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Warum macht man wohl eine
persönliche Webpage?
Mir
scheint fast, dem Ranking ............ wegen. Man will gesehen werden, will sich
darstellen, seine Maske zeigen. Sein wahres Selbst kennt man ja eh kaum, besser
man beschäftigt sich erst gar nicht damit, denn man könnte ja vielleicht sein
"Gesicht" verlieren. Man zeigt was man kann, aber nicht wer man ist. Gut,
nicht ............?
Ich bin Künstler, ich
bin Techniker, ich bin Doktor der ...., und das glaube ich Euch einfach nicht!!
Das seid Ihr nicht!
Ihr seid nicht was ihr
tut, ihr seid nicht Eure Glaubenssätze.
Na denn sucht mal
schön, und wenn Ihr eben nicht sucht, dann bleibt Ihr eben weiter eine Schablone
Eurer Glaubens- Sätze.
Ich falle lieber auf
die Klappe, als mich ewig selber anzulügen.
Deswegen suchte ich das
Lebensabenteuer, die Konfrontation und die Kommunikation. Ich glaubte nie an
mich, aber an die Kraft die mich lenkte. Und für diese Kraft stehe ich jetzt
ein.
Basta .........
und in Liebe
So fing alles
am
22.4. 1953 an
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Das Heraustreten aus dem dem Schatten ....
..dem
Schatten des Unbewußten...... ans Licht des Erkennens..
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vom Juni bis
September 06 bin ich in Deutschland und freue mich über jede Begegnung:
Email:
paso_de_lobo@yahoo.de
Ich bin auch gerne bereit
Ihnen in Deutschland unter die Arme zu greifen, wenn es auch honoriert wird,
denn ich muß sehen, wie ich meiner Familie und dem Projekt "Rancho de Caballos"
und "Parque Alto Palguín" finanziell unterstützen kann.
So werde ich jetzt an dieser Stelle eine Zusammenfassung meines bekloppten Lebens einfügen:
Gründung: Gründung des „Primal Center Osnabrück gem. Verein“ 1980 a) Arbeit als leitender Direktor und Therapeut des Therapiezentrums b) Ausarbeitung neuer integraler Therapiemethoden auf der Basis der Primärtherapie nach Arthur Janov (Los Angeles) c) Ausbildungsseminare für Primärtherapeuten und Rebirthing- Anleitung Selbsterfahrung: in der körper- orientierten Rolfing- Methode nach Ida Rolf. Erlernen des Hängegleiterfliegens, Tauchens und Bogenschießens. Private Beziehungen: Gründung einer Familie mit meiner Frau (bzw. Freundin) Brigitte B., Geburt meines Sohnes Florian. Unglückliche ungewollte Trennung der Beziehung mit starken, schmerzlich- verbleibenden Eindrücken für mein Leben Zweite unglückliche Beziehung zu einer Frau (Mechthild J.), in der Schwangerschaft getrennt Beweggründe: Nach den zwei unglücklichen Beziehungen zu Frauen habe ich den lang erträumten definitiven Entschluß zum Auswandern gefaßt, das 1987 „Pimal Center Osnabrück gem.e.V.“ geht in die Hände meiner Assistenten über. Die von mir für diesen Zweck erworbene 400 m² große Dorfschule bei Osnabrück wird verkauft. Reisen: Kundschafterreisen nach Paraguay, Uruguay, Argentinien und Chile werden unternommen zum großen Teil mit meiner neuen Lebens- 1985/87 gefährtin Christa unter schwierigsten Reise- Umständen (8 Monate Leben im Minipackzelt auch bei schlechtesten klimatischen Bedingungen). Auswanderung: Mit einem Rucksack und einer Reisetasche als Gepäck wandere ich mit meiner Freundin Christa B. nach Chile aus und suche mir spontan das chilenische Seengebiet als neuen Lebensraum bei dem kleinen Touristenort Pucon als zukünftigen Wohnort.1987 Suche nach einem geeigneten Gelände zum Kaufen. Wir werden nach 6 Monaten fündig und kaufen ein 600 000 m² großes Gelände nahe den „Termas de Palguín“ und dem Wasserfall „Salto del Leon“. Anfangs im Zelt lebend bauen wir unser erstes Haus und erweitern unseren Besitz nach und nach mit weiteren 5 Blockhäusern und Zäunen (Weide- Einheiten für Pferde und Rinder) Gründung (90): Nach 3-jähriger Pioniererfahrung als „Robinson Crusoe“ gründe ich die touristisch orientierte Pferderanch „Rancho de Caballos- Campo Pionero –Palguin Alto“ als Ort für erholungsbedürftige, naturverbundene, zivilisationsmüde Menschen, die ein „Naturerlebnis auf dem Pferderücken“ für die Regeneration ihrer seelischen und körperlichen Leistungsfähigkeit brauchen. Neben der Durchführung fester Programme für internationale Reiterreise- Veranstalter, arbeiten wir mit Individualreisenden, die unsere Adresse aus den verschiedensten internationalen Reiseführern (Bücher) entdeckt haben oder aber auch durchs Surfen im Internet. Unsere Kinder Franziska, Amirah und Thorin werden geboren und verleben auf der Ranch eine naturverbundene, gesunde Kindheit, aber in Isolation zur chilenischen Gesellschaft. Kauf eines Grundstückes und Bau eines Hauses nahe bei Pucon, um der Schulpflicht der Kinder nachzukommen. Erfahrungen: Autodidaktische Aneignung des Arbeitens am Computer inklusive bildverarbeitender Programme und des Internets. Planung und Erstellung einer Wasserkraftanlage (Turbine) Weitreichende Konfrontation mit funktechnischen Problemen im VHF- Bereich, und Telefonfunk Tierhaltung inkl. Imkerei Personalfragen in einer multinationalen Gesellschaft unter primitivster Umstände Direkte Konfrontation mit der einfachsten Bauerngesellschaft, dessen Familienstruktur und ökonomischer Denkweise. Weiterverarbeitung von Naturprodukten aus Holz (Schnitzereien), Früchten (Konserven), Milch (Käse) u.ä. Gründung: Beginn eines Baugeschäftes zur Erstellung von 1 und 2 1995 Familienhäusern in Mischbauweise (Holz/Stein) als Winter- beschäftigung mit bis zu 10 Mitarbeitern.2000 Überlegungen: Nach 13-jährigem Leben in der relativen Einsamkeit einer „Pferderanch unter den Vulkanen“ in den dünn besiedelten Anden Chiles mit nur wenigen „Campesino“- Nachbarn stellt sich die Frage einer neuen „Öffnung nach Außen“ mit dem Einsätzen seines Wissens und Erfahrungen zum Gemeinwohl der Außenwelt auf dem Gebiet der Psychologie, Gruppenkonflikten, sozial- psychologischer Vorgänge, Naturschutz und Abenteuertourismus im Nationalpark. Selbsterfahrung: Erste tiefe Begegnung mit der „Münchner Rhythmenlehre“ (nach Wolfgang Döbereiner) , heilen nach astrologisch - homöopathischen Gesichtspunkten Gründung: Parque Alto Palguín, Naturpark im gemäßigten Valdivianischen 2002 Regenwald, mit dem Zweck einheimischen Städtern ihre eigene Natur näher zu bringen und ausländischen Besuchern etwas von der unermesslichen Flora zu zeigen. Berufung: Damit ich jetzt auch noch den Internet- Suchmaschinen Folge leiste, setze ich mal den Begriff "Schamanismus" als mein Lebensthema hinein. Dieses Thema verfolgt mich, warum auch immer, ein Leben lang. Weil das, was ich machte, früher immer ein Schamane machte, nur hatte er weniger modische Wörter dafür.
Oft war er
nicht
da, der Vater
Jetzt ist
aber Schluß mit der Anhäufung langweiliger Fakten !!! Schließlich
bin ich doch nicht das was ich tat, aber ich bin mein Erleben. Und
erleben macht Spaß!
Aber eine
kleine Leseprobe meiner geistigen Ergüsse in meinem Buch "Labyrinth
des Schicksals" möchte ich Euch nicht vorenthalten
(ich gebe
zu, daß ich kein professioneller Schreiber bin). Wenn Ihr Interesse
habt, könnt Ihr auch das komplette Buch lesen. Habt Ihr es
abgespeichert, dann solltet Ihr es aber auf dem Programm
Microsoft Word öffnen (da hat man auch das Seitenformat noch
erhalten).
Oder man lese es als PDF- Datei mit dem Acrobat- Reader. Dann hier
klicken. Leseproben mit Auszügen aus „Labyrinth des Schicksals“von Paso de Lobo (das bin ICH, glaub ich zumindest)
Die gemeinsame Reise und das WirWenn ich mir Sie, lieber Leser, als Menschenwesen vorstelle, der mit mir an diesem Thema teilhat, dann sind Sie eben mit in der Geschichte. Sie sind ein Teil davon, weil Sie an meinen Gedanken teil-nehmen. Ohne Sie würde es doch sinnlos sein, überhaupt ein Buch zu schreiben. Da könnte ich mir ja alleine meine Gedanken machen und sie an mir vorbeirauschen lassen. Aber gerade durch Ihre Anteilnahme realisiert und damit auch materialisiert sich ja dieses Ding, was Sie gerade in den Händen halten, mit Ihren Augen wahrnehmen und sich Buch nennt. Ich, als der Schreiber bin zwar nicht das Holz, was in dem Papier verarbeitet ist, ich bin auch nicht die Druckertinte, die diese netten Symbole, die sich Buchstaben nennen, sichtbar macht, aber ich bin der Geist, der diese netten kleinen Symbole in der Form aneinanderfügt, so daß Ihr Geist sie aufnehmen und verarbeiten kann. Somit glaube ich, daß es Ihr gutes Recht ist, den dahinterstehenden Geist eines Schriftstückes substantiell kennenzulernen, ihn in den Bereich der Wahrnehmbarkeit zu rücken, ihn anfaßbar werden zu lassen. Ich, als Derjenige, der sich Ihnen mit-teilt, habe da schon ein größeres Problem. Ich kann Sie mir jetzt als ein großes Publikum, also als eine unfaßbare Masse ohne Identität vorstellen, oder aber als eine kleine, vielleicht 6-köpfige Gruppe in einem gemütlichen Blockhaus vor einem offenen Kamin, oder als Einzelperson mir in einem Sessel gegenübersitzend. Sind Sie eine fremde Masse, sind Sie eine Vielzahl von Personen, die mir bekannt sind, sind Sie meine Familie oder Sippe, sind Sie meine Kinder, denen ich meine Erfahrungen mitteile? Für mein persönliches Grundgefühl werden Sie am ehesten ein Bruder oder Schwester in einer gemeinsamen aber an unterschiedlichen Orten durchlebten Lebenszeit im Rahmen einer Familie um ein Lagerfeuer geschart sein. Dieser Rahmen entspricht am ehesten meinem archetypischen Bild von Kommunikation und Miteinander. Der umgebende Wald schützt uns und gibt uns Feuerholz, ein rauschender Gebirgsbach im fernen Hintergrund und eine kleine gurgelnde Quelle nahe bei uns, sowie das Knistern des Feuers gibt uns die Begleitmusik. Ein klarer mondloser tiefschwarzer Sternenhimmel unter dem Kreuz des Südens macht uns unsere Winzigkeit als Einzelwesen deutlich und läßt uns die Unendlichkeit von Raum und Zeit fühlen. Wir sind als kleine Gruppe Eins, verbrüdert, auf einem gemeinsamen Boot in einem gemeinsamen Zeitabschnitt. Wir haben uns getroffen, nach langer Zeit wiedergefunden und berichten nun über unser Abenteuer „Leben“, unsere Erfahrungen, unsere Visionen, unsere Gedanken und unsere Entscheidungen für unser Leben. So und nicht anders muß es für mich als Schreiber sein. Ich habe ein tiefes Urvertrauen zu Ihnen, als einen Teil in mir und außerhalb von mir, damit ich mein Inneres nach außen kehren kann und das Äußere zu meinem Inneren. Und da gibt es noch etwas. Manche von Ihnen sitzen merkwürdigerweise mit Bügelfaltenanzügen da, andere mit greller Modekleidung, andere mit blütenweißen indischen Saris, andere mit einem Overall, eine meiner Schwestern hat diese modischen Stöckelschuhe an den Füßen und einer ist zerlumpt und dreckig. Und doch ist jeder gekommen, dem anderen zuzuhören, ihn in seinem Dasein zu respektieren und ihn als Geschwister anzunehmen. Jeder hat auf seiner persönlichen Reise durch „seine“ Welt und „seine“ Wirklichkeit etwas vollkommen anderes erfahren, keiner ist mehr so wie der andere und doch gibt es die Gemeinsamkeit einer Familie und Sippe: Wir alle verstehen eine gemeinsame Sprache und sind alle gemeinsam bereit, dem anderen zuzuhören. Alle haben wir unendlich viel Zeit für diese Zusammenkunft, niemand wird uns stören können, weil unser Zusammensein außerhalb der Zeit und damit außerhalb aller geprägten Vorstellungswelten des persönlichen Alltags liegen. Dies ist meine Vision von Ihnen als Leser, Bruder in der Zeit! Ich erwarte nicht, daß Sie mich verstehen werden in all meinen Gedankengängen, ich erhoffe mir auch nicht, daß wir nach dieser Zusammenkunft eine Einheitskleidung tragen werden, aber ich glaube im tiefsten Herzen daran, daß wir etwas voneinander über unser Lebensabenteuer gelernt haben. Nehmen wir uns die Zeit, die Augen für die unendliche Vielfältigkeit des Lebens zu öffnen, in unseren Schwestern und Brüdern, in den Pflanzen und Tieren, in unseren Flüssen und Bergen, werden wir begriffen haben, wozu der „große Geist“ den Schicksalsfaktor erfunden hat. Wir werden begreifen, woher wir kamen, wohin wir gehen und wozu wir uns verkleiden, ja maskieren müssen und warum wir auf dem Weg leiden müssen. Die Unendlichkeit in Einheit
Unendliche Weite und unendliche Zeiten umgeben mich, frei schwebend im Nichts und doch den Lebensplan als eine Ahnung in mir begleiten mich. Ich habe vergessen, woher ich kam und weiß auch noch nicht wohin die Reise geht, aber spüre, daß ich geschickt werde von einem Etwas, was keinen Namen hat und damit nicht aussprechbar ist. Ich denke nicht, sondern spüre nur ein Geschehen. Da ist nur ein Lauschen auf etwas, aber ein inneres Lauschen, was keiner Ohren bedarf. Dennoch gibt es mich als Einheit in einer Einheit, daß man vielleicht als allumfassendes und allgegenwärtiges Einssein umschreiben könnte.
Die Ahnung
Die Ahnung geht auf die Suche, doch sie kennt kein Ziel, befindet sich auf einem Wege und hat doch keinen Willen. Die Ahnung nimmt alles in Allem wahr, doch sie braucht kein Wissen, sie erkennt alles Sein und doch ist selbst kein Sein. Sie schaut sich um im Unendlichen Sein, hat keine Augen und ist doch Allwissend. Ich bin eins in Gott und habe Dich dennoch verloren, weil leben als Gott kann ich mich nur leben in einem Wesen, brauche Grenzen in meiner allumfassenden Größe, um mich selbst zu betrachten, um mich selbst zu fühlen, um zu erkennen mein Wesen.
Darum opfere ich mich für die unendliche Größe, die in mir wohnt und gebe mir Blöße, teile mich auf in das Kleine, in Grenzen, auf das ich durchs Leben erfahre das Außen.
Denn bin ich nur Innen, werde ich nicht zum Sein, erst das Außen gibt mir Entrinnen, gibt mir Raum und Hiersein. Doch die Zeit gibt mir Ursprung, die Spaltung gibt Kraft, muß aber vergessen die Einheit und mich fügen der Macht, doch die Allmacht bleibt Liebe, in meinem himmlischen Gefüge,
kehre ich zurück aus dem unendlichen Lauf, bleibt die Erfahrung, das Kreisen, der Raum. Leben ist Freude, Spannung, Spaltung und Grauen, doch ohne Leben bleibe ich in fernen Auen, kann nicht fühlen, nicht sehen, nicht hören, nicht schmecken, verliere mich in unendlichen Strecken.
