MIME-Version: 1.0 Content-Type: multipart/related; boundary="----=_NextPart_01C495A2.538F0920" Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Webseite in einer Datei, die auch als Webarchivdatei bezeichnet wird. Wenn Sie diese Nachricht erhalten, unterstützt Ihr Browser oder Editor keine Webarchivdateien. Downloaden Sie einen Browser, der Webarchivdateien unterstützt, wie zum Beispiel Microsoft Internet Explorer. ------=_NextPart_01C495A2.538F0920 Content-Location: file:///C:/0CEB11F3/LabyrinthdesSchicksals.htm Content-Transfer-Encoding: quoted-printable Content-Type: text/html; charset="us-ascii"
Dieses Buch wid=
me
ich meinem „verlorenen“ Sohn, all den anderen verlorenen Tö=
;chtern
und Söhnen meiner alten Heimat, besonders jedoch allen Menschen die mir
große Steine auf meinen Lebensweg gelegt und mir Leid verursacht habe=
n.
Diesen Menschen bin ich zu tiefstem Dank verpflichtet, weil Sie zu meinen
Herausforderungen wurden. Ohne Sie hätte ich nie das Lernen könne=
n,
was ich in meinem Lebensweg zu lernen hatte.
Lieber Leser, ich sehe ein,
daß es viele Bücher über das Thema der Selbstfindung,
Selbsterkenntnis, Lebensgestaltung, der Psychologie im Allgemeinen, der
Ökopsychologie, der Metaphysik, der Mystik, der Esoterik, der untersch=
iedlichsten
religiösen Weltsichten usw. gibt und damit den Einzelnen bereichert od=
er
aber auch verwirrt. Ob da ein weiteres Buch angemessen erscheint, vom
kommerziellen Interessen der Autoren und Verlage ganz abgesehen oder dem Se=
ndungsbedürfnis
des dahinterstehenden Geistes im speziellen, ist fragwürdig.
Da aber eine ständige
Entwicklung des Geistes stattfindet, viele Wirren entwirrt werden wollen, d=
as
Bedürfnis den Sinn hinter all unseren gesellschaftlichen Aktionen, sow=
ie
unseren persönlichen Schicksalsschlägen zu erkennen, wird wohl das
Interesse des Menschen nach dem Erkennen so lange bestehen bleiben, bis wir
sagen können, „Ja, ich habe die Welt erkannt, Ja, ich habe mich
erkannt und sehe nun ein, welchen tieferen Sinn mein Leben im großen =
universellen
Tanz hat“.
Meist haben wir nicht die
Möglichkeit die Suche nach „der Wirklichkeit“ konsequent
durchzuführen, denn unsere körperliche Erscheinung in der Welt
verlangt die Anpassung an die allgemeingültigen Vorstellungswelten des
menschlichen Lebens in einer festgelegten gesellschaftlichen Ordnung. Das i=
st
die Verpflichtung an den Alltag.
Wir haben ein Bild vom Mensche=
n in
uns eingeprägt, mit dem wir unseren Lebenszyklus beschreiten wollen. W=
ir
glauben an das, was wir sehen, hören und schmecken, glauben in zweiter
Instanz an das, was man uns sagt und lehrt und allgemein als wahr anerkannt
ist. Dies umfaßt grundsätzlich unseren sogenannten Kulturkreis, =
in
dem wir uns bewegen, wobei anderes Empfinden, Denken und sich Leben zwar wie
ein fernes Windrauschen in unser Bewußtsein dringt, aber nicht als
lebbare Alternative für uns in Frage kommt.
Das ist der Traum von der Inse=
l.
Meist ist dieses leise
Säuseln und Rauschen auch so unklar, taucht auch oft nur in
nächtlichen Traumwelten auf oder in der Presse als für uns unzumu=
tbare
Lebensmodelle, so daß wir es gut wegfiltern können. Anderes Empf=
inden
verstehe ich hier als das sich wahrnehmen als z.B. afrikanischer Bauer,
indischer Schafhirte oder chilenischer Fischer oder aber auch, sich im Glau=
ben
leben als Buddhist, Hinduist oder Mohammedaner.
Durch unsere Geburt werden wir=
auf
das Denken und das Empfinden festgelegt, welches uns als kollektives Empfin=
den
repräsentiert.
Wir
haben dann weder Zweifel, noch das Bedürfnis dieses Empfinden zu
hinterfragen, sondern nehmen es als „die“ Wirklichkeit war. War=
um
sollten wir auch zweifeln z.B. Deutscher, Franzose oder Amerikaner zu sein,
wenn die sogenannte Außenwelt sich so benennt. Es gibt dann wohl kaum
einen triftigen Grund sich als Chinese zu leben oder sich zu fühlen.
Unsere Startposition im jetzigen Lebenszyklus ist durch unsere Geburt
festgelegt. Also geht es im weiteren nur noch darum, sich dieser Form im
Außen anzupassen, um eine für andere sichtbare klare Gestalt zu =
erlangen.
Schließlich ist das Leben ja nichts anderes, als eine
überdimensionale Spielwiese, die uns die Möglichkeit gibt, uns als
Wesen auszuprobieren und durch unser persönliches „Da-sein“
eine neue Gestalt hinzuzufügen.
Unsere Schicksalsaufgabe ist a=
lso
durch unser Leben über unser Erleben die Welt zu bereichern.
Dabei ist es unwichtig für
das Gesamtsystem, ob wir uns als Heilige, als Geschäftsmann, als
Verwaltungsangestellter oder als Mörder leben.
Im christlichen Glauben wird
dieses Prinzip der Liebe Gottes für all seine Wesen deutlich. Für=
die
„himmlische Urkraft“ gibt es kein werten und beurteilen, sondern
nur ein Annehmen allen Seins.
In allen anderen Religionen, d=
ie
visionär entstanden sind, liegt die gleiche Idee zu Grunde.
Wenn wir nun davon ausgehen,
daß jedes Schicksal, jedes Leben durch das sich Erleben eine Bereiche=
rung
für das Gesamtsystem darstellt, ergibt sich nur noch die Frage für
den Einzelnen, welche Aufgabe übernehme ich in diesem Gefüge, in =
diesem
kosmischen Tanz des Herrschergeistes.
Das Erkennen seines
persönlichen Lebensziels und Sinns, das Finden und Anerkennen seines
individuellen Schicksals soll die Aufgabe dieses Buches sein.
Es wird nicht, wie in
therapeutischen Konzepten oder religiösen Abhandlungen darum gehen, wie
werde ich glücklicher, wie erfolgreicher oder wie gesünder, sonde=
rn
nur um das Erkennen des eigenen Sinns und damit um die Erkenntnis des Lebens
selbst.
Das durch die Erkenntnis
„der“ Wirklichkeit“, man selber wirklicher und damit auth=
entischer
wird, was wiederum ein entspannteres Leben möglich macht, ja gar zu ei=
nem
Gefühl der Freude und des Glücks über seine eigene Existenz =
mit
sich bringt, ist dann wohl als angenehmer Nebeneffekt zu sehen. Aber es geht
eben nicht um das Thema, wie werde ich glücklicher, sondern wie werde =
ich
wirklicher.
So will ich an dieser Stelle
gleich hinzufügen, daß diese Thematik aus mir nicht durch
angelesenes Wissen in Erscheinung tritt, sondern als Erlebte und erlittene
Erfahrungen, dank vieler unterschiedlicher Tätigkeiten in meinem Leben=
, so
wie vieler Reisen und ungewöhnlicher Lebensweisen.
Ich habe keinerlei Ansprü=
che
auf akademische Richtigkeit meiner Behauptungen und Theorien, noch glaube i=
ch
an allgemeingültige Wahrheiten, was das Menschsein anbetrifft.
Ich glaube an die „ander=
en
Wirklichkeiten der Schamanen“ und damit auch an einen sich frei
entfaltenden Geist mit Milliardenhaften Möglichkeiten sich auszudehnen=
und
damit unser Menschsein zu bereichern.
Ich hoffe, daß die
Wortwerdung meiner Gedanken in so simpler Form stattfindet und meine
persönliche Erlebniswelt so lebendig einfließt, so daß jed=
er
einfache Geist das Gesagte verstehen kann und als spannend miterlebt.
Ich danke Ihnen als ein Bruder
oder Schwester in der Zeit, daß Sie an diesen Gedanken teilhaben woll=
en.
Paso de Lobo (Gang des Wolfes)
Das
Lebensabenteuer
Wenn
wir an das Licht denken, so denken wir an Feuer, Sonne, Glühbirne usw.=
Ich denke da aber auch an die
Geburt, an das ins Licht treten, an das reine Sein im Licht, aber auch an d=
as
Leuchten des Erkennens oder das innere Leuchten eines Erleuchteten.
Mir persönlich ist allerd=
ings
noch kein Erleuchteter begegnet, der mich dazu veranlaßt hätte, =
mich
in den Staub zu werfen. Ich gebe aber gerne zu, daß mich der Gedanke =
des
Erleuchteten, des Wunderheilers und des „Erretters“ immer
fasziniert hat. Besonders dann, wenn mein Leben mal wieder in einer Sackgas=
se
landete, aus der ich keinen Ausweg mehr sah. Zum Glück hatte ich da im=
mer
einen kleinen Mann oder Engel im Ohr, der mich darauf hinwies, daß die
schwarzen Seiten im Leben, zu den weißen Seiten gehören, da&szli=
g;
die Freuden sich mit dem Unglück abwechseln.
Dank diesem kleinen Mann im Oh=
r,
der für mich oft sehr präsent war und immer noch ist, mußte=
ich
nie in die Fallen der Illusionen stürzen, die sich in den Magiern der
heutigen Zeit zeigen. Die Magier von heute sind die Gurus, ob nun indische =
oder
amerikanische, sind die Therapeuten, die Heilswege für viel Geld anbie=
ten,
sowie die Kirchen als Institutionen ohne Gesichter.
Bevor man mich nun schläg=
t,
möchte ich diese Behauptung etwas abschwächen und nur dahingehend
geltend machen, daß ich damit einen Wahrheitsanspruch meine, einen He=
ilsweg
für alle, den es nicht geben kann. Ich hoffe, daß ich damit dem
Vorwurf des Ketzers knapp entkommen bin.
Auch ich möchte nicht ger=
ne
verbrannt werden!
Aber kommen wir zurück zu=
dem
Thema Licht.
Was uns vom Nicht-Geborenen Le=
ben
oder nicht existierenden Leben unterscheidet, ist, daß wir ins Licht
getreten sind, also sichtbar werden, für uns selbst, so wie für
andere durch unsere sogenannte Geburt.
Denken wir viele Gedanken,
sprechen wir sie aber nicht aus oder zeigen sie nicht, so kommen sie auch w=
eder
für uns, noch für andere ans Licht.
Wir wissen, daß wir jede
Nacht viele Träume haben, jedenfalls behauptet das die Wissenschaft. N=
ur
wie viele dieser Träume werden uns gewahr und wie wenige kommen tats&a=
uml;chlich
als Gelebtes und Erlebtes ans Licht? Wer lebt schon seine Träume? Wer =
spricht
schon seine Gedanken aus? Wer zeigt schon seine Gefühle?
Dürfen wir uns als ganze
Menschen überhaupt ans Licht bringen? Läßt das Kollektiv das
zu? Dürfen wir uns als ganze Persönlichkeit zeigen, als komplette
Wesenheit mit all unseren positiven und negativen Eigenschaften? Darf unser
Schicksalsweg, unser Karma ans Licht kommen, läßt die umgebene G=
esellschaftsform
uns als gesamte Erscheinung „in den Raum“ treten?
Was passiert, wenn wir nicht a=
ns
Licht und in den Raum treten dürfen, als diejenigen, die wir wirklich
sind? Da müssen wohl ganze Teile in uns im Dunkeln bleiben, dürfen
nicht geboren werden und dürfen damit auch nicht leben. Was passiert d=
ann
in solchen Gesellschaften, die systemgesteuert die Einzelindividuen
formatisieren, einzwängen in die Zwangsjacke einer staatsgesteuerten
Persönlichkeitsnorm?
Die in diesen Systemen lebenden
Wesenheiten dürfen nicht ans Licht treten, bleiben im Meer des
Unbewußten und reichern damit auch nicht das Leben als Gesamtheit an.=
Ich würde einfach mal
behaupten, das Leben wird dann langweilig oder aber die dunklen Seiten
drängen in unwirklichen und damit meist pervertierten Formen an die Ob=
erfläche.
Das passiert genau in
Industriestaaten mit institutionalisierten Sozialsystemen, weil ein
großes Menschen- und damit auch Seelenpotential für die
„großen“ materiellen Werke verbraucht werden muß. Da
tritt nicht mehr die einzelne Wesenheit ans Licht, sondern ein
Industrieprodukt, an dem viele mitwirken müssen.
Das heißt der Mensch opf=
ert
sein persönliches Schicksal, seine Träume, Gedanken und Gefü=
hle
für das materielle Werk der Allgemeinheit. Ans Licht tritt dann eben a=
ls
Output der neueste CD- Player, das glänzend lackierte Auto, oder von m=
ir
aus auch die Flugreise nach Thailand.
Das mag für mich soweit g=
anz
in Ordnung sein, denn ich habe mich ja frühzeitig ausgeklinkt. Der kle=
ine
Mann im Ohr sagte mir recht deutlich, das kannst Du nicht leisten. Ich taus=
che
nicht freiwillig ein koffeinhaltiges Getränk mit Kohlensäure, geg=
en
einen frischen Schluck Wasser aus dem glasklaren Bach und muß auch no=
ch
dafür Geldverdienen gehen und das auch noch in einem Job, den ich am
liebsten am Wochenende aus der Entfernung sehe. Für mich kam das Befre=
mden
der Situation oder einer falschen Illusion ans Licht.
Somit könnten wir das Wort
des Lichtes und ans Licht bringen auch mit dem Erkennen gleichsetzen. Denn =
wo
kein Licht ist, kann nichts gesehen werden, wo nichts gesehen wird, wird ni=
chts
erkannt, und wo nichts erkannt wird, erscheint es auch nicht im
Bewußtsein als Erkenntnis. Leider bleibt ohne Erkenntnis dann auch die
Wandlungsfähigkeit einer Situation aus.
Ohne Erkenntnis kann sich dann
weder die einzelne Persönlichkeit wandeln, noch eine Familie, noch eine
Sippe, geschweige denn ein Staat.
Nichtsdestotrotz kommt eine
Wandlung, wenn zu viele Dinge im Dunkeln bleiben. Wir wissen, daß uns=
er
physikalisches Raum- Zeit Kontinuum auf eine Dialektik angewiesen ist. Wird=
ein
Spannungsfeld überschritten, schlägt zu weit in die eine Richtung
aus, muß zwangsweise die konträre Kraft folgen, die für den
Ausgleich sorgt.
Das bedeutet gesellschaftlich:
bleibt zu viel im Dunklen, wird das System vom Lichten übernommen, fal=
sche
bzw. dunkle Denkstrukturen werden fallen und durch lichtere ersetzt. Deutli=
cher
gesagt: machen Sie sich nichts draus, wenn sie sich jetzt entfremdet und ni=
cht
ihrem persönlichen Schicksal lebend fühlen, die Zeiten werden sich
ändern, weil nicht nur wir als Menschen leben, sondern das gesamte Sys=
tem
in Bewegung und damit am leben ist.
Als Jetzt- Persönlichkeit
dürfen sie aber keine schnelle Veränderung erwarten, denn
Zeitrhythmen laufen verschieden und Gesellschaftsstrukturen brauchen in der
Regel ein paar Hundert Jahre.
Und dennoch können Sie
für sich persönlich etwas tun, was sie neben Ihrem Beruf befriedi=
gen
könnte, außerhalb der üblichen Freizeitgestaltung. Sie
können im Rahmen einer dunklen, die Wahrheit verdrängenden,
Gesellschaft Ihr persönliches Licht suchen und eine etwas im auß=
en
stehende persönliche Lebenswahrheit leben. Nur gehen sie damit das Opf=
er
ein, Ihr Licht für sich selbst genießen zu müssen. Die Umge=
bung
wird Sie dafür nicht wertschätzen, denn die will Sie ja im Kreis =
der
Nicht-Erkennenden einreihen. Das Dunkle liebt das Helle, aber nur als Spann=
ungszustand,
als die Freude am Kampf, als Potentialausgleich, um überhaupt existier=
en
zu können.
Ähnliches, was das Licht
anbetrifft, hörte ich in meiner Schulzeit in der Physik.
Licht bzw. Photonen werden nur
frei, durch den Sprung der Elektronen von einer Bahn auf eine andere.
Licht ist also auch ein Zustand
der Wandlung, sowie das ins Licht treten durch die Geburt schon andeutet.
Im übrigen weisen Berichte
von fast Verstorbenen bzw. klinisch toten Personen in ihren Todeszustä=
nden
und Wahrnehmungen wiederum auf das Licht hin. Da wird von Lichttunneln und
Lichterscheinungen geredet, von lichten Engelswesen und ähnlichem. Der=
Tot
ist wiederum ein Quantensprung, eine Geburt in einen anderen Zustand oder w=
ie
ein bekannter Astrologe so schön sagte, der Tot ist eine Art Umzug,
ein Milieuwechsel.
Wider der christlichen Auffass=
ung hat
da der Tot nichts mit dem Dunklen zu tun, sondern eher mit dem Aufsteigen in
das lichtere himmlische Gefüge. Da verbindet sich die Seele wieder mit=
dem
großen Geist, mit dem Unikum, dem Universum, mit Gott, mit der Einhei=
t.
Da hat dann das Licht nichts mehr mit einem materiellen Raum- Zeit Gefü=
;ge
und Polaritäten zu tun. Da gibt es weder Dunkel noch Hell, sondern das
reine nicht wertende Sein.
Kein Wunder das die Geburt etw=
as
mit Schmerz zu tun hat und der Tot auch. Es hat immer etwas mit dem Abschie=
dsschmerz
zu tun, weil wir uns auf dem Wege befinden von einer Dimension in die ander=
e.
Verlassen wir die Einheit in unserem „göttlichen“ oder
kosmischen oder ozeanischen Gefüge und treten ein in ein Gefüge d=
er
Vereinzelung, als Einzelwesen, erleiden wir den Wechsel, treten wir wieder
daraus heraus, erleiden wir wiederum eine Wandlung und durchleiden den Scho=
ck
einer Geburt.
Merkwürdigerweise erfreuen
wir uns jedoch an dem Zeugungsakt, der als kleiner Tod (Orgasmus) bekannt i=
st.
Ich habe jedoch diesen Zeugungsakt persönlich schon einmal als eine se=
hr
beängstigende mich in der Einheit in dem Partner selbst verlierende
Wesenheit erlebt. Da blieb mir plötzlich die Luft weg, sprich mein
Atmungssystem hat seinen natürlichen Automatismus aufgegeben, so da&sz=
lig;
ich schockartig, nach Atem ringend auf einem Bauch aufwachte, der nicht mei=
ner
war, und nicht mehr wußte, wer ich bin. Das nennt man dann wohl
vorübergehender Egotod. Ich konnte mich jedoch noch sehr genau an einen
Zustand von universeller Einheit erinnern. Zugegeben, dieses phantastische
Erlebnis tauchte bisher in diesem Zusammenhang nur einmal in meinem gesamte=
n 50
jährigen Leben auf.
Da gab es jedoch noch andere
lichte Erlebnisse, die im Zusammenhang mit der Sexualität nichts zu tun
hatten.
Sicher ist jedoch, daß d=
ie
Sexualität sehr viel mit der Suche nach der Einheit, Ganzheit und damit
etwas mit dem Erkennen unseres wahren Seins im „himmlischen“ Si=
nne
zu tun hat, vorausgesetzt, daß wir es mit dem Gefühl der Liebe
koppeln. Rein organisch betrachtet und unterkörpermäßig gel=
ebt
und gesteuert, bleibt der Sexualakt wohl eher dem Dunklen zugeordnet. Das h=
at
aber jetzt mit Moralvorstellungen und Ehe nichts zu tun. Liebe kann nicht
institutionalisiert werden, lebt sich als Kraft der Einheit zugewendet und =
hat
damit seine vollkommen eigenen Gesetzmäßigkeiten unabhängig
aller Glaubenssätze und gesellschaftlichen Vorstellungswelten.
Hell wird auch dann meine
Bewußtwerdung, wenn ich deutlich zwischen meiner Körperlichkeit =
als
nackter Affe und der von ihm übernommenen Seeleneinheit unterscheiden
lerne. Graf Dürckheim schreibt da sehr schön etwas vom doppelten
Ursprung des Menschen. Lernen wir zu unterscheiden zwischen unserer
körperlichen Erscheinung, die ja von mir aus auch gerne Darwinistischen
Gesetzmäßigkeiten unterliegen und dem Alien , Seele, die vollkom=
men
andere Interessen vertritt, so könnte man fast von einer schizophrenen
Struktur des Menschen ausgehen. Und diese Struktur ist tatsächlich
gespalten.
Nur ist sie eben in Erscheinung
getreten, als das was sie ist und sollte deswegen nicht weiter von uns bewe=
rtet
werden.
Wenn eine Erscheinung, ob nun
schizophren oder als reine Form, wie das in der Mineralwelt auftritt, ans L=
icht
kommt, so sollten wir es in erster Linie erst mal annehmen lernen, Ja, dazu
sagen und es bestaunen.
Das Gleiche sollte für al=
le
Erscheinungen unserer persönlichen Umwelt gelten. Aber vergessen wir
nicht, das Erscheinungen, obwohl sie „scheinen“, also wieder mal
erhellt sind, doch nur ein Schein sind.
In der Identifikation mit dies=
en
von uns außen liegenden Erscheinungen, sprich Umwelt, verfallen wir in
die Illusion einer Wirklichkeit, die es zwar für uns persönlich g=
eben
mag, aber mit „Der Wirklichkeit“ rein gar nichts zu tun hat. Er=
scheinungen
sind die Kulisse unseres „Da-seins“.
Was bleibt ist unser Sein.
Mehr nicht.
Damit dürfen wir uns jedo=
ch
in die Form, oder als Erscheinung des nackten Affen verpackt, ein Lebenszyk=
lus
lang erfreuen oder erleiden. Je nach dem?
Das Erfreuen kommt über d=
as
Erkennen der Wirklichkeit unseres Seins, das Erleiden kommt über das n=
icht
hinsehen wollen, was unser Lebensweg uns eigentlich ins Ohr flüstern w=
ill.
Die Erleuchtung unseres Wesens=
ist
das Erkennen unseres Schicksalsweges, sozusagen unseres Abenteuers Leben, w=
obei
es aber wohl im irdischen häufig beim ahnen bleiben muß.
Nur wenige von uns in Raum und
Zeit erreichen die Demut, die Bescheidenheit und den festen Glauben, Illusi=
onen
abzuschwören, um als Heilige und wahre Erleuchtete aufzusteigen. Dies =
ist
und soll wohl auch nicht der Plan des Lebens sein. Denn wenn jeder mit
sogenannten „Lichtnahrungsprozessen“ ala einer Jasmuheen in eine
andere Bewußtseinsdimension aufstiege, würden wir das Leben und
damit unsere persönliche Erlebniswelt und unser Schicksal betrüge=
n.
Es gäbe nichts mehr zu leben und erleben. Das Ganze gilt auch für=
den
Betrugsversuch anderer sogenannter Therapeuten, die sich selbst und andere
einreden wollen mit einer Rebirting- Atemtherapie z.B. in Verbindung mit ei=
nem
Kurs über Reichtumsbewußtsein könnte man seinem Lebensabent=
euer
entfliehen und als Armer plötzlich reich werden. Sicher, die Kursleiter
verdienen ein nettes Sümmchen dabei, aber außer dem Gelde werden
weder Kursleiter noch Seminarteilnehmer klüger, welches eigentlich ihre
wahre Aufgabe im Leben darstellt.
Das Lichte ist und bleibt immer
das Erkennen und Anerkennen dessen was ist, nie aber was sein könnte,
wäre man ein anderer.
Hilft ein Mensch einem anderen,
auch wenn er sich Therapeut, Priester oder Guru nennt und in Erscheinung tr=
itt
mit Liebe in seinem inneren Wesen als „Orientierer“ einem ander=
en
Menschen zu erkennen, wer er ist und nicht, wer er sein könnte, wenn
....., dann ist er ein guter Mensch und bereichert das Lichte. Er wird dann
weder seine Therapiemethode als einzigartig in den Himmel heben, noch wird =
er
es der Bereicherung wegen tun, sondern als Freund und Begleiter, des Intere=
sses
am Lichten tun.
Insofern bleibt die Liebe die
Antriebsenergie des Lichten, denn die Liebe ist unser gemeinsamer Ursprung =
aus
dem „All-Einen“.
Aus der Liebe heraus kommt das
Erkennen und aus dem Erkennen heraus kommt die Liebe.
Wobei die Liebe rein gar nichts
mit lieb sein zu tun hat.
Erlebniswelten und Erkenntnis
können sehr hart sein.
Schuld auf sich zu laden und es
für andere zu übernehmen ist ein schweres Brot, Täter zu wer=
den
und Opfer zu hinterlassen bringt keine Freude, sich zu opfern, damit andere=
leben
können, bringt Leiden und Märtyrertum, intensives Lieben ohne etw=
as
zu verlangen, bringt Stärke, bittere Armut zu ertragen, bringt
Zähigkeit usw.
Nur was bringt Ignoranz und
Bequemlichkeit? Bringt es das Erkennen, bringt es Kraft oder bringt es die
Nähe von Liebe und Mitgefühl?
Mir ist ein gewiefter
Betrüger in all seinen Gemeinheiten lieber, als ein Mensch, der sich in
seinem inneren Todsein bequem bei Kartoffelchips im Fernsehsessel zurü=
cklehnt
und über die selbst nicht gelebten Gemeinheiten dieser Welt redet und
dabei gähnt oder urteilt.
Er wird nie eine Selbstachtung,
innere Würde und Ehre verspüren können, so lange er die Welt
nicht in Erlebnissen spürt. Zum Erleben gehört ein Körper un=
d damit
eine Seelen- und Körpererfahrung in gemeinsamen Tanz.
Nur welches unsere Rolle in di=
eser
Zeit und in diesem Leben sein mag, ist eine harte Suche und manchmal ein la=
nger
Weg vieler Jahre der Mißverständnisse. Nehmen wir uns immer wied=
er
einmal die Zeit zu schauen, was wir denn da eigentlich taten und immer noch
tun, so kommen wir unserem persönlichen Geheimnis näher. Erreichen
wir dann einen Punkt in unserem Lebensweg, der eine klare Veränderung
einfordert, sollten wir sehr, sehr aufmerksam sein und eventuell gute Ratge=
ber
hinzuziehen, die unparteiisches Sehen eingeübt haben. Erkennen wir ein=
en
roten Pfaden in unseren vergangenen Aktionen und Wiederholungen, die uns Fr=
eude
und Leid brachten, sollten wir beginnen, von leidvollen Aktionen Abstand zu
nehmen. Tun wir es nicht, folgt der Kreislauf des Leids. Dies geschieht dan=
n in
unterschiedlicher Form und Mechanismen. Ein Unfall oder eine Krankheit ist =
immer
ein Zufall. Nur verstehen sie den Zufall aus einer Ordnung heraus. Ihnen
fällt etwas zu. Sie bekommen das, was Sie verdient haben. Verdienen ko=
mmt
vom Dienen.
Der Kraft, der Sie dienen, ist
auch die Kraft, die Sie bedient. Dienen Sie der Freude, bedient Sie auch die
Freude usw.
Dennoch gibt es einen Faktor, =
der
Ihnen das Gruseln lernen kann. Es ist der Schicksalsfaktor.
Das höchste Gesetz, ist d=
em
Gesamtgefüge zu dienen, in dem Sie ein Muster darstellen. Nehmen Sie I=
hr
Schicksal an, kommt Ihnen das Gefüge entgegen, verweigern Sie sich Ihr=
en
Anlagen, schlägt das Schicksal zu. Schicksalsschläge sind immer
leidvoll, drum wünsche ich Ihnen, zu Erkennen und Licht in Ihr Leben zu
bringen.
Bauen Sie Ihr Leben nach dem
Prinzip der Selbstverwirklichung nach dem egoistisch therapeutischen Grunds=
atz
des sich Durchsetzens auf, machen Sie einen Riesenfehler. Sie werden immer =
nur
das Durchsetzen können, was Ihren Anlagen entspricht und das mit Freud=
en.
Wollen Sie das durchsetzen, was Ihre Umwelt als Überzeugung Ihnen einr=
eden
mag, leben Sie in einer Fremdüberzeugung, die Ihrem Wesen nicht
entspricht. Die Zeugung sind Sie, die Überzeugung ist das Außen.=
Entscheiden
Sie sich, ob Sie ein Schauspieler in einem Film eines Anderen leben wollen,=
ohne
Ihre Marionettenfunktion zu spüren, oder ob Sie sich Selbst spielen wo=
llen,
auf dem Parkett, daß Sie selbst schufen. Tun Sie letzteres, könn=
en
Sie viele unterschiedliche Filme inszenieren und wechseln Kulissen, wie es
Ihnen beliebt. Leben Sie als Marionette, verlieren Sie den Überblick u=
nd
ahnen nur noch im Unbewußten, was das Ihre ist.
Aber glauben Sie niemanden, der
Ihnen sagt, Sie könnten mit genügend Bewußtsein alles tun u=
nd
bietet Ihnen diesen Bewußtseinskurs an. Es ist eine Lüge. Sie
können immer nur das tun, was das Gefüge für Sie vorsieht. D=
as
Gefüge ist das Gesamtsystem des Lebens überhaupt, was gewöhn=
lich
als Gott bezeichnet wird. Das Gefüge hat eine klare Ordnung und brauch=
t im
Raum-Zeit Kontinuum eine Dialektik, eine Polarität, ein Spannungsfeld,=
um überhaupt
Leben hervorzubringen.
Wenn Sie ein Plusteil sind,
können Sie aus sich selbst heraus kein Minus herstellen. Versuchen Sie=
es
dennoch, werden Sie aus dem System eliminiert. Dies geschieht nicht nur mit
Ihnen als Einzelperson, sondern ganzen Gesellschaften im Kollektiv. Wird das
Kollektiv unbrauchbar, weil es sich seiner vorgesehenen Rolle durch falsche
Vorstellungen entzieht, wird es vom Plan gerufen.
Wie der Mechanismus funktionie=
rt,
können wir tagtäglich in unserem persönlichen Leben beobacht=
en,
wenn unser Blick dafür geschult wird. Und das werden Sie später
erfahren.
Seien Sie mir nicht böse,
wenn meine Worte manchmal sehr sarkastisch oder unangenehm scharf klingen.
Meine Aufgabe ist Klarheit aufzuzeigen und dort zu Erhellen, wo Dinge im
Dunklen bleiben wollen. Drum bin ich genötigt, oft bissig zu werden, w=
ie
es der Strahl einer grellen Taschenlampe auf die Augen eines im Dunklen
Wandernden erscheinen mag. Dennoch verspüre ich tief im Innern eine Li=
ebe
zu jedem Wesen, weil ich immer versuchte, Leid nachzuvollziehen. Jedoch
sind einem jeden Menschen Gre=
nzen
gesetzt. Oft noch läuft mir ein kalter Schauer über den Rück=
en,
wenn ich viel Unverständnis und Ignoranz in der Welt wahrnehme. Aber i=
ch
fühle mich der Welt verbunden, drum ist sie mir nicht gleichgülti=
g.
Es gilt mir immer noch nicht alles gleich, aber ich kann ungleiches gut neb=
eneinander
stehen lassen. Ich meine nicht, das arm zu reich werden soll und schwarz zu
weiß, aber mich gruselt, wenn Schwarz meint, es wäre weiß,
oder Profilierung meint, es wäre bescheiden, oder Frau meint, es w&aum=
l;re
Mann. Dann verdreht sich die Welt und bekommt einen ungesunden Aspekt.
Wenn wir gemeinsam Licht in ge=
rade
dunkle Teile der Welt bringen, in Teilen, die von sich selbst meinen sie
wären reich, weil sie Geld hätten, aber Liebe verloren, könn=
en
wir etwas Heilen, was sich lohnt zu heilen. Ich denke an den Forschergeist,=
der
vielen Neugierigen , die die Natur verstehen wollen, an den Erfindungsgeist
vieler Techniker und Ingeniere, die phantastische Dinge entwickelten, aber =
ich
denke auch an Diejenigen, die in ihrer besessenen todkranken Gier versuchen,
andere zu übervorteilen. Seid langem fällt mir schon auf, da&szli=
g;
wirklich bahnbrechende Dinge nicht mehr entdeckt werden, daß das
große Abenteuer der Raumfahrt mehr aus Schau und Betrug besteht, als =
aus
seriösem Voranschreiten, ich sehe das die große deutsche
Herausforderung eines auf Induktionsschleifen aufgebauten Transportmittels,
namens Transrapid, aus imperialistischen Größenwahn an Geldmitte=
ln
scheitert und ich sehe auch, daß alle wegen einer Rezession jammern, =
die
durch ein verdrehtes Weltbild erst zustande kam. Doch scheint man scheinbar=
nur
Licht in ein Lebenssystem zu bringen, wenn es erst schmerzhaft spürbar
wird. Im Leben ist es eine Krankheit wie Krebs, in Staatsystemen eine Krank=
heit
, wie Krieg oder Pleite.
Aber glauben Sie nicht, da&szl=
ig;
sich nur ein Fuchs, Vogel oder Baum um unsere Belange kümmern werden. =
Die
anderen Arten werden weiter grenzüberschreitend ihre Lebensfreude kund=
tun,
denn sie wissen, wer sie sind. Ein Fuchs glaubt bestimmt nicht, er wäre
ein Vogel, und ein Baum wird sich hüten, wie ein Vogel fliegen zu woll=
en.
Begreifen wir, wer wir sind, gibt es keine Rezession und Kriege, höchs=
tens
mal ein paar Hungerzeiten und kleine Scharmützel.
Wenn ich ein Buch lese,
interessiere ich mich für den Inhalt. Spricht der Inhalt mich an,
fühle mich von ihm verstanden bzw. verstehe ihn, weckt der
dahinterstehende Geist mein Interesse. Der dahinterstehende Geist zeigt sic=
h aber
als Mensch aus Fleisch und Blut, mit seinem persönlichen Leid und Freu=
de,
Erfahrungen und Geschichte, mit einem Schicksal.
Also will ich etwas erfahren v=
on
diesem Menschen. Wenn nun auf dem Buchdeckel nur ein Geburtsdatum und f&uum=
l;nf
Schlagwörter seines beruflichen Werdegangs stehen, empfinde ich es als
enttäuschend. Fast würde ich sagen, ich fühle mich
getäuscht. Der dahinterstehende Geist wird zu einem Phantom, bekommt k=
ein
Gesicht und damit auch keine Substanz.
Das Thema eines Schicksalsfakt=
ors
und die Erforschung des Geheimnisses des Lebens ist aber ein Gemeinsames zw=
ischen
Leser und Schreiber. Es ist eine Interaktion, eine gemeinsame Reise, die wir
zusammen antreten.
Wenn ich mir Sie, lieber Leser,
als Menschenwesen vorstelle, der mit mir an diesem Thema teilhat, dann sind=
sie
eben mit in der Geschichte. Sie sind ein Teil davon, weil Sie an meinen
Gedanken teil-nehmen. Ohne Sie würde es doch sinnlos sein, überha=
upt
ein Buch zu schreiben. Da könnte ich mir ja alleine meine Gedanken mac=
hen
und sie an mir vorbeirauschen lassen. Aber gerade durch Ihre Anteilnahme
realisiert und damit auch materialisiert sich ja dieses Ding, was Sie gerad=
e in
den Händen halten, mit Ihren Augen wahrnehmen und sich Buch nennt.
Ich, als der Schreiber bin zwar
nicht das Holz, was in dem Papier verarbeitet ist, ich bin auch nicht die
Druckertinte, die diese netten Symbole, die sich Buchstaben nennen, sichtbar
macht, aber ich bin der Geist, der diese netten kleinen Symbole in der Form
aneinanderfügt, so daß Ihr Geist sie aufnehmen und verarbeiten k=
ann.
Somit glaube ich, daß es=
Ihr
gutes Recht ist, den dahinterstehenden Geist eines Schriftstückes
substantiell kennenzulernen, ihn in den Bereich der Wahrnehmbarkeit zu
rücken, ihn anfaßbar werden zu lassen.
Ich, als Derjenige, der sich I=
hnen
mit-teilt, habe da schon ein größeres Problem. Ich kann Sie mir
jetzt als ein großes Publikum, also als eine unfaßbare Masse oh=
ne
Identität vorstellen, oder aber als eine kleine, vielleicht 6-köp=
fige
Gruppe in einem gemütlichen Blockhaus vor einem offenen Kamin, oder al=
s Einzelperson
mir in einem Sessel gegenübersitzend.
Sind Sie eine fremde Masse, si=
nd
Sie eine Vielzahl von Personen, die mir bekannt sind, sind Sie meine Familie
oder Sippe, sind Sie meine Kinder, denen ich meine Erfahrungen mitteile?
Für mein persönliches
Grundgefühl werden Sie am ehesten ein Bruder oder Schwester in einer
gemeinsamen aber an unterschiedlichen Orten durchlebten Lebenszeit im Rahmen
einer Familie um ein Lagerfeuer geschart sein. Dieser Rahmen entspricht am
ehesten meinem archetypischen Bild von Kommunikation und Miteinander. Der u=
mgebende
Wald schützt uns und gibt uns Feuerholz, ein rauschender Gebirgsbach im
fernen Hintergrund und eine kleine gurgelnde Quelle nahe bei uns, sowie das
Knistern des Feuers gibt uns die Begleitmusik. Ein klarer mondloser tiefsch=
warzer
Sternenhimmel unter dem Kreuz des Südens macht uns unsere Winzigkeit a=
ls
Einzelwesen deutlich und läßt uns die Unendlichkeit von Raum und
Zeit fühlen. Wir sind als kleine Gruppe Eins, verbrüdert, auf ein=
em
gemeinsamen Boot in einem gemeinsamen Zeitabschnitt. Wir haben uns getroffe=
n,
nach langer Zeit wiedergefunden und berichten nun über unser Abenteuer
„Leben“, unsere Erfahrungen, unsere Visionen, unsere Gedanken u=
nd
unsere Entscheidungen für unser Leben.
So und nicht anders muß =
es
für mich als Schreiber sein. Ich habe ein tiefes Urvertrauen zu Ihnen,=
als
einen Teil in mir und außerhalb von mir, damit ich mein Inneres nach
außen kehren kann und das Äußere zu meinem Inneren.
Und da gibt es noch etwas.
Manche von Ihnen sitzen
merkwürdigerweise mit Bügelfaltenanzügen da, andere mit grel=
ler
Modekleidung, andere mit blütenweißen indischen Saris, andere mit
einem Overall, eine meiner Schwestern hat diese modischen Stöckelschuh=
e an
den Füßen und einer ist zerlumpt und dreckig. Und doch ist jeder
gekommen, dem anderen zuzuhören, ihn in seinem Dasein zu respektieren =
und
ihn als Geschwister anzunehmen. Jeder hat auf seiner persönlichen Reise
durch „seine“ Welt und „seine“ Wirklichkeit etwas
vollkommen anderes erfahren, keiner ist mehr so wie der andere und doch gib=
t es
die Gemeinsamkeit einer Familie und Sippe: Wir alle verstehen eine gemeinsa=
me
Sprache und sind alle gemeinsam bereit, dem anderen zuzuhören.
Alle haben wir unendlich viel =
Zeit
für diese Zusammenkunft, niemand wird uns stören können, weil
unser Zusammensein außerhalb der Zeit und damit außerhalb aller
geprägten Vorstellungswelten des persönlichen Alltags liegen.
Dies ist meine Vision von Ihnen
als Leser, Bruder in der Zeit!
Ich erwarte nicht, daß s=
ie
mich verstehen werden in all meinen Gedankengängen, ich erhoffe mir au=
ch
nicht, daß wir nach dieser Zusammenkunft eine Einheitskleidung tragen
werden, aber ich glaube im tiefsten Herzen daran, daß wir etwas
voneinander über unser Lebensabenteuer gelernt haben.
Nehmen wir uns die Zeit, die A=
ugen
für die unendliche Vielfältigkeit des Lebens zu öffnen, in
unseren Schwestern und Brüdern, in den Pflanzen und Tieren, in unseren
Flüssen und Bergen, werden wir begriffen haben, wozu der
„große Geist“ den Schicksalsfaktor erfunden hat. Wir werd=
en
begreifen, woher wir kamen, wohin wir gehen und wozu wir uns verkleiden, ja
maskieren müssen und warum wir auf dem Weg leiden müssen.
Unendliche Weite und unendliche
Zeiten umgeben mich, frei schwebend im Nichts und doch den Lebensplan als e=
ine
Ahnung in mir begleiten mich. Ich habe vergessen, woher ich kam und wei&szl=
ig;
auch noch nicht wohin die Reise geht, aber spüre, daß ich geschi=
ckt
werde von einem Etwas, was keinen Namen hat und damit nicht aussprechbar is=
t.
Ich denke nicht, sondern spüre nur ein Geschehen. Da ist nur ein Lausc=
hen
auf etwas, aber ein inneres Lauschen, was keiner Ohren bedarf. Die Buddhist=
en
sagen dazu, es wäre ein tiefes Brummen und Schwingen, daß sie da=
nn
als Om ... benennen. Ich kann es noch nicht ein mal als Om identifizieren, =
weil
es noch gar kein Identifizieren gibt. Wenn ich nicht bin, gibt es auch kein
Ich, wenn es kein Ich gibt, gibt es auch kein Om.
Und dennoch gibt es mich als
Einheit in einer Einheit, daß man vielleicht als allumfassendes und
allgegenwärtiges Einssein umschreiben könnte.
Die =
Ahnung
geht auf die Suche,
doch=
sie
kennt kein Ziel,
befi=
ndet
sich auf einem Wege
und =
hat
doch keinen Willen.
Die =
Ahnung
nimmt alles in Allem wahr,
doch=
sie
braucht kein Wissen,
sie
erkennt alles Sein
und =
doch
ist selbst kein Sein.
Sie =
schaut
sich um, im Unendlichen sein,
hat =
keine
Augen und ist doch Allwissend.
Ich =
bin
eins in Gott und habe Dich dennoch verloren,
weil=
leben
als Gott, kann ich mich nur leben in einem Wesen, brauche Grenzen in meiner
allumfassenden Größe,
um m=
ich
selbst zu betrachten, um mich selbst zu fühlen,
um zu
erkennen mein Wesen.
Darum
opfere ich mich für die unendliche Größe,
die =
in mir
wohnt und gebe mir Blöße,
teil=
e mich
auf in das Kleine, in Grenzen,
auf =
das
ich durchs Leben erfahre das Außen.
Denn=
bin
ich nur Innen, werde ich nicht zum Sein,
erst=
das
Außen gibt mir Entrinnen, gibt mir Raum und Hiersein. Doch die Zeit g=
ibt
mir Ursprung,
die
Spaltung gibt Kraft,
mu&s=
zlig;
aber vergessen die Einheit
und =
mich
fügen der Macht,
doch=
die
Allmacht bleibt Liebe,
in m=
einem
himmlischen Gefüge,
kehr=
e ich
zurück aus dem unendlichen Lauf,
blei=
bt die
Erfahrung, das Kreisen, der Raum.
Lebe=
n ist
Spannung, Spaltung und Grauen,
doch=
ohne
Leben bleibe ich in fernen Auen,
kann=
nicht
fühlen, nicht sehen, nicht hören, nicht schmecken, verliere mich =
in
unendlichen Strecken.
Doch
da ist etwas ganz plötzlich um mich, etwas Greifbares, etwas
Hörbares.
Kurz, ich bin geboren als Mens=
ch
in Deutschland Berlin, Spandau an den Flüssen Havel und Spree, am 22.
April 1953 um 17.36 Uhr.
Meine Umgebung ist nicht gerade
das, was ich mir so darunter vorgestellt habe. Irgendwie scheinen diese Wes=
enheiten
um mich herum vergessen zu haben, was ich eigentlich als dieser Organismus,
Mensch, brauchte. Als ob der Schock des Ursprungs, und das war ja wirklich =
ein
heftiger Sprung in die Zeit, nicht reicht, behandelt man mich als ein Tier,=
welches
das Muttertier nicht wärmen oder säugen darf. Dabei steht in mein=
er
Körperahnung doch klar geschrieben, ich habe ein Anrecht auf Wärm=
e,
Nahrung und allgemeiner Gemütlichkeit. Statt dessen werde ich in einem
Rhythmus, der nicht in meinem inneren Plan geschrieben steht, genährt =
und
erhalte einen mich wärmenden Körper, der mir sehr bekannt ist. Den
Körper nennt man hier Mutter, den Rhythmus Uhr. Es gefällt mir hi=
er
gar nicht, ich will wieder zurück in den Mutter-Körper, nein bess=
er
zurück in das Einssein. Aber die Wahl ist getroffen, der Rückweg
versperrt. So ein Mist, da kann man doch nur wütend werden und sich die
Seele aus dem Hals schreien, bis man letztendlich in ohnmächtige Trauer
fällt und wieder abtaucht ins Träumen über die allumfassende
Liebe und Einheit des Nicht- Seins. Und doch wird da etwas anderes
spürbar, es ist Haß und Ärger auf das, was mich umgibt. Er
prägt sich ein und prägt mich, als eine Art Empfangsmusik. Kein
schöner Klang, zugegebenermaßen, aber es ist etwas, was ist, was
bestand hat. Außerdem ist da auch noch etwas anderes, was ich schon v=
or
dieser schrecklichen Zeit des selbst atmen Müssens empfand. Es ist die=
ser
Körper, in dem ich wohne, der wuchs, sich langsam ausbreitete und eine
seltsame Form annahm. Das ist doch wenigstens was, oder.
Ich bin!
Ich bin da, jetzt und hier!
Das Jetzt ist da merkwürd=
ig
aufgeteilt. Die messen das alle in Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen, Monat=
en
und Jahren. Weil sie das alle selber nicht so recht begreifen und auch gar
nicht als Wirklich spüren können, haben sie da so ein komisches D=
ing
an dem einen Extremität, was sie Uhr nennen, auf das sie immer wieder
eilig drauf starren und danach eine erkennende verstehende Miene im Gesicht
zeigen, so, als würde ihnen dieses Ding, namens Uhr, ihnen etwas neues
sagen. Sie scheinen dieses Ding auf jeden Fall sehr interessant zu finden, =
aber
manchmal erscheint es auch, als würden sie, wie so leblose Körper
danach funktionieren.
Irgendwie werde ich das
Gefühl nicht los, als sei dieses Ding der größte Feind mein=
es
Jetztdaseins. Der Körper, den sie meine Mutter nennen, reagiert und
funktioniert nach dem gleichen Rhythmus, wie der Körper, der hier Kran=
kenschwester
genannt wird. Das kann doch eigentlich nicht sein und erscheint mir recht
ungesund. Meine Mutter ist doch nicht die Krankenschwester und umgekehrt. D=
ie
Krankenschwester ist noch nicht mal eine Schwester von meiner Mutter und be=
stimmt
darüber, wie oft ich Wärme und die warme Flüssigkeit haben d=
arf,
die mich noch mit dem Einssein verbindet. Ich glaube, die wollen mich hier
nicht haben, ich soll wieder gehen, irgend woanders hin. Ein merkwürdi=
ges
Theaterspiel, eine merkwürdige, irgendwie ungesunde Kulisse und welche
Rolle soll ich hier spielen?
Wer sind die überhaupt,
daß sie mich so wenig achten, der ich doch gerade hier angekommen bin=
. Da
hatte ich nun schon den Mut, den unendlichen Raum zu verlassen und etwas
für das Ganze beizusteuern und werde nun so blöd empfangen.
Irgend wie Scheiße, das
Ganze.
Und wieder spüre ich in m=
ir
etwas Neues, was mir zwar nicht im Einklang mit diesem Lebenskörper
erscheint, aber dennoch ist. Es ist der Trotz und das Zurückziehen. Und
wieder spüre ich: Ich bin!
Nur diesmal bin ich mit Wut und
Trotz und Unverständnis und Sehnsucht nach der verlorenen Einheit. Der
Sprung aus der Unendlichkeit in eine Greifbarkeit ist gelungen. Ob da nun e=
in
Begreifen daraus wird, bleibt erst noch dahingestellt.
