um das Thema der Kritik, wie sie später sehen werden, sondern um das Thema der Auslieferung Ihres Schicksals an ein System von Vorstellungen, die mit Ideen besetzt sind, die nicht die Ihren sind.

Und mir ist es wurscht, ob das Buch gedruckt wird oder nicht, denn an meiner Vergangenheit und meinem Wesen wird nicht mehr herumgeschminkt oder eine Maske aufgelegt.

 

 

Wenn man 15 Jahre lang als verkorkstes Muttersöhnchen aufwächst, was sich stellvertretend für den Vater um den rheumatischen Rücken der Mutter kümmern soll, unter ständiger Angst des Selbstmords der Mutter ihre Krankenges= chichten und Mordgedanken an den Vater reinziehen muß, gibt es irgendwann einm= al keine Ängste mehr. Sehen Sie, wie wichtig schlechte Erfahrungen sein können. Man wird zäh, manchmal leider auch hart.

 

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4. Phase und= die Suche nach dem Ich

Nachdem diese, wie ich im Nachhinein empfinde, wirkliche wichtige Lehrzeit, verbrieft mit Zertifikat = der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, abschloß, stand ich erneut vor der großen Leere. Ich hatte in der Lehre gelernt, wie sehr man sich ausleert und ausliefert, wenn man die Denkmodelle der Anderen kritiklos übernimmt und zu seinen Eigenen macht. Das Ergebnis dieser Art von Übernahme sah ich tagtäglich in den Gesichtern, Bewegungen und Gedanken meiner Mitmenschen. Wenige lachten noch herzlich, wenige verstanden noch Begriffe wie Brüderlichkeit und Liebe, die Mundwinkel waren nach unten gezogen, die Interessen gingen in die Richtung, die die breite Masse für annehmbar hielt. Gab es bei einzelne Menschen Ausbrüche (Bade= r- Mainhoff), so waren sie rein oppositionell, also damit dem Widerstand an das Konventionelle gekoppelt und damit wiederum verbunden mit dem alten System. Kaum jemand kam auf den Gedanken weder das Alte zu verfluchen noch zu liebe= n, sondern einfach es hinter sich zu lassen und sein eigenes Ding zu finden. E= twas Neues zu suchen und zu machen.

Ich saß verzweifelt 14 T= age nach der Lehrzeit in meiner kleinen Mietsbude und wußte einfach nicht= was tun. Da war keiner da, der mir einen Tip gab, der mich ans Händchen na= hm und eine neue Alternative für mein Leben aufzeigte. Man wollte mich sc= hon noch in der großen Firma übernehmen, zu verhaltensauffällig= bin ich offensichtlich nicht gewesen. Aber ich haßte inzwischen diese hoh= en Mauern, unterirdischen Gänge, riesigen Parkplätze, monströse= Kantinen, Materialausgaben und die Meister Krauses.

Ohne Reservegelder kündig= te ich kurzerhand und suchte mir einen Job, nun als anerkannter Facharbeiter, = in einem winzigen Familienbetrieb, der sich um das Reparieren und Verkaufen großer Geschirrspülmaschinen kümmerten. Der Chef war so schmierig und schleimig, das ich nach zwei Wochen merkte, warum er sich woh= l um Spülmaschinen kümmerte. Der wollte sich wahrscheinlich selbst dam= it reinigen, um wieder sauber und rein zu werden. Nur hat er wohl nicht gemerk= t, daß er weder Tasse noch Teller war.

Kurzum, ich kündigte und suchte weiter, ohne Gelder vom Arbeitsamt zu erbetteln. <= /p>

Da ich wegen der auffälli= gen Unzufriedenheit und Liebesunfähigkeit meiner Mitmenschen immer schon meinen Zweifel am Lebensort hatte, schon lange vom Auswandern träumte, schon immer die Welt verbessern wollte, mußte ich erstmal die Welt kennenlernen. Und dazu braucht man ein Schiff oder ein Flugzeug.=

Also besorgte ich mir einen 35= .000 Tonnen Frachter in Hamburg als neues Spielzeug und Erlebniswelt. So schwier= ig war das auch gar nicht, anbetracht meiner Naivität. Da ich ja nun nicht den Frachter alleine lenken konnte, noch etwas von Navigation, Schiffsmasch= inen und Frachtverschiebung verstand, organisierte ich mir das entsprechende Mat= erial und Personal. Man glaubt gar nicht, wie einfach das geht. Ich mußte n= ur zum Seefahrtsamt gehen, ein Seefahrtsbuch organisieren, was dank meinem Lehrbrief total einfach war und mit diesem Stück Papier war ich schon Schiffseigner im doppelten Sinne.

Ich glaube, der Frachter hat m= ich 20 Mark gekostet und danach warf er mir monatlich 3000 Mark ab, ist das nic= ht komisch?

Ich fand sozusagen eine Lü= ;cke im System. Damit das alles seinen richtigen Weg nahm, nannte ich mich Ingenieur- Assistent und nicht Kapitän oder Reeder. Die deutsche Südwest- Afrika- Linie war plötzlich mein Eigen. Die machte den P= apierkram und ich spielte Seemann auf der „Ms Pangani“, lernte dabei ries= ige Schiffsdiesels kennen, die Funktion von Ausgleichstanks, mächtigen Stromaggregaten, Separatoren zur Reinigung des Öls, Luftdruckanlasser,= Radargeräte und und ...

Das war schon eine andere Welt, als die der Fabrik. Die 34 Menschen an Bord, die auch gerade Seemänner spielten, waren dabei für mich nicht weniger interessant. Da hatte jed= er so seine Rolle. Der eine spielte Kapitän, weil er wohl am meisten die Brust noch vorne strecken konnte und damit sehr gewichtig erschien und auch= ein paar Navigationskarten lesen konnte. Allerdings war er in dieser Rolle auch recht einsam und verschwand oft mit seiner Whiskyflasche in sein Privatreic= h. Am meisten sah ich ihn in der Offiziersmesse beim Essen, seine Rolle war ja auch nicht mehr die, des Arbeiters, sondern des Königs. Also ließ= ;en wir anderen ihm auch seine Rolle, damit er nicht noch trauriger wurde.=

Die meisten anderen Kumpel in diesem gemeinsamen Lebensboot erfüllten auch hervorragend ihre angemessenen Rollen. Es wurde fleißig gesoffen, allerdings nicht mehr, wie in alten Zeiten Rum, sondern Gin. Man bemerke bitte diese kleine Veränderung in den Weiten der Zeiten. Nur die Buchstaben haben sich verändert, aber es blieben dennoch nur 3.

Um diesem Klischee auch noch d= ie Spitze auf zu setzen, wurde dann meist die Rockgruppe „Yes“ gehört und hin und wieder gutes afrikanisches „Gras“ gerau= cht und im Hafen wurde „Sex“ gemacht. Der Geisteszustand der Schiff= ahrt beschränkte sich also auf wenige gutturale Laute wie Rum, Gin, Yes, Sex und Gras, was mir so eigentlich ganz gut gefiel. Das Denken hat man beim Besteigen des Schiffes an der Gangway abgegeben und, wenn man Glück ha= tte, nach einer 3-monatigen Reise wieder abgeholt. Das kann ich wirklich Jedem empfehlen, der sich vorübergehend ein Schiff organisieren will und ein= fach mal vollkommen abschalten muß. Aber wehe dem, der andere Illusionen d= aran knüpft. Denn andere Menschen und andere Kulturen kennenlernen, geschwe= ige denn „die“ Welt, sieht man da wirklich nicht. Man tauscht nur d= ie Prostituierte in Hamburg gegen eine schwarze Nutte in Monrovia ein, ansonst= en gibt es aber viel zu gucken, wie z.B. fliegende Fische vor dem schäume= nden Bug des riesigen Eisenwals, ferne Lichterketten erahnter Zivilisationen am Küstenhorizont, haushohe Wassermassen, die den Bug im Meer verschwinden lassen, um nach scheinbar ewigen Zeiten wieder aufzutauchen, schwarze Männer in Pudelmützen und Wollpullovern bei 30° C im Schatten Schiffskräne bedienen.

Was dann das Hafenpersonal in Westafrika anbetrifft, die ja mit dem Be- und Entladen beschäftigt war= en, gab es schon einige komische fast unglaubliche Situationen, die ich Ihnen n= icht vorenthalten will.

Nachdem wir also bereits seit 3 Tagen draußen im Meer auf Rede lagen, das ist das in Hafennähe v= or Anker gehen, wurde es uns schon recht langweilig, noch zumal die Bodega für Zigaretten und Alkoliks bei Ankunft von Zollbeamten des jeweiligen Landes verplombt wurden. Bevor die Entzugserscheinungen denn doch zu stark wurden vertrieben wir uns unsere Zeit mit Tischtennisspielen und den Damen,= die heimlich bei Nacht in einer kleinen Schaluppe herangekarrt wurden. Die waren sozusagen zollfrei. Um ehrlich zu sein, ich schaute mir das ach so menschlich-tierische Spiel neugierig an, fand aber am Mitmachen nicht genug Tier in mir wieder. Ich wunderte mich oft auf dem Schiff über die Spez= ies Mensch, die sich so herrlich einfach und animalisch zeigen kann, das Denken= auf die einfachsten Abhandlungen und Riten beschränkt, wo es nur noch um d= as Leben und Überleben selbst geht. Der Mensch verlor auf dem Schiff f&uu= ml;r mich an seiner königlichen Würde, kam mir jedoch wieder wesentlich näher, durch die fehlende Falschheit und primitiven Ehrlichkeit, des Zeigens seines inneren Tiers in ihm.

Kamen wir dann endlich in den Hafen, wurden von der Besatzung alle Türen zum Wohnbereich ordentlich = verschlossen, an der Bugseite eine überhängende Holzkonstruktion gezimmert und = erst dann die Gangway heruntergelassen. 30 kräftige, gutaussehende schwarze Männer, wie schon gesagt in Pullovern, betraten das Deck mit zusammeng= efalteten Pappkartons unter den Armen. Ich war so verduzt, daß ich den 2 Offizi= er gleich nach dieser Merkwürdigkeit befragt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, daß diese Leute Hunderte von Tonnen Ware, einschließ= ;lich französischer Autos in Pappkartons über die Gangway befördern wollten. „Die pennen darauf, me Jung“, sagte er in Hamburger Pl= att und ich verstand immer noch nicht. Also Augen auf und schauen. <= /span>

!5 von den 30 Arbeitern vertei= lten sich auf dem Deck, breiteten ihre Pappen aus und legten sich tatsächli= ch umgehend zum Schlafen nieder. Warum diese Leute auf ein Schiff zum schlafen gehen, habe ich bis heute nicht erfahren, aber die Prozession wiederholte s= ich auch in den anderen 5 Häfen , die wir anliefen. Die überhäng= ende Holzkonstruktion am Bug hatte auch so seine Komik. Alle paar Minuten versch= wand einer der Arbeiter in dem Bretterverschlag, kurze Zeit darauf sah man Fäkalien durch die Luft in das Hafenbecken fliegen. Man konnte genau b= eobachten, wer Durchfall hatte oder was wer am Vortage gegessen hatte. Zum Teil taten = sich unheimlich aussehende Wasserschlangen an den Fäkalien gütlich, di= e es dort häufig gab.

Im großen und Ganzen emp= fand ich jedoch meine erste Seereise als Enttäuschung. Ich hatte mir wohl e= in anderes Abenteuer vorgestellt, mehr Zeit für mich und dem Entdecken an= derer Bräuche und weniger Maschinenraumaufenthalte. Bei dem Rollenspiel des Ingenieurassistenten auf einem Stückgutfrachter hat man nämlich d= ie Hauptarbeit zu leisten, wenn der Dampfer im Hafen liegt. Gerade dann werden= die Maschinen renoviert, repariert und justiert. Die Matrosen gingen an Land und vergnügten sich in den Hafenkneipen, während wir Maschinenmenschen weiter in Öllachen herumhantierten. Auch war die Arbeit selbst bei fast permanenten 40° C und Ölgerüchen unter der Wasserlinie während der Fahrt nicht gerade das, was sich so ein naturliebender Steppenwolf unter Lebenserfüllung vorstellt.

Zurück in der Heimat verkaufte ich sozusagen mein Schiff an andere weiter und übergab ander= en Menschen meine ausgeliehene vorübergehende Rolle.

Doch der Traum vom Entdecken meiner Welt blieb.

So dauerte es auch nicht lange, bis mir das Schicksal ein neues Betätigungsfeld zur Verfügung stellte. Mein etwas älterer Bruder arbeitete des öfteren als Koch= auf Luxuskreuzern. Er vermittelte mir die Rolle als Küchenjunge, das heißt wohl im gängigen Schiffahrtsjargon Smutche, oder so ähnlich auf dem Kreuzfahrtsschiff „MS Gripsholm“ der Swead= ich American Line.

Dieses riesige Hotel im Wasser eingebettet, zeigte sich als wunderschöne alte Dame mit vielen Armreif= en, Ringen und Kettchen, jedoch von der technischen Struktur her als recht falt= ig und verbraucht. An den dicken übergetünchten Farbresten vergangen= er Zeiten, die wie Schminke auf ihrem stählernen Gesicht klebte, sah ich = die vielen Abenteuer, die dieses Monster schon gelebt haben mußte. Eine Schönheit, die noch nicht bereit war, das Zeitliche hinter sich zu las= sen, die immer noch die getürkten Orgasmen ihrer Neureichen Passagiere miterleben wollte, die Dekadenz der Geldwelt in vollen Zügen in sich hineinziehend auf ihren entgültigen Herzkollaps wartend , durchschnitt= sie die Weltmeere.

In Hamburg fügte ich mich ihrem Rufe, kroch auch ich unter ihre schützenden Fittiche aus Stahl, Mahagoniholz und Glas mit einem Rucksack als Reisegepäck ausgestattet.= Ein tragbarer  Rucksack war sehr wichtig, denn ich wollte in Südamerika wieder von Bord gehen, um mein eigentliches Abenteuer zu beginnen. Unter diesem Aspekt und unter keinem an= deren, sozusagen als blinder und dennoch mitarbeitender Passagier, konnte ich eine winzige Schlafkabine mit Doppelstockbett auch gut annehmen. Mein schwuler Kabinenteilhaber war dann auch kein Hinderungsgrund für mich, denn der verschwand sowieso fast täglich, oder besser gesagt nächtlich, in andere Gefilde. Ich habe nie herausbekommen, wer denn nun eigentlich sein S= chicksalserfüllungsgehilfe seines andersgepolten Daseins war.

Der Anfang dieser Reise ins Ungewisse zum fernen Südamerika  war aber mit anderen Schwierigkeiten verbunden. Nach Einschiffung me= ines Gepäcks besorgte ich mir noch eine Kleinigkeit in der Stadt, um dann im Hafenbecken zurück das typische laute Gehupe eines großen Dampfe= rs beim Abfahren zu hören. Die schöne alte stählerne Dame schien mir eine lange Nase zeigen zu wollen und mich als Zumutung in ihrer Eigensc= haft der Befriedigung der Perversion des Menschen doch wieder ausgespieen zu hab= en. Die wollte mich wohl wirklich nicht. Offiziell hieß es, ich hätte eine falsche Abfahrtszeit in Erinnerung gehabt, die mir mein werter Bruder vorher gab. Der war allerdings rechtzeitig an Bord.

 

Was also machen. Gepäck w= eg, Paß und Geld an Bord, nur die Kleider am Leib, aber mit dem Wissen, d= er Dampfer bleibt einen Tag in Rotterdam. Na, nichts wie hin. Wo geht die nächste Autobahn nach Holland, wird man mich beim trampen mitnehmen, f= inde ich für eine Nacht ein billige Unterkunft? Ohne Moos nichts los! Und d= och klappte die Odeesse durch die Niederlande durch die Freundlichkeit und Offe= nheit der Leute, sowie des fehlenden geographischen Widerstandes ihres platten Landes.

Die Gangway der „MS Gripsholm“ war bei meiner Ankunft für mich bereits heruntergelas= sen, die alte Dame nahm mich in ihre Eingeweide freundlich lächelnd auf. Nur der schwedische Personalchef sah mich nordisch unzugänglich, durchbohr= end an, spürte aber wohl, daß er mich noch für ein paar nette S= chwierigkeiten brauchte, die ich ihm gerne bereiten wollte, ganz zu seiner Freude natürlich. Denn mein Herz ist groß im Präsentieren von Chaos und im Wachrütteln fast eingenickter Seelenheiten. Scheinbar brauchte = er mich also als Opfer in seinem abgestumpften Job, der ihm weder Krankheit, n= och Reichtum, noch einen kleinen Schiffsuntergang präsentierte.

Das wollte ich gerne leisten, natürlich ohne es damals zu wissen.

Schiff ahoi, nun ging es mal wieder los zu neuen Erlebniswelten, über die Azoreninseln und anderen unbekannten Exoten in die Weiten des Reiches Neptuns. Diesmal war mir Neptun freundlicher gesinnt und verzichtete darauf den Bug unter 15 Meter hohen We= llen zu begraben, während das Heck als schneller Fahrstuhl die gleiche Anza= hl von Metern nach oben raste, mit Kippbewegungen zur Seite inklusive, um dana= ch wieder 15 Meter nach unten zu sausen und das Ganze unendlich, ohne Unterbrechung, wie ein höllischer Tanz. Auf dem Frachter überlebte ich die Seekrankheit mit 20 minütigem Kotzen, wonach ich meine Uhr ste= llen konnte, 3 Tage lang. Auf diesen Tanz des Neptuns hatte ich keine Lust mehr = und er hatte Einsehen und suchte sich einen anderen interessanteren Tanzpartner= in dieser Zeit.

Meine Arbeit bestand aus dem Säubern von Blumenkohl, dem Schälen von Zwiebeln und dem Reinigen= der Sauereien, die die Köche in der Küche anrichteten. Mein lieber Br= uder steckte mir hin und wieder eine gefüllte Tomate mit Hühnerfleisch, Kartoffelkroketten mit Kaviar, Königinpasteten oder auch fritierte Froschschenkel aus Frankreich zu, so daß ich auch ein mal in den Genuß des Schlemmens kam, versteckt hinter einer Stahlmauer natürlich. Als man mich zum Abwäscher machen wollte, revoltierte = ich jedoch. Nur wollten die Leute mir da nicht recht zuhören. Da muß= te ich erst fieserweise einige 100 Goldrandteller demolieren, bis man begriff, daß man mich nicht so leicht herumschupsen konnte und orderte mich in= die Snackbar. Dort durfte ich dann amerikanischem Edelpublikum Fleischbäll= chen und Käsehäppchens zu ihrem obligatorischen 5 Uhr Longdrink anbiet= en. Das war dann schon eine andere Sache. Endlich konnte ich mir mal diesen zoologischen Garten aus der anderen Sicht heraus betrachten und mir vorstel= len, wie schön es doch ist, mal richtig reich zu sein. Damit die Darsteller dieses verrückt, verdrehten Filmes sich auch wirklich echt in ihrer Ro= lle als Reiche fühlten, machte ich auch brav meinen unterwürfigen Kni= cks beim Anbieten meiner absolut überflüssigen Ware. Zwischen mir und= den mit Goldklunkern behangenen Herrschaften war das Verhältnis in stillschweigender Absprache denn auch recht akzeptabel. Nur den homosexuell= en Barkeepern war ich ein Dorn im Auge, nachdem sie mitbekamen, daß sie = mich nicht flachlegen konnten. Also wurde ich flott wieder abberufen und landete beim alten Posten in der Küche neben meinem kleinen, freundlichen uruguayischen Kollegen. Das war mir ganz recht, denn so lernte ich etwas spanisch, leider nur das Vokabular, welches man in einem Puff brauchte.

Angekommen auf den Bahamas sah= ich zum ersten male etwas von karibischer Exotik. Lange, weiße Strän= de, Palmen, schöne braune Menschengesichter mit blütenweißen Zähnen, lautem Geschnatter und einem Lächeln. Wenn man zum ersten= Mal in seinem Leben wirklich entspannte, nicht verstellte und echte Gesichter sieht, wirkt das für einen Westler wie ein Schock. Wie kann man denn so glücklich sein in all der Primitivität, wohnend in Pfahlbauten, m= it Straßen aus Staub und Dreck, mit Gerüchen nach faulenden Früchten, mit Autos, die nur noch vom Rost zusammen gehalten werden? D= as war neu! Das prägte sich mir tief im Inneren ein.

Aha, kein Geld, mehr Lebensglück, merkwürdig!

Da wirkte das Schiffspublikum = in dieser natürlichen Einfachheit, wie ein eingefrorenes Eisbein zwischen einem Haufen von Mangos, besonders dann, wenn sich die Schlapphut besch&uum= l;tzten, Spiegelsonnenbrillen bewaffneten, weiß bekleideten Passagiere üb= er den farbenfrohen Gemüse- und Obstmarkt der Einheimischen ergossen. W&a= uml;hrend ich auf einer Apfelsinenkiste hockte und mir das Theater ansah, konnte ich = mir ein tiefes befreiendes Lachen nicht mehr unterdrücken. Ich fühlte mich plötzlich Zuhause. Trotz Fremde war hier alles echt und damit auc= h heimisch, irgendwie war da ein tiefes Gefühl des angekommen seins. Warum bin ich= nur nicht hier geboren?

Jedoch die Reise durch das Leb= en ging weiter, über Martinique, Antigua und und wie sie auch alle heißen, diese kleinen Paradiese mitten im Ozean.

In Kolumbien angekommen, marschierte ich erst mal durch die alten spanischen Verteidigungsruinen der Stadt Cartagena und unbekannte Bezirke, denn nun wurde es langsam ernst. Ich mußte mich auf diese Welt konzentrieren, Tuchfühlung aufnehmen u= nd Mut tanken. Bei der nächsten Station in Venezuela wollte ich näml= ich aussteigen und tief in das Geheimnis Südamerika eindringen. Da war sch= on in mir das Gefühl des Hänschen Klein, ging allein, in die weite W= elt hinein.

In Caracas vor Anker gegangen, machte ich mich auf den Weg zu dem anfangs erwähnten nordischen Person= alchefs, um mir mein Geld auszahlen zu lassen und meinen Paß abzuholen, den der gute Mann beim Betreten seines stolzen Kahns einbehalten hatte.<= /span>

Nur diesmal war ich wohl auf d= em falschen Dampfer. Es hieß, „kein Paß, kein Geld, Du machst die Reise bis Europa zu ende.“ Da gab es dann lautstarke Diskussionen, zaghafte Interventionen durch meinen Bruder, gutes Zureden meiner Kollegen.= Nur hilft das Alles nichts, wenn ich einen Dickkopf habe. Das Ziel dieser Reise= war Südamerika und das Suchen eines neuen Lebens- und Wirkungsraumes f&uum= l;r mich. Da konnte man mich auch nicht weiter mit Kaviar oder Froschschenkeln locken, und mit Geld schon gar nicht.

Nur was macht da Hänschen Klein, wenn er von großen starken Menschen umgeben ist, die mal wieder sagen, nein, Du bekommst Dein Spielzeug nicht. Jeder Charakter hat da wohl = so seine persönlich Strategie, mit solchen Unbilden das Lebens fertig zu werden. Der Meine ist Trotz und Vorstellungsfanatismus, nach dem Motto, „meinen Willen brecht ihr nicht, auch wenn ich zugrunde gehe.“ = Das ist natürlich nicht gerade einfach für mich, mit dieser ekligen E= igenschaft ausgestattet zu sein, sie schafft ja auch mir Leid und meist werde ich dabei auch zum Opfer der Anderen. Aber wer kann schon aus seiner Haut schlüp= fen und sich einreden, man wäre ab heute ein ganz Anderer, brav, lieb und anpassungsfähig, wenn man in sich drin keine Resonanz dazu findet. Ich will ja auf meiner Reise durchs Leben mein eigenes Wesen finden und nicht d= ie vorgestellten Bilder und Erwartungen meiner Lebenskulisse.

Also, was machte ich in dieser fatalen Situation? Ich meldete mich krank und erzählte dem Schiffsarzt, seines Zeichens ein von sich selbst ausrangierter Neurologe, der wohl die g= eschminkte alte stählerne Dame brauchte, um zu fetalen Wahrheiten zu gelangen, ich hätte Kreislaufstörungen mit Herzfehler. Das mir das Herz nicht fehlte und immer noch am rechten Platz war, sah er denn trotz seiner eigenen Schwierigkeiten, die er mit der Flasche Rum teilte, recht deutlich. Da mußte ich also kreativer werden, denn arbeiten wollte ich jetzt nicht mehr, wenn man meinen Willen schon nicht liebevoll annahm. Also hungerte ich erst ein Woche, denn Hungerstreik, gibt es ja auch hin und wieder im Knast.= Und das Schiff wurde nun zu meinem Gefängnis. Doch auch das wollte der lie= be Herr Arzt nicht durchgehen lassen und drohte mit Vitaminspritzen und künstlicher Ernährung. Der wußte nämlich, inzwischen v= om Personalchef instruiert, was der kleine Wolfgang für ein Problem hatte= . Na gut, sagte ich mir, jetzt wirst Du denen erstmal zeigen, was ne Harke ist u= nd verzichtete die nächsten drei Tage auf Schlaf. Das war eine sehr inter= essante Erfahrung, die ich dem Personalchef als Supertherapeut zu verdanken hatte, = ohne einen teuren Wochenend- Selbsterfahrungskurs zu belegen. Schon nach 30 Stun= den sah ich weiße Mäuse, nach 40 Stunden wandelte sich das Schiff zur Burg und nach 50 Stunden wurde mir mein inneres und äußeres Gefängnis sehr deutlich. Da brauchte ich keinen Joint mehr, um die Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit zu erkennen.

Nun fiel es mir auch nicht wei= ter schwer, weder meinem Bruder, noch der Schiffskrankenschwester den apathisch= en schizoiden Menschentypen zu präsentieren. Als authentisch gelebter, ab= er friedvoller Verrückter rannen denn auch Personalchef und Schiffsarzt d= er Angstschweiß herunter. Da hatten sie wohl mit mir doch scheinbar einen Fehler gemacht, denn man weiß ja nie. Nach 34-stündigem Schlaf im Krankenhausabteil schaute mich denn ein neues, freundliches Gesicht an, wel= ches mir zu verstehen gab, „Junge, steh auf, nimm Deine Klamotten, Deine Z= eit hier ist vorbei, ich begleite Dich zurück nach Deutschland.“

Besagtes Gesicht entpuppte sich als englischer Arzt aus Barbados, der damit beauftragt wurde einen geistesg= estörten Patienten zu überführen.

Also nichts wie los. Ab in den Flieger, ein versteckt Grinsen auf den Backen, an meinem lieben Bruder vorb= eigedrückt, ging es zurück in die alte Welt. Der junge Doktor neben mir hatte seine Beruhigungsspritze in einem typischen braunen Lederköfferchen stechber= eit dabei, unterhielt sich mit mir in etwas angespannter Form, was ihm ja als Begleitung eines Bekloppten nicht zu verdenken war. In London, Heathrow, hieß es dann, die Maschine wechseln, was bisher in meinem Leben nie so glatt lief, wie dort. Ich wurde nämlich gleich am Rollfeld mit einem A= mbulanzfahrzeug abgeholt und ohne weitere Paßkontrolle in den nächsten Flieger verfrachtet. Was hätte ich da alles Schmuggeln können! Hannover brachte dann die nächste Überraschung. Wiederum von meiner Privat= karosse mit Chauffeur abgeholt, diesmal in Gestalt eines deutschen Krankentransport= ers, der mich mit Blaulicht, so wie es sich für einen Staatsmann gehör= t, in die Klappsmühle brachte. Das sollte man hin und wieder mit anderen Staatsmännern wiederholen, damit sie einen friedlichen Ort der Entspan= nung und Selbstfindung genießen können. Abenteuer strengen eben an, ob nun als Hänschen Klein oder als Präsident der Vereinigten Staaten. Man tut was man kann in seinem Job, nicht wahr, damit keine lange Weile aufkommt.

Der englische Medikus verabschiedete sich vom Hauptdarsteller seines Films der letzten 2 Tage und hetzte in einen anderen Film, der sich „flotte Rückreise zu sein= en anderen Patienten- Schauspielern“ auf Barbados, nannte.

Auch wir Patienten müssen= ja schließlich über unsere Krankheiten einsehen, daß der anst= ändige Berufsstand der Götter in Weiß nicht ausstirbt. Ich tat das meine und ich hoffe, sie tun das Ihre, ohne Ihren Körper all zu sehr dabei zu verhunzen.

Der Begrüßungspsychiater im LKH Hannover kümmerte sich denn auc= h im Rahmen seiner Vorstellungswelten herzlich um mich und erschien fast etwas traurig, als er meine Geschichte hörte.

„Junge, Junge, das kanns= t Du doch nicht machen. Damit spielt man doch nicht. Was sollen denn Deine Elter= n denken, Was ist, wenn wir Dich jetzt hier behalten,“ säuselte er vor sich hin.

Sein Gesicht war aber nicht unfreundlich und sein Atem roch seltsamerweise nicht nach Alkohol, so wie m= an es sonst bei Psychiatern kennt. Trotzdem hatte ich auch tiefes Mitleid mit = ihm, daß er da so in einem Betonbunker zwischen Verrückten sitzen muß, während ich frei  wie ein Schmetterling durch die Welt flattern durfte. Nun gut, er ließ mich frei. Ich suchte mir den Hauptbahnhof und fuhr zu meiner Ma= ma zurück. Besorgte Augen begrüßten mich, Hinweise auf Eintragungen in meinem persönlichen Grundbuch als Verrückter waren ihre gutgemeinten Ängste.

„Mach das bloß nic= ht noch einmal, stehst Du erst in den Akten, bekommst Du keinen Job mehr, Du b= ist dann ein gebranntmarktes Kind“, waren ihre Worte.

Doch, wie ich schon sagte, was soll man schon anderes mit so einer Persönlichkeit anfangen, als immer wieder dort anzuecken, wo falsche Ecken überstehen. Ich bin so wie ich bin, Punkt.

Jeder meint immer, das Leben müßte glatt laufen, nur ich sorge eben dafür, daß kei= ne Langeweile aufkommt, auch wenn es für andere mal unbequem oder anstren= gend wird. Fußballtrainer sind doch auch nicht anders, nur suchen sich die Spieler das Leid freiwillig aus, während meine Spieler noch nicht so r= echt wissen, ob sie an meinem Training teilhaben wollen. Ich mein`s ja auch nicht bös, wenn ich einen Personalchef, einen Arzt oder einen Lehrherrn ärgere, ich will mit ihnen ja nur das Leben spielen.=

Wieder einmal tauchte nun aus = den Nebeln meines Daseins die Frage nach dem Weitermachen auf. Das Leben meines Vater oder Mutters kam für mich nicht in Frage, denn Beamter, wie es m= ein Vater war, konnte ich mit meinem Charakter nicht werden. Industriemensch gi= ng dank meiner Lehrerfahrung auch nicht mehr, Kaufmann und Wahre von einem Ort= zum anderen verschieben, um dabei andere übers Ohr zu hauen, entsprach nic= ht meinem christlichen Gemüt.

Also noch mal rauf aufs Schiff, nur diesmal ohne den Paß abzugeben.

Also suchte ich mir eine neue Reederei, die es mit mir versuchen wollte. Diesmal half mir der Herr Gott m= it deutlicherem Vokabular. Ich fand eine kleine Klitsche, die ein paar Dampfer zwischen Nordamerika und Europa hin und her schippern ließen. Die Frachter fuhren ausgeflaggt unter dem Banner von Liberia, aber das stö= rte mich nicht weiter. Ich wollte nach Kanada und im großen Wald leben und mir eine Blockhütte bauen. Was der Seemann mit einer Blockhütte zu tun hat, kann der simple Geist nicht so einfach im Kreuzworträtsel erf= ahren. Aber Sie werden schon noch sehen.

Also unterschrieb ich einen provisorischen Vertrag bei der Reederei, der nur besagte, daß ich mich auf dem Kahn in Baltimore, USA, beim Kapitän zu melden hätte, um = dort den Vertrag zu machen.

Das war prima, so hatte ich mir das vorgestellt, eine freie Flugkarte als armer Schlucker nach Nordamerika,= ein Geschenk vom Himmel. Ich hatte doch schon immer gewußt, daß ein= guter Engel mich begleitet. Also wieder mal rein in den Düsenjet und ab geht’s der Ferne entgegen. Im Flieger saßen dann allerlei Finstermänner neben mir, die auch im gleichen Schiff anfangen sollten. Darunter gab es den neuen Chefstuart, der wohl dem Kapitän seinen Cogn= ac reichen sollte. Nur kam es gar nicht erst so weit. Besagter Oberkellner hat= te ein alte Rache mit der Reederei zu begleichen, die ihn wohl mal vor Zeiten = lohnmäßig über den Tisch gezogen hat. Dieser Mann wollte nämlich nichts anderes, als eben eine Freikarte nach Amerika, sich ein paar nette Stunden = machen, um danach auf Reedereikosten wieder zurück fliegen zu lassen. Der Geda= nke gefiel mir noch besser. Nicht nur hin, nein auch noch zurück und das a= lles nur so für meine pure Existenz. Die Welt sollte da einer erst mal verstehen lernen.

Der Trick war der, wir sagen einfach bei den US Hafenbehörden, wir hätten nichts gewußt davon, daß wir nicht unter deutschen, sondern unter Liberianischen Arbeitsbedingungen anfangen sollen, was wir aber wegen fehlender Sozialvers= icherungen keinesfalls verantworten können. Der Kapitän des Frachters, eigentlich ein netter deutscher junger Mann, war denn ziemlich sauer, als er unser kleines Liedchen in seinen Ohren singen hörte. Der wollte uns ke= ine Flugkarte zurück ins Land der Germanen kaufen. Also nichts wie zu den Hafenbehörden und ein wenig jammern half da Wunder. Der Kahn durfte ni= cht ablegen, bei einer Anlegegebühr von Tausenden von Märkern, ohne s= ich um seine Schäflein gekümmert zu haben. Na ja, ich bin ja auch ganz kleinlaut und schuldbewußt, aber dennoch bekam ich, dem Kapitän nicht in die Augen sehen zu können, mein Flugkarte nach Hamburg wütend hingeworfen.

Ehrlich, noch heute fühle= ich mich nicht gut beim Gedanken an diesen üblen Streich. Irgendwie habe i= ch mich da schuldig gemacht, während die Geschichte mit dem Kreuzfahrschi= ff und meinem Abgang für mich einwandfrei war.

Das innere Schwein bekämp= fend schaute ich auch gleich auf das Verfallsdatum des Fluges und ein innerer St= olz, des frisch gebackenen Mafiosos breitete sich in meiner vorgedrückten B= rust aus. Der Flug war ein Jahr gültig. Jihpiii, ich war frei und hatte den= noch etwas Sicherheit, wenn auch wenig Kohle.

Auf zu neuen Abenteuer in Amil= and bis zu den Eskimos!

Ich hoffe, Sie stellen sich je= tzt nicht mein armseliges Dasein und meinen Körperbau als etwas anderes vo= r, als ich wirklich damals war. Ich war ein bebrilltes recht zartes Wesen von 1,71m Höhe, mit dem äußeren Aspekt von verschreckt und unwi= ssend, eher so ein belesener Heranwachsender, dem das Verkorkste eines Muttersöhnchens im Gesicht geschrieben stand. Vielleicht ist da Woody Allen ein Vergleich. Auf jeden Fall war meine Maske nicht schlecht, auch we= nn ich damals nicht wußte, daß es eine Maske war.

Der Ernst des Lebens begann. Niemand kümmerte sich jetzt um mich, also wie beginnen?

Mein Ziel war Kanada und die W= eite des Waldes. Das übernahm dann der Waldgeist direkt. Er führte mich zum nächsten Grayhound – Busterminal und gab mir die Selbstsiche= rheit, ein Monatsticket zu erwerben, welches mir eine Reise über den ganzen Subkontinent garantierte. Los ging’s nach New York, der häßlichsten Stadt der Welt. Dank meines Seefahrtsbuches durfte i= ch da in einem Seemannhotel günstig übernachten und mich mal umschau= en. Die Straßenschluchten und bösen Cowboyfiesagen der Polizisten erschreckten mein empfindliches Gemüt. Da gab es wohl nur etwas zu entdecken, wenn man ein reicher Jude ist und sich seine Goldzähne erse= tzen lassen oder eine Negergang aufmachen  wollte. Für mich als kleinen Wicht gab’s da kein Betätigungsfeld oder aber auch unüberschaubar viele, an die icjh = mich nicht heran wagte. Präsident wollte ich auch noch nicht werden, aber e= ine rasende Fahrt mit dem Fahrstuhl in den 80 zigsten Stock des World Trade Cen= ters lockte mich schon.

Dieses nette Gebäude ist = ja inzwischen kostengünstig abgerissen worden, wie man mir erzählte, weil es wohl doch nicht freudvoll genug gebaut wurde. Ich hörte, es wäre eine arabische Firma gewesen, die mit viel Fachwissen und Feingefühl heranging und dann hinterher dafür beschimpft wurde, j= a sogar bis ins tiefste Afghanistan verfolgt wurde. Ich verstehe das bis heute nich= t, mit welchen Risiken manche Firmen leben müssen. Manche werden sogar no= ch von Panzern verfolgt. So eine Abrißfirma wollte ich denn doch nie gründen. Zum Glück standen dann da ein paar Jungs und Mädels= auf der ich-weiß-nicht Avenue und boten Errettung vor dem Bösen und Heimholung in das christliche Reich der United Church an. Der Oberguru war = ein Koreaner. Man weiß ja nicht, vielleicht lernt man ja darüber mal Asien kennen?

Ich fuhr also mit einem Kleinb= us mit, hinaus aufs Land, Hauptsache erst mal raus aus Sodom und Gomorra. Die Richtung war Norden und das war schon mal richtig. Allerdings hielt ich es = auf ihrem seelenerrettenden Wochenendseminar mit „Morning has broken̶= 0; Melodien nicht lange aus. Da sollte ich stundenlang zu einem Gott beten, den ich so nicht verstand. Ich machte mich am 2. Tag buchstäblich morgens = um 5 Uhr aus dem Staube, während alle anderen noch von ihrer Errettung und Heimführung in himmlische Reiche träumten.