Mein Wesen als Feuer und Luft, als Wasser und Erde gibt mir die Basis für meine irdische Herde Verzweifle nicht, bist Du als Wesen auch allein Nach dem Leben findest Dich wieder, in meinem Sein Mein Sein ist unendlich in Zeit und Raum Doch vergiß alle Begriffe, auch glaubst Du es kaum
Wenn Du auch denkst, daß Du es weißt unser wahres Wesen ist Energie und Geist Mit Deinen Augen wirst nimmer mich finden, selbst denken, handeln und langes sinnen, bringt Dich nicht näher, entfernt Dich nur doch die Liebe zeigt Dir mein himmlisches Tor
geh, mach Dich auf und suche weiter beweg Dich, erfahre bis ins hohe Alter gib nicht auf und verzweifle nicht denn der Lohn für das Leid bringt Dich ans Licht nur aus Licht bist beschaffen Du siehst es zwar nicht, doch ist es so
all die Dinge und Wesen, die Dich begleiten sind nichts als Licht in meinen Weiten alles andere ist nur eine Illusion die Ahnung träumt weiter und ist kein Hohn glaube an mich, die unendliche Schöpfermacht Du wirst sehen mein Reich und daraus ziehen Deine Kraft
Verlierst Du den Zusammenhang meiner Wirklichkeit Bleibt nur Trauer, Haß und Endlichkeit Das sehen meines Lichtes in allen Dingen Gibt Dir Freundlichkeit und frohes Beschwingen Sei gütig zu Dir und anderen auch Ich zahl`s Dir mit Liebe und gefülltem Bauch
1. Phase - Spaltung, der Anfang eines LebensDoch da ist etwas ganz plötzlich um mich, etwas Greifbares, etwas Hörbares. Kurz, ich bin geboren als Mensch in Deutschland Berlin, Spandau an den Flüssen Havel und Spree, am 22. April 1953 um 17.36 Uhr. Meine Umgebung ist nicht gerade das, was ich mir so darunter vorgestellt habe. Irgendwie scheinen diese Wesenheiten um mich herum vergessen zu haben, was ich eigentlich als dieser Organismus, Mensch, brauchte. Als ob der Schock des Ursprungs, und das war ja wirklich ein heftiger Sprung in die Zeit, nicht reicht, behandelt man mich als ein Tier, welches das Muttertier nicht wärmen oder säugen darf. Dabei steht in meiner Körperahnung doch klar geschrieben, ich habe ein Anrecht auf Wärme, Nahrung und allgemeiner Gemütlichkeit. Statt dessen werde ich in einem Rhythmus, der nicht in meinem inneren Plan geschrieben steht, genährt und erhalte einen mich wärmenden Körper, der mir sehr bekannt ist. Den Körper nennt man hier Mutter, den Rhythmus Uhr. Es gefällt mir hier gar nicht, ich will wieder zurück in den Mutter-Körper, nein besser zurück in das Einssein. Aber die Wahl ist getroffen, der Rückweg versperrt. So ein Mist, da kann man doch nur wütend werden und sich die Seele aus dem Hals schreien, bis man letztendlich in ohnmächtige Trauer fällt und wieder abtaucht ins Träumen über die allumfassende Liebe und Einheit des Nicht- Seins. Und doch wird da etwas anderes spürbar, es ist Haß und Ärger auf das, was mich umgibt. Er prägt sich ein und prägt mich, als eine Art Empfangsmusik. Kein schöner Klang, zugegebenermaßen, aber es ist etwas, was ist, was bestand hat. Außerdem ist da auch noch etwas anderes, was ich schon vor dieser schrecklichen Zeit des selbst atmen Müssens empfand. Es ist dieser Körper, in dem ich wohne, der wuchs, sich langsam ausbreitete und eine seltsame Form annahm. Das ist doch wenigstens was, oder. Ich bin! Ich bin da, jetzt und hier! Das Jetzt ist da merkwürdig aufgeteilt. Die messen das alle in Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen, Monaten und Jahren. Weil sie das alle selber nicht so recht begreifen und auch gar nicht als Wirklich spüren können, haben sie da so ein komisches Ding an dem einen Extremität, was sie Uhr nennen, auf das sie immer wieder eilig drauf starren und danach eine erkennende, verstehende Miene im Gesicht zeigen, so, als würde ihnen dieses Ding, namens Uhr, ihnen etwas neues sagen. Sie scheinen dieses Ding auf jeden Fall sehr interessant zu finden, aber manchmal erscheint es auch, als würden sie, wie so leblose Körper danach funktionieren. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, als sei dieses Ding der größte Feind meines Jetztdaseins. Der Körper, den sie meine Mutter nennen, reagiert und funktioniert nach dem gleichen Rhythmus, wie der Körper, der hier Krankenschwester genannt wird. Das kann doch eigentlich nicht sein und erscheint mir recht ungesund. Meine Mutter ist doch nicht die Krankenschwester und umgekehrt. Die Krankenschwester ist noch nicht mal eine Schwester von meiner Mutter und bestimmt darüber, wie oft ich Wärme und die warme Flüssigkeit haben darf, die mich noch mit dem Einssein verbindet. Ich glaube, die wollen mich hier nicht haben, ich soll wieder gehen, irgend woanders hin. Ein merkwürdiges Theaterspiel, eine merkwürdige, irgendwie ungesunde Kulisse. Und welche Rolle soll ich hier spielen? Wer sind die überhaupt, daß sie mich so wenig achten, der ich doch gerade hier angekommen bin. Da hatte ich nun schon den Mut, den unendlichen Raum zu verlassen und etwas für das Ganze beizusteuern und werde nun so blöd empfangen. Irgend wie Scheiße, das Ganze. Und wieder spüre ich in mir etwas Neues, was mir zwar nicht im Einklang mit diesem Lebenskörper erscheint, aber dennoch ist. Es ist der Trotz und das Zurückziehen. Und wieder spüre ich: Ich bin! Nur diesmal bin ich mit Wut und Trotz und Unverständnis und Sehnsucht nach der verlorenen Einheit. Der Sprung aus der Unendlichkeit in eine Greifbarkeit ist gelungen. Ob da nun ein Begreifen daraus wird, bleibt erst noch dahingestellt. Was ich sagen wollte, ist, mein Start ins Leben war für mich als organisches, sich immer noch an eine Einheit klammerndes Lebewesen nicht gerade das, was man sich als harmonischen Klang vorstellt. Was ich auch bis heute nicht recht verstehen kann, ist, daß ein Menschenkind in einem Haus das erste Licht der Welt, also einer vollkommen neuen Dimension, erblicken soll, was sich Krankenhaus nennt. Eine Geburt hat ja wohl mit Krankheit gar nichts zu tun, es sei denn, man bezeichnet das Neugeborene als eine Art von Virus, welches lieber in Isolation vor einer heilen und sauberen Welt isoliert werden sollte. Und da fängt eben schon mal die Distanzierung zwischen außen und innen an. Und das sind die ersten Prägungen in einer neuen Welt? Kein Hund und keine Katze muß diese Entfremdung erdulden, denn sie werden ja nur als Tiere von uns gesehen, also als etwas, was unter uns steht, unter unserer Würde ist und damit als Anderheit in der Welt unseres Erlebens ausgegrenzt wird. Jeder Mikroorganismus, jede Art von „Schmutz“ wird ausgegrenzt, um dem ach so geheiligten Menschen eine garantierte Gesundheit zu geben. Dies folgte dann als Erfahrungsbilder in meinem Heranwachsen in einer Stadtgesellschaft, die sich von der Natur isolierte und anderes Leben nicht mehr herein lassen wollte. „Mach Dich nicht dreckig, Junge!“, ist einer der typisch mütterlichen Besorgnisse. „Paß doch auf, wo Du hin trittst“, heißt es, wenn man mal hin fiel und sich einen blutigen Ratscher am Arm holte. „Kannst Du nicht einmal pünktlich nach hause kommen“, schrie es mir entgegen, wenn das Essen mal wieder kalt war, was mich eigentlich als Kind nicht weiter störte. „Mußt Du immer so laut sein“, heißt es, wenn ich mal vor Freude oder Schmerz schrie. Kritik und Begrenzungen fanden sich tagtäglich in meinem Lebensgefüge, was die Großen Erziehung nannten. Schuld war immer und fortlaufend mein Begleiter, Hunger jedoch nie. Mütterliche Wärme wurden im Laufe des Aufwachsens immer seltener, väterliche Wärme waren tabu. Ein Vater ist die absolute Macht, der Herrscher, aber nicht wirklich greifbar, weil distanziert und kalt. Ich war ja nicht doof, als kleiner Steppke, und konnte ja noch wesentlich besser hinter die Dinge sehen, als die Großen. So sah ich schon die künstlich zurückgenommenen Gefühle meines Vaters, der tagein tagaus aus dem Haus ging und mit schlechter Laune wieder zurückkehrte. Was dieser große Mann machte, machte ihm offensichtlich keinen Spaß. Er sagte immer, ich muß es machen, um Brötchen zu verdienen. Ich bin ein Junge und werde später mal ein Mann und das was Männer machen, wenn sie aus dem Haus gehen, macht keinen Spaß und sie kommen unglücklich nach hause. Das merkte ich mir! Das war eine Prägung. „Geld verdienen macht keinen Spaß und ist mit entfremdeter Mühsal verbunden und Geld ist immer knapp“, also muß es wenig Geld geben und das männliche Leben dreht sich um Geld und Mühsal. Ich lernte eine ganze Menge dazu, nicht wahr! Dann die fehlende Anwesenheit des Vater, des großen Mannes, der nie Zeit hatte, weil, er mußte ja Geld verdienen gehen, sagte mir: „Geld verdienen, heißt, keine Zeit zu haben und „abgespannt“ nach hause kommen“. Dann kam die Schule. Angst! Das Haus und die Sicherheit verlassen, wieder einmal abrupt und nicht fließend und weit entfernt mit Straßenbahn und strammen Laufen verbunden. Die Schule selbst lag dann auch noch in einem isolierten Bereich im Grünen von Berlin, Spandau, umspannt von einem ewig langen und ziemlich hohen Eisenzaun, zwischen dessen Sprossen man nicht den Kopf stecken durfte, weil man ihn danach nicht wieder herausbekam. Das hatte ich mir nach einem Panikanfall gut gemerkt. „Vorsicht, der Zaun ist eine Kopffalle!“ man bekommt ihn zwar irgendwie zwischen die Sprossen, aber die verdammten Ohren ließen den Kopf nicht wieder raus. Das Thema Gerechtigkeit in der Welt wurde dann in der Schule auch schon früh praktiziert. Ich hatte in besagter christlicher Schule einen Klassenlehrer über 4 Jahre. Herr Stegemann (Name verändert) war enorm potent darin, immer nur mich zu erwischen, wenn ich mal nicht „aufpaßte“ oder träumte oder mit meinem Nachbarn redete. Seine Methode der Justiz hieß dann „Frühstück“, wobei er den abgewinkelten Daumen nahm, um über die Haare des Hinterkopfes oder der Schläfen mit enormer Kraft zu reiben oder genau diese empfindlichen kindlichen Häarchen zu nehmen und den Kopf daran hochzuziehen. Da sah man keine blauen Flecken hinterher. Er hatte noch andere recht kreative Methoden entwickelt, um uns das christliche Wesen von Liebe und Brüderlichkeit näher zu bringen. Die Falschheit seines Systems empfand ich damals leider als eine Unzumutbarkeit und verstieß ganz extrem gegen meine kindliche Ethik. ........ Aber ich habe etwas sehr wichtiges, vielleicht sogar das aller wichtigste für mein Leben in der Menschenwelt gelernt: Gerechtigkeit und Justiz sind zwei verschiedene Dinge. „Gerechtigkeit ist die Justiz Gottes bzw. des Schicksals, Justiz ist Macht“. Seitdem mir dies als Erwachsener später richtig bewußt wurde, unter anderem nach einigen sogenannten Prozessen, lächle ich nur noch über die Justiz und weiß ....., daß auch Richter durch den Schicksalsfaktor gerichtet werden! Als kleiner Steppke ist dies allerdings noch schwer verdaubar. Man lernt ja noch, auch von den Herrn Pädagogen und man lernt, wie man mit den Kameraden umzugehen hat. Lieben und betrügen, besser sein und den anderen niedermachen. Stärke ist Anerkennung, Schwäche ist Verlust. So einfach ist das, .. wenn man die Dialektik begreift. Ich will reich sein, dafür wird ein anderer arm sein. Es klingt bitter, traurig, macht schon als Kind wütend und ist doch nötig für das irdische Gefüge.
3. Phase und die Anpassung an die WeltMutter sagt, eine Lehre machen, Vater sagt, ist mir alles egal, aber Du bist technisch veranlagt. Also wurde gemeinsam etwas gesucht, was in die Vorstellungswelten meiner Eltern und der umgebenden Gesellschaft paßte. Elektronik ist gut, Mechanik auch, also begann ich eine Lehre als Elektromechaniker im größten deutschen Elektrokonzern. Die Eignungsprüfung, die man da ablegen mußte, fiel gut aus. Zum Glück haben sie nur die Funktionen meines Körpers und Intellekts kontrolliert, einer psychologischen Kontrolle hätte ich wohl nicht standgehalten. Also ging die Tortur weiter. Anpassung an die gesellschaftlichen Bedürfnisse, nur diesmal in praktischem Bereich. Ich kann Ihnen sagen, 1 Jahr hintereinander an Werkstücken herumzufeilen, Würfel, Hämmer, Dreiecke usw. war ein gutes Training dafür, wie halte ich einen Abstumpfungsprozeß durch, ohne zu Grunde zu gehen. Gemein gesagt könnte ich auch das als einen Anpassungsprozeß am Sklaventum benennen. Dieser schöne alte schwarz- weiß Film über „Utopia“, eine Stadt der Maschinen, drückt ganz gut die Örtlichkeit meiner Leerzeit aus. Ich lernte dabei zu verstehen, wie es möglich ist, über ein Sklaventum und Volksverdummung man einen Weltkrieg entfesseln kann und wie, die nötigen Waffen produziert werden. Erstaunlicherweise merkte das kaum jemand um mich herum. Die anderen lebten von einem Wochenende zum nächsten, träumten von Mallorca, neuen Autos oder aber auch nur von der neuen Beleuchtungsanlage in ihrer Mietwohnung im Badezimmer. Ich war heilfroh, daß ich mit meinem Lehrgeld mir ein kleines Zimmer leisten konnte und einen alten VW- Käfer Baujahr 1956. Aber ich lernte. Ich lernte wiederum das Meister Krause, hoch auf seinem Podest über den anderen thronend, launisch Ungerechtigkeiten straflos austeilen konnte, lernte, daß das Hinweisen meinerseits darauf bestraft wurde. Lernte bei einem kleinen unverschuldeten Autounfall, daß ein Polizist vor Gericht mehr wert ist, als ein Lehrling. Der Polizist ist in meinen Käfer reingefahren. Ich lernte an schweren Bohrmaschinen, Drehbänken, Stoßmaschinen und Biegevorrichtungen zu arbeiten, lernte das Feiern mit den Lehrlingskollegen, lernte, daß man in der Industrie in der Gewerkschaft sein sollte und doch die Klappe halten muß. Und ich lernte, daß man unter Neonlicht, Werkbänken, Zementfußböden alle Hoffnung auf ein Leben mit Blumen, Sonne, Wald und Flüssen aufgeben muß. Da gibt es nur noch das Werken für den Menschen, durch den Menschen und über den Menschen. Andere Welten sind nicht vorgesehen und wenn, dann kann man sie sich im Fernsehapparat als Natursendung betrachten. Den Fernseher verdient man sich über das arbeiten in diesen Werkhallen. Damals kannte ich noch nicht das Ausmaß dieses Teufelskreises, dieser Vorstellungswelten und die Verarmung der Gefühle und Empfindungswelten meiner Zeitgenossen. Aber, wie gesagt, keiner merkte es! Ich jedoch, von Tag zu Tag verzweifelter, abends mit meinen Freunden Whisky saufend und besoffen mit dem neuen gebrauchten Opel Kadett Coupe über die Stadtautobahn heizend, von schönen Mädchen träumend, eine Tüte Marihuana rauchend, Urlaub in Calella in Spanien planend, hielt durch. Am Kurfürstendamm in den Club 2 gehen, bei guter Musik mit Pink Floyd und Hawkwind sich bedröhnen, beim Athener Grill eine Pizza für 2 Mark kaufen, Billardspielen um die Ecke, mein Auto suchen, weil ich mal wieder den weit entfernten Parkplatz vergessen hatte, ist auch eine Erlebniswelt. Aber das Einnehmen von LSD war da schon heftiger, brauchte seine Vorbereitung mit meinem Freund Klaus und einem Schachspiel vor unserer Nase. Die Spielregeln veränderten sich urplötzlich, je nach Bedröhnungszustand, die Pferde liefen gerade, die Läufer um drei Ecken herum, die Türme übersprangen die Königin – die Welt hatte plötzlich andere Regeln. Sie hatte die Regeln des inneren Selbst und brachen so plötzlich heraus, daß es kaum zu ertragen war. Klaus spielte nach seinen Regeln und ich nach meinen und es klappte wunderbar ohne Streit und Justiz. Wir sahen hohe Flammen aufsteigen an verschimmelten Tapeten, Farbkompositionen, die auf die Musik reagierten, wir sahen all das im Extremen, was unsere fremde Umwelt uns sonst vorenthielt. Etwas lästig war dann schon das Klo einen halben Stock tiefer oder die Duschkabine in der Küche, weil es kein Bad in der Mietskaserne Berlin, Moabit, Beusselstrasse gab. Aber wir fanden uns Selbst wieder, im Chaos der Droge. Unser Selbst, welches wir fast verloren hatten hinter den Steinmauern einer Fabrikanlage mit den Neonröhren. Die Drogen halfen uns, unser Selbst nicht gänzlich zu verlieren, selbst mit dem Risiko einen sogenannten Horror zu kriegen. Mein Kumpel stammte aus Lüneburg und hatte einen liebenswerten Alkoholiker als Vater und eine eiskalte Mutter. Auch nicht so ein einfacher Start. Dann gab es da noch den lieben Michael, Kunststudent seines Zeichens, Teetrinker und ganz brav und doch rauchte er manchmal versteckt einen Joint, um Visionen für seine Bilder zu bekommen. Da gab es den Tito, der sich mit Grippe in die Diskothek wagte, wild „abtanzte“ mit ordentlicher Alkoholdosis, im Klo zusammenbrach und mit 18 Jahren einen Herzfehler davontrug. Da gab es den Jürgen, der sich immer ganz toll und furchtbar schön fand, die Mädchen, die er „flach legte“ abzählte, erstaunlich viel Whisky trank und mir noch vor 2 Jahren die Wichtigkeit eines neuen Hausanbaus erklärte und die Vorteile der Federung seines Autos beschrieb. Aber was ist aus den Umarmungen geworden, aus den einfachen herzlichen und liebevollen Gesten? Die meisten haben sie verloren, nach 20 oder 30 Jahren Industriewelt...............
Wenn man 15 Jahre lang als verkorkstes Muttersöhnchen aufwächst, was sich stellvertretend für den Vater um den rheumatischen Rücken der Mutter kümmern soll, unter ständiger Angst des Selbstmords der Mutter ihre Krankengeschichten und Mordgedanken an den Vater reinziehen muß, gibt es irgendwann einmal keine Ängste mehr. Sehen Sie, wie wichtig schlechte Erfahrungen sein können. Man wird zäh, manchmal leider auch hart.