Was ich sagen wollte, ist, mein
Start ins Leben war für mich als organisches, sich immer noch an eine
Einheit klammerndes Lebewesen nicht gerade das war, was man sich als harmon=
ischen
Klang vorstellt. Was ich auch bis heute nicht recht verstehen kann, ist,
daß ein Menschenkind in einem Haus das erste Licht der Welt, also ein=
er
vollkommen neuen Dimension, erblicken soll, was sich Krankenhaus nennt. Eine
Geburt hat ja wohl mit Krankheit gar nichts zu tun, es sei denn, man bezeic=
hnet
das Neugeborene als eine Art von Virus, welches lieber in Isolation vor ein=
er
heilen und sauberen Welt isoliert werden sollte.
Und da fängt eben schon m=
al
die Distanzierung zwischen außen und innen an. Und das sind die ersten
Prägungen in einer neuen Welt. Kein Hund und keine Katze muß die=
se
Entfremdung erdulden, denn sie werden ja nur als Tiere von uns gesehen, also
als etwas, was unter uns steht, unter unserer Würde ist und damit als
Anderheit in der Welt unseres Erlebens ausgegrenzt wird. Jeder Mikroorganis=
mus,
jede Art von „Schmutz“ wird ausgegrenzt, um dem ach so geheilig=
ten
Menschen eine garantierte Gesundheit zu geben.
Dies folgte dann als
Erfahrungsbilder in meinem Heranwachsen in einer Stadtgesellschaft, die sich
von der Natur isolierte und anderes Leben nicht mehr herein lassen wollte. =
„Mach Dich nicht dreckig,
Junge!“, ist einer der typisch mütterlichen Besorgnisse.
„Paß doch auf, wo =
Du
hin trittst“, heißt es, wenn man mal hin fiel und sich einen
blutigen Ratscher am Arm holte.
„Kannst Du nicht einmal
pünktlich nach hause kommen“, schrie es mir entgegen, wenn das E=
ssen
mal wieder kalt war, was mich eigentlich als Kind nicht weiter störte.=
„Mußt Du immer so =
laut
sein“, heißt es, wenn ich mal vor Freude oder Schmerz schrie.
Kritik und Begrenzungen fanden
sich tagtäglich in meinem Lebensgefüge, was die Großen
Erziehung nannten.
Schuld war immer und fortlaufe=
nd
mein Begleiter, Hunger jedoch nie. Mütterliche Wärme wurden im La=
ufe
des Aufwachsens immer seltener, väterliche Wärme waren tabu. Ein
Vater ist die absolute Macht, der Herrscher, aber nicht wirklich greifbar, =
weil
distanziert und kalt. Ich war ja nicht doof, als kleiner Steppke, und konnt=
e ja
noch wesentlich besser hinter die Dinge sehen, als die Großen. So sah=
ich
schon die künstlich zurückgenommenen Gefühle meines Vaters, =
der
tagein tagaus aus dem Haus ging und mit schlechter Laune wieder
zurückkehrte. Was dieser große Mann machte, machte ihm
offensichtlich keinen Spaß. Er sagte immer, ich muß es machen, =
um
Brötchen zu verdienen.
Ich bin ein Junge und werde
später mal ein Mann und das was Männer machen, wenn sie aus dem H=
aus
gehen, macht keinen Spaß und sie kommen unglücklich nach hause. =
Das
merkte ich mir! Das war eine Prägung.
„Geld verdienen macht ke=
inen
Spaß und ist mit entfremdeter Mühsal verbunden und Geld ist immer
knapp“, also muß es wenig Geld geben und das männliche Leb=
en
dreht sich um Geld und Mühsal. Ich lernte eine ganze Menge dazu, nicht
wahr!
Dann die fehlende Anwesenheit =
des
Vater, des großen Mannes, der nie Zeit hatte, weil, er mußte ja
Geld verdienen gehen, sagte mir: „Geld verdienen, heißt, keine =
Zeit
zu haben und „abgespannt“ nach hause kommen“.
Dann kam die Schule.
Angst!
Das Haus und die Sicherheit
verlassen, wieder einmal abrupt und nicht fließend und weit entfernt =
mit
Straßenbahn und strammen Laufen verbunden.
Die Schule selbst lag dann auch
noch in einem isolierten Bereich im Grünen von Berlin, Spandau, umspan=
nt
von einem ewig langen und ziemlich hohen Eisenzaun, zwischen dessen Sprossen
man nicht den Kopf stecken durfte, weil man ihn danach nicht wieder
herausbekam. Das hatte ich mir nach einem Panikanfall gut gemerkt.
„Vorsicht, der Zaun ist eine Kopffalle!“ man bekommt ihn zwar
irgendwie zwischen die Sprossen, aber die verdammten Ohren ließen den
Kopf nicht wieder raus.
Das ganze Gelände
gehörte der evangelischen Kirche, wurde als überdimensionales
Altersheim, Pflegeheim, Krankenhaus und Grundschule benutzt und von mir als
Kind als erschreckender Ort der Krankheit identifiziert. Ich wollte ja Leben
und Spiel und nicht Krankheit und Krüppel. Es hing immer der Gedanke v=
on
Bedürftigkeit in der Luft, das gemeinsame Miteinander in Christlichkei=
t,
die ich so nicht verstand. Ich kann mich noch gut an den Nachhilfeunterrich=
t,
ich weiß nicht mehr welches Fach, erinnern, in einem Pflegehaus f&uum=
l;r
Menschen mit Kinderlähmung und spasmischen Lähmungen. Es roch da =
nach
Medikamenten und irgend etwas anderem, was mich gruselte. Nur gab es da eine
Frau im Rollstuhl, die gab den Nachhilfeunterricht einzeln, nur für mi=
ch.
Es war ein liebe Frau, aber es war ein Mensch, der ein Schicksal zu tragen
hatte, das ich nicht verstand, mit dem ich nichts zu tun hatte. Sie selber =
war
eigentlich akzeptabel, aber die Umgebung, das Haus war für mich ein Ha=
us
des Gruselns.
Ob es da wohl nach Krankheit r=
och,
nach Tot oder Verderben?
Es ist schon merkwürdig, =
wie
sensibel ein Kind spürt, wenn etwas da ist, was nicht so sein sollte, =
wie
es ist.
Zum Glück habe ich mir di=
ese
Eigenschaft noch bis heute erhalten!
Mein Leben zu hause ging weiter
seine normalen Bahnen. Die Mutter war akzeptabel, lieb und beschützend,
der Vater kam schlecht gelaunt nach hause, so daß wir alle (ich, mein
Bruder und die Mutter) zitterten, wenn wir sein Schlüsselbund im
Türschloß hörten, mein Bruder ging zum Kinderpsychologen und
die Oma verlangte, Großmutter genannte zu werden und trieb ihre
unsichtbaren Keile zwischen uns allen. Jeden Tag kamen neue Prägungen
dazu.
Das Thema Gerechtigkeit in der
Welt wurde dann in der Schule auch schon früh praktiziert. Ich hatte in
besagter christlicher Schule einen Klassenlehrer über 4 Jahre. Herr
Stegemann (Name verändert) war enorm potent darin, immer nur mich zu
erwischen, wenn ich mal nicht „aufpaßte“ oder träumte
oder mit meinem Nachbarn redete. Seine Methode der Justiz hieß dann
„Frühstück“, wobei er den abgewinkelten Daumen nahm, =
um
über die Haare der Schläfen mit enormer Kraft zu reiben oder genau
diese empfindlichen kindlichen Häarchen zu nehmen und den Kopf daran h=
ochzuziehen.
Da sah man keine blauen Flecken hinterher. Er hatte noch andere recht kreat=
ive
Methoden entwickelt, um uns das christliche Wesen von Liebe und
Brüderlichkeit näher zu bringen. Die Falschheit seines Systems em=
pfand
ich damals leider als eine Unzumutbarkeit und verstieß ganz extrem ge=
gen
meine kindliche Ethik. Als ich ihn darauf hinwies, bekam ich postwendend
schlechtere Noten, ständige Ermahnungen, Klassenbucheintragungen, bis =
ich
meiner Mutter gegenüber die Schulverweigerung aussprach.
Sie hatte dann, als richtige
Löwenmutter auch den Mut, zu besagtem Lehrer zu gehen, um ihm meinen
Entschluß mitzuteilen. Irgendwie fanden sie scheinbar ein Abkommen, d=
er
als Ergebnis die totale Ignoranz meiner kleinen Person nach sich zog, eine =
Zahl
unter der wirklich verdienten Note und ansonsten Waffenstillstand. Ich
hörte dann Jahre später, daß besagter Pädagoge aufstieg
zum Oberschulrat – hoffentlich in einer Position, in der er weniger
Schaden anrichten konnte.
Ja, ja, späte Rache, Herr
Stegemann!
Aber ich habe etwas sehr
wichtiges, vielleicht sogar das aller wichtigste für mein Leben in der
Menschenwelt gelernt: Gerechtigkeit und Justiz sind zwei verschiedene Dinge.
„Gerechtigkeit ist die Justiz Gottes bzw. des Schicksals, Justiz ist
Macht“. Seitdem mir dies als Erwachsener später richtig bewu&szl=
ig;t
wurde, unter anderem nach einigen sogenannten Prozessen, lächle ich nur
noch über die Justiz und weiß ....., daß auch Richter durch
den Schicksalsfaktor gerichtet werden!
Je weiter in einem Staatsgebil=
de
Gerechtigkeit und Justiz auseinanderklaffen, desto kranker ist der Patient
Staat und wird bald ein Bärenkur durchmachen müssen, um zu begrei=
fen.
All die Herrn Stegemanns,
Müllers und Pinochets werden wichtigst gebraucht und geliebt, um die
Dialektik des Lebens aufzuzeigen, zwischen Fehlbarkeit und Unfehlbarkeit, d=
em
Lichten und dem Dunklen.
Als kleiner Steppke ist dies
allerdings noch schwer verdaubar. Man lernt ja noch, auch von den Herrn
Pädagogen und man lernt, wie man mit den Kameraden umzugehen hat. Lieb=
en
und betrügen, besser sein und den anderen niedermachen. Stärke ist
Anerkennung, Schwäche ist Verlust.
So einfach ist das, .. wenn man
die Dialektik begreift.
Ich will reich sein, dafü=
r wird
ein anderer arm sein. Es klingt bitter, traurig, macht schon als Kind
wütend und ist doch nötig für das irdische Gefüge.
Im Gymnasium ging mir denn lan=
gsam
auch die Luft aus. Lernen hatte etwas mit Herumsitzen zu tun, mit Zahlen, L=
atein,
besser sein als der Nachbar. Selbst als Jugendliche wurden wir nicht gefrag=
t,
was wir eigentlich lernen wollen, wo unsere Stärken liegen, sondern
sollten uns anpassen an ein Weltbild, bei dem sich die Erde um die Sonne dr=
eht,
obwohl wir doch mit unseren eigenen Augen die Drehung der Sonne jeden Tag um
die Erde beobachten können. Wir lernten weder, wie man jagt, noch Beer=
en
findet und pflückt, noch etwas über unser Menschsein an sich, noc=
h,
wie man ein Lagerfeuer mit feuchtem Holz entzündet, was die
Sexualität mit Liebe zu tun hat, geschweige denn, was Liebe überh=
aupt
ist. Wir lernten nichts über die Wesenheiten von Pflanzen und Tieren,
sondern wie einzelne tote Pflanzenfasern unter dem Mikroskop aussehen und m=
it
welchen Wörtern man Kleinstpartikel benennt.
Wäre ich damals zu meinen
Lehrern gegangen und hätte ihnen etwas über ein Seelenleben der
Pflanzen oder anderer Lebewesen erzählt oder sie darum gefragt, wä=
;re
ich schon wieder verhaltensauffällig geworden. Nur gut, daß ich
damals nicht mehr an eine Seele glaubte. Ich wäre als Idiot oder Ketze=
r niedergemacht
worden und mein Zensurendurchschnitt wäre noch weiter in den Keller
gegangen. Irgendwie wußte etwas in mir, daß ich mich selbst bes=
chützen
muß.
In all meiner Verwirrung, Nich=
t-
Angepaßtheit suchte ich mir einen Ausgleich. Das waren das Basteln, d=
ie
Sterne und die Psychologie.
Als 12-jähriger baute ich
große Modellsegelboote mit einem richtigen Bleikiel, lenkbarem
Großsegel und allem Schnickschnack, mit denen dann Regatta gefahren w=
urde.
Hin und wieder gewann ich Preise, die mir in der Schule verwert wurden.
Während die anderen Latein
büffelten lernte ich Esperanto, fuhr abends zur Berliner Sternwarte in
Schöneberg, ca. 80 Minuten einfache Strecke mit dem Bus, hörte mir
Seminare für Erwachsene Astronomen an und war als jüngstes Mitgli=
ed
der Sternwarte mit 14 Jahren in einem Kurs dabei, wo man sich sein
Spiegelteleskop selber bauen konnte. In monatelanger mühseliger und
geduldiger Schleifarbeit entstand zwischen lauter großen Leuten mein =
Parabolspiegel.
Gut kann ich mich noch an den Geruch von Carboneum erinnern, was als
Schleifmittel diente. Mein Stolz war schon recht mächtig, als ich Mars,
Jupiter und Saturn das erste mal durch mein eigenes selbst gebastelte
Spiegelteleskop sah.
4 Jahre braucht Alpha Centauri=
mit
seinem Licht hier anzukommen, 8 Minuten die Sonne, 1 Sekunde der Mond ̵=
1;
was für eine phantastische Geisteswelt. Ob die Erwachsenen mich als
Jugendlicher zwischen ihnen als Störenfried empfanden oder nicht, konn=
te
ich in der Sternwarte nie herausfinden. Ich glaube, ich war ein bebrilltes
Muttersöhnchen und Exot zwischen ihnen. Andere Kameraden gingen in die=
Diskotheken
und ich schliff Parabolspiegel, las Bücher über Psychologie und
machte Hypnoseversuche mit einem Schulfreund.
Die Zeit der Hypnoseversuche w= aren allerdings schon schwer verdaubar für mich. Ich konnte ja mit keinem Lehrer darüber reden und auch nicht mit meiner lieben Mutter. Die hatt= en ja alle keine Ahnung davon, keine Ahnung von dem, was mich interessierte. <= o:p>
Aber ich hatte einen guten
Klassenkameraden, nennen wir ihn Axel Huber. Der war ganz scharf auf die Hy=
pnoseversuche,
denn wir versprachen uns „Lernen im Schlaf“ davon und das
Erforschen unseres Gehirns und mehr Erfolg und Mut bei den Mädeln.
Lernen bedeutet immer Risiko u=
nd
vielleicht sich die Hände verbrennen, wenn man keinen Lehrmeister hat.=
Ich
bestellte mir einen schriftlichen Lehrkurs für 100 Mark, der das Hypno=
tisieren
in 2 Wochen versprach. Die Annonce fand ich in einem meiner geliebten Perry
Rhodan Hefte.
Also rann an die Arbeit, studi=
erte
ich die Lehrhefte, machte mit meinem Freund die ersten Suggestionsversuche =
und
Übungen und brachte tatsächlich den Axel in Hypnose. Das Ganze war
auch gar nicht schwierig für mich, so als kannte ich die Materie aus e=
iner
anderen Zeit. Der Freund schrieb dann tatsächlich in der Schrift eines
7-jährigen, erinnerte sich an Geburtstagsgeschenken seines 3. Geburtst=
ages
und konnte sich wesentlich besser an die Englischvokabeln erinnern, als es
normal je möglich gewesen wäre.
Als er aber dann nach ca. 1 Ja=
hr
anfing in einer Sprache zu sprechen, die es auf dieser Welt nicht gibt, ein=
er
Sprache die so ähnlich klang wie die Harry Potters mit den Schlangen, =
kam
schon etwas Gruseln über meinen Rücken. Aber wo menschlicher Geist
forscht ist er schwer zu bremsen. Neugierde ist eine total schöne aber
auch sehr gefährliche Gabe. Also forschten wir beiden Zwerge von ca. 15
Lebensjahren weiter. Axel schrieb in dieser fremden Sprache, die ähnli=
ch
aussah, wie das arabische (aber doch anders, weil ich nun arabisch etwas
kenne). Er redete von Erlebnissen, festgebunden und verankert auf einem
Konsolensitz in dem er Jahrelang verweilen mußte. Letztendlich gab es
Schwierigkeiten bei dem Zurückholen aus der Trance bis hin zu
gefährlichen Situationen auf dem Balkon unserer Mietswohnung.
In mir tauchte ein klares rotes
Licht auf, was mir sagte, keine solchen Versuche mehr. Die Situation wurde =
so unheimlich
und beklemmend, daß ich beschloß, alle Schriftstücke und
Tonbandaufnahmen zu vernichten. Etwas in mir hat es beschlossen, nur war mir nicht kla=
r, wer
in mir die Entscheidung traf, wichtiges Material zu vernichten.
Also wurde ich auch recht
früh mit einem Mysterium konfrontiert und noch heute würde ich als
reifer Mensch sagen, das Material und die Situation war absolut echt und ni=
cht
anzweifelbar (außer von der Wissenschaft, die die Wiederholbarkeit ei=
ner
spontanen Situation fordert).
Irgendwann in der 11. Klasse g=
ing
ich dann vom Gymnasium “ab“. Abgehen war immer das Wort für
die Erfolglosen, die es nicht schafften, die nicht durchhielten oder die
einfach keine Lust mehr aufs Pauken hatten. Bei mir waren es wohl alle drei
Dinge.
Was tun also?
Mutter sagt, eine Lehre machen,
Vater sagt, ist mir alles egal, aber Du bist technisch veranlagt. Also wurd=
e gemeinsam
etwas gesucht, was in die Vorstellungswelten meiner Eltern und der umgebend=
en
Gesellschaft paßte.
Elektronik ist gut, Mechanik a=
uch,
also begann ich eine Lehre als Elektromechaniker im größten deut=
schen
Elektrokonzern.
Die Eignungsprüfung, die =
man
da ablegen mußte, fiel gut aus. Zum Glück haben sie nur die
Funktionen meines Körpers und Intellekts kontrolliert, einer
psychologischen Kontrolle hätte ich wohl nicht standgehalten.
Also ging die Tortur weiter.
Anpassung an die gesellschaftlichen Bedürfnisse, nur diesmal in
praktischem Bereich. Ich kann Ihnen sagen, 1 Jahr hintereinander an
Werkstücken herumzufeilen, Würfel, Hämmer, Dreiecke usw. war=
ein
gutes Training dafür, wie halte ich einen Abstumpfungsprozeß dur=
ch,
ohne zu Grunde zu gehen. Gemein gesagt könnte ich auch das als einen
Anpassungsprozeß am Sklaventum benennen. Dieser schöne alte schw=
arz-
weiß Film über „Utopia“, eine Stadt der Maschinen,
drückt ganz gut die Örtlichkeit meiner Leerzeit aus.
Ich lernte dabei zu verstehen,=
wie
es möglich ist, über ein Sklaventum und Volksverdummung man einen
Weltkrieg entfesseln kann und wie, die nötigen Waffen produziert werde=
n.
Erstaunlicherweise merkte das =
kaum
jemand um mich herum. Die anderen lebten von einem Wochenende zum näch=
sten,
träumten von Mallorca, neuen Autos oder aber auch nur von der neuen
Beleuchtungsanlage in ihrer Mietwohnung im Badezimmer. Ich war heilfroh,
daß ich mit meinem Lehrgeld mir ein kleines Zimmer leisten konnte und
einen alten VW- Käfer Baujahr 1956.
Aber ich lernte. Ich lernte
wiederum das Meister Krause, hoch auf seinem Podest über den anderen
thronend launisch Ungerechtigkeiten straflos austeilen konnte, lernte,
daß das Hinweisen meinerseits darauf bestraft wurde. Lernte bei einem
kleinen unverschuldeten Autounfall, daß ein Polizist vor Gericht mehr
wert ist, als ein Lehrling. Der Polizist ist in meinen Käfer reingefah=
ren.
Ich lernte an schweren Bohrmaschinen, Drehbänken, Stoßmaschinen =
und
Biegevorrichtungen zu arbeiten, lernte das Feiern mit den Lehrlingskollegen,
lernte, daß man in der Industrie in der Gewerkschaft sein sollte und =
doch
die Klappe halten muß. Und ich lernte, daß man unter Neonlicht,
Werkbänken, Zementfußböden alle Hoffnung auf ein Leben mit
Blumen, Sonne, Wald und Flüssen aufgeben muß. Da gibt es nur noch
das Werken für den Menschen, durch den Menschen und über den
Menschen. Andere Welten sind nicht vorgesehen und wenn, dann kann man sie s=
ich
im Fernsehapparat als Tiersendung betrachten. Den Fernseher verdient man si=
ch
über das arbeiten in diesen Werkhallen.
Damals kannte ich noch nicht d=
as
Ausmaß dieses Teufelskreises, dieser Vorstellungswelten und die Verar=
mung
der Gefühle und Empfindungswelten meiner Zeitgenossen.
Aber, wie gesagt, keiner merkte
es!
Ich jedoch, von Tag zu Tag
verzweifelter, abends mit meinen Freunden Whisky saufend und besoffen mit d=
em
neuen gebrauchten Opel Kadett Coupe (68) über die Stadtautobahn heizen=
d,
von schönen Mädchen träumend, eine Tüte Marihuana rauch=
end,
Urlaub in Calella in Spanien planend, hielt durch. Am Kurfürstendamm in
den Club 2 gehen, bei guter Musik mit Pink Floyd und Hawkwind sich
bedröhnen, beim Athener Grill eine Pizza für 2 Mark kaufen, Billa=
rdspielen
um die Ecke, mein Auto suchen, weil ich mal wieder den weit entfernten Park=
platz
vergessen hatte, ist auch eine Erlebniswelt. Aber das Einnehmen von LSD war=
da
schon heftiger, brauchte seine Vorbereitung mit meinem Freund Klaus und ein=
em
Schachspiel vor unserer Nase. Die Spielregeln veränderten sich
urplötzlich, je nach Bedröhnungszustand, die Pferde liefen gerade,
die Läufer um drei Ecken herum, die Türme übersprangen die
Königin – die Welt hatte plötzlich andere Regeln. Sie hatte=
die
Regeln des inneren Selbst und brachen so plötzlich heraus, daß es
kaum zu ertragen war. Klaus spielte nach seinen Regeln und ich nach meinen =
und
es klappte wunderbar ohne Streit und Justiz. Wir sahen hohe Flammen aufstei=
gen
an verschimmelten Tapeten, Farbkompositionen, die auf die Musik reagierte, =
wir
sahen all das im Extremen, was unsere fremde Umwelt uns sonst vorenthielt.
Etwas lästig war dann schon das Klo einen halben Stock tiefer oder die
Duschkabine in der Küche, weil es kein Bad in der Mietskaserne Berlin,
Moabit, Beusselstrasse gab.
Aber wir fanden uns Selbst wie=
der,
im Chaos der Droge. Unser Selbst, welches wir fast verloren hatten hinter d=
en
Steinmauern einer Fabrikanlage mit den Neonröhren. Die Drogen halfen u=
ns,
unser Selbst nicht gänzlich zu verlieren, selbst mit dem Risiko einen
sogenannten Horror zu kriegen. Mein Kumpel stammte aus Lüneburg und ha=
tte
einen liebenswerten Alkoholiker als Vater und eine eiskalte Mutter. Auch ni=
cht
so ein einfacher Start. Dann gab es da noch den lieben Michael, Kunststudent
seines Zeichens, Teetrinker und ganz brav und doch rauchte er manchmal
versteckt einen Joint, um Visionen für seine Bilder zu bekommen. Da ga=
b es
den Tito, der sich mit Grippe in die Diskothek wagte, wild „abtanzte&=
#8220;
mit ordentlicher Alkoholdosis, im Klo zusammenbrach und mit 18 Jahren einen
Herzfehler davontrug. Da gab es den Jürgen, der sich immer ganz toll u=
nd
furchtbar schön fand, die Mädchen, die er „flach legte̶=
0;
abzählte, erstaunlich viel Whisky trank und mir noch vor 2 Jahren die
Wichtigkeit eines neuen Hausanbaus erklärte und die Vorteile der Feder=
ung
seines neuen Autos beschrieb. Aber was ist aus den Umarmungen geworden, aus=
den
einfachen herzlichen und liebevollen Gesten? Die meisten haben sie verloren,
nach 20 oder 30 Jahren Industriewelt.
Ich merke schon, wenn ich so
weiter mache, werde ich keinen Verleger finden, denn der fühlt sich ja
dann plötzlich selbst angesprochen. Aber es geht ja auch nicht um das
Thema der Kritik, wie sie später sehen werden, sondern um das Thema der
Auslieferung Ihres Schicksals an ein System von Vorstellungen, die mit Ideen
besetzt sind, die nicht die Ihren sind.
Und mir ist es wurscht, ob das
Buch gedruckt wird oder nicht, denn an meiner Vergangenheit und meinem Wesen
wird nicht mehr herumgeschminkt oder eine Maske aufgelegt.
Wenn man 15 Jahre lang als
verkorkstes Muttersöhnchen aufwächst, was sich stellvertretend
für den Vater um den rheumatischen Rücken der Mutter kümmern
soll, unter ständiger Angst des Selbstmords der Mutter ihre Krankenges=
chichten
und Mordgedanken an den Vater reinziehen muß, gibt es irgendwann einm=
al
keine Ängste mehr. Sehen Sie, wie wichtig schlechte Erfahrungen sein
können. Man wird zäh, manchmal leider auch hart.
Nachdem diese, wie ich im
Nachhinein empfinde, wirkliche wichtige Lehrzeit, verbrieft mit Zertifikat =
der
Industrie- und Handelskammer zu Berlin, abschloß, stand ich erneut vor
der großen Leere. Ich hatte in der Lehre gelernt, wie sehr man sich
ausleert und ausliefert, wenn man die Denkmodelle der Anderen kritiklos
übernimmt und zu seinen Eigenen macht. Das Ergebnis dieser Art von
Übernahme sah ich tagtäglich in den Gesichtern, Bewegungen und
Gedanken meiner Mitmenschen. Wenige lachten noch herzlich, wenige verstanden
noch Begriffe wie Brüderlichkeit und Liebe, die Mundwinkel waren nach
unten gezogen, die Interessen gingen in die Richtung, die die breite Masse
für annehmbar hielt. Gab es bei einzelne Menschen Ausbrüche (Bade=
r-
Mainhoff), so waren sie rein oppositionell, also damit dem Widerstand an das
Konventionelle gekoppelt und damit wiederum verbunden mit dem alten System.
Kaum jemand kam auf den Gedanken weder das Alte zu verfluchen noch zu liebe=
n,
sondern einfach es hinter sich zu lassen und sein eigenes Ding zu finden. E=
twas
Neues zu suchen und zu machen.
Ich saß verzweifelt 14 T=
age
nach der Lehrzeit in meiner kleinen Mietsbude und wußte einfach nicht=
was
tun. Da war keiner da, der mir einen Tip gab, der mich ans Händchen na=
hm
und eine neue Alternative für mein Leben aufzeigte. Man wollte mich sc=
hon
noch in der großen Firma übernehmen, zu verhaltensauffällig=
bin
ich offensichtlich nicht gewesen. Aber ich haßte inzwischen diese hoh=
en
Mauern, unterirdischen Gänge, riesigen Parkplätze, monströse=
Kantinen,
Materialausgaben und die Meister Krauses.
Ohne Reservegelder kündig=
te
ich kurzerhand und suchte mir einen Job, nun als anerkannter Facharbeiter, =
in
einem winzigen Familienbetrieb, der sich um das Reparieren und Verkaufen
großer Geschirrspülmaschinen kümmerten. Der Chef war so
schmierig und schleimig, das ich nach zwei Wochen merkte, warum er sich woh=
l um
Spülmaschinen kümmerte. Der wollte sich wahrscheinlich selbst dam=
it
reinigen, um wieder sauber und rein zu werden. Nur hat er wohl nicht gemerk=
t,
daß er weder Tasse noch Teller war.
Kurzum, ich kündigte und
suchte weiter, ohne Gelder vom Arbeitsamt zu erbetteln.
Da ich wegen der auffälli=
gen
Unzufriedenheit und Liebesunfähigkeit meiner Mitmenschen immer schon
meinen Zweifel am Lebensort hatte, schon lange vom Auswandern träumte,
schon immer die Welt verbessern wollte, mußte ich erstmal die Welt
kennenlernen. Und dazu braucht man ein Schiff oder ein Flugzeug.
Also besorgte ich mir einen 35=
.000
Tonnen Frachter in Hamburg als neues Spielzeug und Erlebniswelt. So schwier=
ig
war das auch gar nicht, anbetracht meiner Naivität. Da ich ja nun nicht
den Frachter alleine lenken konnte, noch etwas von Navigation, Schiffsmasch=
inen
und Frachtverschiebung verstand, organisierte ich mir das entsprechende Mat=
erial
und Personal. Man glaubt gar nicht, wie einfach das geht. Ich mußte n=
ur
zum Seefahrtsamt gehen, ein Seefahrtsbuch organisieren, was dank meinem
Lehrbrief total einfach war und mit diesem Stück Papier war ich schon
Schiffseigner im doppelten Sinne.
Ich glaube, der Frachter hat m=
ich
20 Mark gekostet und danach warf er mir monatlich 3000 Mark ab, ist das nic=
ht komisch?
Ich fand sozusagen eine Lü=
;cke
im System. Damit das alles seinen richtigen Weg nahm, nannte ich mich
Ingenieur- Assistent und nicht Kapitän oder Reeder. Die deutsche
Südwest- Afrika- Linie war plötzlich mein Eigen. Die machte den P=
apierkram
und ich spielte Seemann auf der „Ms Pangani“, lernte dabei ries=
ige
Schiffsdiesels kennen, die Funktion von Ausgleichstanks, mächtigen
Stromaggregaten, Separatoren zur Reinigung des Öls, Luftdruckanlasser,=
Radargeräte
und und ...
Das war schon eine andere Welt,
als die der Fabrik. Die 34 Menschen an Bord, die auch gerade Seemänner
spielten, waren dabei für mich nicht weniger interessant. Da hatte jed=
er
so seine Rolle. Der eine spielte Kapitän, weil er wohl am meisten die
Brust noch vorne strecken konnte und damit sehr gewichtig erschien und auch=
ein
paar Navigationskarten lesen konnte. Allerdings war er in dieser Rolle auch
recht einsam und verschwand oft mit seiner Whiskyflasche in sein Privatreic=
h.
Am meisten sah ich ihn in der Offiziersmesse beim Essen, seine Rolle war ja
auch nicht mehr die, des Arbeiters, sondern des Königs. Also ließ=
;en
wir anderen ihm auch seine Rolle, damit er nicht noch trauriger wurde.
Die meisten anderen Kumpel in
diesem gemeinsamen Lebensboot erfüllten auch hervorragend ihre
angemessenen Rollen. Es wurde fleißig gesoffen, allerdings nicht mehr,
wie in alten Zeiten Rum, sondern Gin. Man bemerke bitte diese kleine
Veränderung in den Weiten der Zeiten. Nur die Buchstaben haben sich
verändert, aber es blieben dennoch nur 3.
Um diesem Klischee auch noch d=
ie
Spitze auf zu setzen, wurde dann meist die Rockgruppe „Yes“
gehört und hin und wieder gutes afrikanisches „Gras“ gerau=
cht
und im Hafen wurde „Sex“ gemacht. Der Geisteszustand der Schiff=
ahrt
beschränkte sich also auf wenige gutturale Laute wie Rum, Gin, Yes, Sex
und Gras, was mir so eigentlich ganz gut gefiel. Das Denken hat man beim
Besteigen des Schiffes an der Gangway abgegeben und, wenn man Glück ha=
tte,
nach einer 3-monatigen Reise wieder abgeholt. Das kann ich wirklich Jedem
empfehlen, der sich vorübergehend ein Schiff organisieren will und ein=
fach
mal vollkommen abschalten muß. Aber wehe dem, der andere Illusionen d=
aran
knüpft. Denn andere Menschen und andere Kulturen kennenlernen, geschwe=
ige
denn „die“ Welt, sieht man da wirklich nicht. Man tauscht nur d=
ie
Prostituierte in Hamburg gegen eine schwarze Nutte in Monrovia ein, ansonst=
en
gibt es aber viel zu gucken, wie z.B. fliegende Fische vor dem schäume=
nden
Bug des riesigen Eisenwals, ferne Lichterketten erahnter Zivilisationen am
Küstenhorizont, haushohe Wassermassen, die den Bug im Meer verschwinden
lassen, um nach scheinbar ewigen Zeiten wieder aufzutauchen, schwarze
Männer in Pudelmützen und Wollpullovern bei 30° C im Schatten
Schiffskräne bedienen.
Was dann das Hafenpersonal in
Westafrika anbetrifft, die ja mit dem Be- und Entladen beschäftigt war=
en,
gab es schon einige komische fast unglaubliche Situationen, die ich Ihnen n=
icht
vorenthalten will.
Nachdem wir also bereits seit 3
Tagen draußen im Meer auf Rede lagen, das ist das in Hafennähe v=
or
Anker gehen, wurde es uns schon recht langweilig, noch zumal die Bodega
für Zigaretten und Alkoliks bei Ankunft von Zollbeamten des jeweiligen
Landes verplombt wurden. Bevor die Entzugserscheinungen denn doch zu stark
wurden vertrieben wir uns unsere Zeit mit Tischtennisspielen und den Damen,=
die
heimlich bei Nacht in einer kleinen Schaluppe herangekarrt wurden. Die waren
sozusagen zollfrei. Um ehrlich zu sein, ich schaute mir das ach so
menschlich-tierische Spiel neugierig an, fand aber am Mitmachen nicht genug
Tier in mir wieder. Ich wunderte mich oft auf dem Schiff über die Spez=
ies
Mensch, die sich so herrlich einfach und animalisch zeigen kann, das Denken=
auf
die einfachsten Abhandlungen und Riten beschränkt, wo es nur noch um d=
as
Leben und Überleben selbst geht. Der Mensch verlor auf dem Schiff f&uu=
ml;r
mich an seiner königlichen Würde, kam mir jedoch wieder wesentlich
näher, durch die fehlende Falschheit und primitiven Ehrlichkeit, des
Zeigens seines inneren Tiers in ihm.
Kamen wir dann endlich in den
Hafen, wurden von der Besatzung alle Türen zum Wohnbereich ordentlich =
verschlossen,
an der Bugseite eine überhängende Holzkonstruktion gezimmert und =
erst
dann die Gangway heruntergelassen. 30 kräftige, gutaussehende schwarze
Männer, wie schon gesagt in Pullovern, betraten das Deck mit zusammeng=
efalteten
Pappkartons unter den Armen. Ich war so verduzt, daß ich den 2 Offizi=
er
gleich nach dieser Merkwürdigkeit befragt. Ich konnte mir einfach nicht
vorstellen, daß diese Leute Hunderte von Tonnen Ware, einschließ=
;lich
französischer Autos in Pappkartons über die Gangway befördern
wollten. „Die pennen darauf, me Jung“, sagte er in Hamburger Pl=
att
und ich verstand immer noch nicht. Also Augen auf und schauen.
!5 von den 30 Arbeitern vertei=
lten
sich auf dem Deck, breiteten ihre Pappen aus und legten sich tatsächli=
ch
umgehend zum Schlafen nieder. Warum diese Leute auf ein Schiff zum schlafen
gehen, habe ich bis heute nicht erfahren, aber die Prozession wiederholte s=
ich
auch in den anderen 5 Häfen , die wir anliefen. Die überhäng=
ende
Holzkonstruktion am Bug hatte auch so seine Komik. Alle paar Minuten versch=
wand
einer der Arbeiter in dem Bretterverschlag, kurze Zeit darauf sah man
Fäkalien durch die Luft in das Hafenbecken fliegen. Man konnte genau b=
eobachten,
wer Durchfall hatte oder was wer am Vortage gegessen hatte. Zum Teil taten =
sich
unheimlich aussehende Wasserschlangen an den Fäkalien gütlich, di=
e es
dort häufig gab.
Im großen und Ganzen emp=
fand
ich jedoch meine erste Seereise als Enttäuschung. Ich hatte mir wohl e=
in
anderes Abenteuer vorgestellt, mehr Zeit für mich und dem Entdecken an=
derer
Bräuche und weniger Maschinenraumaufenthalte. Bei dem Rollenspiel des
Ingenieurassistenten auf einem Stückgutfrachter hat man nämlich d=
ie
Hauptarbeit zu leisten, wenn der Dampfer im Hafen liegt. Gerade dann werden=
die
Maschinen renoviert, repariert und justiert. Die Matrosen gingen an Land und
vergnügten sich in den Hafenkneipen, während wir Maschinenmenschen
weiter in Öllachen herumhantierten. Auch war die Arbeit selbst bei fast
permanenten 40° C und Ölgerüchen unter der Wasserlinie
während der Fahrt nicht gerade das, was sich so ein naturliebender
Steppenwolf unter Lebenserfüllung vorstellt.
Zurück in der Heimat
verkaufte ich sozusagen mein Schiff an andere weiter und übergab ander=
en
Menschen meine ausgeliehene vorübergehende Rolle.
Doch der Traum vom Entdecken
meiner Welt blieb.
So dauerte es auch nicht lange,
bis mir das Schicksal ein neues Betätigungsfeld zur Verfügung
stellte. Mein etwas älterer Bruder arbeitete des öfteren als Koch=
auf
Luxuskreuzern. Er vermittelte mir die Rolle als Küchenjunge, das
heißt wohl im gängigen Schiffahrtsjargon Smutche, oder so
ähnlich auf dem Kreuzfahrtsschiff „MS Gripsholm“ der Swead=
ich
American Line.
Dieses riesige Hotel im Wasser
eingebettet, zeigte sich als wunderschöne alte Dame mit vielen Armreif=
en,
Ringen und Kettchen, jedoch von der technischen Struktur her als recht falt=
ig
und verbraucht. An den dicken übergetünchten Farbresten vergangen=
er
Zeiten, die wie Schminke auf ihrem stählernen Gesicht klebte, sah ich =
die
vielen Abenteuer, die dieses Monster schon gelebt haben mußte. Eine
Schönheit, die noch nicht bereit war, das Zeitliche hinter sich zu las=
sen,
die immer noch die getürkten Orgasmen ihrer Neureichen Passagiere
miterleben wollte, die Dekadenz der Geldwelt in vollen Zügen in sich
hineinziehend auf ihren entgültigen Herzkollaps wartend , durchschnitt=
sie
die Weltmeere.
In Hamburg fügte ich mich
ihrem Rufe, kroch auch ich unter ihre schützenden Fittiche aus Stahl,
Mahagoniholz und Glas mit einem Rucksack als Reisegepäck ausgestattet.=
Ein
tragbarer Rucksack war sehr
wichtig, denn ich wollte in Südamerika wieder von Bord gehen, um mein
eigentliches Abenteuer zu beginnen. Unter diesem Aspekt und unter keinem an=
deren,
sozusagen als blinder und dennoch mitarbeitender Passagier, konnte ich eine
winzige Schlafkabine mit Doppelstockbett auch gut annehmen. Mein schwuler
Kabinenteilhaber war dann auch kein Hinderungsgrund für mich, denn der
verschwand sowieso fast täglich, oder besser gesagt nächtlich, in
andere Gefilde. Ich habe nie herausbekommen, wer denn nun eigentlich sein S=
chicksalserfüllungsgehilfe
seines andersgepolten Daseins war.
Der Anfang dieser Reise ins
Ungewisse zum fernen Südamerika
war aber mit anderen Schwierigkeiten verbunden. Nach Einschiffung me=
ines
Gepäcks besorgte ich mir noch eine Kleinigkeit in der Stadt, um dann im
Hafenbecken zurück das typische laute Gehupe eines großen Dampfe=
rs
beim Abfahren zu hören. Die schöne alte stählerne Dame schien
mir eine lange Nase zeigen zu wollen und mich als Zumutung in ihrer Eigensc=
haft
der Befriedigung der Perversion des Menschen doch wieder ausgespieen zu hab=
en.
Die wollte mich wohl wirklich nicht. Offiziell hieß es, ich hätte
eine falsche Abfahrtszeit in Erinnerung gehabt, die mir mein werter Bruder
vorher gab. Der war allerdings rechtzeitig an Bord.
Was also machen. Gepäck w=
eg,
Paß und Geld an Bord, nur die Kleider am Leib, aber mit dem Wissen, d=
er
Dampfer bleibt einen Tag in Rotterdam. Na, nichts wie hin. Wo geht die
nächste Autobahn nach Holland, wird man mich beim trampen mitnehmen, f=
inde
ich für eine Nacht ein billige Unterkunft? Ohne Moos nichts los! Und d=
och
klappte die Odeesse durch die Niederlande durch die Freundlichkeit und Offe=
nheit
der Leute, sowie des fehlenden geographischen Widerstandes ihres platten
Landes.
Die Gangway der „MS
Gripsholm“ war bei meiner Ankunft für mich bereits heruntergelas=
sen,
die alte Dame nahm mich in ihre Eingeweide freundlich lächelnd auf. Nur
der schwedische Personalchef sah mich nordisch unzugänglich, durchbohr=
end
an, spürte aber wohl, daß er mich noch für ein paar nette S=
chwierigkeiten
brauchte, die ich ihm gerne bereiten wollte, ganz zu seiner Freude
natürlich. Denn mein Herz ist groß im Präsentieren von Chaos
und im Wachrütteln fast eingenickter Seelenheiten. Scheinbar brauchte =
er
mich also als Opfer in seinem abgestumpften Job, der ihm weder Krankheit, n=
och
Reichtum, noch einen kleinen Schiffsuntergang präsentierte.
Das wollte ich gerne leisten,
natürlich ohne es damals zu wissen.
Schiff ahoi, nun ging es mal
wieder los zu neuen Erlebniswelten, über die Azoreninseln und anderen
unbekannten Exoten in die Weiten des Reiches Neptuns. Diesmal war mir Neptun
freundlicher gesinnt und verzichtete darauf den Bug unter 15 Meter hohen We=
llen
zu begraben, während das Heck als schneller Fahrstuhl die gleiche Anza=
hl
von Metern nach oben raste, mit Kippbewegungen zur Seite inklusive, um dana=
ch
wieder 15 Meter nach unten zu sausen und das Ganze unendlich, ohne
Unterbrechung, wie ein höllischer Tanz. Auf dem Frachter überlebte
ich die Seekrankheit mit 20 minütigem Kotzen, wonach ich meine Uhr ste=
llen
konnte, 3 Tage lang. Auf diesen Tanz des Neptuns hatte ich keine Lust mehr =
und
er hatte Einsehen und suchte sich einen anderen interessanteren Tanzpartner=
in
dieser Zeit.
Meine Arbeit bestand aus dem
Säubern von Blumenkohl, dem Schälen von Zwiebeln und dem Reinigen=
der
Sauereien, die die Köche in der Küche anrichteten. Mein lieber Br=
uder
steckte mir hin und wieder eine gefüllte Tomate mit Hühnerfleisch,
Kartoffelkroketten mit Kaviar, Königinpasteten oder auch fritierte
Froschschenkel aus Frankreich zu, so daß ich auch ein mal in den
Genuß des Schlemmens kam, versteckt hinter einer Stahlmauer
natürlich. Als man mich zum Abwäscher machen wollte, revoltierte =
ich
jedoch. Nur wollten die Leute mir da nicht recht zuhören. Da muß=
te
ich erst fieserweise einige 100 Goldrandteller demolieren, bis man begriff,
daß man mich nicht so leicht herumschupsen konnte und orderte mich in=
die
Snackbar. Dort durfte ich dann amerikanischem Edelpublikum Fleischbäll=
chen
und Käsehäppchens zu ihrem obligatorischen 5 Uhr Longdrink anbiet=
en.
Das war dann schon eine andere Sache. Endlich konnte ich mir mal diesen
zoologischen Garten aus der anderen Sicht heraus betrachten und mir vorstel=
len,
wie schön es doch ist, mal richtig reich zu sein. Damit die Darsteller
dieses verrückt, verdrehten Filmes sich auch wirklich echt in ihrer Ro=
lle
als Reiche fühlten, machte ich auch brav meinen unterwürfigen Kni=
cks
beim Anbieten meiner absolut überflüssigen Ware. Zwischen mir und=
den
mit Goldklunkern behangenen Herrschaften war das Verhältnis in
stillschweigender Absprache denn auch recht akzeptabel. Nur den homosexuell=
en
Barkeepern war ich ein Dorn im Auge, nachdem sie mitbekamen, daß sie =
mich
nicht flachlegen konnten. Also wurde ich flott wieder abberufen und landete
beim alten Posten in der Küche neben meinem kleinen, freundlichen
uruguayischen Kollegen. Das war mir ganz recht, denn so lernte ich etwas
spanisch, leider nur das Vokabular, welches man in einem Puff brauchte.
Angekommen auf den Bahamas sah=
ich
zum ersten male etwas von karibischer Exotik. Lange, weiße Strän=
de,
Palmen, schöne braune Menschengesichter mit blütenweißen
Zähnen, lautem Geschnatter und einem Lächeln. Wenn man zum ersten=
Mal
in seinem Leben wirklich entspannte, nicht verstellte und echte Gesichter
sieht, wirkt das für einen Westler wie ein Schock. Wie kann man denn so
glücklich sein in all der Primitivität, wohnend in Pfahlbauten, m=
it
Straßen aus Staub und Dreck, mit Gerüchen nach faulenden
Früchten, mit Autos, die nur noch vom Rost zusammen gehalten werden? D=
as
war neu! Das prägte sich mir tief im Inneren ein.
Aha, kein Geld, mehr
Lebensglück, merkwürdig!
Da wirkte das Schiffspublikum =
in
dieser natürlichen Einfachheit, wie ein eingefrorenes Eisbein zwischen
einem Haufen von Mangos, besonders dann, wenn sich die Schlapphut besch&uum=
l;tzten,
Spiegelsonnenbrillen bewaffneten, weiß bekleideten Passagiere üb=
er
den farbenfrohen Gemüse- und Obstmarkt der Einheimischen ergossen. W&a=
uml;hrend
ich auf einer Apfelsinenkiste hockte und mir das Theater ansah, konnte ich =
mir
ein tiefes befreiendes Lachen nicht mehr unterdrücken. Ich fühlte
mich plötzlich Zuhause. Trotz Fremde war hier alles echt und damit auc=
h heimisch,
irgendwie war da ein tiefes Gefühl des angekommen seins. Warum bin ich=
nur
nicht hier geboren?
Jedoch die Reise durch das Leb=
en
ging weiter, über Martinique, Antigua und und wie sie auch alle
heißen, diese kleinen Paradiese mitten im Ozean.
In Kolumbien angekommen,
marschierte ich erst mal durch die alten spanischen Verteidigungsruinen der
Stadt Cartagena und unbekannte Bezirke, denn nun wurde es langsam ernst. Ich
mußte mich auf diese Welt konzentrieren, Tuchfühlung aufnehmen u=
nd
Mut tanken. Bei der nächsten Station in Venezuela wollte ich näml=
ich
aussteigen und tief in das Geheimnis Südamerika eindringen. Da war sch=
on
in mir das Gefühl des Hänschen Klein, ging allein, in die weite W=
elt
hinein.
In Caracas vor Anker gegangen,
machte ich mich auf den Weg zu dem anfangs erwähnten nordischen Person=
alchefs,
um mir mein Geld auszahlen zu lassen und meinen Paß abzuholen, den der
gute Mann beim Betreten seines stolzen Kahns einbehalten hatte.
Nur diesmal war ich wohl auf d=
em
falschen Dampfer. Es hieß, „kein Paß, kein Geld, Du machst
die Reise bis Europa zu ende.“ Da gab es dann lautstarke Diskussionen,
zaghafte Interventionen durch meinen Bruder, gutes Zureden meiner Kollegen.=
Nur
hilft das Alles nichts, wenn ich einen Dickkopf habe. Das Ziel dieser Reise=
war
Südamerika und das Suchen eines neuen Lebens- und Wirkungsraumes f&uum=
l;r
mich. Da konnte man mich auch nicht weiter mit Kaviar oder Froschschenkeln
locken, und mit Geld schon gar nicht.
Nur was macht da Hänschen
Klein, wenn er von großen starken Menschen umgeben ist, die mal wieder
sagen, nein, Du bekommst Dein Spielzeug nicht. Jeder Charakter hat da wohl =
so
seine persönlich Strategie, mit solchen Unbilden das Lebens fertig zu
werden. Der Meine ist Trotz und Vorstellungsfanatismus, nach dem Motto,
„meinen Willen brecht ihr nicht, auch wenn ich zugrunde gehe.“ =
Das
ist natürlich nicht gerade einfach für mich, mit dieser ekligen E=
igenschaft
ausgestattet zu sein, sie schafft ja auch mir Leid und meist werde ich dabei
auch zum Opfer der Anderen. Aber wer kann schon aus seiner Haut schlüp=
fen
und sich einreden, man wäre ab heute ein ganz Anderer, brav, lieb und
anpassungsfähig, wenn man in sich drin keine Resonanz dazu findet. Ich
will ja auf meiner Reise durchs Leben mein eigenes Wesen finden und nicht d=
ie
vorgestellten Bilder und Erwartungen meiner Lebenskulisse.