Mein himmlisches Reich lag bei Mutter Erde und der Waldgeist hatte schon seine Finger nach mir ausgestreck= t. Treue geht mir über alles und so folgte ich seinem Rufe nach Kanada. D= er graue Hund, wie dieses Wellblechgefährt von Bus sich nannte, trug mich nun über die Grenze nach Montreal. Die Leute da waren wirklich lieb. So ein Hippytyp gabelte mich in der U- Bahn auf und lud mich in seine Wohngemeinsc= haft ein. Obwohl ich keinen Brocken Französisch verstand, erbarmten sich da= nn einige, die dort verhaßte englische Sprache zu sprechen.

Man lud mich auch fürs Wochenende ein zu einer Fahrt zum Landhaus eines Daddies, wo ich mich mit S= chneeschuhen ausprobieren konnte. Die Stille der Natur und der saubere Schnee zeigten mir einmal mehr, was meine Seele eigentlich suchte. Der große Waldgeist w= ar nah.

Wissen sie, wenn sie Wolfgang heißen, dann wissen sie auch irgendwann, daß sie auch den Gang = des Wolfes leben müssen, und der gehört nun mal in den Wald und nicht= zu den Händlern oder Fischern.

Ich durchquerte also auf den Schultern des grauen Hundes, damit ist immer noch die Buslinie „Grayhound“ gemeint den nördlichen Teil des Kontinents mit= der Enttäuschung in den Augen, daß überall noch der Schnee metertief herumlag. Schnee ist zwar weiß und sauber, aber auch ziemli= ch kalt und für ein Minipackzelt mit Einfachwandung nicht gerade das, was= man liebenswürdig und sanft bezeichnen könnte. So blieb mir nichts anderes übrig, als kurz entschlossen die Route nach Kalifornien zu ändern. Warum auch nicht mal Hollywood sehen oder die Pensionäre = in Fort Lauderdale in Florida.

Ich muß ihnen schon sage= n, einen Monat die Wellblechkarosse eines Busses zu seiner Heimat zu machen, i= st nicht immer die große Freude. Überhaupt dann nicht, wenn man mal= des Nachts eine zwar liebenswürdige dicke Negermami neben sich hat, die ab= er nicht darauf verzichten konnte, ihre Speckrollen auf meinen schmalen Sitz g= leiten zu lassen. Ich hatte da immer gewisse Hemmungen, mich einfach und archetypi= sch natürlich, sie als Kopfkissen zu nutzen. Die Erlebniswelt dieser Odees= se bestand dann auch mehr daraus, Tricks zu finden, wie man neu eintretende Passagiere zur Vermeidung seines Nebensitzes animieren konnte, als die Landschaftsschau selbst. Ich wurde da recht gut drin, von vorgetäuscht= en Asthmaanfällen bis hin zum fiebrig kranken Leprapatienten. Not macht erfinderisch. Zu meiner Verteidigung muß ich auf den Dauerzustand hinweisen, denn einen kompletten Monat im Bus, ist einfach kein Zuckerschle= cken für Sehnen, Knochen und Blutzirkulation.

Irgendwann einmal, nach empfundener Unendlichkeit, entstieg ich meiner Blechheimat in Prince Rupert, einem kleinen Touristenkaff, an der Nordpazifikküste Kanadas. Hier sol= lte es jetzt losgehen mit meiner Berufung als gelebter „Gang des Wolfes“.

Beim näheren Umschauen stellte ich jedoch fest, daß durch den Tourismus bedingt, die Menschenwelt zum Erleben eines Trapperdaseins noch zu nah war, die Infrastruktur der staatlichen Kontrollinstanzen mich in meiner Verrück= theit begrenzen würde, kurz meine inneren Erlebniswelten nicht im außen wirklich aufblühen könnten. Ich machte in Menschen unzugängl= ichen Teilen des naheliegenden Waldes einige müde Versuche, mir eine Asthütte zu bauen und davor Lagerfeuer zu entfachen, aber immer mit der Angst, erwischt zu werden.

Angst im Nacken, ausgelöst durch meine Artgenossen, kannte ich schon zu gut. Das mußte ich jetzt nicht wiederholen. So zog ich denn 600 km weiter in die Nachbarprovinz Albe= rta, auf der anderen Seite der Rocky Mountains. Hoch im Norden fand ich denn den Ort, den ich brauchte. Fort McMarry hieß er, wo man Ölsand abbau= te und wo die Straße im Nichts des Waldes endete. In einer Herberge f&uu= ml;r sozial Gestrandete und junge Indianer stieg ich erst einmal ab. Da brauchte= man nichts zu bezahlen und bekam noch Franchtoast und Erdnußbutter zum Frühstück. Ich nahm dort Kontakt zu jungen Leuten auf, die alle v= om schnellen Geld in der amerikanischen Ölkompanie träumten und sich= als Saisonarbeiter verdingten. Das Dorf bestand denn auch zum großen Teil= nur aus Wohncontainern, einem Supermarkt, Billardsalons und Bars. Eine wirkliche Lebenssubstanz, die über die Ausbeutung Mutter Erdes hinausging, war d= enn auch kaum zu entdecken, bis auf die wenigen Indianern. Die allerdings zeigt= en sich mir als in ihrer Indianeridentität durch das Bleichgesicht und den damit verbundenen Alkohol ruiniert. Da war kein Stolz mehr und auch kein Glauben an den großen fügenden Geist, Manitu, ihrer glorreichen Vergangenheit. Der neue Gott des Geldes nahm ihnen Wohl den Zauber und die Mystik ihres in Bescheidenheit geführten ausbalancierten Lebens mit den Anderheiten der Natur.

Bei mir ging das wohl andershe= rum. Ich suchte genau das, was sie verloren hatten, denn ich ahnte aus meiner pe= rsönlichen Erfahrung heraus, das Lebensglück rein gar nichts mit dem Gott des Gel= des und Alkohols zu tun hat.

Nach dem Kauf einer Handaxt, e= ines Bowiemessers, einer kleinen Bügelsäge, einer Forstkarte, sowie vi= eler anderer Kleinigkeiten, die mein kindliches Gemüt für wichtig erac= htete und natürlich Lebensmittel, zog ich dann als 20-jähriger aus, das Fürchten zu lernen.

Mein neuer Gott hieß nun „Überleben“, mein schützender Geist war der Wald, den Gott der Illusionen des Geldes ließ ich hinter mir.

Meilenweite Forstschneisen dur= chschreitend mit schweren Rucksäcken auf dem Rücken und vor dem Bauch fand ich mich denn urplötzlich vor dem ersten scheinbar unüberwindbaren Hindernis. Es war ein schnellfließender tiefer Bach, der nirgends eine Furt zeigte, geschweige denn eine Brücke.

Ich sage Ihnen, lieber Leser, = das war nun eine wirkliche echte Herausforderung. Der Weg war verstellt, so wie= es sich im echten Leben oft zeigt, schafft Aufgeben, oder Warten oder das Anne= hmen dessen, was man für unüberwindlich hält. Das Unüberwind= liche zeigt sich jedoch oft nur als das nicht verstehen einer Situation, die man = nach längerem Hinsehen begreifen lernt. In meinem Falle war es das erste Ausprobieren der Axt und dem Bild einer Brücke im Kopf. Ich suchte mir also einen nahe am Wasser stehenden Baum, dem ich mein Bild der Brücke hinzufügte. Nach müheseliger Arbeit tat er mir dann auch den Gefa= llen und fiel, so wie es das von mir projizierte Bild erwartete, über den B= ach und erreichte mit seiner Krone das andere Ufer. Nichts wie los. Der erste Rucksack wurde herüber balanciert, der zweite folgte, immer das unter = mir schnell fließende Wasser vor Augen und Angst vor dem Fallen im Genick= . Geschafft! Keine Minute später entschloß sich dann der Baum, mein Bild der Brücke in ihm zu wandeln. Die ausgestreckten Hände seines Astwerks krallten sich in die Strömung des Wassers und beschlossen, so wie ich, eine Reise anzutreten und schwimmend die Welt zu erfahren. Da hatte ich mal wieder Glück gehabt, aber nun war mir mein Rückweg abgeschnitten.=

Ich nahm es kritiklos hin und stapfte weiter, bis ich auf versteckte Bahngleise stieß, die auf mein= er Landkarte nicht eingetragen waren. Den Bahngleisen folgend begegnete mir da= nn nach weiteren Stunden des Wanderns das Pfefferkuchenhaus der bösen Hex= e. Vorsichtig und mißtrauisch beäugte ich diesen unerwarteten Fremdkörper, umrundete ihn wie ein Wolf, in der Hoffnung nur nicht ein= en Menschen darin anzutreffen, der mich mästen und danach fressen will. Gretel war denn auch nicht zu sehen und so wagte ich dann auch meine Runden= enger zu ziehen, bis ich endlich einen Blick zum Fenster hinein tat. Das Haus war verlassen, ein altes Holzschild wies auf den Namen „Cheecham“ h= in und brachte mir dann die Erleuchtung, daß es sich um einen alten Bahn= hof an Seiten der Bahngleise handeln könnte. Das war denn schon recht befremdlich. Was sollte ein Bahnhof im großen Nichts des kanadischen = Urwaldes?

Schleichend wie eine Katze vergewisserte ich mich meines sicheren Alleinseins, öffnete die eingerostete Tür der Hütte und fand ein recht annehmbare Wohnstätte für meine zweite Nacht im Busch. Da gab es ein Bett, verbeulte Töpfe einen Brennholzofen, Tabakreste mit Zigarettenpapier, = 10 Jahre alte Zeitungen und Bärenfallen. Nach längerem Stöbern = präsentierte sich mir ein Kleinkaliebergewehr mit Munition und so manch anderer Überraschung. Die Hexe dieses Märchenhauses hatte mich also angelockt, um mir Geschenke zu machen und meinte es gut mit mir. Ich wollte zwar mit selbstgebastelten Flitzebogen auf Jagd gehen, jedoch hatte der Waldgeist wieder einmal Einsehen mit diesem kleinen dummen Wicht aus dem fe= rnem Europa und gab ihm das, was ihn überhaupt erst überlebensfäh= ig in seinem Reiche machte.

Es mag für Sie nun wie ei= ne amüsante Lügengeschichte eines alten Seebären vorkommen, aber ich schwöre, meine Erinnerung trügt mich nicht. Ich fand tatsächlich dort, in einer absolut fremden Örtlichkeit das, was m= ir für einen längeren Aufenthalt fehlte. Später erfuhr ich, daß das Hexenhäuschen eine Trapperhütte war, die des Winters über hin und wieder mal als Jagdhaus eines Städters genutzt wurde. Fragen sie mich bitte nicht, welche Stimme mir die Richtung angab, dieses H= aus überhaupt zu finden. Ich nenne es der Einfachheit halber „Ruf des Waldes“, denn, wie gesagt, der Waldgeist war mir gesonnen und hatte m= ich ja bis in den fernen Norden gelockt. Also mußte er mich nun auch mit = den nötigen Utensilien ausstatten, wie eine gute Mutter, die ihrem Kinde d= ie Brust gibt.

Am nächsten Tag machte ich mich dann doch lieber mit den Geschenken aus dem Staube und zog meiner Wege= . Man weiß ja nie, wer da noch kommen würde, um mir die Geschenke zu entwinden.

Mein geheimnisvoller Pfad führte denn auch noch an einem anderen Hexenhäuschen vorbei, daß aber mit einem dicken Vorhängeschloß seinen Unwillen gegenüber Landstreichern, wie mir, zum Ausdruck brachte. Diese Hü= tte schien auch noch irgendwie benutzt zu werden, was den aufgeräumten Asp= ekt seines Innenlebens, durchs Fenster hindurch, zur Schau stellte. =

Eine weitere Tageswanderung hindurch glitzerte und glänzte mir der See entgegen, den ich zu meinem Ziel erklärt hatte.

Sie kennen ja sicherlich diese schönen kitschigen Fotos aus Kanada von den Reisekatalogen her, die ih= nen weiß machen wollen, daß die Lachse schon auf ihre Angel warten.= So in etwa war denn auch das Bild, was sich mir nun enthüllte.=

Ich weiß nicht, ob sie d= as Gefühl kennen, wirklich angekommen zu sein, Ihr Nest gefunden zu haben oder Ihre Erfüllung.

Dieser sich mir präsentierende Ort, der klare, stille See, die mich umgebenden Birkenwälder, ein kleiner plätschernder Bach, der tiefblaue Himme= l, all das war Heimat, reines Sein und Geborgenheit in Friede. Kein Hetzjagd m= ehr, keine Ängste vor fremden nicht verständlichen Willen und Auflagen, Freisein in Körper und Seele, geborgen im Schoße der Mutter, nur Leben in seiner einfachen und reinen Form.

Und doch mußte ich mich kümmern, denn schließlich lebte ich in einem verwundbaren Körper, der mir sagte, Du brauchst Schutz. Nicht vor dem Waldgeist, ab= er vor Regen und Sturm, vor Mücken und Kälte und manch anderer Gesta= lt der Natur Gottes.

So packte ich jetzt mein Minipackzelt definitiv aus, suchte mir ein schönes Plätzchen am U= fer „meines“ Sees, verteilte Werkzeuge und Lebensmittel strategisch= und genoß die erste untergehende Sonne bei Lagerfeuer und Erdnußbut= terbrot.

Der Beginn meiner Trapperzeit bestand nun aus Lebenssichernden Maßnahmen, wie das Suchen nach Beeren und Jagdgründen, Erkunden von Gefahren, Ergründen meiner Anglerfähigkeiten und natürlich der Festlegung meines Baugrundes.=

Die Entenjagd war denn auch das Lebensnotwendigste überhaupt. Diese schönen, unbesorgten Tiere ha= tten die Angewohnheit morgens bei der Dämmerung, und das war denn auch im h= ohen Norden schon gegen 4 Uhr, aus ihrem schützenden Schilf am Ufer aufzutauchen, um dann schnäbelnd und dümpelnd auf Nahrungssuche zu gehen. Nur das machten sie schwimmender Weise. So lag ich also lauernd wie = ein Fuchs, auch auf Nahrung suchend, am Ufer, mein Gewehr in der Hand und warte= te geduldig, bis sich mir eine Gelegenheit bot, abzudrücken. Ein Knall ze= rriß den Frieden und schaffte mir einen vollen Bauch. Leider hatte ich danach im= mer wie ein Hund in den See zu springen, um meine tote Beute schwimmend an Land= zu hieven.

Die Jagd mit einem Kleinkaliebergewehr ist nun wirklich kein Zuckerschlecken, wenn man auf Ent= en geht, die normalerweise mit Schrotflinten betrieben wird. Trotz meiner Bril= le sehe ich nicht so scharf wie ein Mensch mit dem berühmten Blick eines Adler= s, so daß mancher Schuß sein Ziel verfehlte. Jedoch der Waldgeist = half mir wieder einmal mehr und lenkte die Kugel an sein Ziel, so daß ich hinterher sagen konnte, toll Junge, Du bist ein richtiger Scharfschütz= e. Dennoch wurde ich nicht eitel. Die zu Hunderten auftauchenden Stechmüc= ken, warfen mich auf die Bescheidenheit meiner körperlichen Existenz zurück und zeigten mir deutlich auf, daß mir ein schützendes Bärenfell fehlte. Diesem Handycape konnte ich nur mit einer Lederjacke= und doppelten Jeans begegnen, was das Laufen in brütender Sommerhitze nicht gerade zum Jauchzen veranlaßte. Wie man ein Gewehr kurz vor dem Abdr&= uuml;cken ruhig halten kann, während sich 30 Mosquitos auf jede Hand und 20 auf Fußknöchel und Gesicht setzen, verrate ich Ihnen gerne, wenn sie auch solch ein Abenteuer bestehen wollen und Kunde beim Geist des Baumes si= nd. Um das Thema der Essensbeschaffung abzuschließen, ich aß Bisamratten, Nerze, Erdhörnchen, Wildhühner, Beeren, Pilze, Brenn= esseln und in Alupfannen über der Holzkohle gebackenes Brot. Die Pilze waren = da auch noch so ein Problem. Zwischen Häuserschluchten und Mietskasernen = in Berlin gab es ja keine Pilze, wenn man mal von Schimmelpilzen im Keller absieht, die mir meine Mutter als eßbar zeigen konnte. Ich hatte ja k= eine Ahnung, was giftig und ungiftig bedeutete, außer daß man ziemli= che Bauchschmerzen davon kriegen konnte. Also biß ich in den unbekannte W= icht hinein und testete, ob er bitter oder beißend auf der Zunge ist. Ließ er das Beißen sein, vermutete ich eine gewisse Freundlichk= eit in ihm, tat ihn in den Topf und kochte ihn. Einen Teelöffel des Wassers war denn die erste Probe des miteinander warm werdens. Zeigte mir mein Compañero, Bauch, dann eine einverständige Geste, so probierte = ich am nächsten Tag eine größere Mengen der Kochflüssigkei= t, bis ich dann nach 4 Tagen die netten kleinen Waldwesen, Pilze, als gutartig erkannte. So eignete ich mir im laufe der Zeit ganz gute Pilzkenntnisse an,= die ich heute längst wieder vergessen habe. Ich probierte auch Blätter der Bäume aus, stellte jedoch fest, daß die meisten bitter oder = zu holzig waren, außerdem bin ich ja auch keine Giraffe.

An Würmern, wie das der Abenteuerbäcker aus Hamburg tut, habe ich mich aus ästhetischen Gründen nie rangewagt, auch Schlangen und Eidechsen habe ich lieber beobachtet, als einen Gedanken an aufessen zu verschwenden. Mit dem Fischen= hatte ich auch kein Glück, da sich mein Angelhacken immer nur tote Baumstämme im See suchte. Um dem Abzuhelfen baute ich mir ein Flo&szli= g; aus frischen Birkenstämmen, in der Hoffnung, daß das neue Gef&au= ml;hrt über Wasser mit mir drauf schwimmen möge. Es schwamm zwar, aber m= it meinem schmalen Gewicht von 55 kg leider 5 cm unter Wasser. Das störte mich Anfangs nicht, warf meine Angelschnur mit Wurm versehen aus, jedoch der Fisch blieb aus, dafür aber um so mehr Blutegel, die sich an meinen nackten Füßen festbissen. Diese ungewohnte Überrauschung ze= igte mir einmal mehr, daß mir Neptun und seine Früchte nicht so gut g= esonnen war, wie es der Waldgeist offenbarte. So diente das Floß dann spä= ;ter nur noch als Hinweisschild meiner Anwesenheit der Canadien Mounted Police, = die das stolze Fahrzeug aus ihrem Kleinflugzeug observierte. Diese sogenannten berittenen Staatshüter waren dann auch meine ersten und einzigsten Besuchen, allerdings ohne Pferd, sondern mit einer einmotorigen Chesner. „Mein“ See und die Kufen unter dem Bauch ihres dröhnenden Flugobjekts diente ihnen dann als physikalischen Grundlage, meine Wenigkeit unter die Lupe zu nehmen. Ich dachte, ich spinne! Bekam fast eine Herzrhyth= musstörung und wollte mich sofort aus dem Staube machen, blieb dann aber, um mein Revi= er zu verteidigen. Das müssen Sie sich mal vorstellen. Da stehen sie im großen Nichts des zweit größten Landes der Erde im Walde, = und was kommt? Eine Identitätskontrolle. Als ehemaliger Westberliner kannte ich ja schon die Sprüche der Volkspolizisten der DDR auf der Stecke Be= rlin Transit: „ Ihren Paß, bitteschön. Nu, machense mo de Koffe= rrom uff, habense Waffe, Monizion, Funggeräte oder Neckermannkataloge?̶= 0;

Ordentlich uniformiert, taucht= en also zwei männliche Wesen mit dem Vorzeichen Mensch mit breitkrempigen Hüten auf. Sie sahen vom Gesicht her nicht unfreundlich aus, fingen an= , in der Asche meines Lagerfeuers etwas zu suchen und befragten mich dann eingeh= end um meine Lebensstrategie. Ich erzählte ihnen etwas von Fallenstellen u= nd anderen Quatsch, um nur nicht wegen des Gewehrs erwischt zu werden. Schließlich hatte ich ja keinen Waffenschein, meinen Lebenserlaubniss= chein, sprich Paß, hielten sie in ihren Händen. Sie hatten einige Kn&ou= ml;chelchen in der Asche gefunden, was auf gute, professionelle Schnüffler hinwies. Jetzt untersuchte der Eine von Ihnen auch noch mein Zelt, und was fand er, = mein süßes kleines Gewehr unter meinem Schlafsack. Na ja, immer auf d= ie Kleinen. Also outete ich mich lieber gleich als Spinner, der mal der Zivilisation entfliehen mußte und erklärte ihnen meine Angst vor= der Abschiebung. Diese beiden Menschenwesen wurden offensichtlich durch „= die Macht“ beeinflußt, die mich hier beschützte, gaben mir mei= nen Paß tatsächlich zurück, so daß ich wieder eine Menschenidentität besaß, nickten mir freundlich zu und brausten = mit ihrem metallischen Pegasus davon.

Fragen Sie mich nicht, was die= se Begegnung mir tatsächlich sagen wollte. Bei der Visa Verlängerung= in Edmonton schockte mich nur die Sekretärin, die mich mal nur so aus Neugierde heraus fragte, was ich denn im Planquadrat XYZ am See ohne Namen suchen würde. Der Computer und die totale Kontrolle hatten schon Einzug genommen im menschlichen Realfilm, „Big Brother is watching you“= ;.

Ich dachte nur, Du mußt = Dich als Vogel verkleiden und dann wird alles gut, keine Grenzen, keine Kontroll= en, kein Paß und doch eine Identität, vielleicht eine Nützliche= re, als die, eines zerstörerischen Wehrwolfes, namens Mensch.

Nun hieß ich aber Wolfga= ng und hatte zur Zeit nicht die Gestalt eines Vogels, noch nicht einmal die, e= ines Wolfes, also hieß es, Weitermachen als der, für den mich die and= eren halten.

So denn, will ich Ihnen etwas = vom Blockhausbau mit Handaxt erzählen, was positiv stimmt und uns an unsere Kräfte erinnern soll, die auch in Hänschen Klein stecken, wenn er= nur will.

Nachdem ich also meinen Baupla= tz absteckte, den Pythagoras in mir hervorkramte und ein Quadrat von 3,5m mal = 3,5m festlegte, begann ich fleißig schwitzend auf die armen Birken einzusc= hlagen. Die zeigten sich für den Witz von Miniaxt als ziemlich widerstandswill= ig und dennoch war mein Wille stärker. Ich konnte ja nicht ewig in einer Plastikhaut von Zelt leben.

Ich machte es so wie der Biber, der hier ja ein Bruder von mir war. Ich beknabberte also die Stämme, b= is sie ein Einsehen hatten und die Idee, sich zum Haus zu wandeln auch akzepti= eren konnten. Einen vollen Monat brauchte ich, um die kleine ansehnliche Hü= tte mit Plastikfolienfenster einigermaßen fertig zu stellen. Lehm, zum Ausschmieren der Fugen, war zum Glück in einem Meter Tiefe auffindbar. Gestampfter Erdboden war mein Garant dafür, daß ich nicht täglich fegen mußte.

Die Tür, das Bett und die Möbel aus Baum- und Astmaterial nahmen auch wieder einen vollen Monat = in Anspruch. Einen kleinen  Herd-= Ofen baute ich mir aus Lehmwänden und einer alten mühselig herangeschleppten Eisenplatte vom verlassenen Hexenhaus aus Cheecham. Diese Platte lag da aber jetzt wirklich draußen nur so herum, die war nicht= aus dem Haus  geklaut. Sie wissen = gar nicht, wie toll es sein kann, sich endlich mal in Ruhe nackt waschen zu d&u= uml;rfen, nachdem sie über einen Monat wegen der Stechmücken und Blutegel n= icht mehr, als ein 2 minütiges Bad riskieren konnten. Meine Hütte war = ein Palast aus festen Baumstämmen, Lichtöffnungen, Wärmequelle u= nd einem Dach, mit Birkenrinde. Ein paar schlechte Fotos zeugen von der Wahrheit.

In der ersten Bauphase hatte i= ch mal einen Besucher, kräftig gebaut, große Pranken, die durchaus = in der Lage wären, eine Axt zu schwingen, der Körper fast so breit w= ie hoch und lustig schwarzhaarig befellt. Sie denken jetzt wahrscheinlich, ich hätte einen polnischen Schwarzarbeiter arrangiert, dem ich nur seine Sozialabgaben nicht bezahlen wollte. Sie irren sich immer noch in meinem gutwilligen Charakter, der doch, wenn er nur darf, friedvoll und gemüt= lich leben will, wie Bilbo, aus dem Herrn der Ringe.

Besagter schwarzhaariger Besuc= her, suchte eben, wie das Wort schon sagt. Er suchte aber keine Arbeit, bot auch keine Mithilfe an, wie es ja so bei den meisten Besuchern leider üblich ist – da müssen sie wirklich mal drauf achten. Besucher suchen n= ur immer, entweder Tratsch, eine Tasse Kaffee mit Kuchen, ein Schnäpschen, sie kommen so scheinbar friedfertig daher, aber meistens gehen sie danach m= it vollerem Bauch. Dalassen tun sie eigentlich selten etwas. So war das auch b= ei meinem. Er meldete sich recht plump mit Geklapper an, eine Türglocke h= atte ich noch nicht, und das in die Hände klatschen, wie man es in Paraguay macht, kannte er nicht. Es war auch noch Sonntag, da wollte ich mal ausschlafen. Ich schaute zum Zelt heraus, sah aber nur ein Wildhuhn, da&szl= ig; sich als Sonntagsbraten anbot. Das fand ich richtig gut, nahm meine Knarre,= legte an und vergaß dabei ganz das andere Türgeräusch. Das präsentierte sich dann beim Knall des Gewehres. Es rumpelte hinter mir. Meine Brille hatte ich noch nicht im Gesicht, meine Augen waren schlafvernebelt, aber einen Besucher sollte man nicht warten lassen, noch z= umal man ihn vorher mit einem Knall erschreckt hatte.

Da stand also der Bursche, erh= ob sich gerade von meinem Müllplatz, keine 5m von mir entfernt, und glotz= te mich an, als wäre ich nicht ganz richtig im Kopf, ihn zu stören. = Ich grinste ihn an, ganz ohne Witz, und fand ihn wunderschön. Vielleicht w= ar Er ja auch eine Sie und meine Phantasien galoppierten mit mir davon. Auf je= den Fall war es ein wundervoller Schwarzbär bei seiner üblichen bekan= nten professionellen Tätigkeit als Müllsucher.

Wau, welch ein Anblick!

Irgendwie begutachteten wir uns beide mit Faszination, leider nur sehr kurz, denn er/sie hatte doch mächtig Respekt vor dem Stock, aus dem es knallt und raucht. Er verabschiedete sich so denn, kulturlos, wie er kam, drehte mir einfach sein= en Rücken zu und ließ bei jedem Hüftschwung die Erde vibrieren= . Es waren Sekundenbruchteile des Denkens in mir, ich sah ein schönes warmes Bärenfell vor meinem Bett, ich sah einen endlich mal gesättigten Bauch, sah Fettreserven bis zum Winter, ich legte mein Gewehr an und schoß.

Wieder war der Schutzengel neb= en mir, stieß beim Schuß mein Gewehr an und ließ die Kugel daneben sausen. Ein Segen.

Der Bär war schon in einen flotten Gang gefallen und 30m entfernt, als meine 22er knallte. Das wä= re so die Wirkung eines Wespenstiches für ihn gewesen und der macht böse. Sie kennen das ja sicherlich, wenn Sie gestochen werden. Dieser böse Wicht entkommt mir nicht, klatsch, eins drauf und die Strafe ist vollzogen. So oder so ähnlich wäre dann mein Schicksal als Wespe für ihn gewesen. Normalerweise ist ja ein Wolf auch nicht so dumm und = jagt allein mit seinen puren Tatzen einen Bären, aber der Wolf in mir war e= ben noch recht dumm und einfältig und meinte, er wäre der große Held mit einem Knallbonbon in seiner Hand. Schwamm drüber, ich hatte d= azu gelernt, ohne als störende Wespe zwischen die Pranken eines ausgewachs= enen erfahrenen Meister Petz zu gelangen.

Diese Erfahrung half mir denn = auch am Ende meiner Zeit dort, darauf zu verzichten, die Könige des Waldes,= in diesem Falle waren es Elche, zu erschießen, um mein armseliges Dasein= zu erretten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich so dastand, schon = eine großkalibrige Waffe im Anschlag, den herrlichen Anblick der Elchherde= vor mir, zu entscheiden, diese Tiere sollen leben, auch wenn ich noch zwei Woch= en hungere.

Es gibt manchmal Situationen, = da sollte man gegen sich und für den anderen entscheiden. Das gibt Kraft = und Vertrauen im Herzen, wenn auch nicht im Magen, stärkt das höhere = Ich und schwächt das Egoschwein. Der Lohn zeigt sich meist auf anderen Ebe= nen und in anderen Zeiten. Das kann ich Ihnen sehr empfehlen, einmal auszuprobi= eren und damit zu experimentieren.

Die Nordlichter waberten berei= ts des Nachts über das Unendliche Schwarz der Heimat der Sterne, boten mi= r in dieser himmlischen Aufführung einen Parkettplatz ganz vorne und das al= les noch ohne geldliche Eintrittsgebühren. Eine Laserschau ist dagegen gar nichts, da können Sie ein Feuerwerk über dem Michigan See vergess= en. Das ist authentisch und doch mystisch verklärt. Da fragen Sie sich, ob denn das wohl sein kann, was da oben passiert oder ob Sie zu tief ins Glas geschaut haben. Wie können nur urplötzlich Nebel an einem sternenklaren Himmel erscheinen, in allen nur denkbaren und nicht denkbaren Farben, um genauso schnell zu verschwinden. Da sausen gelebte und nichtgele= bte Visionen einher, wie Gedankenfetzen, wie Traumpartikel und wenn Sie sie pac= ken wollen, sind sie schon wieder entschwunden.

Der Mystiker sieht darin einen Teil Gottes, der Wissenschaftler sagt dazu, ionische Entladungen im van All= en Gürtel. Suchen Sie sich es aus, welche Art der Empfindung Ihnen nä= ;her steht.

Aber man sollte es einmal in seinen armseligen 80 Sonnenumrundungen gesehen und auf sich wie eine himmli= sche Medizin wirken gelassen haben, um zu ahnen, das es Welten hinter den Welten gibt.

Die Zeit des Abschieds ist gekommen, mein Körpergewicht mit 53 kg paßt sich langsam an die Enten an, die ich verzehrte. Ich muß gehen, weil mein Visa auslä= uft. Doch mein Willen, wieder zu kommen und in dieses schöne herrliche weite Land einzuwandern, wird fest im Gedanken verankert. 3 Monate allein im Busc= h, mit sich selbst redend, jagend, bauend, träumend ist eine Zeit der gelebten Selbsterfahrung, die einem kein Magier der heutigen Zeit ersetzen kann.

Leider fragt man heute zu oft,= was haste denn verdient in der Zeit. Damals wäre ich peinlich berührt gewesen. Heute würde ich sagen: „Erfahrungen, mein Kleiner!̶= 0;

Inzwischen erfuhr ich auch, daß mein Vater verstorben sei. Eine Postkarte meiner Mutter brachte d= ie traurige Mitteilung. Wenn mein Vater auch in mir lebt, dann habe ich, glaube ich, ihm noch eine schöne Abschiedszeit bereitet. Er war immer ein Künstler, Maler, Schriftsteller, Musiker, Reisender, doch lebte nur den Beamten und den Krieg. Wenn ich da jetzt etwas für seine nicht gelebten Erlebniswelten tun kann, soll es mir recht sein.

Nachdem ich meine Blockhü= tte schön aufräumte, einen kleinen Brief für einen eventuellen Trapper hinterließ, machte ich mich auf die Socken. Diesmal wuß= te ich schon etwas über die Bahngleise und dessen Sinn mitten im Wald. Es= gab einmal wöchentlich einen Indianer und Trapperzug, der auch Materialien für die Ölgesellschaft anlieferte. Dieser Zug fuhr langsam und hi= elt, wenn man den Daumen herausstreckte, unglaublich, nicht wahr, aber es war so. Das ersparte mir das Fällen von Brückenbäumen, kostete mich = aber 2 Dollar Fahrtgebühr.

Ich trampte nun quer durch den Subkontinent, hatte einige interessante Begegnungen in den Herbergen fü= ;r sozial Benachteiligte, die meine Hotels wurden, besuchte neue Bekanntschaft= en, übernachtete hin und wieder bei reichen Leuten, die mich als Narren süß fanden und gelangte endlich nach New York, der, auch wenn si= e es nicht glauben wollen, übelsten Stadt, die mir über den Weg lief. = Mein Flugticket, von der Reederei spendiert, war noch gültig.

Den lieben netten Menschen, die damals auf meine Tricks hereingefallen sind, bitte ich ehrlich um Verzeihung und um Verständnis, denn wir wußten nicht, was wir taten. Es gab kein Opfer und auch kein Täter, es gab nur das Handeln, jeder nach sei= ner Eigenart. Doch dennoch will ich mich bedanken bei denen, die mir die Abente= uer unwissentlich möglich machten.

Wieder zurück in Deutschl= and warteten schon neue Erlebniswelten auf mich.

Es dauerte nicht lange, da verstarb ein Jahr nach meinem Vater meine Mutter. Im Leben liebten sie sich nicht, aber in den Tot folgten sie sich. Wozu das für sie gut war, verstand ich nicht. Endlich hatte meine Mutter das Klassenziel der Freiheit= erreicht, richtete ihre Wohnung mit hellen Farben ein, eliminierte das Dunkle meines Vaters. Und bum. Du bist tot.

Bei der Verabschiedung meiner Mutter an ihrem Sarg brach ich fast zusammen. Als aber dann diese ganzen se= nsationslüsternen älteren Herrschaften aus dem Kurort, in dem meine Eltern ihre letzten Jahre verbrachten, mir die Hand geben wollten, mit einem „herzlichen Beileid“, verweigerte ich mich. Ich blieb in der Kirche und weinte la= ut aus mir heraus. All die nicht geweinten Tränen des nicht verstandenen = und nicht geborgenem Kinde in mir brachen heraus. Es gab keine Hoffnung mehr auf den Mutterschoß, ihre Brüste, ihre Liebe und ihren Streit. Es war alles vorbei. Ein Teil meines Lebens brach von mir ab, ich war nicht mehr vollständig, sondern kaputt. Und da warten doch wirklich Fremde, nie gesehene Leute, am Eingang und geben mir in meiner ohnmächtigen Trauer keine Ruhe, sondern Lauern. Heute würde ich das anders interpretieren.=

Da standen Menschen vor der Kirche, die lange schon ihre Tränen nicht mehr zuließen und sahen ein Menschenkind, daß echt in seiner Trauer war. In ihrer Betroffenhe= it konnten sie sich nicht von der Stelle rühren und erstarrten im Entsetz= en vor ihrem inneren Erkaltet sein. Wenn dies so war, so verzeihe ich ihnen he= ute in Eurer Unsensibilität.

Die Mutter war also zu Grabe getragen, der Hausstand mußte aufgelöst werden. Ich, als der Kleinste der Familie, sollte mit seinen 21 diesen Job übernehmen, während die anderen sich aus dem Staube machten und danach um das erwi= rtschaftete Kapital fragten. Etwas aufzulösen, was über zwei Generationen gewachsen ist, ist eine merkwürdige Angelegenheit. Da es aber nur Bücher, Möbel und Porzellan gab, wirkliche Reichtümer des Mittelstandes, wie Häuser, Autos und Aktien nicht, blieben denn auch Erbstreitigkeiten aus, die ja so furchtbar gerne von den angeheirateten Verwandten entfesselt werden.

Kurzum, eine Zeitungsannonce u= nd eine Versteigerung in gleicher Wohnung löste auf, löste Probleme = und brachte mich meiner neuen Mamalosen Realität näher. Das ich mal z= um Versteigerer werde, war dabei auch neu, zum ersten- und zum zweiten und ...= ....

14 Tage später hatte das verschüchterte Muttersöhnchen, Wolfgang, seine erste Freundin.  Wie das Leben so kommt, manchmal muß einer gehen und Platz machen, damit überhaupt ein anderer ko= mmen kann, auch wenn es noch so traurig ist.

Die Johanneslust in Bielefeld = auf dem Berg war wirklich eine tolle Kneipe, Treffpunkt und Kommune für ju= nge Leute. Da durfte man verrückt sein, ohne sich schämen zu müs= sen. Ich schämte mich dennoch immer für meine pure Existenz und fü= ;r mein Mannsein im speziellen. Ich wollte mal ein Mädchen lieb haben, ab= er wehe, wenn in mir der Gedanke an Sex kam. In mir steckte Ritterlichkeit und Treue, Wahrheitssuchend und Zähigkeit. Geilheit wäre da nicht ang= esagt, auch wenn mein Körper rebellierte. Ich verstand meinen Körper nic= ht und wollte ihn auch nicht verstehen, weil er ja scheinbar böse war, we= il er etwas wollte, was meine Mutter in mir nicht wollte und die war ja noch in mir präsent. Die ist nicht gestorben, die schwebte in jeder Handlung über mir und bestimmte. Also Platonische Liebe.