4. Phase und die Suche nach dem IchNachdem diese, wie ich im Nachhinein empfinde, wirkliche wichtige Lehrzeit, verbrieft mit Zertifikat der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, abschloß, stand ich erneut vor der großen Leere. Ich hatte in der Lehre gelernt, wie sehr man sich ausleert und ausliefert, wenn man die Denkmodelle der Anderen kritiklos übernimmt und zu seinen Eigenen macht. Das Ergebnis dieser Art von Übernahme sah ich tagtäglich in den Gesichtern, Bewegungen und Gedanken meiner Mitmenschen. Wenige lachten noch herzlich, wenige verstanden noch Begriffe wie Brüderlichkeit und Liebe, die Mundwinkel waren nach unten gezogen, die Interessen gingen in die Richtung, die die breite Masse für annehmbar hielt. Gab es bei einzelne Menschen Ausbrüche (Bader- Mainhoff), so waren sie rein oppositionell, also damit dem Widerstand an das Konventionelle gekoppelt und damit wiederum verbunden mit dem alten System. Kaum jemand kam auf den Gedanken weder das Alte zu verfluchen noch zu lieben, sondern es einfach hinter sich zu lassen und sein eigenes Ding zu finden. Ich saß verzweifelt 14 Tage nach der Lehrzeit in meiner kleinen Mietsbude und wußte einfach nicht was tun. Da war keiner da, der mir einen Tip gab, der mich ans Händchen nahm und eine neue Alternative für mein Leben aufzeigte. Man wollte mich schon noch in der großen Firma übernehmen, zu verhaltensauffällig bin ich offensichtlich nicht gewesen. Aber ich haßte inzwischen diese hohen Mauern, unterirdischen Gänge, riesigen Parkplätze, monströse Kantinen, Materialausgaben und die Meister Krauses. Kurzum, ich kündigte und suchte weiter, ohne Gelder vom Arbeitsamt zu erbetteln. Da ich wegen der auffälligen Unzufriedenheit und Liebesunfähigkeit meiner Mitmenschen immer schon meinen Zweifel am Lebensort hatte, schon lange vom Auswandern träumte, schon immer die Welt verbessern wollte, mußte ich erst mal die Welt kennenlernen. Und dazu braucht man ein Schiff oder ein Flugzeug. Also besorgte ich mir einen 35.000 Tonnen Frachter in Hamburg als neues Spielzeug und Erlebniswelt. So schwierig war das auch gar nicht, anbetracht meiner Naivität. Da ich ja nun nicht den Frachter alleine lenken konnte, noch etwas von Navigation, Schiffsmaschinen und Frachtverschiebung verstand, organisierte ich mir das entsprechende Material und Personal. Man glaubt gar nicht, wie einfach das geht. Ich mußte nur zum Seefahrtsamt gehen, ein Seefahrtsbuch besorgen, was dank meinem Lehrbrief total einfach war und mit diesem Stück Papier war ich schon Schiffseigner im doppelten Sinne. Ich glaube, der Frachter hat mich 20 Mark gekostet und danach warf er mir monatlich 3000 Mark ab, ist das nicht komisch? Ich fand sozusagen eine Lücke im System. Damit das alles seinen richtigen Weg nahm, nannte ich mich Ingenieur- Assistent und nicht Kapitän oder Reeder. Die deutsche Südwest- Afrika- Linie war plötzlich mein Eigen. Die machte den Papierkram und ich spielte Seemann auf der „Ms Pangani“, lernte dabei riesige Schiffsdiesels kennen, die Funktion von Ausgleichstanks, mächtigen Stromaggregaten, Separatoren zur Reinigung des Öls, Luftdruckanlasser, Radargeräte und und ... Das war schon eine andere Welt, als die der Fabrik. Die 34 Menschen an Bord, die auch gerade Seemänner spielten, waren dabei für mich nicht weniger interessant. Da hatte jeder so seine Rolle. Der eine spielte Kapitän, weil er wohl am meisten die Brust noch vorne strecken konnte und damit sehr gewichtig erschien und auch ein paar Navigationskarten lesen konnte. Allerdings war er in dieser Rolle auch recht einsam und verschwand oft mit seiner Whiskyflasche in sein Privatreich. Am meisten sah man ihn in der Offiziersmesse beim Essen, seine Rolle war ja auch nicht mehr die, des Arbeiters, sondern des Königs. Also ließen wir anderen ihm auch seine Rolle, damit er nicht noch trauriger wurde. Die meisten Kumpel in diesem gemeinsamen Lebensboot erfüllten auch hervorragend ihre angemessenen Rollen. Es wurde fleißig gesoffen, allerdings nicht mehr, wie in alten Zeiten Rum, sondern Gin. Man bemerke bitte diese kleine Veränderung in den Weiten der Zeiten. Nur die Buchstaben haben sich verändert, aber es blieben dennoch nur 3. Um diesem Klischee auch noch die Spitze auf zu setzen, wurde dann meist die Rockgruppe „Yes“ gehört und hin und wieder gutes afrikanisches „Gras“ geraucht und im Hafen wurde „Sex“ gemacht. Der Geisteszustand der Schiffahrt beschränkte sich also auf wenige gutturale Laute wie Rum, Gin, Yes, Sex und Gras, was mir so eigentlich ganz gut gefiel. Das Denken hat man beim Besteigen des Schiffes an der Gangway abgegeben und, wenn man Glück hatte, nach einer 3-monatigen Reise wieder abgeholt. Das kann ich wirklich jedem empfehlen, der sich vorübergehend ein Schiff organisieren will und einfach mal vollkommen abschalten muß. Aber wehe dem, der andere Illusionen daran knüpft. Denn andere Menschen und andere Kulturen kennenlernen, geschweige denn „die“ Welt, sieht man da wirklich nicht. Man tauscht nur die Prostituierte in Hamburg gegen eine schwarze Nutte in Monrovia ein, ansonsten gibt es aber viel zu gucken, wie z.B. fliegende Fische vor dem schäumenden Bug des riesigen Eisenwals, ferne Lichterketten erahnter Zivilisationen am Küstenhorizont, haushohe Wassermassen, die den Bug im Meer verschwinden lassen, um nach scheinbar ewigen Zeiten wieder aufzutauchen, schwarze Männer in Pudelmützen und Wollpullovern bei 30° C im Schatten Schiffskräne bedienen. Was dann das Hafenpersonal in Westafrika anbetrifft, die ja mit dem Be- und Entladen beschäftigt waren, gab es schon einige komische fast unglaubliche Situationen, die ich Ihnen nicht vorenthalten will. Nachdem wir also bereits seit 3 Tagen draußen im Meer auf Reede lagen, das ist das in Hafennähe vor Anker gehen, wurde es uns schon recht langweilig, noch zumal die Bodega für Zigaretten und Alkoliks bei Ankunft von Zollbeamten des jeweiligen Landes verplombt wurden. Bevor die Entzugserscheinungen denn doch zu stark wurden, vertrieben wir uns unsere Zeit mit Tischtennisspielen und den Damen, die heimlich bei Nacht in einer kleinen Schaluppe herangekarrt wurden. Die waren sozusagen zollfrei. Um ehrlich zu sein, ich schaute mir das ach so menschlich-tierische Spiel neugierig an, fand aber am Mitmachen nicht genug Tier in mir wieder. Ich wunderte mich oft über die Spezies Mensch, die sich so herrlich einfach und animalisch zeigen kann, das Denken auf die einfachsten Abhandlungen und Riten beschränkt, wo es nur noch um das Leben und Überleben selbst geht. Der Mensch verlor auf dem Schiff für mich an seiner königlichen Würde, kam mir jedoch wieder wesentlich näher, durch die fehlende Falschheit und primitiven Ehrlichkeit, des Zeigens seines inneren Tiers. Kamen wir dann endlich in den Hafen, wurden von der Besatzung alle Türen zum Wohnbereich ordentlich verschlossen, an der Bugseite eine überhängende Holzkonstruktion gezimmert und erst dann die Gangway heruntergelassen. 30 kräftige, gutaussehende schwarze Männer, wie schon gesagt in Pullovern, betraten das Deck mit zusammengefalteten Pappkartons unter den Armen. Ich war so verduzt, daß ich den 2. Offizier gleich nach dieser Merkwürdigkeit befragt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, daß diese Leute Hunderte von Tonnen Ware, einschließlich französischer Autos in Pappkartons über die Gangway befördern wollten. „Die pennen darauf, me Jung“, sagte er in Hamburger Platt und ich verstand immer noch nicht. Also Augen auf und schauen. !5 von den 30 Arbeitern verteilten sich auf dem Deck, breiteten ihre Pappen aus und legten sich tatsächlich umgehend zum Schlafen nieder. Warum diese Leute auf ein Schiff zum schlafen gehen, habe ich bis heute nicht erfahren, aber die Prozession wiederholte sich auch in den anderen 5 Häfen , die wir anliefen. Die überhängende Holzkonstruktion am Bug hatte auch so seine Komik. Alle paar Minuten verschwand einer der Arbeiter in dem Bretterverschlag, kurze Zeit darauf sah man Fäkalien durch die Luft in das Hafenbecken fliegen. Man konnte genau beobachten, wer Durchfall hatte oder was Wer am Vortage gegessen hatte. Zum Teil taten sich unheimlich aussehende Wasserschlangen an den Fäkalien gütlich, die es dort häufig gab............
Zurück in der Heimat verkaufte ich sozusagen mein Schiff weiter und übergab anderen Menschen meine ausgeliehene vorübergehende Rolle. Doch der Traum vom Entdecken meiner Welt blieb. So dauerte es auch nicht lange, bis mir das Schicksal ein neues Betätigungsfeld zur Verfügung stellte. Mein etwas älterer Bruder arbeitete des öfteren als Koch auf Luxuskreuzern. Er vermittelte mir die Rolle als Küchenjunge, das heißt wohl im gängigen Schiffahrtsjargon Smutche, oder so ähnlich, auf dem Kreuzfahrtsschiff „MS Gripsholm“ der Sweadish American Line. Dieses riesige Hotel im Wasser eingebettet, zeigte sich als wunderschöne alte Dame mit vielen Armreifen, Ringen und Kettchen, jedoch von der technischen Struktur her als recht faltig und verbraucht. An den dicken übergetünchten Farbresten vergangener Zeiten, die wie Schminke auf ihrem stählernen Gesicht klebte, sah ich die vielen Abenteuer, die dieses Monster schon gelebt haben mußte. Eine Schönheit, die noch nicht bereit war, das Zeitliche hinter sich zu lassen, die immer noch die getürkten Orgasmen ihrer neureichen Passagiere miterleben wollte, die Dekadenz der Geldwelt in vollen Zügen in sich hineinziehend auf ihren entgültigen Herzkollaps wartend, durchschnitt sie die Weltmeere. In Hamburg fügte ich mich ihrem Rufe, kroch auch ich unter ihre schützenden Fittiche aus Stahl, Mahagoniholz und Glas mit einem Rucksack als Reisegepäck ausgestattet. Ein tragbarer Rucksack war sehr wichtig, denn ich wollte in Südamerika wieder von Bord gehen, um mein eigentliches Abenteuer zu beginnen. Unter diesem Aspekt und unter keinem anderen, sozusagen als blinder und dennoch mitarbeitender Passagier, konnte ich eine winzige Schlafkabine mit Doppelstockbett auch gut annehmen. Mein schwuler Kabinenteilhaber war dann auch kein Hinderungsgrund für mich, denn der verschwand sowieso fast täglich, oder besser gesagt nächtlich, in andere Gefilde. Ich habe nie herausbekommen, wer denn nun eigentlich der Schicksalserfüllungsgehilfe seines andersgepolten Daseins war. Der Anfang dieser Reise ins Ungewisse zum fernen Südamerika war aber mit anderen Schwierigkeiten verbunden. Nach Einschiffung meines Gepäcks besorgte ich mir noch eine Kleinigkeit in der Stadt, um dann im Hafenbecken zurück das typische laute Gehupe eines großen Dampfers beim Abfahren zu hören. Die schöne alte stählerne Dame schien mir eine lange Nase zeigen zu wollen und mich als Zumutung in ihrer Eigenschaft der Befriedigung der Perversion des Menschen doch wieder ausgespieen zu haben. Die wollte mich wohl wirklich nicht. Offiziell hieß es, ich hätte eine falsche Abfahrtszeit in Erinnerung gehabt, die mir mein werter Bruder vorher gab. Der war allerdings rechtzeitig an Bord.
Was also machen. Gepäck weg, Paß und Geld an Bord, nur die Kleider am Leib, aber mit dem Wissen, der Dampfer bleibt einen Tag in Rotterdam. Na, nichts wie hin. Wo geht die nächste Autobahn nach Holland, wird man mich beim trampen mitnehmen, finde ich für eine Nacht ein billige Unterkunft? Ohne Moos nichts los! Und doch klappte die Odeesse durch die Niederlande durch die Freundlichkeit und Offenheit der Leute, sowie des fehlenden geographischen Widerstandes ihres platten Landes. Auch die berüchtigten Coffeeshops hielten mich diesmal nicht auf. Die Gangway der „MS Gripsholm“ war bei meiner Ankunft für mich bereits heruntergelassen, die alte Dame nahm mich in ihre Eingeweide freundlich lächelnd auf. Nur der schwedische Personalchef sah mich nordisch unzugänglich, durchbohrend an, spürte aber wohl, daß er mich noch für ein paar nette Schwierigkeiten brauchte, die ich ihm gerne bereiten wollte, ganz zu seiner Freude natürlich. Denn mein Herz ist groß im Präsentieren von Chaos und im Wachrütteln fast eingenickter Seelenheiten. Scheinbar brauchte er mich also als Opfer in seinem abgestumpften Job, der ihm weder Krankheit, noch Reichtum, noch einen kleinen Schiffsuntergang präsentierte. Das wollte ich gerne leisten, natürlich ohne es damals zu wissen. Schiff ahoi, nun ging es mal wieder los zu neuen Erlebniswelten, über die Azoreninseln und anderen unbekannten Exoten in die Weiten des Reiches Neptuns. Diesmal war mir Neptun freundlicher gesinnt und verzichtete darauf den Bug unter 15 Meter hohen Wellen zu begraben, während das Heck als schneller Fahrstuhl die gleiche Anzahl von Metern nach oben raste, mit Kippbewegungen zur Seite inklusive, um danach wieder 15 Meter nach unten zu sausen und das Ganze unendlich, ohne Unterbrechung, wie ein höllischer Tanz. Auf dem Frachter überlebte ich die Seekrankheit mit 20 minütigem Kotzen, wonach ich meine Uhr stellen konnte, 3 Tage lang. Auf diesen Tanz des Neptuns hatte ich keine Lust mehr und er hatte Einsehen und suchte sich einen anderen interessanteren Tanzpartner. Meine Arbeit bestand aus dem Säubern von Blumenkohl, dem Schälen von Zwiebeln und dem Reinigen der Sauereien, die die Köche in der Küche anrichteten. Mein lieber Bruder steckte mir hin und wieder eine gefüllte Tomate mit Hühnerfleisch, Kartoffelkroketten mit Kaviar, Königinpasteten oder auch fritierte Froschschenkel aus Frankreich zu, so daß ich auch mal in den Genuß des Schlemmens kam, versteckt hinter einer Stahlmauer natürlich. Als man mich zum Abwäscher machen wollte, revoltierte ich jedoch. Nur wollten die Leute mir da nicht recht zuhören. Da mußte ich erst fieserweise einige 100 Goldrandteller demolieren, bis man begriff, daß man mich nicht so leicht herumschupsen konnte und orderte mich in die Snack bar. Dort durfte ich dann amerikanischem Edelpublikum Fleischbällchen und Käsehäppchens zu ihrem obligatorischen 5 Uhr Longdrink anbieten. Das war dann schon eine andere Sache. Endlich konnte ich mir mal diesen zoologischen Garten aus der anderen Sicht heraus betrachten und mir vorstellen, wie schön es doch ist, mal richtig reich zu sein. Damit die Darsteller dieses verrückt, verdrehten Filmes sich auch wirklich echt in ihrer Rolle als Reiche fühlten, machte ich auch brav meinen unterwürfigen Knicks beim Anbieten meiner absolut überflüssigen Ware. Zwischen mir und den mit Goldklunkern behangenen Herrschaften war das Verhältnis in stillschweigender Absprache denn auch recht akzeptabel. Nur den homosexuellen Barkeepern war ich ein Dorn im Auge, nachdem sie mitbekamen, daß sie mich nicht flachlegen konnten. Also wurde ich flott wieder abberufen und landete beim alten Posten in der Küche neben meinem kleinen, freundlichen uruguayischen Kollegen. Das war mir ganz recht, denn so lernte ich etwas spanisch, leider nur das Vokabular, welches man in einem Puff brauchte. Angekommen auf den Bahamas sah ich zum ersten male etwas von karibischer Exotik. Lange, weiße Strände, Palmen, schöne braune Menschengesichter mit blütenweißen Zähnen, lautem Geschnatter und einem Lächeln. Wenn man zum ersten Mal in seinem Leben wirklich entspannte, nicht verstellte und echte Gesichter sieht, wirkt das für einen Westler wie ein Schock. Wie kann man denn so glücklich sein in all der Primitivität, wohnend in Pfahlbauten, mit Straßen aus Staub und Dreck, mit Gerüchen nach faulenden Früchten, mit Autos, die nur noch vom Rost zusammen gehalten werden? Das war neu! Das prägte sich mir tief im Inneren ein. Aha, kein Geld, mehr Lebensglück, merkwürdig! Da wirkte das Schiffspublikum in dieser natürlichen Einfachheit, wie ein eingefrorenes Eisbein zwischen einem Haufen von Mangos, besonders dann, wenn sich die Schlapphut beschützten, Spiegelsonnenbrillen bewaffneten, weiß bekleideten Passagiere über den farbenfrohen Gemüse- und Obstmarkt der Einheimischen ergossen. Während ich auf einer Apfelsinenkiste hockte und mir das Theater ansah, konnte ich mir ein tiefes befreiendes Lachen nicht mehr unterdrücken. Ich fühlte mich plötzlich Zuhause. Trotz Fremde war hier alles echt und damit auch heimisch, irgendwie war da ein tiefes Gefühl des angekommen seins. Warum bin ich nur nicht hier geboren? ................