Also, was machte ich in dieser
fatalen Situation? Ich meldete mich krank und erzählte dem Schiffsarzt,
seines Zeichens ein von sich selbst ausrangierter Neurologe, der wohl die g=
eschminkte
alte stählerne Dame brauchte, um zu fetalen Wahrheiten zu gelangen, ich
hätte Kreislaufstörungen mit Herzfehler. Das mir das Herz nicht
fehlte und immer noch am rechten Platz war, sah er denn trotz seiner eigenen
Schwierigkeiten, die er mit der Flasche Rum teilte, recht deutlich. Da
mußte ich also kreativer werden, denn arbeiten wollte ich jetzt nicht
mehr, wenn man meinen Willen schon nicht liebevoll annahm. Also hungerte ich
erst ein Woche, denn Hungerstreik, gibt es ja auch hin und wieder im Knast.=
Und
das Schiff wurde nun zu meinem Gefängnis. Doch auch das wollte der lie=
be
Herr Arzt nicht durchgehen lassen und drohte mit Vitaminspritzen und
künstlicher Ernährung. Der wußte nämlich, inzwischen v=
om
Personalchef instruiert, was der kleine Wolfgang für ein Problem hatte=
. Na
gut, sagte ich mir, jetzt wirst Du denen erstmal zeigen, was ne Harke ist u=
nd
verzichtete die nächsten drei Tage auf Schlaf. Das war eine sehr inter=
essante
Erfahrung, die ich dem Personalchef als Supertherapeut zu verdanken hatte, =
ohne
einen teuren Wochenend- Selbsterfahrungskurs zu belegen. Schon nach 30 Stun=
den
sah ich weiße Mäuse, nach 40 Stunden wandelte sich das Schiff zur
Burg und nach 50 Stunden wurde mir mein inneres und äußeres
Gefängnis sehr deutlich. Da brauchte ich keinen Joint mehr, um die
Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit zu erkennen.
Nun fiel es mir auch nicht wei=
ter
schwer, weder meinem Bruder, noch der Schiffskrankenschwester den apathisch=
en
schizoiden Menschentypen zu präsentieren. Als authentisch gelebter, ab=
er
friedvoller Verrückter rannen denn auch Personalchef und Schiffsarzt d=
er
Angstschweiß herunter. Da hatten sie wohl mit mir doch scheinbar einen
Fehler gemacht, denn man weiß ja nie. Nach 34-stündigem Schlaf im
Krankenhausabteil schaute mich denn ein neues, freundliches Gesicht an, wel=
ches
mir zu verstehen gab, „Junge, steh auf, nimm Deine Klamotten, Deine Z=
eit
hier ist vorbei, ich begleite Dich zurück nach Deutschland.“
Besagtes Gesicht entpuppte sich
als englischer Arzt aus Barbados, der damit beauftragt wurde einen geistesg=
estörten
Patienten zu überführen.
Also nichts wie los. Ab in den
Flieger, ein versteckt Grinsen auf den Backen, an meinem lieben Bruder vorb=
eigedrückt,
ging es zurück in die alte Welt. Der junge Doktor neben mir hatte seine
Beruhigungsspritze in einem typischen braunen Lederköfferchen stechber=
eit
dabei, unterhielt sich mit mir in etwas angespannter Form, was ihm ja als
Begleitung eines Bekloppten nicht zu verdenken war. In London, Heathrow,
hieß es dann, die Maschine wechseln, was bisher in meinem Leben nie so
glatt lief, wie dort. Ich wurde nämlich gleich am Rollfeld mit einem A=
mbulanzfahrzeug
abgeholt und ohne weitere Paßkontrolle in den nächsten Flieger
verfrachtet. Was hätte ich da alles Schmuggeln können! Hannover
brachte dann die nächste Überraschung. Wiederum von meiner Privat=
karosse
mit Chauffeur abgeholt, diesmal in Gestalt eines deutschen Krankentransport=
ers,
der mich mit Blaulicht, so wie es sich für einen Staatsmann gehör=
t,
in die Klappsmühle brachte. Das sollte man hin und wieder mit anderen
Staatsmännern wiederholen, damit sie einen friedlichen Ort der Entspan=
nung
und Selbstfindung genießen können. Abenteuer strengen eben an, ob
nun als Hänschen Klein oder als Präsident der Vereinigten Staaten.
Man tut was man kann in seinem Job, nicht wahr, damit keine lange Weile
aufkommt.
Der englische Medikus
verabschiedete sich vom Hauptdarsteller seines Films der letzten 2 Tage und
hetzte in einen anderen Film, der sich „flotte Rückreise zu sein=
en
anderen Patienten- Schauspielern“ auf Barbados, nannte.
Auch wir Patienten müssen=
ja
schließlich über unsere Krankheiten einsehen, daß der anst=
ändige
Berufsstand der Götter in Weiß nicht ausstirbt. Ich tat das meine
und ich hoffe, sie tun das Ihre, ohne Ihren Körper all zu sehr dabei zu
verhunzen.
Der
Begrüßungspsychiater im LKH Hannover kümmerte sich denn auc=
h im
Rahmen seiner Vorstellungswelten herzlich um mich und erschien fast etwas
traurig, als er meine Geschichte hörte.
„Junge, Junge, das kanns=
t Du
doch nicht machen. Damit spielt man doch nicht. Was sollen denn Deine Elter=
n denken,
Was ist, wenn wir Dich jetzt hier behalten,“ säuselte er vor sich
hin.
Sein Gesicht war aber nicht
unfreundlich und sein Atem roch seltsamerweise nicht nach Alkohol, so wie m=
an
es sonst bei Psychiatern kennt. Trotzdem hatte ich auch tiefes Mitleid mit =
ihm,
daß er da so in einem Betonbunker zwischen Verrückten sitzen
muß, während ich frei
wie ein Schmetterling durch die Welt flattern durfte. Nun gut, er
ließ mich frei. Ich suchte mir den Hauptbahnhof und fuhr zu meiner Ma=
ma
zurück. Besorgte Augen begrüßten mich, Hinweise auf
Eintragungen in meinem persönlichen Grundbuch als Verrückter waren
ihre gutgemeinten Ängste.
„Mach das bloß nic=
ht
noch einmal, stehst Du erst in den Akten, bekommst Du keinen Job mehr, Du b=
ist
dann ein gebranntmarktes Kind“, waren ihre Worte.
Doch, wie ich schon sagte, was
soll man schon anderes mit so einer Persönlichkeit anfangen, als immer
wieder dort anzuecken, wo falsche Ecken überstehen. Ich bin so wie ich
bin, Punkt.
Jeder meint immer, das Leben
müßte glatt laufen, nur ich sorge eben dafür, daß kei=
ne
Langeweile aufkommt, auch wenn es für andere mal unbequem oder anstren=
gend
wird. Fußballtrainer sind doch auch nicht anders, nur suchen sich die
Spieler das Leid freiwillig aus, während meine Spieler noch nicht so r=
echt
wissen, ob sie an meinem Training teilhaben wollen. Ich mein`s ja auch nicht
bös, wenn ich einen Personalchef, einen Arzt oder einen Lehrherrn
ärgere, ich will mit ihnen ja nur das Leben spielen.
Wieder einmal tauchte nun aus =
den
Nebeln meines Daseins die Frage nach dem Weitermachen auf. Das Leben meines
Vater oder Mutters kam für mich nicht in Frage, denn Beamter, wie es m=
ein
Vater war, konnte ich mit meinem Charakter nicht werden. Industriemensch gi=
ng
dank meiner Lehrerfahrung auch nicht mehr, Kaufmann und Wahre von einem Ort=
zum
anderen verschieben, um dabei andere übers Ohr zu hauen, entsprach nic=
ht
meinem christlichen Gemüt.
Also noch mal rauf aufs Schiff,
nur diesmal ohne den Paß abzugeben.
Also suchte ich mir eine neue
Reederei, die es mit mir versuchen wollte. Diesmal half mir der Herr Gott m=
it
deutlicherem Vokabular. Ich fand eine kleine Klitsche, die ein paar Dampfer
zwischen Nordamerika und Europa hin und her schippern ließen. Die
Frachter fuhren ausgeflaggt unter dem Banner von Liberia, aber das stö=
rte
mich nicht weiter. Ich wollte nach Kanada und im großen Wald leben und
mir eine Blockhütte bauen. Was der Seemann mit einer Blockhütte zu
tun hat, kann der simple Geist nicht so einfach im Kreuzworträtsel erf=
ahren.
Aber Sie werden schon noch sehen.
Also unterschrieb ich einen
provisorischen Vertrag bei der Reederei, der nur besagte, daß ich mich
auf dem Kahn in Baltimore, USA, beim Kapitän zu melden hätte, um =
dort
den Vertrag zu machen.
Das war prima, so hatte ich mir
das vorgestellt, eine freie Flugkarte als armer Schlucker nach Nordamerika,=
ein
Geschenk vom Himmel. Ich hatte doch schon immer gewußt, daß ein=
guter
Engel mich begleitet. Also wieder mal rein in den Düsenjet und ab
geht’s der Ferne entgegen. Im Flieger saßen dann allerlei
Finstermänner neben mir, die auch im gleichen Schiff anfangen sollten.
Darunter gab es den neuen Chefstuart, der wohl dem Kapitän seinen Cogn=
ac
reichen sollte. Nur kam es gar nicht erst so weit. Besagter Oberkellner hat=
te
ein alte Rache mit der Reederei zu begleichen, die ihn wohl mal vor Zeiten =
lohnmäßig
über den Tisch gezogen hat. Dieser Mann wollte nämlich nichts
anderes, als eben eine Freikarte nach Amerika, sich ein paar nette Stunden =
machen,
um danach auf Reedereikosten wieder zurück fliegen zu lassen. Der Geda=
nke
gefiel mir noch besser. Nicht nur hin, nein auch noch zurück und das a=
lles
nur so für meine pure Existenz. Die Welt sollte da einer erst mal
verstehen lernen.
Der Trick war der, wir sagen
einfach bei den US Hafenbehörden, wir hätten nichts gewußt
davon, daß wir nicht unter deutschen, sondern unter Liberianischen
Arbeitsbedingungen anfangen sollen, was wir aber wegen fehlender Sozialvers=
icherungen
keinesfalls verantworten können. Der Kapitän des Frachters,
eigentlich ein netter deutscher junger Mann, war denn ziemlich sauer, als er
unser kleines Liedchen in seinen Ohren singen hörte. Der wollte uns ke=
ine
Flugkarte zurück ins Land der Germanen kaufen. Also nichts wie zu den
Hafenbehörden und ein wenig jammern half da Wunder. Der Kahn durfte ni=
cht
ablegen, bei einer Anlegegebühr von Tausenden von Märkern, ohne s=
ich
um seine Schäflein gekümmert zu haben. Na ja, ich bin ja auch ganz
kleinlaut und schuldbewußt, aber dennoch bekam ich, dem Kapitän
nicht in die Augen sehen zu können, mein Flugkarte nach Hamburg
wütend hingeworfen.
Ehrlich, noch heute fühle=
ich
mich nicht gut beim Gedanken an diesen üblen Streich. Irgendwie habe i=
ch
mich da schuldig gemacht, während die Geschichte mit dem Kreuzfahrschi=
ff
und meinem Abgang für mich einwandfrei war.
Das innere Schwein bekämp=
fend
schaute ich auch gleich auf das Verfallsdatum des Fluges und ein innerer St=
olz,
des frisch gebackenen Mafiosos breitete sich in meiner vorgedrückten B=
rust
aus. Der Flug war ein Jahr gültig. Jihpiii, ich war frei und hatte den=
noch
etwas Sicherheit, wenn auch wenig Kohle.
Auf zu neuen Abenteuer in Amil=
and
bis zu den Eskimos!
Ich hoffe, Sie stellen sich je=
tzt
nicht mein armseliges Dasein und meinen Körperbau als etwas anderes vo=
r,
als ich wirklich damals war. Ich war ein bebrilltes recht zartes Wesen von
1,71m Höhe, mit dem äußeren Aspekt von verschreckt und unwi=
ssend,
eher so ein belesener Heranwachsender, dem das Verkorkste eines
Muttersöhnchens im Gesicht geschrieben stand. Vielleicht ist da Woody
Allen ein Vergleich. Auf jeden Fall war meine Maske nicht schlecht, auch we=
nn
ich damals nicht wußte, daß es eine Maske war.
Der Ernst des Lebens begann.
Niemand kümmerte sich jetzt um mich, also wie beginnen?
Mein Ziel war Kanada und die W=
eite
des Waldes. Das übernahm dann der Waldgeist direkt. Er führte mich
zum nächsten Grayhound – Busterminal und gab mir die Selbstsiche=
rheit,
ein Monatsticket zu erwerben, welches mir eine Reise über den ganzen
Subkontinent garantierte. Los ging’s nach New York, der
häßlichsten Stadt der Welt. Dank meines Seefahrtsbuches durfte i=
ch
da in einem Seemannhotel günstig übernachten und mich mal umschau=
en.
Die Straßenschluchten und bösen Cowboyfiesagen der Polizisten
erschreckten mein empfindliches Gemüt. Da gab es wohl nur etwas zu
entdecken, wenn man ein reicher Jude ist und sich seine Goldzähne erse=
tzen
lassen oder eine Negergang aufmachen
wollte. Für mich als kleinen Wicht gab’s da kein
Betätigungsfeld oder aber auch unüberschaubar viele, an die icjh =
mich
nicht heran wagte. Präsident wollte ich auch noch nicht werden, aber e=
ine
rasende Fahrt mit dem Fahrstuhl in den 80 zigsten Stock des World Trade Cen=
ters
lockte mich schon.
Dieses nette Gebäude ist =
ja
inzwischen kostengünstig abgerissen worden, wie man mir erzählte,
weil es wohl doch nicht freudvoll genug gebaut wurde. Ich hörte, es
wäre eine arabische Firma gewesen, die mit viel Fachwissen und
Feingefühl heranging und dann hinterher dafür beschimpft wurde, j=
a sogar
bis ins tiefste Afghanistan verfolgt wurde. Ich verstehe das bis heute nich=
t,
mit welchen Risiken manche Firmen leben müssen. Manche werden sogar no=
ch
von Panzern verfolgt. So eine Abrißfirma wollte ich denn doch nie
gründen. Zum Glück standen dann da ein paar Jungs und Mädels=
auf
der ich-weiß-nicht Avenue und boten Errettung vor dem Bösen und
Heimholung in das christliche Reich der United Church an. Der Oberguru war =
ein
Koreaner. Man weiß ja nicht, vielleicht lernt man ja darüber mal
Asien kennen?
Ich fuhr also mit einem Kleinb=
us
mit, hinaus aufs Land, Hauptsache erst mal raus aus Sodom und Gomorra. Die
Richtung war Norden und das war schon mal richtig. Allerdings hielt ich es =
auf
ihrem seelenerrettenden Wochenendseminar mit „Morning has broken̶=
0;
Melodien nicht lange aus. Da sollte ich stundenlang zu einem Gott beten, den
ich so nicht verstand. Ich machte mich am 2. Tag buchstäblich morgens =
um 5
Uhr aus dem Staube, während alle anderen noch von ihrer Errettung und
Heimführung in himmlische Reiche träumten.
Mein himmlisches Reich lag bei
Mutter Erde und der Waldgeist hatte schon seine Finger nach mir ausgestreck=
t.
Treue geht mir über alles und so folgte ich seinem Rufe nach Kanada. D=
er graue
Hund, wie dieses Wellblechgefährt von Bus sich nannte, trug mich nun
über die Grenze nach Montreal. Die Leute da waren wirklich lieb. So ein
Hippytyp gabelte mich in der U- Bahn auf und lud mich in seine Wohngemeinsc=
haft
ein. Obwohl ich keinen Brocken Französisch verstand, erbarmten sich da=
nn einige,
die dort verhaßte englische Sprache zu sprechen.
Man lud mich auch fürs
Wochenende ein zu einer Fahrt zum Landhaus eines Daddies, wo ich mich mit S=
chneeschuhen
ausprobieren konnte. Die Stille der Natur und der saubere Schnee zeigten mir
einmal mehr, was meine Seele eigentlich suchte. Der große Waldgeist w=
ar
nah.
Wissen sie, wenn sie Wolfgang
heißen, dann wissen sie auch irgendwann, daß sie auch den Gang =
des
Wolfes leben müssen, und der gehört nun mal in den Wald und nicht=
zu
den Händlern oder Fischern.
Ich durchquerte also auf den
Schultern des grauen Hundes, damit ist immer noch die Buslinie
„Grayhound“ gemeint den nördlichen Teil des Kontinents mit=
der
Enttäuschung in den Augen, daß überall noch der Schnee
metertief herumlag. Schnee ist zwar weiß und sauber, aber auch ziemli=
ch
kalt und für ein Minipackzelt mit Einfachwandung nicht gerade das, was=
man
liebenswürdig und sanft bezeichnen könnte. So blieb mir nichts
anderes übrig, als kurz entschlossen die Route nach Kalifornien zu
ändern. Warum auch nicht mal Hollywood sehen oder die Pensionäre =
in
Fort Lauderdale in Florida.
Ich muß ihnen schon sage=
n,
einen Monat die Wellblechkarosse eines Busses zu seiner Heimat zu machen, i=
st
nicht immer die große Freude. Überhaupt dann nicht, wenn man mal=
des
Nachts eine zwar liebenswürdige dicke Negermami neben sich hat, die ab=
er
nicht darauf verzichten konnte, ihre Speckrollen auf meinen schmalen Sitz g=
leiten
zu lassen. Ich hatte da immer gewisse Hemmungen, mich einfach und archetypi=
sch
natürlich, sie als Kopfkissen zu nutzen. Die Erlebniswelt dieser Odees=
se
bestand dann auch mehr daraus, Tricks zu finden, wie man neu eintretende
Passagiere zur Vermeidung seines Nebensitzes animieren konnte, als die
Landschaftsschau selbst. Ich wurde da recht gut drin, von vorgetäuscht=
en
Asthmaanfällen bis hin zum fiebrig kranken Leprapatienten. Not macht
erfinderisch. Zu meiner Verteidigung muß ich auf den Dauerzustand
hinweisen, denn einen kompletten Monat im Bus, ist einfach kein Zuckerschle=
cken
für Sehnen, Knochen und Blutzirkulation.
Irgendwann einmal, nach
empfundener Unendlichkeit, entstieg ich meiner Blechheimat in Prince Rupert,
einem kleinen Touristenkaff, an der Nordpazifikküste Kanadas. Hier sol=
lte
es jetzt losgehen mit meiner Berufung als gelebter „Gang des
Wolfes“.
Beim näheren Umschauen
stellte ich jedoch fest, daß durch den Tourismus bedingt, die
Menschenwelt zum Erleben eines Trapperdaseins noch zu nah war, die
Infrastruktur der staatlichen Kontrollinstanzen mich in meiner Verrück=
theit
begrenzen würde, kurz meine inneren Erlebniswelten nicht im außen
wirklich aufblühen könnten. Ich machte in Menschen unzugängl=
ichen
Teilen des naheliegenden Waldes einige müde Versuche, mir eine
Asthütte zu bauen und davor Lagerfeuer zu entfachen, aber immer mit der
Angst, erwischt zu werden.
Angst im Nacken, ausgelöst
durch meine Artgenossen, kannte ich schon zu gut. Das mußte ich jetzt
nicht wiederholen. So zog ich denn 600 km weiter in die Nachbarprovinz Albe=
rta,
auf der anderen Seite der Rocky Mountains. Hoch im Norden fand ich denn den
Ort, den ich brauchte. Fort McMarry hieß er, wo man Ölsand abbau=
te
und wo die Straße im Nichts des Waldes endete. In einer Herberge f&uu=
ml;r
sozial Gestrandete und junge Indianer stieg ich erst einmal ab. Da brauchte=
man
nichts zu bezahlen und bekam noch Franchtoast und Erdnußbutter zum
Frühstück. Ich nahm dort Kontakt zu jungen Leuten auf, die alle v=
om
schnellen Geld in der amerikanischen Ölkompanie träumten und sich=
als
Saisonarbeiter verdingten. Das Dorf bestand denn auch zum großen Teil=
nur
aus Wohncontainern, einem Supermarkt, Billardsalons und Bars. Eine wirkliche
Lebenssubstanz, die über die Ausbeutung Mutter Erdes hinausging, war d=
enn
auch kaum zu entdecken, bis auf die wenigen Indianern. Die allerdings zeigt=
en
sich mir als in ihrer Indianeridentität durch das Bleichgesicht und den
damit verbundenen Alkohol ruiniert. Da war kein Stolz mehr und auch kein
Glauben an den großen fügenden Geist, Manitu, ihrer glorreichen
Vergangenheit. Der neue Gott des Geldes nahm ihnen Wohl den Zauber und die
Mystik ihres in Bescheidenheit geführten ausbalancierten Lebens mit den
Anderheiten der Natur.
Bei mir ging das wohl andershe=
rum.
Ich suchte genau das, was sie verloren hatten, denn ich ahnte aus meiner pe=
rsönlichen
Erfahrung heraus, das Lebensglück rein gar nichts mit dem Gott des Gel=
des
und Alkohols zu tun hat.
Nach dem Kauf einer Handaxt, e=
ines
Bowiemessers, einer kleinen Bügelsäge, einer Forstkarte, sowie vi=
eler
anderer Kleinigkeiten, die mein kindliches Gemüt für wichtig erac=
htete
und natürlich Lebensmittel, zog ich dann als 20-jähriger aus, das
Fürchten zu lernen.
Mein neuer Gott hieß nun
„Überleben“, mein schützender Geist war der Wald, den
Gott der Illusionen des Geldes ließ ich hinter mir.
Meilenweite Forstschneisen dur=
chschreitend
mit schweren Rucksäcken auf dem Rücken und vor dem Bauch fand ich
mich denn urplötzlich vor dem ersten scheinbar unüberwindbaren
Hindernis. Es war ein schnellfließender tiefer Bach, der nirgends eine
Furt zeigte, geschweige denn eine Brücke.
Ich sage Ihnen, lieber Leser, =
das
war nun eine wirkliche echte Herausforderung. Der Weg war verstellt, so wie=
es
sich im echten Leben oft zeigt, schafft Aufgeben, oder Warten oder das Anne=
hmen
dessen, was man für unüberwindlich hält. Das Unüberwind=
liche
zeigt sich jedoch oft nur als das nicht verstehen einer Situation, die man =
nach
längerem Hinsehen begreifen lernt. In meinem Falle war es das erste
Ausprobieren der Axt und dem Bild einer Brücke im Kopf. Ich suchte mir
also einen nahe am Wasser stehenden Baum, dem ich mein Bild der Brücke
hinzufügte. Nach müheseliger Arbeit tat er mir dann auch den Gefa=
llen
und fiel, so wie es das von mir projizierte Bild erwartete, über den B=
ach
und erreichte mit seiner Krone das andere Ufer. Nichts wie los. Der erste
Rucksack wurde herüber balanciert, der zweite folgte, immer das unter =
mir
schnell fließende Wasser vor Augen und Angst vor dem Fallen im Genick=
. Geschafft!
Keine Minute später entschloß sich dann der Baum, mein Bild der
Brücke in ihm zu wandeln. Die ausgestreckten Hände seines Astwerks
krallten sich in die Strömung des Wassers und beschlossen, so wie ich,
eine Reise anzutreten und schwimmend die Welt zu erfahren. Da hatte ich mal
wieder Glück gehabt, aber nun war mir mein Rückweg abgeschnitten.=
Ich nahm es kritiklos hin und
stapfte weiter, bis ich auf versteckte Bahngleise stieß, die auf mein=
er
Landkarte nicht eingetragen waren. Den Bahngleisen folgend begegnete mir da=
nn
nach weiteren Stunden des Wanderns das Pfefferkuchenhaus der bösen Hex=
e.
Vorsichtig und mißtrauisch beäugte ich diesen unerwarteten
Fremdkörper, umrundete ihn wie ein Wolf, in der Hoffnung nur nicht ein=
en
Menschen darin anzutreffen, der mich mästen und danach fressen will.
Gretel war denn auch nicht zu sehen und so wagte ich dann auch meine Runden=
enger
zu ziehen, bis ich endlich einen Blick zum Fenster hinein tat. Das Haus war
verlassen, ein altes Holzschild wies auf den Namen „Cheecham“ h=
in
und brachte mir dann die Erleuchtung, daß es sich um einen alten Bahn=
hof
an Seiten der Bahngleise handeln könnte. Das war denn schon recht
befremdlich. Was sollte ein Bahnhof im großen Nichts des kanadischen =
Urwaldes?
Schleichend wie eine Katze
vergewisserte ich mich meines sicheren Alleinseins, öffnete die
eingerostete Tür der Hütte und fand ein recht annehmbare
Wohnstätte für meine zweite Nacht im Busch. Da gab es ein Bett,
verbeulte Töpfe einen Brennholzofen, Tabakreste mit Zigarettenpapier, =
10
Jahre alte Zeitungen und Bärenfallen. Nach längerem Stöbern =
präsentierte
sich mir ein Kleinkaliebergewehr mit Munition und so manch anderer
Überraschung. Die Hexe dieses Märchenhauses hatte mich also
angelockt, um mir Geschenke zu machen und meinte es gut mit mir. Ich wollte
zwar mit selbstgebastelten Flitzebogen auf Jagd gehen, jedoch hatte der
Waldgeist wieder einmal Einsehen mit diesem kleinen dummen Wicht aus dem fe=
rnem
Europa und gab ihm das, was ihn überhaupt erst überlebensfäh=
ig
in seinem Reiche machte.
Es mag für Sie nun wie ei=
ne
amüsante Lügengeschichte eines alten Seebären vorkommen, aber
ich schwöre, meine Erinnerung trügt mich nicht. Ich fand
tatsächlich dort, in einer absolut fremden Örtlichkeit das, was m=
ir
für einen längeren Aufenthalt fehlte. Später erfuhr ich,
daß das Hexenhäuschen eine Trapperhütte war, die des Winters
über hin und wieder mal als Jagdhaus eines Städters genutzt wurde.
Fragen sie mich bitte nicht, welche Stimme mir die Richtung angab, dieses H=
aus
überhaupt zu finden. Ich nenne es der Einfachheit halber „Ruf des
Waldes“, denn, wie gesagt, der Waldgeist war mir gesonnen und hatte m=
ich
ja bis in den fernen Norden gelockt. Also mußte er mich nun auch mit =
den
nötigen Utensilien ausstatten, wie eine gute Mutter, die ihrem Kinde d=
ie
Brust gibt.
Am nächsten Tag machte ich
mich dann doch lieber mit den Geschenken aus dem Staube und zog meiner Wege=
. Man
weiß ja nie, wer da noch kommen würde, um mir die Geschenke zu
entwinden.
Mein geheimnisvoller Pfad
führte denn auch noch an einem anderen Hexenhäuschen vorbei,
daß aber mit einem dicken Vorhängeschloß seinen Unwillen
gegenüber Landstreichern, wie mir, zum Ausdruck brachte. Diese Hü=
tte
schien auch noch irgendwie benutzt zu werden, was den aufgeräumten Asp=
ekt
seines Innenlebens, durchs Fenster hindurch, zur Schau stellte.
Eine weitere Tageswanderung
hindurch glitzerte und glänzte mir der See entgegen, den ich zu meinem
Ziel erklärt hatte.
Sie kennen ja sicherlich diese
schönen kitschigen Fotos aus Kanada von den Reisekatalogen her, die ih=
nen
weiß machen wollen, daß die Lachse schon auf ihre Angel warten.=
So
in etwa war denn auch das Bild, was sich mir nun enthüllte.
Ich weiß nicht, ob sie d=
as
Gefühl kennen, wirklich angekommen zu sein, Ihr Nest gefunden zu haben
oder Ihre Erfüllung.
Dieser sich mir
präsentierende Ort, der klare, stille See, die mich umgebenden
Birkenwälder, ein kleiner plätschernder Bach, der tiefblaue Himme=
l,
all das war Heimat, reines Sein und Geborgenheit in Friede. Kein Hetzjagd m=
ehr,
keine Ängste vor fremden nicht verständlichen Willen und Auflagen,
Freisein in Körper und Seele, geborgen im Schoße der Mutter, nur
Leben in seiner einfachen und reinen Form.
Und doch mußte ich mich
kümmern, denn schließlich lebte ich in einem verwundbaren
Körper, der mir sagte, Du brauchst Schutz. Nicht vor dem Waldgeist, ab=
er
vor Regen und Sturm, vor Mücken und Kälte und manch anderer Gesta=
lt
der Natur Gottes.
So packte ich jetzt mein
Minipackzelt definitiv aus, suchte mir ein schönes Plätzchen am U=
fer
„meines“ Sees, verteilte Werkzeuge und Lebensmittel strategisch=
und
genoß die erste untergehende Sonne bei Lagerfeuer und Erdnußbut=
terbrot.
Der Beginn meiner Trapperzeit
bestand nun aus Lebenssichernden Maßnahmen, wie das Suchen nach Beeren
und Jagdgründen, Erkunden von Gefahren, Ergründen meiner
Anglerfähigkeiten und natürlich der Festlegung meines Baugrundes.=
Die Entenjagd war denn auch das
Lebensnotwendigste überhaupt. Diese schönen, unbesorgten Tiere ha=
tten
die Angewohnheit morgens bei der Dämmerung, und das war denn auch im h=
ohen
Norden schon gegen 4 Uhr, aus ihrem schützenden Schilf am Ufer
aufzutauchen, um dann schnäbelnd und dümpelnd auf Nahrungssuche zu
gehen. Nur das machten sie schwimmender Weise. So lag ich also lauernd wie =
ein
Fuchs, auch auf Nahrung suchend, am Ufer, mein Gewehr in der Hand und warte=
te
geduldig, bis sich mir eine Gelegenheit bot, abzudrücken. Ein Knall ze=
rriß
den Frieden und schaffte mir einen vollen Bauch. Leider hatte ich danach im=
mer
wie ein Hund in den See zu springen, um meine tote Beute schwimmend an Land=
zu
hieven.
Die Jagd mit einem
Kleinkaliebergewehr ist nun wirklich kein Zuckerschlecken, wenn man auf Ent=
en
geht, die normalerweise mit Schrotflinten betrieben wird. Trotz meiner Bril=
le sehe
ich nicht so scharf wie ein Mensch mit dem berühmten Blick eines Adler=
s,
so daß mancher Schuß sein Ziel verfehlte. Jedoch der Waldgeist =
half
mir wieder einmal mehr und lenkte die Kugel an sein Ziel, so daß ich
hinterher sagen konnte, toll Junge, Du bist ein richtiger Scharfschütz=
e.
Dennoch wurde ich nicht eitel. Die zu Hunderten auftauchenden Stechmüc=
ken,
warfen mich auf die Bescheidenheit meiner körperlichen Existenz
zurück und zeigten mir deutlich auf, daß mir ein schützendes
Bärenfell fehlte. Diesem Handycape konnte ich nur mit einer Lederjacke=
und
doppelten Jeans begegnen, was das Laufen in brütender Sommerhitze nicht
gerade zum Jauchzen veranlaßte. Wie man ein Gewehr kurz vor dem Abdr&=
uuml;cken
ruhig halten kann, während sich 30 Mosquitos auf jede Hand und 20 auf
Fußknöchel und Gesicht setzen, verrate ich Ihnen gerne, wenn sie
auch solch ein Abenteuer bestehen wollen und Kunde beim Geist des Baumes si=
nd.
Um das Thema der Essensbeschaffung abzuschließen, ich aß
Bisamratten, Nerze, Erdhörnchen, Wildhühner, Beeren, Pilze, Brenn=
esseln
und in Alupfannen über der Holzkohle gebackenes Brot. Die Pilze waren =
da
auch noch so ein Problem. Zwischen Häuserschluchten und Mietskasernen =
in
Berlin gab es ja keine Pilze, wenn man mal von Schimmelpilzen im Keller
absieht, die mir meine Mutter als eßbar zeigen konnte. Ich hatte ja k=
eine
Ahnung, was giftig und ungiftig bedeutete, außer daß man ziemli=
che
Bauchschmerzen davon kriegen konnte. Also biß ich in den unbekannte W=
icht
hinein und testete, ob er bitter oder beißend auf der Zunge ist.
Ließ er das Beißen sein, vermutete ich eine gewisse Freundlichk=
eit
in ihm, tat ihn in den Topf und kochte ihn. Einen Teelöffel des Wassers
war denn die erste Probe des miteinander warm werdens. Zeigte mir mein
Compañero, Bauch, dann eine einverständige Geste, so probierte =
ich
am nächsten Tag eine größere Mengen der Kochflüssigkei=
t,
bis ich dann nach 4 Tagen die netten kleinen Waldwesen, Pilze, als gutartig
erkannte. So eignete ich mir im laufe der Zeit ganz gute Pilzkenntnisse an,=
die
ich heute längst wieder vergessen habe. Ich probierte auch Blätter
der Bäume aus, stellte jedoch fest, daß die meisten bitter oder =
zu
holzig waren, außerdem bin ich ja auch keine Giraffe.
An Würmern, wie das der
Abenteuerbäcker aus Hamburg tut, habe ich mich aus ästhetischen
Gründen nie rangewagt, auch Schlangen und Eidechsen habe ich lieber
beobachtet, als einen Gedanken an aufessen zu verschwenden. Mit dem Fischen=
hatte
ich auch kein Glück, da sich mein Angelhacken immer nur tote
Baumstämme im See suchte. Um dem Abzuhelfen baute ich mir ein Flo&szli=
g;
aus frischen Birkenstämmen, in der Hoffnung, daß das neue Gef&au=
ml;hrt
über Wasser mit mir drauf schwimmen möge. Es schwamm zwar, aber m=
it
meinem schmalen Gewicht von 55 kg leider 5 cm unter Wasser. Das störte
mich Anfangs nicht, warf meine Angelschnur mit Wurm versehen aus, jedoch der
Fisch blieb aus, dafür aber um so mehr Blutegel, die sich an meinen
nackten Füßen festbissen. Diese ungewohnte Überrauschung ze=
igte
mir einmal mehr, daß mir Neptun und seine Früchte nicht so gut g=
esonnen
war, wie es der Waldgeist offenbarte. So diente das Floß dann spä=
;ter
nur noch als Hinweisschild meiner Anwesenheit der Canadien Mounted Police, =
die
das stolze Fahrzeug aus ihrem Kleinflugzeug observierte. Diese sogenannten
berittenen Staatshüter waren dann auch meine ersten und einzigsten
Besuchen, allerdings ohne Pferd, sondern mit einer einmotorigen Chesner.
„Mein“ See und die Kufen unter dem Bauch ihres dröhnenden
Flugobjekts diente ihnen dann als physikalischen Grundlage, meine Wenigkeit
unter die Lupe zu nehmen. Ich dachte, ich spinne! Bekam fast eine Herzrhyth=
musstörung
und wollte mich sofort aus dem Staube machen, blieb dann aber, um mein Revi=
er
zu verteidigen. Das müssen Sie sich mal vorstellen. Da stehen sie im
großen Nichts des zweit größten Landes der Erde im Walde, =
und
was kommt? Eine Identitätskontrolle. Als ehemaliger Westberliner kannte
ich ja schon die Sprüche der Volkspolizisten der DDR auf der Stecke Be=
rlin
Transit: „ Ihren Paß, bitteschön. Nu, machense mo de Koffe=
rrom
uff, habense Waffe, Monizion, Funggeräte oder Neckermannkataloge?̶=
0;
Ordentlich uniformiert, taucht=
en
also zwei männliche Wesen mit dem Vorzeichen Mensch mit breitkrempigen
Hüten auf. Sie sahen vom Gesicht her nicht unfreundlich aus, fingen an=
, in
der Asche meines Lagerfeuers etwas zu suchen und befragten mich dann eingeh=
end
um meine Lebensstrategie. Ich erzählte ihnen etwas von Fallenstellen u=
nd
anderen Quatsch, um nur nicht wegen des Gewehrs erwischt zu werden.
Schließlich hatte ich ja keinen Waffenschein, meinen Lebenserlaubniss=
chein,
sprich Paß, hielten sie in ihren Händen. Sie hatten einige Kn&ou=
ml;chelchen
in der Asche gefunden, was auf gute, professionelle Schnüffler hinwies.
Jetzt untersuchte der Eine von Ihnen auch noch mein Zelt, und was fand er, =
mein
süßes kleines Gewehr unter meinem Schlafsack. Na ja, immer auf d=
ie
Kleinen. Also outete ich mich lieber gleich als Spinner, der mal der
Zivilisation entfliehen mußte und erklärte ihnen meine Angst vor=
der
Abschiebung. Diese beiden Menschenwesen wurden offensichtlich durch „=
die
Macht“ beeinflußt, die mich hier beschützte, gaben mir mei=
nen
Paß tatsächlich zurück, so daß ich wieder eine
Menschenidentität besaß, nickten mir freundlich zu und brausten =
mit
ihrem metallischen Pegasus davon.
Fragen Sie mich nicht, was die=
se
Begegnung mir tatsächlich sagen wollte. Bei der Visa Verlängerung=
in
Edmonton schockte mich nur die Sekretärin, die mich mal nur so aus
Neugierde heraus fragte, was ich denn im Planquadrat XYZ am See ohne Namen
suchen würde. Der Computer und die totale Kontrolle hatten schon Einzug
genommen im menschlichen Realfilm, „Big Brother is watching you“=
;.
Ich dachte nur, Du mußt =
Dich
als Vogel verkleiden und dann wird alles gut, keine Grenzen, keine Kontroll=
en,
kein Paß und doch eine Identität, vielleicht eine Nützliche=
re,
als die, eines zerstörerischen Wehrwolfes, namens Mensch.
Nun hieß ich aber Wolfga=
ng
und hatte zur Zeit nicht die Gestalt eines Vogels, noch nicht einmal die, e=
ines
Wolfes, also hieß es, Weitermachen als der, für den mich die and=
eren
halten.
So denn, will ich Ihnen etwas =
vom
Blockhausbau mit Handaxt erzählen, was positiv stimmt und uns an unsere
Kräfte erinnern soll, die auch in Hänschen Klein stecken, wenn er=
nur
will.
Nachdem ich also meinen Baupla=
tz
absteckte, den Pythagoras in mir hervorkramte und ein Quadrat von 3,5m mal =
3,5m
festlegte, begann ich fleißig schwitzend auf die armen Birken einzusc=
hlagen.
Die zeigten sich für den Witz von Miniaxt als ziemlich widerstandswill=
ig
und dennoch war mein Wille stärker. Ich konnte ja nicht ewig in einer
Plastikhaut von Zelt leben.
Ich machte es so wie der Biber,
der hier ja ein Bruder von mir war. Ich beknabberte also die Stämme, b=
is
sie ein Einsehen hatten und die Idee, sich zum Haus zu wandeln auch akzepti=
eren
konnten. Einen vollen Monat brauchte ich, um die kleine ansehnliche Hü=
tte
mit Plastikfolienfenster einigermaßen fertig zu stellen. Lehm, zum
Ausschmieren der Fugen, war zum Glück in einem Meter Tiefe auffindbar.
Gestampfter Erdboden war mein Garant dafür, daß ich nicht
täglich fegen mußte.
Die Tür, das Bett und die
Möbel aus Baum- und Astmaterial nahmen auch wieder einen vollen Monat =
in
Anspruch. Einen kleinen Herd-=
Ofen
baute ich mir aus Lehmwänden und einer alten mühselig
herangeschleppten Eisenplatte vom verlassenen Hexenhaus aus Cheecham. Diese
Platte lag da aber jetzt wirklich draußen nur so herum, die war nicht=
aus
dem Haus geklaut. Sie wissen =
gar
nicht, wie toll es sein kann, sich endlich mal in Ruhe nackt waschen zu d&u=
uml;rfen,
nachdem sie über einen Monat wegen der Stechmücken und Blutegel n=
icht
mehr, als ein 2 minütiges Bad riskieren konnten. Meine Hütte war =
ein
Palast aus festen Baumstämmen, Lichtöffnungen, Wärmequelle u=
nd einem
Dach, mit Birkenrinde. Ein paar schlechte Fotos zeugen von der Wahrheit.
In der ersten Bauphase hatte i=
ch
mal einen Besucher, kräftig gebaut, große Pranken, die durchaus =
in
der Lage wären, eine Axt zu schwingen, der Körper fast so breit w=
ie
hoch und lustig schwarzhaarig befellt. Sie denken jetzt wahrscheinlich, ich
hätte einen polnischen Schwarzarbeiter arrangiert, dem ich nur seine
Sozialabgaben nicht bezahlen wollte. Sie irren sich immer noch in meinem
gutwilligen Charakter, der doch, wenn er nur darf, friedvoll und gemüt=
lich
leben will, wie Bilbo, aus dem Herrn der Ringe.
Besagter schwarzhaariger Besuc=
her,
suchte eben, wie das Wort schon sagt. Er suchte aber keine Arbeit, bot auch
keine Mithilfe an, wie es ja so bei den meisten Besuchern leider üblich
ist – da müssen sie wirklich mal drauf achten. Besucher suchen n=
ur
immer, entweder Tratsch, eine Tasse Kaffee mit Kuchen, ein Schnäpschen,
sie kommen so scheinbar friedfertig daher, aber meistens gehen sie danach m=
it
vollerem Bauch. Dalassen tun sie eigentlich selten etwas. So war das auch b=
ei
meinem. Er meldete sich recht plump mit Geklapper an, eine Türglocke h=
atte
ich noch nicht, und das in die Hände klatschen, wie man es in Paraguay
macht, kannte er nicht. Es war auch noch Sonntag, da wollte ich mal
ausschlafen. Ich schaute zum Zelt heraus, sah aber nur ein Wildhuhn, da&szl=
ig;
sich als Sonntagsbraten anbot. Das fand ich richtig gut, nahm meine Knarre,=
legte
an und vergaß dabei ganz das andere Türgeräusch. Das
präsentierte sich dann beim Knall des Gewehres. Es rumpelte hinter mir.
Meine Brille hatte ich noch nicht im Gesicht, meine Augen waren
schlafvernebelt, aber einen Besucher sollte man nicht warten lassen, noch z=
umal
man ihn vorher mit einem Knall erschreckt hatte.
Da stand also der Bursche, erh=
ob
sich gerade von meinem Müllplatz, keine 5m von mir entfernt, und glotz=
te
mich an, als wäre ich nicht ganz richtig im Kopf, ihn zu stören. =
Ich
grinste ihn an, ganz ohne Witz, und fand ihn wunderschön. Vielleicht w=
ar
Er ja auch eine Sie und meine Phantasien galoppierten mit mir davon. Auf je=
den
Fall war es ein wundervoller Schwarzbär bei seiner üblichen bekan=
nten
professionellen Tätigkeit als Müllsucher.
Wau, welch ein Anblick!
Irgendwie begutachteten wir uns
beide mit Faszination, leider nur sehr kurz, denn er/sie hatte doch
mächtig Respekt vor dem Stock, aus dem es knallt und raucht. Er
verabschiedete sich so denn, kulturlos, wie er kam, drehte mir einfach sein=
en
Rücken zu und ließ bei jedem Hüftschwung die Erde vibrieren=
. Es
waren Sekundenbruchteile des Denkens in mir, ich sah ein schönes warmes
Bärenfell vor meinem Bett, ich sah einen endlich mal gesättigten
Bauch, sah Fettreserven bis zum Winter, ich legte mein Gewehr an und
schoß.
Wieder war der Schutzengel neb=
en
mir, stieß beim Schuß mein Gewehr an und ließ die Kugel
daneben sausen. Ein Segen.
Der Bär war schon in einen
flotten Gang gefallen und 30m entfernt, als meine 22er knallte. Das wä=
re
so die Wirkung eines Wespenstiches für ihn gewesen und der macht
böse. Sie kennen das ja sicherlich, wenn Sie gestochen werden. Dieser
böse Wicht entkommt mir nicht, klatsch, eins drauf und die Strafe ist
vollzogen. So oder so ähnlich wäre dann mein Schicksal als Wespe
für ihn gewesen. Normalerweise ist ja ein Wolf auch nicht so dumm und =
jagt
allein mit seinen puren Tatzen einen Bären, aber der Wolf in mir war e=
ben
noch recht dumm und einfältig und meinte, er wäre der große
Held mit einem Knallbonbon in seiner Hand. Schwamm drüber, ich hatte d=
azu
gelernt, ohne als störende Wespe zwischen die Pranken eines ausgewachs=
enen
erfahrenen Meister Petz zu gelangen.
Diese Erfahrung half mir denn =
auch
am Ende meiner Zeit dort, darauf zu verzichten, die Könige des Waldes,=
in
diesem Falle waren es Elche, zu erschießen, um mein armseliges Dasein=
zu
erretten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich so dastand, schon =
eine
großkalibrige Waffe im Anschlag, den herrlichen Anblick der Elchherde=
vor
mir, zu entscheiden, diese Tiere sollen leben, auch wenn ich noch zwei Woch=
en
hungere.
Es gibt manchmal Situationen, =
da
sollte man gegen sich und für den anderen entscheiden. Das gibt Kraft =
und
Vertrauen im Herzen, wenn auch nicht im Magen, stärkt das höhere =
Ich
und schwächt das Egoschwein. Der Lohn zeigt sich meist auf anderen Ebe=
nen
und in anderen Zeiten. Das kann ich Ihnen sehr empfehlen, einmal auszuprobi=
eren
und damit zu experimentieren.
Die Nordlichter waberten berei=
ts
des Nachts über das Unendliche Schwarz der Heimat der Sterne, boten mi=
r in
dieser himmlischen Aufführung einen Parkettplatz ganz vorne und das al=
les
noch ohne geldliche Eintrittsgebühren. Eine Laserschau ist dagegen gar
nichts, da können Sie ein Feuerwerk über dem Michigan See vergess=
en.
Das ist authentisch und doch mystisch verklärt. Da fragen Sie sich, ob
denn das wohl sein kann, was da oben passiert oder ob Sie zu tief ins Glas
geschaut haben. Wie können nur urplötzlich Nebel an einem
sternenklaren Himmel erscheinen, in allen nur denkbaren und nicht denkbaren
Farben, um genauso schnell zu verschwinden. Da sausen gelebte und nichtgele=
bte
Visionen einher, wie Gedankenfetzen, wie Traumpartikel und wenn Sie sie pac=
ken
wollen, sind sie schon wieder entschwunden.
Der Mystiker sieht darin einen
Teil Gottes, der Wissenschaftler sagt dazu, ionische Entladungen im van All=
en
Gürtel. Suchen Sie sich es aus, welche Art der Empfindung Ihnen nä=
;her
steht.
Aber man sollte es einmal in
seinen armseligen 80 Sonnenumrundungen gesehen und auf sich wie eine himmli=
sche
Medizin wirken gelassen haben, um zu ahnen, das es Welten hinter den Welten
gibt.
Die Zeit des Abschieds ist
gekommen, mein Körpergewicht mit 53 kg paßt sich langsam an die
Enten an, die ich verzehrte. Ich muß gehen, weil mein Visa auslä=
uft.
Doch mein Willen, wieder zu kommen und in dieses schöne herrliche weite
Land einzuwandern, wird fest im Gedanken verankert. 3 Monate allein im Busc=
h,
mit sich selbst redend, jagend, bauend, träumend ist eine Zeit der
gelebten Selbsterfahrung, die einem kein Magier der heutigen Zeit ersetzen
kann.
Leider fragt man heute zu oft,=
was
haste denn verdient in der Zeit. Damals wäre ich peinlich berührt
gewesen. Heute würde ich sagen: „Erfahrungen, mein Kleiner!̶=
0;
Inzwischen erfuhr ich auch,
daß mein Vater verstorben sei. Eine Postkarte meiner Mutter brachte d=
ie
traurige Mitteilung. Wenn mein Vater auch in mir lebt, dann habe ich, glaube
ich, ihm noch eine schöne Abschiedszeit bereitet. Er war immer ein
Künstler, Maler, Schriftsteller, Musiker, Reisender, doch lebte nur den
Beamten und den Krieg. Wenn ich da jetzt etwas für seine nicht gelebten
Erlebniswelten tun kann, soll es mir recht sein.