Das sah man bei den anderen ju= ngen Leuten in der „Johanneslust“ ganz anders und auch bald meine ne= ue Freundin. Warum mir da nun mein Schutzengel eine Nymphomanin beschert hatte, zwecks Heilung meiner hochtrabenden Liebesvorstellungen ist schon sehr merkwürdig, dennoch war es so. Die Christine war wirklich sü&szli= g;. Ich liebte sie, beschützte sie, wäre für sie durchs Feuer ge= gangen. Sie war so kindlich, so naiv durch und durch, litt unter Depressionen, woll= te sich das Leben nehmen. Das war so richtig gut für den inneren Helden in mir, der nun seine Prinzessin vor bösen Drachen befreien konnte. Also = war ich schon wieder in ein Abenteuer verwickelt, nur diesmal von ganz anderer = Art. Es ging also um die Errettung der Seele in Kombination mit Liebe! Damals war mir der Abenteueraspekt meiner neuen Lehrzeit allerdings gar nicht bewußt. Es war bitterernst und vertrug auch keinen Spaß, denn L= iebe ist ernst!

Wußten sie das schon, Li= ebe ist ernst?

Na ja, wenn man gerade darin steckt, den geliebten von seinen eigenen Gespenstern zu erretten, wird das schon ziemlich seriös. Besonders dann, wenn man nicht merkt, daß= die Gespenster mit den eigenen verflochten sind.

Das ist ja gerade das Urkomisc= he in allen streitenden Ehen, wo die Liebe von Freude zu Ernst umschlägt.= Der andere hat immer die Schuld, man selbst ist ganz brav und lieb und ansonsten bleibt man noch, denn man muß ja an die Kinder denken, oder an das ne= ue Haus, oder das verschuldete Auto.

Aber lassen wir die Komik und kommen zurück zum Ernst des Lebens, denn auch ich erreichte nun schon = das 22. Lebensjahr.

Nach einem halben Jahr mit Christine kannte ich mich ganz gut damit aus, was man mit diesem Ding zwisc= hen den Beinen anfangen soll. Fünf mal hintereinander in einer Nacht war da mein Rekord, also nicht so gut wie Klaus Kinsky, der es nach seinen Angaben= auf einen Dauerorgasmus von 100 mal in 20 Stunden gebracht haben soll. Ich blieb also ein bescheidener Liebhaber mit gutem Willen zum Lernen. Meine Stä= rke war immer, daß mein Ding da unten nach dem Orgasmus nicht schlapp mac= hte. Da zollte mir das schwache Geschlecht immer mit Anerkennung. Wahrscheinlich konnte ich meinen „Höhepunkt“ genauso wenig ernst nehmen, = wie alles andere und vergaß einfach, das Ding einzufahren. Im Großen und Ganzen wendete ich mich also im doppelten Sinne dem Erforscher innerer Räume zu. Das muß ja auch im Leben gemacht werden, sonst wirkt m= an am Ende oberflächlich.

Körperlich fühlte si= ch meine Freundin innen sehr harmonisch an, seelisch jedoch war sie das krasse Gegenteil.

Zu dieser Zeit las ich während einer 6-wöchigen Türkeireise ein sehr überzeuge= ndes Buch über die „Urschreitherapie“. Diese Therapie versprach einen neuen Menschen nach vollbrachtem Werk. Das Konzept war und ist so ein= fach, wenn richtig verstanden, auch sehr effektiv und dennoch nicht jedermanns Sa= che. Es ging da nämlich um die Befreiung des Gefühls und damit um eine Freifahrkarte ins Unbewußte bis hin zur Geburt. Fragt sich nur, wer d= er Therapeut ist, nicht war.

Na lassen wir die Polemik und wenden wir uns Hänschen Klein zu, diesmal mit Manneserfahrungen gestärkt zieht er aus in einen neuen Krieg. Nachdem also meine Freundin mit ihrem Unglück und den fehlenden Orgasmen nicht mehr klar kam, such= te ich einen Therapeuten in oben besagter Therapieform, um dem Geist des Bösen auf die Schliche zu kommen. Auch ich wollte mal von dieser dämlichen Macke des Erretters befreit werden und nicht mehr vor jeden = Frau zittern, die ich gerne habe. Ich wurde dann bei den Bayern in München findig. Die Bayern sind ja auch recht urwüchsig drauf, da paßte = denn auch die Urschreitherapie hin. Kosten sind vorher privat einzuzahlen, Quittungen gab’s nicht, wir mußten einen 10-seitigen Bericht über unsere Lieblingsteddybären, unserem Verhalten während d= er Geburt usw. einreichen, eine Wohnung besorgen, uns von Verwandtschaft isolieren, keinen Kaffee und Bier mehr trinken, keine Bücher lesen, ke= in Radio, kein Fernsehen, nah eben all das, was man Ablenkung nennt, streichen= .

Das fiel mir nicht schwer. Aber den gerade neu gelernten Sex nicht mehr zu praktizieren, gefiel dann der Unterwelt des Körpers schon nicht sehr. 3 Wochen Isolation und jeden T= ag eine 3-stündige Sitzung beim Herrn Diplom Psychologen, zu dieser Zeit Sanyasin des Bhagwan Sri Rashnish. Er und seine Assistentin waren aber einer der ersten Wenigen, die auch meine Verrücktheiten respektierten, wenn = sie selber auch etwas abgehoben heilig wirkten.

Das Durchstöbern innerer Reiche war denn auch ein spannendes sehr überzeugendes Abenteuer, auch dann, wenn es wie damals in einer umgebauten Tiefgarage, nein falsch, es war ein Schwimmbad, stattfindet. Ich hatte mehr Angst vor der Sitzung, als vor = dem Bären in der Wildnis. So begegnete ich meinem eigenen Schweinehund in einer ganz anderen Form. Was vorher für mich als lieb und nett und brav bewertet wurde, wurde zu einer lächerlichen Farce von Überlebensv= erhalten eines kleinen Kindes einem übermächtigen riesengroßen Erwac= hsenen gegenüber. Ich fing an, innere Räume und dessen Wirken zu begreif= en. Mit dem „Urschrei“ war es dann auch gar nicht so weit her, denn dieser Begriff entpuppte sich als falsche Übersetzung des so animieren= den Buches. Es ging schlicht und einfach um das Zulassen von Gefühlen. Das hatte mir immer in meiner direkten Umwelt gefehlt und hier wurde es jetzt n= icht nur zugelassen, sondern auch gefördert. Einfach verrückt. Da bemüht man sich zeitlebens sich selbst in den Griff zu kriegen, um in emotionale Sackgassen zu landen, um dann für teures Geld es wiederum n= eu zu lernen. Ich sage Ihnen, dieser Planet ist ein Irrenhaus.

Die Therapie tat mir gut und s= ie tat dem Therapeuten finanziell noch besser, auch wenn er so tat, als sei se= in Honorar unangemessen billig.

Er kaufte sich später ein größeres Gebäude am Chiemensee, nicht schlecht, was.

Für mich kam während= der Therapiezeit nicht nur die innere Erleuchtung schlichter Selbsterkenntnisse, sondern der Entschluß anderen Menschen mit dieser Methode helfen zu w= ollen. Ich sah doch immer noch um mich herum die traurigen, frustrierten Gesichter einer Industriegesellschaft, die jeden Morgen aufstanden und ihrer nicht se= lbst bestimmten, entfremdeten Arbeit nachgingen, und daß auch in Münc= hen, bei den Lederhosenträgern. Das Bierhumpen- Heben war doch auch schon d= ort zu einer Farce geworden, man tat es, weil man Bayer war, aber man tat es ni= cht, weil es aus Freude am Leben aus einem herauswuchs. Meine Freundin und ich machten weiter brav unsere Therapie, jedoch nach der Isolationsphase nur no= ch 2 bis 3 mal wöchentlich. Den Rest der Zeit beschäftigte ich mich mit dem organisieren einer stillgelegten Tiefgarage, dessen Ausbau zur Gummizel= le, dem Annoncieren in Alternativzeitungen, „biete therapeutische Unterst= ützung gegen Mitbeteiligung an Therapieraummiete“.

Der Therapieraum, ein dunkles = Loch mit Chemieklo, wurde zu unserem zweiten Heim. Dort konnten wir laut drö= ;hnend Musik hören, durften verrückt sein, ohne 80 Mark die Stunde zu be= zahlen, konnten Kiffen und mit LSD experimentieren, aber nach therapeutischen Grundsätzen diesmal. Unterirdisch war der Raum und unterirdisch war das Thema, die Entdeckung des Unbewußten, diesmal ohne Hypnose.

Die Kindheit war fern, die Kindheit war nah, aber keiner von uns erkannte damals den wahren Grund unse= res Verhaltens und unseres Seins. Auch nicht der teure Therapeut.

Vielleicht hatte der Therapeut auch schon das Lachen verlernt oder er haftete zu sehr eines Kollektivbewußtseins an, was ihm keinen freien Entdeckungsspielraum ließ. Schließlich war er Diplom Psychologe und mußte dem = nach auch seinem Bild des Seelenhelfers gerecht werden.

Das war mein Riesenvorteil und Vorsprung. Ich war noch nicht angefüllt mit Theorien und Vorstellungen, wie der Mensch ist, wie er funktioniert und wie er zu sein hat. Ich war sozusagen jungfräulich und konnte mich in meinen therapeutischen Erfah= rungen kopflos entwickeln, schauen und dann erst handeln, ganz ohne den Druck eine= r vorgegebenen Idee oder dem spezialisierten Wissen einer Universität.

Beim Schauen entdeckte ich dan= n, daß meine Freundin Christine auf dem absteigenden Ast war. Die suchte sich immer noch durch den Unterkörper und wollte nun unbedingt zur AAO Kommune in Österreich mit freier Sexualität und Gemeinschaftseigentum. Den Impuls empfand ich interessant und schloß = mich ihrem Anliegen an.

Wir lösten also unseren Therapieraum auf und zogen in das Reich des Aktionskünstlers Otto Mühl.

Der hatte Charisma, der wußte wie man Strukturen schafft, jeden Tag eine andere Geliebte im B= ett zu haben und wie man es schafft Liebe zu vermeiden und wie man das Eigentum anderer vergemeinschaftet, es aber diktatorisch verwaltet und langsam wieder privatisiert, natürlich in seine eigene Tasche.

Das System war psychologisch so gut ausgeklügelt, so daß kaum ein Widerstand entstehen konnte. D= ie Persönlichkeitsstruktur des einzelnen Mitglieds wurde als böses E= go proklamiert, welches zu bearbeiten gilt, das Gemeinschaftsego der Gruppe so= llte es ersetzen. Die natürlich immensen Probleme, die dabei auftauchten, wurden mit einer sogenannte Selbstdarstellung abend für abend, mit Klavierbegleitung untermalt und bearbeitet. Die sogenannten Therapeuten und Gruppenleiter(innen) bekamen dafür einen Freischein zum Vögeln der schönsten Frauen bzw. Männer der Gruppe. Jeder war vogelfrei, bes= ser ausgedrückt Freiwild. Kam Otto daher, warfen sich ihm die Frauen vor d= ie Füße. Das Joint rauchen und starke Alkoholika waren verboten, dafür wurde auffällig viel Kette geraucht, um die Spannung durchzustehen.

Otto Mühl trat mal an mich rann und wollte von mir Marihuana haben, weil er wohl mitbekommen hat, daß ich dem nicht abgeneigt war. Ich hatte tatsächlich etwas bei mir, daß er mir zu gerne für sich selbst enteignet hätte. N= ur ich brauchte den Stoff, um meine erbarmungslosen Eifersuchtsanfälle in= andere Welten umzuleiten, wenn ich Christine mit irgend einem Typen im Nebenbett des  Gruppenraums Orgasmusschr= eie ausstoßen hörte.

Das war nicht meine Welt, die Theorie hörte sich gut an, die menschliche Herausforderung war gro&szl= ig;, aber das Ergebnis war jämmerlich. Eine Welt der Geilheit ohne jegliche Liebe.

Ich verließ also den Neusiedler See ohne Partnerin, traf Christine später einmal in München, einmal in Bielefeld, jedoch konnte sie sich bis zur letzten Begegnung aus ihrem Schicksalsrad nicht hinauswinden. Sie war meine wichtig= ste Geliebte in meinem Leben. Ich werde gemeinsame Erlebnisse mit ihr unter der Wirkung halluzinogener Drogen nicht vergessen können und ehre sie bis heute als ein entscheidender Schicksalserfüllungsgehilfe. <= /span>

Wieder einmal prägte sich etwas Bedeutendes. Nicht nur die schönen und aalglatten Beziehungen zu einem Menschen  fördern d= as Reifen, nein, gerade die steinigen Leidvollen bringen Erfahrungen und Erken= nen.

Leider werde ich weiter Ihre Aufmerksamkeit mit meinen noch folgenden inneren Abenteuer beschäftigen müssen, weil ich Ihnen Wahrheiten erzählen und mich nicht als ein Odysseus der Neuzeit darbieten will. Menschen, die mir nur ihre tollen Taten oder auch erfolgreiche Handlungen präsentieren, sind mir immer sehr suspekt. Entweder verschweigen sie innere Prozesse oder sie hatten nie welc= he, wobei letzteres dann auf mich hohl wirkt, auch wenn ihre Taten von Heldenmut sprechen. Irgendwie steckt ja in Jedem ein empfindsames Kind, welches am Le= id seines persönlichen Schicksals zu knabbern hat. Ich finde es auch wich= tig, zu erfahren, wie denn mein Mitmensch damit klar kommt, welche Strategien er entwickelt hat, Leid zu erfassen oder aber auch auszugrenzen. Erst in diesem Kontext zwischen innen und außen bekommt sein ganzes Wesen eine fa&sz= lig;bare Gestalt und Substanz. Erst dann kann ich sagen, ich mag Dich oder ich mag D= ich nicht.

Nach meinem Abgang aus der AAO besuchte ich noch für zwei Wochen weitere Wiener Alternativkommunen. D= ie eine nannte sich BBO, die andere CCO. Irgendwie liebäugelten sie wohl alle = mit dem erfolgreichen großen Bruder vom Neusiedler See ohne sich jedoch dessen Zwänge unterwerfen zu wollen. Einzelne Erfahrungen, deren es se= hr viel interessante gab, würde aber jetzt den Rahmen sprengen und folgt = an anderer Stelle bei bedarf. Lustig war nur die Begegnung einer soliden Botsc= haftschefsekretärin, einer flotten rothaarigen Irin, die sich heimlich täglich in einer die= ser Kommunen begab, um ihren langweiligen Job im Botschaftsempfangsbüro bei ihren wechselnden Liebhabern im Bett eines Kommulitonen  zu vergessen. Ich war da auch einm= al dran. Das war auch so eine Frau, die immer einem Orgasmus hinterher rannte = und ihn dennoch nie bekam, was wohl scheinbar das Schicksal der Nymphomanen ist. Ist ja auch wirklich furchtbar, immer kurz vor der Explosion zu stehen und = doch nie geboren zu werden. Das Rauskommen hat zweifellos etwas mit Geburt und unerfüllten Spannungen zu tun, der Geburtsvorgang ist dem Zeugungsakt = auch nicht fern. Frauen mit bewußt durchlebten Geburten wissen jetzt siche= rlich sehr gut, was ich meine.

Weil ich nach außen imme= r so lieb und brav wirkte, vernaschte mich dann auch noch eine Lesbe, was meinen= Erfahrungsschatz ein wenig erweiterte, mich dennoch auch verschämte. Es zeigte nur einm= al mehr, daß in mir drin immer noch das Muttersöhnchen steckte, was jede Frau um den Finger wickeln kann.

Meine Auszeit im Süden deutschsprachiger Republiken war nun eingeläutet. Ich hörte etwas über die Entstehung einer Therapiekommune in Osnabrück, so da&szl= ig; ich den Rest meiner Klamotten in München abholte und mit meinem verbeu= lten Ford 15 M  mit großer, aufgemalter Kanadaflagge, in den Norden klapperte.

Nur mußte ich zu meinem Leidwesen feststellen, daß die angebliche Therapiekommune das Hirngespinst einer Osho-  Anh&= auml;ngerin war, die sich eine Gemeinschaft siedend heiß in ihrer Einsamkeit wünschte. Die war nämlich mit einem Mann zusammen, der sich einen Finger aus lauter Wut vor ihren Augen mit der Axt abgehackt hatte, um seinen Eifersuchtsanfällen eine sichtbare Grundlage zu verschaffen. Da wu&szl= ig;te sie gleich, gehe ich fremd oder bin nicht brav, ist der nächste Finger dran, oder aber auch mein Kopf. Menschen gibt’s, die gibt’s doch gar nicht, und dennoch überzeugte ich mich von der 4-fingrigen Hand des cholerischen Herren.

Also mußte ich es wohl m= al wieder im Alleingang machen, na was schon, die Therapiekommune aufbauen.

Nur dazu brauchte man Menschen= mit ähnlichen Ideen, ein Haus, ein Garten und natürlich auch einen klugen, weisen Therapeuten. Bis auf den Therapeuten schaffte ich alles mehr oder weniger heran. Nun, was machen Sie schon, wenn Ihnen nur ein Handwerker zur Erfüllung eines Traumes fehlt? Normalerweise wagt man sich an die Arbeit alleine ran und gibt sein bestes.

Das war denn auch meine Devise. Kein Primärtherapeut da, Du wolltest schon immer anderen in ihren Mise= ren helfen, hast mit Deiner Mutter als Seelsorger 18-jährige Erfahrungen, = mit Deiner Freundin fast 2 Jahre, die feinmechanischen Werkzeuge hatte ich in München, Ottobrunn gelernt, also Mut geschöpft und ran ans Werk. =

Sicherlich, daß klingt j= etzt für Sie wieder ziemlich naiv oder unglaubwürdig. Jetzt, als 50-jähriger, finde ich das Verhalten dieses jungen Menschen auch recht befremdlich, aber wir wissen ja immer noch nicht, was aus diesem Kerl 30 Ja= hre später wurde.

Ich baute also einen ehemaligen Kartoffelkeller, Stehhöhe 2 Meter, zu einer Gummizelle in einem Einfamilienhaus einer Wohngemeinschaft um. Die zur Verkleidung benötig= ten Materialien besorgte ich mir in Form alter Sperrmüllmatratzen, die Beleuchtungsanlage war ein 100 W Rotlichtfokus und ein Dimmer. Eine kleine Musikanlage für die dynamische Meditation ala Bhagwan Sri Rashnish besaß ich noch. Der Rest der Wohngemeinschaftsleute beäugten mein Handeln mit wissend befremdlichem Lächeln.

Was mir nun noch fehlte, waren= die Therapieleute, die dem Schrei der Zeit nach Selbstfindung folgten. Also nic= hts wie los mit dem alten Ford. Mit fotokopierten einfachsten Werbezetteln, ohne jegliches professionelles Design, fiel ich über Müsliläden, Universitäten und Fachhochschulen der umgebenden Städte her. Mein Vertreterumkreis hatte dann einen Radius von 200 km. Als Vertreter tauge ich allerdings wegen meiner angeborenen Bescheidenheit und den ewigen Schuldgefühlen meiner Umwelt gegenüber nicht besonders. Das Klinkenputzen ist mir bis heute zuwider.

Nichtsdestotrotz meldeten sich schon innerhalb von zwei Wochen die ersten 8 Hilferufenden, um endlich das Glück auf Erden zu finden oder zumindest den Sinn ihres Lebens zu erfa= hren. Die Vorbereitung meines ersten Einführungswochenendes machte mir Freud= e, verursachte aber auch ein inneres Zittern. Hoffentlich erwischt man mich ni= cht. Das kannte ich schon von meiner Geburt, der Schule beim Schummeln, aus Kana= da und und ....

Aber was soll man machen, wenn= man Querdenker und Dickkopf ist?

6 nette junge Leute klingelten= an meiner Tür und merkten zum Glück weder mein Zittern, noch die vor= her gerauchte Zigarette, die ein Erleuchteter ja nicht mehr braucht.=

Die Zeit des Therapeuten began= n. Der Workshop lief zur Zufriedenheit Aller, die ersten Anmeldungen zur Inten= sivphase trafen ein. Ich nahm das Leben zu dieser Zeit noch furchtbar ernst, mü= ssen Sie wissen, so daß ich mir nicht wie Dick Heimtücke die Hän= de rieb, sondern mein Wissen über das therapeutische Handwerk in ständigen fast unbezahlbaren Fortbildungsseminaren vertiefte. Das war = kein Zuckerschlecken, wenn man ständig von anderen Therapeuten auseinanderg= enommen wird, ohne das die einem sagten, wie man das innere Puzzlespiel wieder zusa= mmenbaute. Es hieß immer, „das mußt Du für Dich alleine herausf= inden.“ Auf der anderen Seite verhalf es mir zu einem Standartsatz, den ich auch me= inen Klienten vor die Füße warf, wenn ich nicht weiter wußte.

Über meine Fähigkeit= en als Therapeut läßt sich jetzt streiten, aber die Erfolgsquoten l= agen doch wesentlich höher, als es meine professionellen studierten Kollegen verbuchten.  Viele meiner soge= nannte Patienten hatten massenhaft andere Erfahrungen auf dem Gebiet begonnen, ohne wirklich zufriedengestellt worden zu sein. Ich arbeitete mit ganzem Herzen = und mir lag auch etwas an jedem Menschen und das spürte meine kleine Herde= .

Das ich es denn auch in meinem vollen Portmonet spürte, das von Monat zu Monat mehr anschwoll, wie ei= ne Schwangere, war mir ziemlich egal, stärkte jedoch das Selbstvertrauen.=

Bald hatte ich so viele Kunden, daß ich mit dem Kauf einer alten Dorfschule liebäugelte, um ihren Wünschen nach Platz gerecht zu werden.

Ich glaube, es waren ziemlich genau 9 Monate, bis diese Geburt zustande kam. Mit 25 Jahren, jüngster Therapeut der Republik und Hausbesitzer eines 400 Quadratmeter großen Wohngebäudes, fühlte ich mich schon recht erfolgreich. Sogar ins naheliegende Ausland wurde ich gebeten, um meine errettenden Workshops abzuhalten. Scheinbar hatte ich jetzt wohl den Anschluß an gesellschaftliche Vorstellungsbilder erfüllt, ich war ein nützlic= hes Mitglied meiner Sippe. So tauschte ich denn auch den klapprigen Ford gegen einen gebrauchten Mercedes 280 SEL, wie es sich gehört. Der Stern als Zeichen des Erfolgs wird ja wohl heute noch gepflegt, also warum nicht ich auch. Etwas lächerlich wirkten schon meine 60 kg Personengewicht in ei= nem solchen benzinschluckenden Schlachtschiff. Aber Erfolg soll man doch zeigen, rieten mir immer meine Mitmenschen. Meine Mutti wäre nun auch richtig stolz auf mich gewesen und mein Papa hätte mir auf die Schulter geklop= ft mit den Worten, „Du kannst alles machen, nur laß Dich nicht erw= ischen“.

Mein himmlischer Schöpfer klopfte mir aber nicht auf die Schulter und der Schutzengel brachte mir sei= nen Service mit sehr ernstem Gesichte. Der stellte mir jetzt ein Bein und zeigte mir mit böser Miene, daß ich da wohl etwas falsch verstanden h&a= uml;tte, in unserem Lebensvertrag.

Die Kreditzinsen erhöhten sich immens, der Mercedes ging zu Bruch und zeigte schlechtere Qualitä= ten, als mein erster Käfer, die Nachbarn fingen an zu stänkern, meine Assistenten spielten Revolution, meine erste Ehe ging in die Brüche. K= urz die Seifenblase eines zuverlässigen Geschäfts als Lebensbasis ver= puffte in Schall und Rauch.

Ich glaube, meine Rolle als Therapeut, sagen wir besser helfender Menschenfreund, war wohl gerechtferti= gt, aber das dahinterstehende Geschäft mit seiner versnobten Eigendynamik,= dem Gelde hinter der Seele, hatte einen Fehler im System. Das spürte ich a= uch immer bei diesen extrem teuren Fortbildungsseminaren. Auch wenn die Arbeit = des Seminarleiters exelend war, sie entsprach aber wohl nie dem dreifachen Lohne eines Facharbeiters. Das gleiche habe ich mich auch oft in meiner eigenen Preisbestimmung gefragt, fand meist irgendwelche fiktiven herrationalisiert= en Gründe, doch das Gefühl innen warnte mich immer, nicht zum Quacksalber zu werden. Noch vor kurzem hatte ich eine kleine Internetdiskus= sion mit so einem „Menschenfreund“, der den sogenannten „Licht= nahrungsprozeß“ für unverschämte Preise anbot. Ich fragte ihn, ob er das Wort Lie= be kennt.

Ich kann Ihnen sagen, der war vielleicht schlecht gelaunt.

Ich sah ihn vor meinem Auge un= ter die Decke gehen, wie ein HB- Männchen oder Rumpelstilzchen. Er schimpf= te unchristlich via Email auf mich ein, ich soll mal etwas bewußter werden, es gä= ;be genug Geld im Universum. Wenn ich zu blöd bin, es mir zu angeln, dann wäre das nicht sein Problem.

Kleinlaut fertiggemacht, gab i= ch dann friedfertig nach und dachte mir nur meinen Teil. Auch diesen 30-jährigen jungen Christoph wird das Universelle, was er so schön interpretierte, einen kräftigen Tritt vor die Kniescheibe geben. =

Ein beliebtes Spiel bei Therapeuten ist es nämlich, universelle Gesetze oft ganz dem eigenen L= eben und persönlichen Interessen anzupassen, von Patienten den Abbau ihren = Egos einzuklagen, um sich genau von diesen Egos zu nähren. Na gut, meine li= eben Zuhörer, sie müssen bedenken, daß Psychotherapeuten den prä- und perinatalen Geburtsphasen, sowie ihrer Säuglingszeit sehr nahe stehen müssen, um sich über die Patienten selber zu erkennen= und zu erretten. Da kommt es denn schon oft, zu dem verspäteten Saugreflex, ganz im Rahmen der Erleuchtung natürlich, und so irrt man sich verwirr= ter Weise manchmal und glaubt, man müsse das Geld seiner Klienten aussauge= n! Wenn die wüßten, daß sie eigentlich Milch meinen, wär= en sie auch nicht so bösartig beim Thema Honorar.

Wissen Sie, wenn man Abenteuer bestehen muß und Verrücktheiten anstellt, wo andere nur mit dem = Kopf schütteln, hat man den Vorteil, daß man hinterher mitreden kann.= Deswegen werde ich bei dem Thema Menschlichkeit, Mitgefühl und Liebe verbunden = mit finanziellem Output immer wieder recht bissig. Ich kann’s einfach nic= ht ertragen, wenn es mal wieder heißt:

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt“.

Das hatten wir doch schon im Mittelalter. Der alte Tetzel machte ja seine Arbeit als Geldeintreiber der katholischen Kirche recht gut, da gibt es auch gar nichts zu meckern. Das erkannte auch Martin Luther gerne an, nur hat er sich eben im Geschäft vertan, zog nicht seine Maske in Gestalt der Mönchskutte aus und wurde Händler. Die sind da schon ehrlicher. Beim Händler weiß der Bürger wenigstens, daß er betrogen oder zumindest übervorte= ilt wird. Bei den Kirchen und Therapeuten bleibt da so eine blöde Unsicherheit. Die verkaufen eben Liebe, die ja jeder braucht und nur wenige= haben. Also eine seltene Ware, sozusagen.

Wenn Sie ganz sicher gehen wol= len, gehen Sie zu „Momo“, die hat Zeit für Sie, läßt sich auch nicht von den grauen Herren der Zeitsparkasse bestechen und hat kapiert, das Liebe etwas mit Zeit zu tun hat. Der würde nie einfallen, Geld oder bunte Plastikpuppen mit Mechanik einzutauschen, gegen ihre Zuhörerschaft. Die macht das aus Menschenliebe und Freundschaft und bekommt dafür höchstens einen Kuchen oder aber die Erkenntnis über Seelenblumen.

Puh, jetzt habe ich mich mal wieder ins Schwafeln verloren, wo Sie doch bestimmt wissen wollen, wie es m= it dem „Primal Center Osnabrück gem. e. V.“ weiterging, denn = so hieß mein Laden. Denken Sie sich aber bitte das gem. e.V. weg, damit = ich keinen roten Kopf, des Schames wegen bekommen. Na gut, ich verrate es Ihnen trotzdem, aber nur flüsternd, sonst schickt mir noch das Finanzamt den späten Knüppel zwischen die Beine.

Wie ich schon sagte, bin ich k= ein böser kapitalistischer Ausbeuter und mußte mir etwas einfallen lassen, daß auch arme Schlucker ein Anrecht auf therapeutische Errett= ung hatten. Wenn man einen gemeinnützigen Verein aufmacht, der auch nach W= ort und Tat dem Wohle aller dient, so können Sie sich Steuern sparen. Wenn dann die ausführenden Kräfte, in unserem Falle Psychomechaniker, = ein monatliches Honorar von ca. 500 Mark kriegen, helfen Sie dem Staat bei sein= en Militärausgaben gar nicht mehr, den auf den Plakaten freundliche l&aum= l;chelnden Politikern bei ihren Diäten allerdings auch nicht. Und das ist bedauerlich, bei so einem guten, gerade frisch gemachten teuren Gebiß, wie man beobachten kann, aber da kann man ja Parteispenden unter dem Tisch = verschieben. Die anderen machen es auch nicht anders und das prägt, das kennen Sie doch, nicht wahr?

 

Zu Hoch- Zeiten meines tollen Betriebes, und Betrieb gab es schon eine ganze Menge, hatte ich 4 Assistent= en. Das Geld, was reinfloß, floß wieder hinaus, ganz so wie man sich einen Fluß vorstellt. Der Fluß hat leider auch die Eigenschaft = das umliegende Gelände zu untergraben. Das waren die Banken und Rechtsanwälte bei mir. Beide hatten hervorragende erodierende, auswaschende Eigenschaften und saugen konnten sie auch kräftig. Man ka= nn das auch im wirklichen Leben beobachten. Banken und Rechtanwälte werden immer dicker, die Klienten immer dünner. Das ist universelles Gesetz u= nd zeigt sich ehrlich, weil es jeder weiß, daß er betrogen wird, o= der etwa noch nicht?

Wenn nicht, dann erzähle = ich ihnen etwas von Rechtanwälten, weil dieses Abenteuer noch neu für mich war. Ich ging also nach Verkauf meines Hauses zu einem, dieser seri&ou= ml;s erscheinenden Herren, wie gesagt scheinen, und bat ihm um die Mithilfe, mich bei der Beschaffung des noch nicht eingegangenen Kauferlöses zu unterstützen. Der Käufer behauptete nämlich, er hätte d= en Hausbockkäfer im Dachgebälk. Das er da einen Käfer oder Wurm= im Dachstübchen hatte, war offensichtlich, nur ob das auf mein Haus zutraf war noch fragwürdig. Der Käufer hatte vor dem Kauf zwei Monate la= ng freien Zutritt zu seinem neuen Reich, sah jedoch nie dieses böse Ungeziefer. Nach vollzogenem Kauf wollte er natürlich mal sehen, was s= ich drehen ließ. Mein Rechtsverdreher zeigte sich mir mit imposant geschw= ollener Brust, „das Kriegen wir schon, Herr Voss!. Was soll er auch anders sa= gen. Das ist wie bei den Ärzten, die sagen, „wie geht es uns denn heu= te, das kriegen wir schon wieder hin.“

Der schwarz betuchte Mann ging also, wie es eigentlich nicht anders zu erwarten war, bis vors Oberlandesge= richt und saugte fleißig, wie ein braves Baby, an meinem Geldbeutel. Die ne= tte Überraschung war dann ein Vergleich, wo einer sich mit dem anderen vergleicht und feststellt, daß er beschissen wurde. Die glorreichen Sieger waren die Herren in schwarz, inklusive dem ach so gerechten Richter. Aber seien wir mal ehrlich, auch diese Babys haben ein Recht auf Muttermilch und Saugen. Enttäuscht ist nur Derjenige, der die Spielregeln vorher n= icht kannte und, wie das Wort schon sagt, sich getäuscht hatte. Allerdings = sagt uns ja auch keiner in der Schule, das Recht und Gerechtigkeit gar nichts mi= teinander zutun hat, sondern schlicht eine Täuschung ist, die nur zur Enttäuschung führen kann. Der brave Täuscher kann allerdings damit nette Sümmchen einhandeln und seinen geprallten Bauch streicheln. Als edler Ritter sorgte ich jedoch last not least für wahre Gerechtigk= eit und machte allen eine lange Nase. Ich brach nämlich auf nach Süda= merika mit Geldsäckel im Sparstrumpf eines bekannten Alpenstaates.=

Aber wir haben weit vorausgegriffen.

Die Differenz zwischen Gerechtigkeit und Recht hat mich schon immer furchtbar wütend gemacht = und lenkt mich nicht nur hier vom Thema ab, sondern auch im wahren Leben.<= /o:p>

Also, die Galgenschnüre meines selbsternannten Errettungsbetriebes zogen sich immer enger um meinen Hals. Dabei waren wir doch stehen geblieben.

Ich hatte eine wunderbare Frau= und zeugte einen noch wunderbareren Sohn, die sich friedvoll in mein Leben bett= eten. Auch wenn ich B. von ihrer Jungfräulichkeit befreite und damit ihre, v= on ihrer Mutter vorgesehene Ärztekarriere obendrein, hatte ich kein schlechtes Gewissen. Schließlich hatte ich auch ein Recht auf Leben, = wenn man sich schon tagein tagaus mit den Seelen anderer beschäftigt. Beson= ders mein Sohn rief nach Daseinsgestaltung, und wo eine Seele ruft, da helfe ich gerne anderen, auch hin und wieder mit den Genitalien, zu einer Gestalt zu = kommen. Für irgend etwas sind diese Organe ja gut, oder?

Die gute Schwiegermama, war mir nicht besonders gesonnen und schrie nach Abtreibung und ähnlichen häßlichen, lebensvernichtenden Maßnahmen. Der Bursche, noc= h in Transzendenz, schrie aber nach Leben. Er kam, der Schrei nach Leben war stärker, als die Kraft der grauen Herren in der Schwiegermutter, die n= ach Karriere geiferte. Ich kann Ihnen sagen, ich hatte vielleicht eine Wut im Bauch, als besagte Dame dann herum tuddelnd, das Produkt des Himmels in ihre Arme nahm und so tat, als wäre nichts gewesen, als wäre sie die Zeugung in Person. Na ja, Menschen halt, einmal dies, einmal das, Regeln aufstellen wollen und sich dann selbst nicht daran halten. Kennen wir schon= .

Das Kind wuchs kräftig, w= ar ja schließlich eine echte Hausgeburt, fast nach Leboyer, nur die Mutt= er fühlte sich irgendwann vernachlässigt. Da half denn auch keine zweimonatige Neuseelandreise, um ferne Gefilde zu schnuppern, um vom Auswan= dern zu träumen. Sie mußte einfach mal auf eine Fete gehen, ohne Baby versteht sich, und lernte dort überraschender Weise einen netten jungen Mann kennen, der mehr lächelte und weniger arbeitete, als ich. Ich übertrieb es ja wirklich oft mit dem Arbeiten, aber ich liebte auch me= ine Patienten, nur ganz keusch. Die Ritterlichkeit und den Keuschheitsgürt= el ging dann meiner Partnerin ganz ab. Sie fand den Schlüssel und öffnete ihr großzügiges Tor zum Leben.

Warum soll sie schließli= ch auch nur mir das offenbaren, was einer größeren Allgemeinheit zustand und Frausein bedeutet eben auch Hingebung an das Leben. Das der Geh= ilfe ihrer Bedürfnisse auch gleichzeitig mein eigener im Betrieb war, deutet schon seine Großzügigkeit an. Wissen Sie, ein Mensch, der oft und gerne lacht und das Leben nicht so schrecklich ernst nimmt, zieht die Sympathien an sich, wie Honig die Wespen. So war mein Freund und Helfer und Liebhaber meines „Schneewittchens“. Als Frau, hätte ich da auch nicht nein gesagt. Als Mann habe ich da ganz entschieden Nein gesagt. Warum ich mich dagegen so werte, weiß ich bis heute nicht.

Auf jeden Fall war das Leiden = mal wieder angesagt. 9 Monate dauerte mein Ausbrüten, Erhoffen und Ertrage= n, ja selbst bis zum Schrei ihres Orgasmus im Nebenzimmer ohne mich, aber mit meinem netten Freunde. Beide waren noch so freundlich, mir in dieser Zeit therapeutische und freundschaftliche Hilfe anzubieten, um über diese schrecklichen Eifersuchtsanfälle hinwegzukommen. Ich dachte doch tatsächlich, Eifersucht wäre immer eine Krankheit. Meine Ansprüche an einen erleuchteten Guru waren schon recht groß, und= der wollte ich wohl werden.

Jedoch nach 9 Monaten, war mein Kind ausgebrütet, ich machte den Gemeinheiten ein Ende und schmiß kurzerhand „Schneewittchen“ und Wolfi raus. Keine Frau, kein Ki= nd und einen Freund und Mitarbeiter weniger war die Bilanz, aber auch kein Lustgeblök im Nebenzimmer und nächtelanges Brüten und Leiden= .

Merkwürdigerweise fand ih= re Beziehung dann auch nach zwei Wochen ein jähes Ende, was mich denkwürdig auf das Prickelnde einer Dreierbeziehung aufmerksam machte.= Die Zahl Drei ist scheinbar furchtbar spannend, doch gibt sie keinen Frieden, b= is die Zahl sich verändert hat. Auch interessant, nicht?

Ist schon dumm, wenn man wieder mal von vorne anfangen muß, aber immerhin habe ich gelernt, daß Eifersucht nicht nur Neurose ist. Ich verstand nun besser, einige Probleme meiner Kunden, und konnte zwischen Eifersucht und „Eifersucht, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft“, unterscheiden. Auch sah ich, da&szl= ig; ein Kind, keine Garantie für väterliches Lebensglück auf Dau= er darstellen muß. Und ich sagte mir, „nie wieder eine Jungfrau“, die müssen erst noch Erfahrungen sammeln, bis sie zu einer zuverlässigern Frau gereift sind. Ich meine jetzt nicht das Ster= nzeichen, wie Sie schon richtig ahnen, denn die haben ja die Anpassung an die Lebensb= edingungen zum Thema. Mein Mädel war aber ein Schütze und die genießen= das innere Selbstverständnis hin und wieder in fast löwischer Eitelke= it, bis sie von ihrem hohen Sockel fallen. Sie fiel dann auch ziemlich tief, als sie dann doch noch ein Kind von meinem Konkurrenten bekam, aber keinen gele= bten Vater dazu.