In Caracas vor Anker gegangen, machte ich mich auf den Weg zu dem anfangs erwähnten nordischen Personalchefs, um mir mein Geld auszahlen zu lassen und meinen Paß abzuholen, den der gute Mann beim Betreten seines stolzen Kahns einbehalten hatte. Nur diesmal war ich wohl auf dem falschen Dampfer. Es hieß, „kein Paß, kein Geld, Du machst die Reise bis Europa zu ende.“ Da gab es dann lautstarke Diskussionen, zaghafte Interventionen durch meinen Bruder, gutes Zureden meiner Kollegen. Nur hilft das Alles nichts, wenn man einen Dickkopf hat. Das Ziel dieser Reise war Südamerika und das Suchen eines neuen Lebens- und Wirkungsraumes für mich. Da konnte man mich auch nicht weiter mit Kaviar oder Froschschenkeln locken, und mit Geld schon gar nicht. Nur was macht da Hänschen Klein, wenn er von großen starken Menschen umgeben ist, die mal wieder sagen, nein, Du bekommst Dein Spielzeug nicht. Jeder Charakter hat da wohl so seine persönlich Strategie, mit solchen Unbilden das Lebens fertig zu werden. Der Meine ist Trotz und Vorstellungsfanatismus, nach dem Motto, „meinen Willen brecht ihr nicht, auch wenn ich zugrunde gehe.“ Das ist natürlich nicht gerade einfach für mich, mit dieser ekligen Eigenschaft ausgestattet zu sein. Sie schafft ja auch mir Leid und meist werde ich dabei auch zum Opfer der Anderen. Aber wer kann schon aus seiner Haut schlüpfen und sich einreden, man wäre ab heute ein ganz Anderer, brav, lieb und anpassungsfähig, wenn man in sich drin keine Resonanz dazu findet. Ich will ja auf meiner Reise durchs Leben mein eigenes Wesen finden und nicht die vorgestellten Bilder und Erwartungen meiner Lebenskulisse. Also, was machte ich in dieser fatalen Situation? Ich meldete mich krank und erzählte dem Schiffsarzt, seines Zeichens ein von sich selbst ausrangierter Neurologe, der wohl die geschminkte, alte, stählerne Dame brauchte, um zu fetalen Wahrheiten zu gelangen, ich hätte Kreislaufstörungen mit Herzfehler. Das mir das Herz nicht fehlte und immer noch am rechten Platz war, sah er denn trotz seiner eigenen Schwierigkeiten, die er mit der Flasche Rum teilte, recht deutlich. Da mußte ich also kreativer werden, denn arbeiten wollte ich jetzt nicht mehr, wenn man meinen Willen schon nicht liebevoll annahm. Also hungerte ich erst ein Woche, denn Hungerstreik, gibt es ja auch hin und wieder im Knast. Und das Schiff wurde nun zu meinem Gefängnis. Doch auch das wollte der liebe Herr Arzt nicht durchgehen lassen und drohte mit Vitaminspritzen und künstlicher Ernährung. Der wußte nämlich, inzwischen vom Personalchef instruiert, was der kleine Wolfgang für ein Problem hatte. Na gut, sagte ich mir, jetzt wirst Du denen erst mal zeigen, was ne Harke ist und verzichtete die nächsten drei Tage auf Schlaf. Das war eine sehr interessante Erfahrung, die ich dem Personalchef als Supertherapeut zu verdanken hatte, ohne einen teuren Wochenend- Selbsterfahrungskurs zu belegen. Schon nach 30 Stunden sah ich weiße Mäuse, nach 40 Stunden wandelte sich das Schiff zur Burg und nach 50 Stunden wurde mir mein inneres und äußeres Gefängnis sehr deutlich. Da brauchte ich keinen Joint mehr, um die Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit zu erkennen. Nun fiel es mir auch nicht weiter schwer, weder meinem Bruder, noch der Schiffskrankenschwester den apathischen, schizoiden Menschentypen zu präsentieren. Als authentisch gelebter, aber friedvoller Verrückter, der ich nun mal war, trieb ich dem Personalchef und Schiffsarzt den Angstschweiß ins Gesicht. Da hatten sie wohl mit mir doch scheinbar einen Fehler gemacht, denn man weiß ja nie... Nach 34-stündigem Schlaf im Krankenhausabteil schaute mich ein neues, freundliches Gesicht an, welches mir zu verstehen gab, „Junge, steh auf, nimm Deine Klamotten, Deine Zeit hier ist vorbei, ich begleite Dich zurück nach Deutschland.“ Besagtes Gesicht entpuppte sich als englischer Arzt aus Barbados, der damit beauftragt wurde einen geistesgestörten Patienten zu überführen. Also nichts wie los. Ab in den Flieger, ein verstecktes Grinsen auf den Wangen, an meinem lieben Bruder vorbeigedrückt, ging es zurück in die alte Welt. Der junge Doktor neben mir hatte seine Beruhigungsspritze in einem typischen braunen Lederköfferchen stechbereit dabei, unterhielt sich mit mir in etwas angespannter Form, was ihm ja als Begleitung eines Bekloppten nicht zu verdenken war. In London, Heathrow, hieß es dann, die Maschine wechseln, was bisher in meinem Leben nie so glatt lief. Ich wurde nämlich gleich am Rollfeld mit einem Ambulanzfahrzeug abgeholt und ohne weitere Paßkontrolle in den nächsten Flieger verfrachtet. Was hätte ich da alles Schmuggeln können! Hannover brachte dann die nächste Überraschung. Wiederum von meiner Privatkarosse mit Chauffeur abgeholt, diesmal in Gestalt eines deutschen Krankentransporters, der mich mit Blaulicht, so wie es sich für einen Staatsmann gehört, in die Klappsmühle brachte. Das sollte man hin und wieder mit anderen Staatsmännern wiederholen, damit sie einen friedlichen Ort der Entspannung und Selbstfindung genießen können. Abenteuer strengen eben an, ob nun als Hänschen Klein oder als Präsident der Vereinigten Staaten. Man tut was man kann in seinem Job, nicht wahr, damit keine lange Weile aufkommt. Der englische Medikus verabschiedete sich vom Hauptdarsteller seines Films der letzten 2 Tage und hetzte in einen anderen Film, der sich „flotte Rückreise zu seinen anderen Patienten- Schauspielern“ auf Barbados, nannte. Auch wir Patienten müssen ja schließlich über unsere Krankheiten einsehen, daß der anständige Berufsstand der Götter in Weiß nicht ausstirbt. Ich tat das meine und ich hoffe, sie tun das Ihre, ohne Ihren Körper all zu sehr dabei zu verhunzen. Der Begrüßungspsychiater im LKH Hannover kümmerte sich denn auch im Rahmen seiner Vorstellungswelten herzlich um mich und erschien fast etwas traurig, als er meine Geschichte hörte. „Junge, Junge, das kannst Du doch nicht machen. Damit spielt man doch nicht. Was sollen denn Deine Eltern denken, Was ist, wenn wir Dich jetzt hier behalten,“ säuselte er vor sich hin. Sein Gesicht war aber nicht unfreundlich und sein Atem roch seltsamerweise auch nicht nach Alkohol, so wie man es sonst bei Psychiatern kennt. Trotzdem hatte ich auch tiefes Mitleid mit ihm, daß er da so in einem Betonbunker zwischen Verrückten sitzen muß, während ich frei wie ein Schmetterling durch die Welt flattern durfte. Nun gut, er ließ mich frei. Ich suchte mir den Hauptbahnhof und fuhr zu meiner Mama zurück. Besorgte Augen begrüßten mich, Hinweise auf Eintragungen in meinem persönlichen Grundbuch als Verrückter waren ihre gutgemeinten Ängste. „Mach das bloß nicht noch einmal, stehst Du erst in den Akten, bekommst Du keinen Job mehr, Du bist dann ein gebrandmarktes Kind“, waren ihre Worte. Doch, wie ich schon sagte, was soll man schon anderes mit solch einer Persönlichkeit anfangen, als immer wieder dort anzuecken, wo falsche Ecken überstehen. Ich bin so wie ich bin, Punkt. Jeder meint immer, das Leben müßte glatt laufen, nur ich sorge eben dafür, daß keine Langeweile aufkommt, auch wenn es für andere mal unbequem oder anstrengend wird. Fußballtrainer sind doch auch nicht anders, nur suchen sich die Spieler das Leid freiwillig aus, während meine Spieler noch nicht so recht wissen, ob sie an meinem Training teilhaben wollen. Ich mein`s ja auch nicht bös, wenn ich einen Personalchef, einen Arzt oder einen Lehrherrn ärgere, ich will mit ihnen ja nur das Leben spielen! Wieder einmal tauchte nun aus den Nebeln meines Daseins die Frage nach dem Weitermachen auf. Das Leben meines Vater oder Mutters kam für mich nicht in Frage, denn Beamter, wie es mein Vater war, konnte ich mit meinem Charakter nicht werden. Industriemensch ging dank meiner Lehrerfahrung auch nicht mehr, Kaufmann und Wahre von einem Ort zum anderen verschieben, um dabei andere übers Ohr zu hauen, entsprach nicht meinem christlichen Gemüt. Also noch mal rauf aufs Schiff, nur diesmal ohne den Paß abzugeben.
In die Weiten der Wälder KanadasAlso suchte ich mir eine neue Reederei, die es mit mir versuchen wollte. Diesmal half mir der Herr Gott mit deutlicherem Vokabular. Ich fand eine kleine Klitsche, die ein paar Dampfer zwischen Nordamerika und Europa hin und her schippern ließen. Die Frachter fuhren ausgeflaggt unter dem Banner von Liberia, aber das störte mich nicht weiter. Ich wollte nach Kanada und im großen Wald leben und mir eine Blockhütte bauen. Was der Seemann mit einer Blockhütte zu tun hat, kann der simple Geist nicht so einfach im Kreuzworträtsel erfahren. Aber Sie werden schon noch sehen. Also unterschrieb ich einen provisorischen Vertrag bei der Reederei, der nur besagte, daß ich mich auf dem Kahn in Baltimore, USA, beim Kapitän zu melden hätte, um dort den Vertrag zu machen. Das war prima, so hatte ich mir das vorgestellt, eine freie Flugkarte als armer Schlucker nach Nordamerika, ein Geschenk vom Himmel. Ich hatte doch schon immer gewußt, daß ein guter Engel mich begleitet. Also wieder mal rein in den Düsenjet und ab geht’s der Ferne entgegen. Im Flieger saßen dann allerlei Finstermänner neben mir, die auch im gleichen Schiff anfangen sollten. Darunter gab es den neuen Chefstuart, der wohl dem Kapitän seinen Cognac reichen sollte. Nur kam es gar nicht erst so weit. Besagter Oberkellner hatte ein alte Rache mit der Reederei zu begleichen, die ihn wohl mal vor Zeiten lohnmäßig über den Tisch gezogen hat. Dieser Mann wollte nämlich nichts anderes, als eben eine Freikarte nach Amerika, sich ein paar nette Stunden machen, um danach auf Reedereikosten wieder zurück zu fliegen. Der Gedanke gefiel mir noch besser. Nicht nur hin, nein auch noch zurück und das alles nur so für meine pure Existenz. Die Welt sollte da einer erst mal verstehen lernen. Der Trick war der, wir sagen einfach bei den US Hafenbehörden, wir hätten nichts gewußt davon, daß wir nicht unter deutschen, sondern unter Liberianischen Arbeitsbedingungen anfangen sollen, was wir aber wegen fehlender Sozialversicherungen keinesfalls verantworten können. Der Kapitän des Frachters, eigentlich ein netter deutscher junger Mann, war denn ziemlich sauer, als er unser kleines Liedchen in seinen Ohren singen hörte. Der wollte uns keine Flugkarte zurück ins Land der Germanen kaufen. Also nichts wie zu den Hafenbehörden und ein wenig jammern half da Wunder. Der Kahn durfte nicht ablegen, bei einer Anlegegebühr von Tausenden von Märkern, ohne sich um seine Schäflein gekümmert zu haben. Na ja, ich bin ja auch ganz kleinlaut und schuldbewußt, aber dennoch bekam ich, dem Kapitän nicht in die Augen sehend, mein Flugkarte nach Hamburg wütend hingeworfen. Ehrlich, noch heute fühle ich mich nicht gut beim Gedanken an diesen üblen Streich. Irgendwie habe ich mich da schuldig gemacht, während die Geschichte mit dem Kreuzfahrschiff und meinem Abgang für mich einwandfrei war. Das innere Schwein bekämpfend schaute ich auch gleich auf das Verfallsdatum des Fluges und ein innerer Stolz, des frisch gebackenen Mafiosos breitete sich in meiner vorgedrückten Brust aus. Der Flug war ein Jahr gültig. Jihpiii, ich war frei und hatte dennoch etwas Sicherheit, wenn auch wenig Kohle. Auf zu neuen Abenteuer in Amiland bis zu den Eskimos! Ich hoffe, Sie stellen sich jetzt nicht mein armseliges Dasein und meinen Körperbau als etwas anderes vor, als ich wirklich damals war. Ich war ein bebrilltes recht zartes Wesen von 1,71m Höhe, mit dem äußeren Aspekt von verschreckt und unwissend, eher so ein belesener Heranwachsender, dem das Verkorkste eines Muttersöhnchens im Gesicht geschrieben stand. Vielleicht ist da Woody Allen ein Vergleich. Auf jeden Fall war meine Maske nicht schlecht, auch wenn ich damals nicht wußte, daß es eine Maske war. Der Ernst des Lebens begann. Niemand kümmerte sich jetzt um mich, also wie beginnen? .......................................!
Nach dem Kauf einer Handaxt, eines Bowiemessers, einer kleinen Bügelsäge, einer Forstkarte, sowie vieler anderer Kleinigkeiten, die mein kindliches Gemüt für wichtig erachtete und natürlich Lebensmittel, zog ich dann als 20-jähriger aus, das Fürchten zu lernen. Mein neuer Gott hieß nun „Überleben“, mein schützender Geist war der Wald, den Gott der Illusionen des Geldes ließ ich hinter mir. Meilenweite Forstschneisen durchschreitend mit schweren Rucksäcken auf dem Rücken und vor dem Bauch fand ich mich denn urplötzlich vor dem ersten scheinbar unüberwindbaren Hindernis. Es war ein schnellfließender tiefer Bach, der nirgends eine Furt zeigte, geschweige denn eine Brücke. Ich sage Ihnen, lieber Leser, das war nun eine wirkliche echte Herausforderung. Der Weg war verstellt, so wie es sich im echten Leben oft zeigt, schafft Aufgeben, oder Warten oder das Annehmen dessen, was man für unüberwindlich hält. Das Unüberwindliche zeigt sich jedoch oft nur als das nicht verstehen einer Situation, die man nach längerem Hinsehen begreifen lernt. In meinem Falle war es das erste Ausprobieren der Axt und dem Bild einer Brücke im Kopf. Ich suchte mir also einen nahe am Wasser stehenden Baum, dem ich mein Bild der Brücke hinzufügte. Nach müheseliger Arbeit tat er mir dann auch den Gefallen und fiel, so wie es das von mir projizierte Bild erwartete, über den Bach und erreichte mit seiner Krone das andere Ufer. Nichts wie los. Der erste Rucksack wurde herüber balanciert, der zweite folgte, immer das unter mir schnell fließende Wasser vor Augen und Angst vor dem Fallen im Genick. Geschafft! Keine Minute später entschloß sich dann der Baum, mein Bild der Brücke in ihm zu wandeln. Die ausgestreckten Hände seines Astwerks krallten sich in die Strömung des Wassers und beschlossen, so wie ich, eine Reise anzutreten und schwimmend die Welt zu erfahren. Da hatte ich mal wieder Glück gehabt, aber nun war mir mein Rückweg abgeschnitten. Ich nahm es kritiklos hin und stapfte weiter, bis ich auf versteckte Bahngleise stieß, die auf meiner Landkarte nicht eingetragen waren. Den Bahngleisen folgend begegnete mir dann nach weiteren Stunden des Wanderns das Pfefferkuchenhaus der bösen Hexe. Vorsichtig und mißtrauisch beäugte ich diesen unerwarteten Fremdkörper, umrundete ihn wie ein Wolf, in der Hoffnung nur nicht einen Menschen darin anzutreffen, der mich mästen und danach fressen will. Gretel war denn auch nicht zu sehen und so wagte ich dann auch meine Runden enger zu ziehen, bis ich endlich einen Blick zum Fenster hinein tat. Das Haus war verlassen, ein altes Holzschild wies auf den Namen „Cheecham“ hin und brachte mir dann die Erleuchtung, daß es sich um einen alten Bahnhof an Seiten der Bahngleise handeln könnte. Das war denn schon recht befremdlich. Was sollte ein Bahnhof im großen Nichts des kanadischen Urwaldes? Schleichend wie eine Katze vergewisserte ich mich meines sicheren Alleinseins, öffnete die eingerostete, ächzende Tür der Hütte und fand ein recht annehmbare Wohnstätte für meine zweite Nacht im Busch. Da gab es ein Bett, verbeulte Töpfe, einen Brennholzofen, Tabakreste mit Zigarettenpapier, 10 Jahre alte Zeitungen und Bärenfallen. Nach längerem Stöbern präsentierte sich mir ein Kleinkaliebergewehr mit Munition und so manch anderer Überraschung. Die Hexe dieses Märchenhauses hatte mich also angelockt, um mir Geschenke zu machen und meinte es gut mit mir. Ich wollte zwar mit selbstgebastelten Flitzebogen auf Jagd gehen, jedoch hatte der Waldgeist wieder einmal Einsehen mit diesem kleinen dummen Wicht aus dem fernem Europa und gab ihm das, was ihn überhaupt erst überlebensfähig in seinem Reiche machte. Es mag für Sie nun wie eine amüsante Lügengeschichte eines alten Seebären vorkommen, aber ich schwöre, meine Erinnerung trügt mich nicht. Ich fand tatsächlich dort, in einer absolut fremden Örtlichkeit das, was mir für einen längeren Aufenthalt fehlte. Später erfuhr ich, daß das Hexenhäuschen eine Trapperhütte war, die des Winters über hin und wieder mal als Jagdhaus eines Städters genutzt wurde. Fragen sie mich bitte nicht, welche Stimme mir die Richtung angab, dieses Haus überhaupt zu finden. Ich nenne es der Einfachheit halber „Ruf des Waldes“, denn, wie gesagt, der Waldgeist war mir gesonnen und hatte mich ja bis in den fernen Norden gelockt. Also mußte er mich nun auch mit den nötigen Utensilien ausstatten, wie eine gute Mutter, die ihrem Kinde die Brust gibt.......