Nachdem ich meine Blockhü=
tte
schön aufräumte, einen kleinen Brief für einen eventuellen
Trapper hinterließ, machte ich mich auf die Socken. Diesmal wuß=
te
ich schon etwas über die Bahngleise und dessen Sinn mitten im Wald. Es=
gab
einmal wöchentlich einen Indianer und Trapperzug, der auch Materialien
für die Ölgesellschaft anlieferte. Dieser Zug fuhr langsam und hi=
elt,
wenn man den Daumen herausstreckte, unglaublich, nicht wahr, aber es war so.
Das ersparte mir das Fällen von Brückenbäumen, kostete mich =
aber
2 Dollar Fahrtgebühr.
Ich trampte nun quer durch den
Subkontinent, hatte einige interessante Begegnungen in den Herbergen fü=
;r
sozial Benachteiligte, die meine Hotels wurden, besuchte neue Bekanntschaft=
en,
übernachtete hin und wieder bei reichen Leuten, die mich als Narren
süß fanden und gelangte endlich nach New York, der, auch wenn si=
e es
nicht glauben wollen, übelsten Stadt, die mir über den Weg lief. =
Mein
Flugticket, von der Reederei spendiert, war noch gültig.
Den lieben netten Menschen, die
damals auf meine Tricks hereingefallen sind, bitte ich ehrlich um Verzeihung
und um Verständnis, denn wir wußten nicht, was wir taten. Es gab
kein Opfer und auch kein Täter, es gab nur das Handeln, jeder nach sei=
ner
Eigenart. Doch dennoch will ich mich bedanken bei denen, die mir die Abente=
uer
unwissentlich möglich machten.
Wieder zurück in Deutschl=
and
warteten schon neue Erlebniswelten auf mich.
Es dauerte nicht lange, da
verstarb ein Jahr nach meinem Vater meine Mutter. Im Leben liebten sie sich
nicht, aber in den Tot folgten sie sich. Wozu das für sie gut war,
verstand ich nicht. Endlich hatte meine Mutter das Klassenziel der Freiheit=
erreicht,
richtete ihre Wohnung mit hellen Farben ein, eliminierte das Dunkle meines
Vaters. Und bum. Du bist tot.
Bei der Verabschiedung meiner
Mutter an ihrem Sarg brach ich fast zusammen. Als aber dann diese ganzen se=
nsationslüsternen
älteren Herrschaften aus dem Kurort, in dem meine Eltern ihre letzten
Jahre verbrachten, mir die Hand geben wollten, mit einem „herzlichen
Beileid“, verweigerte ich mich. Ich blieb in der Kirche und weinte la=
ut
aus mir heraus. All die nicht geweinten Tränen des nicht verstandenen =
und
nicht geborgenem Kinde in mir brachen heraus. Es gab keine Hoffnung mehr auf
den Mutterschoß, ihre Brüste, ihre Liebe und ihren Streit. Es war
alles vorbei. Ein Teil meines Lebens brach von mir ab, ich war nicht mehr
vollständig, sondern kaputt. Und da warten doch wirklich Fremde, nie
gesehene Leute, am Eingang und geben mir in meiner ohnmächtigen Trauer
keine Ruhe, sondern Lauern. Heute würde ich das anders interpretieren.=
Da standen Menschen vor der
Kirche, die lange schon ihre Tränen nicht mehr zuließen und sahen
ein Menschenkind, daß echt in seiner Trauer war. In ihrer Betroffenhe=
it
konnten sie sich nicht von der Stelle rühren und erstarrten im Entsetz=
en
vor ihrem inneren Erkaltet sein. Wenn dies so war, so verzeihe ich ihnen he=
ute
in Eurer Unsensibilität.
Die Mutter war also zu Grabe
getragen, der Hausstand mußte aufgelöst werden. Ich, als der
Kleinste der Familie, sollte mit seinen 21 diesen Job übernehmen,
während die anderen sich aus dem Staube machten und danach um das erwi=
rtschaftete
Kapital fragten. Etwas aufzulösen, was über zwei Generationen
gewachsen ist, ist eine merkwürdige Angelegenheit. Da es aber nur
Bücher, Möbel und Porzellan gab, wirkliche Reichtümer des
Mittelstandes, wie Häuser, Autos und Aktien nicht, blieben denn auch
Erbstreitigkeiten aus, die ja so furchtbar gerne von den angeheirateten
Verwandten entfesselt werden.
Kurzum, eine Zeitungsannonce u=
nd
eine Versteigerung in gleicher Wohnung löste auf, löste Probleme =
und
brachte mich meiner neuen Mamalosen Realität näher. Das ich mal z=
um
Versteigerer werde, war dabei auch neu, zum ersten- und zum zweiten und ...=
....
14 Tage später hatte das
verschüchterte Muttersöhnchen, Wolfgang, seine erste Freundin.
Die Johanneslust in Bielefeld =
auf
dem Berg war wirklich eine tolle Kneipe, Treffpunkt und Kommune für ju=
nge
Leute. Da durfte man verrückt sein, ohne sich schämen zu müs=
sen.
Ich schämte mich dennoch immer für meine pure Existenz und fü=
;r
mein Mannsein im speziellen. Ich wollte mal ein Mädchen lieb haben, ab=
er
wehe, wenn in mir der Gedanke an Sex kam. In mir steckte Ritterlichkeit und
Treue, Wahrheitssuchend und Zähigkeit. Geilheit wäre da nicht ang=
esagt,
auch wenn mein Körper rebellierte. Ich verstand meinen Körper nic=
ht
und wollte ihn auch nicht verstehen, weil er ja scheinbar böse war, we=
il
er etwas wollte, was meine Mutter in mir nicht wollte und die war ja noch in
mir präsent. Die ist nicht gestorben, die schwebte in jeder Handlung
über mir und bestimmte. Also Platonische Liebe.
Das sah man bei den anderen ju=
ngen
Leuten in der „Johanneslust“ ganz anders und auch bald meine ne=
ue
Freundin. Warum mir da nun mein Schutzengel eine Nymphomanin beschert hatte,
zwecks Heilung meiner hochtrabenden Liebesvorstellungen ist schon sehr
merkwürdig, dennoch war es so. Die Christine war wirklich sü&szli=
g;.
Ich liebte sie, beschützte sie, wäre für sie durchs Feuer ge=
gangen.
Sie war so kindlich, so naiv durch und durch, litt unter Depressionen, woll=
te
sich das Leben nehmen. Das war so richtig gut für den inneren Helden in
mir, der nun seine Prinzessin vor bösen Drachen befreien konnte. Also =
war
ich schon wieder in ein Abenteuer verwickelt, nur diesmal von ganz anderer =
Art.
Es ging also um die Errettung der Seele in Kombination mit Liebe! Damals war
mir der Abenteueraspekt meiner neuen Lehrzeit allerdings gar nicht
bewußt. Es war bitterernst und vertrug auch keinen Spaß, denn L=
iebe
ist ernst!
Wußten sie das schon, Li=
ebe
ist ernst?
Na ja, wenn man gerade darin
steckt, den geliebten von seinen eigenen Gespenstern zu erretten, wird das
schon ziemlich seriös. Besonders dann, wenn man nicht merkt, daß=
die
Gespenster mit den eigenen verflochten sind.
Das ist ja gerade das Urkomisc=
he
in allen streitenden Ehen, wo die Liebe von Freude zu Ernst umschlägt.=
Der
andere hat immer die Schuld, man selbst ist ganz brav und lieb und ansonsten
bleibt man noch, denn man muß ja an die Kinder denken, oder an das ne=
ue
Haus, oder das verschuldete Auto.
Aber lassen wir die Komik und
kommen zurück zum Ernst des Lebens, denn auch ich erreichte nun schon =
das
22. Lebensjahr.
Nach einem halben Jahr mit
Christine kannte ich mich ganz gut damit aus, was man mit diesem Ding zwisc=
hen
den Beinen anfangen soll. Fünf mal hintereinander in einer Nacht war da
mein Rekord, also nicht so gut wie Klaus Kinsky, der es nach seinen Angaben=
auf
einen Dauerorgasmus von 100 mal in 20 Stunden gebracht haben soll. Ich blieb
also ein bescheidener Liebhaber mit gutem Willen zum Lernen. Meine Stä=
rke
war immer, daß mein Ding da unten nach dem Orgasmus nicht schlapp mac=
hte.
Da zollte mir das schwache Geschlecht immer mit Anerkennung. Wahrscheinlich
konnte ich meinen „Höhepunkt“ genauso wenig ernst nehmen, =
wie
alles andere und vergaß einfach, das Ding einzufahren. Im Großen
und Ganzen wendete ich mich also im doppelten Sinne dem Erforscher innerer
Räume zu. Das muß ja auch im Leben gemacht werden, sonst wirkt m=
an
am Ende oberflächlich.
Körperlich fühlte si=
ch
meine Freundin innen sehr harmonisch an, seelisch jedoch war sie das krasse
Gegenteil.
Zu dieser Zeit las ich
während einer 6-wöchigen Türkeireise ein sehr überzeuge=
ndes
Buch über die „Urschreitherapie“. Diese Therapie versprach
einen neuen Menschen nach vollbrachtem Werk. Das Konzept war und ist so ein=
fach,
wenn richtig verstanden, auch sehr effektiv und dennoch nicht jedermanns Sa=
che.
Es ging da nämlich um die Befreiung des Gefühls und damit um eine
Freifahrkarte ins Unbewußte bis hin zur Geburt. Fragt sich nur, wer d=
er
Therapeut ist, nicht war.
Na lassen wir die Polemik und
wenden wir uns Hänschen Klein zu, diesmal mit Manneserfahrungen
gestärkt zieht er aus in einen neuen Krieg. Nachdem also meine Freundin
mit ihrem Unglück und den fehlenden Orgasmen nicht mehr klar kam, such=
te
ich einen Therapeuten in oben besagter Therapieform, um dem Geist des
Bösen auf die Schliche zu kommen. Auch ich wollte mal von dieser
dämlichen Macke des Erretters befreit werden und nicht mehr vor jeden =
Frau
zittern, die ich gerne habe. Ich wurde dann bei den Bayern in München
findig. Die Bayern sind ja auch recht urwüchsig drauf, da paßte =
denn
auch die Urschreitherapie hin. Kosten sind vorher privat einzuzahlen,
Quittungen gab’s nicht, wir mußten einen 10-seitigen Bericht
über unsere Lieblingsteddybären, unserem Verhalten während d=
er
Geburt usw. einreichen, eine Wohnung besorgen, uns von Verwandtschaft
isolieren, keinen Kaffee und Bier mehr trinken, keine Bücher lesen, ke=
in
Radio, kein Fernsehen, nah eben all das, was man Ablenkung nennt, streichen=
.
Das fiel mir nicht schwer. Aber
den gerade neu gelernten Sex nicht mehr zu praktizieren, gefiel dann der
Unterwelt des Körpers schon nicht sehr. 3 Wochen Isolation und jeden T=
ag
eine 3-stündige Sitzung beim Herrn Diplom Psychologen, zu dieser Zeit
Sanyasin des Bhagwan Sri Rashnish. Er und seine Assistentin waren aber einer
der ersten Wenigen, die auch meine Verrücktheiten respektierten, wenn =
sie
selber auch etwas abgehoben heilig wirkten.
Das Durchstöbern innerer
Reiche war denn auch ein spannendes sehr überzeugendes Abenteuer, auch
dann, wenn es wie damals in einer umgebauten Tiefgarage, nein falsch, es war
ein Schwimmbad, stattfindet. Ich hatte mehr Angst vor der Sitzung, als vor =
dem
Bären in der Wildnis. So begegnete ich meinem eigenen Schweinehund in
einer ganz anderen Form. Was vorher für mich als lieb und nett und brav
bewertet wurde, wurde zu einer lächerlichen Farce von Überlebensv=
erhalten
eines kleinen Kindes einem übermächtigen riesengroßen Erwac=
hsenen
gegenüber. Ich fing an, innere Räume und dessen Wirken zu begreif=
en.
Mit dem „Urschrei“ war es dann auch gar nicht so weit her, denn
dieser Begriff entpuppte sich als falsche Übersetzung des so animieren=
den
Buches. Es ging schlicht und einfach um das Zulassen von Gefühlen. Das
hatte mir immer in meiner direkten Umwelt gefehlt und hier wurde es jetzt n=
icht
nur zugelassen, sondern auch gefördert. Einfach verrückt. Da
bemüht man sich zeitlebens sich selbst in den Griff zu kriegen, um in
emotionale Sackgassen zu landen, um dann für teures Geld es wiederum n=
eu
zu lernen. Ich sage Ihnen, dieser Planet ist ein Irrenhaus.
Die Therapie tat mir gut und s=
ie
tat dem Therapeuten finanziell noch besser, auch wenn er so tat, als sei se=
in
Honorar unangemessen billig.
Er kaufte sich später ein
größeres Gebäude am Chiemensee, nicht schlecht, was.
Für mich kam während=
der
Therapiezeit nicht nur die innere Erleuchtung schlichter Selbsterkenntnisse,
sondern der Entschluß anderen Menschen mit dieser Methode helfen zu w=
ollen.
Ich sah doch immer noch um mich herum die traurigen, frustrierten Gesichter
einer Industriegesellschaft, die jeden Morgen aufstanden und ihrer nicht se=
lbst
bestimmten, entfremdeten Arbeit nachgingen, und daß auch in Münc=
hen,
bei den Lederhosenträgern. Das Bierhumpen- Heben war doch auch schon d=
ort
zu einer Farce geworden, man tat es, weil man Bayer war, aber man tat es ni=
cht,
weil es aus Freude am Leben aus einem herauswuchs. Meine Freundin und ich
machten weiter brav unsere Therapie, jedoch nach der Isolationsphase nur no=
ch 2
bis 3 mal wöchentlich. Den Rest der Zeit beschäftigte ich mich mit
dem organisieren einer stillgelegten Tiefgarage, dessen Ausbau zur Gummizel=
le,
dem Annoncieren in Alternativzeitungen, „biete therapeutische Unterst=
ützung
gegen Mitbeteiligung an Therapieraummiete“.
Der Therapieraum, ein dunkles =
Loch
mit Chemieklo, wurde zu unserem zweiten Heim. Dort konnten wir laut drö=
;hnend
Musik hören, durften verrückt sein, ohne 80 Mark die Stunde zu be=
zahlen,
konnten Kiffen und mit LSD experimentieren, aber nach therapeutischen
Grundsätzen diesmal. Unterirdisch war der Raum und unterirdisch war das
Thema, die Entdeckung des Unbewußten, diesmal ohne Hypnose.
Die Kindheit war fern, die
Kindheit war nah, aber keiner von uns erkannte damals den wahren Grund unse=
res
Verhaltens und unseres Seins. Auch nicht der teure Therapeut.
Vielleicht hatte der Therapeut
auch schon das Lachen verlernt oder er haftete zu sehr eines
Kollektivbewußtseins an, was ihm keinen freien Entdeckungsspielraum
ließ. Schließlich war er Diplom Psychologe und mußte dem =
nach
auch seinem Bild des Seelenhelfers gerecht werden.
Das war mein Riesenvorteil und
Vorsprung. Ich war noch nicht angefüllt mit Theorien und Vorstellungen,
wie der Mensch ist, wie er funktioniert und wie er zu sein hat. Ich war
sozusagen jungfräulich und konnte mich in meinen therapeutischen Erfah=
rungen
kopflos entwickeln, schauen und dann erst handeln, ganz ohne den Druck eine=
r vorgegebenen
Idee oder dem spezialisierten Wissen einer Universität.
Beim Schauen entdeckte ich dan=
n,
daß meine Freundin Christine auf dem absteigenden Ast war. Die suchte
sich immer noch durch den Unterkörper und wollte nun unbedingt zur AAO
Kommune in Österreich mit freier Sexualität und
Gemeinschaftseigentum. Den Impuls empfand ich interessant und schloß =
mich
ihrem Anliegen an.
Wir lösten also unseren
Therapieraum auf und zogen in das Reich des Aktionskünstlers Otto
Mühl.
Der hatte Charisma, der
wußte wie man Strukturen schafft, jeden Tag eine andere Geliebte im B=
ett
zu haben und wie man es schafft Liebe zu vermeiden und wie man das Eigentum
anderer vergemeinschaftet, es aber diktatorisch verwaltet und langsam wieder
privatisiert, natürlich in seine eigene Tasche.
Das System war psychologisch so
gut ausgeklügelt, so daß kaum ein Widerstand entstehen konnte. D=
ie
Persönlichkeitsstruktur des einzelnen Mitglieds wurde als böses E=
go
proklamiert, welches zu bearbeiten gilt, das Gemeinschaftsego der Gruppe so=
llte
es ersetzen. Die natürlich immensen Probleme, die dabei auftauchten,
wurden mit einer sogenannte Selbstdarstellung abend für abend, mit
Klavierbegleitung untermalt und bearbeitet. Die sogenannten Therapeuten und
Gruppenleiter(innen) bekamen dafür einen Freischein zum Vögeln der
schönsten Frauen bzw. Männer der Gruppe. Jeder war vogelfrei, bes=
ser
ausgedrückt Freiwild. Kam Otto daher, warfen sich ihm die Frauen vor d=
ie
Füße. Das Joint rauchen und starke Alkoholika waren verboten,
dafür wurde auffällig viel Kette geraucht, um die Spannung
durchzustehen.
Otto Mühl trat mal an mich
rann und wollte von mir Marihuana haben, weil er wohl mitbekommen hat,
daß ich dem nicht abgeneigt war. Ich hatte tatsächlich etwas bei
mir, daß er mir zu gerne für sich selbst enteignet hätte. N=
ur
ich brauchte den Stoff, um meine erbarmungslosen Eifersuchtsanfälle in=
andere
Welten umzuleiten, wenn ich Christine mit irgend einem Typen im Nebenbett
des Gruppenraums Orgasmusschr=
eie
ausstoßen hörte.
Das war nicht meine Welt, die
Theorie hörte sich gut an, die menschliche Herausforderung war gro&szl=
ig;,
aber das Ergebnis war jämmerlich. Eine Welt der Geilheit ohne jegliche
Liebe.
Ich verließ also den
Neusiedler See ohne Partnerin, traf Christine später einmal in
München, einmal in Bielefeld, jedoch konnte sie sich bis zur letzten
Begegnung aus ihrem Schicksalsrad nicht hinauswinden. Sie war meine wichtig=
ste
Geliebte in meinem Leben. Ich werde gemeinsame Erlebnisse mit ihr unter der
Wirkung halluzinogener Drogen nicht vergessen können und ehre sie bis
heute als ein entscheidender Schicksalserfüllungsgehilfe.
Wieder einmal prägte sich
etwas Bedeutendes. Nicht nur die schönen und aalglatten Beziehungen zu
einem Menschen fördern d=
as
Reifen, nein, gerade die steinigen Leidvollen bringen Erfahrungen und Erken=
nen.
Leider werde ich weiter Ihre
Aufmerksamkeit mit meinen noch folgenden inneren Abenteuer beschäftigen
müssen, weil ich Ihnen Wahrheiten erzählen und mich nicht als ein
Odysseus der Neuzeit darbieten will. Menschen, die mir nur ihre tollen Taten
oder auch erfolgreiche Handlungen präsentieren, sind mir immer sehr
suspekt. Entweder verschweigen sie innere Prozesse oder sie hatten nie welc=
he,
wobei letzteres dann auf mich hohl wirkt, auch wenn ihre Taten von Heldenmut
sprechen. Irgendwie steckt ja in Jedem ein empfindsames Kind, welches am Le=
id
seines persönlichen Schicksals zu knabbern hat. Ich finde es auch wich=
tig,
zu erfahren, wie denn mein Mitmensch damit klar kommt, welche Strategien er
entwickelt hat, Leid zu erfassen oder aber auch auszugrenzen. Erst in diesem
Kontext zwischen innen und außen bekommt sein ganzes Wesen eine fa&sz=
lig;bare
Gestalt und Substanz. Erst dann kann ich sagen, ich mag Dich oder ich mag D=
ich
nicht.
Nach meinem Abgang aus der AAO
besuchte ich noch für zwei Wochen weitere Wiener Alternativkommunen. D=
ie eine
nannte sich BBO, die andere CCO. Irgendwie liebäugelten sie wohl alle =
mit
dem erfolgreichen großen Bruder vom Neusiedler See ohne sich jedoch
dessen Zwänge unterwerfen zu wollen. Einzelne Erfahrungen, deren es se=
hr
viel interessante gab, würde aber jetzt den Rahmen sprengen und folgt =
an
anderer Stelle bei bedarf. Lustig war nur die Begegnung einer soliden Botsc=
haftschefsekretärin,
einer flotten rothaarigen Irin, die sich heimlich täglich in einer die=
ser
Kommunen begab, um ihren langweiligen Job im Botschaftsempfangsbüro bei
ihren wechselnden Liebhabern im Bett eines Kommulitonen zu vergessen. Ich war da auch einm=
al
dran. Das war auch so eine Frau, die immer einem Orgasmus hinterher rannte =
und
ihn dennoch nie bekam, was wohl scheinbar das Schicksal der Nymphomanen ist.
Ist ja auch wirklich furchtbar, immer kurz vor der Explosion zu stehen und =
doch
nie geboren zu werden. Das Rauskommen hat zweifellos etwas mit Geburt und
unerfüllten Spannungen zu tun, der Geburtsvorgang ist dem Zeugungsakt =
auch
nicht fern. Frauen mit bewußt durchlebten Geburten wissen jetzt siche=
rlich
sehr gut, was ich meine.
Weil ich nach außen imme=
r so
lieb und brav wirkte, vernaschte mich dann auch noch eine Lesbe, was meinen=
Erfahrungsschatz
ein wenig erweiterte, mich dennoch auch verschämte. Es zeigte nur einm=
al
mehr, daß in mir drin immer noch das Muttersöhnchen steckte, was
jede Frau um den Finger wickeln kann.
Meine Auszeit im Süden
deutschsprachiger Republiken war nun eingeläutet. Ich hörte etwas
über die Entstehung einer Therapiekommune in Osnabrück, so da&szl=
ig;
ich den Rest meiner Klamotten in München abholte und mit meinem verbeu=
lten
Ford 15 M mit großer,
aufgemalter Kanadaflagge, in den Norden klapperte.
Nur mußte ich zu meinem
Leidwesen feststellen, daß die angebliche Therapiekommune das
Hirngespinst einer Osho- Anh&=
auml;ngerin
war, die sich eine Gemeinschaft siedend heiß in ihrer Einsamkeit
wünschte. Die war nämlich mit einem Mann zusammen, der sich einen
Finger aus lauter Wut vor ihren Augen mit der Axt abgehackt hatte, um seinen
Eifersuchtsanfällen eine sichtbare Grundlage zu verschaffen. Da wu&szl=
ig;te
sie gleich, gehe ich fremd oder bin nicht brav, ist der nächste Finger
dran, oder aber auch mein Kopf. Menschen gibt’s, die gibt’s doch
gar nicht, und dennoch überzeugte ich mich von der 4-fingrigen Hand des
cholerischen Herren.
Also mußte ich es wohl m=
al
wieder im Alleingang machen, na was schon, die Therapiekommune aufbauen.
Nur dazu brauchte man Menschen=
mit
ähnlichen Ideen, ein Haus, ein Garten und natürlich auch einen
klugen, weisen Therapeuten. Bis auf den Therapeuten schaffte ich alles mehr
oder weniger heran. Nun, was machen Sie schon, wenn Ihnen nur ein Handwerker
zur Erfüllung eines Traumes fehlt? Normalerweise wagt man sich an die
Arbeit alleine ran und gibt sein bestes.
Das war denn auch meine Devise.
Kein Primärtherapeut da, Du wolltest schon immer anderen in ihren Mise=
ren
helfen, hast mit Deiner Mutter als Seelsorger 18-jährige Erfahrungen, =
mit
Deiner Freundin fast 2 Jahre, die feinmechanischen Werkzeuge hatte ich in
München, Ottobrunn gelernt, also Mut geschöpft und ran ans Werk. =
Sicherlich, daß klingt j=
etzt
für Sie wieder ziemlich naiv oder unglaubwürdig. Jetzt, als
50-jähriger, finde ich das Verhalten dieses jungen Menschen auch recht
befremdlich, aber wir wissen ja immer noch nicht, was aus diesem Kerl 30 Ja=
hre
später wurde.
Ich baute also einen ehemaligen
Kartoffelkeller, Stehhöhe 2 Meter, zu einer Gummizelle in einem
Einfamilienhaus einer Wohngemeinschaft um. Die zur Verkleidung benötig=
ten
Materialien besorgte ich mir in Form alter Sperrmüllmatratzen, die
Beleuchtungsanlage war ein 100 W Rotlichtfokus und ein Dimmer. Eine kleine
Musikanlage für die dynamische Meditation ala Bhagwan Sri Rashnish
besaß ich noch. Der Rest der Wohngemeinschaftsleute beäugten mein
Handeln mit wissend befremdlichem Lächeln.
Was mir nun noch fehlte, waren=
die
Therapieleute, die dem Schrei der Zeit nach Selbstfindung folgten. Also nic=
hts
wie los mit dem alten Ford. Mit fotokopierten einfachsten Werbezetteln, ohne
jegliches professionelles Design, fiel ich über Müsliläden,
Universitäten und Fachhochschulen der umgebenden Städte her. Mein
Vertreterumkreis hatte dann einen Radius von 200 km. Als Vertreter tauge ich
allerdings wegen meiner angeborenen Bescheidenheit und den ewigen
Schuldgefühlen meiner Umwelt gegenüber nicht besonders. Das
Klinkenputzen ist mir bis heute zuwider.
Nichtsdestotrotz meldeten sich
schon innerhalb von zwei Wochen die ersten 8 Hilferufenden, um endlich das
Glück auf Erden zu finden oder zumindest den Sinn ihres Lebens zu erfa=
hren.
Die Vorbereitung meines ersten Einführungswochenendes machte mir Freud=
e,
verursachte aber auch ein inneres Zittern. Hoffentlich erwischt man mich ni=
cht.
Das kannte ich schon von meiner Geburt, der Schule beim Schummeln, aus Kana=
da
und und ....
Aber was soll man machen, wenn=
man
Querdenker und Dickkopf ist?
6 nette junge Leute klingelten=
an
meiner Tür und merkten zum Glück weder mein Zittern, noch die vor=
her
gerauchte Zigarette, die ein Erleuchteter ja nicht mehr braucht.
Die Zeit des Therapeuten began=
n.
Der Workshop lief zur Zufriedenheit Aller, die ersten Anmeldungen zur Inten=
sivphase
trafen ein. Ich nahm das Leben zu dieser Zeit noch furchtbar ernst, mü=
ssen
Sie wissen, so daß ich mir nicht wie Dick Heimtücke die Hän=
de
rieb, sondern mein Wissen über das therapeutische Handwerk in
ständigen fast unbezahlbaren Fortbildungsseminaren vertiefte. Das war =
kein
Zuckerschlecken, wenn man ständig von anderen Therapeuten auseinanderg=
enommen
wird, ohne das die einem sagten, wie man das innere Puzzlespiel wieder zusa=
mmenbaute.
Es hieß immer, „das mußt Du für Dich alleine herausf=
inden.“
Auf der anderen Seite verhalf es mir zu einem Standartsatz, den ich auch me=
inen
Klienten vor die Füße warf, wenn ich nicht weiter wußte.
Über meine Fähigkeit=
en
als Therapeut läßt sich jetzt streiten, aber die Erfolgsquoten l=
agen
doch wesentlich höher, als es meine professionellen studierten Kollegen
verbuchten. Viele meiner soge=
nannte
Patienten hatten massenhaft andere Erfahrungen auf dem Gebiet begonnen, ohne
wirklich zufriedengestellt worden zu sein. Ich arbeitete mit ganzem Herzen =
und
mir lag auch etwas an jedem Menschen und das spürte meine kleine Herde=
.
Das ich es denn auch in meinem
vollen Portmonet spürte, das von Monat zu Monat mehr anschwoll, wie ei=
ne
Schwangere, war mir ziemlich egal, stärkte jedoch das Selbstvertrauen.=
Bald hatte ich so viele Kunden,
daß ich mit dem Kauf einer alten Dorfschule liebäugelte, um ihren
Wünschen nach Platz gerecht zu werden.
Ich glaube, es waren ziemlich
genau 9 Monate, bis diese Geburt zustande kam. Mit 25 Jahren, jüngster
Therapeut der Republik und Hausbesitzer eines 400 Quadratmeter großen
Wohngebäudes, fühlte ich mich schon recht erfolgreich. Sogar ins
naheliegende Ausland wurde ich gebeten, um meine errettenden Workshops
abzuhalten. Scheinbar hatte ich jetzt wohl den Anschluß an
gesellschaftliche Vorstellungsbilder erfüllt, ich war ein nützlic=
hes
Mitglied meiner Sippe. So tauschte ich denn auch den klapprigen Ford gegen
einen gebrauchten Mercedes 280 SEL, wie es sich gehört. Der Stern als
Zeichen des Erfolgs wird ja wohl heute noch gepflegt, also warum nicht ich
auch. Etwas lächerlich wirkten schon meine 60 kg Personengewicht in ei=
nem
solchen benzinschluckenden Schlachtschiff. Aber Erfolg soll man doch zeigen,
rieten mir immer meine Mitmenschen. Meine Mutti wäre nun auch richtig
stolz auf mich gewesen und mein Papa hätte mir auf die Schulter geklop=
ft
mit den Worten, „Du kannst alles machen, nur laß Dich nicht erw=
ischen“.
Mein himmlischer Schöpfer
klopfte mir aber nicht auf die Schulter und der Schutzengel brachte mir sei=
nen
Service mit sehr ernstem Gesichte. Der stellte mir jetzt ein Bein und zeigte
mir mit böser Miene, daß ich da wohl etwas falsch verstanden h&a=
uml;tte,
in unserem Lebensvertrag.
Die Kreditzinsen erhöhten
sich immens, der Mercedes ging zu Bruch und zeigte schlechtere Qualitä=
ten,
als mein erster Käfer, die Nachbarn fingen an zu stänkern, meine
Assistenten spielten Revolution, meine erste Ehe ging in die Brüche. K=
urz
die Seifenblase eines zuverlässigen Geschäfts als Lebensbasis ver=
puffte
in Schall und Rauch.
Ich glaube, meine Rolle als
Therapeut, sagen wir besser helfender Menschenfreund, war wohl gerechtferti=
gt,
aber das dahinterstehende Geschäft mit seiner versnobten Eigendynamik,=
dem
Gelde hinter der Seele, hatte einen Fehler im System. Das spürte ich a=
uch
immer bei diesen extrem teuren Fortbildungsseminaren. Auch wenn die Arbeit =
des
Seminarleiters exelend war, sie entsprach aber wohl nie dem dreifachen Lohne
eines Facharbeiters. Das gleiche habe ich mich auch oft in meiner eigenen
Preisbestimmung gefragt, fand meist irgendwelche fiktiven herrationalisiert=
en
Gründe, doch das Gefühl innen warnte mich immer, nicht zum
Quacksalber zu werden. Noch vor kurzem hatte ich eine kleine Internetdiskus=
sion
mit so einem „Menschenfreund“, der den sogenannten „Licht=
nahrungsprozeß“
für unverschämte Preise anbot. Ich fragte ihn, ob er das Wort Lie=
be
kennt.
Ich kann Ihnen sagen, der war
vielleicht schlecht gelaunt.
Ich sah ihn vor meinem Auge un=
ter
die Decke gehen, wie ein HB- Männchen oder Rumpelstilzchen. Er schimpf=
te unchristlich
via Email auf mich ein, ich soll mal etwas bewußter werden, es gä=
;be
genug Geld im Universum. Wenn ich zu blöd bin, es mir zu angeln, dann
wäre das nicht sein Problem.
Kleinlaut fertiggemacht, gab i=
ch
dann friedfertig nach und dachte mir nur meinen Teil. Auch diesen
30-jährigen jungen Christoph wird das Universelle, was er so schön
interpretierte, einen kräftigen Tritt vor die Kniescheibe geben.
Ein beliebtes Spiel bei
Therapeuten ist es nämlich, universelle Gesetze oft ganz dem eigenen L=
eben
und persönlichen Interessen anzupassen, von Patienten den Abbau ihren =
Egos
einzuklagen, um sich genau von diesen Egos zu nähren. Na gut, meine li=
eben
Zuhörer, sie müssen bedenken, daß Psychotherapeuten den
prä- und perinatalen Geburtsphasen, sowie ihrer Säuglingszeit sehr
nahe stehen müssen, um sich über die Patienten selber zu erkennen=
und
zu erretten. Da kommt es denn schon oft, zu dem verspäteten Saugreflex,
ganz im Rahmen der Erleuchtung natürlich, und so irrt man sich verwirr=
ter
Weise manchmal und glaubt, man müsse das Geld seiner Klienten aussauge=
n!
Wenn die wüßten, daß sie eigentlich Milch meinen, wär=
en
sie auch nicht so bösartig beim Thema Honorar.
Wissen Sie, wenn man Abenteuer
bestehen muß und Verrücktheiten anstellt, wo andere nur mit dem =
Kopf
schütteln, hat man den Vorteil, daß man hinterher mitreden kann.=
Deswegen
werde ich bei dem Thema Menschlichkeit, Mitgefühl und Liebe verbunden =
mit
finanziellem Output immer wieder recht bissig. Ich kann’s einfach nic=
ht
ertragen, wenn es mal wieder heißt:
„Wenn das Geld im Kasten
klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt“.
Das hatten wir doch schon im
Mittelalter. Der alte Tetzel machte ja seine Arbeit als Geldeintreiber der
katholischen Kirche recht gut, da gibt es auch gar nichts zu meckern. Das
erkannte auch Martin Luther gerne an, nur hat er sich eben im Geschäft
vertan, zog nicht seine Maske in Gestalt der Mönchskutte aus und wurde
Händler. Die sind da schon ehrlicher. Beim Händler weiß der
Bürger wenigstens, daß er betrogen oder zumindest übervorte=
ilt
wird. Bei den Kirchen und Therapeuten bleibt da so eine blöde
Unsicherheit. Die verkaufen eben Liebe, die ja jeder braucht und nur wenige=
haben.
Also eine seltene Ware, sozusagen.
Wenn Sie ganz sicher gehen wol=
len,
gehen Sie zu „Momo“, die hat Zeit für Sie, läßt
sich auch nicht von den grauen Herren der Zeitsparkasse bestechen und hat
kapiert, das Liebe etwas mit Zeit zu tun hat. Der würde nie einfallen,
Geld oder bunte Plastikpuppen mit Mechanik einzutauschen, gegen ihre
Zuhörerschaft. Die macht das aus Menschenliebe und Freundschaft und
bekommt dafür höchstens einen Kuchen oder aber die Erkenntnis
über Seelenblumen.
Puh, jetzt habe ich mich mal
wieder ins Schwafeln verloren, wo Sie doch bestimmt wissen wollen, wie es m=
it
dem „Primal Center Osnabrück gem. e. V.“ weiterging, denn =
so
hieß mein Laden. Denken Sie sich aber bitte das gem. e.V. weg, damit =
ich
keinen roten Kopf, des Schames wegen bekommen. Na gut, ich verrate es Ihnen
trotzdem, aber nur flüsternd, sonst schickt mir noch das Finanzamt den
späten Knüppel zwischen die Beine.
Wie ich schon sagte, bin ich k=
ein
böser kapitalistischer Ausbeuter und mußte mir etwas einfallen
lassen, daß auch arme Schlucker ein Anrecht auf therapeutische Errett=
ung
hatten. Wenn man einen gemeinnützigen Verein aufmacht, der auch nach W=
ort
und Tat dem Wohle aller dient, so können Sie sich Steuern sparen. Wenn
dann die ausführenden Kräfte, in unserem Falle Psychomechaniker, =
ein
monatliches Honorar von ca. 500 Mark kriegen, helfen Sie dem Staat bei sein=
en
Militärausgaben gar nicht mehr, den auf den Plakaten freundliche l&aum=
l;chelnden
Politikern bei ihren Diäten allerdings auch nicht. Und das ist
bedauerlich, bei so einem guten, gerade frisch gemachten teuren Gebiß,
wie man beobachten kann, aber da kann man ja Parteispenden unter dem Tisch =
verschieben.
Die anderen machen es auch nicht anders und das prägt, das kennen Sie
doch, nicht wahr?
Zu Hoch- Zeiten meines tollen
Betriebes, und Betrieb gab es schon eine ganze Menge, hatte ich 4 Assistent=
en.
Das Geld, was reinfloß, floß wieder hinaus, ganz so wie man sich
einen Fluß vorstellt. Der Fluß hat leider auch die Eigenschaft =
das
umliegende Gelände zu untergraben. Das waren die Banken und
Rechtsanwälte bei mir. Beide hatten hervorragende erodierende,
auswaschende Eigenschaften und saugen konnten sie auch kräftig. Man ka=
nn
das auch im wirklichen Leben beobachten. Banken und Rechtanwälte werden
immer dicker, die Klienten immer dünner. Das ist universelles Gesetz u=
nd
zeigt sich ehrlich, weil es jeder weiß, daß er betrogen wird, o=
der
etwa noch nicht?
Wenn nicht, dann erzähle =
ich
ihnen etwas von Rechtanwälten, weil dieses Abenteuer noch neu für
mich war. Ich ging also nach Verkauf meines Hauses zu einem, dieser seri&ou=
ml;s
erscheinenden Herren, wie gesagt scheinen, und bat ihm um die Mithilfe, mich
bei der Beschaffung des noch nicht eingegangenen Kauferlöses zu
unterstützen. Der Käufer behauptete nämlich, er hätte d=
en
Hausbockkäfer im Dachgebälk. Das er da einen Käfer oder Wurm=
im
Dachstübchen hatte, war offensichtlich, nur ob das auf mein Haus zutraf
war noch fragwürdig. Der Käufer hatte vor dem Kauf zwei Monate la=
ng
freien Zutritt zu seinem neuen Reich, sah jedoch nie dieses böse
Ungeziefer. Nach vollzogenem Kauf wollte er natürlich mal sehen, was s=
ich
drehen ließ. Mein Rechtsverdreher zeigte sich mir mit imposant geschw=
ollener
Brust, „das Kriegen wir schon, Herr Voss!. Was soll er auch anders sa=
gen.
Das ist wie bei den Ärzten, die sagen, „wie geht es uns denn heu=
te,
das kriegen wir schon wieder hin.“
Der schwarz betuchte Mann ging
also, wie es eigentlich nicht anders zu erwarten war, bis vors Oberlandesge=
richt
und saugte fleißig, wie ein braves Baby, an meinem Geldbeutel. Die ne=
tte
Überraschung war dann ein Vergleich, wo einer sich mit dem anderen
vergleicht und feststellt, daß er beschissen wurde. Die glorreichen
Sieger waren die Herren in schwarz, inklusive dem ach so gerechten Richter.
Aber seien wir mal ehrlich, auch diese Babys haben ein Recht auf Muttermilch
und Saugen. Enttäuscht ist nur Derjenige, der die Spielregeln vorher n=
icht
kannte und, wie das Wort schon sagt, sich getäuscht hatte. Allerdings =
sagt
uns ja auch keiner in der Schule, das Recht und Gerechtigkeit gar nichts mi=
teinander
zutun hat, sondern schlicht eine Täuschung ist, die nur zur
Enttäuschung führen kann. Der brave Täuscher kann allerdings
damit nette Sümmchen einhandeln und seinen geprallten Bauch streicheln.
Als edler Ritter sorgte ich jedoch last not least für wahre Gerechtigk=
eit
und machte allen eine lange Nase. Ich brach nämlich auf nach Süda=
merika
mit Geldsäckel im Sparstrumpf eines bekannten Alpenstaates.
Aber wir haben weit
vorausgegriffen.
Die Differenz zwischen
Gerechtigkeit und Recht hat mich schon immer furchtbar wütend gemacht =
und
lenkt mich nicht nur hier vom Thema ab, sondern auch im wahren Leben.
Also, die Galgenschnüre
meines selbsternannten Errettungsbetriebes zogen sich immer enger um meinen
Hals. Dabei waren wir doch stehen geblieben.
Ich hatte eine wunderbare Frau=
und
zeugte einen noch wunderbareren Sohn, die sich friedvoll in mein Leben bett=
eten.
Auch wenn ich B. von ihrer Jungfräulichkeit befreite und damit ihre, v=
on
ihrer Mutter vorgesehene Ärztekarriere obendrein, hatte ich kein
schlechtes Gewissen. Schließlich hatte ich auch ein Recht auf Leben, =
wenn
man sich schon tagein tagaus mit den Seelen anderer beschäftigt. Beson=
ders
mein Sohn rief nach Daseinsgestaltung, und wo eine Seele ruft, da helfe ich
gerne anderen, auch hin und wieder mit den Genitalien, zu einer Gestalt zu =
kommen.
Für irgend etwas sind diese Organe ja gut, oder?
Die gute Schwiegermama, war mir
nicht besonders gesonnen und schrie nach Abtreibung und ähnlichen
häßlichen, lebensvernichtenden Maßnahmen. Der Bursche, noc=
h in
Transzendenz, schrie aber nach Leben. Er kam, der Schrei nach Leben war
stärker, als die Kraft der grauen Herren in der Schwiegermutter, die n=
ach
Karriere geiferte. Ich kann Ihnen sagen, ich hatte vielleicht eine Wut im
Bauch, als besagte Dame dann herum tuddelnd, das Produkt des Himmels in ihre
Arme nahm und so tat, als wäre nichts gewesen, als wäre sie die
Zeugung in Person. Na ja, Menschen halt, einmal dies, einmal das, Regeln
aufstellen wollen und sich dann selbst nicht daran halten. Kennen wir schon=
.
Das Kind wuchs kräftig, w=
ar
ja schließlich eine echte Hausgeburt, fast nach Leboyer, nur die Mutt=
er
fühlte sich irgendwann vernachlässigt. Da half denn auch keine
zweimonatige Neuseelandreise, um ferne Gefilde zu schnuppern, um vom Auswan=
dern
zu träumen. Sie mußte einfach mal auf eine Fete gehen, ohne Baby
versteht sich, und lernte dort überraschender Weise einen netten jungen
Mann kennen, der mehr lächelte und weniger arbeitete, als ich. Ich
übertrieb es ja wirklich oft mit dem Arbeiten, aber ich liebte auch me=
ine
Patienten, nur ganz keusch. Die Ritterlichkeit und den Keuschheitsgürt=
el
ging dann meiner Partnerin ganz ab. Sie fand den Schlüssel und
öffnete ihr großzügiges Tor zum Leben.
Warum soll sie schließli=
ch
auch nur mir das offenbaren, was einer größeren Allgemeinheit
zustand und Frausein bedeutet eben auch Hingebung an das Leben. Das der Geh=
ilfe
ihrer Bedürfnisse auch gleichzeitig mein eigener im Betrieb war, deutet
schon seine Großzügigkeit an. Wissen Sie, ein Mensch, der oft und
gerne lacht und das Leben nicht so schrecklich ernst nimmt, zieht die
Sympathien an sich, wie Honig die Wespen. So war mein Freund und Helfer und
Liebhaber meines „Schneewittchens“. Als Frau, hätte ich da
auch nicht nein gesagt. Als Mann habe ich da ganz entschieden Nein gesagt.
Warum ich mich dagegen so werte, weiß ich bis heute nicht.
Auf jeden Fall war das Leiden =
mal
wieder angesagt. 9 Monate dauerte mein Ausbrüten, Erhoffen und Ertrage=
n,
ja selbst bis zum Schrei ihres Orgasmus im Nebenzimmer ohne mich, aber mit
meinem netten Freunde. Beide waren noch so freundlich, mir in dieser Zeit
therapeutische und freundschaftliche Hilfe anzubieten, um über diese
schrecklichen Eifersuchtsanfälle hinwegzukommen. Ich dachte doch
tatsächlich, Eifersucht wäre immer eine Krankheit. Meine
Ansprüche an einen erleuchteten Guru waren schon recht groß, und=
der
wollte ich wohl werden.
Jedoch nach 9 Monaten, war mein
Kind ausgebrütet, ich machte den Gemeinheiten ein Ende und schmiß
kurzerhand „Schneewittchen“ und Wolfi raus. Keine Frau, kein Ki=
nd
und einen Freund und Mitarbeiter weniger war die Bilanz, aber auch kein
Lustgeblök im Nebenzimmer und nächtelanges Brüten und Leiden=
.
Merkwürdigerweise fand ih=
re
Beziehung dann auch nach zwei Wochen ein jähes Ende, was mich
denkwürdig auf das Prickelnde einer Dreierbeziehung aufmerksam machte.=
Die
Zahl Drei ist scheinbar furchtbar spannend, doch gibt sie keinen Frieden, b=
is
die Zahl sich verändert hat. Auch interessant, nicht?
Ist schon dumm, wenn man wieder
mal von vorne anfangen muß, aber immerhin habe ich gelernt, daß
Eifersucht nicht nur Neurose ist. Ich verstand nun besser, einige Probleme
meiner Kunden, und konnte zwischen Eifersucht und „Eifersucht, die mit
Eifer sucht, was Leiden schafft“, unterscheiden. Auch sah ich, da&szl=
ig;
ein Kind, keine Garantie für väterliches Lebensglück auf Dau=
er
darstellen muß. Und ich sagte mir, „nie wieder eine
Jungfrau“, die müssen erst noch Erfahrungen sammeln, bis sie zu
einer zuverlässigern Frau gereift sind. Ich meine jetzt nicht das Ster=
nzeichen,
wie Sie schon richtig ahnen, denn die haben ja die Anpassung an die Lebensb=
edingungen
zum Thema. Mein Mädel war aber ein Schütze und die genießen=
das
innere Selbstverständnis hin und wieder in fast löwischer Eitelke=
it,
bis sie von ihrem hohen Sockel fallen. Sie fiel dann auch ziemlich tief, als
sie dann doch noch ein Kind von meinem Konkurrenten bekam, aber keinen gele=
bten
Vater dazu.
Ich schlich also durch die Geg=
end,
überließ die Verantwortung für den Errettungsbetrieb mehr u=
nd
mehr meinen treuen Assistenten, beriet sie bei Fragen, die wir in Videoaufz=
eichnungen
der Sitzungen ansahen und widmete mich meinem eigenen fatalen Leben. Der
Mercedes wurde zu einem bescheidenen Citroen, ansonsten wollte ich mich mal
wieder selber streicheln. Das tat ich denn, mit der Beschaffung eine
Sportbogens und dem Zielen nach neuen Lebenszielen, dem Flugunterricht im
Drachenfliegen und dem Tauchen mit Flaschen. Mit dem Pfeil und Bogen fand i=
ch
nur eine Strohmatte als Ziel, ansonsten blieb die buddhistische
Spiritualität aus, mit dem Tauchen fand ich das Schweben mit den Fisch=
en,
aber sonst nur harte Machos als Kumpels, die ihre Tauchbücher mit
möglichst großen Tiefenangaben zinkten. Aber das Fliegen wie ein
Vogel mit dem Hängegleiter war schon etwas anderes. Meine unendlich vi=
elen
Flugträume wurden wahr.
Der Feind ist hinter mir und s=
chon
geht’s in die Lüfte und die lange Nase heraus gestreckt.
Psychologisch sehr interessant, das Thema.
Stellen Sie sich vor, Sie lauf=
en
da mit so einem großen Ding auf dem Buckel einen Hügel herunter =
und
erwarten, daß Sie bis unten weiterflitzen und plötzlich werden S=
ie
nach oben gelüpft und gleiten in den Lüften, obwohl Sie doch eige=
ntlich
an das Unten einer Ameise gewöhnt sind. Das war dann fast zu viel f&uu=
ml;r
mich. Ein Traum ging in Erfüllung.
Die anderen Bekloppten, die da
mitmachten, waren wohl alle auf dem gleichen Gleis, nur nahmen sie es
sportlicher. Sport interessierte mich jedoch gar nicht. Klar, vor jedem Sta=
rt
hatte ich einen trockenen Mund, flaues Gefühl im Magen, hochgezogene
Schultern, vielleicht geht es dem Adler auch nicht anders, aber die Verlock=
ung
von Freisein war zu groß. Die Vögel haben ja oft so eine
merkwürdige Art ihren Kopf geduckt zu halten, warum nicht ich auch so,
also auf zum nächsten Wagnis. Die Hügel wurden zu kleinen
Berghängen, und diese wurden zu richtigen Bergen. Ich weiß auch
nicht, was Sie machen würden, wenn sich ein roter Milan auf Ihren 6 Me=
ter
langen Flügel setzt und wüten auf Sie einpickt, obwohl der mutige
Bursche keine 50 cm groß ist. Ich konnte in 200 m Höhe nur lachen
und stürzte dabei fast ab. Ich hatte mal einen bleichgesichtigen
Abgestürzten gesehen, der dann kurze Zeit später das Zeitliche
segnete, so wollte ich dann auch noch nicht enden. So zog es mich dann mit
Freunden in das liebliche Umbrien, um es mit meinem Flügel mal richtig=
wissen
zu wollen. Starthöhe 200 m, Wind 25 Km/h, auf geht’s in die Frei=
heit
der Lüfte. Toll, Aufwind packt mich, zieht mich liebenswert nach oben,
begleitet mich im Traum von Vergessen aller menschlichen Bosheit, zieht mich
dem Himmel entgegen. Doch traute ich meinen Augen nicht, als der Höhen=
messer
Richtung Anschlag ging und die Wolke nahte. Die Freude verkehrte sich in An=
gst.