Ich schlich also durch die Geg= end, überließ die Verantwortung für den Errettungsbetrieb mehr u= nd mehr meinen treuen Assistenten, beriet sie bei Fragen, die wir in Videoaufz= eichnungen der Sitzungen ansahen und widmete mich meinem eigenen fatalen Leben. Der Mercedes wurde zu einem bescheidenen Citroen, ansonsten wollte ich mich mal wieder selber streicheln. Das tat ich denn, mit der Beschaffung eine Sportbogens und dem Zielen nach neuen Lebenszielen, dem Flugunterricht im Drachenfliegen und dem Tauchen mit Flaschen. Mit dem Pfeil und Bogen fand i= ch nur eine Strohmatte als Ziel, ansonsten blieb die buddhistische Spiritualität aus, mit dem Tauchen fand ich das Schweben mit den Fisch= en, aber sonst nur harte Machos als Kumpels, die ihre Tauchbücher mit möglichst großen Tiefenangaben zinkten. Aber das Fliegen wie ein Vogel mit dem Hängegleiter war schon etwas anderes. Meine unendlich vi= elen Flugträume wurden wahr.

Der Feind ist hinter mir und s= chon geht’s in die Lüfte und die lange Nase heraus gestreckt. Psychologisch sehr interessant, das Thema.

Stellen Sie sich vor, Sie lauf= en da mit so einem großen Ding auf dem Buckel einen Hügel herunter = und erwarten, daß Sie bis unten weiterflitzen und plötzlich werden S= ie nach oben gelüpft und gleiten in den Lüften, obwohl Sie doch eige= ntlich an das Unten einer Ameise gewöhnt sind. Das war dann fast zu viel f&uu= ml;r mich. Ein Traum ging in Erfüllung.

Die anderen Bekloppten, die da mitmachten, waren wohl alle auf dem gleichen Gleis, nur nahmen sie es sportlicher. Sport interessierte mich jedoch gar nicht. Klar, vor jedem Sta= rt hatte ich einen trockenen Mund, flaues Gefühl im Magen, hochgezogene Schultern, vielleicht geht es dem Adler auch nicht anders, aber die Verlock= ung von Freisein war zu groß. Die Vögel haben ja oft so eine merkwürdige Art ihren Kopf geduckt zu halten, warum nicht ich auch so, also auf zum nächsten Wagnis. Die Hügel wurden zu kleinen Berghängen, und diese wurden zu richtigen Bergen. Ich weiß auch nicht, was Sie machen würden, wenn sich ein roter Milan auf Ihren 6 Me= ter langen Flügel setzt und wüten auf Sie einpickt, obwohl der mutige Bursche keine 50 cm groß ist. Ich konnte in 200 m Höhe nur lachen und stürzte dabei fast ab. Ich hatte mal einen bleichgesichtigen Abgestürzten gesehen, der dann kurze Zeit später das Zeitliche segnete, so wollte ich dann auch noch nicht enden. So zog es mich dann mit Freunden in das liebliche Umbrien, um es mit meinem Flügel mal richtig= wissen zu wollen. Starthöhe 200 m, Wind 25 Km/h, auf geht’s in die Frei= heit der Lüfte. Toll, Aufwind packt mich, zieht mich liebenswert nach oben, begleitet mich im Traum von Vergessen aller menschlichen Bosheit, zieht mich dem Himmel entgegen. Doch traute ich meinen Augen nicht, als der Höhen= messer Richtung Anschlag ging und die Wolke nahte. Die Freude verkehrte sich in An= gst. Das hatte man mir nicht beigebracht. Idioten, all diese Lehrer, die lehren einem immer nur, was man im Leben nicht braucht, eigentlich leeren sie einen mehr aus, statt sinnvolles reinzutun.

Ich zog am Trapez, die schlanke Nase meines Drachens schnüffelte den Wind und wollte mehr. Eigensinnig= keit kannte ich bei mir, aber nicht bei einem blöden Aluminiumgestänge= mit Stoff dran. Also Hand an den Notfall- Fallschirm und auf zur letzten Gerichtsinstanz. Einleitung des Absturzes, „bist Du bekloppt“, = aber hilft ja nichts in dieser verrückten Welt. Der liebe Drachen entpuppte sich als mit den Zähnen knirschenden Ungeheuers, riß mich in wil= den Kreisen nach unten. Er zeigte mir, wieviel Gravitation an Zentrifugalkraft = er mitzumachen bereit war, die Augen traten mir in die Höhlen, so wie man Bilder von Astronauten in Flugsimulatoren kennt. Dieser üble Scherzart= ikel von Hängegleiter überstand meine noch übleren Lenkmanöv= er und glitt am Ende sanft über die Landewiese. So kam ich mal wieder um = die Benutzung des Fallschirms drum herum, was denn auch ziemlich teuer geworden wäre.

Als dann die Freunde kamen und= mir zum schönen Flug gratulierten, kam nur ein zaghaftes, „ja, es war ganz nett“. Selbst die Luft und die Freiheit war also keine sichere Basis. Auf nichts kann man sich verlassen, sag ich Ihnen. Glauben Sie bloß keinem Versicherungsvertreter, der Ihnen irgend etwas aufschwatz= en will, das Leben bietet keine Garantien, noch nicht mal der Himmel, wie sie selber sahen, also von Lebensversicherungen ganz zu schweigen, es sei denn = sie wollen, daß die grauen Herren der Versicherungspaläste ihren geschwollenen Bauch streicheln.

Aber Drachenfliegen kann ich j= edem empfehlen, der vom Fliegen träumt, denn es kommt dem Vogel nahe, nur s= ollte man nicht glauben, daß es so einfach wäre.

Wer die Erde und das Wasser erforscht, muß auch mal die Nase in den Himmel gestreckt haben, das F= euer erforschen wir jedoch besser am Tag des jüngsten Gerichts, es sei denn, sie machen`s wie die Amis und probieren es erst mal über Hiroshima aus= .

Ich lernte da während dem Drachenflugunterricht noch so ein süßes Mädchen kennen, die= mir erzählte sie masturbierte im Auto als Fahrerin auf der Autobahn bei 14= 0 , ich glaube die war ein Kandidat fürs vorzeitige Erforschen des Feuers.= Ich hatte aber ganz ehrlich nichts mit ihr und beabsichtigte auch nicht mir mei= ne Hände an ihr zu verbrennen.

Aber meine Hände verbrann= te ich mir anderswo. Ich lernte die Mutter meines zweiten Kindes kennen, eine überaus kräftige, breitschultrige Amazone mit der pipsigen Stimme eines Spatzes. Sie suchte einen Held und ich suchte einen Ausgleich aus der verlorenen Familie. Wir spielten also das Mann- Frau Spiel ausgiebig an Wochenenden. Ich entsprach untenherum ganz ihren Ansprüchen, obwohl sie ein „Hild“ in ihrem Namen hatte. Damit Sie nicht verwirrt sind nenne ich sie einfach Gabriele und geben ihnen noch den Denkanstoß, daß vor dem „Hild“ die „Macht“ stand, um ihren wahren Namen zu erforschen. Ich war mit ihr auch zufrieden, so konnte also = ein neues Abenteuer beginnen. Komisch, daß Abenteuer meistens etwas mit Täuschungen zu tun haben. Sie hören es also weiser Weise schon he= raus, oder doch nicht? Die gute Gabriele war ein Prachtweib mit glänzenden braunen Augen und langen wehenden, schwarzen Haaren, entpuppte sich jedoch = nach Beendigung der Wochenendbeziehung und Beginn einer Hausbeziehung als nicht = von einfachen Eltern, die sie wirklich nicht hatte. Sie riß den Haushalt = an sich, ordnete alles neu und nahm mit Macht ihr Reich siegessicher in die Hände. Das war mir recht, denn Abwasch und Kochen war nie meine Stärke. Nur war ich einmal krank, war schwach, zeigte sie ihr wahres Wesen. Mißachtung wider jeder Schwäche zeigte sie, wer hier der Machthaber war. Ich glaube, sie vergaß einfach, daß es mich noch gab. Ich konnte froh sein, wenn sie mir ein Krankensüppchen brachte. <= o:p>

Mal gut, daß ich das noc= h im letzten Moment bemerkte und der Herr Gott mir eine Grippe bescherte. Es hagelten Vorwürfe hin und her, unsere Armeen übersprangen die Schützengräben und schossen erbarmungslos aufeinander, bis keiner mehr übrig blieb. Was macht da wohl ein schwacher Kaiser, der sich für einen treuen ritterlichen König entschieden hatte? Er schickt= den anderen zum Teufel und stellt den Status Quo wieder her.<= /p>

Das machte mein Schutzengel für mich denn auch, nachdem mir besagte mächtige Gabriele ihre be= drohliche letzte Waffe ins Feld führte, einen positiven Schwangerschaftstest.

3 mal Ausgang, 4 mal Abwaschen= mit Abtrocknen, 5 mal Windeln wechseln und 6 mal Essen kochen wöchentlich = war ihre Devise für mich, aber nach 9 Monaten. Sie ließ mir also ein paar Monate Galgenfrist, bevor mein Kopf fallen sollte. Das tat dann fü= ;r mich ersatzweise später mein Genenträger.

Das müssen sie sich mal wieder vorstellen, jemand sagt Ihnen, was Sie zu tun und zu lassen haben ein dreiviertel Jahr im voraus, bevor die Bombe platzt. Im Zeichen der Liebe! H= a, ha!

„Ne Danke, raus hier!= 220; und fertig.

„Aber Du mußt zahlen“, waren ihre letzten Worte beim Ausziehen. Ich hörte von meinem Widersacher erst nach 9 Monaten pünktlich wieder.

„Erkennst Du die Vatersc= haft an?“ keifte es aus dem Telefon.

„Nö“, war mei= ne Antwort, und klick machte das Telefon.

Das Recht ließ dann auch nicht lange auf sich warten, wie gesagt das Recht, nicht die Gerechtigkeit, denn das Recht arbeitet mit der Macht, und Macht stand in der ersten Silbe ihres Namens und das Schild in der zweiten Hälfte. Na, kennen sie schon ihren wahren Namen?

Ein lästiger blauer Brief= aus dem Kohlenpott forderte meine Anwesenheit vor Ort. Na gut, also vor Ort. Fahrkosten spendierten sie mir nicht, aber wenn die Dunkelmänner des G= erichts kommen, muß man gehorchen, heißt es in den Statuten dieses Staatsvereins. Mein Verein war wenigstens gemeinnützig, dieser hier war der Moloch mit Waffen und Verließen. Ich wollte nicht ganz verlassen = in Verließen des Molochs verschwinden und blieb brav.<= /p>

Der Richter fragt: „Erke= nnen sie dieses Kind an?“

„Ne“, sag ich wied= er, „ich weiß doch nicht, mit wem es diese Gabriele noch alles getrieben hat“.  Feierab= end.

Auf zum Bluttest. Sie wissen ja sicherlich wie ätzend so ein Staat sein kann, viele Beamten, alle langweilen sich zu Tode, keiner identifiziert sich mit Nichts, jeder kennt = um seine Machtlosigkeit, man ahnt schon das vertane Leben. Jeder Brocken, dem = man einen Kondor zuwirft ist ein Leckerli, auch wenn es Kadaver ist. Ich war als Leckerli auserkoren. Mich hatte man in den Klauen und wollte ihn genüßlich zerlegen. Es war wohl gerade kein anderer Brocken zwis= chen Kaffee und Nußecken auffindbar. Man hackte also auf mich ein, steckte= mir Nadeln in die Venen und saugte mir mein Blut aus. Was danach geschah, beson= ders mit meinem wertvollen Rot, sah ich nie mit eignen Augen. Jetzt weiß i= ch auch, was der Staatsadler der Bundesrepublik Deutschland bedeutete, der Vog= el auf dem amerikanischen Wappen, ist wohl auch nicht mehr wert.

Ich bekam nur einen Brief, da = stand geschrieben, Labor XYZ hat festgestellt, sie sind der Bösewicht von Va= ter. Ob das alles wohl mit rechten Dingen zuging? Ich weiß es bis heute ni= cht. Meistens glaubt man ja das, was Behörden behaupten, denn man will ja konform gehen, oder. Gegen den Strom zu schwimmen ist schrecklich unbequem = und anstrengend. Was soll man auch machen? Gegen die Großen sollte man si= ch doch lieber klein zeigen, sich beugen, nein, sich verbeugen.

Passen sie auf, daß sie dabei keinen Hexenschuß kriegen, schlimmer noch, einen Buckel. Ich gl= aube 90% von Ihnen hätten spätestens jetzt den Schwanz eingezogen, oder etwa nicht.

Haßerfüllt zeigte d= er Wolf in mir jedoch die Zähne. Sozialstaat hin Sozialstaat her, bevor i= ch abgeschossen werde, was zu viel ist, das ist zu viel, Wunden heilt die Zeit, aber nicht meine und nicht jetzt. Scheiß Leben.

Ich ahnte etwas von den Gefühlen einer Ulrike Mainhoff. Aber Selbstvernichtung lag noch nicht = an. Dafür war das Leben zu spannend und ein Staatgefüge ist es nicht wert.

Auswandern wolltest Du schon immer, auswandern tust Du jetzt, Punkt um. Außerdem stand in meinem N= amen ja nicht nur der Wolf geschrieben, sondern auch der Gang. Der Gang hat etwas mit Bewegung zu tun, mit dem Gehen und geschmeidiger Beweglichkeit. Deswegen durfte ich auch nicht fett werden und dekadent bequem.

Es gab einfach zu viele Zeichen des Himmels, die mir die Richtung wiesen.

Ob es nun der Nachbarschaftskr= ieg wegen durch die Luft fliegender Löwenzahnsamen war, der Lamellenzaun an der Strasse gegen einen Jägerzaun getauscht werden mußte, die Baubude und Werkzeugschuppen von mehr als 4 m³ kostenpflichtig entfernt werden sollte, der Swimmingpool, der 5 cm zu nah am Grenzzaun stand, das Da= chschrägfenster keine Baugenehmigung hatte oder ich einmal nicht genug getarnt einen Strahl= an den Baum pinkelte. Es war entweder alles verboten, oder es stand alles in Listen, Tabellen und Rechnungen aufgeführt, wie ich meine Existenz zu leben hatte.

In der Zeitung stand ich auch schon, diesmal war mein Therapiezentrum die geheime Zentrale der Bhagwan Sri Rashnish Sekte, erkundet und ausspioniert vom katholischen Sektenbeauftragt= en und einer gewieften Reporterin der größten Zeitung Osnabrüc= ks. Zwei volle Seiten widmeten sie mir in der Weihnachtsausgabe mit Bildern und= allem drum und dran. Negativwerbung soll ja auch sehr nützlich sein. Nur ich wußte nichts von der Sekte, weil es keine gab, aber ich wußte d= as Zeitungen auch nur überleben wollen. Man erzählte mir großkotzig etwas von Möglichkeit einer Gegendarstellung und Anze= ige machen. Die Gegendarstellung versuchte ich, 3 DIN A 4 Seiten wurden von der= Redaktion zusammengestrichen, 3 Absätze im Konjunktiv  blieben und das war’s, und Rechtsanwälte kannte ich schon zu genüge. Die rieben sich immer n= och ihr Bäuchlein vom letzten leckeren Happen, den sie mir vom Tisch herun= ter gehangelt hatten. Ne Danke, mir reicht`s.

Die letzten Überweisungen kamen vom Hausverkauf, ich atmete auf, hob alles Geld ab, schloß alle Konten, stopfte mir die Scheine in den nicht mehr sauberen Parker und fuhr = in die Schweiz. Die Schweiz ist ein liebliches Land und die Menschen sind sehr genau, ja etwas pedantisch. Was gibt es schöneres als pedantisch, gena= ue, phantasielose Menschen hinter einem Banktresen, wenn man Geld bunkern will?=

„Ich will ein Nummernkonto“, sagte ich, und das bekam ich, inklusive einem Kaffee m= it Keksen und aufmerksamer Behandlung in Konferenzzimmer 27, einer Behandlung = die weder eine deutsche Bank noch ein Arzt mir hat je zukommen lassen Die Schwe= izer sind sehr kreativ, damit sie weiter pedantisch bleiben dürfen und werd= en damit, wie sie wissen, zum Schützer der Zeit, durch gute Uhren. Und gu= te Behandlung kannten meine deutschen Brüder auch nur im Kontext des Wort= es „Sonderbehandlung“, in dessen Lagern, die der Konzentration fre= mden Geistesgutes dienten, sie sich sehr kreativ austoben konnten. Die einen schützen die Zeit, die anderen Vernichten und nennen es Sonderbehandlu= ng. Unsere amerikanischen Brüder schlagen sich heldenhaft auf die Brust und „behandeln“ fremdes Geistesgut mit heldenhafter Demokratisierung ohne zu merken, das andere mit einem Kreuzchen auf einem Stück Papier nicht zufrieden sind. Ihr Heldentum scheint denn doch verbunden mit den Deutschen durch ihr Staatwappentier zu sein. Beide Tiere haben scharfe Kral= len und schwingen sich auf, in ungeahnte Lüfte und geistige Höhenfl&u= uml;ge, verlieren jedoch leider den Boden anderer Realitäten unter ihren Flügeln und sind dann doch ach so enttäuscht über das Unverständnis eines Wüstenbewohners.

Verdammt, habe ich mich schon wieder verzettelt.

Das war wieder meine Welt, Jam= es Bond 007 in Kleinausführung, aber dafür wahr. Soll mir doch der deutsche Beamtenstaat den Buckel runterrutschen.

Das Jugendamt besagter Stadt im Ruhrgebiet hatte schon seine gierigen Krallen nach meinen Scheinen ausgestr= eckt und fühlte sich nun geprellt. Diesmal spielte die mutterfreundliche Sachbearbeiterin, denn so heißt wohl dieser Job, den Racheengel und fühlte sich persönlich geprellt. Ich glaube, sie konnte keine Kin= der kriegen, weil sie keinen Mann bekam, Männer grundsätzlich nur Schweinereien zu machen schienen  und doch ein Teil ihrer Biologie rief. 

Vielleicht hatte sie aber auch schon auf einige Prozente Provision gehofft, die sie nun nicht für Lippenstifte für ihre ausgetrockneten liebeshungrigen Lippen ausgeben konnte. Auf jeden Fall hängte sie mir noch Paßversagungsgrü= nde wegen Betruges an. Das wurde also immer besser und förderte extrem mei= ne Kreativität. Ich hatte es bisher immer nur gegen Meister und Chefs aufgenommen, und auch mehr spielerisches Krallenschärfen, nur diesmal wollte es jemand richtig wissen. Es war diese Frau im Jugendamt, wie ich später erfuhr, die sich selbst zum Staat machte und endlich einmal die männerhassende Furie bei mir als Therapeut herauslassen durfte. Ich wußte gar nicht, daß ich mich schon zum Ferntherapeuten mit unb= ekannten Kräften und Klienten mauserte. Spüren Sie es auch schon, wie mein übler Geist nach Ihren zarten Hirnzellen grabscht?

Ich setzte ja auch schon hin u= nd wieder mal die Werkzeuge oder das Kapital anderer für meine grundauf g= utherzigen Projekte ein, aber diese Dame hatte eindeutig eine böse und sehr kräftige Energie hinter sich. Also spielte ich aus der Entfernung mit = ihr Schach und etwas Selbsterfahrungstherapie.

Manche Gegner im Leben sind oft wesentlich mächtiger, nur werden sie auch meist eitel dabei und sind s= ie dann auch noch von Emotionen gesteuert, die falschen und fremden Vorstellungswelten entsprechen, kann man das Spiel gewinnen. Versuchen Sie = es mal!

Wie genau ich die Paßversagungsgründe löste, darf ich ihnen verständlich= er weise nicht verraten, oder später einmal in einem erdachten Roman, aber ich konnte meiner Wege ziehen, Staat und Furie hinter mir lassend und sa&sz= lig; an Bord einer Boing 747 mit Ziel Assuncion, Paraguay, wo alle Bösewich= te und Nazis absteigen. Das wußten Sie doch schon? Oder.

Der Diktator Alfredo Strößner war der große Papa dieses Landes. Als eine Ausgeb= urt des Bösen überhaupt wurde er in der deutschen Presse beschrieben,= der eben auch nur Strolche wie mich unter seine schützenden Fittiche nahm.= Sie wissen ja, Schlechtes fühlt sich durch Schlechtes angezogen, ganz nach= dem esoterischen Gesetz der Resonanz. Das schwingt dann in einem so angenehmen Gleichklang. Ich fühlte mich also unter den Bösewichten richtig geborgen. Die Menschen dort waren dunkelhäutig und hatten denn auch beängstigend weiße Zähne im Gesicht, die aber wider Erwarten weniger bissig waren, wie die Leute meines Vaterlandes. 14-jährige Jun= gs durften denn auch vor dem Regierungspalast mit echten Gewehren spielen, um = den Papa des Landes zu beschützen. Mein Vater genehmigte mir kaum ein Holz= gewehr, manchmal jedoch eine Wasserspritzpistole. Auch lachte man dort auf der Plaz= a de Armas (span. Waffenplatz) unverschämt offen und zeigte mir, wie herzli= ch die Unterdrücktheit durch einen Diktator zum Ausdruck kommt. Irgendwie mußte ich da mein Weltbild zurecht rücken.

Böser Diktator, feuchtwar= mes Klima, lachende Gesichter, freundliche Aufnahme, günstige Preise, schöne Frauen, schmuddlige Straßen, Mafiosos mit Sonnenbrillen, buntes Gemüse, lautes Marktschreier Geschrei, 100-jährige Dampflo= k, klapprige Busse, großzügige Villen und Pappkartonslums.

„VielfältigkeitR= 20;, war denn dann mein erster Gedanke, alles darf sein, mein Zweiter, die Welt = ist schön, mein Dritter. Nur wo waren die Finstermänner, das böse System, die Mordbrenner und schreienden Frauen und Kinder? Das alles las ich doch vorher in deutscher Presse. War auch das nur eine Lüge, wie ich es bereits persönlich in Osnabrück durch renommiertes Blatt in Erfah= rung brachte? Ich interviewte mit schlechtem Spanisch einige Leute. Die sagten m= ir fast alle das gleiche.

Vor dem Diktator war Chaos, je= tzt, mit Papa Strößner, gibt’s Ordnung. Sicher, wenn einer hier= dem alten Herrn Konkurrenz machen wollte, wurde er abgesägt, aber warum so= llte er schon, wenn man in Vielfältigkeit sein Schicksal leben darf. <= /o:p>

In mir brachen einige Welten zusammen. Ich wurde zeit meines Lebens darauf trainiert, das Ordnung eine Tugend ist, die Anerkennung der Obrigkeit, angeblich durch ein Kreuz von mi= r, mitbestimmt wurde, ich alles im Leben werden darf und das ich in einer der reichsten und sozialsten Länder der Erde lebe.

Nur bei uns waren die Gesichter streßentfremdet, verschlossen und meist traurig, während hier, im Bösen einer Diktatur, waren die Gesichter freundlich, entspannt und of= fen. Das kann doch eigentlich nicht wahr sein.

„Und was nicht sein kann, darf auch nicht sein“, müssen sich die Presseleute gedacht haben, nahmen ihre Kontrastverstärker- Sonnenbrillen nicht ab, wagten sich ni= cht aus ihren Aircondition gekühlten 5 Sternehotels und schrieben fleißig, was das Zeug hält, über eine Welt, die sie sich vorstellten, um möglichst bald wieder in ihrer Boing zu sitzen, der für sie besser verständlichen Heimat entgegen.<= /p>

Ich habe vollstes Verstän= dnis für Euch Reporter. Wenn man berufsmäßig zum Lügen verurteilt ist und nur darüber seine Brötchen verdienen kann, das Volk selber auch belogen werden will, um ein System aufrecht zu erhalten, w= as von Vorstellungswelten regiert wird, die aus dem Verbrauchen der Natur best= eht, muß man die Sonnenbrille aufbehalten.

Als Wahrheitssucher kommt einem fast das Heulen, wenn das Ganze nicht hin und wieder in ein wahnsinniges La= chen umschlagen würde, was die Seele vom Schmutz befreit. Danach kann man d= ann weiter gehen und weiter schauen

und auch hin und wieder um sich hauen!

Wissen Sie, ich will auch f&uu= ml;r Sie gerne weiter reisen, damit Sie den bequemen Fernsehsessel nicht verlass= en müssen. Nur will ich ihnen reinen Wein einschenken.<= /p>

Ich charterte mir einen 17-jährigen Burschen, Hartmut war sein Name, der auch meiner Landesspr= ache mächtig war, wohl so ein Nazisohn, und machte mich mutig mit ihm auf d= ie Socken, das Land zu entdecken.

Da gab es Kaffeeplantagen, Ananasfelder, Palmen- und Farnwälder, Schlingpflanzen, Sojapflanzungen, Maniok statt Kartoffeln, Zuckerrohr und der dazugehörige Rum, Kolibris, Gürteltiere, Riesenlagaten, ausgemergelte graue Kühe und viel, vi= el rote Erde. Zwischen spanischen Konquistadoren tummelten sich Gurani- Indian= ern, deutsche Kollonisten, japanische Bauern, chinesischen Händlern und gläubige, abgedriftete  d= eutschsprechenden Menoniten. Die glaubten auch noch an einen Gott weit oben im Himmel, der mi= t gestrengen Gesicht und stechenden Waffen über seine menschliche Herde wacht und j= ede Abweichung von einer Norm den Dolchstoß in den Rücken gibt. Dies= e verkorkste Herde lebte denn auch weit draußen im Gran Chaco, praktizierten auf schlechtestem Sandboden Ackerbau und Viehzucht und litten unter der harten unfruchtbaren Arbeit. Aber Leiden gehört ja zum Christentum, daß sehen wir in jeder Kirche mit dem Kreuz und der blutenden Laiche des himmli= schen Lords und wissen denn auch, was mit uns passiert, wenn wir Abweichler sind. Diese Warnung diente denn auch den Menoniten in Filadelphia, denn so hie&sz= lig; der nette Ort mit den angespannte etwas einfältigen Gesichter, der ein Staat im Staate meines neuen selbstherrlichen neuen Papas Alfredo Strössner war und wahrscheinlich immer noch ist.

Der eigentliche Sinn dieser Re= ise war denn auch das Sammeln von Informationen von Bodenpreisen, Arbeiterl&oum= l;hnen, technischem Outfit, Klima, Landschaft, Vegetation und Tierwelt.<= /span>

Könnte ich in dieser Welt überleben, würde ich mich mit meinen Eigentümlichkeiten mit = den Leuten vertragen, käme ich klar mit politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen, kurzum würde ich hier ein Bein an Land bekommen?

Die Menschen zu mindest lachte= n, zeigten sich offen in Fröhlichkeit und Grimm, in Reichtum und Armut. A= ber die Primitivität des Denkens, sowie das feuchtwarme Klima machte mir zu schaffen. Ich habe gerade ein Heft neben mir liegen, mit all den Aufzeichnu= ngen meiner damaligen Untersuchungen und Erlebnissen. Nur will ich Sie nicht mit= den Details eines verrückten Möchtegern Auswanderers langweilen, außerdem wird so manches jetzt überholt sein. =

Mit gesammelten Daten fuhr ich erst einmal wieder zurück in die Heimat, um noch einige Angelegenheite= n zu regeln. Schließlich mußte ich noch den Verbleib meiner Gummizel= len- Einrichtung der Therapieräume regeln, meinen geliebten Hängegleit= er unterbringen, sowie diverser Schallplatten, Bücher, Musikanlage und Möbel. All diese Dinge verschwanden dann im Bauch des Oberstocks eines alten Bauernhauses, welches ich mit Freunden Jahre zuvor für ruhige Wochenenden gemietet hatte. Auch wenn das Fachwerk schon bröckelig war= , so mochte ich das Haus doch immer sehr gerne. Schließlich hatte ich noch= mit eigenen Händen das auf dem Hof befindliche Plumpsklos durch ein richtig schönes Bad ersetzt, Wände verputzt, elektrische Leitungen gezogen und einen Garten angelegt. Außerdem stand da auch der Lebensbaum mein= es ersten Sohnes, der mit seinen Wurzeln immer noch, wenn auch jetzt in hom&ou= ml;opathischen Dosen, nach der Nachgeburt griff. Das war mir damals wichtig, die Nachgebur= t zu vergraben, wie es die alten Germanen machten, und einen Baum darauf pflanze= n. Sie sehen, trotz allem Wehren gegen Normen, behielt ich doch gerne die ural= ten Sitten aufrecht und verteidigte damit die tief zugrunde liegenden Ahnungen = vom Wirken des Lebens ohne wirklich zu wissen, was ich da tat.

Der Lebensbaum blieb, wäh= rend ich schon die nächste Reise plante. Diesmal die Endgültige, wie i= ch damals dachte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Phase und= die Suche nach dem Heim

 

Aus irgend einem mir unbekannt= en Grunde fügte mir mein Schutzengel noch eine Frau hinzu. Ich lernte Chr= ista über die Therapieszene kennen, verliebte mich schrecklich schön o= hne jedoch wieder in meinen Auswanderungsplänen einen Rückzug zu mach= en. Ich sagte ihr offen und ehrlich, daß unsere Beziehung nur von ganz ku= rzer Dauer sein kann und erklärte ihr mein Vorhaben.

Womit ich nicht rechnen konnte, war, daß Sie zu meiner längsten Beziehung wurde. Die gute Christa arbeitete als Krankengymnastin in einer Schule für Geistes- und Kö= ;rperbehinderte und hatte es satt, den Kindern, trotz offensichtlicher Andersartigkeit, auch die gesellschaftlichen Normen überzustülpen. Damals spürte s= ie schon in ihrem inneren Selbstverständnis, das die Andersartigkeit ihrer Kinder  der Umgebung etwas sag= en will. Vielleicht so etwas, wie eine Warnung an die Gesamtsippe. Nur diese hörte einmal mehr nicht hin, wich nicht von ihren Vorstellungsnormen ab und versuchte auch da noch etwas hinzudrehen, wo es nun wirklich nichts meh= r zu verdrehen gab. Die Offensichtlichkeit von körperlichen Verdrehungen vor Augen, gleichzeitig aber auch die Verdrehung der betroffenen Eltern, die si= ch nicht treffen lassen wollten und weiter ihren Weg der Unbewußtheit gi= ngen, verlor sie ihren Mut.

Sie sagte mir damals oft genug, „Was mache ich da eigentlich? Man verlangt von mir, daß ich die= sen Kindern durch Übungen wieder eine normale Motorik beibringe, wo offens= ichtlich es nur eine Quälerei für sie sein kann. Die Kinder brauchen das S= piel und Lebensmut. Doch ich soll sie noch mehr verdrehen, als sie schon verdreht sind. Und die Eltern dieser Kinder haben kein einsehen. Wollen, das wir aus= ihnen „normale“ Menschen machen, wollen selber aber nicht an dem arbeiten, was diese Kinder erst verdreht hat!“

Kurzum, Christa ließ das Verdrehungsinstitut hinter sich und kümmerte sich von nun an um meine Verdrehtheit. Sie müssen wissen, Christa ist von Sternzeichen Krebs, a= lso ein Menschentyp der ja so die Beweglichkeit liebt, daß er sich dabei = fast überschlägt und sich dann wundert, wenn er mal wieder kopflos in = eine Falle rennt. Sie rannte also kopflos in meine Falle, und die ist schon erns= t zu nehmen, wie Sie ja bereits wissen.

So zogen wir denn als Hän= sel und Gretel gemeinsam aus, um den verwunschenen Wald der finsteren Zauberer = zu erforschen.

Immerhin ist nun aus Häns= chen Klein ein Hänsel geworden.

Wieder einmal erwischte man mi= ch nach einer Zitterpartie an der deutschen Grenze nicht, obwohl ich doch immer noch auf der Fahndungsliste der Jugendamts- Furie stand. Von Brüssel a= us ging’s dann bei minus 25°C ab nach Paraguay, wo ich Christa mein neues Land präsentierte. Aber bei 30°C Plus mit 90% Luftfeuchtigke= it bekam sie nicht gerade Freudenanfälle mit lebhaften Luftsprüngen, sondern eher ein zaghaftes Dahinschleichen. Schnell wurde sie immer dann, w= enn Bäume in Sicht kamen. Dann flitzte sie immer von einem Schatten zum Nächsten, immer darauf bedacht, dem brennenden Sonnenball  zu entfliehen. Die beobachtenden I= ndios empfanden diesen merkwürdigen Tanz wahrscheinlich als eine neue europäische Kampftechnik, gegen einer der merkwürdigen Götte= r, die man da drüben hatte. Von dem allergrößten Gott der Grin= gos hatten sie schon gehört, der da hieß „Uhr“, und „ich habe keine Zeit“.

Wir beschauten uns dann brav touristisch die Iguazu Wasserfälle, wie es sich gehört, wenn man schon im Lande ist, aßen das beste Eis unseres Lebens auf brasilianis= cher Seite, kosteten auch etwas von ihren Churasquerias und verschwanden dann na= ch Uruguay. Man muß ja sehen, wo man bleibt.

Uruguay war schon etwas schlapp auf der Brust, was so die Landschaft und die Leute anbetrifft. Um so faszin= ierender waren die vielen Oldtimer, die noch die Strassen bevölkerten. Am schärfsten fand ich die Idee, bei kaputten Benzintank einfach sich ein= en Plastikkanister aufs Dach zu binden, mit einem Stück dünnen Draht natürlich und einen transparenten, nicht sonnenfesten Schlauch in Rich= tung Motorraum verschwinden zu lassen. Da braucht man keine Benzinpumpe mehr, der Spritt rinnt beständig in den Vergaser und wenn man mal hält, kne= ift man den Schlauch einfach mit einer Wäscheklammer zu. Na, wäre das nicht was für Sie. Der deutsche TÜV wäre auf jeden Fall glücklich, einen besonderen Leckerli zu begutachten. Die Leute vom TÜV schauen meist so muffelig, weil sie Besonderheiten, wie diese, nur noch so selten zu sehen bekommen und die Vielfältigkeit an Erfindungsg= eist langsam ausstirbt. Dort war Erfindungsgabe überlebensnotwendig, weil d= er Zoll sich mit Autoeinfuhren in etwa so verhielt, wie unser TÜV hier.        =     

Unübertroffen spannend war denn der Campingplatz des kleinen Badeortes Piriapolis. Gezirpe und Gesumme= begleiteten uns in machtvollem Konzert, bis dann noch Glockengeläut kurz vor dem Eingang die Symphonie vervollständigte. Die Glöckchenklänge identifizierten wir erst nach 3 Tagen als die Instrumente kleiner grün= er Frösche, die zu gerne in den Büschen um ein Springbrunnenbecken saßen. Aus dem Becken rettete Christa dann auch noch eine grüne = gefährlich aussehende kurz vor dem Absaufen befindliche Schlange und bekam dafür = beim Schlangengeist einen Freipunkt, bei der nächsten Begegnung mit seinem Gift. Die dort zu Maß auftretenden rot bepelzten Vogelspinnen waren so gar nicht mein Geschmack, die konnten sich sogar aufrichten und springen, w= enn man sie gar zu sehr mit dem Stöckchen ärgerte. Dafür glichen Häßlichkeit die Schönheit in dieser merkwürdigen Welt = aus. Des Abends erschienen Wolken von blinkenden fliegenden Glühkäfern= und wiesen uns unseren Weg zum Zelt.

Eine Stadt weiter empfing uns = dann ganz unromantisch mit heulendem, dröhnendem, rumorendem Lärm von = Rennautos. Da fuhren denn wirklich so kleine Flitzer, vielleicht gibt es ja die Bezeichnung Formel 3, denn in der Größe waren sie ungefähr, mitten in der Stadt ein Rennen. Armselige Hütten und moderne 10-stöckige Touristenwohnblocks wechselten sich mit diesen lärmen= den Asphaltstraßen und Staubwegen. Das Ganze nannte sich „Punta del Este“ und war Touristenhochburg argentinischer Schuldner, die wohl au= ch gerne mal im Ausland ungedeckte Checks verstreuten. Wir machten jedenfalls = auf dem Absatz kehrt um und sahen zu, so schnell wie möglich nach Argentin= ien zu kommen. Dem Uruguayischen Lande konnte ich nicht so viel Sympathie abgewinnen, um mir dort ein Leben zwischen den einzigen drei 50 Meter hohen Hügeln einzurichten.  Und= dort, wo Zollgesetze von einer Autohausmafia bestimmt wird und dem Volk nur noch = die alten Schesen bleiben, weil neuere Autos unerschwinglich sind, brauch ich g= ar nicht erst anzufangen. Schließlich wollte ich nicht als Automechanike= r an Schrottkarren mein Leben fristen, oder wie andere seltsame Gestalten, Oldti= mer nach Deutschland verschiffen, um sich am Snob die goldene Nase zu verdingen= .