Eine weitere Tageswanderung hindurch glitzerte und glänzte mir der See entgegen, den ich zu meinem Ziel erklärt hatte. Sie kennen ja sicherlich diese schönen kitschigen Fotos aus Kanada von den Reisekatalogen her, die ihnen weiß machen wollen, daß die Lachse schon auf ihre Angel warten. So in etwa war denn auch das Bild, was sich mir nun enthüllte. Ich weiß nicht, ob sie das Gefühl kennen, wirklich angekommen zu sein, Ihr Nest gefunden zu haben oder Ihre Erfüllung. Dieser sich mir präsentierende Ort, der klare, stille See, die mich umgebenden Birkenwälder, ein kleiner plätschernder Bach, der tiefblaue Himmel, all das war Heimat, reines Sein und Geborgenheit in Friede. Kein Hetzjagd mehr, keine Ängste vor fremden nicht verständlichen Willen und Auflagen, Freisein in Körper und Seele, geborgen im Schoße der Mutter, nur Leben in seiner einfachen und reinen Form. Und doch mußte ich mich kümmern, denn schließlich lebte ich in einem verwundbaren Körper, der mir sagte, Du brauchst Schutz. Nicht vor dem Waldgeist, aber vor Regen und Sturm, vor Mücken und Kälte und manch anderer Gestalt der Natur Gottes. So packte ich jetzt mein Minipackzelt definitiv aus, suchte mir ein schönes Plätzchen am Ufer „meines“ Sees, verteilte Werkzeuge und Lebensmittel strategisch und genoß die erste untergehende Sonne bei Lagerfeuer und Erdnußbutterbrot. Der Beginn meiner Trapperzeit bestand nun aus Lebenssichernden Maßnahmen, wie das Suchen nach Beeren und Jagdgründen, Erkunden von Gefahren, Ergründen meiner Anglerfähigkeiten und natürlich der Festlegung meines Baugrundes. Die Entenjagd war denn auch das Lebensnotwendigste überhaupt. Diese schönen, unbesorgten Tiere hatten die Angewohnheit morgens bei der Dämmerung, und das war denn auch im hohen Norden schon gegen 4 Uhr, aus ihrem schützenden Schilf am Ufer aufzutauchen, um dann schnäbelnd und dümpelnd auf Nahrungssuche zu gehen. Nur das machten sie schwimmender Weise. So lag ich also lauernd wie ein Fuchs, auch auf Nahrung suchend, am Ufer, mein Gewehr in der Hand und wartete geduldig, bis sich mir eine Gelegenheit bot, abzudrücken. Ein Knall zerriß den Frieden und schaffte mir einen vollen Bauch. Leider hatte ich danach immer wie ein Hund in den See zu springen, um meine tote Beute schwimmend an Land zu hieven. Die Jagd mit einem Kleinkaliebergewehr ist nun wirklich kein Zuckerschlecken, wenn man auf Enten geht, die normalerweise mit Schrotflinten betrieben wird. Trotz meiner Brille sehe ich nicht so scharf wie ein Mensch mit dem berühmten Blick eines Adlers, so daß mancher Schuß sein Ziel verfehlte. Jedoch der Waldgeist half mir wieder einmal mehr und lenkte die Kugel an sein Ziel, so daß ich hinterher sagen konnte, toll Junge, Du bist ein richtiger Scharfschütze. Dennoch wurde ich nicht eitel. Die zu Hunderten auftauchenden Stechmücken, warfen mich auf die Bescheidenheit meiner körperlichen Existenz zurück und zeigten mir deutlich auf, daß mir ein schützendes Bärenfell fehlte. Diesem Handycape konnte ich nur mit einer Lederjacke und doppelten Jeans begegnen, was das Laufen in brütender Sommerhitze nicht gerade zum Jauchzen veranlaßte. Wie man ein Gewehr kurz vor dem Abdrücken ruhig halten kann, während sich 30 Mosquitos auf jede Hand und 20 auf Fußknöchel und Gesicht setzen, verrate ich Ihnen gerne, wenn sie auch solch ein Abenteuer bestehen wollen und Kunde beim Geist des Baumes sind. Um das Thema der Essensbeschaffung abzuschließen, ich aß Bisamratten, Nerze, Erdhörnchen, Wildhühner, Beeren, Pilze, Brennesseln und in Alupfannen über der Holzkohle gebackenes Brot. Die Pilze waren da auch noch so ein Problem. Zwischen Häuserschluchten und Mietskasernen in Berlin gab es ja keine Pilze, wenn man mal von Schimmelpilzen im Keller absieht, die mir meine Mutter als eßbar zeigen konnte. Ich hatte ja keine Ahnung, was giftig und ungiftig bedeutete, außer daß man ziemliche Bauchschmerzen davon kriegen konnte. Also biß ich in den unbekannte Wicht hinein und testete, ob er bitter oder beißend auf der Zunge ist. Ließ er das Beißen sein, vermutete ich eine gewisse Freundlichkeit in ihm, tat ihn in den Topf und kochte ihn. Einen Teelöffel des Wassers war denn die erste Probe des miteinander warm werdens. Zeigte mir mein Compañero, Magen, dann eine einverständige Geste, so probierte ich am nächsten Tag eine größere Mengen der Kochflüssigkeit, bis ich dann nach 4 Tagen die netten kleinen Waldwesen, Pilze, als gutartig erkannte. .................................
So denn, will ich Ihnen etwas vom Blockhausbau mit Handaxt erzählen, was positiv stimmt und uns an unsere Kräfte erinnern soll, die auch in Hänschen Klein stecken, wenn er nur will. Nachdem ich also meinen Bauplatz absteckte, den Pythagoras in mir hervorkramte und ein Quadrat von 3,5m mal 3,5m festlegte, begann ich fleißig schwitzend auf die armen Birken einzuschlagen. Die zeigten sich für den Witz von Miniaxt als ziemlich widerstandswillig und dennoch war mein Wille stärker. Ich konnte ja nicht ewig in einer Plastikhaut von Zelt leben. Ich machte es so wie der Biber, der hier ja ein Bruder von mir war. Ich beknabberte also die Stämme, bis sie ein Einsehen hatten und die Idee, sich zum Haus zu wandeln auch akzeptieren konnten. Einen vollen Monat brauchte ich, um die kleine ansehnliche Hütte mit Plastikfolienfenster einigermaßen fertig zu stellen. Lehm, zum Ausschmieren der Fugen, war zum Glück in einem Meter Tiefe auffindbar. Gestampfter Erdboden war mein Garant dafür, daß ich nicht täglich fegen mußte. Die Tür, das Bett und die Möbel aus Baum- und Astmaterial nahmen auch wieder einen vollen Monat in Anspruch............
In der ersten Bauphase hatte ich mal einen Besucher, kräftig gebaut, große Pranken, die durchaus in der Lage wären, eine Axt zu schwingen, der Körper fast so breit wie hoch und lustig schwarzhaarig behaart. Sie denken jetzt wahrscheinlich, ich hätte einen polnischen Schwarzarbeiter arrangiert, dem ich nur seine Sozialabgaben nicht bezahlen wollte. Sie irren sich immer noch in meinem gutwilligen Charakter, der doch, wenn er nur darf, friedvoll und gemütlich leben will, wie Bilbo, aus dem Herrn der Ringe. Besagter schwarzhaariger Besucher, suchte eben, wie das Wort schon sagt. Er suchte aber keine Arbeit, bot auch keine Mithilfe an, wie es ja so bei den meisten Besuchern leider üblich ist – da müssen sie wirklich mal drauf achten. Besucher suchen nur immer, entweder Tratsch, eine Tasse Kaffee mit Kuchen, ein Schnäpschen, sie kommen so scheinbar friedfertig daher, aber meistens gehen sie danach mit vollerem Bauch. Dalassen tun sie eigentlich selten etwas. So war das auch bei meinem. Er meldete sich recht plump mit Geklapper an, eine Türglocke hatte ich noch nicht, und das in die Hände klatschen, wie man es in Paraguay macht, kannte er nicht. Es war auch noch Sonntag, da wollte ich mal ausschlafen. Ich schaute zum Zelt heraus, sah aber nur ein Wildhuhn, daß sich als Sonntagsbraten anbot. Das fand ich richtig gut, nahm meine Knarre, legte an und vergaß dabei ganz das andere Türgeräusch. Das präsentierte sich dann beim Knall des Gewehres. Es rumpelte hinter mir. Meine Brille hatte ich noch nicht im Gesicht, meine Augen waren schlafvernebelt, aber einen Besucher sollte man nicht warten lassen, noch zumal man ihn vorher mit einem Knall erschreckt hatte. Da stand also der Bursche, erhob sich gerade von meinem Müllplatz, keine 5 m von mir entfernt, und glotzte mich an, als wäre ich nicht ganz richtig im Kopf, ihn zu stören. Ich grinste ihn an, ganz ohne Witz, und fand ihn wunderschön. Vielleicht war Er ja auch eine Sie und meine Phantasien galoppierten mit mir davon. Auf jeden Fall war es ein wundervoller Schwarzbär bei seiner üblichen bekannten professionellen Tätigkeit als Müllsucher. Wau, welch ein Anblick! Irgendwie begutachteten wir uns beide mit Faszination, leider nur sehr kurz, denn er/sie hatte doch mächtig Respekt vor dem Stock, aus dem es knallt und raucht. Er verabschiedete sich so denn, kulturlos, wie er kam, drehte mir einfach seinen Rücken zu und ließ bei jedem Hüftschwung die Erde vibrieren. Es waren Sekundenbruchteile des Denkens in mir, ich sah ein schönes warmes Bärenfell vor meinem Bett, ich sah einen endlich mal gesättigten Bauch, sah Fettreserven bis zum Winter, ich legte mein Gewehr an und schoß. Wieder war der Schutzengel neben mir, stieß beim Schuß mein Gewehr an und ließ die Kugel daneben sausen. Ein Segen. Der Bär war schon in einen flotten Gang gefallen und 30m entfernt, als meine 22er knallte. Das wäre so die Wirkung eines Wespenstiches für ihn gewesen und der macht böse. Sie kennen das ja sicherlich, wenn Sie gestochen werden. Dieser böse Wicht entkommt mir nicht, klatsch, eins drauf und die Strafe ist vollzogen. So oder so ähnlich wäre dann mein Schicksal als Wespe für ihn gewesen. Normalerweise ist ja ein Wolf auch nicht so dumm und jagt allein mit seinen puren Tatzen einen Bären, aber der Wolf in mir war eben noch recht dumm und einfältig und meinte, er wäre der große Held mit einem Knallbonbon in seiner Hand. Schwamm drüber, ich hatte dazu gelernt, ohne als störende Wespe zwischen die Pranken eines ausgewachsenen erfahrenen Meister Petz zu gelangen..............................
Die Nordlichter waberten bereits des Nachts über das Unendliche Schwarz der Heimat der Sterne, boten mir in dieser himmlischen Aufführung einen Parkettplatz ganz vorne und das alles noch ohne geldliche Eintrittsgebühren. Eine Laserschau ist dagegen gar nichts, da können Sie ein Feuerwerk über dem Michigan See vergessen. Das ist authentisch und doch mystisch verklärt. Da fragen Sie sich, ob denn das wohl sein kann, was da oben passiert oder ob Sie zu tief ins Glas geschaut haben. Wie können nur urplötzlich Nebel an einem sternenklaren Himmel erscheinen, in allen nur denkbaren und nicht denkbaren Farben, um genauso schnell zu verschwinden. Da sausen gelebte und nichtgelebte Visionen einher, wie Gedankenfetzen, wie Traumpartikel und wenn Sie sie packen wollen, sind sie schon wieder entschwunden. Der Mystiker sieht darin einen Teil Gottes, der Wissenschaftler sagt dazu, ionische Entladungen im van Allen Gürtel. Suchen Sie es sich aus, welche Art der Empfindung Ihnen näher steht. Aber man sollte es einmal in seinen armseligen 80 Sonnenumrundungen gesehen und auf sich wie eine himmlische Medizin wirken gelassen haben, um zu ahnen, das es Welten hinter den Welten gibt. Die Zeit des Abschieds ist gekommen, mein Körpergewicht mit 53 kg paßt sich langsam an die Enten an, die ich verzehrte. Ich muß gehen, weil mein Visa ausläuft. Doch mein Willen, wieder zu kommen und in dieses schöne herrliche weite Land einzuwandern, wird fest im Gedanken verankert. 3 Monate allein im Busch, mit sich selbst redend, jagend, bauend, träumend ist eine Zeit der gelebten Selbsterfahrung, die einem kein Magier der heutigen Zeit ersetzen kann. Leider fragt man heute zu oft, was haste denn verdient in der Zeit. Damals wäre ich peinlich berührt gewesen. Heute würde ich sagen: „Erfahrungen, mein Kleiner!“
6.Phase und der Aufbau einer PferderanchNach einem halben Jahr waren Rucksack und Reisetasche von Christa und mir erneut gepackt, ein paar große Scheine lukten diesmal aus meiner Hemdstasche heraus, denn diesmal wurde es ernst. Na, Sie wissen schon, so ernst wird es bei mir nun auch wieder nicht. Aber jetzt sollte Grund und Boden gekauft werden und auch mal ein praktischer Teil folgen, bei dem man die Hemdsärmel hochkrempelt, etwas sichtbares zustande bringt und nicht nur blöde Sprüche kloppt. Das sollte ernst werden, obwohl mit Spaß verbunden und schlicht und einfach Freude bereiten. Im Januar 1987 stiegen wir erst einmal in Temuco ab, unserer zukünftigen Provinzhauptstadt, trafen dort auf dem Zentralplatz einen Ringebieger und Armreifenmacher. Christa hatte da mit einem Kettchen Probleme, und so löste sich das Wohnproblem umgehend mit. Besagter Kunsthandwerker, namens Juan, hatte eine große Wohnung und brauchte etwas Mietbeteiligungsgeld. Wie Sie sehen, alles kommt alleine, wenn man sich nur öffnet und mutig vorangeht. Je weniger man plant, desto effektiver arbeitet der Himmel für Sie. Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie es eben und quälen sich weiter, bitteschön. In dieser Wohnung mit großen ordentlichen Zimmern, wohnte noch ein anderer Mensch, der an seiner Ausbildung herumknabberte. Das war schon mal unser erster unendgeldlicher Spanischlehrer. Die Freundin, des Kunsthandwerkers war Inspektorin im Grundbuchamt. Es fehlte nur noch ein Makler im Bunde, dann wäre der Zirkel abgerundet. Den fanden wir hier nicht, aber unser erstes Auto und ein Langzeitvisa für Chile. Mit dem alten Landrover 67 machten wir uns auf Entdeckungstouren und zogen nach Pucon, einem kleinen, aber berühmten Touristenort, 120 km entfernt. Dort waren wir direkt am riesigen Villarrica See und hatten gleichnamigen Vulkan im Auge. Ich weiß nicht, wie Sie sich fühlten, an einem ständig aktiven vor sich hinqualmenden Vulkan zu sitzen und zu wissen, die Erde ist da noch richtig feurig und damit auch jungfräulich. Uns beiden machte es jedenfalls nichts aus, eher umgekehrt, vielleicht wurden wir als Liebhaber auch eher feuriger. Wieder lockte einmal ein Abenteuer. Wie schafft man es, sich ein Stück Land zu kaufen, daß man noch nicht kennt, geschweige denn eine klare Idee hat, wozu es beschaffen sein soll. Ich wußte nur, ich will Robinson Crusoe spielen mit allem drum und dran. Und ich wußte auch, daß ich nicht Billy Gates heiße und nicht über dessen Startkapital verfüge. Da gab es denn etwas am Rio Turbio, wie uns ein Kneipenwirt mitteilte, 50 Hektar mit Haus, Strom und Garten nur 8 km vom Ort. Das Gelände war platt, wie eine Modepuppe der Neuzeit und strahlte genauso wenig Persönlichkeit und Fruchtbarkeit aus. Zusätzlich erfuhren wir, daß im naheliegenden Flußbett immer das kochende Wasser des ausbrechenden Vulkans vorbei gerauscht kommt. Meine Eier wollte ich mir anderweitig erhitzen und so verzichteten wir auf dieses Schnäppchen mit unleidlicher Drohung des feurigen Berges im Hinterstübchen. Wie ich schon sagte, daß Schicksal wirkt, wenn man bereit ist hinzuhören, auf recht eigenartige Weise. Wir besuchten einen Makler im Nachbarort und äußerten unsere wagen Bedürfnisse. Der fand dann viele nette Objekte, die ihn fett und uns dürr gemacht hätten, als denn ein schmales Männchen sein Büro betrat und sich aufregte, warum er denn nicht sein gutes Stück Land anbiete. Als wenn das Kerlchen es gerochen hätte, wir wurden hellhörig, trafen uns später mit seinem Sohnemann und knatterten die Berge hinauf in den Urwald. Da gab’s einen Hausberg, zwei Flüsse, zwei Wasserfälle, viel Wald, einen „Hausvulkan“, ein paar abgeknabberter Weiden und eine alte Holzhütte vor dem Zusammenbruch. Mit Wüstenrot hätten wir die süße Ruine auch nicht mehr renovieren können. Mein Wolfsherz schlug heftig, meine grünen Augen wurden noch grüner. Ich sah mich schon als Wehrwolf durch die Wälder streifen und auf Hasenjagd gehen. Christa sah ihren Gemüsegarten schon in Erntephasen. Phantasie hatten wir beide, der Wille war stark, und das Verkäufermännchen hatte es eilig mit dem Geld. Das paßte ja dann wohl. Wir blätterten notariell beglaubigt unsere Scheine dahin und zahlten an. Gut so, denn man weiß ja nie und der Himmel war uns hold, auch als Sicherheitsberater. Zwei Tage später erfuhren wir dann von einem Nachbarn, daß besagtes Männchen an den Papieren etwas herumgefummelt hatte. Na gut, wozu das nun gut war, war uns erst mal nicht klar, aber wir beide waren schon zäh vom Vorleben. Wir hatten ja unsere Verbindungen durch die Inspektorin- Freundin vom Amt und lernten über dieses anliegende Übel viele nette Helfer kennen. Die klärten uns auf. Das Männchen mit der heiseren Stimme bekam keinen Pfennig mehr. Wir ließen unsere Äcker neu vermessen, veröffentlichten brav drei mal unseren Antrag auf den Landtitel in der Presse und zäunten das Gelände ein, das bisher wohl nie eine klare Abgrenzung gesehen hatte. Fleißig spielte ich Schwertkämpfer mit meiner Machete, um Waldschneisen durch den Busch zu schlagen, buddelte Hunderte von Zaunpfahllöchern, schleppte genauso viele mehlsackschwere Pfosten durch die Gegend, zerkratzte mir beim Ziehen des Stacheldrahts Arme und Hände und lernte dabei unseren Besitz erst richtig kennen. Ein Jahr später winkte der Titel, und wir machten dem Männchen und eventuellen Erbgemeinschaften eine lange Nase. Sie glauben gar nicht, wie sich der kleine, ständig heisere Verkäufer aufführte, als er erwartete Dollar nicht rieseln sah. Der war in Wirklichkeit auch gar nicht der Eigentümer, sondern mehr so eine Art Zwischenhändler. Wie wir später erfuhren hatte er schon einige arme Leute aufs Kreuz gelegt. Jedenfalls traf ich ihn später plötzlich einmal in einem Laden, wo er eine Szene machte, Mordio und Totschlag schrie, wie man es eben von betrogenen Betrügern kennt. Es war schon ganz nett, auch mal Racheengel zu spielen, obwohl mir persönlich diese Tätigkeit immer etwas Angst macht. Aber manchmal muß man da durch. Man kann ja nicht immer nur lieb sein, oder?, und das war ich doch normalerweise, wie Sie bereits wissen...........