Das hatte man mir nicht beigebracht. Idioten, all diese Lehrer, die lehren
einem immer nur, was man im Leben nicht braucht, eigentlich leeren sie einen
mehr aus, statt sinnvolles reinzutun.
Ich zog am Trapez, die schlanke
Nase meines Drachens schnüffelte den Wind und wollte mehr. Eigensinnig=
keit
kannte ich bei mir, aber nicht bei einem blöden Aluminiumgestänge=
mit
Stoff dran. Also Hand an den Notfall- Fallschirm und auf zur letzten
Gerichtsinstanz. Einleitung des Absturzes, „bist Du bekloppt“, =
aber
hilft ja nichts in dieser verrückten Welt. Der liebe Drachen entpuppte
sich als mit den Zähnen knirschenden Ungeheuers, riß mich in wil=
den
Kreisen nach unten. Er zeigte mir, wieviel Gravitation an Zentrifugalkraft =
er
mitzumachen bereit war, die Augen traten mir in die Höhlen, so wie man
Bilder von Astronauten in Flugsimulatoren kennt. Dieser üble Scherzart=
ikel
von Hängegleiter überstand meine noch übleren Lenkmanöv=
er
und glitt am Ende sanft über die Landewiese. So kam ich mal wieder um =
die
Benutzung des Fallschirms drum herum, was denn auch ziemlich teuer geworden
wäre.
Als dann die Freunde kamen und=
mir
zum schönen Flug gratulierten, kam nur ein zaghaftes, „ja, es war
ganz nett“. Selbst die Luft und die Freiheit war also keine sichere
Basis. Auf nichts kann man sich verlassen, sag ich Ihnen. Glauben Sie
bloß keinem Versicherungsvertreter, der Ihnen irgend etwas aufschwatz=
en
will, das Leben bietet keine Garantien, noch nicht mal der Himmel, wie sie
selber sahen, also von Lebensversicherungen ganz zu schweigen, es sei denn =
sie
wollen, daß die grauen Herren der Versicherungspaläste ihren
geschwollenen Bauch streicheln.
Aber Drachenfliegen kann ich j=
edem
empfehlen, der vom Fliegen träumt, denn es kommt dem Vogel nahe, nur s=
ollte
man nicht glauben, daß es so einfach wäre.
Wer die Erde und das Wasser
erforscht, muß auch mal die Nase in den Himmel gestreckt haben, das F=
euer
erforschen wir jedoch besser am Tag des jüngsten Gerichts, es sei denn,
sie machen`s wie die Amis und probieren es erst mal über Hiroshima aus=
.
Ich lernte da während dem
Drachenflugunterricht noch so ein süßes Mädchen kennen, die=
mir
erzählte sie masturbierte im Auto als Fahrerin auf der Autobahn bei 14=
0 ,
ich glaube die war ein Kandidat fürs vorzeitige Erforschen des Feuers.=
Ich
hatte aber ganz ehrlich nichts mit ihr und beabsichtigte auch nicht mir mei=
ne
Hände an ihr zu verbrennen.
Aber meine Hände verbrann= te ich mir anderswo. Ich lernte die Mutter meines zweiten Kindes kennen, eine überaus kräftige, breitschultrige Amazone mit der pipsigen Stimme eines Spatzes. Sie suchte einen Held und ich suchte einen Ausgleich aus der verlorenen Familie. Wir spielten also das Mann- Frau Spiel ausgiebig an Wochenenden. Ich entsprach untenherum ganz ihren Ansprüchen, obwohl sie ein „Hild“ in ihrem Namen hatte. Damit Sie nicht verwirrt sind nenne ich sie einfach Gabriele und geben ihnen noch den Denkanstoß, daß vor dem „Hild“ die „Macht“ stand, um ihren wahren Namen zu erforschen. Ich war mit ihr auch zufrieden, so konnte also = ein neues Abenteuer beginnen. Komisch, daß Abenteuer meistens etwas mit Täuschungen zu tun haben. Sie hören es also weiser Weise schon he= raus, oder doch nicht? Die gute Gabriele war ein Prachtweib mit glänzenden braunen Augen und langen wehenden, schwarzen Haaren, entpuppte sich jedoch = nach Beendigung der Wochenendbeziehung und Beginn einer Hausbeziehung als nicht = von einfachen Eltern, die sie wirklich nicht hatte. Sie riß den Haushalt = an sich, ordnete alles neu und nahm mit Macht ihr Reich siegessicher in die Hände. Das war mir recht, denn Abwasch und Kochen war nie meine Stärke. Nur war ich einmal krank, war schwach, zeigte sie ihr wahres Wesen. Mißachtung wider jeder Schwäche zeigte sie, wer hier der Machthaber war. Ich glaube, sie vergaß einfach, daß es mich noch gab. Ich konnte froh sein, wenn sie mir ein Krankensüppchen brachte. <= o:p>
Mal gut, daß ich das noc=
h im
letzten Moment bemerkte und der Herr Gott mir eine Grippe bescherte. Es
hagelten Vorwürfe hin und her, unsere Armeen übersprangen die
Schützengräben und schossen erbarmungslos aufeinander, bis keiner
mehr übrig blieb. Was macht da wohl ein schwacher Kaiser, der sich
für einen treuen ritterlichen König entschieden hatte? Er schickt=
den
anderen zum Teufel und stellt den Status Quo wieder her.
Das machte mein Schutzengel
für mich denn auch, nachdem mir besagte mächtige Gabriele ihre be=
drohliche
letzte Waffe ins Feld führte, einen positiven Schwangerschaftstest.
3 mal Ausgang, 4 mal Abwaschen=
mit
Abtrocknen, 5 mal Windeln wechseln und 6 mal Essen kochen wöchentlich =
war
ihre Devise für mich, aber nach 9 Monaten. Sie ließ mir also ein
paar Monate Galgenfrist, bevor mein Kopf fallen sollte. Das tat dann fü=
;r
mich ersatzweise später mein Genenträger.
Das müssen sie sich mal
wieder vorstellen, jemand sagt Ihnen, was Sie zu tun und zu lassen haben ein
dreiviertel Jahr im voraus, bevor die Bombe platzt. Im Zeichen der Liebe! H=
a,
ha!
„Ne Danke, raus hier!=
220;
und fertig.
„Aber Du mußt
zahlen“, waren ihre letzten Worte beim Ausziehen. Ich hörte von
meinem Widersacher erst nach 9 Monaten pünktlich wieder.
„Erkennst Du die Vatersc=
haft
an?“ keifte es aus dem Telefon.
„Nö“, war mei=
ne
Antwort, und klick machte das Telefon.
Das Recht ließ dann auch
nicht lange auf sich warten, wie gesagt das Recht, nicht die Gerechtigkeit,
denn das Recht arbeitet mit der Macht, und Macht stand in der ersten Silbe
ihres Namens und das Schild in der zweiten Hälfte. Na, kennen sie schon
ihren wahren Namen?
Ein lästiger blauer Brief=
aus
dem Kohlenpott forderte meine Anwesenheit vor Ort. Na gut, also vor Ort.
Fahrkosten spendierten sie mir nicht, aber wenn die Dunkelmänner des G=
erichts
kommen, muß man gehorchen, heißt es in den Statuten dieses
Staatsvereins. Mein Verein war wenigstens gemeinnützig, dieser hier war
der Moloch mit Waffen und Verließen. Ich wollte nicht ganz verlassen =
in
Verließen des Molochs verschwinden und blieb brav.
Der Richter fragt: „Erke=
nnen
sie dieses Kind an?“
„Ne“, sag ich wied=
er,
„ich weiß doch nicht, mit wem es diese Gabriele noch alles
getrieben hat“. Feierab=
end.
Auf zum Bluttest. Sie wissen ja
sicherlich wie ätzend so ein Staat sein kann, viele Beamten, alle
langweilen sich zu Tode, keiner identifiziert sich mit Nichts, jeder kennt =
um
seine Machtlosigkeit, man ahnt schon das vertane Leben. Jeder Brocken, dem =
man
einen Kondor zuwirft ist ein Leckerli, auch wenn es Kadaver ist. Ich war als
Leckerli auserkoren. Mich hatte man in den Klauen und wollte ihn
genüßlich zerlegen. Es war wohl gerade kein anderer Brocken zwis=
chen
Kaffee und Nußecken auffindbar. Man hackte also auf mich ein, steckte=
mir
Nadeln in die Venen und saugte mir mein Blut aus. Was danach geschah, beson=
ders
mit meinem wertvollen Rot, sah ich nie mit eignen Augen. Jetzt weiß i=
ch
auch, was der Staatsadler der Bundesrepublik Deutschland bedeutete, der Vog=
el
auf dem amerikanischen Wappen, ist wohl auch nicht mehr wert.
Ich bekam nur einen Brief, da =
stand
geschrieben, Labor XYZ hat festgestellt, sie sind der Bösewicht von Va=
ter.
Ob das alles wohl mit rechten Dingen zuging? Ich weiß es bis heute ni=
cht.
Meistens glaubt man ja das, was Behörden behaupten, denn man will ja
konform gehen, oder. Gegen den Strom zu schwimmen ist schrecklich unbequem =
und
anstrengend. Was soll man auch machen? Gegen die Großen sollte man si=
ch
doch lieber klein zeigen, sich beugen, nein, sich verbeugen.
Passen sie auf, daß sie
dabei keinen Hexenschuß kriegen, schlimmer noch, einen Buckel. Ich gl=
aube
90% von Ihnen hätten spätestens jetzt den Schwanz eingezogen, oder
etwa nicht.
Haßerfüllt zeigte d=
er
Wolf in mir jedoch die Zähne. Sozialstaat hin Sozialstaat her, bevor i=
ch
abgeschossen werde, was zu viel ist, das ist zu viel, Wunden heilt die Zeit,
aber nicht meine und nicht jetzt. Scheiß Leben.
Ich ahnte etwas von den
Gefühlen einer Ulrike Mainhoff. Aber Selbstvernichtung lag noch nicht =
an.
Dafür war das Leben zu spannend und ein Staatgefüge ist es nicht
wert.
Auswandern wolltest Du schon
immer, auswandern tust Du jetzt, Punkt um. Außerdem stand in meinem N=
amen
ja nicht nur der Wolf geschrieben, sondern auch der Gang. Der Gang hat etwas
mit Bewegung zu tun, mit dem Gehen und geschmeidiger Beweglichkeit. Deswegen
durfte ich auch nicht fett werden und dekadent bequem.
Es gab einfach zu viele Zeichen
des Himmels, die mir die Richtung wiesen.
Ob es nun der Nachbarschaftskr=
ieg
wegen durch die Luft fliegender Löwenzahnsamen war, der Lamellenzaun an
der Strasse gegen einen Jägerzaun getauscht werden mußte, die
Baubude und Werkzeugschuppen von mehr als 4 m³ kostenpflichtig entfernt
werden sollte, der Swimmingpool, der 5 cm zu nah am Grenzzaun stand, das Da=
chschrägfenster
keine Baugenehmigung hatte oder ich einmal nicht genug getarnt einen Strahl=
an
den Baum pinkelte. Es war entweder alles verboten, oder es stand alles in
Listen, Tabellen und Rechnungen aufgeführt, wie ich meine Existenz zu
leben hatte.
In der Zeitung stand ich auch
schon, diesmal war mein Therapiezentrum die geheime Zentrale der Bhagwan Sri
Rashnish Sekte, erkundet und ausspioniert vom katholischen Sektenbeauftragt=
en
und einer gewieften Reporterin der größten Zeitung Osnabrüc=
ks.
Zwei volle Seiten widmeten sie mir in der Weihnachtsausgabe mit Bildern und=
allem
drum und dran. Negativwerbung soll ja auch sehr nützlich sein. Nur ich
wußte nichts von der Sekte, weil es keine gab, aber ich wußte d=
as
Zeitungen auch nur überleben wollen. Man erzählte mir
großkotzig etwas von Möglichkeit einer Gegendarstellung und Anze=
ige
machen. Die Gegendarstellung versuchte ich, 3 DIN A 4 Seiten wurden von der=
Redaktion
zusammengestrichen, 3 Absätze im Konjunktiv blieben und das war’s, und
Rechtsanwälte kannte ich schon zu genüge. Die rieben sich immer n=
och
ihr Bäuchlein vom letzten leckeren Happen, den sie mir vom Tisch herun=
ter
gehangelt hatten. Ne Danke, mir reicht`s.
Die letzten Überweisungen
kamen vom Hausverkauf, ich atmete auf, hob alles Geld ab, schloß alle
Konten, stopfte mir die Scheine in den nicht mehr sauberen Parker und fuhr =
in
die Schweiz. Die Schweiz ist ein liebliches Land und die Menschen sind sehr
genau, ja etwas pedantisch. Was gibt es schöneres als pedantisch, gena=
ue,
phantasielose Menschen hinter einem Banktresen, wenn man Geld bunkern will?=
„Ich will ein
Nummernkonto“, sagte ich, und das bekam ich, inklusive einem Kaffee m=
it
Keksen und aufmerksamer Behandlung in Konferenzzimmer 27, einer Behandlung =
die
weder eine deutsche Bank noch ein Arzt mir hat je zukommen lassen Die Schwe=
izer
sind sehr kreativ, damit sie weiter pedantisch bleiben dürfen und werd=
en
damit, wie sie wissen, zum Schützer der Zeit, durch gute Uhren. Und gu=
te
Behandlung kannten meine deutschen Brüder auch nur im Kontext des Wort=
es
„Sonderbehandlung“, in dessen Lagern, die der Konzentration fre=
mden
Geistesgutes dienten, sie sich sehr kreativ austoben konnten. Die einen
schützen die Zeit, die anderen Vernichten und nennen es Sonderbehandlu=
ng.
Unsere amerikanischen Brüder schlagen sich heldenhaft auf die Brust und
„behandeln“ fremdes Geistesgut mit heldenhafter Demokratisierung
ohne zu merken, das andere mit einem Kreuzchen auf einem Stück Papier
nicht zufrieden sind. Ihr Heldentum scheint denn doch verbunden mit den
Deutschen durch ihr Staatwappentier zu sein. Beide Tiere haben scharfe Kral=
len
und schwingen sich auf, in ungeahnte Lüfte und geistige Höhenfl&u=
uml;ge,
verlieren jedoch leider den Boden anderer Realitäten unter ihren
Flügeln und sind dann doch ach so enttäuscht über das
Unverständnis eines Wüstenbewohners.
Verdammt, habe ich mich schon
wieder verzettelt.
Das war wieder meine Welt, Jam=
es
Bond 007 in Kleinausführung, aber dafür wahr. Soll mir doch der
deutsche Beamtenstaat den Buckel runterrutschen.
Das Jugendamt besagter Stadt im
Ruhrgebiet hatte schon seine gierigen Krallen nach meinen Scheinen ausgestr=
eckt
und fühlte sich nun geprellt. Diesmal spielte die mutterfreundliche
Sachbearbeiterin, denn so heißt wohl dieser Job, den Racheengel und
fühlte sich persönlich geprellt. Ich glaube, sie konnte keine Kin=
der
kriegen, weil sie keinen Mann bekam, Männer grundsätzlich nur
Schweinereien zu machen schienen
und doch ein Teil ihrer Biologie rief.
Vielleicht hatte sie aber auch
schon auf einige Prozente Provision gehofft, die sie nun nicht für
Lippenstifte für ihre ausgetrockneten liebeshungrigen Lippen ausgeben
konnte. Auf jeden Fall hängte sie mir noch Paßversagungsgrü=
nde
wegen Betruges an. Das wurde also immer besser und förderte extrem mei=
ne
Kreativität. Ich hatte es bisher immer nur gegen Meister und Chefs
aufgenommen, und auch mehr spielerisches Krallenschärfen, nur diesmal
wollte es jemand richtig wissen. Es war diese Frau im Jugendamt, wie ich
später erfuhr, die sich selbst zum Staat machte und endlich einmal die
männerhassende Furie bei mir als Therapeut herauslassen durfte. Ich
wußte gar nicht, daß ich mich schon zum Ferntherapeuten mit unb=
ekannten
Kräften und Klienten mauserte. Spüren Sie es auch schon, wie mein
übler Geist nach Ihren zarten Hirnzellen grabscht?
Ich setzte ja auch schon hin u=
nd
wieder mal die Werkzeuge oder das Kapital anderer für meine grundauf g=
utherzigen
Projekte ein, aber diese Dame hatte eindeutig eine böse und sehr
kräftige Energie hinter sich. Also spielte ich aus der Entfernung mit =
ihr
Schach und etwas Selbsterfahrungstherapie.
Manche Gegner im Leben sind oft
wesentlich mächtiger, nur werden sie auch meist eitel dabei und sind s=
ie
dann auch noch von Emotionen gesteuert, die falschen und fremden
Vorstellungswelten entsprechen, kann man das Spiel gewinnen. Versuchen Sie =
es
mal!
Wie genau ich die
Paßversagungsgründe löste, darf ich ihnen verständlich=
er
weise nicht verraten, oder später einmal in einem erdachten Roman, aber
ich konnte meiner Wege ziehen, Staat und Furie hinter mir lassend und sa&sz=
lig;
an Bord einer Boing 747 mit Ziel Assuncion, Paraguay, wo alle Bösewich=
te
und Nazis absteigen. Das wußten Sie doch schon? Oder.
Der Diktator Alfredo
Strößner war der große Papa dieses Landes. Als eine Ausgeb=
urt
des Bösen überhaupt wurde er in der deutschen Presse beschrieben,=
der
eben auch nur Strolche wie mich unter seine schützenden Fittiche nahm.=
Sie
wissen ja, Schlechtes fühlt sich durch Schlechtes angezogen, ganz nach=
dem
esoterischen Gesetz der Resonanz. Das schwingt dann in einem so angenehmen
Gleichklang. Ich fühlte mich also unter den Bösewichten richtig
geborgen. Die Menschen dort waren dunkelhäutig und hatten denn auch
beängstigend weiße Zähne im Gesicht, die aber wider Erwarten
weniger bissig waren, wie die Leute meines Vaterlandes. 14-jährige Jun=
gs
durften denn auch vor dem Regierungspalast mit echten Gewehren spielen, um =
den
Papa des Landes zu beschützen. Mein Vater genehmigte mir kaum ein Holz=
gewehr,
manchmal jedoch eine Wasserspritzpistole. Auch lachte man dort auf der Plaz=
a de
Armas (span. Waffenplatz) unverschämt offen und zeigte mir, wie herzli=
ch
die Unterdrücktheit durch einen Diktator zum Ausdruck kommt. Irgendwie
mußte ich da mein Weltbild zurecht rücken.
Böser Diktator, feuchtwar=
mes
Klima, lachende Gesichter, freundliche Aufnahme, günstige Preise,
schöne Frauen, schmuddlige Straßen, Mafiosos mit Sonnenbrillen,
buntes Gemüse, lautes Marktschreier Geschrei, 100-jährige Dampflo=
k,
klapprige Busse, großzügige Villen und Pappkartonslums.
„VielfältigkeitR=
20;,
war denn dann mein erster Gedanke, alles darf sein, mein Zweiter, die Welt =
ist
schön, mein Dritter. Nur wo waren die Finstermänner, das böse
System, die Mordbrenner und schreienden Frauen und Kinder? Das alles las ich
doch vorher in deutscher Presse. War auch das nur eine Lüge, wie ich es
bereits persönlich in Osnabrück durch renommiertes Blatt in Erfah=
rung
brachte? Ich interviewte mit schlechtem Spanisch einige Leute. Die sagten m=
ir
fast alle das gleiche.
Vor dem Diktator war Chaos, je=
tzt,
mit Papa Strößner, gibt’s Ordnung. Sicher, wenn einer hier=
dem
alten Herrn Konkurrenz machen wollte, wurde er abgesägt, aber warum so=
llte
er schon, wenn man in Vielfältigkeit sein Schicksal leben darf.
In mir brachen einige Welten
zusammen. Ich wurde zeit meines Lebens darauf trainiert, das Ordnung eine
Tugend ist, die Anerkennung der Obrigkeit, angeblich durch ein Kreuz von mi=
r,
mitbestimmt wurde, ich alles im Leben werden darf und das ich in einer der
reichsten und sozialsten Länder der Erde lebe.
Nur bei uns waren die Gesichter
streßentfremdet, verschlossen und meist traurig, während hier, im
Bösen einer Diktatur, waren die Gesichter freundlich, entspannt und of=
fen.
Das kann doch eigentlich nicht wahr sein.
„Und was nicht sein kann,
darf auch nicht sein“, müssen sich die Presseleute gedacht haben,
nahmen ihre Kontrastverstärker- Sonnenbrillen nicht ab, wagten sich ni=
cht
aus ihren Aircondition gekühlten 5 Sternehotels und schrieben
fleißig, was das Zeug hält, über eine Welt, die sie sich
vorstellten, um möglichst bald wieder in ihrer Boing zu sitzen, der
für sie besser verständlichen Heimat entgegen.
Ich habe vollstes Verstän=
dnis
für Euch Reporter. Wenn man berufsmäßig zum Lügen
verurteilt ist und nur darüber seine Brötchen verdienen kann, das
Volk selber auch belogen werden will, um ein System aufrecht zu erhalten, w=
as
von Vorstellungswelten regiert wird, die aus dem Verbrauchen der Natur best=
eht,
muß man die Sonnenbrille aufbehalten.
Als Wahrheitssucher kommt einem
fast das Heulen, wenn das Ganze nicht hin und wieder in ein wahnsinniges La=
chen
umschlagen würde, was die Seele vom Schmutz befreit. Danach kann man d=
ann
weiter gehen und weiter schauen
und auch hin und wieder um sich
hauen!
Wissen Sie, ich will auch f&uu=
ml;r
Sie gerne weiter reisen, damit Sie den bequemen Fernsehsessel nicht verlass=
en
müssen. Nur will ich ihnen reinen Wein einschenken.
Ich charterte mir einen
17-jährigen Burschen, Hartmut war sein Name, der auch meiner Landesspr=
ache
mächtig war, wohl so ein Nazisohn, und machte mich mutig mit ihm auf d=
ie
Socken, das Land zu entdecken.
Da gab es Kaffeeplantagen,
Ananasfelder, Palmen- und Farnwälder, Schlingpflanzen, Sojapflanzungen,
Maniok statt Kartoffeln, Zuckerrohr und der dazugehörige Rum, Kolibris,
Gürteltiere, Riesenlagaten, ausgemergelte graue Kühe und viel, vi=
el
rote Erde. Zwischen spanischen Konquistadoren tummelten sich Gurani- Indian=
ern,
deutsche Kollonisten, japanische Bauern, chinesischen Händlern und
gläubige, abgedriftete d=
eutschsprechenden
Menoniten. Die glaubten auch noch an einen Gott weit oben im Himmel, der mi=
t gestrengen
Gesicht und stechenden Waffen über seine menschliche Herde wacht und j=
ede
Abweichung von einer Norm den Dolchstoß in den Rücken gibt. Dies=
e verkorkste
Herde lebte denn auch weit draußen im Gran Chaco, praktizierten auf
schlechtestem Sandboden Ackerbau und Viehzucht und litten unter der harten
unfruchtbaren Arbeit. Aber Leiden gehört ja zum Christentum, daß
sehen wir in jeder Kirche mit dem Kreuz und der blutenden Laiche des himmli=
schen
Lords und wissen denn auch, was mit uns passiert, wenn wir Abweichler sind.
Diese Warnung diente denn auch den Menoniten in Filadelphia, denn so hie&sz=
lig;
der nette Ort mit den angespannte etwas einfältigen Gesichter, der ein
Staat im Staate meines neuen selbstherrlichen neuen Papas Alfredo
Strössner war und wahrscheinlich immer noch ist.
Der eigentliche Sinn dieser Re=
ise
war denn auch das Sammeln von Informationen von Bodenpreisen, Arbeiterl&oum=
l;hnen,
technischem Outfit, Klima, Landschaft, Vegetation und Tierwelt.
Könnte ich in dieser Welt
überleben, würde ich mich mit meinen Eigentümlichkeiten mit =
den
Leuten vertragen, käme ich klar mit politischen und wirtschaftlichen
Verhältnissen, kurzum würde ich hier ein Bein an Land bekommen?
Die Menschen zu mindest lachte=
n,
zeigten sich offen in Fröhlichkeit und Grimm, in Reichtum und Armut. A=
ber
die Primitivität des Denkens, sowie das feuchtwarme Klima machte mir zu
schaffen. Ich habe gerade ein Heft neben mir liegen, mit all den Aufzeichnu=
ngen
meiner damaligen Untersuchungen und Erlebnissen. Nur will ich Sie nicht mit=
den
Details eines verrückten Möchtegern Auswanderers langweilen,
außerdem wird so manches jetzt überholt sein.
Mit gesammelten Daten fuhr ich
erst einmal wieder zurück in die Heimat, um noch einige Angelegenheite=
n zu
regeln. Schließlich mußte ich noch den Verbleib meiner Gummizel=
len-
Einrichtung der Therapieräume regeln, meinen geliebten Hängegleit=
er
unterbringen, sowie diverser Schallplatten, Bücher, Musikanlage und
Möbel. All diese Dinge verschwanden dann im Bauch des Oberstocks eines
alten Bauernhauses, welches ich mit Freunden Jahre zuvor für ruhige
Wochenenden gemietet hatte. Auch wenn das Fachwerk schon bröckelig war=
, so
mochte ich das Haus doch immer sehr gerne. Schließlich hatte ich noch=
mit
eigenen Händen das auf dem Hof befindliche Plumpsklos durch ein richtig
schönes Bad ersetzt, Wände verputzt, elektrische Leitungen gezogen
und einen Garten angelegt. Außerdem stand da auch der Lebensbaum mein=
es
ersten Sohnes, der mit seinen Wurzeln immer noch, wenn auch jetzt in hom&ou=
ml;opathischen
Dosen, nach der Nachgeburt griff. Das war mir damals wichtig, die Nachgebur=
t zu
vergraben, wie es die alten Germanen machten, und einen Baum darauf pflanze=
n.
Sie sehen, trotz allem Wehren gegen Normen, behielt ich doch gerne die ural=
ten
Sitten aufrecht und verteidigte damit die tief zugrunde liegenden Ahnungen =
vom
Wirken des Lebens ohne wirklich zu wissen, was ich da tat.
Der Lebensbaum blieb, wäh=
rend
ich schon die nächste Reise plante. Diesmal die Endgültige, wie i=
ch
damals dachte.
Aus irgend einem mir unbekannt=
en
Grunde fügte mir mein Schutzengel noch eine Frau hinzu. Ich lernte Chr=
ista
über die Therapieszene kennen, verliebte mich schrecklich schön o=
hne
jedoch wieder in meinen Auswanderungsplänen einen Rückzug zu mach=
en.
Ich sagte ihr offen und ehrlich, daß unsere Beziehung nur von ganz ku=
rzer
Dauer sein kann und erklärte ihr mein Vorhaben.
Womit ich nicht rechnen konnte,
war, daß Sie zu meiner längsten Beziehung wurde. Die gute Christa
arbeitete als Krankengymnastin in einer Schule für Geistes- und Kö=
;rperbehinderte
und hatte es satt, den Kindern, trotz offensichtlicher Andersartigkeit, auch
die gesellschaftlichen Normen überzustülpen. Damals spürte s=
ie
schon in ihrem inneren Selbstverständnis, das die Andersartigkeit ihrer
Kinder der Umgebung etwas sag=
en
will. Vielleicht so etwas, wie eine Warnung an die Gesamtsippe. Nur diese
hörte einmal mehr nicht hin, wich nicht von ihren Vorstellungsnormen ab
und versuchte auch da noch etwas hinzudrehen, wo es nun wirklich nichts meh=
r zu
verdrehen gab. Die Offensichtlichkeit von körperlichen Verdrehungen vor
Augen, gleichzeitig aber auch die Verdrehung der betroffenen Eltern, die si=
ch
nicht treffen lassen wollten und weiter ihren Weg der Unbewußtheit gi=
ngen,
verlor sie ihren Mut.
Sie sagte mir damals oft genug,
„Was mache ich da eigentlich? Man verlangt von mir, daß ich die=
sen
Kindern durch Übungen wieder eine normale Motorik beibringe, wo offens=
ichtlich
es nur eine Quälerei für sie sein kann. Die Kinder brauchen das S=
piel
und Lebensmut. Doch ich soll sie noch mehr verdrehen, als sie schon verdreht
sind. Und die Eltern dieser Kinder haben kein einsehen. Wollen, das wir aus=
ihnen
„normale“ Menschen machen, wollen selber aber nicht an dem
arbeiten, was diese Kinder erst verdreht hat!“
Kurzum, Christa ließ das
Verdrehungsinstitut hinter sich und kümmerte sich von nun an um meine
Verdrehtheit. Sie müssen wissen, Christa ist von Sternzeichen Krebs, a=
lso
ein Menschentyp der ja so die Beweglichkeit liebt, daß er sich dabei =
fast
überschlägt und sich dann wundert, wenn er mal wieder kopflos in =
eine
Falle rennt. Sie rannte also kopflos in meine Falle, und die ist schon erns=
t zu
nehmen, wie Sie ja bereits wissen.
So zogen wir denn als Hän=
sel
und Gretel gemeinsam aus, um den verwunschenen Wald der finsteren Zauberer =
zu erforschen.
Immerhin ist nun aus Häns=
chen
Klein ein Hänsel geworden.
Wieder einmal erwischte man mi=
ch
nach einer Zitterpartie an der deutschen Grenze nicht, obwohl ich doch immer
noch auf der Fahndungsliste der Jugendamts- Furie stand. Von Brüssel a=
us
ging’s dann bei minus 25°C ab nach Paraguay, wo ich Christa mein
neues Land präsentierte. Aber bei 30°C Plus mit 90% Luftfeuchtigke=
it
bekam sie nicht gerade Freudenanfälle mit lebhaften Luftsprüngen,
sondern eher ein zaghaftes Dahinschleichen. Schnell wurde sie immer dann, w=
enn
Bäume in Sicht kamen. Dann flitzte sie immer von einem Schatten zum
Nächsten, immer darauf bedacht, dem brennenden Sonnenball zu entfliehen. Die beobachtenden I=
ndios
empfanden diesen merkwürdigen Tanz wahrscheinlich als eine neue
europäische Kampftechnik, gegen einer der merkwürdigen Götte=
r,
die man da drüben hatte. Von dem allergrößten Gott der Grin=
gos
hatten sie schon gehört, der da hieß „Uhr“, und
„ich habe keine Zeit“.
Wir beschauten uns dann brav
touristisch die Iguazu Wasserfälle, wie es sich gehört, wenn man
schon im Lande ist, aßen das beste Eis unseres Lebens auf brasilianis=
cher
Seite, kosteten auch etwas von ihren Churasquerias und verschwanden dann na=
ch
Uruguay. Man muß ja sehen, wo man bleibt.
Uruguay war schon etwas schlapp
auf der Brust, was so die Landschaft und die Leute anbetrifft. Um so faszin=
ierender
waren die vielen Oldtimer, die noch die Strassen bevölkerten. Am
schärfsten fand ich die Idee, bei kaputten Benzintank einfach sich ein=
en
Plastikkanister aufs Dach zu binden, mit einem Stück dünnen Draht
natürlich und einen transparenten, nicht sonnenfesten Schlauch in Rich=
tung
Motorraum verschwinden zu lassen. Da braucht man keine Benzinpumpe mehr, der
Spritt rinnt beständig in den Vergaser und wenn man mal hält, kne=
ift
man den Schlauch einfach mit einer Wäscheklammer zu. Na, wäre das
nicht was für Sie. Der deutsche TÜV wäre auf jeden Fall
glücklich, einen besonderen Leckerli zu begutachten. Die Leute vom
TÜV schauen meist so muffelig, weil sie Besonderheiten, wie diese, nur
noch so selten zu sehen bekommen und die Vielfältigkeit an Erfindungsg=
eist
langsam ausstirbt. Dort war Erfindungsgabe überlebensnotwendig, weil d=
er
Zoll sich mit Autoeinfuhren in etwa so verhielt, wie unser TÜV hier. =
Unübertroffen spannend war
denn der Campingplatz des kleinen Badeortes Piriapolis. Gezirpe und Gesumme=
begleiteten
uns in machtvollem Konzert, bis dann noch Glockengeläut kurz vor dem
Eingang die Symphonie vervollständigte. Die Glöckchenklänge
identifizierten wir erst nach 3 Tagen als die Instrumente kleiner grün=
er
Frösche, die zu gerne in den Büschen um ein Springbrunnenbecken
saßen. Aus dem Becken rettete Christa dann auch noch eine grüne =
gefährlich
aussehende kurz vor dem Absaufen befindliche Schlange und bekam dafür =
beim
Schlangengeist einen Freipunkt, bei der nächsten Begegnung mit seinem
Gift. Die dort zu Maß auftretenden rot bepelzten Vogelspinnen waren so
gar nicht mein Geschmack, die konnten sich sogar aufrichten und springen, w=
enn
man sie gar zu sehr mit dem Stöckchen ärgerte. Dafür glichen
Häßlichkeit die Schönheit in dieser merkwürdigen Welt =
aus.
Des Abends erschienen Wolken von blinkenden fliegenden Glühkäfern=
und
wiesen uns unseren Weg zum Zelt.
Eine Stadt weiter empfing uns =
dann
ganz unromantisch mit heulendem, dröhnendem, rumorendem Lärm von =
Rennautos.
Da fuhren denn wirklich so kleine Flitzer, vielleicht gibt es ja die
Bezeichnung Formel 3, denn in der Größe waren sie ungefähr,
mitten in der Stadt ein Rennen. Armselige Hütten und moderne
10-stöckige Touristenwohnblocks wechselten sich mit diesen lärmen=
den
Asphaltstraßen und Staubwegen. Das Ganze nannte sich „Punta del
Este“ und war Touristenhochburg argentinischer Schuldner, die wohl au=
ch
gerne mal im Ausland ungedeckte Checks verstreuten. Wir machten jedenfalls =
auf
dem Absatz kehrt um und sahen zu, so schnell wie möglich nach Argentin=
ien
zu kommen. Dem Uruguayischen Lande konnte ich nicht so viel Sympathie
abgewinnen, um mir dort ein Leben zwischen den einzigen drei 50 Meter hohen
Hügeln einzurichten. Und=
dort,
wo Zollgesetze von einer Autohausmafia bestimmt wird und dem Volk nur noch =
die
alten Schesen bleiben, weil neuere Autos unerschwinglich sind, brauch ich g=
ar
nicht erst anzufangen. Schließlich wollte ich nicht als Automechanike=
r an
Schrottkarren mein Leben fristen, oder wie andere seltsame Gestalten, Oldti=
mer
nach Deutschland verschiffen, um sich am Snob die goldene Nase zu verdingen=
.
Auf geht’s, in die
argentinische Pampa, nach dem wir nach 3 Tagen endlich den Ausgang aus dem
Moloch „Buenos Aires“ fanden. Was die Leute immer so an
großen Städten tolles finden, ist mir bis heute noch nicht klar.
Aber die argentinische Metropole zeigte sich nicht viel anders, als Montevi=
deo
oder eine andere südamerikanische Stadt und Tango tanzte ich in meinem
Lebenstheater genug. Da brauchte ich keinen argentinischen Lehrherren, der =
mir
zeigt, wie man einen Tanz aufführt, der so wild wird, bis das man sein=
en
letzten Verstand verliert. Wohin der Verlust des Verstandes führt, zei=
gen
uns ja unsere argentinischen Brüder immer wieder einmal beim Umgang mit
dem lieben Gelde. Da sind sie Spezialisten drin: Wie lebe ich ohne zu arbei=
ten
3 Jahre auf Pump und jammere dann mit bitteren Tränen meine europä=
;ischen
Nachbarn an, auf das sie mich retten mögen – und haben sie`s dann
getan – geht der wilde Tanz des Tangos weiter. Kein Wunder, daß
dieser Tanz seine Faszination hat. =
&nb=
sp;
Beim Herumreisen wunderten wir=
uns
immer wieder darüber argentinische Landkarten zu sehen, in denen die M=
alvinen
Inseln prachtvoll als ihr Hoheitsgebiet eingemalt waren. Erst 2 oder 3 Jahre
vorher hatten die Engländer diesem etwas arroganten italienisch- spani=
schen
Mischvolk gezeigt, was eine Harke ist, doch von Begreifen war offensichtlich
keine Spur. Die hatten einfach die Falklandinseln und ihre Dummheiten als
Kinder auf dem Spielplatz dieser Welt noch nicht vergessen und waren wohl in
der Phase des Wartens, auf das der starke Bruder kommt, mit härteren
Knüppeln in der Faust. Man durfte die Leute keinesfalls auf diese Schm=
ach
ansprechen, damit sie einem nicht ein ausgewachsenes T- Boonestake über
den Kopf ziehen. Stakes hatten sie genug, grünen Salat mußte man=
aber
schon erbetteln. Der Salatanbau macht ja schließlich auch Arbeit, da
muß man sich ja bücken, und das mögen Argentinier nicht so
gerne. Also mußte man morgens, mittags, abends Kadaver in sich
reinfressen und zu dieser Zeit auch noch teure „Australs“ daf&u=
uml;r
hinblättern. Der „Austral“ war denn auch einer der vielen
netten Kinderspiele, die dieses etwas merkwürdige Volk vorübergeh=
end
als Zahlungsmittel einführte. „Was kostet die Welt“, war d=
ann
auch ihre Devise. Die armen Leute im Vorstadtslum sah man ja im
Präsidentenpalast nicht, und mit so viel Rindfleisch im Bauch breitet =
sich
schleichend auch der Blickwinkel eines Rindviehs im Kopf aus.
Wir sahen noch einige sehr
schöne Dinge, wie den noch einzig wachsenden Gletscher der Erde,
Seehundkolonien und die sich bis ins unendliche streckende Pampa Pattagonie=
ns.
Diese Weite hatte schon etwas =
und
der dazugehörige entnervende Wind bekam hin und wieder auch etwas
lächerliches. Wir trampten mal mit einem Lastwagen eine längere
Strecke. Da machte der freundlich, aber wortkarge Fahrer eine Pause, um sich
auf einem kleinen Gasbrenner im Führerhaus seinen Matetee zu kochen. D=
as
kam mir dann für eine Pinkelpause sehr entgegen. Ich stellte mich in d=
er
baumlosen Landschaft an den LKW Reifen und versuchte mein Glück. Sie
müssen sich mein Gesicht vorstellen, als ich bemerken mußte,
daß ich meinen Strahl bei 80 km/h kaum noch unter Kontrolle halten
konnte. Meine warme Ausscheidungsflüssigkeit wurde in einer Wahnsinnsg=
eschwindigkeit
von mir gerissen, nahm die richtige, vorher berechnete Bahn, um über d=
ie
Höhe des schützenden Fahrzeugs aufzusteigen, um dann kaum üb=
er
Dachhöhe angekommen, eine 180 Grad Wendung zu nehmen. Das ich bei dies=
em
Teufelstanz meines Urins nicht im Gesicht getroffen wurde, war denn auch re=
ine
Glücksache.
Nun sollte es aber auch nach C=
hile
gehen, in das Land einer anderen Schauergestalt. Na wissen Sie`s schon, wen=
ich
meine? Nein falsch geraten.
Salvador Aliende ist gemeint. =
In
Chile passierte mir nämlich wieder das Gleiche, was schon in Paraguay =
so erstaunlich
für mich war.
Wir kamen über die
gefürchtete Grenze, sahen uns mißtrauisch um, erwarteten bö=
se
Militärungeheuer hinter den Büschen des Zollhauses, aber da war
nichts. An der Grenze selbst stand noch nicht einmal ein Hund. Als wir dann
eine gute Strecke über einen einspurigen Modderweg durch den Regenwald=
zurücklegten,
tauchte ein runtergekommenes Waldhotel schweizerstämmiger Artgenossen =
auf.
Erst am folgenden Tage winkte uns ein freundlicher Grenzer zu und machte da=
rauf
aufmerksam, daß er neugierig auf uns ist. Bis, auf das wir all unsere
Vorräte aufessen mußten, wegen klaustrophobischer Ängste, m=
an
könne die Fruchtfliege ins Land einführen, behandelte man uns
freundlicher, als ich je von deutschen Grenzern behandelt wurde.
Da waren keine Maschinenpistol=
en
oder schlimm verzerrte Gesichter. Da gab es ein paar lustige Zöllner u=
nd
einen Dorfpolizisten, der den Preußen des 18. Jahrhunderts entliehen =
sein
konnte. Wir trafen weder hier noch sonstwo im Süden des Landes
böswillige Gestalten aus einem Augusto Pinochet Märchen.
Klar, ich bin ja nicht so doof=
, um
nicht stutzig zu werden. Ich fragte mich auch, „was wird hier gespiel=
t,
tun die hier alle nur so, ist das eine gut gemachte Maske, so wie Neils
Armstrong auf dem Mond, oder meinen die es wirklich so?“
Mein Spanisch war immer noch n=
icht
zum besten, doch dennoch bekamen wir mit, daß auch dieser Bösewi=
cht
von fast 70% seines Volkes geachtet, ja fast geliebt wurde, während
Aliende als unfähiger Chaot dastand. Wissen Sie, sie werdens mir eh ni=
cht
glauben, aber machen Sie einfach mal selbst drei Stichproben irgendwo in der
Welt, wo die Presse einen Bösen hinstellt und durchkämmen Sie das
Land vorurteilslos. Steigen sie bei der einfachen Bevölkerung ab und n=
icht
in einer Clubanlage. Schauen Sie, sprechen Sie mit den Armen, mit dem Mitte=
lstand
und den Reichen und holen Sie sich eine Statistik über die prozentuale
Verteilung der Bevölkerung. Sehen Sie sich die Familienstrukturen an,
bevor Sie über mangelnde Sozialeinrichtungen meckern und betrachten Sie
sich genau die Gesichter und Bewegungen der Menschen. Dann urteilen Sie. Ab=
er
urteilen Sie nach dem Maßstab der Menschen dort, nach dem Kontext ihr=
er
Kultur, ihrer Empfindungswelt und ihrer Begegnungen in ihrer Umwelt.
Sie werden staunen. Plötz=
lich
bekommt unsere Welt ein vollkommen anderes Gesicht und sie werden danach wi=
ssen,
daß Fernsehnachrichten und Weltspiegel eine gute Unterhaltungssendung
ist, aber eben nicht mehr.
Sie haben es doch noch vor kur=
zem
erlebt. Die guten Amerikaner und die bösen Irakis. Der Pressebrei ging
doch nun wirklich auf keine Kuhhaut. Nehmen wir es von der lustigen Seite u=
nd
fragen uns lieber, ob es denn das wert ist, sich über Lügen zu
ärgern. Wenn die Lüge eine Schwäche ist, dann sollten wir den
Schwachen auch ihre Schwächen lassen. Oder? Jeder braucht
schließlich seine Überlebensstrategie.
Nun gut, aufklären wollte=
ich
Sie schon, bevor wir weiter in das herrliche Chile eindringen und durch die
dortigen Wälder streifen.
Die Menschen hier zeigten sich
bescheiden und zurückhaltend, ganz im Gegenteil zu ihren
großkotzigen Nachbarn. Die hier aßen aber auch erstaunlich viel
Gemüse und Obst, waren aber einem Grillbraten über dem Feuer kein=
esfalls
abgeneigt.
Am ersten Campingplatz an einem
tiefblauen See landete ein altes klappriges Holzboot. Zwei Gestalten zogen =
es
an Land und holten ihre Ware heraus. Es waren knackig schwarze Kirschen, ge=
rade
frisch vom Baum eines naheliegenden Ufers geerntet. Dann gab es noch Milch =
und
Käse. Diese Gesichter hatten nichts von Arroganz oder selbstherrliche =
Eitelkeit.
Klar, es waren Kleinbauern und nicht gefürchteten Patrone aus dem
„Geisterhaus“, aber uns begegneten viele dieser Art von Mensche=
n.
So erkundeten wir denn auch
besonders die südliche Seenplatte, bevor wir uns die große Insel
Chiloe und später dann den Norden ansahen.
Ich hatte auf jeden Fall im
Seengebiet „mein Schlüsselerlebnis“, ich wußte jetzt=
, wo
meine zukünftige Heimat liegen wird. Da wuchsen einem die Brombeeren in
den Mund, da gab es urweltliche Ochsenkarren mit Holzplattenrädern, ga=
b es
Pferde auf großen Blumenwiesen, da wechselte sich die Landschaft zwis=
chen
Urwald, Parklandschaft, Unkrautwiesen und Feldern ab. Aber es gab auch Auto=
s,
Lastwägen, Asphaltstraßen und eine Eisenbahn. Das Land zeigte si=
ch
uns damals als eine gelungene Mischung alter und neuer Lebensweise, harmoni=
sch
aneinander geschmiegt, ohne dem Menschen etwas aufzwingen zu wollen, was er
nicht bestellt hat. Witzige kleine Kioske übernahmen in Dörfern o=
ft
den Lebensmittelhandel mit dem Notwendigsten, Tante Emma Läden mit
ungehobelten Brettern als Regale boten ihre Ware feil, aber in den Stä=
dten
gab es auch moderne Supermärkte, die uns als Deutsche weniger erschrec=
kten.
Wir probierten dann auch die
chilenische Küche. Von Curanto, einem Fisch, Muschel, Fleisch,
Hühnchen- Mischgericht, über Empanadas, Pastel de Choclo, Casuela,
Asado de chivo und und alles durch. Leider findet der Reisende nach der Abs=
chaffung
der Diktatur häufig nur noch amerikanisches Fastfood- Fressen
(Entschuldigung). Wie das nun kommt, ahne ich nur, aber wissen kann ich es
nicht. Auf jeden Fall hat es etwas mit dem ausländischen Geldfluß
ins Land zu tun, nicht jedoch mit der lobenswerten Einführung demokrat=
ischer
Grundregeln.
In Santiago hatten wir etwas
Privatunterricht in Spanisch und blieben auch dort etwas länger. Dadur=
ch
weiß ich auch um die Nachteile einer häßlichen Diktatur zu
berichten. Man hörte manchmal Bomben detonieren, man sah jetzt auch Ge=
wehre
und Maschinenpistolen, Militäranzüge, in denen grimmige Menschen
steckten, Helikopter kreisten manchmal bedrohlich witternd am Himmel. Da
gab’s die Linken und die Putschisten, die sich keine Ruhe gönnte=
n,
beide waren scharf auf die Macht, das Volk jedoch kümmerte sich um ihre
eigenen Sorgen und Nöte. Und das ist beim Südamerikaner generell =
die
Familie, die die Größe einer Sippe erreicht.
Kaum verließen wir die
Metropole, die wie ein Staat im Staate eine vollkommen andere Eigendynamik
hatte, kehrte wieder Ruhe ein. Keiner im sonnenverbrannten Weintraubental
„Valle de Elqui“ interessierte sich für das Machtgehabe ei=
niger
Leute in der Hauptstadt. Hier schaute man auf das, was sich jedem
schicksalsgefügt vor die Füße legte. Es waren Trauben, Mang=
os,
Mandarinen, Zitronen, Orangen und Aprikosen. Jeder wußte hier, eine
Pistole kann man nicht essen, Parteiergreifen bringt Unfriede und so nahm m=
an
Partei für sich selbst und feierte das Leben.
Dort feierten wir unser
Rucksackleben mit einem 3-tägigen Reitausflug in die Berge, samt Packe=
sel.
Der machte sich allerdings mit einer wilden Eselin des nachts aus dem Staub=
, so
daß der Rückritt ziemlich beschwerlich wurde. Der alte Bauer gab=
uns
seinen Sohn als Führung mit, bis zum Schluß in der Hoffnung,
daß er die junge Cornelia, die mitritt, danach vernaschen zu kön=
ne.
Wir pflegten dann noch unsere abgewetzten Hinterteile nach erstbestandenen =
Kontakt
mit Reittieren.