Auf geht’s, in die argentinische Pampa, nach dem wir nach 3 Tagen endlich den Ausgang aus dem Moloch „Buenos Aires“ fanden. Was die Leute immer so an großen Städten tolles finden, ist mir bis heute noch nicht klar. Aber die argentinische Metropole zeigte sich nicht viel anders, als Montevi= deo oder eine andere südamerikanische Stadt und Tango tanzte ich in meinem Lebenstheater genug. Da brauchte ich keinen argentinischen Lehrherren, der = mir zeigt, wie man einen Tanz aufführt, der so wild wird, bis das man sein= en letzten Verstand verliert. Wohin der Verlust des Verstandes führt, zei= gen uns ja unsere argentinischen Brüder immer wieder einmal beim Umgang mit dem lieben Gelde. Da sind sie Spezialisten drin: Wie lebe ich ohne zu arbei= ten 3 Jahre auf Pump und jammere dann mit bitteren Tränen meine europä= ;ischen Nachbarn an, auf das sie mich retten mögen – und haben sie`s dann getan – geht der wilde Tanz des Tangos weiter. Kein Wunder, daß dieser Tanz seine Faszination hat.        =             &nb= sp;       

Beim Herumreisen wunderten wir= uns immer wieder darüber argentinische Landkarten zu sehen, in denen die M= alvinen Inseln prachtvoll als ihr Hoheitsgebiet eingemalt waren. Erst 2 oder 3 Jahre vorher hatten die Engländer diesem etwas arroganten italienisch- spani= schen Mischvolk gezeigt, was eine Harke ist, doch von Begreifen war offensichtlich keine Spur. Die hatten einfach die Falklandinseln und ihre Dummheiten als Kinder auf dem Spielplatz dieser Welt noch nicht vergessen und waren wohl in der Phase des Wartens, auf das der starke Bruder kommt, mit härteren Knüppeln in der Faust. Man durfte die Leute keinesfalls auf diese Schm= ach ansprechen, damit sie einem nicht ein ausgewachsenes T- Boonestake über den Kopf ziehen. Stakes hatten sie genug, grünen Salat mußte man= aber schon erbetteln. Der Salatanbau macht ja schließlich auch Arbeit, da muß man sich ja bücken, und das mögen Argentinier nicht so gerne. Also mußte man morgens, mittags, abends Kadaver in sich reinfressen und zu dieser Zeit auch noch teure „Australs“ daf&u= uml;r hinblättern. Der „Austral“ war denn auch einer der vielen netten Kinderspiele, die dieses etwas merkwürdige Volk vorübergeh= end als Zahlungsmittel einführte. „Was kostet die Welt“, war d= ann auch ihre Devise. Die armen Leute im Vorstadtslum sah man ja im Präsidentenpalast nicht, und mit so viel Rindfleisch im Bauch breitet = sich schleichend auch der Blickwinkel eines Rindviehs im Kopf aus.

Wir sahen noch einige sehr schöne Dinge, wie den noch einzig wachsenden Gletscher der Erde, Seehundkolonien und die sich bis ins unendliche streckende Pampa Pattagonie= ns.

Diese Weite hatte schon etwas = und der dazugehörige entnervende Wind bekam hin und wieder auch etwas lächerliches. Wir trampten mal mit einem Lastwagen eine längere Strecke. Da machte der freundlich, aber wortkarge Fahrer eine Pause, um sich auf einem kleinen Gasbrenner im Führerhaus seinen Matetee zu kochen. D= as kam mir dann für eine Pinkelpause sehr entgegen. Ich stellte mich in d= er baumlosen Landschaft an den LKW Reifen und versuchte mein Glück. Sie müssen sich mein Gesicht vorstellen, als ich bemerken mußte, daß ich meinen Strahl bei 80 km/h kaum noch unter Kontrolle halten konnte. Meine warme Ausscheidungsflüssigkeit wurde in einer Wahnsinnsg= eschwindigkeit von mir gerissen, nahm die richtige, vorher berechnete Bahn, um über d= ie Höhe des schützenden Fahrzeugs aufzusteigen, um dann kaum üb= er Dachhöhe angekommen, eine 180 Grad Wendung zu nehmen. Das ich bei dies= em Teufelstanz meines Urins nicht im Gesicht getroffen wurde, war denn auch re= ine Glücksache.

Nun sollte es aber auch nach C= hile gehen, in das Land einer anderen Schauergestalt. Na wissen Sie`s schon, wen= ich meine? Nein falsch geraten.

Salvador Aliende ist gemeint. = In Chile passierte mir nämlich wieder das Gleiche, was schon in Paraguay = so erstaunlich für mich war.

Wir kamen über die gefürchtete Grenze, sahen uns mißtrauisch um, erwarteten bö= se Militärungeheuer hinter den Büschen des Zollhauses, aber da war nichts. An der Grenze selbst stand noch nicht einmal ein Hund. Als wir dann eine gute Strecke über einen einspurigen Modderweg durch den Regenwald= zurücklegten, tauchte ein runtergekommenes Waldhotel schweizerstämmiger Artgenossen = auf. Erst am folgenden Tage winkte uns ein freundlicher Grenzer zu und machte da= rauf aufmerksam, daß er neugierig auf uns ist. Bis, auf das wir all unsere Vorräte aufessen mußten, wegen klaustrophobischer Ängste, m= an könne die Fruchtfliege ins Land einführen, behandelte man uns freundlicher, als ich je von deutschen Grenzern behandelt wurde.=

Da waren keine Maschinenpistol= en oder schlimm verzerrte Gesichter. Da gab es ein paar lustige Zöllner u= nd einen Dorfpolizisten, der den Preußen des 18. Jahrhunderts entliehen = sein konnte. Wir trafen weder hier noch sonstwo im Süden des Landes böswillige Gestalten aus einem Augusto Pinochet Märchen.

Klar, ich bin ja nicht so doof= , um nicht stutzig zu werden. Ich fragte mich auch, „was wird hier gespiel= t, tun die hier alle nur so, ist das eine gut gemachte Maske, so wie Neils Armstrong auf dem Mond, oder meinen die es wirklich so?“

Mein Spanisch war immer noch n= icht zum besten, doch dennoch bekamen wir mit, daß auch dieser Bösewi= cht von fast 70% seines Volkes geachtet, ja fast geliebt wurde, während Aliende als unfähiger Chaot dastand. Wissen Sie, sie werdens mir eh ni= cht glauben, aber machen Sie einfach mal selbst drei Stichproben irgendwo in der Welt, wo die Presse einen Bösen hinstellt und durchkämmen Sie das Land vorurteilslos. Steigen sie bei der einfachen Bevölkerung ab und n= icht in einer Clubanlage. Schauen Sie, sprechen Sie mit den Armen, mit dem Mitte= lstand und den Reichen und holen Sie sich eine Statistik über die prozentuale Verteilung der Bevölkerung. Sehen Sie sich die Familienstrukturen an, bevor Sie über mangelnde Sozialeinrichtungen meckern und betrachten Sie sich genau die Gesichter und Bewegungen der Menschen. Dann urteilen Sie. Ab= er urteilen Sie nach dem Maßstab der Menschen dort, nach dem Kontext ihr= er Kultur, ihrer Empfindungswelt und ihrer Begegnungen in ihrer Umwelt.

Sie werden staunen. Plötz= lich bekommt unsere Welt ein vollkommen anderes Gesicht und sie werden danach wi= ssen, daß Fernsehnachrichten und Weltspiegel eine gute Unterhaltungssendung ist, aber eben nicht mehr.

Sie haben es doch noch vor kur= zem erlebt. Die guten Amerikaner und die bösen Irakis. Der Pressebrei ging doch nun wirklich auf keine Kuhhaut. Nehmen wir es von der lustigen Seite u= nd fragen uns lieber, ob es denn das wert ist, sich über Lügen zu ärgern. Wenn die Lüge eine Schwäche ist, dann sollten wir den Schwachen auch ihre Schwächen lassen. Oder? Jeder braucht schließlich seine Überlebensstrategie.

Nun gut, aufklären wollte= ich Sie schon, bevor wir weiter in das herrliche Chile eindringen und durch die dortigen Wälder streifen.

Die Menschen hier zeigten sich bescheiden und zurückhaltend, ganz im Gegenteil zu ihren großkotzigen Nachbarn. Die hier aßen aber auch erstaunlich viel Gemüse und Obst, waren aber einem Grillbraten über dem Feuer kein= esfalls abgeneigt.

Am ersten Campingplatz an einem tiefblauen See landete ein altes klappriges Holzboot. Zwei Gestalten zogen = es an Land und holten ihre Ware heraus. Es waren knackig schwarze Kirschen, ge= rade frisch vom Baum eines naheliegenden Ufers geerntet. Dann gab es noch Milch = und Käse. Diese Gesichter hatten nichts von Arroganz oder selbstherrliche = Eitelkeit. Klar, es waren Kleinbauern und nicht gefürchteten Patrone aus dem „Geisterhaus“, aber uns begegneten viele dieser Art von Mensche= n.

So erkundeten wir denn auch besonders die südliche Seenplatte, bevor wir uns die große Insel Chiloe und später dann den Norden ansahen.

Ich hatte auf jeden Fall im Seengebiet „mein Schlüsselerlebnis“, ich wußte jetzt= , wo meine zukünftige Heimat liegen wird. Da wuchsen einem die Brombeeren in den Mund, da gab es urweltliche Ochsenkarren mit Holzplattenrädern, ga= b es Pferde auf großen Blumenwiesen, da wechselte sich die Landschaft zwis= chen Urwald, Parklandschaft, Unkrautwiesen und Feldern ab. Aber es gab auch Auto= s, Lastwägen, Asphaltstraßen und eine Eisenbahn. Das Land zeigte si= ch uns damals als eine gelungene Mischung alter und neuer Lebensweise, harmoni= sch aneinander geschmiegt, ohne dem Menschen etwas aufzwingen zu wollen, was er nicht bestellt hat. Witzige kleine Kioske übernahmen in Dörfern o= ft den Lebensmittelhandel mit dem Notwendigsten, Tante Emma Läden mit ungehobelten Brettern als Regale boten ihre Ware feil, aber in den Stä= dten gab es auch moderne Supermärkte, die uns als Deutsche weniger erschrec= kten.

Wir probierten dann auch die chilenische Küche. Von Curanto, einem Fisch, Muschel, Fleisch, Hühnchen- Mischgericht, über Empanadas, Pastel de Choclo, Casuela, Asado de chivo und und alles durch. Leider findet der Reisende nach der Abs= chaffung der Diktatur häufig nur noch amerikanisches Fastfood- Fressen (Entschuldigung). Wie das nun kommt, ahne ich nur, aber wissen kann ich es nicht. Auf jeden Fall hat es etwas mit dem ausländischen Geldfluß ins Land zu tun, nicht jedoch mit der lobenswerten Einführung demokrat= ischer Grundregeln.

In Santiago hatten wir etwas Privatunterricht in Spanisch und blieben auch dort etwas länger. Dadur= ch weiß ich auch um die Nachteile einer häßlichen Diktatur zu berichten. Man hörte manchmal Bomben detonieren, man sah jetzt auch Ge= wehre und Maschinenpistolen, Militäranzüge, in denen grimmige Menschen steckten, Helikopter kreisten manchmal bedrohlich witternd am Himmel. Da gab’s die Linken und die Putschisten, die sich keine Ruhe gönnte= n, beide waren scharf auf die Macht, das Volk jedoch kümmerte sich um ihre eigenen Sorgen und Nöte. Und das ist beim Südamerikaner generell = die Familie, die die Größe einer Sippe erreicht.

Kaum verließen wir die Metropole, die wie ein Staat im Staate eine vollkommen andere Eigendynamik hatte, kehrte wieder Ruhe ein. Keiner im sonnenverbrannten Weintraubental „Valle de Elqui“ interessierte sich für das Machtgehabe ei= niger Leute in der Hauptstadt. Hier schaute man auf das, was sich jedem schicksalsgefügt vor die Füße legte. Es waren Trauben, Mang= os, Mandarinen, Zitronen, Orangen und Aprikosen. Jeder wußte hier, eine Pistole kann man nicht essen, Parteiergreifen bringt Unfriede und so nahm m= an Partei für sich selbst und feierte das Leben.

Dort feierten wir unser Rucksackleben mit einem 3-tägigen Reitausflug in die Berge, samt Packe= sel. Der machte sich allerdings mit einer wilden Eselin des nachts aus dem Staub= , so daß der Rückritt ziemlich beschwerlich wurde. Der alte Bauer gab= uns seinen Sohn als Führung mit, bis zum Schluß in der Hoffnung, daß er die junge Cornelia, die mitritt, danach vernaschen zu kön= ne. Wir pflegten dann noch unsere abgewetzten Hinterteile nach erstbestandenen = Kontakt mit Reittieren.

Die chilenische Atacama Wüste, eines der Trockensten der Welt, war unser letztes Ziel. Doch hi= er hatte der Tourismus schon in Kleinausführung Einzug gehalten. Nach ein= igen Wüstenwanderungen, unter anderem ins „Valle del la Luna“, = dem Mondtal, sagten wir Chile adieu.

Nun ging es über einen 50= 00 m Paß über die Anden zurück nach Argentinien. Wir spürten sofort den Unterschied. Hier wollte man wieder für jedes ans Bäum= chen strullen Geld , man war wieder ach weiß wie erhaben über andere = und ach so stolz auf seine unermeßliche Größe. Im Wesen können zwei Nachbarn kaum unterschiedlicher sein, obwohl beide der gleichen Kultur entstammen.

Von „Salta“ ging es dann mit dem Bus quer über den Kontinent nach Paraguay, wo der Flieger schon auf uns wartete.

Also hieß es erneut zurück ins Land der Denker, Qualitätsarbeiten und einem allmächtigen Staatsgefüge mit wenig warmherzigen Beamten.

Jetzt lag es an Christa, ihre Dinge zu ordnen, während ich mich des öfteren bei meinem Erstgeborenen meldete. Dieser kam nämlich in die Schule, einer Waldorfschule mitten im Grünen, mit der Architektur eines großen Schiffes und Abenteuerspielplatz. Der hatte scheinbar mehr Glück bei seiner Anpassung an die Vorstellungswelten der Gesellschaft, als es mir dam= als beschieden war. Aber ob es wirklich so ein großer Unterschied ist, in eine evang= elische, katholische oder Steiner`sche Schule zu gehen, bleibt dahin gestellt, so la= nge der TrimmDichPfad des Lebens sehr ähnliche Muster und Werte aufzeigt. = Da sehen vielleicht das Reck, die Weitsprunggrube oder das Klettergerüst = anders angestrichen, vielleicht sogar anders gestaltet aus, aber dennoch bleiben es die gleichen TrimmDich Geräte mit der Ideologie, „halte Dich ges= und, wenn Du sonst schon eine krank machende Tätigkeit tagein tagaus dem Ge= lde wegen durchführen mußt.“

Mir standen fast die Trän= en in den Augen, das Produkt meiner Liebe jetzt als kleinen Dötz mit Schultüte im Arm zwischen etwas grau anmutenden auffallend dürren Lehrern zu sehen. Er wirkte noch so zerbrechlich zwischen all den Groß= ;en und den Schraubstockbacken einer Institution. Aber er wird’s schon schaffen, dachte ich, was Dich nicht umbringt, macht Dich nur härter – leider auch gefühlstoter.

Inzwischen ist der Kleine mit seinem „TrimmDichPfad“ fertig, hat seinen Entlassungsschein aus= dem Knast in der Hand und ist ausgelernter Erzieher. Ist das nicht ein Witz. Der will jetzt andere Erziehen, wie man es ihm gezeigt hat und ich will das gle= iche auch, wie es das Leben mir gezeigt hat. Der gleiche Job also, nur gibt es a= uf meinem Pfad keine Volksertüchtigung, sondern Volks- Erkennen. Er tut, = was er gelernt hat, ich tue, was ich erfahren habe. Tun Sie was Sie erfahren ha= ben, oder was Sie gelernt haben?

 

 

 

 

 

 

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6.Phase und = der Aufbau einer Pferderanch

 

Nach einem halben Jahr waren Rucksack und Reisetasche von Christa und mir erneut gepackt, ein paar große Scheine lukten diesmal aus meiner Hemdstasche heraus, denn dies= mal wurde es ernst.

Na, sie wissen schon, so ernst wird es bei mir nun auch wieder nicht. Aber jetzt sollte Grund und Boden gekauft werden und auch mal ein praktischer Teil folgen, bei dem man die He= mdsärmel hochkrempelt, etwas sichtbares zustande bringt und nicht nur blöde Sprüche kloppt. Das sollte ernst werden, obwohl mit Spaß verbund= en und schlicht und einfach Freude bereiten.

Im Januar 1987 stiegen wir erst einmal in Temuco ab, unserer zukünftigen Provinzhauptstadt, trafen dort auf dem Zentralplatz einen Ringebieger und Armreifenmacher. Christa hatte da mit einem Kettchen Probleme, und so löste sich das Wohnproblem umgehend mit. Besagter Kunsthandwerker, namens Juan, hatte eine große Wohnung = und brauchte etwas Mietbeteiligungsgeld. Wie Sie sehen, alles kommt alleine, we= nn man sich nur öffnet und mutig vorangeht. Je weniger man plant, desto effektiver arbeitet der Himmel für Sie. Glauben Sie nicht? Dann lassen= Sie es eben und quälen sich weiter, bitteschön.

In dieser Wohnung mit gro&szli= g;en ordentlichen Zimmern, wohnte noch ein anderer Mensch, der an seiner Ausbild= ung herumknabberte. Das war schon mal unser erster unendgeldlicher Spanischlehr= er. Die Freundin, des Kunsthandwerkers war Inspektorin im Grundbuchamt. Es fehl= te nur noch ein Makler im Bunde, dann wäre der Zirkel abgerundet. Den fan= den wir hier nicht, aber unser erstes Auto und ein Langzeitvisa für Chile.= Mit dem alten Landrover 67 machten wir uns auf Entdeckungstouren und zogen nach Pucon, einem kleinen, aber berühmten Touristenort, 120 km entfernt. Do= rt waren wir direkt am riesigen Villarrica See und hatten gleichnamigen Vulkan= im Auge. Ich weiß nicht, wie Sie sich fühlten, an einem ständig aktiven vor sich hinqualmenden Vulkan zu sitzen und zu wissen, die Erde ist= da noch richtig feurig und damit auch jungfräulich. Uns beiden machte es jedenfalls nichts aus, eher umgekehrt, vielleicht wurden wir als Liebhaber = auch eher feurig.

Wieder lockte einmal ein Abenteuer. Wie schafft man es, sich ein Stück Land zu kaufen, daß man noch nicht kennt, geschweige denn eine klare Idee hat, wozu es beschaff= en sein soll. Ich wußte nur, ich will Robinson Crusoe spielen mit allem = drum und dran. Und ich wußte auch, daß ich nicht Billy Gates hei&szl= ig;e und nicht über dessen Startkapital verfüge.

Da gab es denn etwas am Rio Turbio, wie uns ein Kneipenwirt mitteilte, 50 Hektar mit Haus, Strom und Ga= rten nur 8 km vom Ort. Das Gelände war platt, wie eine Modepuppe der Neuzeit und strahlte genauso wenig Persönlichkeit und Fruchtbarkeit aus. Zusätzlich erfuhren wir, daß im naheliegenden Flußbett imm= er das kochende Wasser des ausbrechenden Vulkans  vorbei gerauscht kommt. Meine Eier wollte ich mir anderweitig erhitzen und so verzichteten wir auf dieses Schnäppchen mit unleidlicher Drohung des feurigen Berges im Hinterstübchen.

Wie ich schon sagte, daß Schicksal wirkt, wenn man bereit ist hinzuhören, auf recht eigenartige= Weise. Wir besuchten einen Makler im Nachbarort und äußerten unsere wag= en Bedürfnisse. Der fand dann viele nette Objekte, die ihn fett und uns dürr gemacht hätten, als denn ein schmales Männchen sein Büro betrat und = sich aufregte, warum er denn nicht sein gutes Stück Land anbiete. Als wenn = das Kerlchen es gerochen hätte, wir wurden hellhörig, trafen uns später mit seinem Sohnemann und knatterten die Berge hinauf in den Urw= ald.

Da gab’s einen Hausberg, zwei Flüsse, zwei Wasserfälle, viel Wald, einen „Hausvulkan= “, ein paar abgeknabberter Weiden und eine alte Holzhütte vor dem Zusammenbruch. Mit Wüstenrot hätten wir die süße Ruine auch nicht mehr renovieren können. Mein Wolfsherz schlug heftig, meine grünen Augen wurden noch grüner. Ich sah mich schon als Wehrwolf durch die Wälder streifen und auf Hasenjagd gehen. Christa sah ihren Gemüsegarten schon in Erntephasen. Phantasie hatten wir beide, der Wil= le war stark, und das Verkäufermännchen hatte es eilig mit dem Geld.=

Das paßte ja dann wohl. =

Wir blätterten notariell beglaubigt unsere Scheine dahin und zahlten an. Gut so, denn man weiß= ja nie und der Himmel war uns hold, auch als Sicherheitsberater.

Zwei Tage später erfuhren= wir dann von einem Nachbarn, daß besagtes Männchen an den Papieren e= twas herumgefummelt hatte.

Na gut, wozu das nun gut war, = war uns erst mal nicht klar, aber wir beide waren schon zäh vom Vorleben. = Wir hatten ja unsere Verbindungen durch die Inspektorin- Freundin vom Amt und lernten über dieses anliegende Übel viele nette Helfer kennen.

Die klärten uns auf. Das Männchen mit der heiseren Stimme bekam keinen Pfennig mehr.

Wir ließen unsere Ä= cker neu vermessen, veröffentlichten brav drei mal unseren Antrag auf den Landtitel in der Presse und  zäunten das Gelände ein, das bisher wohl nie eine klare Abgrenzung gesehen hatte. Fleißig spielte ich Schwertkämpfer mit meiner Machete, um Waldschneisen durch den Busch zu schlagen, buddelte Hund= erte von Zaunpfahllöchern, schleppte genauso viele mehlsackschwere Pfosten durch die Gegend, zerkratzte mir beim Ziehen des Stacheldrahts Arme und Hände und lernte dabei unseren Besitz erst richtig kennen. 

Ein Jahr später winkte der Titel, und wir machten dem Männchen und eventuellen Erbgemeinschaften = eine lange Nase. Sie glauben gar nicht, wie sich der kleine, ständig heisere Verkäufer aufführte, als er erwartete Dollar nicht rieseln sah. D= er war in Wirklichkeit auch gar nicht der Eigentümer, sondern mehr so eine Art Zwischenhändler. Wie wir später erfuhren hatte er schon einige arme Leute aufs Kreuz gelegt. Jedenfalls traf ich ihn später plötzlich einmal in einem Laden, wo er eine Szene machte, Mordio und Totschlag schrie, wie man es eben von betrogenen Betrügern kennt. Es w= ar schon ganz nett, auch mal Racheengel zu spielen, obwohl mir persönlich diese Tätigkeit immer etwas Angst macht. Aber manchmal muß man da durch. Man kann ja nicht immer nur lieb sein, oder?, und das war ich doch normalerweise, wie Sie bereits wissen.

Das Schicksal richtete den kle= inen Mann zwei Jahre später etwas heftiger, als er mit seinen Betrüger= einen fortfuhr. Es bescherte ihm einen tödlichen Kehlkopfkrebs. Ich sag Ihnen ja, wer viele Lügen erzählt und andere damit ins Unglück stürzt, hat keine lange Freude an seinem Stimmapparat. Da fühlt s= ich die Stimme oder der Kehlkopf in einem solch schändlichem Wesen unwohl = und macht eben mal etwas, was dem Rest des Wesens hinderlich wird. Auf jeden Fa= ll trat er ab und wir traten an.

10.000 Mark hat uns letztendli= ch das „Campo“ von 60 Hektar gekostet. Scheinbar mochte uns die Er= de dort, sonst hätte sie  uns nicht gelockt und sich so anstandslos hingegeben. Wie Sie wissen ist die Hingabe der Erde für das Aussehen neuer Ideen wichtig. Die Erde als weibliches Prinzip muß schon einverstanden sein, daß Sie da was= machen wollen, denn das machen wollen ist Zeugung. Wir hatten jedenfalls nicht vor= die Erde zu vergewaltigen, wie es heute in einigen Teilen der Welt vermehrt getätigt wird. Mutter Erde nahm uns in ihre schützenden waldbepel= zten Arme und offenbarte uns mit vollkommender empfangener Hingabe, wie sich das jeder Liebhaber wünscht. Sie zeigte sich dann auch an den entscheidend= en Tagen feucht und aufnahmebereit für all die Samen, die Christa in den Boden ihres neuen Gemüseackers brachte. Wie Sie sehen, können sich auch zwei weibliche Wesen fruchtbar ergänzen. Die Kinder waren denn au= ch riesige Kohlköpfe, Erbsen, Bohnen, Salatköpfe und so manches mehr= . Mitesser hatten wir dann auch, wie es sich für einen Pubertierenden gehört. Kleine Käferlein liefen nicht nur flott in Richtung neuer Kantine, nein sie konnten auch fliegen. So hatten wir dann unsere Plage, diese Mitesser a= uszudrücken. Mal gut, das wir keinen Spiegel brauchten.

Meine Wenigkeit als männlicher Part, Mutter Erde zu befriedigen, war die Versorgung des Ga= nzen mit Flüssigkeit. Nein, ich meine jetzt nicht den guten chilenischen We= in durch meine Kehle laufen zu lassen, sondern frisches Quellwasser durch die Gemüsebeete zu beordern. Dazu wurde ein kleiner Kanal von 1500 m Länge benötigt, der erst einmal gegraben werden wollte. Außerdem mußte ja noch eine Hütte gebaut werden. Wir wollt= en ja nicht ewig im Zelt hausen. Also sorgte ich als Mann, wie es sich gehört, für Recht und Ordnung in der Umorientierung von Bretterma= terial. Sie fügten sich nach meinen Anweisungen mit Hammer und Nägeln in = der Hand zur Gestalt eines Hauses zusammen. Beschwerlich war es schon, doch dank freundlicher Nachbarn, die ja das Problem mit dem Neid ums bessere Auto noch nicht kannten, halfen mir mit Wissen und kräftiger Hand. Ein paar Pesos brauchte man auch immer zur Aufbesserung des Armenhaushalts mit Käse u= nd Wurst, so daß wir bald schon eine bewohnbare kleine Hütte hatten= .

Mit herangekarrten Täfelbrettern entstanden Schränke und Betten, Regale und Zwischenwände, eine Gaslampe erleuchtete unser kleines Reich bei Nacht= und in der neuen Spüle putzten wir uns die Zähne. Ein Plumpsklo aus g= roben Brettern zusammen genagelt, hinter dem Haus, diente uns für einfachste menschliche Bedürfnisse. Brauchten wir eine Badewanne, so legten wir u= ns in ein Wasserloch, daß ich extra für diesen Zweck im Fluß = des Kanals ausgrub. Ein kurzes Holzaquädukt ließ einen kräftigen Wasserstrahl in das Becken rauschen und übernahm bei Bedarf die Haarspülung. Daß das Wasser mit 16°C recht kalt war, durfte = uns nicht weiter stören, sorgte aber für ein gesundes Anpassen unseres Kreislaufs an die gegebenen Umstände. Für mich war das Baden im Modderpool immer ein Riesengaudi. Da kam ich dem Ursprung meiner äffis= chen fernen Verwandten näher, die mir hier mit ihrer Kraft nur zu nutze sein konnten. Ich benutzte zwar keine Knüppel mehr, um mich zu verteidigen, aber lernte archaische Drohgebärden gegenüber dem einzigen bö= ;sen Nachbarn kennen, der uns heimlich des Nachts den Zaun durchschnitt und seine Kühe hineintrieb. Da wurde dann schon hin und wieder mal die Machete über dem Kopf geschwungen oder gutturale Töne von sich gegeben. Andere Länder, andere Sitten. Eine wirkliche Ordnung oder Justiz gab es denn auch kaum, da oben auf dem Berg. Wenn man was wollte, mußte man = es schon selber ordnen und tun. Delegieren anderer wäre nicht möglich gewesen, weil es keine anderen gab, die sich für uns bemüht hätten. Aber das Geld wurde uns somit auch nicht aus der Tasche gezoge= n, es fanden keine falschen Versprechungen statt, es gab keine Enttäuschu= ngen, weil keiner täuschte. Es gab immer wieder nur das Zurückkommen zu sich selber, zu seinen eigenen Kräften und Gedanken. Illusionen deckte= die Natur umgehend auf, in dem sie einfach nichts hervorbrachte oder Einbildung= en zerstörte. Und zur Natur gehörten denn auch die wenigen Menschen,= denen es haargenau so ging wie uns. Niemandem käme da nur ein Gedanken daran, einen Handwerker zu bestellen, wenn das Wasser ausfällt, es ins Haus h= ineinregnet, die Heizung ausfällt oder ein Baum in den Gemüsegarten stürz= t. Jedes Ereignis hatte seine Eigendynamik und konnte als Lehrmeister betracht= et werden. Normalerweise ärgert man sich ja, wenn etwas zu Bruch geht ode= r lebenswichtige Installationen Fehler zeigen. Wir ärgerten uns auch, doch dennoch mußten wir alles alleine regeln und konnten Geld nicht zum Delegieren anderer einsetzen und mußten lernen, lernen und nochmals lernen.

Sie glauben gar nicht, wie vie= le Lehrmeister Sie in Ihrem Leben verpassen, wenn Sie sich spezialisieren und = Ihr Überlebenssystem anderen übergeben!

Unsere ersten Tiere waren ein = Hund und zwei Mäusefänger. Sie erfüllten besonders Christas Herz = mit Freude und gaben das Gefühl einer eigenen Familie. Wie kleine Kinder e= ben sind, machten unsere Tierchen auch einen Haufen Unsinn. Besonders die Katzen hatten einen riesigen Spaß daran, in die Ecken zu pinkeln oder unseren Käse vom Tisch zu hangeln. In gemeinsamen Verbund waren sie noch effektiver. Kamen wir von einer Einkaufstour zurück, stellten den Kart= on nur 3 Minuten unbeaufsichtigt ab, so entdeckten die Katzen das für eine Woche vorgesehene Käsestück, rissen die Plastiktüte auf, kna= bberten ein wenig daran herum, um dann dem Hund Platz zu machen und den Rest zu überlassen. Der machte dann, wie Hunde eben so sind, haps, haps und weg war die Wochenration. Ich persönlich mag Katzen wesentlich lieber, die sind heimtückischer, geschickter und unabhängig, jammern nicht, w= ie Hunde es tun, lange herum, sondern kommen zur Sache, wenn sie sich mal etwa= s in den Kopf gesetzt haben. Das entspricht mehr meinem eigenen Wesen, obwohl Ka= tzen damit auch in meinem Revier zu echten Konkurrenten werden.

So mußten unsere Katzen = denn auch viele Freiflüge durch das offene Fenster ertragen und lernten dab= ei fast das selbstständige Fliegen. Die eine, namens Bienchen, wurde im Fliegen so elegant, daß sie Schwalben mit meterhohen Sprüngen aus der Luft häkelte, um sie dann genüßlich mit dem Hund zu tei= len. Mir hat sie nie etwas abgegeben, weil sie mich als Fluglehrer irgendwie nic= ht richtig wertschätzte. Wissen Sie, die Rolle des Lehrers ist und bleibt wohl immer eine undankbare Aufgabe.

Später wurde unsere Famil= ie etwas vielfältiger, weil uns das Urprinzip, nach denen Hunde und Katzen funktionieren, nicht ausreichte. Schließlich wollten wir ja was erleb= en. Sechs Kälber übernahmen dann die Aufgabe des Meditierens, zu dem = wir selbst nicht kamen, in dem sie stundenlang die gleiche Speise mit abgehoben ruhigen Blick von einer Ecke zur anderen ihrer unzähligen Mägen beforderten. Wir hatten eine solche Art des Essensgenusses schon längst verlernt und nahmen unsere Speisen nur noch als Energieträger wahr. Die Kühe zeigten uns als Lehrmeister, was es eigentlich bedeutet, andere L= ebensprinzipien in sich einzuführen, lange darauf herumzukauen und erst nach intensiver Meditation es zu seinem eigenen zu erklären. Das eigentliche Schlucken, Verdauen und es wieder von sich zu geben, verliert dabei an Wichtigkeit.

Vielleicht ist es auch besser = so, daß wir es nicht genauso tun, denn sonst würden wir noch die Maschinen spüren und die unzufriedenen Menschen, die dahinter stehen, = wenn wir unsere abgepackte Fabrikwurst verzehren.

Hühner, Gänse und En= ten waren die nächsten im Verbund, die ihren speziellen Tanz für uns = auf dieser urkomischen Lebensbühne präsentierten.

Eine besondere Komödie führte uns unser Erpel „Friedolin“ auf. Der verwechselte häufig seine Enten mit jungen Gänsen und meinte, er müsse ei= ne Mischrasse zeugen. Trotz aller aggressiver Anstrengung, die Gänse zu v= ergewaltigen, war ihm der Himmel nicht gnädig und bescherte ihm keine Vaterschaft in seinem erdachten biotechnischen Labor. Da sieht man mal wieder, macht der Himmel nicht mit, gibt’s auch keinen Erfolg beim Erfinden neuer Kreationen.  Unser Gänser= ich, „Zischi“, stand merkwürdigerweise bei Fridolins Aktionen verwirrt daneben und verstand die Welt nicht mehr. Aber er verstand auch oh= ne Brille, mit seinen zwei tiefblauen scharfen Augen, daß er unser Campo= auf Gedeih und Verderb zu bewachen hat. So benutzte er seinen Kopf, auf dem ele= ganten langen Hals, als kreisendes Radargerät, übernahm frühe Luftwarnung und schrie, was das Zeug hält, wenn sich ein Raubvogel näherte. Ihm standen leider keine Luftabwehrraketen zur Verfügung, aber ein kräftige Zischen aus seiner heiseren Kehle ließen den Gedanken an einen Raketenstart aufkommen. Er übernahm aber nicht nur d= ie Luftabwehr, nein auch feindliche Bodentruppen wurden ins Visier genommen und mit einem schnellen Angriff nach vorne meist effektiv abgewehrt. Einmal kam unser Freund, Eckart, mit seinem Militär- Unimog zu Besuch.  Die Reifen dieses Fahrzeug hatten = fast einen Durchmesser eines vollen Meters, doch Zischi raste mutig und ohne Angstschweiß auf das feindliche Objekt zu und bedrohte es so heldenha= ft, daß sein langer Hals fast von den Rädern geplättet wurden. Zischi war auf unserem Campo der eigentliche Chef, denn er akzeptierte mich= genauso wenig als seinen Gott, wie jedes andere Objekt, was sich seiner Gänses= char näherte, bis auf Fridolin. Er blieb uns lange als Aufpasser beschieden, bis der Puma aus den tiefen des Waldes kam und mit scharfem Gebiß andeutete, das Zischi einer falschen Illusion hinterherlief.

Sehen sie, daß präg= te sich mir wieder ein. Falsche Illusionen, nicht gut beobachtet und schon lan= det man im unersättlichen Schlot eines Anderen. Das passiert aber meist er= st dann, wenn man arrogant und hochmütig wird und so, wie Zischi meint, m= an wäre etwas Besseres oder Gott persönlich. Etwas Demut der Außenwelt gegenüber ist denn dann doch der gesündere Weg. U= nd das Gottsein steht nicht einem Einzelwesen zu.

So macht denn dann das so häufig von mir erwähnte Schicksal einen interessanten Energietran= sfer und verwandelte Gänsefleisch in Pumafleisch. Das ist das kosmische Lie= besprinzip, müssen Sie wissen, die Vereinigung zweier unterschiedlicher Lebensprinzipien. Ob der Puma nun das zischen lernte, konnte ich leider nic= ht untersuchen, aber er wurde uns treu, zeigte sich dankbar und holte sich ein paar Tage später Zischis Frau, damit keine Einsamkeit im Gefüge auftrat. Damit waren dann Puma und eine Gänseehe in einem Körper vereint.

Die Hühner zeigten sich a= uch nicht gerade als dumm, wie man es immer sagt. Wenn einer so etwas von einer= anderen Spezies behauptet, spricht es nur von seiner eigenen Dummheit. Die Hüh= ner hatten es hervorragend im Griff, selbst kleinste Körnchen anzuvisieren= und zwischen Steinchen und Sämchen zu unterscheiden. Auch waren sie so klu= g, ihre Eier dort zu verstecken, wo man sie erst 6 Wochen später fand. Sie zeigten sich jedoch gar nicht verwirrt, wenn man ihnen mal Enteneier unter = die brütenden Fittiche legte. Sie hatten ein sozial großzügiges Herz auch für Anderheiten der Vogelwelt. Unangenehme Überraschung= en traten erst dann für die arme Hühnermutter auf, wenn sie bemerken mußte, daß sie wasserscheu war und ihre Babys das kalte Na&szli= g; unseres Entenpools liebten. Um den Rest der Erziehung kümmerte sich da= nn großzügig Fridolin. Wie Sie sehen, auch da zeigte sich die Natur= als ein Verband, der zusammenhielt, was man beim Menschen nicht gerade behaupten kann.

Das nun noch zwei Pferde zu unserer Sippe stoßen mußten, liegt ja nur nahe. Ein junger Halbindianer übernahm das Organisieren, aber nicht wie Sie denken, mit Pferdeklau. Nein wir bezahlten brav und bekamen postwendend die bestellte W= are in Form zweier 400 kg Pakete auf vier Beinen. Die Stute, Galleta, ein prachtvoller Falbe, witterte sofort meine Angst, schaute mich vor dem ersten Ritt treudoof an, ließ mich auf dem ersten Ausflug zu den Nachbarn auf ihrem Rücken gewähren und wütend Rumpelstilzchen spielen. Sie wollte nämlich auch mal ein Gräschen knabbern, das in üppiger Vielfältigkeit zu ihrem Begehren am Wegesrand zu Hunderten auftauchte.= Ich stellte mir das Gefühl des Getragen Werdens vollkommen anders vor. Nach einer Stunde kamen wir dann am Zielort an, was ich zu Fuß in 10 Minut= en machte.

Die Nachbarn waren dann so lieb und probierten das hinterlistige Weibsbild aus, um es mir mit anerkennend z= ufriedener Miene zurückzugeben und mich zum guten Kauf beglückwünschten. Irgend etwas machte ich wohl falsch.