10.000 Mark hat uns letztendlich das „Campo“ von 60 Hektar gekostet. Scheinbar mochte uns die Erde dort, sonst hätte sie uns nicht gelockt und sich so anstandslos hingegeben. Wie Sie wissen ist die Hingabe der Erde für das Aussehen neuer Ideen wichtig. Die Erde als weibliches Prinzip muß schon einverstanden sein, wenn Sie da was machen wollen, denn das machen wollen ist Zeugung. Wir hatten jedenfalls nicht vor die Erde zu vergewaltigen, wie es heute in einigen Teilen der Welt vermehrt getätigt wird. Mutter Erde nahm uns in ihre schützenden waldbepelzten Arme und offenbarte uns mit vollkommender empfangener Hingabe, wie sich das jeder Liebhaber wünscht. Sie zeigte sich dann auch an den entscheidenden Tagen feucht und aufnahmebereit für all die Samen, die Christa in den Boden ihres neuen Gemüseackers brachte. Wie Sie sehen, können sich auch zwei weibliche Wesen fruchtbar ergänzen. Die Kinder waren denn auch riesige Kohlköpfe, Erbsen, Bohnen, Salatköpfe und so manches mehr. Mitesser hatten wir dann auch, wie es sich für einen Pubertierenden gehört. Kleine blätterfressende Käferlein liefen nicht nur flott in Richtung neuer Kantine, nein sie konnten auch fliegen. So hatten wir dann unsere Plage, diese Mitesser auszudrücken. Mal gut, das wir keinen Spiegel brauchten. Meine Wenigkeit als männlicher Part, Mutter Erde zu befriedigen, war die Versorgung des Ganzen mit Flüssigkeit. Nein, ich meine jetzt nicht den guten chilenischen Wein durch meine Kehle laufen zu lassen, sondern frisches Quellwasser durch die Gemüsebeete zu beordern. Dazu wurde ein kleiner Kanal von 1500 m Länge benötigt, der erst einmal gegraben werden wollte. Außerdem mußte ja noch eine Hütte gebaut werden. Wir wollten ja nicht ewig im Zelt hausen. Also sorgte ich als Mann, wie es sich gehört, für Recht und Ordnung in der Umorientierung von Brettermaterial. Sie fügten sich nach meinen Anweisungen mit Hammer und Nägeln in der Hand zur Gestalt eines Hauses zusammen. Beschwerlich war es schon, doch dank freundlicher Nachbarn, die ja das Problem mit dem Neid ums bessere Auto noch nicht kannten, halfen mir mit Wissen und kräftiger Hand........
Sie glauben gar nicht, wie viele Lehrmeister Sie in Ihrem Leben verpassen, wenn Sie sich spezialisieren und Ihr Überlebenssystem anderen übergeben! Unsere ersten Tiere waren ein Hund und zwei Mäusefänger. Sie erfüllten besonders Christas Herz mit Freude und gaben das Gefühl einer eigenen Familie. Wie kleine Kinder eben sind, machten unsere Tierchen auch einen Haufen Unsinn. Besonders die Katzen hatten einen riesigen Spaß daran, in die Ecken zu pinkeln oder unseren Käse vom Tisch zu hangeln. In gemeinsamen Verbund waren sie noch effektiver. Kamen wir von einer Einkaufstour zurück, stellten den Karton nur 3 Minuten unbeaufsichtigt ab, so entdeckten die Katzen das für eine Woche vorgesehene Käsestück, rissen die Plastiktüte auf, knabberten ein wenig daran herum, um dann dem Hund Platz zu machen und den Rest zu überlassen. Der machte dann, wie Hunde eben so sind, haps, haps und weg war die Wochenration. Ich persönlich mag Katzen wesentlich lieber, die sind heimtückischer, geschickter und unabhängig, jammern nicht, wie Hunde es tun, lange herum, sondern kommen zur Sache, wenn sie sich mal etwas in den Kopf gesetzt haben. Das entspricht mehr meinem eigenen Wesen, obwohl Katzen damit auch in meinem Revier zu echten Konkurrenten werden. So mußten unsere Katzen denn auch viele Freiflüge durch das offene Fenster ertragen und lernten dabei fast das selbstständige Fliegen. Die eine, namens Bienchen, wurde im Fliegen so elegant, daß sie Schwalben mit meterhohen Sprüngen aus der Luft häkelte, um sie dann genüßlich mit dem Hund zu teilen. Mir hat sie nie etwas abgegeben, weil sie mich als Fluglehrer irgendwie nicht richtig wertschätzte. Wissen Sie, die Rolle des Lehrers ist und bleibt wohl immer eine undankbare Aufgabe. Später wurde unsere Familie etwas vielfältiger, weil uns das Urprinzip, nach denen Hunde und Katzen funktionieren, nicht ausreichte. Schließlich wollten wir ja was erleben. Sechs Kälber übernahmen dann die Aufgabe des Meditierens, zu dem wir selbst nicht kamen, in dem sie stundenlang die gleiche Speise mit abgehoben, ruhigen Blicke von einer Ecke zur anderen ihrer unzähligen Mägen beförderten. Wir haben eine solche Art des Essensgenusses schon längst verlernt und nehmen unsere Speisen nur noch als Energieträger wahr. Die Kühe zeigten uns als Lehrmeister, was es eigentlich bedeutet, andere Lebensprinzipien in sich einzuführen, lange darauf herumzukauen und erst nach intensiver Meditation es zu seinem eigenen zu erklären. Das eigentliche Schlucken, Verdauen und es wieder von sich zu geben, verliert dabei an Wichtigkeit. Vielleicht ist es auch besser so, daß wir es nicht genauso tun, denn sonst würden wir noch die Maschinen spüren und die unzufriedenen Menschen, die dahinter stehen, wenn wir unsere abgepackte Fabrikwurst verzehren. Hühner, Gänse und Enten waren die nächsten im Verbund, die ihren speziellen Tanz für uns auf dieser urkomischen Lebensbühne präsentierten. Eine besondere Komödie führte uns unser Erpel „Friedolin“ auf. Der verwechselte häufig seine Enten mit jungen Gänsen und meinte, er müsse eine Mischrasse zeugen. Trotz aller aggressiver Anstrengung, die Gänse zu vergewaltigen, war ihm der Himmel nicht gnädig und bescherte ihm keine Vaterschaft in seinem erdachten biotechnischen Labor. Da sieht man mal wieder, macht der Himmel nicht mit, gibt’s auch keinen Erfolg beim Erfinden neuer Kreationen. Unser Gänserich, „Zischi“, stand merkwürdigerweise bei Fridolins Aktionen verwirrt daneben und verstand die Welt nicht mehr. Aber er verstand auch ohne Brille, mit seinen zwei tiefblauen scharfen Augen, daß er unser Campo auf Gedeih und Verderb zu bewachen hat. So benutzte er seinen Kopf, auf dem eleganten langen Hals, als kreisendes Radargerät, übernahm frühe Luftwarnung und schrie, was das Zeug hält, wenn sich ein Raubvogel näherte. Ihm standen leider keine Luftabwehrraketen zur Verfügung, aber ein kräftige Zischen aus seiner heiseren Kehle ließen den Gedanken an einen Raketenstart aufkommen. Er übernahm aber nicht nur die Luftabwehr, nein auch feindliche Bodentruppen wurden ins Visier genommen und mit einem schnellen Angriff nach vorne meist effektiv abgewehrt. Einmal kam unser Freund, Eckart, mit seinem Militär- Unimog zu Besuch. Die Reifen dieses Fahrzeug hatten fast einen Durchmesser eines vollen Meters, doch Zischi raste mutig, ohne Angstschweiß im Gesicht, auf das feindliche Objekt zu und bedrohte es so heldenhaft, daß sein langer Hals fast von den Rädern geplättet wurden. Zischi war auf unserem Campo der eigentliche Chef, denn er akzeptierte mich genauso wenig als seinen Gott, wie jedes andere Objekt, was sich seiner Gänseschar näherte, bis auf Fridolin. Er blieb uns lange als Aufpasser beschieden, bis der Puma aus den tiefen des Waldes kam und mit scharfem Gebiß andeutete, das Zischi einer falschen Illusion hinterherlief. Sehen sie, daß prägte sich mir wieder ein. Falsche Illusionen, nicht gut beobachtet und schon landet man im unersättlichen Schlot eines Anderen. Das passiert aber meist erst dann, wenn man arrogant und hochmütig wird und so, wie Zischi meint, man wäre etwas Besseres oder Gott persönlich. Etwas Demut der Außenwelt gegenüber ist denn dann doch der gesündere Weg. Und das Gottsein steht nicht einem Einzelwesen zu. So macht denn dann das so häufig von mir erwähnte Schicksal einen interessanten Energietransfer und verwandelte Gänsefleisch in Pumafleisch. Das ist das kosmische Liebesprinzip, müssen Sie wissen, die Vereinigung zweier unterschiedlicher Lebensprinzipien. Ob der Puma nun das zischen lernte, konnte ich leider nicht untersuchen, aber er wurde uns treu, zeigte sich dankbar und holte sich ein paar Tage später Zischis Frau, damit keine Einsamkeit im Gefüge auftrat. Damit waren dann Puma und eine Gänseehe in einem Körper vereint. Die Hühner zeigten sich auch nicht gerade als dumm, wie man es immer sagt. Wenn einer so etwas von einer anderen Spezies behauptet, spricht es nur von seiner eigenen Dummheit. Die Hühner hatten es hervorragend im Griff, selbst kleinste Körnchen anzuvisieren und zwischen Steinchen und Sämchen zu unterscheiden. Auch waren sie so klug, ihre Eier dort zu verstecken, wo man sie erst 6 Wochen später fand. ........ Das nun noch zwei Pferde zu unserer Sippe stoßen mußten, liegt ja nur nahe. Ein junger Halbindianer übernahm das Organisieren, aber nicht wie Sie denken, mit Pferdeklau. Nein wir bezahlten brav und bekamen postwendend die bestellte Ware in Form zweier 400 kg Pakete auf vier Beinen. Die Stute, Galleta, ein prachtvoller Falbe, witterte sofort meine Angst, schaute mich vor dem ersten Ritt treudoof an, ließ mich auf dem ersten Ausflug zu den Nachbarn auf ihrem Rücken gewähren und wütend Rumpelstilzchen spielen. Sie wollte nämlich auch mal ein Gräschen knabbern, das in üppiger Vielfältigkeit zu ihrem Begehren am Wegesrand zu Hunderten auftauchte. Ich stellte mir das Gefühl des Getragen Werdens vollkommen anders vor. Nach einer Stunde kamen wir dann am Zielort an, was ich zu Fuß in 10 Minuten machte. Die Nachbarn waren so lieb und probierten das hinterlistige Weibsbild aus, um es mir mit anerkennend zufriedener Miene zurückzugeben und mich zum guten Kauf beglückwünschten. Irgend etwas machte ich wohl falsch. Also wieder rauf auf den Rücken und zurück zu meinem Grundbesitz, diesmal mit Geduld. Nur Geduld hatte die gute Stute nicht. Die zeigte mir einmal mehr, wer der Patron war. Diesmal schaltete sie den Turbolader zu und ging gleich in den vierten Gang. Ich glaube nicht, daß sie diesen doofen Hampelmann von Gringo abwerfen wollte, aber sie hatte auch ihren Stolz. Die Rückspiegel, die meine Beine an diesem merkwürdigen Gefährt waren, brachen bei knapp kalkulierten Kurven zum Glück nicht ab, aber der etwas zu hoch gelagerte Dachgepäckträger, der mein Kopf war, bekam peitschende Äste ab, so daß der gute neue Lack abzublättern drohte. Ich hätte nie gedacht, wie schnell so ein dämlicher Gaul die Kurven nehmen könnte ohne auch nur einen lenkenden Piloten zu brauchen. Zu hause nach 2 Minuten angekommen rollte ich mich aus meinem Pilotensitz und wollte nie wieder diesen unkontrollierbaren Starfighter fliegen. ..............
Wie ich ja anfangs schrieb, sind Sie als Leser nicht nur am Buch, sondern auch an mir selbst beteiligt. Also sollen Sie auch erfahren, daß ich nun seit fast einer Woche im Schreiben von alltäglichen Lächerlichkeiten gehindert wurde. Pferde füttern, Wasserrohre festschrauben, Stromausfall, Sturmschäden, die mir ein inneres Brodeln, einen richtigen Braßt verursachten. Sie werden sehen, daß auch ein Klugscheißer wie ich, seine alltäglichen Nöte hat, die mich hindern, in ferne Welten zu driften und mich schicksalsgefügt am Boden haften lassen. Manchmal hat das Leben so eine Art Eisenschuh- Eigenschaft. Morgen werden wir uns aber dann wirklich wiedersehen, wenn nicht mal wieder ein Baum aufs Haus fällt!
Der Strom ist wieder da, die Schreibmaschine aktiviert, kein Baum liegt auf dem Hausdach, sondern steht mit Wurzeln verankert in der Erde und mein Bewußtsein ist gerichtet auf Sie und ferne Welten der weiten Gegenwart. Stehen geblieben war ich bei der für mich empfundenen Komik der anderen Lebewesen und den Erkenntnissinn dieser Wesen für mich selbst. Gerade während ich dies schreibe und mein Blick versunken zum Fenster hinaus gleitet, läuft ein Fuchs seelenruhig keine 30 Schritt entfernt vorbei. Ich gehe hinaus, freue mich an seinem Anblick und begrüße ihn mit Zurufen. Er schaut sich neugierig um und geht dann in seiner schleichenden Art gelassen seiner Wege. Ich bin glücklich, daß ich das ohne ein Gewehr in der Hand und Mordgelüste im Bauch erleben darf und wünsche es Ihnen auch. Das schafft inneren Frieden. Aber zurück zu den Pferden. Also Jahre zuvor kamen uns in unserer Einsiedelei hin und wieder einmal verlorene Reisende besuchen, die von uns über das unter deutsch- stämmiger Verwaltung befindliche naheliegende Thermalhotel hörten. Dieses Hotel, keine 30 Minuten Fußweg entfernt, wurde sehr rückständig, altdeutsch geführt, so daß sich junge Rucksackreisende dort zwischen Omas und Opas, die dort in den Wannen lagen, langweilten. Wanderer brauchen ein Ziel, wenn auch der Weg das eigentlich Erleben darstellt und so erlebten sie uns. Durch sie wurden wir denn auch auf den Wege gebracht, die Idee entstehen zu lassen, eine Reiterranch zu eröffnen. Besagte Reisende sahen unsere zwei Pferde am Gartenzaun herumlungern und befreiten sie von ihrer nutzlosen Arbeitslosigkeit, in dem sie sie ausliehen. Eine kleine Runde wollten sie mal drehen und sich von etwas anderem tragen lassen, als den schon geplagten eigenen Füßen. Dieses Bild wiederholte sich einige Male, bis ich begriff, was mir da gesagt werden sollte. Die Wanderer waren von der grandiosen Natur und Landschaft genauso begeistert, wie wir selber und das sich Tragen lassen durch ein natürliches Vehikel, wie ein Pferd, ist das Nonplusultra. So setzte ich mich jetzt öfters auf den Gaul, ging auf Wegeentdeckung, schlug neue Pfade mit der Machete frei und schmiedete Pläne. Bald hatte ich schon einige Standarttouren von 3 bis 8 Stunden in einem Prospekt beschrieben und in unserem Touristenort bei Agenturen hinterlegt. Die ersten Reitgäste kamen. Zuvor stockten wir aber unseren Pferdebestand auf 5 Exemplaren auf. Zu dieser Zeit waren wir konkurrenzlos in der Gegend, so daß chilenische Familien es gerne auf sich nahmen auch 32 km mit dem Auto zu fahren, um das Getragenwerden zu genießen. Daß die Damen mit Goldkettchen und Badelatschen reiten wollten, verwirrte mich anfangs schon. Auch das die Herren das Filmen mit Videokameras fast wichtiger empfanden, als das Reiten selbst, machte mich oft ärgerlich. Jedoch ich lernte, sie zu tolerieren und stopfte gerne die ersten hier verdienten Geldscheine in die Taschen meiner Jeans. Kamen dann Ausländer, zumeist Deutsche, hatte ich größere Freude den voranreitenden Scout zu spielen. Dies waren meistens jüngere Leute, die auch meine Begeisterung für die Natur teilten. Auch die weniger arrogante Art dem Schmutz eines solchen Ausflugs zu begegnen, sich gerne von den Blättern der Bäume berühren zu lassen, gab mir das tiefe Gefühl der Zuneigung zu den Deutschsprechenden. Sie müssen verstehen, daß das chilenische Volk in ihrer technischen Entwicklung Europa weit hinterherhinkt, dennoch aber alle neuen Errungenschaften sich im Schnellkurs einverleiben will. Da entstehen dann insbesondere im Mittelstand urkomische Verhaltensbilder. Ich kann das eigentlich nur mit einem pubertären Knaben vergleichen, der riesige Schuhe an einem viel zu langen Körper mit plumpen linkischen Bewegungen vor sich hin schleppt, der eine Klugheit verbal nach außen bringt, die ohne jegliches Fundament und Wissen so offensichtlich wird. Nun stellen Sie sich diesen komisch, unvollständigen Burschen mit 60.000 Euro in der Hosentasche vor, die ihm durch seinem reichen Papi serviert wurden, wie er sich beim Juwelier eindeckt, im Elektronikladen den neusten Schrei kauft und ein lackglänzendes Transportmittel mit 4 Rädern dran durch die Landschaft manövriert. Da haben Sie jetzt das Wesen eines neureichen chilenischen Mittelständler beschrieben. Sie sind wirklich süß in ihrer gespielten Hochherrschaftlichkeit, wirken oft wie Kinder im Sandkasten, die sich verkleidet haben und mit all ihrer Phantasie so weit in ihr Spiel eingedrungen sind, daß sie gar nicht mehr ahnen, daß sie Kinder im Spiel sind. Wenn man sie dann als Erwachsener zum Mittagstisch ruft und sie an ihr Kindsein erinnert, können sie recht bösartig werden. Beißen und kratzen tun sie dann, aber auch schon mit Rechtsanwälten. Sie haben gelernt, daß man woanders zum Kratzen und Spucken Juristen verwendet. Schließlich, wenn man sich schon so mühevoll verkleidet, sollte man doch auch eine Spur von Streitkultur einbringen, damit das Spiel auch wirklich echt wirkt...........