Die chilenische Atacama
Wüste, eines der Trockensten der Welt, war unser letztes Ziel. Doch hi=
er
hatte der Tourismus schon in Kleinausführung Einzug gehalten. Nach ein=
igen
Wüstenwanderungen, unter anderem ins „Valle del la Luna“, =
dem
Mondtal, sagten wir Chile adieu.
Nun ging es über einen 50=
00 m
Paß über die Anden zurück nach Argentinien. Wir spürten
sofort den Unterschied. Hier wollte man wieder für jedes ans Bäum=
chen
strullen Geld , man war wieder ach weiß wie erhaben über andere =
und
ach so stolz auf seine unermeßliche Größe. Im Wesen
können zwei Nachbarn kaum unterschiedlicher sein, obwohl beide der
gleichen Kultur entstammen.
Von „Salta“ ging es
dann mit dem Bus quer über den Kontinent nach Paraguay, wo der Flieger
schon auf uns wartete.
Also hieß es erneut
zurück ins Land der Denker, Qualitätsarbeiten und einem
allmächtigen Staatsgefüge mit wenig warmherzigen Beamten.
Jetzt lag es an Christa, ihre
Dinge zu ordnen, während ich mich des öfteren bei meinem
Erstgeborenen meldete. Dieser kam nämlich in die Schule, einer
Waldorfschule mitten im Grünen, mit der Architektur eines großen
Schiffes und Abenteuerspielplatz. Der hatte scheinbar mehr Glück bei
seiner Anpassung an die Vorstellungswelten der Gesellschaft, als es mir dam=
als beschieden
war. Aber ob es wirklich so ein großer Unterschied ist, in eine evang=
elische,
katholische oder Steiner`sche Schule zu gehen, bleibt dahin gestellt, so la=
nge
der TrimmDichPfad des Lebens sehr ähnliche Muster und Werte aufzeigt. =
Da
sehen vielleicht das Reck, die Weitsprunggrube oder das Klettergerüst =
anders
angestrichen, vielleicht sogar anders gestaltet aus, aber dennoch bleiben es
die gleichen TrimmDich Geräte mit der Ideologie, „halte Dich ges=
und,
wenn Du sonst schon eine krank machende Tätigkeit tagein tagaus dem Ge=
lde
wegen durchführen mußt.“
Mir standen fast die Trän=
en
in den Augen, das Produkt meiner Liebe jetzt als kleinen Dötz mit
Schultüte im Arm zwischen etwas grau anmutenden auffallend dürren
Lehrern zu sehen. Er wirkte noch so zerbrechlich zwischen all den Groß=
;en
und den Schraubstockbacken einer Institution. Aber er wird’s schon
schaffen, dachte ich, was Dich nicht umbringt, macht Dich nur härter
– leider auch gefühlstoter.
Inzwischen ist der Kleine mit
seinem „TrimmDichPfad“ fertig, hat seinen Entlassungsschein aus=
dem
Knast in der Hand und ist ausgelernter Erzieher. Ist das nicht ein Witz. Der
will jetzt andere Erziehen, wie man es ihm gezeigt hat und ich will das gle=
iche
auch, wie es das Leben mir gezeigt hat. Der gleiche Job also, nur gibt es a=
uf
meinem Pfad keine Volksertüchtigung, sondern Volks- Erkennen. Er tut, =
was
er gelernt hat, ich tue, was ich erfahren habe. Tun Sie was Sie erfahren ha=
ben,
oder was Sie gelernt haben?
Nach einem halben Jahr waren
Rucksack und Reisetasche von Christa und mir erneut gepackt, ein paar
große Scheine lukten diesmal aus meiner Hemdstasche heraus, denn dies=
mal
wurde es ernst.
Na, sie wissen schon, so ernst
wird es bei mir nun auch wieder nicht. Aber jetzt sollte Grund und Boden
gekauft werden und auch mal ein praktischer Teil folgen, bei dem man die He=
mdsärmel
hochkrempelt, etwas sichtbares zustande bringt und nicht nur blöde
Sprüche kloppt. Das sollte ernst werden, obwohl mit Spaß verbund=
en
und schlicht und einfach Freude bereiten.
Im Januar 1987 stiegen wir erst
einmal in Temuco ab, unserer zukünftigen Provinzhauptstadt, trafen dort
auf dem Zentralplatz einen Ringebieger und Armreifenmacher. Christa hatte da
mit einem Kettchen Probleme, und so löste sich das Wohnproblem umgehend
mit. Besagter Kunsthandwerker, namens Juan, hatte eine große Wohnung =
und
brauchte etwas Mietbeteiligungsgeld. Wie Sie sehen, alles kommt alleine, we=
nn
man sich nur öffnet und mutig vorangeht. Je weniger man plant, desto
effektiver arbeitet der Himmel für Sie. Glauben Sie nicht? Dann lassen=
Sie
es eben und quälen sich weiter, bitteschön.
In dieser Wohnung mit gro&szli=
g;en
ordentlichen Zimmern, wohnte noch ein anderer Mensch, der an seiner Ausbild=
ung
herumknabberte. Das war schon mal unser erster unendgeldlicher Spanischlehr=
er.
Die Freundin, des Kunsthandwerkers war Inspektorin im Grundbuchamt. Es fehl=
te
nur noch ein Makler im Bunde, dann wäre der Zirkel abgerundet. Den fan=
den
wir hier nicht, aber unser erstes Auto und ein Langzeitvisa für Chile.=
Mit
dem alten Landrover 67 machten wir uns auf Entdeckungstouren und zogen nach
Pucon, einem kleinen, aber berühmten Touristenort, 120 km entfernt. Do=
rt
waren wir direkt am riesigen Villarrica See und hatten gleichnamigen Vulkan=
im
Auge. Ich weiß nicht, wie Sie sich fühlten, an einem ständig
aktiven vor sich hinqualmenden Vulkan zu sitzen und zu wissen, die Erde ist=
da
noch richtig feurig und damit auch jungfräulich. Uns beiden machte es
jedenfalls nichts aus, eher umgekehrt, vielleicht wurden wir als Liebhaber =
auch
eher feurig.
Wieder lockte einmal ein
Abenteuer. Wie schafft man es, sich ein Stück Land zu kaufen, daß
man noch nicht kennt, geschweige denn eine klare Idee hat, wozu es beschaff=
en
sein soll. Ich wußte nur, ich will Robinson Crusoe spielen mit allem =
drum
und dran. Und ich wußte auch, daß ich nicht Billy Gates hei&szl=
ig;e
und nicht über dessen Startkapital verfüge.
Da gab es denn etwas am Rio
Turbio, wie uns ein Kneipenwirt mitteilte, 50 Hektar mit Haus, Strom und Ga=
rten
nur 8 km vom Ort. Das Gelände war platt, wie eine Modepuppe der Neuzeit
und strahlte genauso wenig Persönlichkeit und Fruchtbarkeit aus.
Zusätzlich erfuhren wir, daß im naheliegenden Flußbett imm=
er
das kochende Wasser des ausbrechenden Vulkans vorbei gerauscht kommt. Meine Eier
wollte ich mir anderweitig erhitzen und so verzichteten wir auf dieses
Schnäppchen mit unleidlicher Drohung des feurigen Berges im
Hinterstübchen.
Wie ich schon sagte, daß
Schicksal wirkt, wenn man bereit ist hinzuhören, auf recht eigenartige=
Weise.
Wir besuchten einen Makler im Nachbarort und äußerten unsere wag=
en Bedürfnisse.
Der fand dann viele nette Objekte, die ihn fett und uns dürr gemacht
hätten, als denn ein schmales Männchen sein Büro betrat und =
sich
aufregte, warum er denn nicht sein gutes Stück Land anbiete. Als wenn =
das
Kerlchen es gerochen hätte, wir wurden hellhörig, trafen uns
später mit seinem Sohnemann und knatterten die Berge hinauf in den Urw=
ald.
Da gab’s einen Hausberg,
zwei Flüsse, zwei Wasserfälle, viel Wald, einen „Hausvulkan=
“,
ein paar abgeknabberter Weiden und eine alte Holzhütte vor dem
Zusammenbruch. Mit Wüstenrot hätten wir die süße Ruine
auch nicht mehr renovieren können. Mein Wolfsherz schlug heftig, meine
grünen Augen wurden noch grüner. Ich sah mich schon als Wehrwolf
durch die Wälder streifen und auf Hasenjagd gehen. Christa sah ihren
Gemüsegarten schon in Erntephasen. Phantasie hatten wir beide, der Wil=
le
war stark, und das Verkäufermännchen hatte es eilig mit dem Geld.=
Das paßte ja dann wohl. =
Wir blätterten notariell
beglaubigt unsere Scheine dahin und zahlten an. Gut so, denn man weiß=
ja
nie und der Himmel war uns hold, auch als Sicherheitsberater.
Zwei Tage später erfuhren=
wir
dann von einem Nachbarn, daß besagtes Männchen an den Papieren e=
twas
herumgefummelt hatte.
Na gut, wozu das nun gut war, =
war
uns erst mal nicht klar, aber wir beide waren schon zäh vom Vorleben. =
Wir
hatten ja unsere Verbindungen durch die Inspektorin- Freundin vom Amt und
lernten über dieses anliegende Übel viele nette Helfer kennen.
Die klärten uns auf. Das
Männchen mit der heiseren Stimme bekam keinen Pfennig mehr.
Wir ließen unsere Ä=
cker
neu vermessen, veröffentlichten brav drei mal unseren Antrag auf den
Landtitel in der Presse und
zäunten das Gelände ein, das bisher wohl nie eine klare
Abgrenzung gesehen hatte. Fleißig spielte ich Schwertkämpfer mit
meiner Machete, um Waldschneisen durch den Busch zu schlagen, buddelte Hund=
erte
von Zaunpfahllöchern, schleppte genauso viele mehlsackschwere Pfosten
durch die Gegend, zerkratzte mir beim Ziehen des Stacheldrahts Arme und
Hände und lernte dabei unseren Besitz erst richtig kennen.
Ein Jahr später winkte der
Titel, und wir machten dem Männchen und eventuellen Erbgemeinschaften =
eine
lange Nase. Sie glauben gar nicht, wie sich der kleine, ständig heisere
Verkäufer aufführte, als er erwartete Dollar nicht rieseln sah. D=
er
war in Wirklichkeit auch gar nicht der Eigentümer, sondern mehr so eine
Art Zwischenhändler. Wie wir später erfuhren hatte er schon einige
arme Leute aufs Kreuz gelegt. Jedenfalls traf ich ihn später
plötzlich einmal in einem Laden, wo er eine Szene machte, Mordio und
Totschlag schrie, wie man es eben von betrogenen Betrügern kennt. Es w=
ar
schon ganz nett, auch mal Racheengel zu spielen, obwohl mir persönlich
diese Tätigkeit immer etwas Angst macht. Aber manchmal muß man da
durch. Man kann ja nicht immer nur lieb sein, oder?, und das war ich doch
normalerweise, wie Sie bereits wissen.
Das Schicksal richtete den kle=
inen
Mann zwei Jahre später etwas heftiger, als er mit seinen Betrüger=
einen
fortfuhr. Es bescherte ihm einen tödlichen Kehlkopfkrebs. Ich sag Ihnen
ja, wer viele Lügen erzählt und andere damit ins Unglück
stürzt, hat keine lange Freude an seinem Stimmapparat. Da fühlt s=
ich
die Stimme oder der Kehlkopf in einem solch schändlichem Wesen unwohl =
und
macht eben mal etwas, was dem Rest des Wesens hinderlich wird. Auf jeden Fa=
ll
trat er ab und wir traten an.
10.000 Mark hat uns letztendli=
ch
das „Campo“ von 60 Hektar gekostet. Scheinbar mochte uns die Er=
de
dort, sonst hätte sie uns
nicht gelockt und sich so anstandslos hingegeben. Wie Sie wissen ist die
Hingabe der Erde für das Aussehen neuer Ideen wichtig. Die Erde als
weibliches Prinzip muß schon einverstanden sein, daß Sie da was=
machen
wollen, denn das machen wollen ist Zeugung. Wir hatten jedenfalls nicht vor=
die
Erde zu vergewaltigen, wie es heute in einigen Teilen der Welt vermehrt
getätigt wird. Mutter Erde nahm uns in ihre schützenden waldbepel=
zten
Arme und offenbarte uns mit vollkommender empfangener Hingabe, wie sich das
jeder Liebhaber wünscht. Sie zeigte sich dann auch an den entscheidend=
en
Tagen feucht und aufnahmebereit für all die Samen, die Christa in den
Boden ihres neuen Gemüseackers brachte. Wie Sie sehen, können sich
auch zwei weibliche Wesen fruchtbar ergänzen. Die Kinder waren denn au=
ch
riesige Kohlköpfe, Erbsen, Bohnen, Salatköpfe und so manches mehr=
. Mitesser
hatten wir dann auch, wie es sich für einen Pubertierenden gehört.
Kleine Käferlein liefen nicht nur flott in Richtung neuer Kantine, nein
sie konnten auch fliegen. So hatten wir dann unsere Plage, diese Mitesser a=
uszudrücken.
Mal gut, das wir keinen Spiegel brauchten.
Meine Wenigkeit als
männlicher Part, Mutter Erde zu befriedigen, war die Versorgung des Ga=
nzen
mit Flüssigkeit. Nein, ich meine jetzt nicht den guten chilenischen We=
in
durch meine Kehle laufen zu lassen, sondern frisches Quellwasser durch die
Gemüsebeete zu beordern. Dazu wurde ein kleiner Kanal von 1500 m
Länge benötigt, der erst einmal gegraben werden wollte.
Außerdem mußte ja noch eine Hütte gebaut werden. Wir wollt=
en
ja nicht ewig im Zelt hausen. Also sorgte ich als Mann, wie es sich
gehört, für Recht und Ordnung in der Umorientierung von Bretterma=
terial.
Sie fügten sich nach meinen Anweisungen mit Hammer und Nägeln in =
der
Hand zur Gestalt eines Hauses zusammen. Beschwerlich war es schon, doch dank
freundlicher Nachbarn, die ja das Problem mit dem Neid ums bessere Auto noch
nicht kannten, halfen mir mit Wissen und kräftiger Hand. Ein paar Pesos
brauchte man auch immer zur Aufbesserung des Armenhaushalts mit Käse u=
nd
Wurst, so daß wir bald schon eine bewohnbare kleine Hütte hatten=
.
Mit herangekarrten
Täfelbrettern entstanden Schränke und Betten, Regale und
Zwischenwände, eine Gaslampe erleuchtete unser kleines Reich bei Nacht=
und
in der neuen Spüle putzten wir uns die Zähne. Ein Plumpsklo aus g=
roben
Brettern zusammen genagelt, hinter dem Haus, diente uns für einfachste
menschliche Bedürfnisse. Brauchten wir eine Badewanne, so legten wir u=
ns
in ein Wasserloch, daß ich extra für diesen Zweck im Fluß =
des
Kanals ausgrub. Ein kurzes Holzaquädukt ließ einen kräftigen
Wasserstrahl in das Becken rauschen und übernahm bei Bedarf die
Haarspülung. Daß das Wasser mit 16°C recht kalt war, durfte =
uns
nicht weiter stören, sorgte aber für ein gesundes Anpassen unseres
Kreislaufs an die gegebenen Umstände. Für mich war das Baden im
Modderpool immer ein Riesengaudi. Da kam ich dem Ursprung meiner äffis=
chen
fernen Verwandten näher, die mir hier mit ihrer Kraft nur zu nutze sein
konnten. Ich benutzte zwar keine Knüppel mehr, um mich zu verteidigen,
aber lernte archaische Drohgebärden gegenüber dem einzigen bö=
;sen
Nachbarn kennen, der uns heimlich des Nachts den Zaun durchschnitt und seine
Kühe hineintrieb. Da wurde dann schon hin und wieder mal die Machete
über dem Kopf geschwungen oder gutturale Töne von sich gegeben.
Andere Länder, andere Sitten. Eine wirkliche Ordnung oder Justiz gab es
denn auch kaum, da oben auf dem Berg. Wenn man was wollte, mußte man =
es
schon selber ordnen und tun. Delegieren anderer wäre nicht möglich
gewesen, weil es keine anderen gab, die sich für uns bemüht
hätten. Aber das Geld wurde uns somit auch nicht aus der Tasche gezoge=
n,
es fanden keine falschen Versprechungen statt, es gab keine Enttäuschu=
ngen,
weil keiner täuschte. Es gab immer wieder nur das Zurückkommen zu
sich selber, zu seinen eigenen Kräften und Gedanken. Illusionen deckte=
die
Natur umgehend auf, in dem sie einfach nichts hervorbrachte oder Einbildung=
en
zerstörte. Und zur Natur gehörten denn auch die wenigen Menschen,=
denen
es haargenau so ging wie uns. Niemandem käme da nur ein Gedanken daran,
einen Handwerker zu bestellen, wenn das Wasser ausfällt, es ins Haus h=
ineinregnet,
die Heizung ausfällt oder ein Baum in den Gemüsegarten stürz=
t.
Jedes Ereignis hatte seine Eigendynamik und konnte als Lehrmeister betracht=
et
werden. Normalerweise ärgert man sich ja, wenn etwas zu Bruch geht ode=
r lebenswichtige
Installationen Fehler zeigen. Wir ärgerten uns auch, doch dennoch
mußten wir alles alleine regeln und konnten Geld nicht zum Delegieren
anderer einsetzen und mußten lernen, lernen und nochmals lernen.
Sie glauben gar nicht, wie vie=
le
Lehrmeister Sie in Ihrem Leben verpassen, wenn Sie sich spezialisieren und =
Ihr Überlebenssystem
anderen übergeben!
Unsere ersten Tiere waren ein =
Hund
und zwei Mäusefänger. Sie erfüllten besonders Christas Herz =
mit
Freude und gaben das Gefühl einer eigenen Familie. Wie kleine Kinder e=
ben
sind, machten unsere Tierchen auch einen Haufen Unsinn. Besonders die Katzen
hatten einen riesigen Spaß daran, in die Ecken zu pinkeln oder unseren
Käse vom Tisch zu hangeln. In gemeinsamen Verbund waren sie noch
effektiver. Kamen wir von einer Einkaufstour zurück, stellten den Kart=
on
nur 3 Minuten unbeaufsichtigt ab, so entdeckten die Katzen das für eine
Woche vorgesehene Käsestück, rissen die Plastiktüte auf, kna=
bberten
ein wenig daran herum, um dann dem Hund Platz zu machen und den Rest zu
überlassen. Der machte dann, wie Hunde eben so sind, haps, haps und weg
war die Wochenration. Ich persönlich mag Katzen wesentlich lieber, die
sind heimtückischer, geschickter und unabhängig, jammern nicht, w=
ie
Hunde es tun, lange herum, sondern kommen zur Sache, wenn sie sich mal etwa=
s in
den Kopf gesetzt haben. Das entspricht mehr meinem eigenen Wesen, obwohl Ka=
tzen
damit auch in meinem Revier zu echten Konkurrenten werden.
So mußten unsere Katzen =
denn
auch viele Freiflüge durch das offene Fenster ertragen und lernten dab=
ei
fast das selbstständige Fliegen. Die eine, namens Bienchen, wurde im
Fliegen so elegant, daß sie Schwalben mit meterhohen Sprüngen aus
der Luft häkelte, um sie dann genüßlich mit dem Hund zu tei=
len.
Mir hat sie nie etwas abgegeben, weil sie mich als Fluglehrer irgendwie nic=
ht
richtig wertschätzte. Wissen Sie, die Rolle des Lehrers ist und bleibt
wohl immer eine undankbare Aufgabe.
Später wurde unsere Famil=
ie
etwas vielfältiger, weil uns das Urprinzip, nach denen Hunde und Katzen
funktionieren, nicht ausreichte. Schließlich wollten wir ja was erleb=
en.
Sechs Kälber übernahmen dann die Aufgabe des Meditierens, zu dem =
wir
selbst nicht kamen, in dem sie stundenlang die gleiche Speise mit abgehoben
ruhigen Blick von einer Ecke zur anderen ihrer unzähligen Mägen
beforderten. Wir hatten eine solche Art des Essensgenusses schon längst
verlernt und nahmen unsere Speisen nur noch als Energieträger wahr. Die
Kühe zeigten uns als Lehrmeister, was es eigentlich bedeutet, andere L=
ebensprinzipien
in sich einzuführen, lange darauf herumzukauen und erst nach intensiver
Meditation es zu seinem eigenen zu erklären. Das eigentliche Schlucken,
Verdauen und es wieder von sich zu geben, verliert dabei an Wichtigkeit.
Vielleicht ist es auch besser =
so,
daß wir es nicht genauso tun, denn sonst würden wir noch die
Maschinen spüren und die unzufriedenen Menschen, die dahinter stehen, =
wenn
wir unsere abgepackte Fabrikwurst verzehren.
Hühner, Gänse und En=
ten
waren die nächsten im Verbund, die ihren speziellen Tanz für uns =
auf
dieser urkomischen Lebensbühne präsentierten.
Eine besondere Komödie
führte uns unser Erpel „Friedolin“ auf. Der verwechselte
häufig seine Enten mit jungen Gänsen und meinte, er müsse ei=
ne
Mischrasse zeugen. Trotz aller aggressiver Anstrengung, die Gänse zu v=
ergewaltigen,
war ihm der Himmel nicht gnädig und bescherte ihm keine Vaterschaft in
seinem erdachten biotechnischen Labor. Da sieht man mal wieder, macht der
Himmel nicht mit, gibt’s auch keinen Erfolg beim Erfinden neuer
Kreationen. Unser Gänser=
ich,
„Zischi“, stand merkwürdigerweise bei Fridolins Aktionen
verwirrt daneben und verstand die Welt nicht mehr. Aber er verstand auch oh=
ne
Brille, mit seinen zwei tiefblauen scharfen Augen, daß er unser Campo=
auf
Gedeih und Verderb zu bewachen hat. So benutzte er seinen Kopf, auf dem ele=
ganten
langen Hals, als kreisendes Radargerät, übernahm frühe
Luftwarnung und schrie, was das Zeug hält, wenn sich ein Raubvogel
näherte. Ihm standen leider keine Luftabwehrraketen zur Verfügung,
aber ein kräftige Zischen aus seiner heiseren Kehle ließen den
Gedanken an einen Raketenstart aufkommen. Er übernahm aber nicht nur d=
ie
Luftabwehr, nein auch feindliche Bodentruppen wurden ins Visier genommen und
mit einem schnellen Angriff nach vorne meist effektiv abgewehrt. Einmal kam
unser Freund, Eckart, mit seinem Militär- Unimog zu Besuch. Die Reifen dieses Fahrzeug hatten =
fast
einen Durchmesser eines vollen Meters, doch Zischi raste mutig und ohne
Angstschweiß auf das feindliche Objekt zu und bedrohte es so heldenha=
ft,
daß sein langer Hals fast von den Rädern geplättet wurden.
Zischi war auf unserem Campo der eigentliche Chef, denn er akzeptierte mich=
genauso
wenig als seinen Gott, wie jedes andere Objekt, was sich seiner Gänses=
char
näherte, bis auf Fridolin. Er blieb uns lange als Aufpasser beschieden,
bis der Puma aus den tiefen des Waldes kam und mit scharfem Gebiß
andeutete, das Zischi einer falschen Illusion hinterherlief.
Sehen sie, daß präg=
te
sich mir wieder ein. Falsche Illusionen, nicht gut beobachtet und schon lan=
det
man im unersättlichen Schlot eines Anderen. Das passiert aber meist er=
st
dann, wenn man arrogant und hochmütig wird und so, wie Zischi meint, m=
an
wäre etwas Besseres oder Gott persönlich. Etwas Demut der
Außenwelt gegenüber ist denn dann doch der gesündere Weg. U=
nd
das Gottsein steht nicht einem Einzelwesen zu.
So macht denn dann das so
häufig von mir erwähnte Schicksal einen interessanten Energietran=
sfer
und verwandelte Gänsefleisch in Pumafleisch. Das ist das kosmische Lie=
besprinzip,
müssen Sie wissen, die Vereinigung zweier unterschiedlicher
Lebensprinzipien. Ob der Puma nun das zischen lernte, konnte ich leider nic=
ht
untersuchen, aber er wurde uns treu, zeigte sich dankbar und holte sich ein
paar Tage später Zischis Frau, damit keine Einsamkeit im Gefüge
auftrat. Damit waren dann Puma und eine Gänseehe in einem Körper
vereint.
Die Hühner zeigten sich a=
uch
nicht gerade als dumm, wie man es immer sagt. Wenn einer so etwas von einer=
anderen
Spezies behauptet, spricht es nur von seiner eigenen Dummheit. Die Hüh=
ner
hatten es hervorragend im Griff, selbst kleinste Körnchen anzuvisieren=
und
zwischen Steinchen und Sämchen zu unterscheiden. Auch waren sie so klu=
g,
ihre Eier dort zu verstecken, wo man sie erst 6 Wochen später fand. Sie
zeigten sich jedoch gar nicht verwirrt, wenn man ihnen mal Enteneier unter =
die
brütenden Fittiche legte. Sie hatten ein sozial großzügiges
Herz auch für Anderheiten der Vogelwelt. Unangenehme Überraschung=
en
traten erst dann für die arme Hühnermutter auf, wenn sie bemerken
mußte, daß sie wasserscheu war und ihre Babys das kalte Na&szli=
g;
unseres Entenpools liebten. Um den Rest der Erziehung kümmerte sich da=
nn
großzügig Fridolin. Wie Sie sehen, auch da zeigte sich die Natur=
als
ein Verband, der zusammenhielt, was man beim Menschen nicht gerade behaupten
kann.
Das nun noch zwei Pferde zu
unserer Sippe stoßen mußten, liegt ja nur nahe. Ein junger
Halbindianer übernahm das Organisieren, aber nicht wie Sie denken, mit
Pferdeklau. Nein wir bezahlten brav und bekamen postwendend die bestellte W=
are
in Form zweier 400 kg Pakete auf vier Beinen. Die Stute, Galleta, ein
prachtvoller Falbe, witterte sofort meine Angst, schaute mich vor dem ersten
Ritt treudoof an, ließ mich auf dem ersten Ausflug zu den Nachbarn auf
ihrem Rücken gewähren und wütend Rumpelstilzchen spielen. Sie
wollte nämlich auch mal ein Gräschen knabbern, das in üppiger
Vielfältigkeit zu ihrem Begehren am Wegesrand zu Hunderten auftauchte.=
Ich
stellte mir das Gefühl des Getragen Werdens vollkommen anders vor. Nach
einer Stunde kamen wir dann am Zielort an, was ich zu Fuß in 10 Minut=
en
machte.
Die Nachbarn waren dann so lieb
und probierten das hinterlistige Weibsbild aus, um es mir mit anerkennend z=
ufriedener
Miene zurückzugeben und mich zum guten Kauf beglückwünschten.
Irgend etwas machte ich wohl falsch.
Also wieder rauf auf den
Rücken und zurück zu meinem Grundbesitz, diesmal mit Geduld. Nur
Geduld hatte die gute Stute nicht. Die zeigte mir einmal mehr, wer der Patr=
on
war. Diesmal schaltete sie den Turbolader zu und ging gleich in den vierten
Gang. Ich glaube nicht, daß sie diesen doofen Hampelmann von Gringo
abwerfen wollte, aber sie hatte auch ihren Stolz. Die Rückspiegel, die
meine Beine in diesem merkwürdigen Gefährt waren, brachen bei kna=
pp
kalkulierten Kurven zum Glück nicht ab, aber der etwas zu hoch gelager=
te
Dachgepäckträger, der mein Kopf war, bekam peitschende Äste =
ab,
so daß der gute neue Lack abzublättern drohte. Ich hätte nie
gedacht, wie schnell so ein dämlicher Gaul die Kurven nehmen könn=
te
ohne auch nur einen lenkenden Piloten zu brauchen. Zu hause nach 2 Minuten
angekommen rollte ich mich aus meinem Pilotensitz und wollte nie wieder die=
sen
unkontrollierbaren Starfighter fliegen. Ein wenig später wurde ich mit
Galleta handelseinig. Sie nahm meinen Hafer und gab mir ihren Rücken. =
Sie
lernte mit mir Verständnis zu haben und ich lernte, mich nicht mehr wie
ein machohafter Hampelmann aufzuführen. Ihr Sohn, ein wunderschön=
er
schwarzer Rappe, hatte ihre verspielte Intelligenz mitbekommen und probierte
Sturheit mit Christa durch. Mit Sturheit kannte sich Christa aus, denn ich =
war
ihr diesbezüglich ein guter Lehrmeister. Mit unkalkulierbaren
Sprüngen zur Seite, weil Pirihueco, so hieß der dunkelhäuti=
ge
Wallach, eine Plastiktüte im Wind sah oder auch andere Geister am Wege=
srand,
kam Christa nicht so gut klar. Christa stand dem Boden näher, als ich,
liebte das Ausufern auf anderen Ebenen und widmete sich lieber den Wehwehch=
en
unserer Großfamilie, als weiter den reitenden Ritter zu spielen.
Aber auch unsere Pferde zeigten
ihre Eigenarten in unserem Gefüge. Sie meinten immer, daß es auf=
der
anderen Zaunseite, wie zum Beispiel im Gemüsegarten interessantere
Gräser gab. So gab es denn häufig einen umgebrochenen Zaun und pl=
att
getrampelte Küchenkräuter, zerzauste Rosenbüsche und zerst&o=
uml;rte
Wasserleitungen. Die Pferde sahen immer so aus, als könnten sie keiner
Fliege etwas zu leide tun, doch in ihrer scheinbar sanften Art zeigten sie,=
das
hinter ihnen ein Prinzip versteckter Aggression stand. Als wir später
unsere kleine Herde dieser so sanften eleganten Wesenheiten besaßen,
konnten wir gut beobachten, wie sie ihre Rangordnung regelten. Da kamen sie=
aus
sich heraus und ließen keinen Zweifel mehr. Bösartig fielen sie
übereinander her, schlugen mit ganzer Kraft, die Hinterläufe
verwendend, den Gegner zu Boden und droschen oft noch weiter auf den
längst besiegten Feind ein. Sie rannte auf einen Konkurrenten zu und
bissen ihm so kräftig ins Genick, daß man an der Wunde die
verwendeten Zähne zählen konnte. Oder sie gönnten keinem and=
eren
Artgenossen einen Haps von ihrem Heuhaufen.
Kaum waren sie alleine mit uns
Menschen zusammen, grinsten sie uns friedvoll an und präsentierten ihre
scheinbar so edelmütige Persönlichkeit. Ich glaube, erfolgreiche =
Schauspieler
und Fotomodelle haben da gewisse Ähnlichkeit mit Pferden und deren
Charakter.
Wenn man seit Menschengedenken=
zum
Lastenträger des nackten Affen gemacht wurde, bleibt eine gewisse
Falschheit im Lebenssystem nicht aus. Ob wir als Menschen dann mit Pferden
tanzen oder nach einer Tellington- Methode Streicheleinheiten verteilen, wi=
rd
wohl kaum etwas am Wesen des Pferdes ändern, es sei denn, wir geben in
unserem Bewußtsein dieser Spezies seine uralte Freiheit zurück u=
nd
gönnen ihr ihren Rücken für sich selbst allein. Rinder sind =
in
dieser Hinsicht untereinander wesentlich friedvoller, sie dienten aber auch
immer nur als Fleischbrocken des Menschen und brauchten vor ihm nie den
Rücken zu beugen.
Wie ich ja anfangs schrieb, si=
nd
Sie als Leser nicht nur am Buch, sondern auch an mir selbst beteiligt. Also
sollen Sie auch erfahren, daß ich nun seit fast einer Woche im Schrei=
ben
von alltäglichen Lächerlichkeiten gehindert wurde.
Pferde füttern, Wasserroh=
re
festschrauben, Stromausfall, Sturmschäden, die mir ein inneres Brodeln,
einen richtigen Braßt verursachten. Sie werden sehen, daß auch =
ein
Klugscheißer wie ich, seine alltäglichen Nöte hat, die mich=
hindern,
in ferne Welten zu driften und mich schicksalsgefügt am Boden haften
lassen. Manchmal hat das Leben so eine Art Eisenschuh- Eigenschaft. Morgen
werden wir uns aber dann wirklich wiedersehen, wenn nicht mal wieder ein Ba=
um
aufs Haus fällt!
&=
nbsp; &nbs=
p; &=
nbsp; &nbs=
p; &=
nbsp; &nbs=
p; &=
nbsp; &nbs=
p;
Der Strom ist wieder da, die
Schreibmaschine aktiviert, kein Baum liegt auf dem Hausdach, sondern steht =
mit
Wurzeln verankert in der Erde und mein Bewußtsein ist gerichtet auf S=
ie
und ferne Welten vor der Gegenwart.
Stehen geblieben war ich bei d=
er
für mich empfundenen Komik der anderen Lebewesen und den Erkenntnissin=
n dieser
Wesen für mich selbst. Gerade während ich dies schreibe und mein
Blick versunken zum Fenster hinaus gleitet, läuft ein Fuchs seelenruhig
keine 30 Schritt entfernt vorbei. Ich gehe hinaus, freue mich an seinem Anb=
lick
und begrüße ihn mit Zurufen. Er schaut sich neugierig um und geht
dann in seiner schleichenden Art gelassen seiner Wege. Ich bin glückli=
ch,
daß ich das ohne ein Gewehr in der Hand und Mordgelüste im Bauch
erleben darf und wünsche es Ihnen auch. Das schafft inneren Frieden.
Aber zurück zu den Pferde=
n.
Also Jahre zuvor kamen uns in unserer Einsiedelei hin und wieder einmal
verlorene Reisende besuchen, die von uns über das unter deutsch-
stämmiger Verwaltung befindliche naheliegende Thermalhotel hörten=
. Dieses
Hotel, keine 30 Minuten Fußweg entfernt, wurde sehr rückstä=
ndig
altdeutsch geführt, so daß sich junge Rucksackreisende dort zwis=
chen
Omas und Opas, die dort in den Wannen lagen, langweilten. Wanderer brauchen=
ein
Ziel, wenn auch der Weg das eigentlich Erleben darstellt und so erlebten sie
uns. Durch sie wurden wir denn auch auf den Wege gebracht, die Idee entsteh=
en
zu lassen, eine Reiterranch zu eröffnen. Besagte Reisende sahen unsere
zwei Pferde am Gartenzaun herumlungern und befreiten sie von ihrer nutzlosen
Arbeitslosigkeit, in dem sie sie ausliehen. Eine kleine Runde wollten sie m=
al
drehen und sich von etwas anderem tragen lassen, als den schon geplagten
eigenen Füßen.
Dieses Bild wiederholte sich
einige Male, bis ich begriff, was mir da gesagt werden sollte. Die Wanderer
waren von der grandiosen Natur und Landschaft genauso begeistert, wie wir
selber und das sich Tragen lassen durch ein natürliches Vehikel, wie e=
in
Pferd, ist das Nonplusultra.
So setzte ich mich jetzt
öfters auf den Gaul, ging auf Wegeentdeckung, schlug neue Pfade mit der
Machete frei und schmiedete Pläne. Bald hatte ich schon einige Standar=
ttouren
von 3 bis 8 Stunden in einem Prospekt beschrieben und in unserem Touristeno=
rt
bei Agenturen hinterlegt.
Die ersten Reitgäste kame=
n.
Zuvor stockten wir aber unseren
Pferdebestand auf 5 Exemplaren auf. Zu dieser Zeit waren wir konkurrenzlos =
in
der Gegend, so daß chilenische Familien es gerne auf sich nahmen auch=
32
km mit dem Auto zu fahren, um das Getragenwerden zu genießen. Da&szli=
g;
die Damen mit Goldkettchen und Badelatschen reiten wollten, verwirrte mich =
anfangs
schon. Auch das die Herren das Filmen mit Videokameras fast wichtiger
empfanden, als das Reiten selbst, machte mich oft ärgerlich. Jedoch ich
lernte, sie zu tolerieren und stopfte gerne die ersten hier verdienten Geld=
scheine
in die Taschen meiner Jeans. Kamen dann Ausländer, zumeist Deutsche, h=
atte
ich größere Freude den voranreitenden Scout zu spielen. Dies war=
en
meistens jüngere Leute, die auch meine Begeisterung für die Natur
teilten. Auch die weniger arrogante Art dem Schmutz eines solchen Ausflugs =
zu
begegnen, sich gerne von den Blättern der Bäume berühren zu =
lassen,
gab mir das tiefe Gefühl der Zuneigung zu den Deutschsprechenden.
Sie müssen verstehen,
daß das chilenische Volk in ihrer technischen Entwicklung Europa weit
hinterherhinkt, dennoch aber alle neuen Errungenschaften sich im Schnellkurs
einverleiben will. Da entstehen dann insbesondere im Mittelstand urkomische
Verhaltensbilder. Ich kann das eigentlich nur mit einem pubertären Kna=
ben
vergleichen, der riesige Schuhe an einem viel zu langen Körper mit plu=
mpen
linkischen Bewegungen vor sich hin schleppt, der eine Klugheit verbal nach
außen bringt, die ohne jegliches Fundament und Wissen so offensichtli=
ch
wird. Nun stellen Sie sich diesen komisch unvollständigen Burschen mit
20.000 Euro in der Hosentasche vor, die ihm durch seinem reichen Papi servi=
ert
wurden, wie er sich beim Juwelier eindeckt, im Elektronikladen den neusten
Schrei kauft und ein lackglänzendes Transportmittel mit 4 Rädern =
dran
durch die Landschaft manövriert.
Da haben Sie jetzt das Wesen e=
ines
neureichen chilenischen Mittelständler beschrieben. Sie sind wirklich
süß in ihrer gespielten Hochherrschaftlichkeit, wirken oft wie
Kinder im Sandkasten, die sich verkleidet haben und mit all ihrer Phantasie=
so
weit in ihr Spiel eingedrungen sind, daß sie gar nicht mehr ahnen,
daß sie Kinder im Spiel sind. Wenn man sie dann als Erwachsener zum
Mittagstisch ruft und sie an ihr Kindsein erinnert, können sie recht
bösartig werden. Beißen und kratzen tun sie dann, aber auch schon
mit Rechtsanwälten. Sie haben gelernt, daß man woanders zum Krat=
zen
und Spucken Juristen verwendet. Schließlich, wenn man sich schon so
mühevoll verkleidet, sollte man doch auch eine Spur von Streitkultur e=
inbringen,
damit das Spiel auch wirklich echt wirkt.
Etwas problematisch empfinde i=
ch
jedoch, daß man sie aus dieser Hypnose nicht mehr aufwecken kann. Die=
glauben
bis heute noch an dieses Spiel, arbeiten auch brav, wie es die Großen
auch zu machen pflegen in großen Verkaufslagern und schmutzigen
Fabrikanlagen. Sehen Sie, das ganze war denn auch eine hervorragende Entwic=
klungshilfe
vom Westen, da man jetzt auch sein Spielzeug im fernen Chile loswird.
Nur tief drin in der Seele der
Menschen hier, lebt noch die Mystik und der Glauben an etwas Höherem, =
weil
man die neuen Dinge, über die man verfügt, noch gar nicht begreif=
en
kann.
Der Mensch in der Industriewelt
ist da in seiner Hypnose schon wesentlich tiefer vorangeschritten. Er meint
nicht nur kein Kind mehr zu sein und zu spielen, sondern glaubt doch
tatsächlich zu wissen, wie die Spielzeuge funktionieren. Er schraubt u=
nd
dreht, hämmert und schleift, ist vollkommen vertieft in dem Spiel des
Herstellens, so daß er zu der Ansicht kommt, selbst die Schöpfer=
der
Welt zu sein. Das macht ihn dann ernst und verbissen und läßt ihn
glauben, die umgebende Welt im Griff zu haben. Nur erhöht sich dann die
Luftthemperatur nur um läppische 15 Grad, schwitzt er Angstschwei&szli=
g;,
redete kluges Zeug von Klimawechsel und glaubt es liege an Haarspraydosen m=
it
FCKWs. Er glaubt immer, er wäre derjenige, der das Spiel bestimmt und =
hat
längst aus den Augen verloren, daß er noch ein Kind im Sandkasten
ist.
Aber oh weh, wenn der Papa kom=
mt
und ihm seinen Sandkasten wegnimmt. Dann gibt’s Geschrei, Mordio und =
Totschlag,
die anderen Kinder sind dran Schuld und mit letzter Macht und konsequenten
verbissenen Gesichtern und roten Backen holt man die verbliebenen
Steinschleudern heraus und schießt dem anderen ein Auge aus.
Das die Steinschleudern und
Katapulte zu Raketen und Atomwaffen wurden, ist nur ein kleines nicht weite=
r zu
beachtendes Detail. Spiel muß sein, schafft ständig neue Erlebni=
swelten,
läßt das Kinderherz eines Georg Bush oder eines Osama bin Laden
höher schlagen. Wenn dann mal ein paar Sandburgen, wie diese komischen
häßlichen Türme umkippen oder dem anderen sein Katapult aus=
der
Hand entrungen wird, mit Armumdrehen und sich hinter Bretterbuden verstecke=
n,
so sollte man als Vater ein großzügiges Grinsen im Gesicht nicht
verlieren. Auch Kinder werden einmal groß und lernen verstehen, oder?=
Drum lassen wir den Haß,
denn Kinder sollte man lieben und ihnen Schutz geben, damit sie sich entwic=
keln
können. Das einmischen des Papas ist weitgehend zu unterlassen und wird
nur dann in Betracht gezogen, wenn sich die Kinderhorde zu weit reduziert h=
at.
Aber selbst dann, kann der Papa immer noch in seinem kosmischen Liebesakt s=
ich
neue niedliche Kinderlein zeugen und staunen, was die denn dann für ei=
nen
herrlichen Unsinn anstellen.
Ich persönlich spielte das
Spiel des Pferderanchers und glaubte, es wäre ganz echt. Die Kinder, d=
ie
bei meinem Spiel mitmachten, waren letztendlich mehr die Verlorenen dieser
Welt. Sie suchten Geborgenheit in der Natur, unter dem Blätterdach
1000-jähriger Bäume, zwischen Wildschwein und Condor entdeckten s=
ie
ungeahnte Freiheit, klares Gebirgswasser und smokfreie Luft, ganz zu schwei=
gen
von der Stille. Selbst der Wald ist hier still und lauscht in sich meditati=
v hinein,
kaum das er mal einen Vogel hört. Nervös wird der Wald nur, wenn =
er
das ferne Rauschen hört, was immer näher an seine für den Me=
nschen
nicht sichtbaren Ohren dringt. Da rücken die Bäume zusammen und
flüstern sich zu, „wen wird es diesmal treffen.“ Wie eine
gewaltige Woge braust die Luft heran, wird fast zu einer alles vernichten
wollende harten Wand, kommt mit Messern und Schneiden gerüstet und sch=
aut
heimtückisch drein. Mit Wirbeln wütend will er zwischen die
verängstigten Baumwesen gehen, findet hier und da einen Schwachen steh=
en,
schlägt ihn nieder in seiner Wut, ach wie der Haß doch wohl tut.
Doch nur kurz war die Begegnung, mit dem luftigen Geist, der Wald richtet s=
ich
auf und grinst auch recht feist, er kennt seine Stärke und auch die Da=
uer,
denn er weiß um das erholende Naß eines Regenschauer.
Genau das wollten die Menschen,
die im Rahmen des Tourismus kamen, einmal spüren. Was liebten unsere
Gäste hoch oben in den Bergen lange bei einem Lagerfeuer zu sitzen, all
ihre alltäglichen Sorgen zu vergessen, vor sich hinstarrend leise sich
etwas zu erzählen und zwischendurch auch einen Satelliten zwischen den
Millionen von Sternen zu entdecken. Weniger liebten sie das Klo, den Hintern
über einen schrägen Ast hängend, von kleinen Fliegen umkreis=
t,
war dann der Preis.
Wir erlebten aber auch Gä=
ste,
die peinlichst darauf achteten mit Antiinsektenspray ihren Zelteingang zu
besprühen, als Schmutzgrenze, sozusagen, damit auch ja nicht die Natur=
in
sie eindringen kann. Da gab es einige, die ihre Enttäuschungen beim Ma=
chen
der Fotos über die spätere Bilderqualität vorausahnten,
„die Fotos sehen später immer so normal aus“. Weil ich das
nicht verstand, wie ich vermute, Sie jetzt auch nicht, forderte ich eine
Erklärung. Man hätte ja schließlich Kontrast- Verstärk=
er-
Sonnenbrillen auf, die die Landschaft viel prächtiger erscheinen
ließ, wie sie auf dem Foto später wirkte.
Aha, dachte ich und machte den
böswilligen Kommentar: „Dann seht ihr ja jetzt gar nicht die
Wirklichkeit.“
„Was ist denn schon die
Wirklichkeit?“, war denn dann die einfache aber sehr philosophische
Aussage, die aber recht schnoderich daher geredet war und keine philosophis=
che
Gabe auf dem Gesicht des gelernten IT erscheinen ließ. Das war mir de=
nn
doch zu hoch, Fehler durfte man auch nicht zu viele bei gut zahlendem Publi=
kum
begehen und so hielt ich den Mund. Ich fand aber heraus, daß ein IT e=
in
Informationstechniker ist und zehnmal mehr verdiente als ein armseliger
Pferderancher.
Es gab auch Leute, die ihren
Kulturbeutel mit Schminkutensilien, Hautcremes und anderen undefinierbaren
Pasten gefüllt auf eine 3-Tagestour mitnahmen. Sie erschienen dann tat=
sächlich,
sauber geleckt am Abendbrottisch, der aus einem Lavastein vor dem Feuer
bestand, wobei die Dame tatsächlich etwas Rusch und ein wenig Lippenst=
ift
aufgetragen hatte. Mir war es dann schon peinlich, diesen Herrschaften kein=
en
Longdrink auf einem bequemen Barsessel anbieten zu können. Am Lagerfeu=
er
sahen die Herrschaften dann auch nur ausschließlich die neue amerikan=
ische
Raumstation über den Himmel tingeln, einen der Millionen anderen wenig=
er
künstlichen Lichtpunkte nahmen sie nicht wahr. Die Bügelfaltenjea=
ns
wurden denn auch ordentlich vor der Zeltbesteigung abgeklopft, wohlweislich
wissend, Dreck macht krank. Da gab es Leute, die nahmen Hausschuhe,
Kompaß, Angelhaken, Pferdebonbons, Satellitenpositionsgeräte,
Superthermounterwäsche, Feuchtis, einen 10er Satz Schokolade, Müs=
liriegel,
Astronautennahrung usw. mit, während mich andere fast umbrachten, als =
ich
eine Plastiktüte ins Feuer warf, wegen der austretenden giftigen Gase,=
der
PCBs – wie unverantwortlich, dabei aber die austretenden Gase ihres F=
lugzeugs
vergessend. Solche Gesellen sind einfach urkomisch und regen mein Denken im=
mer
ungemein an und stimmen mich fröhlich.
Es gab aber auch viele Mitreit=
er,
die sich am Essenmachen und Abwaschen beteiligten und glückstrahlend
Staub, Pferdegeruch und Schnapps am Feuer genossen und ohne viel Federlesen=
in
das eisige Wasser der Berglagune eintauchten. Bei solchen Menschen kam bei =
mir
immer wieder Hoffnung auf, das der Untergang des Abendlandes doch noch
vermeidbar sein könnte.
Wissen Sie, wenn man dienstlich
sozusagen Tausende von Reitstunden mit den merkwürdigsten Gestalten ab=
solviert,
kann man schon oft den Haß, die Freude aber auch die Gleichgülti=
gkeit
hochkommen fühlen. Nach der Heimkehr, wenn denn dann diese merkwü=
rdigen
zahlenden Gesellen endlich den Stall verlassen hatten, nahm ich mir Zeit
für meine wahren Compañons, die Zeit ihnen meinen Dank und mein
Mitgefühl ins Ohr zu flüstern. Oft wahren die Pferde auf dem
Rücken von den Herrschaften wundgeritten, so daß meine sensible
Seele nach Vergeltung schrie. Kaum in der Ranchkneipe angelangt, hatte ich
wieder den Lächler zu spielen und die ach so netten Reitkameraden nach=
dem
Wohlergehen ihres Hinterteils zu befragen.
Beim Leichtathletik übt m=
an
den Spagat freiwillig, ich mußte ihn hier mir ohne Turnhalle beibring=
en.
Merkwürdigerweise empfand ich immer mehr Mitgefühl zu
außermenschlichen Arten. Warum, ist mir bis heute nicht klar geworden.
Vielleicht war man ja früher mal ein Viech, kann ja gut sein, meinen S=
ie
nicht?