Also wieder rauf auf den Rücken und zurück zu meinem Grundbesitz, diesmal mit Geduld. Nur Geduld hatte die gute Stute nicht. Die zeigte mir einmal mehr, wer der Patr= on war. Diesmal schaltete sie den Turbolader zu und ging gleich in den vierten Gang. Ich glaube nicht, daß sie diesen doofen Hampelmann von Gringo abwerfen wollte, aber sie hatte auch ihren Stolz. Die Rückspiegel, die meine Beine in diesem merkwürdigen Gefährt waren, brachen bei kna= pp kalkulierten Kurven zum Glück nicht ab, aber der etwas zu hoch gelager= te Dachgepäckträger, der mein Kopf war, bekam peitschende Äste = ab, so daß der gute neue Lack abzublättern drohte. Ich hätte nie gedacht, wie schnell so ein dämlicher Gaul die Kurven nehmen könn= te ohne auch nur einen lenkenden Piloten zu brauchen. Zu hause nach 2 Minuten angekommen rollte ich mich aus meinem Pilotensitz und wollte nie wieder die= sen unkontrollierbaren Starfighter fliegen. Ein wenig später wurde ich mit Galleta handelseinig. Sie nahm meinen Hafer und gab mir ihren Rücken. = Sie lernte mit mir Verständnis zu haben und ich lernte, mich nicht mehr wie ein machohafter Hampelmann aufzuführen. Ihr Sohn, ein wunderschön= er schwarzer Rappe, hatte ihre verspielte Intelligenz mitbekommen und probierte Sturheit mit Christa durch. Mit Sturheit kannte sich Christa aus, denn ich = war ihr diesbezüglich ein guter Lehrmeister. Mit unkalkulierbaren Sprüngen zur Seite, weil Pirihueco, so hieß der dunkelhäuti= ge Wallach, eine Plastiktüte im Wind sah oder auch andere Geister am Wege= srand, kam Christa nicht so gut klar. Christa stand dem Boden näher, als ich, liebte das Ausufern auf anderen Ebenen und widmete sich lieber den Wehwehch= en unserer Großfamilie, als weiter den reitenden Ritter zu spielen.=

Aber auch unsere Pferde zeigten ihre Eigenarten in unserem Gefüge. Sie meinten immer, daß es auf= der anderen Zaunseite, wie zum Beispiel im Gemüsegarten interessantere Gräser gab. So gab es denn häufig einen umgebrochenen Zaun und pl= att getrampelte Küchenkräuter, zerzauste Rosenbüsche und zerst&o= uml;rte Wasserleitungen. Die Pferde sahen immer so aus, als könnten sie keiner Fliege etwas zu leide tun, doch in ihrer scheinbar sanften Art zeigten sie,= das hinter ihnen ein Prinzip versteckter Aggression stand. Als wir später unsere kleine Herde dieser so sanften eleganten Wesenheiten besaßen, konnten wir gut beobachten, wie sie ihre Rangordnung regelten. Da kamen sie= aus sich heraus und ließen keinen Zweifel mehr. Bösartig fielen sie übereinander her, schlugen mit ganzer Kraft, die Hinterläufe verwendend, den Gegner zu Boden und droschen oft noch weiter auf den längst besiegten Feind ein. Sie rannte auf einen Konkurrenten zu und bissen ihm so kräftig ins Genick, daß man an der Wunde die verwendeten Zähne zählen konnte. Oder sie gönnten keinem and= eren Artgenossen einen Haps von ihrem Heuhaufen.

Kaum waren sie alleine mit uns Menschen zusammen, grinsten sie uns friedvoll an und präsentierten ihre scheinbar so edelmütige Persönlichkeit. Ich glaube, erfolgreiche = Schauspieler und Fotomodelle haben da gewisse Ähnlichkeit mit Pferden und deren Charakter.

Wenn man seit Menschengedenken= zum Lastenträger des nackten Affen gemacht wurde, bleibt eine gewisse Falschheit im Lebenssystem nicht aus. Ob wir als Menschen dann mit Pferden tanzen oder nach einer Tellington- Methode Streicheleinheiten verteilen, wi= rd wohl kaum etwas am Wesen des Pferdes ändern, es sei denn, wir geben in unserem Bewußtsein dieser Spezies seine uralte Freiheit zurück u= nd gönnen ihr ihren Rücken für sich selbst allein. Rinder sind = in dieser Hinsicht untereinander wesentlich friedvoller, sie dienten aber auch immer nur als Fleischbrocken des Menschen und brauchten vor ihm nie den Rücken zu beugen.

 

Wie ich ja anfangs schrieb, si= nd Sie als Leser nicht nur am Buch, sondern auch an mir selbst beteiligt. Also sollen Sie auch erfahren, daß ich nun seit fast einer Woche im Schrei= ben von alltäglichen Lächerlichkeiten gehindert wurde.

Pferde füttern, Wasserroh= re festschrauben, Stromausfall, Sturmschäden, die mir ein inneres Brodeln, einen richtigen Braßt verursachten. Sie werden sehen, daß auch = ein Klugscheißer wie ich, seine alltäglichen Nöte hat, die mich= hindern, in ferne Welten zu driften und mich schicksalsgefügt am Boden haften lassen. Manchmal hat das Leben so eine Art Eisenschuh- Eigenschaft. Morgen werden wir uns aber dann wirklich wiedersehen, wenn nicht mal wieder ein Ba= um aufs Haus fällt!

 

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Der Strom ist wieder da, die Schreibmaschine aktiviert, kein Baum liegt auf dem Hausdach, sondern steht = mit Wurzeln verankert in der Erde und mein Bewußtsein ist gerichtet auf S= ie und ferne Welten vor der Gegenwart.

Stehen geblieben war ich bei d= er für mich empfundenen Komik der anderen Lebewesen und den Erkenntnissin= n dieser Wesen für mich selbst. Gerade während ich dies schreibe und mein Blick versunken zum Fenster hinaus gleitet, läuft ein Fuchs seelenruhig keine 30 Schritt entfernt vorbei. Ich gehe hinaus, freue mich an seinem Anb= lick und begrüße ihn mit Zurufen. Er schaut sich neugierig um und geht dann in seiner schleichenden Art gelassen seiner Wege. Ich bin glückli= ch, daß ich das ohne ein Gewehr in der Hand und Mordgelüste im Bauch erleben darf und wünsche es Ihnen auch. Das schafft inneren Frieden.

Aber zurück zu den Pferde= n. Also Jahre zuvor kamen uns in unserer Einsiedelei hin und wieder einmal verlorene Reisende besuchen, die von uns über das unter deutsch- stämmiger Verwaltung befindliche naheliegende Thermalhotel hörten= . Dieses Hotel, keine 30 Minuten Fußweg entfernt, wurde sehr rückstä= ndig altdeutsch geführt, so daß sich junge Rucksackreisende dort zwis= chen Omas und Opas, die dort in den Wannen lagen, langweilten. Wanderer brauchen= ein Ziel, wenn auch der Weg das eigentlich Erleben darstellt und so erlebten sie uns. Durch sie wurden wir denn auch auf den Wege gebracht, die Idee entsteh= en zu lassen, eine Reiterranch zu eröffnen. Besagte Reisende sahen unsere zwei Pferde am Gartenzaun herumlungern und befreiten sie von ihrer nutzlosen Arbeitslosigkeit, in dem sie sie ausliehen. Eine kleine Runde wollten sie m= al drehen und sich von etwas anderem tragen lassen, als den schon geplagten eigenen Füßen.

Dieses Bild wiederholte sich einige Male, bis ich begriff, was mir da gesagt werden sollte. Die Wanderer waren von der grandiosen Natur und Landschaft genauso begeistert, wie wir selber und das sich Tragen lassen durch ein natürliches Vehikel, wie e= in Pferd, ist das Nonplusultra.

So setzte ich mich jetzt öfters auf den Gaul, ging auf Wegeentdeckung, schlug neue Pfade mit der Machete frei und schmiedete Pläne. Bald hatte ich schon einige Standar= ttouren von 3 bis 8 Stunden in einem Prospekt beschrieben und in unserem Touristeno= rt bei Agenturen hinterlegt.

Die ersten Reitgäste kame= n.

Zuvor stockten wir aber unseren Pferdebestand auf 5 Exemplaren auf. Zu dieser Zeit waren wir konkurrenzlos = in der Gegend, so daß chilenische Familien es gerne auf sich nahmen auch= 32 km mit dem Auto zu fahren, um das Getragenwerden zu genießen. Da&szli= g; die Damen mit Goldkettchen und Badelatschen reiten wollten, verwirrte mich = anfangs schon. Auch das die Herren das Filmen mit Videokameras fast wichtiger empfanden, als das Reiten selbst, machte mich oft ärgerlich. Jedoch ich lernte, sie zu tolerieren und stopfte gerne die ersten hier verdienten Geld= scheine in die Taschen meiner Jeans. Kamen dann Ausländer, zumeist Deutsche, h= atte ich größere Freude den voranreitenden Scout zu spielen. Dies war= en meistens jüngere Leute, die auch meine Begeisterung für die Natur teilten. Auch die weniger arrogante Art dem Schmutz eines solchen Ausflugs = zu begegnen, sich gerne von den Blättern der Bäume berühren zu = lassen, gab mir das tiefe Gefühl der Zuneigung zu den Deutschsprechenden.

Sie müssen verstehen, daß das chilenische Volk in ihrer technischen Entwicklung Europa weit hinterherhinkt, dennoch aber alle neuen Errungenschaften sich im Schnellkurs einverleiben will. Da entstehen dann insbesondere im Mittelstand urkomische Verhaltensbilder. Ich kann das eigentlich nur mit einem pubertären Kna= ben vergleichen, der riesige Schuhe an einem viel zu langen Körper mit plu= mpen linkischen Bewegungen vor sich hin schleppt, der eine Klugheit verbal nach außen bringt, die ohne jegliches Fundament und Wissen so offensichtli= ch wird. Nun stellen Sie sich diesen komisch unvollständigen Burschen mit 20.000 Euro in der Hosentasche vor, die ihm durch seinem reichen Papi servi= ert wurden, wie er sich beim Juwelier eindeckt, im Elektronikladen den neusten Schrei kauft und ein lackglänzendes Transportmittel mit 4 Rädern = dran durch die Landschaft manövriert.

Da haben Sie jetzt das Wesen e= ines neureichen chilenischen Mittelständler beschrieben. Sie sind wirklich süß in ihrer gespielten Hochherrschaftlichkeit, wirken oft wie Kinder im Sandkasten, die sich verkleidet haben und mit all ihrer Phantasie= so weit in ihr Spiel eingedrungen sind, daß sie gar nicht mehr ahnen, daß sie Kinder im Spiel sind. Wenn man sie dann als Erwachsener zum Mittagstisch ruft und sie an ihr Kindsein erinnert, können sie recht bösartig werden. Beißen und kratzen tun sie dann, aber auch schon mit Rechtsanwälten. Sie haben gelernt, daß man woanders zum Krat= zen und Spucken Juristen verwendet. Schließlich, wenn man sich schon so mühevoll verkleidet, sollte man doch auch eine Spur von Streitkultur e= inbringen, damit das Spiel auch wirklich echt wirkt.

Etwas problematisch empfinde i= ch jedoch, daß man sie aus dieser Hypnose nicht mehr aufwecken kann. Die= glauben bis heute noch an dieses Spiel, arbeiten auch brav, wie es die Großen auch zu machen pflegen in großen Verkaufslagern und schmutzigen Fabrikanlagen. Sehen Sie, das ganze war denn auch eine hervorragende Entwic= klungshilfe vom Westen, da man jetzt auch sein Spielzeug im fernen Chile loswird.<= /o:p>

Nur tief drin in der Seele der Menschen hier, lebt noch die Mystik und der Glauben an etwas Höherem, = weil man die neuen Dinge, über die man verfügt, noch gar nicht begreif= en kann.

Der Mensch in der Industriewelt ist da in seiner Hypnose schon wesentlich tiefer vorangeschritten. Er meint nicht nur kein Kind mehr zu sein und zu spielen, sondern glaubt doch tatsächlich zu wissen, wie die Spielzeuge funktionieren. Er schraubt u= nd dreht, hämmert und schleift, ist vollkommen vertieft in dem Spiel des Herstellens, so daß er zu der Ansicht kommt, selbst die Schöpfer= der Welt zu sein. Das macht ihn dann ernst und verbissen und läßt ihn glauben, die umgebende Welt im Griff zu haben. Nur erhöht sich dann die Luftthemperatur nur um läppische 15 Grad, schwitzt er Angstschwei&szli= g;, redete kluges Zeug von Klimawechsel und glaubt es liege an Haarspraydosen m= it FCKWs. Er glaubt immer, er wäre derjenige, der das Spiel bestimmt und = hat längst aus den Augen verloren, daß er noch ein Kind im Sandkasten ist.

Aber oh weh, wenn der Papa kom= mt und ihm seinen Sandkasten wegnimmt. Dann gibt’s Geschrei, Mordio und = Totschlag, die anderen Kinder sind dran Schuld und mit letzter Macht und konsequenten verbissenen Gesichtern und roten Backen holt man die verbliebenen Steinschleudern heraus und schießt dem anderen ein Auge aus.

Das die Steinschleudern und Katapulte zu Raketen und Atomwaffen wurden, ist nur ein kleines nicht weite= r zu beachtendes Detail. Spiel muß sein, schafft ständig neue Erlebni= swelten, läßt das Kinderherz eines Georg Bush oder eines Osama bin Laden höher schlagen. Wenn dann mal ein paar Sandburgen, wie diese komischen häßlichen Türme umkippen oder dem anderen sein Katapult aus= der Hand entrungen wird, mit Armumdrehen und sich hinter Bretterbuden verstecke= n, so sollte man als Vater ein großzügiges Grinsen im Gesicht nicht verlieren. Auch Kinder werden einmal groß und lernen verstehen, oder?=

Drum lassen wir den Haß, denn Kinder sollte man lieben und ihnen Schutz geben, damit sie sich entwic= keln können. Das einmischen des Papas ist weitgehend zu unterlassen und wird nur dann in Betracht gezogen, wenn sich die Kinderhorde zu weit reduziert h= at. Aber selbst dann, kann der Papa immer noch in seinem kosmischen Liebesakt s= ich neue niedliche Kinderlein zeugen und staunen, was die denn dann für ei= nen herrlichen Unsinn anstellen.

Ich persönlich spielte das Spiel des Pferderanchers und glaubte, es wäre ganz echt. Die Kinder, d= ie bei meinem Spiel mitmachten, waren letztendlich mehr die Verlorenen dieser Welt. Sie suchten Geborgenheit in der Natur, unter dem Blätterdach 1000-jähriger Bäume, zwischen Wildschwein und Condor entdeckten s= ie ungeahnte Freiheit, klares Gebirgswasser und smokfreie Luft, ganz zu schwei= gen von der Stille. Selbst der Wald ist hier still und lauscht in sich meditati= v hinein, kaum das er mal einen Vogel hört. Nervös wird der Wald nur, wenn = er das ferne Rauschen hört, was immer näher an seine für den Me= nschen nicht sichtbaren Ohren dringt. Da rücken die Bäume zusammen und flüstern sich zu, „wen wird es diesmal treffen.“ Wie eine gewaltige Woge braust die Luft heran, wird fast zu einer alles vernichten wollende harten Wand, kommt mit Messern und Schneiden gerüstet und sch= aut heimtückisch drein. Mit Wirbeln wütend will er zwischen die verängstigten Baumwesen gehen, findet hier und da einen Schwachen steh= en, schlägt ihn nieder in seiner Wut, ach wie der Haß doch wohl tut. Doch nur kurz war die Begegnung, mit dem luftigen Geist, der Wald richtet s= ich auf und grinst auch recht feist, er kennt seine Stärke und auch die Da= uer, denn er weiß um das erholende Naß eines Regenschauer.

Genau das wollten die Menschen, die im Rahmen des Tourismus kamen, einmal spüren. Was liebten unsere Gäste hoch oben in den Bergen lange bei einem Lagerfeuer zu sitzen, all ihre alltäglichen Sorgen zu vergessen, vor sich hinstarrend leise sich etwas zu erzählen und zwischendurch auch einen Satelliten zwischen den Millionen von Sternen zu entdecken. Weniger liebten sie das Klo, den Hintern über einen schrägen Ast hängend, von kleinen Fliegen umkreis= t, war dann der Preis.

Wir erlebten aber auch Gä= ste, die peinlichst darauf achteten mit Antiinsektenspray ihren Zelteingang zu besprühen, als Schmutzgrenze, sozusagen, damit auch ja nicht die Natur= in sie eindringen kann. Da gab es einige, die ihre Enttäuschungen beim Ma= chen der Fotos über die spätere Bilderqualität vorausahnten, „die Fotos sehen später immer so normal aus“. Weil ich das nicht verstand, wie ich vermute, Sie jetzt auch nicht, forderte ich eine Erklärung. Man hätte ja schließlich Kontrast- Verstärk= er- Sonnenbrillen auf, die die Landschaft viel prächtiger erscheinen ließ, wie sie auf dem Foto später wirkte.

Aha, dachte ich und machte den böswilligen Kommentar: „Dann seht ihr ja jetzt gar nicht die Wirklichkeit.“

„Was ist denn schon die Wirklichkeit?“, war denn dann die einfache aber sehr philosophische Aussage, die aber recht schnoderich daher geredet war und keine philosophis= che Gabe auf dem Gesicht des gelernten IT erscheinen ließ. Das war mir de= nn doch zu hoch, Fehler durfte man auch nicht zu viele bei gut zahlendem Publi= kum begehen und so hielt ich den Mund. Ich fand aber heraus, daß ein IT e= in Informationstechniker ist und zehnmal mehr verdiente als ein armseliger Pferderancher.

Es gab auch Leute, die ihren Kulturbeutel mit Schminkutensilien, Hautcremes und anderen undefinierbaren Pasten gefüllt auf eine 3-Tagestour mitnahmen. Sie erschienen dann tat= sächlich, sauber geleckt am Abendbrottisch, der aus einem Lavastein vor dem Feuer bestand, wobei die Dame tatsächlich etwas Rusch und ein wenig Lippenst= ift aufgetragen hatte. Mir war es dann schon peinlich, diesen Herrschaften kein= en Longdrink auf einem bequemen Barsessel anbieten zu können. Am Lagerfeu= er sahen die Herrschaften dann auch nur ausschließlich die neue amerikan= ische Raumstation über den Himmel tingeln, einen der Millionen anderen wenig= er künstlichen Lichtpunkte nahmen sie nicht wahr. Die Bügelfaltenjea= ns wurden denn auch ordentlich vor der Zeltbesteigung abgeklopft, wohlweislich wissend, Dreck macht krank. Da gab es Leute, die nahmen Hausschuhe, Kompaß, Angelhaken, Pferdebonbons, Satellitenpositionsgeräte, Superthermounterwäsche, Feuchtis, einen 10er Satz Schokolade, Müs= liriegel, Astronautennahrung usw. mit, während mich andere fast umbrachten, als = ich eine Plastiktüte ins Feuer warf, wegen der austretenden giftigen Gase,= der PCBs – wie unverantwortlich, dabei aber die austretenden Gase ihres F= lugzeugs vergessend. Solche Gesellen sind einfach urkomisch und regen mein Denken im= mer ungemein an und stimmen mich fröhlich.

Es gab aber auch viele Mitreit= er, die sich am Essenmachen und Abwaschen beteiligten und glückstrahlend Staub, Pferdegeruch und Schnapps am Feuer genossen und ohne viel Federlesen= in das eisige Wasser der Berglagune eintauchten. Bei solchen Menschen kam bei = mir immer wieder Hoffnung auf, das der Untergang des Abendlandes doch noch vermeidbar sein könnte.

Wissen Sie, wenn man dienstlich sozusagen Tausende von Reitstunden mit den merkwürdigsten Gestalten ab= solviert, kann man schon oft den Haß, die Freude aber auch die Gleichgülti= gkeit hochkommen fühlen. Nach der Heimkehr, wenn denn dann diese merkwü= rdigen zahlenden Gesellen endlich den Stall verlassen hatten, nahm ich mir Zeit für meine wahren Compañons, die Zeit ihnen meinen Dank und mein Mitgefühl ins Ohr zu flüstern. Oft wahren die Pferde auf dem Rücken von den Herrschaften wundgeritten, so daß meine sensible Seele nach Vergeltung schrie. Kaum in der Ranchkneipe angelangt, hatte ich wieder den Lächler zu spielen und die ach so netten Reitkameraden nach= dem Wohlergehen ihres Hinterteils zu befragen.

Beim Leichtathletik übt m= an den Spagat freiwillig, ich mußte ihn hier mir ohne Turnhalle beibring= en. Merkwürdigerweise empfand ich immer mehr Mitgefühl zu außermenschlichen Arten. Warum, ist mir bis heute nicht klar geworden. Vielleicht war man ja früher mal ein Viech, kann ja gut sein, meinen S= ie nicht?

Über meine lieben zahlend= en Gäste will ich lieber nicht noch weiter herfallen, denn sie sind ja au= ch so nett und spendieren uns ihr Urlaubsgeld. Wenn auf Grund dieses Schriftstücks keiner mehr kommt, stehe ich ziemlich blöd da. Ich = habe keine große Hoffnung, daß ich wegen meiner plumpen Ehrlichkeit = zu einem gut verdienenden Schriftsteller erwählt werde. Wer liebt denn sc= hon plumpe Anmache und soll auch noch dafür bezahlen, oder sind Sie etwa anders, als meine Reitgäste?

Ich erzählte Ihnen noch g= ar nicht, wie es zu so vielen zahlenden Mitmenschen in unserem so ungepflegten Ambiente kam.

Ich baute halt fleißig.<= o:p>

Ich ging in den Wald, ganz ohne die Grünen, aber mit einer gut angeschliffenen Kette meiner Motors&aum= l;ge und machte mich über die schönsten gradesten und eitelsten Baumku= mpels her. Wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Das passiert bei einer Motor= säge auch, und wenn man ein Haus bauen will. Weil auch andere es warm haben woll= en, darf man nicht so zimperlich sein. Kurzum, die Bäume fielen Reihenweis= e, aber nur die arroganten, geraden, schön gewachsenen, während die anderen mich ängstlich gewähren ließen, in der Hoffnung, daß ihre Häßlichkeit ihnen ein langes Leben bescheren. Da = ich mich selber nicht als eitel und besonders hübsch empfinde, hatte ich d= enn auch ein Solidaritätsgefühl und erfreute mich weiter ihrer krummgewachsenen Erlebnisrealitäten. So schlimm war’s denn auch nicht. Ich war ja schließlich keine japanische Firma, die gleich mit Bulldozern das Baumfällen vorantreiben, um dann in Cellulosefabriken, = das nette Endprodukt in Form von Papierwänden zu fabrizieren.

Meine Vision war ein Gästeblockhaus und nicht mehr. Das fügte sich dann auch auf wundersame Weise zusammen. Später fügte sich dann noch ein Stall,= ein Arbeiterhaus, eine Kneipe und zwei weitere Gästehäuser in die Wal= dlandschaft ein. Ich will Ihnen die Worte meiner Flüche ersparen, die man zweifell= os als Waldarbeiter braucht, um bei dieser harten Arbeit überleben zu können. Normalerweise gibt es ja auch Transportmittel für Baumstämme von Oberschenkeldicke. In meinem Fall diente mir meine Schu= ler oft als Zugochse oder Traktor. Das stärkte wiederum nicht nur die Musk= eln, sondern auch den Willen. Wenn ich mir heute meine Hütten ansehe, kann = ich mir nicht mehr recht vorstellen, wer denn eigentlich diesen ganzen Mist von Minidorf verzapft hat. Hin und wieder half aber auch der alte Landrover beim Ziehen der Stämme über längere Strecken. Die Nachbarn waren = auch öfters mal bei gutem Bier und Geldscheinlocken zur Mitarbeit zu bewege= n.

Ich hatte bei einem Hausprojekt auch einen deutschen Teilhaber, der unbedingt das gerade geerbte Geld von seiner Oma unter die Leute streuen wollte. Wenn man ewig pleite ist, ist die Verführung schon groß und man sagt dann auch nicht nein. Der lie= be Stefan investierte dann eben mal so 10.000 Märker aus der vor dem Bauch gebundenen Plastiktüte, was dem Laden zu neuem Aufwind verhalf. Das me= in lieber hoffnungsvoller Teilhaber sich nach 4 Monaten aus dem Staub machen würde, ahnten wir erst nicht. Nach vollendeter Tatsache, er auf einer = Segeljacht in der Karibik bei französischen Freunden, ich, immer noch im Wald, verstand ich die Welt nicht mehr. Umverteilung von nicht verdienten Geldern, nennt man das wohl, was mein Teilhaber betrieb. Ich jedoch fühle mich = bis heute in seiner Schuld. Ist doch auch geschickt von ihm eingefädelt, e= inen ewigen illusorischen Schuldner an einer moralischen Marionettenschnur tanze= n zu lassen. Hoffentlich hat er und auch seine Erboma viel Freude an meinem Schuldgefühl.

Trotz allem Kampfe in dieser verrückten Aufbauzeit, gedieh Christas Gemüse, meine Muskeln und = die kleine Pferderanch.

Damit keine Langeweile aufkomm= t, versuchten wir uns anfangs auch mit dem Melken und der darauffolgenden K&au= ml;seherstellung. Nachdem wir so einen normalen lumpigen Käse hinbekamen, versuchten wir= es mit Bavaria blue und anderen Sonderexemplaren, mit mehr oder weniger Erfolg. Mit Lab und dem hundertfachen Rühren bei gleichbleibender Temperatur e= xperimentierten wir gerne neben dem Brennholzofen herum. Es machte einfach nur Spaß n= ach 3 Wochen den selbstgemachten Käse zu essen, der natürlich dann we= sentlich besser schmeckt, als jeder gekaufte. Das ist so wie das eigene Kind für eine Mutter, daß immer das Schönste sein wird. Unsere Käseformen waren denn auch durchlöcherte Abflußrohre aus Plastik und die Trocknungsvorrichtung aus Bambusstangen.<= /p>

Mit den Bienen versuchten wir = es auch die ersten 5 Jahre. Das war richtig kompliziert, mit den Kästen, = der Königinzucht, den Pollenfallen, Propolissammeln, dem Bestimmen der Ausbrützeiten, den abgehenden Schwärmen, dem Wiedereinfangen, dem sich stechen lassen unter der Maske ins Gesicht, dem Schleudern des Honigs = nach langwierigem Entfernen des Wachshäutchens usw. und so fort. Ich werde = nie vergessen können, welche Schwingungen einem ein Bienenvolk vermitteln kann, wenn es ausschwärmt.

Vielleicht vergleichbar mit dem deutschen Volk, als es mit der Frage nach dem totalen Krieg mit einem erreg= ten JA antwortete. 

Da ist ein Brummen und Surren = in der Luft, der den höchsten Erregungszustand eines Volkes nur haben kan= n. Ich empfand es immer als das Lebensglück eines Volkes in Reinausfü= ;hrung.

Selbst nach Stunden verlor sich das wilde tummelnde Surren nicht aus meinem Ohr, ich glaube mehr aus meinem= Bewußtsein, obwohl ich mich als Imker eigentlich über das Schwärmen ärge= rn sollte, denn das Volk im Kasten war nun auf einen kleinen Bruchteil reduzie= rt. Imkerei kann ich jedem empfehlen, der nervös und unruhig ist. Es ist d= ie beste Therapie, zur Ruhe zu gelangen, vielleicht gerade weil man seine eige= ne Hektik an das hektische Treiben eines Bienenvolkes abgeben kann. Jetzt betreiben wir die Imkerei schon seit Jahren nicht mehr, seitdem so eine kle= ine europäische Milbe den Bienen den Garaus machte und uns die Touristen m= it Arbeit zur sehr zusetzten.

Die Herstellung von Marmelade = und Kompott wird jedoch weiter brav betrieben, weil die Hiesigen mehr nach masc= hinellen Schmiermitteln schmecken als nach dem fruchtigen Süß aus deutsch= en Kellern.

Christa sorgte immer für = den Nachschub neuer Arten. Hatte der Fuchs oder Puma mal alle Gänse geholt, kamen Meerschweinchen dazu, um die Ratten zu vertreiben. Und war mal wieder= ein Kindergeburtstag dran, mußte auch ein Kaninchen beschafft werden.

Vielleicht kommen demnäch= st noch Kamele oder Giraffen dran, weil sie so süß sind und so einen anmutigen Mundgeruch haben.

Ich kümmerte mich neben d= er Bewältigung der Hüttenbauten noch um das Verstehen funktechnischer Einrichtungen oder der Herstellung von Elektrizität über die Wasserkraft. Das war für mich eine äußerst spannende, lehrr= eiche Aufgabe und äußerst notwendig obendrein.

Zu Beginn unserer Zeit auf dem Lande erleuchteten romantische Kerzen den Wohnraum, später wurden diese durch eine laut fauchende Gaslampe mit Glühstrumpf ersetzt. Als ehemal= iger Elektromechaniker wirkten aber in mir schon Pläne, fließendes Wa= sser zu bändigen, um es in Elektrizität umzuwandeln. Ich bastelte mir = also aus Brettern ein 20 Meter langes Rohr, ließ das Wasser unseres kleinen Trinkwasserkanals hindurchgleiten, um es weiter unten mit einem Lüftun= gspropeller eines Autos in Drehbewegung zu versetzen. Der Geist des Wassers und der Gravitation waren mir zugeneigt und ließen das primitive Ding vor sich hinsummen und spritzen. Eine Autolichtmaschine kam dabei schon in einige müde Rotationen, doch von Kraft konnte noch nicht gesprochen werden. A= lso führte ich noch eine tiefe Konversation mit dem Gott der Kräfte, = der mir mehr weiterführende Eingebungen gab. Das vor sich hinspritzende Holzbretterrohr wurde ausgetauscht gegen Zementrohre, die dann wirklich ein= en echten Wasserdruck aufbauen konnten. Und siehe da, die Lichtmaschine begann= mit schnurrenden Geräuschen, wie eine satte Katze, seine Energien in Autobatterien abzugeben. Der Rest war denn kein Kunstwerk mehr, denn ein pa= ar Parallelkabel mit einem Tacker an Holzwände zu nageln und kleine Autob= irnchen anzufriemeln, kann ja schon jede Hausfrau.

So hatten wir also das feuchte Naß unseres kleinen Kanals in Licht verwandelt. Ich war mächtig stolz auf meinen Erfindergeist und vergaß beteiligten Göttern me= inen tiefsten Dank für ihre Zustimmung auszusprechen, doch sie nahmen es ge= lassen hin.

Da ich aber kein Typ mit langem Sitzfleisch bin, rannte ich mit den Gebärden des zerstreuten Professors weiter durch die Gegend und suchte. Da ich weiter den Schatz der dort ganz = sicher einmal anwesenden Piraten nicht fand, entdeckte ich jedoch neue Möglichkeiten die Wildheiten des Bergneptuns in reine Lichtform zu transzendieren. Also wurde Vermessen, Nivelliert, Gehackt, Geschippt und Geschleppt, bis ein weiterer Kanal am unteren großen Fluß entst= and. Ohne meine Bauernnachbarschaft und ihrem guten Zuspruch hätte ich mich= mit meinem Angestellten nie an dieses Projekt gewagt. Es mußte in einem s= ehr steilen Abhang direkt neben dem reißenden Bach ein langsam neigender = Weg in genau berechneter Weise hineingearbeitet werden. Vermessen wurde mit ein= em transparenten langem Gartenschlauch, der mir dann sagen mußte, wann i= ch 2% Wegneigung erreicht habe. Not macht erfinderisch, daß ging mir nic= ht anders, wie anderen Menschen und Erfindergeist macht stolz. Nach mühseligster Schweißarbeit erreichten wir nach 9 Monaten das Zie= l. Der Kanal war fertig und konnte sage und schreibe 250 Liter Wasser pro Seku= nde schlucken und gab mir einen Höhengewinn zum Flußnivel von 5 Mete= rn. Das letztere Maß ist für eine Wasserkraftanlage eine Lächerlichkeit, und so lächelte ich eben, als die jetzt schon rec= ht große Turbine mir 220 V Elektrizität abgab. Es war natürlich nicht die Turbine, sondern ein alter deutscher Generator der Marke AEG Berl= in Baujahr 1936, den ich in einem Elektroladen verstaubt aufgabelte, der die Rotation zu elektrischer Polarität wandelte.

Wir wollten denn auch unsere Nachbarschaft zu einem „Lichterfest“ einladen und unsere Freude= mit ihnen teilen. Sie kamen auch, wohl mehr wegen dem Grillbraten, denn des Lic= htes wegen. Nur der Erleuchtungsfaktor war wohl noch nicht so weit ausgereift. Diesmal spielte Mutter Erde nicht mit, wohlweislich zeigend, daß wir = ihr noch nicht genügend Opfer dargereicht hatten. Sie ließ denn ein = Loch im Grund dses Kanals langsam aber stetig wachsen und nahm all die energetis= che Flüßigkeit in ihren durstig gierigen Schoß auf. Das Wasser= des Kanals verschwand einfach durch ein sich langsam weitendes Loch, das sich a= uf die Größe eines ansehnlichen Geburtstunnels weitete. So ganz mac= hohaft würde ich heute dazu sagen, „da sieht man mal wieder, daß = das weibliche Prinzip den Erleuchtungsprozeß des männlichen Prinzips verhindern will.“ Nichts für ungut, meine Damen, Sie müssen= als Frauen schließlich bedenken, daß Sie die Weisheit und Erleuchtu= ng schon in sich tragen, wir Männchen jedoch krampfhaft sie erst erobern müssen. Haben wir Herren Erleuchtung jedoch erst einmal erlangt, können wir den Boden weit aufsteigend hinter uns lassen, während = Sie, liebe Frau, die Fesseln zur Erde nie verlieren werden und damit aber auch sicherere Standfestigkeit bekommen. Was da besser oder schlechter ist, kommt auf den augenblicklichen Standort Ihrer Existenz an.

Wir in den Bergen schaufelten = also wieder wie die Bekloppten, verstopften das gar nicht romantische Loch mit B= aumstämmen und Steinen zu und verhinderten so auch für spätere Zeiten diesen Geburtskanal. Das empfand Mutter Erde als tiefste Beleidigung, wie kann man= ihr auch das Beste nehmen und schlug 2 Monate später heimtückisch mit= einem Erdrutsch zu. An der kompliziertesten Stelle des Kanals rutschten einfach m= al soeben, nach heftigem Regen, einige Tonnen Sand von oben herunter und nahm bei der günstigen Gelegenheit gleich noch den gesamten Kanal in Richtung Fluß mit. Also auf von Neuem. Leid schafft Freude, Zerstörung schafft Kraft, Wiederholung macht zäh. Ganz nach diesem Motto machte s= ich Pepe und ich mit Spitzhacke, Eisenstangen und Schippen an diesen Selbsterfa= hrungs- Workshop, der uns viel Nahrung aber kein Therapeutenhonorar kostete. Teilwe= ise kamen wir täglich zu zweit nur einen einzigen Meter voran, doch die abgeklärte fast chinesische Gleichmütigkeit meines chilenischen Compañero gab auch mir den Mut, durchzuhalten. Nach einem Monat war = wieder mal Lichtefest, aber auch nur um uns zu foppen. Mutter Erde war wegen des verstopften Geburtskanals immer noch sauer und ließ eine zweite noch größere Wand einstürzen. Jetzt schon fast zum Zen- Meister geworden, hatten wir beiden Arbeiter schon Erfahrung im Gefühl des Ertragens und richteten den Turbinenkanal in einem Zeitraum von zwei Monate= n, zum Teil mit Schnee, Graupel und Eisregenuntermalung. Es ist aber auch durc= haus möglich, daß ich Mutter Erde vollkommen falsch interpretierte. Es gab da an unserem Arbeitsplatz nämlich eine Vielzahl alter 800-jä= hriger Baumwesen, die sich an unserem eifrigen Tun gütlich sahen und in ihrer festverwurzelten Existenz einfach mal ihre Langeweile mit Vögeln auf d= en Ästen und Füchsen, die sie anpinckelten, etwas anderes zum Schauen brauchten. Mutter Erde, wie ich schon sagte, hat die Erleuchtung schon in d= en Knochen, handelte deswegen gerecht und sorgte für Abwechslung für ihre grünen und borkigen Lieblinge mit den ausufernden Armen. Um denn wirklich auch gerecht zu wirken, bewirkte sie auch das anschließende Nichtfunktionieren des Generators. Ein paar Mäuschen hatten indes eini= ge kleine Kabel angenagt, so daß wir erst das 300 kg schwere Maschinenmo= nster abbauen durften, um es einer Genesung bei einem Maschinendoktor zukommen zu lassen. Ab dann, war alles wieder gut, das irdische Weib erkannte unsere Meisterschaft an und verbriefte es mit der Erleuchtung unserer Häuser = mit richtigem Strom. Der Strom des Flusses wurde zum Strom des Lichtes und des Kühlschranks. Es war wahrlich eine schwere Geburt und ich gönne n= ur meinen Feinden solche Erfahrungen, auf das sie danach sanft werden mög= en und auch so weise, wie ich.

Ein weiteres Sandkastenspiel w= ar denn dann die Kommunikationstechnologie für mich. Wenn Sie selbstständig sind, werden Sie wissen, daß sie mindestens drei D= inge brauchen: einen Weg oder Straße zu ihrem Laden, ein Telefon, um ihren= Kunden ihre Wahre aufzuschwatzen und elektrischen Strom, um energetisch in der heutigen Welt bestehen zu können. Also wurden zwei VHF Funkgeräte angeschafft mit 50 W Leistung, was schon recht üppig ist und Antennen = zusammengebastelt, dessen Ohren genau auf unsere Frequenz beschnitten wurden. Ein Apparat stand auf der Ranch, der andere bei einer Touristenagentur im Ort. Die Agentur ha= tte ein Telefon, also hatten wir eine primitive Brücke geschaffen. Nun ste= llte sich aber heraus, daß die lieben netten Menschen der Agenturen gerade= die Reitveranstalter empfahlen, die ihnen kurzfristig die höhere Provision bezahlten. Unsere Werbung und unsere Funkanlage hatte somit nur eine sehr unzuverlässige Bedeutung im Gesamtgefüge unserer Lebensstrategie.= Zum Teil wurden wir sogar von den Agenturen verleugnet, „die Rancho de Caballos gibt’s nicht mehr, die sind ausgebucht, die sind Pleite gega= ngen“, usw.