Ich persönlich spielte das Spiel des Pferderanchers und glaubte, es wäre ganz echt. Die Kinder, die bei meinem Spiel mitmachten, waren letztendlich mehr die Verlorenen dieser Welt. Sie suchten Geborgenheit in der Natur, unter dem Blätterdach 1000-jähriger Bäume, zwischen Wildschweinen und Condoren entdeckten sie ungeahnte Freiheit, klares Gebirgswasser und smokfreie Luft, ganz zu schweigen von der Stille. Selbst der Wald ist hier still und lauscht in sich meditativ hinein, kaum das er mal einen Vogel hört. Nervös wird der Wald nur, wenn er das ferne Rauschen hört, was immer näher an seine für den Menschen nicht sichtbaren Ohren dringt. Da rücken die Bäume zusammen und flüstern sich zu, „wen wird es diesmal treffen.“ Wie eine gewaltige Woge braust die Luft heran, wird fast zu einer alles vernichten wollende harten Wand, kommt mit Messern und Schneiden gerüstet und schaut heimtückisch drein. Mit Wirbeln wütend will er zwischen die verängstigten Baumwesen gehen, findet hier und da einen Schwachen stehen, schlägt ihn nieder in seiner Wut, ach wie der Haß doch wohl tut. Doch nur kurz war die Begegnung, mit dem luftigen Geist, der Wald richtet sich auf und grinst auch recht feist, er kennt seine Stärke und auch die Dauer, denn er weiß um das erholende Naß eines Regenschauer. Genau das wollten die Menschen, die im Rahmen des Tourismus kamen, einmal spüren. Was liebten unsere Gäste hoch oben in den Bergen lange bei einem Lagerfeuer zu sitzen, all ihre alltäglichen Sorgen zu vergessen, vor sich hinstarrend leise sich etwas zu erzählen und zwischendurch auch einen Satelliten zwischen den Millionen von Sternen zu entdecken. Weniger liebten sie das Klo, den Hintern über einen schrägen Ast hängend, von kleinen Fliegen umkreist, war dann der Preis. Wir erlebten aber auch Gäste, die peinlichst darauf achteten mit Antiinsektenspray ihren Zelteingang zu besprühen, als Schmutzgrenze sozusagen, damit auch ja nicht die Natur in sie eindringen kann. Da gab es einige, die ihre Enttäuschungen beim Machen der Fotos über die spätere Bilderqualität vorausahnten, „die Fotos sehen später immer so blaß aus“. Weil ich das nicht verstand, wie ich vermute, Sie jetzt auch nicht, forderte ich eine Erklärung. Man hätte ja schließlich Kontrast- Verstärker- Sonnenbrillen auf, die die Landschaft viel prächtiger erscheinen ließ, wie sie auf dem Foto später wirkte. Aha, dachte ich und machte den böswilligen Kommentar: „Dann seht ihr ja jetzt gar nicht die Wirklichkeit.“ „Was ist denn schon die Wirklichkeit?“, war denn dann die einfache aber sehr philosophische Aussage, die aber recht schnoderich daher geredet war und keine philosophische Gabe auf dem Gesicht des gelernten IT erscheinen ließ. Das war mir denn doch zu hoch, Fehler durfte man auch nicht zu viele bei gut zahlendem Publikum begehen und so hielt ich den Mund. Ich fand aber heraus, daß ein IT ein Informationstechniker ist und zehnmal mehr verdiente als ein armseliger Pferderancher. Es gab auch Leute, die ihren Kulturbeutel mit Schminkutensilien, Hautcremes und anderen undefinierbaren Pasten gefüllt auf eine 3-Tagestour mitnahmen. Sie erschienen dann tatsächlich, sauber geleckt am Abendbrottisch, der aus einem Lavastein vor dem Feuer bestand, wobei die Dame tatsächlich etwas Rusch und ein wenig Lippenstift aufgetragen hatte. Mir war es dann schon peinlich, diesen Herrschaften keinen Longdrink auf einem bequemen Barsessel anbieten zu können. Am Lagerfeuer sahen die Herrschaften dann auch nur ausschließlich die neue amerikanische Raumstation über den Himmel tingeln, einen der Millionen anderen weniger künstlichen Lichtpunkte nahmen sie nicht wahr. Die Bügelfaltenjeans wurden denn auch ordentlich vor der Zeltbesteigung abgeklopft, wohlweislich wissend, Dreck macht krank. Da gab es Leute, die nahmen Hausschuhe, Kompaß, Angelhaken, Pferdebonbons, Satellitenpositionsgeräte, Superthermounterwäsche, Feuchtis, einen 10er Satz Schokolade, Müsliriegel, Astronautennahrung usw. mit, während mich andere fast umbrachten, als ich eine Plastiktüte ins Feuer warf, wegen der austretenden giftigen Gase, der PCBs – wie unverantwortlich, dabei aber die austretenden Gase ihres Flugzeugs vergessend. Solche Gesellen sind einfach urkomisch und regen mein Denken immer ungemein an und stimmen mich fröhlich. Es gab aber auch viele Mitreiter, die sich am Essenmachen und Abwaschen beteiligten und glückstrahlend Staub, Pferdegeruch und Schnapps am Feuer genossen und ohne viel Federlesen in das eisige Wasser der Berglagune eintauchten. Bei solchen Menschen kam bei mir immer wieder Hoffnung auf, das der Untergang des Abendlandes doch noch vermeidbar sein könnte. Wissen Sie, wenn man dienstlich sozusagen Tausende von Reitstunden mit den merkwürdigsten Gestalten absolviert, kann man schon oft den Haß, die Freude aber auch die Gleichgültigkeit hochkommen fühlen. Nach der Heimkehr, wenn denn dann diese merkwürdigen zahlenden Gesellen endlich den Stall verlassen hatten, nahm ich mir Zeit für meine wahren Compañons, die Zeit ihnen meinen Dank und mein Mitgefühl ins Ohr zu flüstern. Oft wahren die Pferde von den Herrschaften auf dem Rücken wundgeritten, so daß meine sensible Seele nach Vergeltung schrie. Kaum in der Ranchkneipe angelangt, hatte ich wieder den Lächler zu spielen und die ach so netten Reitkameraden nach dem Wohlergehen ihres Hinterteils zu befragen. Beim Leichtathletik übt man den Spagat freiwillig, ich mußte ihn hier mir ohne Turnhalle beibringen. Merkwürdigerweise empfand ich immer mehr Mitgefühl zu außermenschlichen Arten. Warum, ist mir bis heute nicht klar geworden. Vielleicht war man ja früher mal ein Viech, kann ja gut sein, meinen Sie nicht? Über meine lieben zahlenden Gäste will ich lieber nicht noch weiter herfallen, denn sie sind ja auch so nett und spendieren uns ihr Urlaubsgeld. Wenn auf Grund dieses Schriftstücks keiner mehr kommt, stehe ich ziemlich blöd da. Ich habe keine große Hoffnung, daß ich wegen meiner plumpen Ehrlichkeit zu einem gut verdienenden Schriftsteller erwählt werde. Wer liebt denn schon plumpe Anmache und soll auch noch dafür bezahlen, oder sind Sie etwa anders, als meine Reitgäste? Ich erzählte Ihnen noch gar nicht, wie es zu so vielen zahlenden Mitmenschen in unserem so ungepflegten Ambiente kam. Ich baute halt fleißig. Ich ging in den Wald, ganz ohne die Grünen, aber mit einer gut angeschliffenen Kette meiner Motorsäge und machte mich über die schönsten gradesten und eitelsten Baumkumpels her. Wo gehobelt wird, fallen auch Späne. ...............
Zu Beginn unserer Zeit auf dem Lande erleuchteten romantische Kerzen den Wohnraum, später wurden diese durch eine laut fauchende Gaslampe mit Glühstrumpf ersetzt. Als ehemaliger Elektromechaniker wirkten aber in mir schon Pläne, fließendes Wasser zu bändigen, um es in Elektrizität umzuwandeln. Ich bastelte mir also aus Brettern ein 20 Meter langes Rohr, ließ das Wasser unseres kleinen Trinkwasserkanals hindurchgleiten, um es weiter unten mit einem Lüftungspropeller eines Autos in Drehbewegung zu versetzen. Der Geist des Wassers und der Gravitation waren mir zugeneigt und ließen das primitive Ding vor sich hinsummen und spritzen. Eine Autolichtmaschine kam dabei schon in einige müde Rotationen, doch von Kraft konnte noch nicht gesprochen werden. Also führte ich noch eine tiefe Konversation mit dem Gott der Kräfte, der mir mehr weiterführende Eingebungen gab. Das vor sich hinspritzende Holzbretterrohr wurde ausgetauscht gegen Zementrohre, die dann wirklich einen echten Wasserdruck aufbauen konnten. Und siehe da, die Lichtmaschine begann mit schnurrenden Geräuschen, wie eine satte Katze, seine Energien in Autobatterien abzugeben. Der Rest war denn kein Kunstwerk mehr, denn ein paar Parallelkabel mit einem Tacker an Holzwände zu nageln und kleine Autobirnchen anzufriemeln, kann ja schon jede Hausfrau. So hatten wir also das feuchte Naß unseres kleinen Kanals in Licht verwandelt. Ich war mächtig stolz auf meinen Erfindergeist und vergaß beteiligten Göttern meinen tiefsten Dank für ihre Zustimmung auszusprechen, doch sie nahmen es gelassen hin. Da ich aber kein Typ mit langem Sitzfleisch bin, rannte ich mit den Gebärden des zerstreuten Professors weiter durch die Gegend und suchte. Da ich weiter den Schatz der dort ganz sicher einmal anwesenden Piraten nicht fand, entdeckte ich jedoch neue Möglichkeiten die Wildheiten des Bergneptuns in reine Lichtform zu transzendieren. Also wurde Vermessen, Nivelliert, Gehackt, Geschippt und Geschleppt, bis ein weiterer Kanal am unteren großen Fluß entstand. Ohne meine Bauernnachbarschaft und ihrem guten Zuspruch hätte ich mich mit meinem Angestellten nie an dieses Projekt gewagt. Es mußte in einem sehr steilen Abhang direkt neben dem reißenden Bach ein langsam neigender Weg in genau berechneter Weise hineingearbeitet werden. Vermessen wurde mit einem transparenten langem Gartenschlauch, der mir dann sagen mußte, wann ich 2% Wegneigung erreicht habe. Not macht erfinderisch, daß ging mir nicht anders, wie anderen Menschen und Erfindergeist macht stolz. Nach mühseligster Schweißarbeit erreichten wir nach 9 Monaten das Ziel. Der Kanal war fertig und konnte sage und schreibe 250 Liter Wasser pro Sekunde schlucken und gab mir einen Höhengewinn zum Flußnivel von 5 Metern. Das letztere Maß ist für eine Wasserkraftanlage eine Lächerlichkeit, und so lächelte ich eben, als die jetzt schon recht große Turbine mir 220 V Elektrizität abgab. Es war natürlich nicht die Turbine, sondern ein alter deutscher Generator der Marke AEG Berlin Baujahr 1936, den ich in einem Elektroladen verstaubt aufgabelte, der die Rotation zu elektrischer Polarität wandelte...........
Ein weiteres Sandkastenspiel war denn dann die Kommunikationstechnologie für mich. Wenn Sie selbstständig sind, werden Sie wissen, daß sie mindestens drei Dinge brauchen: einen Weg oder Straße zu ihrem Laden, ein Telefon, um ihren Kunden ihre Wahre aufzuschwatzen und elektrischen Strom, um energetisch in der heutigen Welt bestehen zu können. Also wurden zwei VHF Funkgeräte angeschafft mit 50 W Leistung, was schon recht üppig ist und Antennen zusammengebastelt, dessen Ohren genau auf unsere Frequenz beschnitten wurden. Ein Apparat stand auf der Ranch, der andere bei einer Touristenagentur im Ort. Die Agentur hatte ein Telefon, also hatten wir eine primitive Brücke geschaffen. Nun stellte sich aber heraus, daß die lieben netten Menschen der Agenturen gerade die Reitveranstalter empfahlen, die ihnen kurzfristig die höhere Provision bezahlten. Unsere Werbung und unsere Funkanlage hatte somit nur eine sehr unzuverlässige Bedeutung im Gesamtgefüge unserer Lebensstrategie. Zum Teil wurden wir sogar von den Agenturen verleugnet, „die Rancho de Caballos gibt’s nicht mehr, die sind ausgebucht, die sind Pleite gegangen“, usw. Es mußte einfach ein Telefon her, was aber noch für einen Tante Emma Laden erschwinglich ist, der oben in den Bergen im Urwald, 32 km entfernt, haust. Merkwürdigerweise kam uns dann die Fügung wieder zu Hilfe. Zufällig lernten wir einen deutschen Automechaniker kennen, der zufälligerweise auch elektronische Kenntnisse hatte, der zufälligerweise eine Frau hatte, dessen Bruder, der funkelektronischer Meister war, und zufälligerweise ein verbotenes Gerät in Deutschland entdeckte und es für uns kaufte, und es einem spanischen Freund in Frankfurt/ M übergab, der zufällig gerade nach Chile flog. Jetzt habe ich es aber maßlos übertrieben, jedoch ist es mir immer wieder wichtig, die Hintergründe des sogenannten Zufalls zu klären. Zufall ist eine Erscheinung, die in unser Raum- Zeitkontinuum tritt und mit ordnender Hand dort eingreift, wo sich ein Schicksal erfüllen will. Zufall kommt nicht aus dem Raum des Chaos, sondern der Ordnung! Besagtes Gerät wurde ausprobiert und siehe da, es funktionierte, wenn auch mit Wasserfallgeräuschen im Hintergrund, den wir ja wirklich in der Nähe hatten. Da sieht man einmal mehr, selbst Elektronik paßt sich den Gegebenheiten an, auch wenn man als ach so kluger Mensch, auch diesen gerne herausfiltern würde. Nun ging das Theater los, auf wessen Dach dürfen wir eine relativ große Funkantenne installieren, wo es Strom und ein Telefonkabel gab. Bei uns oben auf dem Berge hatten weder die Vögel, noch die Füchse, noch die Bäume etwas dagegen, denn sie verstanden schon die Welt der Frequenzen. Unsere lieben Artgenossen, dessen Unterstützung wir für die Basisstation im Ort brauchten, machten uns das Leben nicht so einfach, Freunde zeigten sich als freundschaftlich, solange man sich brav ihren Interessen unterwarf. Aber wehe, wenn man der Esthetik nicht entsprach. So mußte unsere Antenne öfters mal umziehen und der leidliche Telefonanschluß mit hohen Kosten jedesmal mit. Eine Antenne auf ein rutschiges Blechdach in 20 Meter Höhe zu montieren ist eine weitere Herausforderung an den Mut und die Trittsicherheit. Gerade heute liegt die Antenne nach einem Sturm danieder, der Mast wurde einfach kurzerhand vom Windgott gefällt. Da, wo der Mast stehen sollte, kassierte unser ach so lieber Mitmensch und Freund nach großzügigen Gesten der Freizügigkeit, uns schon monatliche Grundgebühren von 50 Mark im Monat für die Benutzung eines Quadratmeters Gartenbodens ab. Der Mensch ist ein phantastisch Tier, doch besser geht’s auch ohne ihr. Wissen Sie, ich glaube ja auch an die Wirkung heilender Hinwendung, wie es der Dalai Lama verkündet, aber Ärger sollte man auch wiederum nicht runterschlucken, denn das säuert den Magen und schafft einen Aspekt von Säuerlichkeit im Gesicht. Ist der Ärger erst draußen und man teilt ihn mit seinen Vertrauten, wie Sie es im Moment für mich sind, dann bleibt die Komik und die Lebensfreude. Allerdings sagt mir Christa immer, „wie kannst Du nur, mach Dich doch nicht zum Gespött der Leute!“ Worauf ich dann nur empfinde: „Ist der Ruf erst einmal ruiniert, so lebt man sich ganz ungeniert!“ Alte Sprichwörter tragen mehr Weisheit in sich, als ein Laotse, weil sie praktisch anwendbar sind. Und das ist gut so. Und so soll auch dieses Buch sein. Punkt......