Über meine lieben zahlend=
en
Gäste will ich lieber nicht noch weiter herfallen, denn sie sind ja au=
ch
so nett und spendieren uns ihr Urlaubsgeld. Wenn auf Grund dieses
Schriftstücks keiner mehr kommt, stehe ich ziemlich blöd da. Ich =
habe
keine große Hoffnung, daß ich wegen meiner plumpen Ehrlichkeit =
zu
einem gut verdienenden Schriftsteller erwählt werde. Wer liebt denn sc=
hon
plumpe Anmache und soll auch noch dafür bezahlen, oder sind Sie etwa
anders, als meine Reitgäste?
Ich erzählte Ihnen noch g=
ar
nicht, wie es zu so vielen zahlenden Mitmenschen in unserem so ungepflegten
Ambiente kam.
Ich baute halt fleißig.<= o:p>
Ich ging in den Wald, ganz ohne
die Grünen, aber mit einer gut angeschliffenen Kette meiner Motors&aum=
l;ge
und machte mich über die schönsten gradesten und eitelsten Baumku=
mpels
her. Wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Das passiert bei einer Motor=
säge
auch, und wenn man ein Haus bauen will. Weil auch andere es warm haben woll=
en,
darf man nicht so zimperlich sein. Kurzum, die Bäume fielen Reihenweis=
e,
aber nur die arroganten, geraden, schön gewachsenen, während die
anderen mich ängstlich gewähren ließen, in der Hoffnung,
daß ihre Häßlichkeit ihnen ein langes Leben bescheren. Da =
ich
mich selber nicht als eitel und besonders hübsch empfinde, hatte ich d=
enn
auch ein Solidaritätsgefühl und erfreute mich weiter ihrer
krummgewachsenen Erlebnisrealitäten. So schlimm war’s denn auch
nicht. Ich war ja schließlich keine japanische Firma, die gleich mit
Bulldozern das Baumfällen vorantreiben, um dann in Cellulosefabriken, =
das
nette Endprodukt in Form von Papierwänden zu fabrizieren.
Meine Vision war ein
Gästeblockhaus und nicht mehr. Das fügte sich dann auch auf
wundersame Weise zusammen. Später fügte sich dann noch ein Stall,=
ein
Arbeiterhaus, eine Kneipe und zwei weitere Gästehäuser in die Wal=
dlandschaft
ein. Ich will Ihnen die Worte meiner Flüche ersparen, die man zweifell=
os
als Waldarbeiter braucht, um bei dieser harten Arbeit überleben zu
können. Normalerweise gibt es ja auch Transportmittel für
Baumstämme von Oberschenkeldicke. In meinem Fall diente mir meine Schu=
ler
oft als Zugochse oder Traktor. Das stärkte wiederum nicht nur die Musk=
eln,
sondern auch den Willen. Wenn ich mir heute meine Hütten ansehe, kann =
ich
mir nicht mehr recht vorstellen, wer denn eigentlich diesen ganzen Mist von
Minidorf verzapft hat. Hin und wieder half aber auch der alte Landrover beim
Ziehen der Stämme über längere Strecken. Die Nachbarn waren =
auch
öfters mal bei gutem Bier und Geldscheinlocken zur Mitarbeit zu bewege=
n.
Ich hatte bei einem Hausprojekt
auch einen deutschen Teilhaber, der unbedingt das gerade geerbte Geld von
seiner Oma unter die Leute streuen wollte. Wenn man ewig pleite ist, ist die
Verführung schon groß und man sagt dann auch nicht nein. Der lie=
be
Stefan investierte dann eben mal so 10.000 Märker aus der vor dem Bauch
gebundenen Plastiktüte, was dem Laden zu neuem Aufwind verhalf. Das me=
in
lieber hoffnungsvoller Teilhaber sich nach 4 Monaten aus dem Staub machen
würde, ahnten wir erst nicht. Nach vollendeter Tatsache, er auf einer =
Segeljacht
in der Karibik bei französischen Freunden, ich, immer noch im Wald,
verstand ich die Welt nicht mehr. Umverteilung von nicht verdienten Geldern,
nennt man das wohl, was mein Teilhaber betrieb. Ich jedoch fühle mich =
bis
heute in seiner Schuld. Ist doch auch geschickt von ihm eingefädelt, e=
inen
ewigen illusorischen Schuldner an einer moralischen Marionettenschnur tanze=
n zu
lassen. Hoffentlich hat er und auch seine Erboma viel Freude an meinem
Schuldgefühl.
Trotz allem Kampfe in dieser
verrückten Aufbauzeit, gedieh Christas Gemüse, meine Muskeln und =
die
kleine Pferderanch.
Damit keine Langeweile aufkomm=
t,
versuchten wir uns anfangs auch mit dem Melken und der darauffolgenden K&au=
ml;seherstellung.
Nachdem wir so einen normalen lumpigen Käse hinbekamen, versuchten wir=
es
mit Bavaria blue und anderen Sonderexemplaren, mit mehr oder weniger Erfolg.
Mit Lab und dem hundertfachen Rühren bei gleichbleibender Temperatur e=
xperimentierten
wir gerne neben dem Brennholzofen herum. Es machte einfach nur Spaß n=
ach
3 Wochen den selbstgemachten Käse zu essen, der natürlich dann we=
sentlich
besser schmeckt, als jeder gekaufte. Das ist so wie das eigene Kind für
eine Mutter, daß immer das Schönste sein wird. Unsere
Käseformen waren denn auch durchlöcherte Abflußrohre aus
Plastik und die Trocknungsvorrichtung aus Bambusstangen.
Mit den Bienen versuchten wir =
es
auch die ersten 5 Jahre. Das war richtig kompliziert, mit den Kästen, =
der
Königinzucht, den Pollenfallen, Propolissammeln, dem Bestimmen der
Ausbrützeiten, den abgehenden Schwärmen, dem Wiedereinfangen, dem
sich stechen lassen unter der Maske ins Gesicht, dem Schleudern des Honigs =
nach
langwierigem Entfernen des Wachshäutchens usw. und so fort. Ich werde =
nie
vergessen können, welche Schwingungen einem ein Bienenvolk vermitteln
kann, wenn es ausschwärmt.
Vielleicht vergleichbar mit dem
deutschen Volk, als es mit der Frage nach dem totalen Krieg mit einem erreg=
ten
JA antwortete.
Da ist ein Brummen und Surren =
in
der Luft, der den höchsten Erregungszustand eines Volkes nur haben kan=
n.
Ich empfand es immer als das Lebensglück eines Volkes in Reinausfü=
;hrung.
Selbst nach Stunden verlor sich
das wilde tummelnde Surren nicht aus meinem Ohr, ich glaube mehr aus meinem=
Bewußtsein,
obwohl ich mich als Imker eigentlich über das Schwärmen ärge=
rn
sollte, denn das Volk im Kasten war nun auf einen kleinen Bruchteil reduzie=
rt.
Imkerei kann ich jedem empfehlen, der nervös und unruhig ist. Es ist d=
ie
beste Therapie, zur Ruhe zu gelangen, vielleicht gerade weil man seine eige=
ne
Hektik an das hektische Treiben eines Bienenvolkes abgeben kann. Jetzt
betreiben wir die Imkerei schon seit Jahren nicht mehr, seitdem so eine kle=
ine
europäische Milbe den Bienen den Garaus machte und uns die Touristen m=
it
Arbeit zur sehr zusetzten.
Die Herstellung von Marmelade =
und
Kompott wird jedoch weiter brav betrieben, weil die Hiesigen mehr nach masc=
hinellen
Schmiermitteln schmecken als nach dem fruchtigen Süß aus deutsch=
en
Kellern.
Christa sorgte immer für =
den
Nachschub neuer Arten. Hatte der Fuchs oder Puma mal alle Gänse geholt,
kamen Meerschweinchen dazu, um die Ratten zu vertreiben. Und war mal wieder=
ein
Kindergeburtstag dran, mußte auch ein Kaninchen beschafft werden.
Vielleicht kommen demnäch=
st
noch Kamele oder Giraffen dran, weil sie so süß sind und so einen
anmutigen Mundgeruch haben.
Ich kümmerte mich neben d=
er
Bewältigung der Hüttenbauten noch um das Verstehen funktechnischer
Einrichtungen oder der Herstellung von Elektrizität über die
Wasserkraft. Das war für mich eine äußerst spannende, lehrr=
eiche
Aufgabe und äußerst notwendig obendrein.
Zu Beginn unserer Zeit auf dem
Lande erleuchteten romantische Kerzen den Wohnraum, später wurden diese
durch eine laut fauchende Gaslampe mit Glühstrumpf ersetzt. Als ehemal=
iger
Elektromechaniker wirkten aber in mir schon Pläne, fließendes Wa=
sser
zu bändigen, um es in Elektrizität umzuwandeln. Ich bastelte mir =
also
aus Brettern ein 20 Meter langes Rohr, ließ das Wasser unseres kleinen
Trinkwasserkanals hindurchgleiten, um es weiter unten mit einem Lüftun=
gspropeller
eines Autos in Drehbewegung zu versetzen. Der Geist des Wassers und der
Gravitation waren mir zugeneigt und ließen das primitive Ding vor sich
hinsummen und spritzen. Eine Autolichtmaschine kam dabei schon in einige
müde Rotationen, doch von Kraft konnte noch nicht gesprochen werden. A=
lso
führte ich noch eine tiefe Konversation mit dem Gott der Kräfte, =
der
mir mehr weiterführende Eingebungen gab. Das vor sich hinspritzende
Holzbretterrohr wurde ausgetauscht gegen Zementrohre, die dann wirklich ein=
en
echten Wasserdruck aufbauen konnten. Und siehe da, die Lichtmaschine begann=
mit
schnurrenden Geräuschen, wie eine satte Katze, seine Energien in
Autobatterien abzugeben. Der Rest war denn kein Kunstwerk mehr, denn ein pa=
ar
Parallelkabel mit einem Tacker an Holzwände zu nageln und kleine Autob=
irnchen
anzufriemeln, kann ja schon jede Hausfrau.
So hatten wir also das feuchte
Naß unseres kleinen Kanals in Licht verwandelt. Ich war mächtig
stolz auf meinen Erfindergeist und vergaß beteiligten Göttern me=
inen
tiefsten Dank für ihre Zustimmung auszusprechen, doch sie nahmen es ge=
lassen
hin.
Da ich aber kein Typ mit langem
Sitzfleisch bin, rannte ich mit den Gebärden des zerstreuten Professors
weiter durch die Gegend und suchte. Da ich weiter den Schatz der dort ganz =
sicher
einmal anwesenden Piraten nicht fand, entdeckte ich jedoch neue
Möglichkeiten die Wildheiten des Bergneptuns in reine Lichtform zu
transzendieren. Also wurde Vermessen, Nivelliert, Gehackt, Geschippt und
Geschleppt, bis ein weiterer Kanal am unteren großen Fluß entst=
and.
Ohne meine Bauernnachbarschaft und ihrem guten Zuspruch hätte ich mich=
mit
meinem Angestellten nie an dieses Projekt gewagt. Es mußte in einem s=
ehr
steilen Abhang direkt neben dem reißenden Bach ein langsam neigender =
Weg
in genau berechneter Weise hineingearbeitet werden. Vermessen wurde mit ein=
em
transparenten langem Gartenschlauch, der mir dann sagen mußte, wann i=
ch
2% Wegneigung erreicht habe. Not macht erfinderisch, daß ging mir nic=
ht
anders, wie anderen Menschen und Erfindergeist macht stolz. Nach
mühseligster Schweißarbeit erreichten wir nach 9 Monaten das Zie=
l.
Der Kanal war fertig und konnte sage und schreibe 250 Liter Wasser pro Seku=
nde
schlucken und gab mir einen Höhengewinn zum Flußnivel von 5 Mete=
rn.
Das letztere Maß ist für eine Wasserkraftanlage eine
Lächerlichkeit, und so lächelte ich eben, als die jetzt schon rec=
ht
große Turbine mir 220 V Elektrizität abgab. Es war natürlich
nicht die Turbine, sondern ein alter deutscher Generator der Marke AEG Berl=
in
Baujahr 1936, den ich in einem Elektroladen verstaubt aufgabelte, der die
Rotation zu elektrischer Polarität wandelte.
Wir wollten denn auch unsere
Nachbarschaft zu einem „Lichterfest“ einladen und unsere Freude=
mit
ihnen teilen. Sie kamen auch, wohl mehr wegen dem Grillbraten, denn des Lic=
htes
wegen. Nur der Erleuchtungsfaktor war wohl noch nicht so weit ausgereift.
Diesmal spielte Mutter Erde nicht mit, wohlweislich zeigend, daß wir =
ihr
noch nicht genügend Opfer dargereicht hatten. Sie ließ denn ein =
Loch
im Grund dses Kanals langsam aber stetig wachsen und nahm all die energetis=
che
Flüßigkeit in ihren durstig gierigen Schoß auf. Das Wasser=
des
Kanals verschwand einfach durch ein sich langsam weitendes Loch, das sich a=
uf
die Größe eines ansehnlichen Geburtstunnels weitete. So ganz mac=
hohaft
würde ich heute dazu sagen, „da sieht man mal wieder, daß =
das
weibliche Prinzip den Erleuchtungsprozeß des männlichen Prinzips
verhindern will.“ Nichts für ungut, meine Damen, Sie müssen=
als
Frauen schließlich bedenken, daß Sie die Weisheit und Erleuchtu=
ng
schon in sich tragen, wir Männchen jedoch krampfhaft sie erst erobern
müssen. Haben wir Herren Erleuchtung jedoch erst einmal erlangt,
können wir den Boden weit aufsteigend hinter uns lassen, während =
Sie,
liebe Frau, die Fesseln zur Erde nie verlieren werden und damit aber auch
sicherere Standfestigkeit bekommen. Was da besser oder schlechter ist, kommt
auf den augenblicklichen Standort Ihrer Existenz an.
Wir in den Bergen schaufelten =
also
wieder wie die Bekloppten, verstopften das gar nicht romantische Loch mit B=
aumstämmen
und Steinen zu und verhinderten so auch für spätere Zeiten diesen
Geburtskanal. Das empfand Mutter Erde als tiefste Beleidigung, wie kann man=
ihr
auch das Beste nehmen und schlug 2 Monate später heimtückisch mit=
einem
Erdrutsch zu. An der kompliziertesten Stelle des Kanals rutschten einfach m=
al soeben,
nach heftigem Regen, einige Tonnen Sand von oben herunter und nahm bei der
günstigen Gelegenheit gleich noch den gesamten Kanal in Richtung
Fluß mit. Also auf von Neuem. Leid schafft Freude, Zerstörung
schafft Kraft, Wiederholung macht zäh. Ganz nach diesem Motto machte s=
ich
Pepe und ich mit Spitzhacke, Eisenstangen und Schippen an diesen Selbsterfa=
hrungs-
Workshop, der uns viel Nahrung aber kein Therapeutenhonorar kostete. Teilwe=
ise
kamen wir täglich zu zweit nur einen einzigen Meter voran, doch die
abgeklärte fast chinesische Gleichmütigkeit meines chilenischen
Compañero gab auch mir den Mut, durchzuhalten. Nach einem Monat war =
wieder
mal Lichtefest, aber auch nur um uns zu foppen. Mutter Erde war wegen des
verstopften Geburtskanals immer noch sauer und ließ eine zweite noch
größere Wand einstürzen. Jetzt schon fast zum Zen- Meister
geworden, hatten wir beiden Arbeiter schon Erfahrung im Gefühl des
Ertragens und richteten den Turbinenkanal in einem Zeitraum von zwei Monate=
n,
zum Teil mit Schnee, Graupel und Eisregenuntermalung. Es ist aber auch durc=
haus
möglich, daß ich Mutter Erde vollkommen falsch interpretierte. Es
gab da an unserem Arbeitsplatz nämlich eine Vielzahl alter 800-jä=
hriger
Baumwesen, die sich an unserem eifrigen Tun gütlich sahen und in ihrer
festverwurzelten Existenz einfach mal ihre Langeweile mit Vögeln auf d=
en
Ästen und Füchsen, die sie anpinckelten, etwas anderes zum Schauen
brauchten. Mutter Erde, wie ich schon sagte, hat die Erleuchtung schon in d=
en
Knochen, handelte deswegen gerecht und sorgte für Abwechslung für
ihre grünen und borkigen Lieblinge mit den ausufernden Armen. Um denn
wirklich auch gerecht zu wirken, bewirkte sie auch das anschließende
Nichtfunktionieren des Generators. Ein paar Mäuschen hatten indes eini=
ge
kleine Kabel angenagt, so daß wir erst das 300 kg schwere Maschinenmo=
nster
abbauen durften, um es einer Genesung bei einem Maschinendoktor zukommen zu
lassen. Ab dann, war alles wieder gut, das irdische Weib erkannte unsere
Meisterschaft an und verbriefte es mit der Erleuchtung unserer Häuser =
mit
richtigem Strom. Der Strom des Flusses wurde zum Strom des Lichtes und des
Kühlschranks. Es war wahrlich eine schwere Geburt und ich gönne n=
ur
meinen Feinden solche Erfahrungen, auf das sie danach sanft werden mög=
en
und auch so weise, wie ich.
Ein weiteres Sandkastenspiel w=
ar
denn dann die Kommunikationstechnologie für mich. Wenn Sie
selbstständig sind, werden Sie wissen, daß sie mindestens drei D=
inge
brauchen: einen Weg oder Straße zu ihrem Laden, ein Telefon, um ihren=
Kunden
ihre Wahre aufzuschwatzen und elektrischen Strom, um energetisch in der
heutigen Welt bestehen zu können. Also wurden zwei VHF Funkgeräte
angeschafft mit 50 W Leistung, was schon recht üppig ist und Antennen =
zusammengebastelt,
dessen Ohren genau auf unsere Frequenz beschnitten wurden. Ein Apparat stand
auf der Ranch, der andere bei einer Touristenagentur im Ort. Die Agentur ha=
tte
ein Telefon, also hatten wir eine primitive Brücke geschaffen. Nun ste=
llte
sich aber heraus, daß die lieben netten Menschen der Agenturen gerade=
die
Reitveranstalter empfahlen, die ihnen kurzfristig die höhere Provision
bezahlten. Unsere Werbung und unsere Funkanlage hatte somit nur eine sehr
unzuverlässige Bedeutung im Gesamtgefüge unserer Lebensstrategie.=
Zum
Teil wurden wir sogar von den Agenturen verleugnet, „die Rancho de
Caballos gibt’s nicht mehr, die sind ausgebucht, die sind Pleite gega=
ngen“,
usw.
Es mußte einfach ein Tel=
efon
her, was aber noch für einen Tante Emma Laden erschwinglich ist, der o=
ben
in den Bergen im Urwald, 32 km entfernt, haust. Merkwürdigerweise kam =
uns
dann die Fügung wieder zu Hilfe. Zufällig lernten wir einen deuts=
chen
Automechaniker kennen, der zufälligerweise auch elektronische Kenntnis=
se
hatte, der zufälligerweise eine Frau hatte, dessen Bruder, der
funkelektronischer Meister war, und zufälligerweise ein verbotenes Ger=
ät
in Deutschland entdeckte und es für uns kaufte, und es einem spanischen
Freund in Frankfurt/ M übergab, der zufällig gerade nach Chile fl=
og.
Jetzt habe ich es aber
maßlos übertrieben, jedoch ist es mir immer wieder wichtig, die
Hintergründe des sogenannten Zufalls zu klären. Zufall ist eine
Erscheinung, die in unser Raum- Zeitkontinuum tritt und mit ordnender Hand =
dort
eingreift, wo sich ein Schicksal erfüllen will. Zufall kommt nicht aus=
dem
Raum des Chaos, sondern der Ordnung!
Besagtes Gerät wurde
ausprobiert und siehe da, es funktionierte, wenn auch mit
Wasserfallgeräuschen im Hintergrund, den wir ja wirklich in der Nä=
;he
hatten. Da sieht man einmal mehr, selbst Elektronik paßt sich den Geg=
ebenheiten
an, auch wenn man als ach so kluger Mensch, auch diesen gerne herausfiltern
würde. Nun ging das Theater los, auf wessen Dach dürfen wir eine
relativ große Funkantenne installieren, wo es Strom und ein Telefonka=
bel
gab. Bei uns oben auf dem Berge hatten weder die Vögel, noch die
Füchse, noch die Bäume etwas dagegen, denn sie verstanden schon d=
ie
Welt der Frequenzen. Unsere lieben Artgenossen, dessen Unterstützung w=
ir für
die Basisstation im Ort brauchten, machten uns das Leben nicht so einfach,
Freunde zeigten sich als freundschaftlich, solange man sich brav ihren Inte=
ressen
unterwarf. Aber wehe, wenn man der Esthetik nicht entsprach. So mußte
unsere Antenne öfters mal umziehen und der leidliche Telefonanschlu&sz=
lig;
mit hohen Kosten jedesmal mit. Eine Antenne auf ein rutschiges Blechdach in=
20
Meter Höhe zu montieren ist eine weitere Herausforderung an den Mut und
die Trittsicherheit. Gerade heute liegt die Antenne nach einem Sturm am Bod=
en
danieder, der Mast wurde einfach kurzerhand vom Windgott gefällt. Da, =
wo
der Mast stehen sollte, kassierte unser ach so lieber Mitmensch und Freund =
nach
großzügigen Gesten der Freizügigkeit, uns schon monatliche
Grundgebühren von 50 Mark im Monat für die Benutzung eines
Quadratmeters Gartenbodens ab. Der Mensch ist ein phantastisch Tier, doch
besser geht’s auch ohne ihr.
Wissen Sie, ich glaube ja auch=
an
die Wirkung heilender Hinwendung, wie es der Dalai Lama verkündet, aber
Ärger sollte man auch wiederum nicht runterschlucken, denn das sä=
uert
den Magen und schafft einen Aspekt von Säuerlichkeit im Gesicht. Ist d=
er
Ärger erst draußen und man teilt ihn mit seinen Vertrauten, wie =
Sie
es im Moment für mich sind, dann bleibt die Komik und die Lebensfreude=
.
Allerdings sagt mir Christa im=
mer,
„wie kannst Du nur, mach Dich doch nicht zum Gespött der
Leute!“
Worauf ich dann nur empfinde:
„Ist der Ruf erst einmal ruiniert, so lebt man sich ganz
ungeniert!“
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Alte
Sprichwörter tragen mehr Weisheit, als ein Laotse, weil sie praktisch
anwendbar sind. Und das ist gut so. Und so soll auch dieses Buch sein. Punk=
t.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Jetz=
t habe
ich Ihnen viel von meinem und Christas wirken in unserem chilenischen
Lebenssandkasten beschrieben, jedoch bin ich kaum auf unser Wirken auf unse=
re
Nachbarn, Angestellten, Assistenten und Freunde eingegangen und ihren
Einfluß auf uns.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Unse=
re
Nachbarschaft ist im Grunde genommen auf drei Parteien beschränkt. Da =
gibt
es die Familie Mendez, die Familie Anabalon und die Familien Revellard und
Ulloa.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Die
örtlich gesehen Nächsten sind die Mendez. Segundo, der Chef der
Familie, ist ein mittelgroßer drahtiger Typ mit schnarrender Stimme, =
nur
leicht gewelltem Haar und einem Handdruck eines wabbligen Schwamms. Wenn er=
mit
einem redet, sieht er meist zur Seite, aber er gibt seinen Reden eine gewis=
se
Gewichtigkeit. Der Inhalt seiner Reden beschränkt sich auf die Jagd, d=
em
Wiederholen der Ideen seines Gesprächspartners und seiner Wichtigkeit =
eines
Fundo- Aufpassers. Eine Fundo ist hier ein großes Landgebiet in Priva=
tbesitz.
Viele Fundos werden wirtschaftlich zur Landwirtschaft, der Viehzucht oder d=
er
Forstwirtschaft genutzt. Segundos Wichtigkeit besteht darin, über kein=
es
der drei Fundo- Kategorien zu wachen, sondern hat ein Spezialgebiet unter s=
ich.
Er verwaltet, etwas, was überhaupt nicht mehr genutzt wird, sondern sc=
hon
seit fast 2 Jahrzehnten brach liegt, vormals aber intensiv forstwirtschaftl=
ich
ausgebeutet wurde. &=
nbsp; &nbs=
p; &=
nbsp; &nbs=
p; &=
nbsp; &nbs=
p;
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Seine
Frau, eine kleine, stark bebrillte Abstämmige der Maputschenindianer,
zeigt rundlichen inneren Frieden und balanciert immer wieder die
undiplomatischen Fehler ihres einfältigen Mannes aus. Drei Kinder nenn=
en
sie ihr eigen, die älteste Tochter, Marcella, hat mit ihren 18 Jahren =
die
rundliche Erscheinungsform ihrer Mutter, ist still, zeigt eine gleichmü=
;tige
freundliche Ausgeglichenheit und bekam kürzlich ein Kind, dessen Vater
sich nach der Zeugung gleich aus dem Staub machte. Sie scheint in einer
verträumten Art immer zufrieden und nichts kann sie wirklich aus der
Fassung bringen. Diese Charaktereigenschaften waren denn auch so bestechlich
für uns, daß wir sie im Sommer immer wieder als Küchen- und
Putzhilfe beanspruchen. Sie macht ihre Arbeit gerne und nimmt sich ohne jede
Hektik die Zeit, die ein Fenster z.B. eben braucht, um sauber werden zu wol=
len.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Die =
kleine
Schwester, Valeria, ist da ganz anders. Sie ist unruhig, fast hektisch,
weiß viel zu erzählen, meist erfundene Gruselgeschichten vom
bösen Puma, glaubt die Welt in allen Facetten zu kennen, malt sich ger=
ne
an und präsentierte jeden Tag in wilder Form ihre weibliche
Schönheit. Sie hat wohl, wie ihr Vater, das rechte Maß der Selbs=
teinschätzung
schon weit hinter sich gelassen. Aber dort, wo sie auftritt, kommt auch
für unsere Kinder keine lange Weile auf.
<= span style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Armi= n, der mittlere Bruder und Stammhalter dieser an sich lustigen Familie, hält = sich mehr vorsichtig bedeckt, schießt gerne mit der Steinschleuder Vö= gel vom Baum, geht Angeln, hat schon mit seinen 16 Jahren ein eigenes Kleinkali= bergewehr und arbeitet gerne unter Anweisung seines nicht so fleißigen Vaters h= in und wieder im Holzfällergewerbe. Bei ihm kommt schon der lasche Handdr= uck von seinem Vater voll zum Zuge und auch der zaghafte Blick von der Seite. <= o:p>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Im
großen und ganzen könnte man diese Familie also als ausgesprochen
unproblematisch und in sich intakt empfinden, wenn nicht ... Ja wenn nicht =
da
der lasche Handdruck die gesamte Familie lenken würde. Welche Hand will
schon schlaff sein, dafür ist sie ja schließlich beim Menschen n=
icht
gemacht.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wenn=
man
nun aber über Generationen hinweg Arbeiter großer starker Patrone
(Chefs) mit starken schlagenden Händen war, benötigt man ja nun
für sich selbst den Handdruck nicht mehr und überläßt =
es
eben dem starken Mann. Das ist kurz beschrieben die Eigenschaft des
Landsklaven. Nur leider wirkt ja innen drin in einem solchen Menschen, trotz
Anpassung an die Lebensumstände, der Wunsch nach Stärke. Wenn sie
nicht direkt sichtbar werden darf, dann eben indirekt, hinten herum,
hinterlistig – und das bekamen wir als Nachbarn recht oft dann um die
Ohren geschlagen, wenn Segundo dies Möglichkeit witterte. Diese
Möglichkeit gaben wir ihm leider auch unbewußt. Sehen Sie, wenn =
Sie
ein Reitgelände von 600.000 m² ihr Eigen nennen, und das ist nicht
viel, der Nachbar aber 8.000.000 m² verwalten darf und das ist wenigst=
ens
schon mal ein Anfang, dann verspüren Sie den Wunsch, Kompromisse einzu=
gehen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Dies=
tat
ich denn und durfte meine Gäste durch herrlichstes Naturgebiet
hindurchführen. Der Patron des Geländes jedoch hat oft seine Laun=
en
wie das Wetter und ist eben so cholerisch, wie ein Tornado. Das macht den
Segundo natürlich sehr viel Angst und so macht er auch immer brav sein=
en
Knicks und Verbeugung, wenn der herrische Herr mit seinem 4x4 Pick Up neust=
en
Baujahrs dahergedonnert kommt. Obwohl dies nur ein mal monatlich passiert, =
bei
Lohnübergabe, bleibt Segundo in ständiger ängstlicher Unruhe=
.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sehe=
n Sie,
die Geldübergabe erfolgt da so in etwa:
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das
blitzblanke Auto des Patrons entgleitet einer hohen Staubwolke der
hügligen Sandstraße, bremst scharf vor dem abgewrackten Hause,
daß der hohe Herr seinem Arbeiter zugesteht, reist die Tür auf u=
nd
geht mit langsamen verhaltenen Schritten, den Kopf leicht vorgebeugt, wie e=
in
Adler, auf den zur Seite schauenden Segundo zu. Dieser hat inzwischen seine
Pobacken zusammengefaltet, den Kopf zwischen den Schultern, sein Magen
füllt sich mit Säure, Adrenalin schafft erhöhte Bereitschaft
wegzulaufen, jedoch die Stimme seines Vaters, tief in ihm sagt, Du muß=
;t
Dich beugen und Deinen Mann stehen. Segundo bleibt also stehen, wenn auch n=
icht
als Mann, so doch als Marionette und Vorstellung eines Mannes, wendet seine
Augen von der ihm entgegengleitenden Königskobra. Doch wieder einmal
verschont ihn diese gefährliche Schlange, wirft ihm einen Briefumschlag
mit Papierscheinen entgegen und lächelt ihn mit sanfter zugewendeter
Stimme an.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sehr=
ruhig
ist diese Stimme, etwas ölig, irgendwie zu ruhig und sanft, weil die
Körperhaltung der Kobra etwas vollkommen anderes andeutet. Um die
Demütigung, die die Kobra offensichtlich von diesem Frosch präsen=
tiert
haben will und nicht zu augenscheinlich, erspart sich der Patron, den Hinte=
rteil
seines Arbeiters einzufordern, um ihm sein Glied einzuführen oder ihn =
mit
seinen spitzen Schuhen zu bearbeiten.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Nein=
.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Er m=
acht
es geschickter. Er sieht zufällig eines unserer Pferde auf seinem teur=
en
Grund und Boden, läßt seine Stimmbänder langsam in leicht
ansteigender Frequenz höher schwingen, um dann mit voller Wucht den ar=
men
Wicht, Segundo Mendez, mit ganzem Volumen und gut berechneter Schärfe
nieder zu peitschen. All seine Macht ist seine Stimme und die Wirkung seiner
Körperhaltung und das Bewußtseins des Geldes seines Vaters. Der =
einfache,
lustige Segundo, ist als Frosch vor dieser Königskobra des Don Marcello
noch einmal lebend hervorgegangen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Was =
also
machen, wenn der eigentlich ganz nette Nachbar, nämlich wir, eine
Durchrittgenehmigung haben will? Kurzerhand verbieten, denn welcher Mann wi=
ll
sich schon immer wieder von hinten nehmen lassen, wenn der Händedruck
schon versagt. Besagter Don Marcello, forderte denn auch von mir eine Konsu=
ltation
in seinem Büro, um das ach so gewichtige Thema der Durchrittgenehmigung
durch sein nicht genutztes Campo zu besprechen. Auch mir gegenüber ver=
hielt
es sich nach gleicher Schablone. Er zitierte mich mehrmals zu sich, einer Z=
eit,
in der er gar nicht in seinem Büro anwesend war, sondern in seinem
Anderen. Sein anderes Büro ist der edle große, lackglänzend=
e,
mit Funkgeräten und Handytelefon ausgestattete Pick Up. Dieses Bü=
ro
ist denn auch wesentlich häufiger besetzt, da sich in mobiler Form die
Befriedigung seiner anderen erniedrigenden wichtigen Tätigkeiten
wesentlich unauffälliger durchführen lassen. Sie wissen ja Liebe =
und
Orgasmen im Auto, haben schon etwas!
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Hatt=
e ich
diesen Herrn, dem mehrere Fundos für seine Befriedigungen zu
Verfügung standen, jedoch endlich in seinem Festbüro in Villarrica
erreicht, so redete er mit mir in seiner freundlichen öligen Stimme
beruhigend zu und deutete an, das man vielleicht eine Einigung finden
könnte. Seine Körperhaltung entsprach in keinster Weise seinen Wo=
rten
und so behielt ich mein natürliches Mißtrauen gegenüber die=
sem
merkwürdigen Zeitgenossen. Da der Mensch, ob gut oder böse, eine =
gewisse
Fähigkeit der Auraschau besitzt, muß er wohl meine unbeugsame Ar=
t bemerkt
haben. Doch wie es feige und pervertierte Persönlichkeiten so an sich
haben, hatte er nicht den Mumm mein Begehren abzulehnen, stellte mir ein
lächerliches Zertifikat aus, immer darauf bedacht, den Termin der Been=
digung
der Genehmigung hinzuzufügen. So sicherte er auf geschickte Weise,
daß er, wenn nicht heute, so doch vielleicht das nächste mal, me=
in
Hinterteil benutzen dürfte.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das =
macht
wirklich ärgerlich, können Sie mir glauben. Eine Atmosphäre =
von
Haß unter Männern kann man nicht klüger hervorzaubern und i=
st
auch schwierig zu transzendieren, wenn Abhängigkeiten bestehen. Es ist,
als kleiner Rat, sehr zu empfehlen, aus Bannkreisen mit solchen Wirkungsene=
rgien
schnellstens zu fliehen. Errettung dieser pervertierten Seelen, gibt es meist erst am Todestag, un=
d so
lange sollte man sich nicht unbedingt gedulden, es sei denn, man braucht das
Leben eines Sklaven, um sich selbst aus einem anderen Elend zu befreien.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Fami=
lie
Anabalon waren da aus einem vollkommen anderen Kaliber. Die ganze Familie,
bestehend aus 11 mir bekannten Gliedern, fügten sich im Walde wie eine
Mischung aus Löwe und Wildschwein ein. Der Löwe ist ihr Stolz, das
Wildschwein ihre Abgesondertheit von allen anderen Nachbarn.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sie =
nahmen
uns, als wir neu waren freundlichst auf und akzeptierten unser Fremdsein als
eine Art Solidaritätsgebärde zu ihrem eigenen Status in der Gemei=
nde.
Für sie waren wir eine Art Verstärkung der Sippe der Wildschweine.
Uns tat das sehr gut und wir liebten sie heiß und innig und genossen =
den
freundschaftlichen Kontakt. Besonders Juan und Alejandro waren uns sehr nah.
Sie zeigten uns ihre Werkstatt, malten mit ihrer Getreidemühle bei 10%
Abgabe unser Korn, viele Stunden verbrachten wir in ihrem Haus, die Frauen =
in
der Küche, die Männer in der Stube, bei Tee, Mate, Kaffee und Wei=
n.
Die solidarische Wärme dieser Familie in seinem Exil zu verspüren,
schaffte ein Gefühl von echtem Heim. Wir brachten ihnen das Kartenspie=
l,
Doppelkopf, bei und sie zeigten uns, wie man Holz schnitzte oder Ochsen
führt. Ich rauchte sogar einmal das auch hier verbotenen Marihuana mit
Juan, was er unbedingt erfahren wollte und er schenkte mir immer wieder sei=
ne
Zeit, was ich von Deutschland in dieser warmherzigen Form gar nicht kannte.=
Sie
hatten kein fließend Wasser im Bad, denn sie besaßen keines, ab=
er
ein süßes 2er Plumpsklo, bei dem sich zwei Wesen gleichzeitig du=
rch
offene Holzbretter entleeren konnten. Sie offerierten uns Empanadas, frisch=
es
Weißbrot oder fritierte Teigware bei dünnem Tee und
Gesprächsaustausch über unsere verschiedenen Kulturen. Mir wird es
jetzt ganz warm, aber auch sehr traurig ums Herz, wenn ich an diese
Solidarität einer gemeinsamen Leidensgemeinschaft denke. Wir hatten den
alten blauen Landrover und sie hatten den Wunsch mitzufahren, mit Sack und =
Pack
und ihren neusten Holzschnitzfiguren zum Verkauf im Dorf. Sie waren diejeni=
gen,
die uns beim Hausbau halfen und den ersten Kartoffelacker mit Zugochsen
anlegten, sie zeigten mir, wie man Baumstämme mit Vorschlaghammer und
Eisenkeilen aufspaltete, sie halfen mit Machete und gutem Willen Waldschnei=
sen
für die Neuvermessung anzulegen, sie schippten mit mir Seite an Seite =
die
vielen Meter Schnee im Winter vom Weg und mit ihnen feierten wir unser Neues
Jahr und Geburtstage. Ich bin ihnen immer noch zu großen Dank
verpflichtet und spüre eine tiefe Liebe, besonders zu Juan, Alejandro,=
Don
Nestor und Señora Vicky. Die ganze Familie ist kleinwüchsig, bis
auf Potchi und Jonni, aber unvorstellbar zäh. Wenn ein kleines Mä=
nnchen
von 50 kg einen Baumstamm von 100 kg durch die Gegend schleppt sieht das sc=
hon
recht komisch aus. Und das konnten die Männer allesamt.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Aber=
da
war auch etwas anderes in der Familie, was erst später zum Wirken kam.=
Es
war der unermeßliche Stolz des Löwen, der Anderheiten nicht an s=
ich
heran ließ. Sie hatten die Überlebenspraxis in ihrem Wald, wir
hatten die Überlebenspraxis mit der Geldwelt. Wir brachten die sogenan=
nte
Zivilisation mit, die für sie so schrecklich interessant war in ihrer
Weltabgewandtheit, und sie brachten uns ihre einfache menschliche Zuneigung=
und
Zeit entgegen. Mit der Geldwelt brachten wir jedoch auch eine Logik mit, die
berechnend war, und das tat ihnen weh. Der alte Nestor hatte zum Beispiel e=
ine
kleine Turbine mit einem Gleichstrom- Generator, konnte damit Licht herstel=
len,
aber auch sonst nichts weiter, aber es war sein ganzer Stolz. Die Verrohung=
war
aus Holzbrettern und brachte keinen Wasserdruck zustande. Sie wollten nat&u=
uml;rlich
auch gerne so etwas Tolles haben, wie wir, für Bohrmaschine, Kreiss&au=
ml;ge
und Kühlschrank. Also erklärte ich ihre Fehler und gab ihnen Rat.=
Was
macht ein stolzer Löwe. Er glaubt, er wäre der Größte =
und
darf aus Stolz heraus den Rat nicht annehmen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich
erklärte ihnen den Nutzen und die Ersparnis ihrer Mühle bei
Verwendung von Vollkornmehl, erklärte die Vorteile der Mineralien und
Vitamine in der verwendeten Schale, aber der Rat mußte falsch sein, w=
eil
da der Stolz war.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich
erklärte ihnen aus gutem Willen und Liebe heraus den Vorteil einer
betriebswirtschaftlichen Herstellung ihrer Holzprodukte, den Nutzen, bar zu
bezahlen und nicht in Wechseln Lebensmittel zu kaufen, den Nachteil eines A=
utos
und dessen Kosten und auch den Vorteil ihres Verzichts auf zu viel Technik.=
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Erst
geschah ein langsamer fast nicht merklicher Rückzug, später als J=
uan
und Alejandro auf eines meiner kommerziellen Baustellen aus Geldnöten
mitarbeiteten, kam der Eklat. Dort wurde dann Freundschaft und Geld in einem
für mich nicht mehr verständlichen Sprache durcheinandergemixt,
prallte logisches Denken und Emotionales wie Feuer und Wasser aufeinander, =
da
war Beleidigtsein, falsch verstandener Stolz und Krankheit Ursache eines
totalen Rückzugs aus einem Bündnis, was so warmherzig war.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Frag=
t mich
einer heute, was da eigentlich geschehen ist, würde ich sagen,
„glaube nie, was Dir so einfach zufliegt, sondern prüfe die
gemeinsame Sprache, die Kultur und die menschlichen Werte, die im Vordergru=
nd
stehen und bestimmend sind.“ Doch dennoch rate ich jedem, liebevolle =
Erfahrungen
zu machen, sie in vollem Maße zu durchleben, auch dann, wenn sie nicht
ewig bestehen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wenn=
wir
uns heute begegnen begrüßen wir uns immer noch freundlich, aber =
wir
wissen, das uns die gemeinsame Basis fehlt, aus den Erfahrungen heraus.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Eine=
r der
Brüder, Potchi, der durch seine wenig soziale Art auch aus dem
Familienverband der Anabalons herausragt, arbeitete für uns als
Reitführer und Arbeiter 3 Jahre. Ihnen hatten die Familieneigenschaften
recht ungünstig getroffen. Er war ansehnlich groß hatte ein nett=
es
Gesicht mit geraden Zähnen, was hier nicht so gewöhnlich ist, war=
jedoch
recht begriffsstutzig, bequem, ordentlich penibel (auch in seiner Familie
achtete er penibel darauf, das die von ihm gekaufte Wurst auch nur von ihm
persönlich verzehrt wurde, so daß man häufiger Lebensmittel=
abfälle
unter seinem Bette fand) selbstgerecht, träge bis faul, zu mir
unfreundlich, eitel und maßlos stolz. Bei der Übergabe meines
Kündigungsschreiben, holte er den Revolver heraus und zitierte mich au=
s seinem
Hause.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das =
war
das Ende der Anabalon- Story.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ents=
chuldigen
Sie bitte, ich muß erst einmal Weinen gehen, denn Tränen tun gut,
wenn etwas weh tut und es tut mir immer noch furchtbar weh.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Juan=
, ich
will Dir nur noch sagen Du bist mein Bruder aus anderen Zeiten
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>an a=
nderen
Orten, aber Du bleibst mein Bruder in den Ewigkeiten!
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Viel=
leicht
hatten Sie mal eine ähnliche Erfahrung in diesem Leben, gehen sie wein=
en,
weinen Sie wegen der Trennung, aber vergewaltigen sie nicht die Fügung,
denn sie hat das vorgesehen, was sie in der Gegenwart leben und das ist
manchmal schmerzliche Trennung! Leben Sie es, verzweifeln Sie nicht, dann w=
ird
das Sie zum Du. Und Du lernst Verzeihen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Stol=
z ist
ein furchtbares Handycape und isoliert.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Kenn=
en Sie
das Gefühl: „Ich liebe Dich, aber dennoch weiß ich, da&szl=
ig;
wir nie - niemals zusammen leben können?“
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Was =
ist es
wirklich, was uns trennt. Es ist wieder das Schicksal, daß jeder Mens=
ch
mitbringt in die Welt, das oft tiefe Schluchten in den selben Berg hinein
reißt. Da steht man auf dem selben Hügel, mit den gleichen
Bäumen, doch dennoch ist eine unüberwindbare Schlucht dazwischen =
und
sagt nein, die Einheit kriegst Du nicht, Dein Weg ist ein anderer. Die Einh=
eit
kommt später, doch nun geh und erleide Deinen Weg. Da soll man nicht
wütend werden dürfen und Zornesadern auf der Stirn zeigen
können, oder danach die Ohnmacht verspüren und die abgrundtiefe
Trauer, die einem bei der unüberwindbaren Schlucht entgegen schallt.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Seie=
n Sie
sich gewiß, ein Lebenszyklus ist nicht Die Welt, sondern nur diese
Zeit-Welt, sie werden den Freund wiedertreffen. Immer dann, wenn sich das H=
erz
besonders stark meldet, ist da mehr, als nur eine einmalige Begegnung.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Viel=
leicht
werde ich einmal in einem anderen Buch all die tiefgreifenden seelenfesseln=
den
Erlebnisse genauer aufgreifen, denn Bilder habe ich zu maß noch
präsent.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Jetzt
haben wir da noch die Familie Revillard und Ulloa. Die einen sind Besitzer =
des
Wasserfalls „Salto El Leon“, die anderen des Wasserfalls
„Salto La China“. Beide Familien wohnen einen Stock tiefer, was
heißen soll 100 Höhenmeter oder 1000 Wegmeter von uns entfernt. =
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Die
Familie Revillard ist ein besonderer Fall. Der Stammhalter lief noch bis vo=
r 25
Jahren mit einem Revolver im Gürtel&n=
bsp;
und einem Gewehr über der Schulter, umher mit dem Gefühl, =
der
König zu sein. Wie ich hörte, bedrohte er die Nachbarn und machte=
hin
und wieder von seinem Revolver Gebrauch. Die Brut dieses so spektakulä=
ren
Herrn fiel denn dementsprechend aus. Der eine heißt Milton, der andere
Rene. Wenn Milton, der den 80 m hohen Wasserfall für Touristen verwalt=
et
meint, ein Straßengraben müßte zugeschüttet werden, d=
ann
legt er gleich Hand an und fackelt nicht lange. Wenn er meint, seine Kü=
;he
brauchten Gras auf unserem Gelände, hat er gleich die Kneifzange dabei=
und
ist nicht weiter zimperlich mit unserem Stacheldraht. Wenn man mit ihm
Abmachungen trifft, dann versteht er sie immer nur so, wie es zu seinem Vor=
teil
ausschlägt. Also, er ist ein Mann der Tat, der als Krieger hervorragen=
de Eigenschaften
hat und leider nicht zu diesem Beruf kam, so daß er zu unserem Leidwe=
sen
immer noch in unserer Idylle den verkannten Helden spielt und den von ihm
erwünschten Heldentod noch nicht finden konnte. Wir alle bedauern das
sehr, denn wir wünschen ihm diesen Genuß von Herzen, eher
früher als später.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sein
Bruder, Rene, eine seriöse Gestalt mit gebrochener Nase im Gesicht und
stetig einer langen Machete in der Hand, hat ein eigenes kleines Sägew=
erk
mit Dampfmaschine, einen alten rostigen Lastwagen Baujahr 50 und einen Ford Pick Up 1960.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wenn=
man
ihm ein Tor in den Weg stellt, nimmt er geschickt eine Klette aus dem LKW u=
nd
reist es mit Motorkraft in Stücke. Sollte man es wagen, das Tor wieder
aufzubauen, geht er höchst persönlich mit Motorsäge ran und
hilft einem Brennholz zu machen. Er nahm bei diesen Aktionen nie ein St&uum=
l;ck
Brennholz mit. Mit einem lustigen Hütchen auf dem Kopf und einem stets
grauen Jackett, bewegt er sich mit seinen 55 Jahren recht flott durch die
Urwaldwege. Meist hat er ein oder zwei Indianerhelfer an seiner Seite, die =
er
gewöhnlich zwei Monate später bezahlt. Seine, durch die gebrochene
Nase bedingt, näselnde Stimme, verursacht keine Angst, aber die ö=
lige
Freundlichkeit erinnert doch sehr an das Wesen des Don Marcello. Auch dieser
Mann der Tat und des schnellen kurzentschlossenen Handeln hat seinen Respekt
verdient. Statt feindliche Soldaten nieder zu metzeln, betätigt er sei=
nen
Schnittercharakter im Baumwesen. Liebend gerne fährt er mit zufriedenem
Lächeln im Sommer an unserem Campo vorbei in das Seinige und sägt
genüßlich eine 1000-jährige Buche nach der anderen um. Ich
glaube, er mag es, wenn der Baum so schön kracht, knirscht und kreischt
bis er sein Leben ausgehaucht hat. Wie er es dann schafft, die Tonnenschwer=
en
Stämme auf seine alte Rostlaube von LKW zu bucksieren und damit den
steilen Weg unten anzukommen, ist mir nicht recht klar. So wie er mich
irritiert, so verwirre auch ich ihn wohl auch, wenn ich mit meinem wesentli=
ch
neueren Großraumjeep an ihm vorbei donnere. Der kann sich nicht
vorstellen, wie man mit ein paar lumpigen Pferden so viel Geld verdienen ka=
nn.
Aber inzwischen wünschen wir uns beide nicht mehr den Tod und lassen d=
as
Leben so weiterlaufen, wie es unvermeidlich erscheint.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Fami=
lie
Ulloa wohnt auch da unten, ganz an die Seite von den Revillards gekuschelt.