Es mußte einfach ein Tel= efon her, was aber noch für einen Tante Emma Laden erschwinglich ist, der o= ben in den Bergen im Urwald, 32 km entfernt, haust. Merkwürdigerweise kam = uns dann die Fügung wieder zu Hilfe. Zufällig lernten wir einen deuts= chen Automechaniker kennen, der zufälligerweise auch elektronische Kenntnis= se hatte, der zufälligerweise eine Frau hatte, dessen Bruder, der funkelektronischer Meister war, und zufälligerweise ein verbotenes Ger= ät in Deutschland entdeckte und es für uns kaufte, und es einem spanischen Freund in Frankfurt/ M übergab, der zufällig gerade nach Chile fl= og.

Jetzt habe ich es aber maßlos übertrieben, jedoch ist es mir immer wieder wichtig, die Hintergründe des sogenannten Zufalls zu klären. Zufall ist eine Erscheinung, die in unser Raum- Zeitkontinuum tritt und mit ordnender Hand = dort eingreift, wo sich ein Schicksal erfüllen will. Zufall kommt nicht aus= dem Raum des Chaos, sondern der Ordnung!

Besagtes Gerät wurde ausprobiert und siehe da, es funktionierte, wenn auch mit Wasserfallgeräuschen im Hintergrund, den wir ja wirklich in der Nä= ;he hatten. Da sieht man einmal mehr, selbst Elektronik paßt sich den Geg= ebenheiten an, auch wenn man als ach so kluger Mensch, auch diesen gerne herausfiltern würde. Nun ging das Theater los, auf wessen Dach dürfen wir eine relativ große Funkantenne installieren, wo es Strom und ein Telefonka= bel gab. Bei uns oben auf dem Berge hatten weder die Vögel, noch die Füchse, noch die Bäume etwas dagegen, denn sie verstanden schon d= ie Welt der Frequenzen. Unsere lieben Artgenossen, dessen Unterstützung w= ir für die Basisstation im Ort brauchten, machten uns das Leben nicht so einfach, Freunde zeigten sich als freundschaftlich, solange man sich brav ihren Inte= ressen unterwarf. Aber wehe, wenn man der Esthetik nicht entsprach. So mußte unsere Antenne öfters mal umziehen und der leidliche Telefonanschlu&sz= lig; mit hohen Kosten jedesmal mit. Eine Antenne auf ein rutschiges Blechdach in= 20 Meter Höhe zu montieren ist eine weitere Herausforderung an den Mut und die Trittsicherheit. Gerade heute liegt die Antenne nach einem Sturm am Bod= en danieder, der Mast wurde einfach kurzerhand vom Windgott gefällt. Da, = wo der Mast stehen sollte, kassierte unser ach so lieber Mitmensch und Freund = nach großzügigen Gesten der Freizügigkeit, uns schon monatliche Grundgebühren von 50 Mark im Monat für die Benutzung eines Quadratmeters Gartenbodens ab. Der Mensch ist ein phantastisch Tier, doch besser geht’s auch ohne ihr.

Wissen Sie, ich glaube ja auch= an die Wirkung heilender Hinwendung, wie es der Dalai Lama verkündet, aber Ärger sollte man auch wiederum nicht runterschlucken, denn das sä= uert den Magen und schafft einen Aspekt von Säuerlichkeit im Gesicht. Ist d= er Ärger erst draußen und man teilt ihn mit seinen Vertrauten, wie = Sie es im Moment für mich sind, dann bleibt die Komik und die Lebensfreude= .

Allerdings sagt mir Christa im= mer, „wie kannst Du nur, mach Dich doch nicht zum Gespött der Leute!“

Worauf ich dann nur empfinde: „Ist der Ruf erst einmal ruiniert, so lebt man sich ganz ungeniert!“

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Alte Sprichwörter tragen mehr Weisheit, als ein Laotse, weil sie praktisch anwendbar sind. Und das ist gut so. Und so soll auch dieses Buch sein. Punk= t.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Jetz= t habe ich Ihnen viel von meinem und Christas wirken in unserem chilenischen Lebenssandkasten beschrieben, jedoch bin ich kaum auf unser Wirken auf unse= re Nachbarn, Angestellten, Assistenten und Freunde eingegangen und ihren Einfluß auf uns.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Unse= re Nachbarschaft ist im Grunde genommen auf drei Parteien beschränkt. Da = gibt es die Familie Mendez, die Familie Anabalon und die Familien Revellard und Ulloa.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Die örtlich gesehen Nächsten sind die Mendez. Segundo, der Chef der Familie, ist ein mittelgroßer drahtiger Typ mit schnarrender Stimme, = nur leicht gewelltem Haar und einem Handdruck eines wabbligen Schwamms. Wenn er= mit einem redet, sieht er meist zur Seite, aber er gibt seinen Reden eine gewis= se Gewichtigkeit. Der Inhalt seiner Reden beschränkt sich auf die Jagd, d= em Wiederholen der Ideen seines Gesprächspartners und seiner Wichtigkeit = eines Fundo- Aufpassers. Eine Fundo ist hier ein großes Landgebiet in Priva= tbesitz. Viele Fundos werden wirtschaftlich zur Landwirtschaft, der Viehzucht oder d= er Forstwirtschaft genutzt. Segundos Wichtigkeit besteht darin, über kein= es der drei Fundo- Kategorien zu wachen, sondern hat ein Spezialgebiet unter s= ich. Er verwaltet, etwas, was überhaupt nicht mehr genutzt wird, sondern sc= hon seit fast 2 Jahrzehnten brach liegt, vormals aber intensiv forstwirtschaftl= ich ausgebeutet wurde.    &= nbsp;           &nbs= p;            &= nbsp;           &nbs= p;            &= nbsp;           &nbs= p;           =

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Seine Frau, eine kleine, stark bebrillte Abstämmige der Maputschenindianer, zeigt rundlichen inneren Frieden und balanciert immer wieder die undiplomatischen Fehler ihres einfältigen Mannes aus. Drei Kinder nenn= en sie ihr eigen, die älteste Tochter, Marcella, hat mit ihren 18 Jahren = die rundliche Erscheinungsform ihrer Mutter, ist still, zeigt eine gleichmü= ;tige freundliche Ausgeglichenheit und bekam kürzlich ein Kind, dessen Vater sich nach der Zeugung gleich aus dem Staub machte. Sie scheint in einer verträumten Art immer zufrieden und nichts kann sie wirklich aus der Fassung bringen. Diese Charaktereigenschaften waren denn auch so bestechlich für uns, daß wir sie im Sommer immer wieder als Küchen- und Putzhilfe beanspruchen. Sie macht ihre Arbeit gerne und nimmt sich ohne jede Hektik die Zeit, die ein Fenster z.B. eben braucht, um sauber werden zu wol= len.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Die = kleine Schwester, Valeria, ist da ganz anders. Sie ist unruhig, fast hektisch, weiß viel zu erzählen, meist erfundene Gruselgeschichten vom bösen Puma, glaubt die Welt in allen Facetten zu kennen, malt sich ger= ne an und präsentierte jeden Tag in wilder Form ihre weibliche Schönheit. Sie hat wohl, wie ihr Vater, das rechte Maß der Selbs= teinschätzung schon weit hinter sich gelassen. Aber dort, wo sie auftritt, kommt auch für unsere Kinder keine lange Weile auf.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Armi= n, der mittlere Bruder und Stammhalter dieser an sich lustigen Familie, hält = sich mehr vorsichtig bedeckt, schießt gerne mit der Steinschleuder Vö= gel vom Baum, geht Angeln, hat schon mit seinen 16 Jahren ein eigenes Kleinkali= bergewehr und arbeitet gerne unter Anweisung seines nicht so fleißigen Vaters h= in und wieder im Holzfällergewerbe. Bei ihm kommt schon der lasche Handdr= uck von seinem Vater voll zum Zuge und auch der zaghafte Blick von der Seite. <= o:p>

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Im großen und ganzen könnte man diese Familie also als ausgesprochen unproblematisch und in sich intakt empfinden, wenn nicht ... Ja wenn nicht = da der lasche Handdruck die gesamte Familie lenken würde. Welche Hand will schon schlaff sein, dafür ist sie ja schließlich beim Menschen n= icht gemacht.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wenn= man nun aber über Generationen hinweg Arbeiter großer starker Patrone (Chefs) mit starken schlagenden Händen war, benötigt man ja nun für sich selbst den Handdruck nicht mehr und überläßt = es eben dem starken Mann. Das ist kurz beschrieben die Eigenschaft des Landsklaven. Nur leider wirkt ja innen drin in einem solchen Menschen, trotz Anpassung an die Lebensumstände, der Wunsch nach Stärke. Wenn sie nicht direkt sichtbar werden darf, dann eben indirekt, hinten herum, hinterlistig – und das bekamen wir als Nachbarn recht oft dann um die Ohren geschlagen, wenn Segundo dies Möglichkeit witterte. Diese Möglichkeit gaben wir ihm leider auch unbewußt. Sehen Sie, wenn = Sie ein Reitgelände von 600.000 m² ihr Eigen nennen, und das ist nicht viel, der Nachbar aber 8.000.000 m² verwalten darf und das ist wenigst= ens schon mal ein Anfang, dann verspüren Sie den Wunsch, Kompromisse einzu= gehen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Dies= tat ich denn und durfte meine Gäste durch herrlichstes Naturgebiet hindurchführen. Der Patron des Geländes jedoch hat oft seine Laun= en wie das Wetter und ist eben so cholerisch, wie ein Tornado. Das macht den Segundo natürlich sehr viel Angst und so macht er auch immer brav sein= en Knicks und Verbeugung, wenn der herrische Herr mit seinem 4x4 Pick Up neust= en Baujahrs dahergedonnert kommt. Obwohl dies nur ein mal monatlich passiert, = bei Lohnübergabe, bleibt Segundo in ständiger ängstlicher Unruhe= .

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sehe= n Sie, die Geldübergabe erfolgt da so in etwa:

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das blitzblanke Auto des Patrons entgleitet einer hohen Staubwolke der hügligen Sandstraße, bremst scharf vor dem abgewrackten Hause, daß der hohe Herr seinem Arbeiter zugesteht, reist die Tür auf u= nd geht mit langsamen verhaltenen Schritten, den Kopf leicht vorgebeugt, wie e= in Adler, auf den zur Seite schauenden Segundo zu. Dieser hat inzwischen seine Pobacken zusammengefaltet, den Kopf zwischen den Schultern, sein Magen füllt sich mit Säure, Adrenalin schafft erhöhte Bereitschaft wegzulaufen, jedoch die Stimme seines Vaters, tief in ihm sagt, Du muß= ;t Dich beugen und Deinen Mann stehen. Segundo bleibt also stehen, wenn auch n= icht als Mann, so doch als Marionette und Vorstellung eines Mannes, wendet seine Augen von der ihm entgegengleitenden Königskobra. Doch wieder einmal verschont ihn diese gefährliche Schlange, wirft ihm einen Briefumschlag mit Papierscheinen entgegen und lächelt ihn mit sanfter zugewendeter Stimme an.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sehr= ruhig ist diese Stimme, etwas ölig, irgendwie zu ruhig und sanft, weil die Körperhaltung der Kobra etwas vollkommen anderes andeutet. Um die Demütigung, die die Kobra offensichtlich von diesem Frosch präsen= tiert haben will und nicht zu augenscheinlich, erspart sich der Patron, den Hinte= rteil seines Arbeiters einzufordern, um ihm sein Glied einzuführen oder ihn = mit seinen spitzen Schuhen zu bearbeiten.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Nein= .

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Er m= acht es geschickter. Er sieht zufällig eines unserer Pferde auf seinem teur= en Grund und Boden, läßt seine Stimmbänder langsam in leicht ansteigender Frequenz höher schwingen, um dann mit voller Wucht den ar= men Wicht, Segundo Mendez, mit ganzem Volumen und gut berechneter Schärfe nieder zu peitschen. All seine Macht ist seine Stimme und die Wirkung seiner Körperhaltung und das Bewußtseins des Geldes seines Vaters. Der = einfache, lustige Segundo, ist als Frosch vor dieser Königskobra des Don Marcello noch einmal lebend hervorgegangen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Was = also machen, wenn der eigentlich ganz nette Nachbar, nämlich wir, eine Durchrittgenehmigung haben will? Kurzerhand verbieten, denn welcher Mann wi= ll sich schon immer wieder von hinten nehmen lassen, wenn der Händedruck schon versagt. Besagter Don Marcello, forderte denn auch von mir eine Konsu= ltation in seinem Büro, um das ach so gewichtige Thema der Durchrittgenehmigung durch sein nicht genutztes Campo zu besprechen. Auch mir gegenüber ver= hielt es sich nach gleicher Schablone. Er zitierte mich mehrmals zu sich, einer Z= eit, in der er gar nicht in seinem Büro anwesend war, sondern in seinem Anderen. Sein anderes Büro ist der edle große, lackglänzend= e, mit Funkgeräten und Handytelefon ausgestattete Pick Up. Dieses Bü= ro ist denn auch wesentlich häufiger besetzt, da sich in mobiler Form die Befriedigung seiner anderen erniedrigenden wichtigen Tätigkeiten wesentlich unauffälliger durchführen lassen. Sie wissen ja Liebe = und Orgasmen im Auto, haben schon etwas!

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Hatt= e ich diesen Herrn, dem mehrere Fundos für seine Befriedigungen zu Verfügung standen, jedoch endlich in seinem Festbüro in Villarrica erreicht, so redete er mit mir in seiner freundlichen öligen Stimme beruhigend zu und deutete an, das man vielleicht eine Einigung finden könnte. Seine Körperhaltung entsprach in keinster Weise seinen Wo= rten und so behielt ich mein natürliches Mißtrauen gegenüber die= sem merkwürdigen Zeitgenossen. Da der Mensch, ob gut oder böse, eine = gewisse Fähigkeit der Auraschau besitzt, muß er wohl meine unbeugsame Ar= t bemerkt haben. Doch wie es feige und pervertierte Persönlichkeiten so an sich haben, hatte er nicht den Mumm mein Begehren abzulehnen, stellte mir ein lächerliches Zertifikat aus, immer darauf bedacht, den Termin der Been= digung der Genehmigung hinzuzufügen. So sicherte er auf geschickte Weise, daß er, wenn nicht heute, so doch vielleicht das nächste mal, me= in Hinterteil benutzen dürfte.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das = macht wirklich ärgerlich, können Sie mir glauben. Eine Atmosphäre = von Haß unter Männern kann man nicht klüger hervorzaubern und i= st auch schwierig zu transzendieren, wenn Abhängigkeiten bestehen. Es ist, als kleiner Rat, sehr zu empfehlen, aus Bannkreisen mit solchen Wirkungsene= rgien schnellstens zu fliehen. Errettung dieser pervertierten Seelen,  gibt es meist erst am Todestag, un= d so lange sollte man sich nicht unbedingt gedulden, es sei denn, man braucht das Leben eines Sklaven, um sich selbst aus einem anderen Elend zu befreien.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Fami= lie Anabalon waren da aus einem vollkommen anderen Kaliber. Die ganze Familie, bestehend aus 11 mir bekannten Gliedern, fügten sich im Walde wie eine Mischung aus Löwe und Wildschwein ein. Der Löwe ist ihr Stolz, das Wildschwein ihre Abgesondertheit von allen anderen Nachbarn.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sie = nahmen uns, als wir neu waren freundlichst auf und akzeptierten unser Fremdsein als eine Art Solidaritätsgebärde zu ihrem eigenen Status in der Gemei= nde. Für sie waren wir eine Art Verstärkung der Sippe der Wildschweine. Uns tat das sehr gut und wir liebten sie heiß und innig und genossen = den freundschaftlichen Kontakt. Besonders Juan und Alejandro waren uns sehr nah. Sie zeigten uns ihre Werkstatt, malten mit ihrer Getreidemühle bei 10% Abgabe unser Korn, viele Stunden verbrachten wir in ihrem Haus, die Frauen = in der Küche, die Männer in der Stube, bei Tee, Mate, Kaffee und Wei= n. Die solidarische Wärme dieser Familie in seinem Exil zu verspüren, schaffte ein Gefühl von echtem Heim. Wir brachten ihnen das Kartenspie= l, Doppelkopf, bei und sie zeigten uns, wie man Holz schnitzte oder Ochsen führt. Ich rauchte sogar einmal das auch hier verbotenen Marihuana mit Juan, was er unbedingt erfahren wollte und er schenkte mir immer wieder sei= ne Zeit, was ich von Deutschland in dieser warmherzigen Form gar nicht kannte.= Sie hatten kein fließend Wasser im Bad, denn sie besaßen keines, ab= er ein süßes 2er Plumpsklo, bei dem sich zwei Wesen gleichzeitig du= rch offene Holzbretter entleeren konnten. Sie offerierten uns Empanadas, frisch= es Weißbrot oder fritierte Teigware bei dünnem Tee und Gesprächsaustausch über unsere verschiedenen Kulturen. Mir wird es jetzt ganz warm, aber auch sehr traurig ums Herz, wenn ich an diese Solidarität einer gemeinsamen Leidensgemeinschaft denke. Wir hatten den alten blauen Landrover und sie hatten den Wunsch mitzufahren, mit Sack und = Pack und ihren neusten Holzschnitzfiguren zum Verkauf im Dorf. Sie waren diejeni= gen, die uns beim Hausbau halfen und den ersten Kartoffelacker mit Zugochsen anlegten, sie zeigten mir, wie man Baumstämme mit Vorschlaghammer und Eisenkeilen aufspaltete, sie halfen mit Machete und gutem Willen Waldschnei= sen für die Neuvermessung anzulegen, sie schippten mit mir Seite an Seite = die vielen Meter Schnee im Winter vom Weg und mit ihnen feierten wir unser Neues Jahr und Geburtstage. Ich bin ihnen immer noch zu großen Dank verpflichtet und spüre eine tiefe Liebe, besonders zu Juan, Alejandro,= Don Nestor und Señora Vicky. Die ganze Familie ist kleinwüchsig, bis auf Potchi und Jonni, aber unvorstellbar zäh. Wenn ein kleines Mä= nnchen von 50 kg einen Baumstamm von 100 kg durch die Gegend schleppt sieht das sc= hon recht komisch aus. Und das konnten die Männer allesamt.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Aber= da war auch etwas anderes in der Familie, was erst später zum Wirken kam.= Es war der unermeßliche Stolz des Löwen, der Anderheiten nicht an s= ich heran ließ. Sie hatten die Überlebenspraxis in ihrem Wald, wir hatten die Überlebenspraxis mit der Geldwelt. Wir brachten die sogenan= nte Zivilisation mit, die für sie so schrecklich interessant war in ihrer Weltabgewandtheit, und sie brachten uns ihre einfache menschliche Zuneigung= und Zeit entgegen. Mit der Geldwelt brachten wir jedoch auch eine Logik mit, die berechnend war, und das tat ihnen weh. Der alte Nestor hatte zum Beispiel e= ine kleine Turbine mit einem Gleichstrom- Generator, konnte damit Licht herstel= len, aber auch sonst nichts weiter, aber es war sein ganzer Stolz. Die Verrohung= war aus Holzbrettern und brachte keinen Wasserdruck zustande. Sie wollten nat&u= uml;rlich auch gerne so etwas Tolles haben, wie wir, für Bohrmaschine, Kreiss&au= ml;ge und Kühlschrank. Also erklärte ich ihre Fehler und gab ihnen Rat.= Was macht ein stolzer Löwe. Er glaubt, er wäre der Größte = und darf aus Stolz heraus den Rat nicht annehmen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich erklärte ihnen den Nutzen und die Ersparnis ihrer Mühle bei Verwendung von Vollkornmehl, erklärte die Vorteile der Mineralien und Vitamine in der verwendeten Schale, aber der Rat mußte falsch sein, w= eil da der Stolz war.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich erklärte ihnen aus gutem Willen und Liebe heraus den Vorteil einer betriebswirtschaftlichen Herstellung ihrer Holzprodukte, den Nutzen, bar zu bezahlen und nicht in Wechseln Lebensmittel zu kaufen, den Nachteil eines A= utos und dessen Kosten und auch den Vorteil ihres Verzichts auf zu viel Technik.=

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Erst geschah ein langsamer fast nicht merklicher Rückzug, später als J= uan und Alejandro auf eines meiner kommerziellen Baustellen aus Geldnöten mitarbeiteten, kam der Eklat. Dort wurde dann Freundschaft und Geld in einem für mich nicht mehr verständlichen Sprache durcheinandergemixt, prallte logisches Denken und Emotionales wie Feuer und Wasser aufeinander, = da war Beleidigtsein, falsch verstandener Stolz und Krankheit Ursache eines totalen Rückzugs aus einem Bündnis, was so warmherzig war.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Frag= t mich einer heute, was da eigentlich geschehen ist, würde ich sagen, „glaube nie, was Dir so einfach zufliegt, sondern prüfe die gemeinsame Sprache, die Kultur und die menschlichen Werte, die im Vordergru= nd stehen und bestimmend sind.“ Doch dennoch rate ich jedem, liebevolle = Erfahrungen zu machen, sie in vollem Maße zu durchleben, auch dann, wenn sie nicht ewig bestehen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wenn= wir uns heute begegnen begrüßen wir uns immer noch freundlich, aber = wir wissen, das uns die gemeinsame Basis fehlt, aus den Erfahrungen heraus.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Eine= r der Brüder, Potchi, der durch seine wenig soziale Art auch aus dem Familienverband der Anabalons herausragt, arbeitete für uns als Reitführer und Arbeiter 3 Jahre. Ihnen hatten die Familieneigenschaften recht ungünstig getroffen. Er war ansehnlich groß hatte ein nett= es Gesicht mit geraden Zähnen, was hier nicht so gewöhnlich ist, war= jedoch recht begriffsstutzig, bequem, ordentlich penibel (auch in seiner Familie achtete er penibel darauf, das die von ihm gekaufte Wurst auch nur von ihm persönlich verzehrt wurde, so daß man häufiger Lebensmittel= abfälle unter seinem Bette fand) selbstgerecht, träge bis faul, zu mir unfreundlich, eitel und maßlos stolz. Bei der Übergabe meines Kündigungsschreiben, holte er den Revolver heraus und zitierte mich au= s seinem Hause.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das = war das Ende der Anabalon- Story.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ents= chuldigen Sie bitte, ich muß erst einmal Weinen gehen, denn Tränen tun gut, wenn etwas weh tut und es tut mir immer noch furchtbar weh.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Juan= , ich will Dir nur noch sagen Du bist mein Bruder aus anderen Zeiten <= /span>

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>an a= nderen Orten, aber Du bleibst mein Bruder in den Ewigkeiten!

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Viel= leicht hatten Sie mal eine ähnliche Erfahrung in diesem Leben, gehen sie wein= en, weinen Sie wegen der Trennung, aber vergewaltigen sie nicht die Fügung, denn sie hat das vorgesehen, was sie in der Gegenwart leben und das ist manchmal schmerzliche Trennung! Leben Sie es, verzweifeln Sie nicht, dann w= ird das Sie zum Du. Und Du lernst Verzeihen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Stol= z ist ein furchtbares Handycape und isoliert.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Kenn= en Sie das Gefühl: „Ich liebe Dich, aber dennoch weiß ich, da&szl= ig; wir nie - niemals zusammen leben können?“

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Was = ist es wirklich, was uns trennt. Es ist wieder das Schicksal, daß jeder Mens= ch mitbringt in die Welt, das oft tiefe Schluchten in den selben Berg hinein reißt. Da steht man auf dem selben Hügel, mit den gleichen Bäumen, doch dennoch ist eine unüberwindbare Schlucht dazwischen = und sagt nein, die Einheit kriegst Du nicht, Dein Weg ist ein anderer. Die Einh= eit kommt später, doch nun geh und erleide Deinen Weg. Da soll man nicht wütend werden dürfen und Zornesadern auf der Stirn zeigen können, oder danach die Ohnmacht verspüren und die abgrundtiefe Trauer, die einem bei der unüberwindbaren Schlucht entgegen schallt.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Seie= n Sie sich gewiß, ein Lebenszyklus ist nicht Die Welt, sondern nur diese Zeit-Welt, sie werden den Freund wiedertreffen. Immer dann, wenn sich das H= erz besonders stark meldet, ist da mehr, als nur eine einmalige Begegnung.=

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Viel= leicht werde ich einmal in einem anderen Buch all die tiefgreifenden seelenfesseln= den Erlebnisse genauer aufgreifen, denn Bilder habe ich zu maß noch präsent.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Jetzt haben wir da noch die Familie Revillard und Ulloa. Die einen sind Besitzer = des Wasserfalls „Salto El Leon“, die anderen des Wasserfalls „Salto La China“. Beide Familien wohnen einen Stock tiefer, was heißen soll 100 Höhenmeter oder 1000 Wegmeter von uns entfernt. =

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Die Familie Revillard ist ein besonderer Fall. Der Stammhalter lief noch bis vo= r 25 Jahren mit einem Revolver im Gürtel&n= bsp; und einem Gewehr über der Schulter, umher mit dem Gefühl, = der König zu sein. Wie ich hörte, bedrohte er die Nachbarn und machte= hin und wieder von seinem Revolver Gebrauch. Die Brut dieses so spektakulä= ren Herrn fiel denn dementsprechend aus. Der eine heißt Milton, der andere Rene. Wenn Milton, der den 80 m hohen Wasserfall für Touristen verwalt= et meint, ein Straßengraben müßte zugeschüttet werden, d= ann legt er gleich Hand an und fackelt nicht lange. Wenn er meint, seine Kü= ;he brauchten Gras auf unserem Gelände, hat er gleich die Kneifzange dabei= und ist nicht weiter zimperlich mit unserem Stacheldraht. Wenn man mit ihm Abmachungen trifft, dann versteht er sie immer nur so, wie es zu seinem Vor= teil ausschlägt. Also, er ist ein Mann der Tat, der als Krieger hervorragen= de Eigenschaften hat und leider nicht zu diesem Beruf kam, so daß er zu unserem Leidwe= sen immer noch in unserer Idylle den verkannten Helden spielt und den von ihm erwünschten Heldentod noch nicht finden konnte. Wir alle bedauern das sehr, denn wir wünschen ihm diesen Genuß von Herzen, eher früher als später.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sein Bruder, Rene, eine seriöse Gestalt mit gebrochener Nase im Gesicht und stetig einer langen Machete in der Hand, hat ein eigenes kleines Sägew= erk mit Dampfmaschine, einen alten rostigen Lastwagen Baujahr 50 und einen  Ford Pick Up 1960.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wenn= man ihm ein Tor in den Weg stellt, nimmt er geschickt eine Klette aus dem LKW u= nd reist es mit Motorkraft in Stücke. Sollte man es wagen, das Tor wieder aufzubauen, geht er höchst persönlich mit Motorsäge ran und hilft einem Brennholz zu machen. Er nahm bei diesen Aktionen nie ein St&uum= l;ck Brennholz mit. Mit einem lustigen Hütchen auf dem Kopf und einem stets grauen Jackett, bewegt er sich mit seinen 55 Jahren recht flott durch die Urwaldwege. Meist hat er ein oder zwei Indianerhelfer an seiner Seite, die = er gewöhnlich zwei Monate später bezahlt. Seine, durch die gebrochene Nase bedingt, näselnde Stimme, verursacht keine Angst, aber die ö= lige Freundlichkeit erinnert doch sehr an das Wesen des Don Marcello. Auch dieser Mann der Tat und des schnellen kurzentschlossenen Handeln hat seinen Respekt verdient. Statt feindliche Soldaten nieder zu metzeln, betätigt er sei= nen Schnittercharakter im Baumwesen. Liebend gerne fährt er mit zufriedenem Lächeln im Sommer an unserem Campo vorbei in das Seinige und sägt genüßlich eine 1000-jährige Buche nach der anderen um. Ich glaube, er mag es, wenn der Baum so schön kracht, knirscht und kreischt bis er sein Leben ausgehaucht hat. Wie er es dann schafft, die Tonnenschwer= en Stämme auf seine alte Rostlaube von LKW zu bucksieren und damit den steilen Weg unten anzukommen, ist mir nicht recht klar. So wie er mich irritiert, so verwirre auch ich ihn wohl auch, wenn ich mit meinem wesentli= ch neueren Großraumjeep an ihm vorbei donnere. Der kann sich nicht vorstellen, wie man mit ein paar lumpigen Pferden so viel Geld verdienen ka= nn. Aber inzwischen wünschen wir uns beide nicht mehr den Tod und lassen d= as Leben so weiterlaufen, wie es unvermeidlich erscheint.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Fami= lie Ulloa wohnt auch da unten, ganz an die Seite von den Revillards gekuschelt. Diese Familie mit erstaunlich großer Zahl muß man wirklich anerkennen. Sie sind fleißig, hart im nehmen, packen das Leben an und sind sehr solidarisch. Ihre Solidarität geht allerdings über die Sippe nicht hinaus. Sie machten zum Beispiel einmal eine Junta de Vecinos a= uf, das ist eine Nachbarschaftsvereinigung, um endlich in den Genuß der Elektrizität des Staates zu kommen. Sie veranstalteten dabei zwei große Bingo- Feste mit Empandas, Bier und Grillfleisch und redeten vi= el vom Vorantreiben des Fortschritts in unserer Gemeinde. Also wirklich, sie machten es gut, so daß viele Nachbarn halfen und ein Haufen Geld gesa= mmelt wurde.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Kurz= , der Strom kam, alle waren froh, bis auf die, die einfach vorher heimlich von besagter Familie aus der Liste gestrichen wurden. Die waren nämlich überraschender Weise keine Nutznießer des großen Fortschri= tts der Familie Ulloa. Wenn man ihnen begegnet, hat man immer den Eindruck, die sind wirklich stark, besonders das Oberhaupt mit den oberschenkeldicken Unterarmen und einer Halbseitenlähmung im Gesicht. Auch da dachte ich schon, wenn der Mann jetzt auch noch schön wäre, wäre er hier der Soldatenkönig, aber so strafte ihn das Schicksal. Mit diesem Gesic= ht und verzogenem Mund, kann er höchstens beim Narrenverein auftreten. Und deswegen hat er auch seinen Verein, der erbarmungslos zusammenhält, wie eine Faust, die den Stein des Weisen verkrampft festhält. <= /span>

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Noch= ein wenig weiter unten im Gelände wohnt ein anderer Ulloa. Den hat’s auch geschlagen mit einem Buckel, nach dem er sich wohl als Jugendlicher in eine Prügelei einließ. Ich nahm ihn schön öfters mit d= em Auto mit. Da war der immer so unterwürfig freundlich, daß ich das Wort „der macht einen Katzbuckel“ verstand. Er realisierte sich also körperlich das, was in ihm am wirken war. Wenn ich aber etwas von= ihm wollte, verleugnete er die Sache oder verweigerte die Hilfe. Der ist übrigens frommer Sabatist, das sind extreme Evangelen aus einem Nebenz= weig des Wahnsinns, nennen sich Christen, zitieren Jesus Christus, wie es gefällt, fragen ob man an Gott glaubt, und stechen einen den Dolch in = den Rücken.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Gege= nüber von ihm wohnt noch Familie Hernandez, die alle wie geklont aussehen. Einer = ist der Spinnenmann von Pucon. Der fährt im Rollstuhl, hat Arme und Beine = wie eine Krake, das Gesicht eines Bussards und paßt vor dem Supermarkt auf Fahrräder auf. Die Eltern dieser Kinder waren seit Generationen nah verwandt. Au weia, so was soll man einfach nicht machen, auch wenn ich im Internet jeden Tag einen Porno zugesendet bekomme mit „Father fucks dougther, mother with son“, oder so ähnlich. Ich schaue mir diese Schweinereien hin und wieder mal an, und mich gruselt, wenn ich daran denke= es mit meiner Mutter zu treiben. Die besteht nämlich nicht mal mehr aus K= nochen, pfui, wie pietätlos – oder lachen sie einfach mal wieder. Ich ha= be schließlich heute schon geweint.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Dann= gibt es da noch die Senora Elisabeth, 5. Generation deutschstämmig mit ihrem Ehemann Rolando, 3. Generation. Als wir die Elisabeth, Besitzerin der naheliegenden Thermalquellen, vor 17 Jahren kennenlernten, hatte sie 140 kg= auf dem Leibe. Also eine sehr gewichtige Dame mit dem Wesen einer 13 Jähri= gen. Wenn ihre 80-jährige Mutter manchmal aus Santiago kam, gab es häufiger Ohrfeigen und die 55-jährige Elisabeth weinte herzzerreißend. Die Mutter war eine 180 m große dürre Bohnenstange mit dem säuerlichen Gesicht einer Magenkranken. Tja sich ärgern macht eben sauer und ist ungesund zugleich. Ihr Ehemann hatte i= mmer Mundgeruch und redete gerne über seine Wasserkraftanlage, die er aber = nie zeigen wollte, trotz meiner verständlichen Neugier. Rolando mochte wohl sein schweres Riesenbaby von Ehefrau nicht mehr so gerne und hatte deshalb = in Temuco noch eine Zweitfrau. Mit der zeugte er noch ein blondes Kind mit sei= nen wasserblauen Augen. Seine anderen beiden erwachsenen Kinder hatten auch den Aspekt von trotteligen Riesenbabys und so war das Thermalhotel auch langsam= am verfallen. Als wir neu waren in der Gegend, fanden wir das vom Vater aufgeb= aute Holzchalet schon sehr speziell. In einem Speisesaal von ca. 300 Quadratmete= rn gab es als Heizung einen Kamin und 5 selbstgebastelte Elektroheizer, aber k= eine Feuerversicherung und auch keine Isolation. Die Musik aus alten Volksempfängerlautsprechern kam aus tiefer Vergangenheit, Schlager der 40er bis 60er Jahre, der Kaffee wurde in deutschen Kaffeekännchen von einer kleinen etwas buckeligen 60-Jährigen serviert, allerdings Nescafe mit Pulvermilch, igitt.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich = dachte nur, Agata Christi Filme hätten hier das richtige Ambiente. Nachts wur= den dort auch hin und wieder Geisterscheinungen gemeldet. Das großes vorübergehende Erwachen aus einem Schneewittchentraum erlitt dann die Familie bei einem Brand. Die Wasserkraft hatte denn wohl sich über ihre Rotation, veralteten offenen Kabeln bis hin in die gemeingefährlichen Heizer eingeschlichen, Neptun und Mars lächelten gemeinsam, was ja sel= ten vorkommt und ließen mal ein paar Funken springen, bevor es ein unschu= ldiges Kind erwischt. Und schwups, stand das 45-jährige Gruselchalet  in ansehnlichen Flammen. Die 32 km entfernte freiwillige Feuerwehr kam denn auch zum Füßewärme= n an der so molligen Glut. Aus der Traum. Man zeterte und jammerte und forderte Schuldenerlaß und eine Spendenaktion für die armen Besitzer, die= als Eintritt für eine Thermalbadewanne aus Beton fast 7 US$ verlangten, für eine halbe Stunde wohlgemerkt.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wiss= en Sie, es ist gemein über Schaden anderer zu lachen, das tue ich hier au= ch nicht, aber die Komik bleibt, wenn das Irren des Menschen so offensichtlich wird und selbst bei Schicksalsschlägen noch kein Einsehen zeigt. Was s= oll man machen, lieber schweigen, nicht die Hoffnung verlieren und Humor behalt= en, jedoch bitte mit Mitgefühl und ohne die Tränen zu vergessen.=

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

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<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

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<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

7. Phase und= das Baugeschäft

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Jetzt waren wir lange genug bei Personenbeschreibungen, und, damit es nicht zu langatmig wird, sollten wir uns wieder ein wenig der Aktion zuwenden. =

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wir = litten trotz ereignisreichem Leben eingebettet in eine Pferderanch mit herausragen= der Landschaft, vielen Tieren und noch viel mehr Pflanzenwesen an ständigem Geldmangel. Es ist ja meist so, wenn man seine Energie auf ein Objekt zentriert, ein anderes hinterherhinkt oder im Verschwinden verblaßt. = Das war bei uns das Geld. Viele Gedanken darum nutzten mir wenig, das Planen mit Faktoren, die im Bereich des Unbewußten, nicht Greifbaren liegen, tra= ten nicht in Erscheinung. Und so mußten wir eben bescheiden und Demut war= ten, ob das Schicksal nicht mal wieder hilft.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das = tat es in Gestaltwerdung eines Freundes, seines Zeichens Boschvertreter, Deutsch-Spanier und frisch in unserem Lande. Er war Theoretiker, ich Prakti= ker, er brauchte ein Dach über dem Kopf und ich brauchte Geld. Das war eine Ergänzung, die uns beiden sehr entgegen kam. Er bat mich, sein Haus in= Pucon zu bauen, und das in einer Zeit, in der ich auf der Ranch abkömmlich w= ar.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Also suchte ich mir eine Baumannschaft zusammen, die mit mir zusammen ans Werken ging, während mein Boschfreund seiner Tätigkeit, als Manager, dem Geldverdienen nachging. Er saß im Büro mit Computern, Handy Telefonen, fuhr mit dem Dienstwagen durch die Gegend und schwatzte den Gesc= häftsführern von Eisenwarenläden Bohrmaschinen auf.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wir machten uns ans Abmessen, Sägen, Hämmern, Bohren. Wir mischten Be= ton an und formten ihn zu einem Fundament. Wir richteten Wände auf, montie= rten den Dachstuhl, deckten Pfannen darauf, legten Fliesen, paßten Tü= ren und Fenster ein, verlegten Stromkabel, löteten Wasserrohre und install= ierten Klo und Waschbecken. Wir waren die Kölner Heinzelmännchen, während mein Freund die Vorstellungswelten der Zivilisation befriedigte und Dollarnoten herbeizauberte. Eigentlich ein sehr gutes Gespann, finden S= ie nicht? Und doch war mein Freund an die Welt des Geldes verhaftet, forderte Einsparungen im Bau ohne Qualitätsverluste, lebte in ständigem Zeitdruck, den er auch auf uns zu übertragen suchte und fühlte si= ch wahnsinniger Weise uns stets überlegen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Dies= es Prinzip ist Ihnen ja allen bekannt. Derjenige, der reale, sichtbare und notwendige Formen zur Gestalt werden läßt, also lebbare Materie schafft, wird geringer honoriert und anerkannt, als derjenige, der Luft und Illusionen verkauft. Das sah unser Managerfreund nicht, durfte es wohl auch= so nicht betrachten, denn sonst hätte er seinen Job sofort hingeschmissen= .

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sein= Haus steht immer noch, ich kann es von hier aus sogar sehen, während er sch= on lange von dannen geflogen ist und weiter dem Gelde hinterher rennt. Er mana= gt jetzt in der Zentrale seiner Firma in Brasilien und träumt vom Ausstie= g in drei Jahren, wenn er dann endlich genug von den grünen Scheinen angehäuft hat. Das ist so ähnlich, wie so viele andere Menschen denken: „gehe ich dann mit 60 in die Rente, mache ich große Rei= sen und lasse richtig die Sau raus“.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Welch Illusion nur. Mit 60 hat man das Bewußtsein eines 60-jährigen und nicht das eines starken Mannes oder Frau von 30. Mit 60 lebt man die Beschaulichkeit und den Rückblick seiner Aktionen des Jungsein, jedoch niemals umgekehrt. Das was Sie jetzt tun, wird getan und sollte auch bewegt werden, denn der Impuls ist jetzt. Wenn Sie glauben, Sie können den Je= tzt- Impuls in ein Banksafe tun und ihn 30 Jahre lang aufbewahren mit Zins und Zinseszins haben sie sich geirrt.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Inte= ressant ist es, wenn man dann mit 60 in den Safe hineinschaut, sie werden staunen, = da ist nichts mehr drin, höchstens ein vergilbter Pfandbrief aus dem Jahre 1970, wo drauf steht, ihre Zinsen sind einzulösen bis zum Jahre 1985. = Dann verfallen sie. Und genauso funktioniert die Illusion, sie sind kurzfristige Anlagepapiere mit Verfallsdatum.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich = bekam also am Ende des Hausbaus für drei monatige intensive Manager- und Handwerkerarbeit meine 10.000 Mark und freute mich für die zweifache Entlohnung. Das Geld und die Erfahrungen obendrauf als Geschenk. Ich zeigte meinem Freunde meine Dankbarkeit und Gott in meinem Freunde noch mehr. Durch dieses Geschenk von damals darf ich jetzt in meinem eigenen Hause sitzen und Ihnen unter einem geschützten Dache meine Erkenntnisse zu Gemüte führen, und das ohne Hast, aber mit dem Willen, es muß etwas get= an werden.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Der Hausbau sprach sich bei einem anderen Freunde, seines Zeichens deutscher Ar= zt auf Rente, herum. Er dachte sich, der Mann kann ja etwas, der ist billig und zuverlässig, der kann mir ein Konferenzhaus in meine Clubanlage bauen.= Das empfand ich als Anerkennung aus fernem Reiche, das kollektive Unbewuß= te hatte eine gute Telefonleitung. So sagte ich zu, auch wenn der 8-eckige Bau recht kompliziert erschien. Ich bin ja nicht wirklich Architekt oder Statik= er, aber ein starker Wille läßt manchmal Qualitäten in einem wachsen, die man vorher gar nicht kannte. Es sind so furchtbar viele Potent= iale in uns, die nur darauf warten ins Licht zu treten und Gestalt zu werden, we= nn man sich nur traut und ein kleines Engelchen im Ohr hat, daß liebevoll sagt: „Hab Vertrauen, Du kannst alles, was ich Dir vor die Füße werfe, aber auch nicht mehr“.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich = suchte mir meine alte Baumannschaft zusammen, mit Miguel und Jose und ihren Brüdern. Sie waren lustig und guter Dinge und glichen oft meine Unfähigkeit und mangeldem Wissen mit Mut zur Tat aus.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wied= er  sägten wir, hämmerten, bohrten, mischten, löteten, hieften hoch, ließen fallen, lachten, fluchten, ärgerten und freuten uns. In all diesem Werken, bohrte sich = mein Sohn, Thorin, sein Tor zum Licht und verließ seine Mutter mit sanftem Geschnurre im Juni 1996. Eine Hausgeburt sollte es werden, ohne den Geruch = von Chlor, Sterilmitteln und anderen Isolatoren gegen eine feindliche Welt. Nei= n, unsere Welt war auch nicht feindlich auf der Baustelle. Wir bewohnten gerade ein Apartment des reichen Doktors mit Clubanlage. Das konnte man Mutter und Neugeborenen zumuten.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das = ich auch noch zur Hebamme werden sollte, war mir schon recht. Schließlich= war ich bei der Geburt meiner ersten drei Kinder schon dabei. Eine Geburt ist k= eine Krankheit und der Job der Hebamme nichts weiter als eine Hilfe des Gefü= ;ges zwischen Mutter und Kind. Ein Hebammenbesteck überließ man uns freundlichst als Leihgabe. Die voruntersuchende Hebamme hatte wohl keine Genehmigung für Hausgeburten, hatte aber genug Anstand Christas Wunsch= mit ihrem Köfferchen zu unterstützen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich = sage Ihnen, eine Geburt ist immer ein ergreifendes Ereignis. Als Hebamme besonde= rs, denn da greift man direkt ins Leben. Aber man greift nicht ein, sondern man hilft in einem Prozeß, der so natürlich ist, wie es ein anderer = gar nicht mehr sein kann. Wenn Sie neues selbstständiges Leben in ihren Händen empfangen können und kein Schluchzen kommt, sind sie entwe= der abgepanzert oder pervers. Haben Sie die Möglichkeit, einer Geburt beiz= uwohnen, in Demut und Bescheidenheit, ohne Fotoapparat und Videokamera, es tief in s= ich aufnehmend, kommen sie dem Ursprung des Lebens sehr nah. Das wünsche i= ch Ihnen von Herzen mit aller Liebe. Alle Theorie entschwindet, Vertrauen, Hoffnung und die Annahme des so seins wird Wirklichkeit und Wahrheit und ist jedem Zweifel gegenüber erhaben. Machen Sie jedoch eine Party aus der Geburt, haben Sie etwas ganz und gar nicht verstanden.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Am darauffolgenden Morgen ging das Schrauben, Nageln, Sägen und Bohren an= der Baustelle weiter, denn auch wir Bauleute mußten uns ans Licht bringen= in Form des Gestaltens eines Werkes und unsere Fähigkeiten gegenseitig be= weisen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wiev= iel Leben bringt eine Baustelle, zwischen Arbeiten, Planen, sich Ärgern, s= ich Freuen, Stolz und Sorge, Saufen und Fluchen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Und = zum Schluß? Das Werk ist vollendet, man geht Stolz herum, klopft sich gegenseitig auf die Schultern, prostet sich zu und überläßt= dem Eigentümer nur einen Schlüssel. Der Schlüssel ist das Symbol unserer Kräfte, Kreativität, Gestaltens und unserer Freude am Leb= en. Wer den Schlüssel als Werkzeug des Verschließens versteht, kann = das wohl gerne tun, aber hoffentlich spürt er mit dem Schlüssel in se= iner Hand auch das Fibrieren unserer Kräfte und dem guten Willen einer Schöpferkraft, die kein Geld kennt.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wenn= Sie mal in Chile etwas besser Urlaub machen wollen, gebe ich Ihnen gerne die Adresse dieser Clubanlage, um noch ein paar Ausläufer unserer Wellenbewegung im Bauwerk zu verspüren.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wie = der Himmel so wollte, brauchten wir ein neues altes Auto. Der alte Landrover war schrottreif und der Minibus brauchte einen Fehler nach dem anderen, um seine Traurigkeit als Renault im fernen Chile kund zu tun.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Herr Doktor war mit der Arbeit zufrieden, ging auch drei mal um das neue Clubhau= s, Frau Doktor vergaß nicht auf die klemmenden Türen hinzuweisen und nicht gut gesäuberten Fliesen, aber dennoch stand bei ihnen die Verdop= pellung ihres eigenen Hauses an. Nicht zu teuer darf es werden, möglichst wenig Schmutz soll es machen und schnell soll’s gehen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wie = macht man aus einem Zwergenhaus ein Monster mit riesiger Terrasse. Dafür die= nt der Kopf. Also wieder mal hingesetzt, einen großen Block DIN A 4 Blätter in der Hand, Lineal, Bleistift, Winkel, Taschenrechner ein paar Bier, zwei Pisco Sour und die Hilfe von oben. 14.000.000 Pesos wird es unge= fähr kosten, sag ich dem Patron, ich meinem dem Herrn Doktor. Der wiegt seinen K= opf bedenklich hin und her, mein Magen rutscht schon in die Knie. „Ich br= auch ein neues altes Auto, bitte laß ihn süchtig sein nach mehr Hab u= nd Gut und einem Monsterhaus“.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Er w= ar süchtig, aus welchen Gründen auch immer und schlug zu, wohlweisli= ch wissend, daß keiner es billiger und schneller macht als ich. Aber sei= ne Frau blieb als Überwachungsorgan vor Ort in Chile. Einer mußte ja schließlich auch darauf schauen, daß wir dem nicht die alte Bude ganz abreißen und gewachsene Gefüge unehrenhaft in die Mülltonne verfrachten.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich = kann Ihnen sagen, einen Hausanbau zu machen und das noch Winkelversetzt ist nicht gerade ein Pappenstil. Das alte Dach muß zum Teil abgerissen werden, = aber nur soweit, daß ja kein Regen auf die guten Möbel darunter fällt, um dann in einer Blitzaktion mit denm Neubau zusammengefüg= t zu werden. Ich glaube Ärzte haben da ähnliche Probleme, wenn sie siamesische Zwillinge auseinander montieren und sollen ihnen separate Lebensmöglichkeiten geben. Das macht einem das Gefühl schielen zu müssen, oder mit zwei linken Händen gleichzeitig zu schreiben. Ku= rz um, alles ist möglich, kleine Fehler werden selbstredend vertuscht, Regreßpflicht auf Scheintäter abgewälzt man wußte ja nicht, daß es gerade jetzt regnen würde usw.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Na so schlimm war der Fall auch nicht, aber ein neues Haus zu bauen ist mir wesentlich lieber als einen Anbau, wenn auch der Anbau dreiviertel des Altb= aus entspricht. Mit der Zentralheißung der Doktorfamilie mußte ich = mich selbst übertreffen. Ich konnte mir zwar eine normale Schwerkraftheizung vorstellen, aber nicht so leicht mit einem Küchenofen, einem Boiler auf dem Dach, Überdrucktanks, einem separaten Tank für warmes Brauchwasser, umschaltbar für den Gasdurchlauferhitzer, eventuell später ankoppelbar an eine Solarheizung, verwendbar im alten Hausteil = zu zwei drittel, voll verwendbar im Neubau. So was ähnliches folgte dann = mit der Elektroverkabelung auch. Das Ganze bitte kostensparend zu installieren, verbraucherfreundlich zu bedienen und ständig fehlerfrei einsetzbar mit möglichst einem leicht übersichtlichen Drehknopf. Wissen Sie, wenn Sie vorher nie das Schielen gelernt haben, gehen sie bei Herrn oder Frau Do= ktor bauen,. Da lernen Sie es und nicht nur das. Sie lernen zum Beispiel ihrer s= olidarischen Handwerkermannschaft klar zu machen, daß sie jetzt weniger Geld krieg= en und mehr leisten sollen, Sie lernen Mensch zu spielen, auch wenn Sie schon = zum Teufel geworden sind, Sie lernen Preise zu drücken, wo der Lohn angeho= ben werden müßte, ....und sehen das der Bauherr genüßlich seinen Kaviar zelebriert, sich 4 neue Liegestühle kauft, eine Tischtennisplatte, einen neuen Fernseher, die Tochter jeden Tag mit dem Min= ibus zur deutschen Privatschule gleitet und manches mehr. Ich will keinesfalls z= ur Revolution anstiften, Gleichmacher sind mir zu wider, aber ein klein wenig Mitgefühl, ein klein wenig Verstand und weniger Arroganz, ein biß= ;chen mehr Logik und ein klitzekleines Stück weniger Egoismus wäre schon nett, bitteschön. Ich trank aber auch mit der Bauherrin solidarisch mo= rgens bereits einen Cognac, verstand mich mit ihr prächtig, feilschte nur un= terschwellig um Preise und wäre fast mit ihr unter ihren Anweisungen im Bett geland= et. Leben und leben lassen, wir sind alle fehlerhaft und sehen meist nur die umgebenden 100 m² und nicht mehr.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Outp= ut, wie es so schön heute heißt, war ein fertiggestellter ansehnlich= er Wohnsitz des Medizingrafen, mit allem drum und dran, wieder einen Haufen Erfahrungen mehr und einem neuen alten Großraumjeep aus Iquique.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Iqui= que ist eine Stadt im Norden Chiles mitten in der Atacamawüste. Weil da ni= chts wächst, wächst eben die Staatkriminalität. Die mußte i= ch mir untertan machen. Da gibt es eine Freihandelszone für Leute wie mic= h, Drogenmafiosos aus Bolivien und Peru und anderem Gesocks aus der Dunkelwelt= der Gesellschaft. Ich begleitete meinen Automechanikerfreund bis dort, 2500 km = mit dem öffentlichen Bus hin, damit er gebrauchte Dieselmotoren für s= eine Kunden organisiert. Die Japaner haben ja so fürchterlich strenge Abgasvorschriften in ihrem Land und so müssen sie den alten Schrott lo= swerden, um mit den Gewinnen Abgase in hiesigem Lande in Form von Cellulosefabriken herzustellen. Das ist nett, und regt zum Denken an. Die wollen eine saubere Umwelt und schiffen Dreck aus und holen sich Sauberkeit rein, nicht schlech= t, wenn es denn so funktioniert. Schade das die Japsen genauso doof wie die De= utschen und Amis sind. Umverteilung dieser Form auf einem gemeinsamen Planeten, sozusagen im gemeinsamen Hause, geht so einfach wirklich nicht, aber versuc= hen kann man es mal. Beobachten Sie eine gute Hausfrau bei ihrer Arbeit. Sie ni= mmt den Besen und fegt und fegt. Genaugenommen verteilt sie den Schmutz um, erst liegt er verstreut verteilt, dann konzentriert sie ihn auf einen Haufen, we= nn sie dann nicht vergißt, den Haufen auf eine Schippe zu nehmen, vertei= lt sich das Ganze wieder. Nimmt sie jedoch die Schippe und wirft den Dreck in einen Eimer, erscheint der Boden sauber, oder nicht. Merkwürdig, da&sz= lig; nach 2 Tagen der gleiche Dreck da wieder liegt, obwohl man sagt, es wä= re ein anderer. Na ja, das ist jetzt höhere Schmutzphilosophie und interessiert nur den Berufsstand der Hausfrau.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich = liebe das Abgleiten in ferne Räume, drum sind wir nun beim Zollagenten in Iquique. Der sagt, kein Problem, diesen bildschönen Mitsubishi Pajero können sie mit ein paar kleinen Formalitäten gleich mitnehmen. Die Formalitäten bestehen aus dem Umbau von Links- auf Rechtverkehr, eine = Kleinigkeit, nicht wahr. Da müssen Konsolen, Gas-, Brems- und Kupplungspedal seitenverkehrt angebracht werden, aber nicht nur am Fahrersitz. Nein, da vo= rne, wo die Technik ruft, können Sie das Schielen wieder lernen. Das Steuer= rad rechts, die Pedalen links macht auch keinen erfreulichen Aspekt, also mu&sz= lig; Lenkhebel und der restliche Mist auch noch rüber. Das Schielen läßt langsam nach, doch genaugenommen ist es auch schwierig link= s zu lenken und Füße zu betätigen, wenn Sie rechts die Geschwind= igkeit ablesen, und ob sie noch Öl drin haben, oder der Blinker wirklich blin= kt, sieht man auch nicht so recht. Na, sehen Sie, Herausforderungen gibt’s immer in den süßen kleinen Details. Ein paar kleine Formalitäten, von wegen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Da mußte ein Verbrecher gefunden werden, der seinen Namen dafür her= gibt und behauptet, er wäre ein Jahr in Argentinien Äpfelpflücken gewesen, da mußte ein LKW her, der dieses bildschöne Fahrzeug fa= st schrottreif in den Süden juckelt.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Alle= s war geritzt, so fuhren wir nach 4 Tagen wieder dem Süden und dem Walde entgegen, die trockenste Wüste der Welt hinter uns lassen. Das Warten bekann. Das gute Stück von Auto, Frucht meiner Arbeit als Bauunternehm= er, kam nicht. Versprochene maximalen 2 Wochen, wurden zu drei, vier, fünf Wochen. Meine Telefonate wurden vom Süden nach der Wüste des Nord= ens langsam sehr säuerlich, Erlebniswelten von Gangsterbanden aus Peru und Mordkommandos aus Bolivien entflammten sich meinem Gehirn. Zollagenten sind Gegner, some people get died. Auch diese Phantasienwelten sind Teile unserer Wirklichkeit und sollten gelebt werden, aber eben in diesen Ebenen. Wenn man zwischen Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden kann, dann wird ma= n zu einem Georg Bush, einem Bin Laden und einer Ulrike Mainhoff. Aber auch das muß manchmal einfach sein, die Schizophrenie, hoffentlich nicht als Präsidentengestalt.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sie werdens nicht glauben, nach durchlebten Kriegsfilmen, wurde das neue Lacksc= hiff abgeladen und stand nun auf dem Hof meines Freundes. Der war diesmal echt zuverlässig, was er sonst nie war und schraubte und bohrte an dem Japa= ner herum, das mir ganz anders wurde. In einer Nachtaktion löteten wir 130 Kabel von der einen an die andere Seite und wagten eine Probefahrt am nächsten Tag. Jetzt ging es nur noch darum den chilenischen TÜV z= u überzeugen. Die Leute wunderten sich, sie staunten, freuten sich am Exoten und sagten j= a, ist OK, kannst Deine Karre mitnehmen. Ein paar Geldscheine schmierten den Prozeß, so daß auch sie ihre Kehle ölen konnten.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Die = Frucht meines Hausbaus wurde Christa nun vorgeführt. Der Kommentar war in etw= a, “na, ich hatte mir da etwas Schickeres vorgestellt, das ist ja nur so= ein eckiger Jeep.“

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wenn= man einen Mann schon nicht kastrieren kann, dann kann man es ihm auch anderweit= ig zeigen, wer hier der Mann im Hause ist, nicht wahr liebe Damen. <= /p>

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>R= 22;Du, dieser Brillantring ist wirklich furchtbar nett, aber eigentlich hatte ich = mir dieses Goldcollarde vorgestellt, mein Schatz!“,

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>R= 22;Ja, meine Liebe, ich werde weiter fleißig arbeiten und viel aus dem Hause bleiben, da kannst Du ganz in Ruhe Deine Zeitschriften lesen und keiner wird Dich zur Liebe nötigen,“ -antwortet er, aber wehe, wenn er mal f= remd geht.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Mir war’s wurscht, aber tief betroffen blieb ich dennoch, soll doch Chris= ta weiter mit dem Schrottlandrover fahren, während ich als König der Straßen über den Asphalt gleite.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Der Japaner war wirklich nicht schlecht und dank Mafiosomachenschaften hat er m= ich die Hälfte des landesüblichen Preises gekostet. Er fährt übrigens immer noch, und Christa will ihn mir nun nicht mehr für = zwei Tage leihen. So ändert sich die Welt.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Im nächsten Winter kam wieder eine Baustelle. Diesmal war es ein Neubau b= ei Familie Doktor. Man war dort zwar immer pleite, auch wenn nun schon ein Swimmingpool von 200 m² dazukamen, einen Tennisplatz und ein Reitstall, aber Sie wissen ja, was man nicht weiß, macht einem nicht heiß – dachten die anderen. Leider war das Offensichtliche einfach nicht b= ei Preisbesprechungen hinwegzubeamen. Mir nützte es trotzdem nicht. Preise wurden erneut gedrückt, so daß ich schon fast ein Buckel wie mein ferner Nachbar kriegte. Ich brauchte immer noch diese doofen Papierscheine,= mit den Zahlen drauf. Thorin wollte schon mehr als Muttermilch und ich auch.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Also= ging es wieder los mit Zeichnen, Rechnen, Vermessen, Bretter fahren, nageln, schrauben .............Sie wissen schon.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Dies= mal spürte ich in mir drin schon gewisse Verschleißerscheinungen mei= nes Humors. Das Haus war auch eine tödlich langweilige Konstruktion, mit d= rei Apartments, was man so als Geübter mit links macht. Meine Maistros hat= ten auch im Sommer viel ohne mich auf anderen Baustellen gearbeitet und zeigten auch nicht mehr die Kraft, die eine neue interessante Herausforderung mit s= ich bringt. Aber das liebe Geld rief und züchtigte uns alle. Frau Doktor w= ar jetzt auch schon reservierter, nachdem sie meine Prüdität zu spüren bekam und so gab es nur noch selten den billigen Cognac.

Bei mir bohrte die Ungerechtigkeit dieser Welt ziemlich heftig in dieser Zeit. Ich versuchte fortgesetzt so güns= tig als möglich mit meinen Leuten zu arbeiten, aber dennoch wurde immer wi= eder leicht entsetzt geschaut, wenn ich den nächsten Vorschuß für Material und Personal erbat, so als wenn ich persönlich die guten Sche= ine verschlucken würde. Ich glaube die Handwerker unter Ihnen, werden tief= es Verständnis für meine Probleme nachempfinden, denn, wie ich hörte wollen alle Bauherren des Gleiche.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Als = das Haus stand ging jeder seiner Wege und ich sagte mir, ich baue keine Nullachtfünfzig Häuser mehr für Aldipreise. Und ich blieb mir meiner Devise bis heute treu. Jetzt sind jüngere dran, auf das sie auch meine Erfahrungen machen dürfen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Trot= zdem möchte ich im Nachhinein Familie Doktor meinen herzlichen Dank aussprechen, für die Möglichkeit, die sie mir gaben, etwas Geld zu verdienen, ohne das ich allzusehr dienern mußte. Ich bin dadurch einm= al in eine Geschäftswelt reingerutscht, die mir ihre harten Regeln aufzei= gte und weiß jetzt auch Achtung zu zeigen vor all den Vorarbeitern und Handwerkern dieser Welt, die mit oder ohne Alkohol ihr Leben überleben. Macht weiter so, Jungs, oder schmeißt es einfach hin, wenn Ihr Euch traut.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Mais= tro Jose ist immer noch am Bauen, während Maistro Miguel, inzwischen um 3 Finger beraubt zum Möbelbau in eigener Werkstatt übersiedelte. Ja= , ja die Kreissägen sind doch wirklich erbarmungslose Fingerfresser.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Und = wenn ich noch mal etwas Bauen sollte, dann wird es eine Glaspyramide im Tal der Wasserfälle, als Gotteshaus der Schamanen, mit 1000-jährigen Bäumen drinnen und einem glasklaren Bach, und weil ich weiß, daß der tiefschwarze Sternenhimmel zu einer intensiven Gotterfahrung dazugehört, werde ich wohl besser auf dieses Werk verzichten und als e= in Bau innen und drinnen in Zukunft anstreben. Der Ausbau einer Empfindungswelt für unser Sein, ist wohl wichtiger, wesentlich bombastischer und wenig= er illusionär und verscheißt nicht andere Arten der Natur der Schöpfung.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Was = noch inzwischen als Aktion passierte, war der Umbau meines vorderradangetriebenen Renault Traffic in einen Zwitter. Er sollte, wie ein Jeep einen Vierradantr= ieb bekommen und einen Dieselmotor. Mein Freund Harald ist als deutscher Autome= chaniker ein wahres Genie. Er konnte sich wegen seiner Verrücktheiten in Deutschland nicht festigen und ihm fehlte auch die natürliche Freundlichkeit der Menschen. Hier durfte er sich technisch richtig austoben, ohne den Rücken zu beugen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Er schwatzte mit also seine Ideen für mein Minibus auf und machte sich ans Werk. Schon nach zwei Wochen hatte die tragende Karosserie ein festes Eisenchassis, einen Japanerdiesel und die Achsen eines Chevrolet Trooper. D= er Zwitter sah recht imposant aus, nur fehlte die Verlängerung der Kardan= welle. Nach dem zwei Tests erfolglos verliefen und die Welle dem Harald um die Ohr= en flogen, ließ er mich sitzen und bediente seine diversen anderen Kunde= n. Aus den 2 versprochenen Wochen wurden 14 und unsere Freundschaft begann Ris= se zu bekommen. Der Umbaupreis war längst bezahlt, nur fehlte die Fertigstellung seines genialen Werkes. Am Telefon ließ er sich verleu= gnen, fühlte sich von mir unter Druck gesetzt oder beleidigt, so daß zu guter letzt das nicht wirklich fertiggestellte Auto von mir abgeholt wurde.=

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wiss= en Sie, das tut einem Genie wirklich weh – das Eingeständnis seines Versagens, die Akzeptanz eben nicht alles zu wissen und alles zu könne= n. Genies haben wohl generell die Tendenz der maßlosen Selbstüberschätzung, eben weil sie so weit über der Norm lie= gen. Da gibt es kaum noch andere, die solche Leute zurückpfeifen könne= n, weil andere schon längst vorher das Handtuch geschmissen hätten. = Das Genie ist wie ein kleiner Gott in seinem Metier und verliert den Überb= lick zwischen Wirklichkeit und den Traum seines Wirkens.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Kurz= um, Harald war jetzt stinkbeleidigt, wollte mit mir nicht mehr sprechen, nie wi= eder etwas zu tun haben und seine Frau hackte fleißig mit in die Wunde.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das = Auto hielt dann auch immer nur seine 2000 km bis es einen Fehler nach dem anderen produzierte. Bis heute fuhr es nur in kurzen Etappen, kam aber dann tatsächlich auch steile Erdwege mit Matsch und Schlamm hinauf. Zur Zeit steht der Minibus mal wieder bei Harald, der Gangschaltungsknüppel bra= ch zum zweiten mal ab, das Getriebe schein auch hin zu sein, Reparaturzeit wur= de von meinem Freund auf 14 Tage festgelegt, inzwischen sind es wieder 10 Woch= en, gut nicht, aber nur nicht sauer werden, denn die Rettung der Freundschaft h= at mich letztes mal einen Kniefall in den Staub und ein Verzeihungsbrief meiner Schuld gekostet, um das Genie zu besänftigen. Ich liebe nämlich diesen Menschen, auch wenn er als Servicetechniker nicht die Bohne taugt und seine Kunden allesamt gnadenlos über den Tisch zieht. Letztlich wurde = ihm fast alles Werkzeug aus seinem Schuppen geklaut, da schaute er recht dumm. = Ich dachte mir nur, siehst Du Wolfgang, jetzt schlägt doch noch der göttliche Zu-Fall zu und richtet, wo nicht gesehen werden will. Mein Freund interessiert sich auch für Esoterische Gesetze und vergleicht m= anches mit der Bibel, nur sieht er eben, wie die Meisten, die Gesetze für and= ere geltend, für das Außen. Den Zusammenhang zwischen seinem Verhalt= en und seinen vielen Betrügereien mit seinen Kunden und dem Diebstahl des= Werkzeugs kann er nicht nachvollziehen. Für diese Art von Denken war sein Genius nicht eingestellt und so liegt er weiter unter den öligen schmutzigen Fahrzeugen anderer Menschen und kann seine Erfüllung, seine Berufung g= ar nicht leben. So wie er andere mit Betrug beugt, so beugt ihn etwas anderes,= bis das Erkennen kommt.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Trotz allem, ich lasse auf meinen Freund Harald nichts kommen und werde ihm zur S= eite stehen, wann immer er mich braucht, aber bestimmt nicht mit Geld, was ihn n= och mehr verderben würde.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Nun sollten wir langsam hinübergleiten in die nächste Lernphase, nämlich persönliche Beziehung und Liebe, was krisenmäß= ig bei mir schleichend mit 42 begann und mit 46 wie ein Vorschlaghammer einsch= lug.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

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<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'> 

8. Phase und= Reise durch die Unterwelt

 

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Lieb= er Leser, das, was nun folgt ist im Grunde genommen eine Intimität, eine Erlebniswelt, die man gewöhnlich nicht ausspricht, und wenn, dann nur = im Kreise seiner Lieben. Es ist eine erbarmungslose Abrechnung mit einem Leben, mit falschen Vorstellungen und der eigenen Seele.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Doch= ich machte in meinem Lebensweg immer wieder die Erfahrung, daß Offenheit,= das zum Ausdruck bringen des Innenlebens, neue Potentiale frei werden lassen und verbaute Sackgassen plötzlich transparent wurden, die vorher undurchdr= inglich erschienen.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich = lebte also seit Beginn meines Chileaufenthalts mit einer Frau zusammen. Wir lernt= en uns damals über die Therapieszene kennen, sie wollte nicht mehr weiter= in ihrem Beruf, als Krankengymnastin arbeiten und war auf der Suche. Ich lebte= als verkorkster Abenteurer in einer Situation des Abbröckeln meiner Lebensbasis, eines Therapiezentrums und zusammengebrochener Familie.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Chri= sta spürte tief in sich, daß ihr Leben in einer Behindertenschule fa= lsch ist und ihr nicht die Möglichkeiten gibt, schlummernde Potentiale zum Ausdruck bringen zu können, zusätzlich war die unterschwellig, ab= er allmächtig wirkende Mutter für die persönliche Entwicklung hinderlich.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich fühlte, daß der Job eines Therapeuten in der westlichen Gesellsc= haft falsch ist, weil das Prinzip der Liebe und des Verständnisses durch das Geldprinzip vertauscht wurde. Wenn man schon nicht die Gesellschaft verändern kann, so kann man doch sich selbst und die eigene Lebenssituation verändern. Man wendet sich von einer Sache ab, aber im= mer und automatisch, wendet man sich dann einer neuen Richtung zu. Die Richtung war, das Ausprobieren der Schaffung einer eigenen Gesellschaft in Miniaturausführung mitten im Wald, wo ein Staat keine Interessen mehr = am Verfolgen hat. Wir waren in Chile einfach zu klein und uninteressant, um uns mit Baugenehmigungen,  Steuerz= ahlungen, Umweltgesetzen usw. zu maßregeln und zu verfolgen. Also konnten wir u= ns als Paar auch hervorragend entwickeln und unsere Stärken und Schwä= ;chen gegenseitig vor die Füße werfen, ohne überhaupt die Möglichkeit eines täglichen Ausbruchs aus der Beziehung zu versuc= hen. Unter diesen Bedingungen hat man hervorragende Möglichkeiten, eigene Spannungen und die des Partners zu fühlen, wahrzunehmen und auszuleben= , ohne sie mit materiellen Gütern oder kommunikativen Ablenkungen zu kompensi= eren.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Funk= tioniert etwas nicht gut, hat man sich mal nicht lieb, fühlt man Unverstän= dnis oder Ablehnung, hat man es eben zu fühlen, gnadenlos, bedingungslos. O= der man geht eben und verläßt den Partner. Nur war zwischen mir und = Christa die Idee der Freiheit, Kreativität und eines Lebens ohne Bürokrat= ie im großen Reich der vielfältigen Natur so stark, daß das s= ich Abwenden auch dann nicht kam, wenn es normalerweise besser gewesen wär= e.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich = als Mensch habe ein starkes Bedürfnis nach einer tiefen Liebe, die eine st= arke Haftungsenergie mit sich bringt und klar körperlich gelebt werden muß. Mir reichen Nettigkeiten in einer Partnerschaft nicht aus und Aussagen, wie „Ich habe Dich lieb“, oder „Ich mag Dich“, „Ich hab Dich gerne“, ist mir zu wenig.=

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich brauche den tiefen verschmelzenden Blick in die Augen, brauche das langsame= und sinnliche Fühlen der Hände des Anderen und ich brauche beim Geschlechtsakt das vorsichtige zeitlose Erlebnis der Verschmelzung ohne jed= en Kampf um die Herbeiführung eines Orgasmus.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Meine Partnerin brauchte dagegen die Sicherheit der Stärke des Mannes, tiefes Mitgefühl um ihre alltäglichen Sorgen, das gemütliche Beieinandersitzen und beim Geschlechtsakt die kämpferische Reibung aneinander. Ihr waren Begriffe wie „Ich liebe Dich“, eher zweitrangig und tiefe Blicke in die Augen, eher beängstigend. Sie hatte wohl ewig die Angst, durch eine tiefe Liebe sich selber, also ihre Persönlichkeit, zu verlieren, während ich diese tiefe Liebe brauc= he, damit ich überhaupt meine Persönlichkeit in den Größen= des Alls finden kann.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich schrieb ja bereits anfangs mal, daß mir während des Geschlechtsa= kts eine Erfahrung zuteil wurde, die man als Ego- Verlust bezeichnen kann, als = das nur noch existieren in einem Sein ohne Grenzen. Dazu brauche ich als Mann e= ine Frau, mit mir allein kann ich das nicht machen und ich brauche dazu eine ti= efe Liebe. Nun gibt es Menschen, die glauben, sie würden real sterben oder verrückt werden, wenn sie ihr ganzes Wesen einem anderen in Liebe sche= nken.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sehe= n Sie, daß war mein Dauerkonflikt mit meiner Christa. Wir arbeiteten hervorragend zusammen, wir schafften gemeinsam, wo andere schon längst aufgegeben hätten und wir lernten Dinge und an Mächten der Natur,= die einem stark aneinander binden. Wer könnte besser mein Leid und meine Freude und mein Wissen nachvollziehen, nach all den Jahren, als „meine“ Christa?

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Denn= och wirkte da eine Kraft ständig präsent in mir, die sagte, mir fehlt etwas, ich brauche etwas – und das war die Liebe.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ohne anmaßend sein zu wollen, glaube ich, daß es Christa ähnlich ging, nur mit einem vollkommen anderen Thema – mir fehlt etwas, ich brauche etwas – und das ist das Verständnis.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich = suchte also Liebe und sie suchte Verständnis, ich hatte Liebe zu vergeben und= sie hatte Verständnis zu vergeben.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Und = wir fanden im großen Walde keinen Menschen, der mit mir die Liebe teilt u= nd Christa fand niemanden, der mit ihr Verständnis teilt. Der Mensch ist = ja ziemlich verrückt und läßt sich was einfallen, um Miseren n= och lebbar zu machen. Christa produzierte sich einfach ein Kind, meine Tochter Franziska, und hatte damit endlich die verständnisvolle Freundin, die = sie suchte. Ich, währenddessen, noch weiter aus meinen Liebesillusionen mit Christa herausgedrängt, denn nun gab es noch weniger Liebe, weil Chris= ta brauchte keine faulen Kompromisse mehr mit mir und meinen Bedürfnissen einzugehen, zog mich in andere Formen der Zeugung zurück. Ich zeugte d= ie Pferderanch, zeugte Blockhäuser, Geschäftsideen, Außenkonta= kte, Geld, ein Baugeschäft und zu guter letzt einen Naturpark, na und im Mo= ment, das Schreiben.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Chri= sta zeugte zwei weitere Kinder, Gemütlichkeit, Häuslichkeit, eine Welt voller Haustiere und Gastlichkeit. Da waren also zwei Zeuger am Werke und k= ein Empfänger. Das weibliche Prinzip wurde ausgegrenzt und zeigte sich nur= im Außen in Form von Gärten, Bauten, Käse, Bienenstöcken, Honig, Pferden und dem großen Walde. Das Miteinander war nicht die gemeinsame Liebe an uns, Gestalt geworden durch zwei Menschen, sondern die = Idee des Zeugens.  So ist es bis he= ute geblieben. Da gibt es eigentlich auch gar nichts zu meckern, jeder kann Sto= lz auf sich sein und wir können als Paar auch gemeinsam Stolz auf unser Wirken sein.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Nur = wo bleibt die Liebe, wo bleibt das Verständnis, was jeder von uns so unterschiedlich brauchte?

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Es transzendiert sich und geht anderweitig auf Suche.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Vor = nun fast 5 Jahren hatte das kosmische Gefüge, einfacher gesagt, das Schick= sal Erbarmen mit uns und sendete uns einen Engel. In Gestalt einer 29-jähr= igen Psychologin, auch auf der Suche nach Entwirrung ihres eigenen Lebens, präsentierte sich uns als deutsche Assistentin mit Lust auf Pferde, Abenteuer und Naturerleben.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sie schwang dann so wundervoll die Hüften, war so erfrischend frech und mu= tig, übernahm kraftvoll Christas Rolle in Haus, Küche, Hof und Garten, daß mir die Speichelfäden am Kinn herabliefen. Das war sie, die Nymphe aus dem Meer meiner Träume, die brauchte einen richtigen Mann, = die brauchte meine Form der Liebe.

<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wie = es so kommen mußte, Gott hatte Einsicht und Erbarmen, warf sie sich mir an meine geschwollene Brust und später an mein Glied. Es war eine sch&oum= l;ne Zeit, weil sie so schrecklich wurde. Wer Leid sucht, liebt die Leidenschaft, und die bekam ich jetzt endlich. Wie schon gesagt, bin ich ein sehr offener Menschentyp, der durch seine Offenheit messerscharf, undiplomatisch in Fettnäpfchen tretend, sein inneres kompromißlos nach außen kehrt, und wenn es auch nur dazu dient, zu schauen, was dann wohl passieren mag. Ich verkündete also unverhohlen meine Liebe zu Monika (Name verändert), fügte auch hinzu, daß ich mich schuldig fü= hle, aber dennoch meine Gefühle nicht verleugnen kann. Nun war die gute Mon= ika mit ihrem Kind und ihrem Freund aufgetaucht.

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