Diese Familie mit erstaunlich großer Zahl muß man wirklich
anerkennen. Sie sind fleißig, hart im nehmen, packen das Leben an und
sind sehr solidarisch. Ihre Solidarität geht allerdings über die
Sippe nicht hinaus. Sie machten zum Beispiel einmal eine Junta de Vecinos a=
uf,
das ist eine Nachbarschaftsvereinigung, um endlich in den Genuß der
Elektrizität des Staates zu kommen. Sie veranstalteten dabei zwei
große Bingo- Feste mit Empandas, Bier und Grillfleisch und redeten vi=
el
vom Vorantreiben des Fortschritts in unserer Gemeinde. Also wirklich, sie
machten es gut, so daß viele Nachbarn halfen und ein Haufen Geld gesa=
mmelt
wurde.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Kurz=
, der
Strom kam, alle waren froh, bis auf die, die einfach vorher heimlich von
besagter Familie aus der Liste gestrichen wurden. Die waren nämlich
überraschender Weise keine Nutznießer des großen Fortschri=
tts
der Familie Ulloa. Wenn man ihnen begegnet, hat man immer den Eindruck, die
sind wirklich stark, besonders das Oberhaupt mit den oberschenkeldicken
Unterarmen und einer Halbseitenlähmung im Gesicht. Auch da dachte ich
schon, wenn der Mann jetzt auch noch schön wäre, wäre er hier
der Soldatenkönig, aber so strafte ihn das Schicksal. Mit diesem Gesic=
ht
und verzogenem Mund, kann er höchstens beim Narrenverein auftreten. Und
deswegen hat er auch seinen Verein, der erbarmungslos zusammenhält, wie
eine Faust, die den Stein des Weisen verkrampft festhält.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Noch=
ein
wenig weiter unten im Gelände wohnt ein anderer Ulloa. Den hat’s
auch geschlagen mit einem Buckel, nach dem er sich wohl als Jugendlicher in
eine Prügelei einließ. Ich nahm ihn schön öfters mit d=
em
Auto mit. Da war der immer so unterwürfig freundlich, daß ich das
Wort „der macht einen Katzbuckel“ verstand. Er realisierte sich
also körperlich das, was in ihm am wirken war. Wenn ich aber etwas von=
ihm
wollte, verleugnete er die Sache oder verweigerte die Hilfe. Der ist
übrigens frommer Sabatist, das sind extreme Evangelen aus einem Nebenz=
weig
des Wahnsinns, nennen sich Christen, zitieren Jesus Christus, wie es
gefällt, fragen ob man an Gott glaubt, und stechen einen den Dolch in =
den
Rücken.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Gege=
nüber
von ihm wohnt noch Familie Hernandez, die alle wie geklont aussehen. Einer =
ist
der Spinnenmann von Pucon. Der fährt im Rollstuhl, hat Arme und Beine =
wie
eine Krake, das Gesicht eines Bussards und paßt vor dem Supermarkt auf
Fahrräder auf. Die Eltern dieser Kinder waren seit Generationen nah
verwandt. Au weia, so was soll man einfach nicht machen, auch wenn ich im
Internet jeden Tag einen Porno zugesendet bekomme mit „Father fucks
dougther, mother with son“, oder so ähnlich. Ich schaue mir diese
Schweinereien hin und wieder mal an, und mich gruselt, wenn ich daran denke=
es
mit meiner Mutter zu treiben. Die besteht nämlich nicht mal mehr aus K=
nochen,
pfui, wie pietätlos – oder lachen sie einfach mal wieder. Ich ha=
be
schließlich heute schon geweint.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Dann=
gibt
es da noch die Senora Elisabeth, 5. Generation deutschstämmig mit ihrem
Ehemann Rolando, 3. Generation. Als wir die Elisabeth, Besitzerin der
naheliegenden Thermalquellen, vor 17 Jahren kennenlernten, hatte sie 140 kg=
auf
dem Leibe. Also eine sehr gewichtige Dame mit dem Wesen einer 13 Jähri=
gen.
Wenn ihre 80-jährige Mutter manchmal aus Santiago kam, gab es
häufiger Ohrfeigen und die 55-jährige Elisabeth weinte
herzzerreißend. Die Mutter war eine 180 m große dürre
Bohnenstange mit dem säuerlichen Gesicht einer Magenkranken. Tja sich
ärgern macht eben sauer und ist ungesund zugleich. Ihr Ehemann hatte i=
mmer
Mundgeruch und redete gerne über seine Wasserkraftanlage, die er aber =
nie
zeigen wollte, trotz meiner verständlichen Neugier. Rolando mochte wohl
sein schweres Riesenbaby von Ehefrau nicht mehr so gerne und hatte deshalb =
in
Temuco noch eine Zweitfrau. Mit der zeugte er noch ein blondes Kind mit sei=
nen
wasserblauen Augen. Seine anderen beiden erwachsenen Kinder hatten auch den
Aspekt von trotteligen Riesenbabys und so war das Thermalhotel auch langsam=
am
verfallen. Als wir neu waren in der Gegend, fanden wir das vom Vater aufgeb=
aute
Holzchalet schon sehr speziell. In einem Speisesaal von ca. 300 Quadratmete=
rn
gab es als Heizung einen Kamin und 5 selbstgebastelte Elektroheizer, aber k=
eine
Feuerversicherung und auch keine Isolation. Die Musik aus alten
Volksempfängerlautsprechern kam aus tiefer Vergangenheit, Schlager der
40er bis 60er Jahre, der Kaffee wurde in deutschen Kaffeekännchen von
einer kleinen etwas buckeligen 60-Jährigen serviert, allerdings Nescafe
mit Pulvermilch, igitt.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich =
dachte
nur, Agata Christi Filme hätten hier das richtige Ambiente. Nachts wur=
den
dort auch hin und wieder Geisterscheinungen gemeldet. Das großes
vorübergehende Erwachen aus einem Schneewittchentraum erlitt dann die
Familie bei einem Brand. Die Wasserkraft hatte denn wohl sich über ihre
Rotation, veralteten offenen Kabeln bis hin in die gemeingefährlichen
Heizer eingeschlichen, Neptun und Mars lächelten gemeinsam, was ja sel=
ten
vorkommt und ließen mal ein paar Funken springen, bevor es ein unschu=
ldiges
Kind erwischt. Und schwups, stand das 45-jährige Gruselchalet in ansehnlichen Flammen. Die 32 km
entfernte freiwillige Feuerwehr kam denn auch zum Füßewärme=
n an
der so molligen Glut. Aus der Traum. Man zeterte und jammerte und forderte
Schuldenerlaß und eine Spendenaktion für die armen Besitzer, die=
als
Eintritt für eine Thermalbadewanne aus Beton fast 7 US$ verlangten,
für eine halbe Stunde wohlgemerkt.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wiss=
en
Sie, es ist gemein über Schaden anderer zu lachen, das tue ich hier au=
ch
nicht, aber die Komik bleibt, wenn das Irren des Menschen so offensichtlich
wird und selbst bei Schicksalsschlägen noch kein Einsehen zeigt. Was s=
oll
man machen, lieber schweigen, nicht die Hoffnung verlieren und Humor behalt=
en,
jedoch bitte mit Mitgefühl und ohne die Tränen zu vergessen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Jetzt
waren wir lange genug bei Personenbeschreibungen, und, damit es nicht zu
langatmig wird, sollten wir uns wieder ein wenig der Aktion zuwenden.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wir =
litten
trotz ereignisreichem Leben eingebettet in eine Pferderanch mit herausragen=
der
Landschaft, vielen Tieren und noch viel mehr Pflanzenwesen an ständigem
Geldmangel. Es ist ja meist so, wenn man seine Energie auf ein Objekt
zentriert, ein anderes hinterherhinkt oder im Verschwinden verblaßt. =
Das
war bei uns das Geld. Viele Gedanken darum nutzten mir wenig, das Planen mit
Faktoren, die im Bereich des Unbewußten, nicht Greifbaren liegen, tra=
ten
nicht in Erscheinung. Und so mußten wir eben bescheiden und Demut war=
ten,
ob das Schicksal nicht mal wieder hilft.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das =
tat es
in Gestaltwerdung eines Freundes, seines Zeichens Boschvertreter,
Deutsch-Spanier und frisch in unserem Lande. Er war Theoretiker, ich Prakti=
ker,
er brauchte ein Dach über dem Kopf und ich brauchte Geld. Das war eine
Ergänzung, die uns beiden sehr entgegen kam. Er bat mich, sein Haus in=
Pucon
zu bauen, und das in einer Zeit, in der ich auf der Ranch abkömmlich w=
ar.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Also
suchte ich mir eine Baumannschaft zusammen, die mit mir zusammen ans Werken
ging, während mein Boschfreund seiner Tätigkeit, als Manager, dem
Geldverdienen nachging. Er saß im Büro mit Computern, Handy
Telefonen, fuhr mit dem Dienstwagen durch die Gegend und schwatzte den Gesc=
häftsführern
von Eisenwarenläden Bohrmaschinen auf.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wir
machten uns ans Abmessen, Sägen, Hämmern, Bohren. Wir mischten Be=
ton
an und formten ihn zu einem Fundament. Wir richteten Wände auf, montie=
rten
den Dachstuhl, deckten Pfannen darauf, legten Fliesen, paßten Tü=
ren
und Fenster ein, verlegten Stromkabel, löteten Wasserrohre und install=
ierten
Klo und Waschbecken. Wir waren die Kölner Heinzelmännchen,
während mein Freund die Vorstellungswelten der Zivilisation befriedigte
und Dollarnoten herbeizauberte. Eigentlich ein sehr gutes Gespann, finden S=
ie
nicht? Und doch war mein Freund an die Welt des Geldes verhaftet, forderte
Einsparungen im Bau ohne Qualitätsverluste, lebte in ständigem
Zeitdruck, den er auch auf uns zu übertragen suchte und fühlte si=
ch
wahnsinniger Weise uns stets überlegen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Dies=
es
Prinzip ist Ihnen ja allen bekannt. Derjenige, der reale, sichtbare und
notwendige Formen zur Gestalt werden läßt, also lebbare Materie
schafft, wird geringer honoriert und anerkannt, als derjenige, der Luft und
Illusionen verkauft. Das sah unser Managerfreund nicht, durfte es wohl auch=
so
nicht betrachten, denn sonst hätte er seinen Job sofort hingeschmissen=
.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sein=
Haus
steht immer noch, ich kann es von hier aus sogar sehen, während er sch=
on
lange von dannen geflogen ist und weiter dem Gelde hinterher rennt. Er mana=
gt
jetzt in der Zentrale seiner Firma in Brasilien und träumt vom Ausstie=
g in
drei Jahren, wenn er dann endlich genug von den grünen Scheinen
angehäuft hat. Das ist so ähnlich, wie so viele andere Menschen
denken: „gehe ich dann mit 60 in die Rente, mache ich große Rei=
sen
und lasse richtig die Sau raus“.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Welch
Illusion nur. Mit 60 hat man das Bewußtsein eines 60-jährigen und
nicht das eines starken Mannes oder Frau von 30. Mit 60 lebt man die
Beschaulichkeit und den Rückblick seiner Aktionen des Jungsein, jedoch
niemals umgekehrt. Das was Sie jetzt tun, wird getan und sollte auch bewegt
werden, denn der Impuls ist jetzt. Wenn Sie glauben, Sie können den Je=
tzt-
Impuls in ein Banksafe tun und ihn 30 Jahre lang aufbewahren mit Zins und
Zinseszins haben sie sich geirrt.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Inte=
ressant
ist es, wenn man dann mit 60 in den Safe hineinschaut, sie werden staunen, =
da
ist nichts mehr drin, höchstens ein vergilbter Pfandbrief aus dem Jahre
1970, wo drauf steht, ihre Zinsen sind einzulösen bis zum Jahre 1985. =
Dann
verfallen sie. Und genauso funktioniert die Illusion, sie sind kurzfristige
Anlagepapiere mit Verfallsdatum.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich =
bekam
also am Ende des Hausbaus für drei monatige intensive Manager- und
Handwerkerarbeit meine 10.000 Mark und freute mich für die zweifache
Entlohnung. Das Geld und die Erfahrungen obendrauf als Geschenk. Ich zeigte
meinem Freunde meine Dankbarkeit und Gott in meinem Freunde noch mehr. Durch
dieses Geschenk von damals darf ich jetzt in meinem eigenen Hause sitzen und
Ihnen unter einem geschützten Dache meine Erkenntnisse zu Gemüte
führen, und das ohne Hast, aber mit dem Willen, es muß etwas get=
an
werden.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Der
Hausbau sprach sich bei einem anderen Freunde, seines Zeichens deutscher Ar=
zt
auf Rente, herum. Er dachte sich, der Mann kann ja etwas, der ist billig und
zuverlässig, der kann mir ein Konferenzhaus in meine Clubanlage bauen.=
Das
empfand ich als Anerkennung aus fernem Reiche, das kollektive Unbewuß=
te
hatte eine gute Telefonleitung. So sagte ich zu, auch wenn der 8-eckige Bau
recht kompliziert erschien. Ich bin ja nicht wirklich Architekt oder Statik=
er,
aber ein starker Wille läßt manchmal Qualitäten in einem
wachsen, die man vorher gar nicht kannte. Es sind so furchtbar viele Potent=
iale
in uns, die nur darauf warten ins Licht zu treten und Gestalt zu werden, we=
nn
man sich nur traut und ein kleines Engelchen im Ohr hat, daß liebevoll
sagt: „Hab Vertrauen, Du kannst alles, was ich Dir vor die
Füße werfe, aber auch nicht mehr“.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich =
suchte
mir meine alte Baumannschaft zusammen, mit Miguel und Jose und ihren
Brüdern. Sie waren lustig und guter Dinge und glichen oft meine
Unfähigkeit und mangeldem Wissen mit Mut zur Tat aus.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wied=
er sägten wir, hämmerten,
bohrten, mischten, löteten, hieften hoch, ließen fallen, lachten,
fluchten, ärgerten und freuten uns. In all diesem Werken, bohrte sich =
mein
Sohn, Thorin, sein Tor zum Licht und verließ seine Mutter mit sanftem
Geschnurre im Juni 1996. Eine Hausgeburt sollte es werden, ohne den Geruch =
von
Chlor, Sterilmitteln und anderen Isolatoren gegen eine feindliche Welt. Nei=
n,
unsere Welt war auch nicht feindlich auf der Baustelle. Wir bewohnten gerade
ein Apartment des reichen Doktors mit Clubanlage. Das konnte man Mutter und
Neugeborenen zumuten.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das =
ich
auch noch zur Hebamme werden sollte, war mir schon recht. Schließlich=
war
ich bei der Geburt meiner ersten drei Kinder schon dabei. Eine Geburt ist k=
eine
Krankheit und der Job der Hebamme nichts weiter als eine Hilfe des Gefü=
;ges
zwischen Mutter und Kind. Ein Hebammenbesteck überließ man uns
freundlichst als Leihgabe. Die voruntersuchende Hebamme hatte wohl keine
Genehmigung für Hausgeburten, hatte aber genug Anstand Christas Wunsch=
mit
ihrem Köfferchen zu unterstützen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich =
sage
Ihnen, eine Geburt ist immer ein ergreifendes Ereignis. Als Hebamme besonde=
rs,
denn da greift man direkt ins Leben. Aber man greift nicht ein, sondern man
hilft in einem Prozeß, der so natürlich ist, wie es ein anderer =
gar
nicht mehr sein kann. Wenn Sie neues selbstständiges Leben in ihren
Händen empfangen können und kein Schluchzen kommt, sind sie entwe=
der
abgepanzert oder pervers. Haben Sie die Möglichkeit, einer Geburt beiz=
uwohnen,
in Demut und Bescheidenheit, ohne Fotoapparat und Videokamera, es tief in s=
ich
aufnehmend, kommen sie dem Ursprung des Lebens sehr nah. Das wünsche i=
ch
Ihnen von Herzen mit aller Liebe. Alle Theorie entschwindet, Vertrauen,
Hoffnung und die Annahme des so seins wird Wirklichkeit und Wahrheit und ist
jedem Zweifel gegenüber erhaben. Machen Sie jedoch eine Party aus der
Geburt, haben Sie etwas ganz und gar nicht verstanden.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Am
darauffolgenden Morgen ging das Schrauben, Nageln, Sägen und Bohren an=
der
Baustelle weiter, denn auch wir Bauleute mußten uns ans Licht bringen=
in
Form des Gestaltens eines Werkes und unsere Fähigkeiten gegenseitig be=
weisen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wiev=
iel
Leben bringt eine Baustelle, zwischen Arbeiten, Planen, sich Ärgern, s=
ich
Freuen, Stolz und Sorge, Saufen und Fluchen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Und =
zum
Schluß? Das Werk ist vollendet, man geht Stolz herum, klopft sich
gegenseitig auf die Schultern, prostet sich zu und überläßt=
dem
Eigentümer nur einen Schlüssel. Der Schlüssel ist das Symbol
unserer Kräfte, Kreativität, Gestaltens und unserer Freude am Leb=
en.
Wer den Schlüssel als Werkzeug des Verschließens versteht, kann =
das
wohl gerne tun, aber hoffentlich spürt er mit dem Schlüssel in se=
iner
Hand auch das Fibrieren unserer Kräfte und dem guten Willen einer
Schöpferkraft, die kein Geld kennt.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wenn=
Sie
mal in Chile etwas besser Urlaub machen wollen, gebe ich Ihnen gerne die
Adresse dieser Clubanlage, um noch ein paar Ausläufer unserer
Wellenbewegung im Bauwerk zu verspüren.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wie =
der Himmel
so wollte, brauchten wir ein neues altes Auto. Der alte Landrover war
schrottreif und der Minibus brauchte einen Fehler nach dem anderen, um seine
Traurigkeit als Renault im fernen Chile kund zu tun.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Herr
Doktor war mit der Arbeit zufrieden, ging auch drei mal um das neue Clubhau=
s,
Frau Doktor vergaß nicht auf die klemmenden Türen hinzuweisen und
nicht gut gesäuberten Fliesen, aber dennoch stand bei ihnen die Verdop=
pellung
ihres eigenen Hauses an. Nicht zu teuer darf es werden, möglichst wenig
Schmutz soll es machen und schnell soll’s gehen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wie =
macht
man aus einem Zwergenhaus ein Monster mit riesiger Terrasse. Dafür die=
nt
der Kopf. Also wieder mal hingesetzt, einen großen Block DIN A 4
Blätter in der Hand, Lineal, Bleistift, Winkel, Taschenrechner ein paar
Bier, zwei Pisco Sour und die Hilfe von oben. 14.000.000 Pesos wird es unge=
fähr
kosten, sag ich dem Patron, ich meinem dem Herrn Doktor. Der wiegt seinen K=
opf
bedenklich hin und her, mein Magen rutscht schon in die Knie. „Ich br=
auch
ein neues altes Auto, bitte laß ihn süchtig sein nach mehr Hab u=
nd
Gut und einem Monsterhaus“.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Er w=
ar
süchtig, aus welchen Gründen auch immer und schlug zu, wohlweisli=
ch
wissend, daß keiner es billiger und schneller macht als ich. Aber sei=
ne
Frau blieb als Überwachungsorgan vor Ort in Chile. Einer mußte ja
schließlich auch darauf schauen, daß wir dem nicht die alte Bude
ganz abreißen und gewachsene Gefüge unehrenhaft in die
Mülltonne verfrachten.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich =
kann
Ihnen sagen, einen Hausanbau zu machen und das noch Winkelversetzt ist nicht
gerade ein Pappenstil. Das alte Dach muß zum Teil abgerissen werden, =
aber
nur soweit, daß ja kein Regen auf die guten Möbel darunter
fällt, um dann in einer Blitzaktion mit denm Neubau zusammengefüg=
t zu
werden. Ich glaube Ärzte haben da ähnliche Probleme, wenn sie
siamesische Zwillinge auseinander montieren und sollen ihnen separate
Lebensmöglichkeiten geben. Das macht einem das Gefühl schielen zu
müssen, oder mit zwei linken Händen gleichzeitig zu schreiben. Ku=
rz
um, alles ist möglich, kleine Fehler werden selbstredend vertuscht,
Regreßpflicht auf Scheintäter abgewälzt man wußte ja
nicht, daß es gerade jetzt regnen würde usw.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Na so
schlimm war der Fall auch nicht, aber ein neues Haus zu bauen ist mir
wesentlich lieber als einen Anbau, wenn auch der Anbau dreiviertel des Altb=
aus
entspricht. Mit der Zentralheißung der Doktorfamilie mußte ich =
mich
selbst übertreffen. Ich konnte mir zwar eine normale Schwerkraftheizung
vorstellen, aber nicht so leicht mit einem Küchenofen, einem Boiler auf
dem Dach, Überdrucktanks, einem separaten Tank für warmes
Brauchwasser, umschaltbar für den Gasdurchlauferhitzer, eventuell
später ankoppelbar an eine Solarheizung, verwendbar im alten Hausteil =
zu
zwei drittel, voll verwendbar im Neubau. So was ähnliches folgte dann =
mit
der Elektroverkabelung auch. Das Ganze bitte kostensparend zu installieren,
verbraucherfreundlich zu bedienen und ständig fehlerfrei einsetzbar mit
möglichst einem leicht übersichtlichen Drehknopf. Wissen Sie, wenn
Sie vorher nie das Schielen gelernt haben, gehen sie bei Herrn oder Frau Do=
ktor
bauen,. Da lernen Sie es und nicht nur das. Sie lernen zum Beispiel ihrer s=
olidarischen
Handwerkermannschaft klar zu machen, daß sie jetzt weniger Geld krieg=
en
und mehr leisten sollen, Sie lernen Mensch zu spielen, auch wenn Sie schon =
zum
Teufel geworden sind, Sie lernen Preise zu drücken, wo der Lohn angeho=
ben
werden müßte, ....und sehen das der Bauherr genüßlich
seinen Kaviar zelebriert, sich 4 neue Liegestühle kauft, eine
Tischtennisplatte, einen neuen Fernseher, die Tochter jeden Tag mit dem Min=
ibus
zur deutschen Privatschule gleitet und manches mehr. Ich will keinesfalls z=
ur
Revolution anstiften, Gleichmacher sind mir zu wider, aber ein klein wenig
Mitgefühl, ein klein wenig Verstand und weniger Arroganz, ein biß=
;chen
mehr Logik und ein klitzekleines Stück weniger Egoismus wäre schon
nett, bitteschön. Ich trank aber auch mit der Bauherrin solidarisch mo=
rgens
bereits einen Cognac, verstand mich mit ihr prächtig, feilschte nur un=
terschwellig
um Preise und wäre fast mit ihr unter ihren Anweisungen im Bett geland=
et.
Leben und leben lassen, wir sind alle fehlerhaft und sehen meist nur die
umgebenden 100 m² und nicht mehr.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Outp=
ut,
wie es so schön heute heißt, war ein fertiggestellter ansehnlich=
er
Wohnsitz des Medizingrafen, mit allem drum und dran, wieder einen Haufen
Erfahrungen mehr und einem neuen alten Großraumjeep aus Iquique.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Iqui=
que
ist eine Stadt im Norden Chiles mitten in der Atacamawüste. Weil da ni=
chts
wächst, wächst eben die Staatkriminalität. Die mußte i=
ch
mir untertan machen. Da gibt es eine Freihandelszone für Leute wie mic=
h,
Drogenmafiosos aus Bolivien und Peru und anderem Gesocks aus der Dunkelwelt=
der
Gesellschaft. Ich begleitete meinen Automechanikerfreund bis dort, 2500 km =
mit
dem öffentlichen Bus hin, damit er gebrauchte Dieselmotoren für s=
eine
Kunden organisiert. Die Japaner haben ja so fürchterlich strenge
Abgasvorschriften in ihrem Land und so müssen sie den alten Schrott lo=
swerden,
um mit den Gewinnen Abgase in hiesigem Lande in Form von Cellulosefabriken
herzustellen. Das ist nett, und regt zum Denken an. Die wollen eine saubere
Umwelt und schiffen Dreck aus und holen sich Sauberkeit rein, nicht schlech=
t,
wenn es denn so funktioniert. Schade das die Japsen genauso doof wie die De=
utschen
und Amis sind. Umverteilung dieser Form auf einem gemeinsamen Planeten,
sozusagen im gemeinsamen Hause, geht so einfach wirklich nicht, aber versuc=
hen
kann man es mal. Beobachten Sie eine gute Hausfrau bei ihrer Arbeit. Sie ni=
mmt
den Besen und fegt und fegt. Genaugenommen verteilt sie den Schmutz um, erst
liegt er verstreut verteilt, dann konzentriert sie ihn auf einen Haufen, we=
nn
sie dann nicht vergißt, den Haufen auf eine Schippe zu nehmen, vertei=
lt
sich das Ganze wieder. Nimmt sie jedoch die Schippe und wirft den Dreck in
einen Eimer, erscheint der Boden sauber, oder nicht. Merkwürdig, da&sz=
lig;
nach 2 Tagen der gleiche Dreck da wieder liegt, obwohl man sagt, es wä=
re
ein anderer. Na ja, das ist jetzt höhere Schmutzphilosophie und
interessiert nur den Berufsstand der Hausfrau.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich =
liebe
das Abgleiten in ferne Räume, drum sind wir nun beim Zollagenten in
Iquique. Der sagt, kein Problem, diesen bildschönen Mitsubishi Pajero
können sie mit ein paar kleinen Formalitäten gleich mitnehmen. Die
Formalitäten bestehen aus dem Umbau von Links- auf Rechtverkehr, eine =
Kleinigkeit,
nicht wahr. Da müssen Konsolen, Gas-, Brems- und Kupplungspedal
seitenverkehrt angebracht werden, aber nicht nur am Fahrersitz. Nein, da vo=
rne,
wo die Technik ruft, können Sie das Schielen wieder lernen. Das Steuer=
rad
rechts, die Pedalen links macht auch keinen erfreulichen Aspekt, also mu&sz=
lig;
Lenkhebel und der restliche Mist auch noch rüber. Das Schielen
läßt langsam nach, doch genaugenommen ist es auch schwierig link=
s zu
lenken und Füße zu betätigen, wenn Sie rechts die Geschwind=
igkeit
ablesen, und ob sie noch Öl drin haben, oder der Blinker wirklich blin=
kt,
sieht man auch nicht so recht. Na, sehen Sie, Herausforderungen gibt’s
immer in den süßen kleinen Details. Ein paar kleine
Formalitäten, von wegen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Da
mußte ein Verbrecher gefunden werden, der seinen Namen dafür her=
gibt
und behauptet, er wäre ein Jahr in Argentinien Äpfelpflücken
gewesen, da mußte ein LKW her, der dieses bildschöne Fahrzeug fa=
st
schrottreif in den Süden juckelt.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Alle=
s war
geritzt, so fuhren wir nach 4 Tagen wieder dem Süden und dem Walde
entgegen, die trockenste Wüste der Welt hinter uns lassen. Das Warten
bekann. Das gute Stück von Auto, Frucht meiner Arbeit als Bauunternehm=
er,
kam nicht. Versprochene maximalen 2 Wochen, wurden zu drei, vier, fünf
Wochen. Meine Telefonate wurden vom Süden nach der Wüste des Nord=
ens
langsam sehr säuerlich, Erlebniswelten von Gangsterbanden aus Peru und
Mordkommandos aus Bolivien entflammten sich meinem Gehirn. Zollagenten sind
Gegner, some people get died. Auch diese Phantasienwelten sind Teile unserer
Wirklichkeit und sollten gelebt werden, aber eben in diesen Ebenen. Wenn man
zwischen Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden kann, dann wird ma=
n zu
einem Georg Bush, einem Bin Laden und einer Ulrike Mainhoff. Aber auch das
muß manchmal einfach sein, die Schizophrenie, hoffentlich nicht als
Präsidentengestalt.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sie
werdens nicht glauben, nach durchlebten Kriegsfilmen, wurde das neue Lacksc=
hiff
abgeladen und stand nun auf dem Hof meines Freundes. Der war diesmal echt
zuverlässig, was er sonst nie war und schraubte und bohrte an dem Japa=
ner
herum, das mir ganz anders wurde. In einer Nachtaktion löteten wir 130
Kabel von der einen an die andere Seite und wagten eine Probefahrt am
nächsten Tag. Jetzt ging es nur noch darum den chilenischen TÜV z=
u überzeugen.
Die Leute wunderten sich, sie staunten, freuten sich am Exoten und sagten j=
a,
ist OK, kannst Deine Karre mitnehmen. Ein paar Geldscheine schmierten den
Prozeß, so daß auch sie ihre Kehle ölen konnten.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Die =
Frucht
meines Hausbaus wurde Christa nun vorgeführt. Der Kommentar war in etw=
a,
“na, ich hatte mir da etwas Schickeres vorgestellt, das ist ja nur so=
ein
eckiger Jeep.“
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wenn=
man
einen Mann schon nicht kastrieren kann, dann kann man es ihm auch anderweit=
ig zeigen,
wer hier der Mann im Hause ist, nicht wahr liebe Damen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>R=
22;Du,
dieser Brillantring ist wirklich furchtbar nett, aber eigentlich hatte ich =
mir
dieses Goldcollarde vorgestellt, mein Schatz!“,
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>R=
22;Ja,
meine Liebe, ich werde weiter fleißig arbeiten und viel aus dem Hause
bleiben, da kannst Du ganz in Ruhe Deine Zeitschriften lesen und keiner wird
Dich zur Liebe nötigen,“ -antwortet er, aber wehe, wenn er mal f=
remd
geht.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Mir
war’s wurscht, aber tief betroffen blieb ich dennoch, soll doch Chris=
ta
weiter mit dem Schrottlandrover fahren, während ich als König der
Straßen über den Asphalt gleite.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Der
Japaner war wirklich nicht schlecht und dank Mafiosomachenschaften hat er m=
ich
die Hälfte des landesüblichen Preises gekostet. Er fährt
übrigens immer noch, und Christa will ihn mir nun nicht mehr für =
zwei
Tage leihen. So ändert sich die Welt.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Im
nächsten Winter kam wieder eine Baustelle. Diesmal war es ein Neubau b=
ei
Familie Doktor. Man war dort zwar immer pleite, auch wenn nun schon ein
Swimmingpool von 200 m² dazukamen, einen Tennisplatz und ein Reitstall,
aber Sie wissen ja, was man nicht weiß, macht einem nicht heiß
– dachten die anderen. Leider war das Offensichtliche einfach nicht b=
ei
Preisbesprechungen hinwegzubeamen. Mir nützte es trotzdem nicht. Preise
wurden erneut gedrückt, so daß ich schon fast ein Buckel wie mein
ferner Nachbar kriegte. Ich brauchte immer noch diese doofen Papierscheine,=
mit
den Zahlen drauf. Thorin wollte schon mehr als Muttermilch und ich auch.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Also=
ging
es wieder los mit Zeichnen, Rechnen, Vermessen, Bretter fahren, nageln,
schrauben .............Sie wissen schon.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Dies=
mal
spürte ich in mir drin schon gewisse Verschleißerscheinungen mei=
nes
Humors. Das Haus war auch eine tödlich langweilige Konstruktion, mit d=
rei
Apartments, was man so als Geübter mit links macht. Meine Maistros hat=
ten
auch im Sommer viel ohne mich auf anderen Baustellen gearbeitet und zeigten
auch nicht mehr die Kraft, die eine neue interessante Herausforderung mit s=
ich
bringt. Aber das liebe Geld rief und züchtigte uns alle. Frau Doktor w=
ar
jetzt auch schon reservierter, nachdem sie meine Prüdität zu
spüren bekam und so gab es nur noch selten den billigen Cognac.
Bei mir bohrte die Ungerechtigkeit dieser
Welt ziemlich heftig in dieser Zeit. Ich versuchte fortgesetzt so güns=
tig
als möglich mit meinen Leuten zu arbeiten, aber dennoch wurde immer wi=
eder
leicht entsetzt geschaut, wenn ich den nächsten Vorschuß für
Material und Personal erbat, so als wenn ich persönlich die guten Sche=
ine
verschlucken würde. Ich glaube die Handwerker unter Ihnen, werden tief=
es
Verständnis für meine Probleme nachempfinden, denn, wie ich
hörte wollen alle Bauherren des Gleiche.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Als =
das
Haus stand ging jeder seiner Wege und ich sagte mir, ich baue keine
Nullachtfünfzig Häuser mehr für Aldipreise. Und ich blieb mir
meiner Devise bis heute treu. Jetzt sind jüngere dran, auf das sie auch
meine Erfahrungen machen dürfen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Trot=
zdem
möchte ich im Nachhinein Familie Doktor meinen herzlichen Dank
aussprechen, für die Möglichkeit, die sie mir gaben, etwas Geld zu
verdienen, ohne das ich allzusehr dienern mußte. Ich bin dadurch einm=
al
in eine Geschäftswelt reingerutscht, die mir ihre harten Regeln aufzei=
gte
und weiß jetzt auch Achtung zu zeigen vor all den Vorarbeitern und
Handwerkern dieser Welt, die mit oder ohne Alkohol ihr Leben überleben.
Macht weiter so, Jungs, oder schmeißt es einfach hin, wenn Ihr Euch
traut.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Mais=
tro
Jose ist immer noch am Bauen, während Maistro Miguel, inzwischen um 3
Finger beraubt zum Möbelbau in eigener Werkstatt übersiedelte. Ja=
, ja
die Kreissägen sind doch wirklich erbarmungslose Fingerfresser.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Und =
wenn
ich noch mal etwas Bauen sollte, dann wird es eine Glaspyramide im Tal der
Wasserfälle, als Gotteshaus der Schamanen, mit 1000-jährigen
Bäumen drinnen und einem glasklaren Bach, und weil ich weiß,
daß der tiefschwarze Sternenhimmel zu einer intensiven Gotterfahrung
dazugehört, werde ich wohl besser auf dieses Werk verzichten und als e=
in
Bau innen und drinnen in Zukunft anstreben. Der Ausbau einer Empfindungswelt
für unser Sein, ist wohl wichtiger, wesentlich bombastischer und wenig=
er
illusionär und verscheißt nicht andere Arten der Natur der
Schöpfung.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Was =
noch
inzwischen als Aktion passierte, war der Umbau meines vorderradangetriebenen
Renault Traffic in einen Zwitter. Er sollte, wie ein Jeep einen Vierradantr=
ieb
bekommen und einen Dieselmotor. Mein Freund Harald ist als deutscher Autome=
chaniker
ein wahres Genie. Er konnte sich wegen seiner Verrücktheiten in
Deutschland nicht festigen und ihm fehlte auch die natürliche
Freundlichkeit der Menschen. Hier durfte er sich technisch richtig austoben,
ohne den Rücken zu beugen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Er
schwatzte mit also seine Ideen für mein Minibus auf und machte sich ans
Werk. Schon nach zwei Wochen hatte die tragende Karosserie ein festes
Eisenchassis, einen Japanerdiesel und die Achsen eines Chevrolet Trooper. D=
er
Zwitter sah recht imposant aus, nur fehlte die Verlängerung der Kardan=
welle.
Nach dem zwei Tests erfolglos verliefen und die Welle dem Harald um die Ohr=
en
flogen, ließ er mich sitzen und bediente seine diversen anderen Kunde=
n.
Aus den 2 versprochenen Wochen wurden 14 und unsere Freundschaft begann Ris=
se
zu bekommen. Der Umbaupreis war längst bezahlt, nur fehlte die
Fertigstellung seines genialen Werkes. Am Telefon ließ er sich verleu=
gnen,
fühlte sich von mir unter Druck gesetzt oder beleidigt, so daß zu
guter letzt das nicht wirklich fertiggestellte Auto von mir abgeholt wurde.=
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wiss=
en
Sie, das tut einem Genie wirklich weh – das Eingeständnis seines
Versagens, die Akzeptanz eben nicht alles zu wissen und alles zu könne=
n.
Genies haben wohl generell die Tendenz der maßlosen
Selbstüberschätzung, eben weil sie so weit über der Norm lie=
gen.
Da gibt es kaum noch andere, die solche Leute zurückpfeifen könne=
n,
weil andere schon längst vorher das Handtuch geschmissen hätten. =
Das
Genie ist wie ein kleiner Gott in seinem Metier und verliert den Überb=
lick
zwischen Wirklichkeit und den Traum seines Wirkens.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Kurz=
um,
Harald war jetzt stinkbeleidigt, wollte mit mir nicht mehr sprechen, nie wi=
eder
etwas zu tun haben und seine Frau hackte fleißig mit in die Wunde.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Das =
Auto
hielt dann auch immer nur seine 2000 km bis es einen Fehler nach dem anderen
produzierte. Bis heute fuhr es nur in kurzen Etappen, kam aber dann
tatsächlich auch steile Erdwege mit Matsch und Schlamm hinauf. Zur Zeit
steht der Minibus mal wieder bei Harald, der Gangschaltungsknüppel bra=
ch
zum zweiten mal ab, das Getriebe schein auch hin zu sein, Reparaturzeit wur=
de
von meinem Freund auf 14 Tage festgelegt, inzwischen sind es wieder 10 Woch=
en,
gut nicht, aber nur nicht sauer werden, denn die Rettung der Freundschaft h=
at
mich letztes mal einen Kniefall in den Staub und ein Verzeihungsbrief meiner
Schuld gekostet, um das Genie zu besänftigen. Ich liebe nämlich
diesen Menschen, auch wenn er als Servicetechniker nicht die Bohne taugt und
seine Kunden allesamt gnadenlos über den Tisch zieht. Letztlich wurde =
ihm
fast alles Werkzeug aus seinem Schuppen geklaut, da schaute er recht dumm. =
Ich
dachte mir nur, siehst Du Wolfgang, jetzt schlägt doch noch der
göttliche Zu-Fall zu und richtet, wo nicht gesehen werden will. Mein
Freund interessiert sich auch für Esoterische Gesetze und vergleicht m=
anches
mit der Bibel, nur sieht er eben, wie die Meisten, die Gesetze für and=
ere
geltend, für das Außen. Den Zusammenhang zwischen seinem Verhalt=
en
und seinen vielen Betrügereien mit seinen Kunden und dem Diebstahl des=
Werkzeugs
kann er nicht nachvollziehen. Für diese Art von Denken war sein Genius
nicht eingestellt und so liegt er weiter unter den öligen schmutzigen
Fahrzeugen anderer Menschen und kann seine Erfüllung, seine Berufung g=
ar
nicht leben. So wie er andere mit Betrug beugt, so beugt ihn etwas anderes,=
bis
das Erkennen kommt.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Trotz
allem, ich lasse auf meinen Freund Harald nichts kommen und werde ihm zur S=
eite
stehen, wann immer er mich braucht, aber bestimmt nicht mit Geld, was ihn n=
och
mehr verderben würde.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Nun
sollten wir langsam hinübergleiten in die nächste Lernphase,
nämlich persönliche Beziehung und Liebe, was krisenmäß=
ig
bei mir schleichend mit 42 begann und mit 46 wie ein Vorschlaghammer einsch=
lug.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Lieb=
er
Leser, das, was nun folgt ist im Grunde genommen eine Intimität, eine
Erlebniswelt, die man gewöhnlich nicht ausspricht, und wenn, dann nur =
im
Kreise seiner Lieben. Es ist eine erbarmungslose Abrechnung mit einem Leben,
mit falschen Vorstellungen und der eigenen Seele.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Doch=
ich
machte in meinem Lebensweg immer wieder die Erfahrung, daß Offenheit,=
das
zum Ausdruck bringen des Innenlebens, neue Potentiale frei werden lassen und
verbaute Sackgassen plötzlich transparent wurden, die vorher undurchdr=
inglich
erschienen.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich =
lebte
also seit Beginn meines Chileaufenthalts mit einer Frau zusammen. Wir lernt=
en
uns damals über die Therapieszene kennen, sie wollte nicht mehr weiter=
in
ihrem Beruf, als Krankengymnastin arbeiten und war auf der Suche. Ich lebte=
als
verkorkster Abenteurer in einer Situation des Abbröckeln meiner
Lebensbasis, eines Therapiezentrums und zusammengebrochener Familie.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Chri=
sta
spürte tief in sich, daß ihr Leben in einer Behindertenschule fa=
lsch
ist und ihr nicht die Möglichkeiten gibt, schlummernde Potentiale zum
Ausdruck bringen zu können, zusätzlich war die unterschwellig, ab=
er
allmächtig wirkende Mutter für die persönliche Entwicklung
hinderlich.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich
fühlte, daß der Job eines Therapeuten in der westlichen Gesellsc=
haft
falsch ist, weil das Prinzip der Liebe und des Verständnisses durch das
Geldprinzip vertauscht wurde. Wenn man schon nicht die Gesellschaft
verändern kann, so kann man doch sich selbst und die eigene
Lebenssituation verändern. Man wendet sich von einer Sache ab, aber im=
mer
und automatisch, wendet man sich dann einer neuen Richtung zu. Die Richtung
war, das Ausprobieren der Schaffung einer eigenen Gesellschaft in
Miniaturausführung mitten im Wald, wo ein Staat keine Interessen mehr =
am
Verfolgen hat. Wir waren in Chile einfach zu klein und uninteressant, um uns
mit Baugenehmigungen, Steuerz=
ahlungen,
Umweltgesetzen usw. zu maßregeln und zu verfolgen. Also konnten wir u=
ns
als Paar auch hervorragend entwickeln und unsere Stärken und Schwä=
;chen
gegenseitig vor die Füße werfen, ohne überhaupt die
Möglichkeit eines täglichen Ausbruchs aus der Beziehung zu versuc=
hen.
Unter diesen Bedingungen hat man hervorragende Möglichkeiten, eigene
Spannungen und die des Partners zu fühlen, wahrzunehmen und auszuleben=
, ohne
sie mit materiellen Gütern oder kommunikativen Ablenkungen zu kompensi=
eren.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Funk=
tioniert
etwas nicht gut, hat man sich mal nicht lieb, fühlt man Unverstän=
dnis
oder Ablehnung, hat man es eben zu fühlen, gnadenlos, bedingungslos. O=
der
man geht eben und verläßt den Partner. Nur war zwischen mir und =
Christa
die Idee der Freiheit, Kreativität und eines Lebens ohne Bürokrat=
ie
im großen Reich der vielfältigen Natur so stark, daß das s=
ich
Abwenden auch dann nicht kam, wenn es normalerweise besser gewesen wär=
e.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich =
als
Mensch habe ein starkes Bedürfnis nach einer tiefen Liebe, die eine st=
arke
Haftungsenergie mit sich bringt und klar körperlich gelebt werden
muß. Mir reichen Nettigkeiten in einer Partnerschaft nicht aus und
Aussagen, wie „Ich habe Dich lieb“, oder „Ich mag
Dich“, „Ich hab Dich gerne“, ist mir zu wenig.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich
brauche den tiefen verschmelzenden Blick in die Augen, brauche das langsame=
und
sinnliche Fühlen der Hände des Anderen und ich brauche beim
Geschlechtsakt das vorsichtige zeitlose Erlebnis der Verschmelzung ohne jed=
en
Kampf um die Herbeiführung eines Orgasmus.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Meine
Partnerin brauchte dagegen die Sicherheit der Stärke des Mannes, tiefes
Mitgefühl um ihre alltäglichen Sorgen, das gemütliche
Beieinandersitzen und beim Geschlechtsakt die kämpferische Reibung
aneinander. Ihr waren Begriffe wie „Ich liebe Dich“, eher
zweitrangig und tiefe Blicke in die Augen, eher beängstigend. Sie hatte
wohl ewig die Angst, durch eine tiefe Liebe sich selber, also ihre
Persönlichkeit, zu verlieren, während ich diese tiefe Liebe brauc=
he,
damit ich überhaupt meine Persönlichkeit in den Größen=
des
Alls finden kann.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich
schrieb ja bereits anfangs mal, daß mir während des Geschlechtsa=
kts
eine Erfahrung zuteil wurde, die man als Ego- Verlust bezeichnen kann, als =
das
nur noch existieren in einem Sein ohne Grenzen. Dazu brauche ich als Mann e=
ine
Frau, mit mir allein kann ich das nicht machen und ich brauche dazu eine ti=
efe
Liebe. Nun gibt es Menschen, die glauben, sie würden real sterben oder
verrückt werden, wenn sie ihr ganzes Wesen einem anderen in Liebe sche=
nken.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sehe=
n Sie,
daß war mein Dauerkonflikt mit meiner Christa. Wir arbeiteten
hervorragend zusammen, wir schafften gemeinsam, wo andere schon längst
aufgegeben hätten und wir lernten Dinge und an Mächten der Natur,=
die
einem stark aneinander binden. Wer könnte besser mein Leid und meine
Freude und mein Wissen nachvollziehen, nach all den Jahren, als
„meine“ Christa?
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Denn=
och
wirkte da eine Kraft ständig präsent in mir, die sagte, mir fehlt
etwas, ich brauche etwas – und das war die Liebe.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ohne
anmaßend sein zu wollen, glaube ich, daß es Christa ähnlich
ging, nur mit einem vollkommen anderen Thema – mir fehlt etwas, ich
brauche etwas – und das ist das Verständnis.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Ich =
suchte
also Liebe und sie suchte Verständnis, ich hatte Liebe zu vergeben und=
sie
hatte Verständnis zu vergeben.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Und =
wir
fanden im großen Walde keinen Menschen, der mit mir die Liebe teilt u=
nd
Christa fand niemanden, der mit ihr Verständnis teilt. Der Mensch ist =
ja
ziemlich verrückt und läßt sich was einfallen, um Miseren n=
och
lebbar zu machen. Christa produzierte sich einfach ein Kind, meine Tochter
Franziska, und hatte damit endlich die verständnisvolle Freundin, die =
sie
suchte. Ich, währenddessen, noch weiter aus meinen Liebesillusionen mit
Christa herausgedrängt, denn nun gab es noch weniger Liebe, weil Chris=
ta
brauchte keine faulen Kompromisse mehr mit mir und meinen Bedürfnissen
einzugehen, zog mich in andere Formen der Zeugung zurück. Ich zeugte d=
ie
Pferderanch, zeugte Blockhäuser, Geschäftsideen, Außenkonta=
kte,
Geld, ein Baugeschäft und zu guter letzt einen Naturpark, na und im Mo=
ment,
das Schreiben.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Chri=
sta
zeugte zwei weitere Kinder, Gemütlichkeit, Häuslichkeit, eine Welt
voller Haustiere und Gastlichkeit. Da waren also zwei Zeuger am Werke und k=
ein
Empfänger. Das weibliche Prinzip wurde ausgegrenzt und zeigte sich nur=
im
Außen in Form von Gärten, Bauten, Käse, Bienenstöcken,
Honig, Pferden und dem großen Walde. Das Miteinander war nicht die
gemeinsame Liebe an uns, Gestalt geworden durch zwei Menschen, sondern die =
Idee
des Zeugens. So ist es bis he=
ute
geblieben. Da gibt es eigentlich auch gar nichts zu meckern, jeder kann Sto=
lz
auf sich sein und wir können als Paar auch gemeinsam Stolz auf unser
Wirken sein.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Nur =
wo
bleibt die Liebe, wo bleibt das Verständnis, was jeder von uns so
unterschiedlich brauchte?
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Es
transzendiert sich und geht anderweitig auf Suche.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Vor =
nun
fast 5 Jahren hatte das kosmische Gefüge, einfacher gesagt, das Schick=
sal
Erbarmen mit uns und sendete uns einen Engel. In Gestalt einer 29-jähr=
igen
Psychologin, auch auf der Suche nach Entwirrung ihres eigenen Lebens,
präsentierte sich uns als deutsche Assistentin mit Lust auf Pferde,
Abenteuer und Naturerleben.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Sie
schwang dann so wundervoll die Hüften, war so erfrischend frech und mu=
tig,
übernahm kraftvoll Christas Rolle in Haus, Küche, Hof und Garten,
daß mir die Speichelfäden am Kinn herabliefen. Das war sie, die
Nymphe aus dem Meer meiner Träume, die brauchte einen richtigen Mann, =
die
brauchte meine Form der Liebe.
<=
span
style=3D'font-size:11.0pt;mso-bidi-font-size:12.0pt;font-family:Arial'>Wie =
es so
kommen mußte, Gott hatte Einsicht und Erbarmen, warf sie sich mir an
meine geschwollene Brust und später an mein Glied. Es war eine sch&oum=
l;ne
Zeit, weil sie so schrecklich wurde. Wer Leid sucht, liebt die Leidenschaft,
und die bekam ich jetzt endlich. Wie schon gesagt, bin ich ein sehr offener
Menschentyp, der durch seine Offenheit messerscharf, undiplomatisch in
Fettnäpfchen tretend, sein inneres kompromißlos nach außen
kehrt, und wenn es auch nur dazu dient, zu schauen, was dann wohl passieren
mag. Ich verkündete also unverhohlen meine Liebe zu Monika (Name
verändert), fügte auch hinzu, daß ich mich schuldig fü=
hle,
aber dennoch meine Gefühle nicht verleugnen kann. Nun war die gute Mon=
ika
mit ihrem Kind und ihrem Freund aufgetaucht.
<= span style=3D'font