Unsere Nachbarschaft ist im Grunde genommen auf drei Parteien beschränkt. Da gibt es die Familie Mendez, die Familie Anabalon und die Familien Revellard und Ulloa. Die örtlich gesehen Nächsten sind die Mendez. Segundo, der Chef der Familie, ist ein mittelgroßer drahtiger Typ mit schnarrender Stimme, nur leicht gewelltem Haar und einem Handdruck eines wabbligen Schwamms. Wenn er mit einem redet, sieht er meist zur Seite, aber er gibt seinen Reden eine gewisse Gewichtigkeit. Der Inhalt seiner Reden beschränkt sich auf die Jagd, dem Wiederholen der Ideen seines Gesprächspartners und seiner Wichtigkeit eines Fundo- Aufpassers. Ein Fundo ist hier ein großes Landgebiet in Privatbesitz. Viele Fundos werden wirtschaftlich zur Landwirtschaft, der Viehzucht oder der Forstwirtschaft genutzt. Segundos Wichtigkeit besteht darin, über keines der drei Fundo- Kategorien zu wachen, sondern hat ein Spezialgebiet unter sich. Er verwaltet, etwas, was überhaupt nicht mehr genutzt wird, sondern schon seit fast 2 Jahrzehnten brach liegt, vormals aber intensiv forstwirtschaftlich ausgebeutet wurde. Seine Frau, eine kleine, stark bebrillte Abstämmige der Maputschenindianer, zeigt rundlichen inneren Frieden und balanciert immer wieder die undiplomatischen Fehler ihres einfältigen Mannes aus. Drei Kinder nennen sie ihr eigen, die älteste Tochter, Marcella, hat mit ihren 18 Jahren die rundliche Erscheinungsform ihrer Mutter, ist still, zeigt eine gleichmütige freundliche Ausgeglichenheit und bekam kürzlich ein Kind, dessen Vater sich nach der Zeugung gleich aus dem Staub machte. Sie scheint in einer verträumten Art immer zufrieden und nichts kann sie wirklich aus der Fassung bringen. Diese Charaktereigenschaften waren denn auch so bestechlich für uns, daß wir sie im Sommer immer wieder als Küchen- und Putzhilfe beanspruchen. Sie macht ihre Arbeit gerne und nimmt sich ohne jede Hektik die Zeit, die ein Fenster z.B. eben braucht, um sauber werden zu wollen. Die kleine Schwester, Valeria, ist da ganz anders. Sie ist unruhig, fast hektisch, weiß viel zu erzählen, meist erfundene Gruselgeschichten vom bösen Puma, glaubt die Welt in allen Facetten zu kennen, malt sich gerne an und präsentierte jeden Tag in wilder Form ihre weibliche Schönheit. Sie hat wohl, wie ihr Vater, das rechte Maß der Selbsteinschätzung schon weit hinter sich gelassen. Aber dort, wo sie auftritt, kommt auch für unsere Kinder keine lange Weile auf. Armin, der mittlere Bruder und Stammhalter dieser an sich lustigen Familie, hält sich mehr vorsichtig bedeckt, schießt gerne mit der Steinschleuder Vögel vom Baum, geht Angeln, hat schon mit seinen 16 Jahren ein eigenes Kleinkalibergewehr und arbeitet gerne unter Anweisung seines nicht so fleißigen Vaters hin und wieder im Holzfällergewerbe. Bei ihm kommt schon der lasche Handdruck von seinem Vater voll zum Zuge und auch der zaghafte Blick von der Seite. Im großen und ganzen könnte man diese Familie also als ausgesprochen unproblematisch und in sich intakt empfinden, wenn nicht ... Ja wenn nicht da der lasche Handdruck die gesamte Familie lenken würde. Welche Hand will schon schlaff sein, dafür ist sie ja schließlich beim Menschen nicht gemacht. Wenn man nun aber über Generationen hinweg Arbeiter großer starker Patrone (Chefs) mit starken schlagenden Händen war, benötigt man ja nun für sich selbst den Handdruck nicht mehr und überläßt es eben dem starken Mann. Das ist kurz beschrieben die Eigenschaft des Landsklaven. Nur leider wirkt ja innen drin in einem solchen Menschen, trotz Anpassung an die Lebensumstände, der Wunsch nach Stärke. Wenn sie nicht direkt sichtbar werden darf, dann eben indirekt, hinten herum, hinterlistig – und das bekamen wir als Nachbarn recht oft dann um die Ohren geschlagen, wenn Segundo diese Möglichkeit witterte. Diese Möglichkeit gaben wir ihm leider auch unbewußt. Sehen Sie, wenn Sie ein Reitgelände von 600.000 m² ihr Eigen nennen, und das ist nicht viel, der Nachbar aber 8.000.000 m² verwalten darf und das ist wenigstens schon mal ein Anfang, dann verspüren Sie den Wunsch, Kompromisse einzugehen. Dies tat ich denn und durfte meine Gäste durch herrlichstes Naturgebiet hindurchführen. Der Patron des Geländes jedoch hat oft seine Launen wie das Wetter und ist eben so cholerisch, wie ein Tornado. Das macht den Segundo natürlich sehr viel Angst und so macht er auch immer brav seinen Knicks und Verbeugung, wenn der herrische Herr mit seinem 4x4 Pick Up neusten Baujahrs dahergedonnert kommt. Obwohl dies nur ein mal monatlich passiert, bei Lohnübergabe, bleibt Segundo in ständiger ängstlicher Unruhe. Sehen Sie, die Geldübergabe erfolgt da so in etwa: Das blitzblanke Auto des Patrons entgleitet einer hohen Staubwolke der hügligen Sandstraße, bremst scharf vor dem abgewrackten Hause, daß der hohe Herr seinem Arbeiter zugesteht, reist die Tür auf und geht mit langsamen verhaltenen Schritten, den Kopf leicht vorgebeugt, wie ein Adler, auf den zur Seite schauenden Segundo zu. Dieser hat inzwischen seine Pobacken zusammengefaltet, den Kopf zwischen den Schultern, sein Magen füllt sich mit Säure, Adrenalin schafft erhöhte Bereitschaft wegzulaufen, jedoch die Stimme seines Vaters, tief in ihm sagt, Du mußt Dich beugen und Deinen Mann stehen. Segundo bleibt also stehen, wenn auch nicht als Mann, so doch als Marionette und Vorstellung eines Mannes, wendet seine Augen von der ihm entgegengleitenden Königskobra. Doch wieder einmal verschont ihn diese gefährliche Schlange, wirft ihm einen Briefumschlag mit Papierscheinen entgegen und lächelt ihn mit sanfter zugewendeter Stimme an. Sehr ruhig ist diese Stimme, etwas ölig, irgendwie zu ruhig und sanft, weil die Körperhaltung der Kobra etwas vollkommen anderes andeutet. Um die Demütigung, die die Kobra offensichtlich von diesem Frosch präsentiert haben will und nicht zu augenscheinlich, erspart sich der Patron, den Hinterteil seines Arbeiters einzufordern, um ihm sein Glied einzuführen oder ihn mit seinen spitzen Schuhen zu bearbeiten. Nein. Er macht es geschickter. Er sieht zufällig eines unserer Pferde auf seinem teuren Grund und Boden, läßt seine Stimmbänder langsam in leicht ansteigender Frequenz höher schwingen, um dann mit voller Wucht den armen Wicht, Segundo Mendez, mit ganzem Volumen und gut berechneter Schärfe nieder zu peitschen. All seine Macht ist seine Stimme und die Wirkung seiner Körperhaltung und das Bewußtseins des Geldes seines Vaters. Der einfache, lustige Segundo, ist als Frosch vor dieser Königskobra des Don Marcello noch einmal lebend davongekommen. Was also machen, wenn der eigentlich ganz nette Nachbar, nämlich wir, eine Durchrittgenehmigung haben will? Kurzerhand verbieten, denn welcher Mann will sich schon immer wieder von hinten nehmen lassen, wenn der Händedruck schon versagt. Besagter Don Marcello, forderte denn auch von mir eine Konsultation in seinem Büro, um das ach so gewichtige Thema der Durchrittgenehmigung durch sein nicht genutztes Campo zu besprechen. Auch mir gegenüber verhielt es sich nach gleicher Schablone. Er zitierte mich mehrmals zu sich, einer Zeit, in der er gar nicht in seinem Büro anwesend war, sondern in seinem Anderen. Sein anderes Büro ist der edle große, lackglänzende, mit Funkgeräten und Handytelefon ausgestattete Pick Up. Dieses Büro ist denn auch wesentlich häufiger besetzt, da sich in mobiler Form die Befriedigung seiner anderen erniedrigenden wichtigen Tätigkeiten wesentlich unauffälliger durchführen lassen. Sie wissen ja Liebe und Orgasmen im Auto, haben schon etwas! Hatte ich diesen Herrn, dem mehrere Fundos für seine Befriedigungen zu Verfügung standen, jedoch endlich in seinem Festbüro in Villarrica erreicht, so redete er mit mir in seiner freundlichen öligen Stimme beruhigend zu und deutete an, das man vielleicht eine Einigung finden könnte. Seine Körperhaltung entsprach in keinster Weise seinen Worten und so behielt ich mein natürliches Mißtrauen gegenüber diesem merkwürdigen Zeitgenossen. Da der Mensch, ob gut oder böse, eine gewisse Fähigkeit der Auraschau besitzt, muß er wohl meine unbeugsame Art bemerkt haben. Doch wie es feige und pervertierte Persönlichkeiten so an sich haben, hatte er nicht den Mumm mein Begehren abzulehnen, stellte mir ein lächerliches Zertifikat aus, immer darauf bedacht, den Termin der Beendigung der Genehmigung hinzuzufügen. So sicherte er auf geschickte Weise, daß er, wenn nicht heute, so doch vielleicht das nächste mal, mein Hinterteil benutzen dürfte. Das macht wirklich ärgerlich, können Sie mir glauben. Eine Atmosphäre von Haß unter Männern kann man nicht klüger hervorzaubern und ist auch schwierig zu transzendieren, wenn Abhängigkeiten bestehen. Es ist, als kleiner Rat, sehr zu empfehlen, aus Bannkreisen mit solchen Wirkungsenergien schnellstens zu fliehen. Errettung dieser pervertierten Seelen, gibt es meist erst am Todestag, und so lange sollte man sich nicht unbedingt gedulden, es sei denn, man braucht das Leben eines Sklaven, um sich selbst aus einem anderen Elend zu befreien.
Auszug von Teil 2Hypnoseerfahrungen und die Welt des ScheinsWie ich Ihnen schon berichtete, interessierte mich als 14-jähriger nicht nur die Astronomie und das Universum in seiner Größe, sondern auch das Universum unseres Geistes. Mit einem Spiegelteleskop kann man den Himmel erforschen und das baute ich mir ja gerade mit Hilfe der Berliner Sternwarte selbst zusammen. Die Erforschung des Geistesuniversums stellt da eine wesentlich schwierigere Herausforderung dar. Es war nicht möglich, sich ein Instrument zu beschaffen, daß mir die Handhabe gab, in meinen Kopf und das meiner Mitmenschen hineinzuschauen. Heutzutage ist man da schon wesentlich weiter und probiert in der Hirnforschung mit Hilfe chirurgischer Eingriffe Funktionen aus und legt Örtlichkeiten fest, wo denn wohl welches Funktionszentrum liegen möge. Das hätte mich als Junge auch schon siedend heiß interessiert, nagt aber noch nicht einmal im Entferntesten an dem, was mich wirklich fesselte. Das was mich damals, sowie heute noch am meisten fasziniert, ist nicht die Funktion eines Organs und dessen Schaltkreise, sondern was macht das Wesen eines Menschen aus. Warum denkt und empfindet der eine Trauer über ein Bild und der Andere Fröhlichkeit, warum entsteht bei dem einen der Gedanke an Mord, während der Andere der Liebe zugeneigt ist? Was denkt da eigentlich?Ist es das Organ, das sich Gehirn nennt, oder ist das Gehirn nur eine weiter verarbeitende Empfangsstation von Botschaften, die aus einem scheinbaren Nichts kommen?Wenn Sie lieber Leser, mir beweisen können, daß Sie um Ihr Leben wissen, sich selbst gezeugt und empfangen haben, die in Ihnen steckenden DNS Informationen lesen können und sich jederzeit wieder neu reproduzieren und schöpfen können, dann nehme ich Ihr Märchen von dem steuernden Geiste aus einem Gehirn heraus gerne ab. Wenn Sie mir beweisen können, daß die Entstehung des Lebens aus einem Geistlosen, nach dämlichen Zufallsfaktoren funktionierenden Universum entstanden ist, was keiner intelligenten Ordnung unterliegt, dann will ich gerne beginnen, mein Leben nur noch ausufernd zu feiern. Ich hörte also fasziniert als Junge etwas über die Hypnose und dessen Möglichkeiten, an Informationen des Hypnotisierten zu gelangen, die auf normalen Wege verloren schienen. Ich hörte aber auch, daß das sogenannte Medium (der Hypnotisierte) zeitweise Informationen von sich gibt, welches es in diesem Leben gar nicht gespeichert haben konnte. Da war also eindeutig der Wurm in meinem Weltbild vertreten. Entweder läuft alles logisch nach linearen Zeitabläufen ab, die Entwicklung des Lebens entspricht darwinistischen Bahnen und das Universum ist ein Zufall, oder aber, all das, was ich gelehrt bekam, ist ein riesiger Betrug. Ich konnte mir also Lehrhefte über das Erlernen der Hypnose in einem no name Verlag bestellen, investierte all mein Taschengeld, das ich in einer alten Zigarrenkiste sammelte, und bekam postwendend die Ware. Zum Glück war meine Mutter nicht zu neugierig, denn ich mußte dieses Thema auf jeden Fall geheim halten. Ich sagte ihr etwas von einem Lehrgang in autogenem Training, damit ich besser Schularbeiten machen könnte. Aufgeregt packte ich das Päckchen aus und fand darin zehn einfach gebundene Hefte in Schreibblockgröße. Das Papier war nichts anderes, als fotokopierte Schreibmaschinenseiten. Aufmerksam studierte ich das darin Beschriebene und begann mit Pendelübungen. Danach sprach ich Suggestionsanweisungen in das Mikrofon meines Tonbandgerätes von Grundig, was ich zu meiner Konfirmation geschenkt bekam. Dann spielte ich es mir selber vor und stellte fest, es wirkt. Welch Freude erwachte in meinem Forscherdrang. Das mußte nun live mit Schulkameraden ausprobiert werden. Ich hatte da einen, meinen Spinner- und Busenfreund Axel. Wir gluckten oft zusammen, hatten bereits eine fanatische Phase neonazistischen Geistesguts hinter uns und suchten beide nach neuen Wegen der Entfaltung unserer Flügel. Mein Freund war fasziniert von der Idee, Reisen für mich, in unbekannte Räume zu unternehmen, seine Klassenarbeiten durch posthypnotische Konzentration im Zensurenniveau anheben zu können und vielleicht auch mutiger bei den Mädchen zu werden. Wir begannen also mit den ersten Suggestionsübungen und sie gelangen auf Anhieb. Ich studierte weiter meine Hefte und wendete danach umgehend das gelernte an meinem Freunde an. Es dauerte keine zwei Wochen und mein geliebter Kamerad fiel in Hypnose und erzählte mir, welche Kinder zu seinem 3ten Geburtstag zu Besuch kamen und welche Geschenke er ergatterte. Bei späteren Sitzungen schrieb er in der Kinderschrift eines Erstklässlers seinen Namen oder sagte ohne Probleme „vergessene“ Gedichte auf. Wir bauten in die Hypnose ein posthypnotisches Kodewort ein, so daß wir dann auf die Zeremonie des Hypnosevorgangs verzichten konnten. Wir probierten Einschlaf- und Aufwachformeln durch, die dann telefonisch anwendbar waren. Fernhypnose über das Telefon war dann keine Schwierigkeit mehr. Bei fortlaufenden Versuchen ging mein Freund immer tiefer in Trance, so daß wir auch mal die Probe machten, ob er denn eine Sprache sprechen würde, die in seinen Genen liege, die er also nie bewußt gelernt hatte. Und da fing dann das Gruseln für uns beide an. Er sprach eine Sprache, nur war diese Sprache für uns nicht identifizierbar. Wir machten Tonbandaufzeichnungen und wunderten uns in unserem Forscherdrang nur über das Unerklärliche. Ich habe diese Sprache noch im Ohr und muß Ihnen bekennen, daß sie mir trotz vieler Reisen nie begegnete. Sie war voller Zischlaute, aber nicht wie die, eines Harry Potter Märchens, sondern eher ins arabisch gehende. Deswegen lernte ich dann später ein wenig die arabische Schriftsprache und dessen Aussprache, während andere brav ihr Latein studierten. Mein Kamerad schrieb dann auch in der Sprache, die Symbole und Schnörkel aufwies, die mir auch nie wieder, auch nicht im indischen, begegneten. Wir überprüften Aussagen und Übersetzungen anhand der geschriebenen Texte auf einen Zufallsfaktor und vergaßen auch nicht die weitreichende Phantasie einer menschlichen Geisteswelt. Wir beschworen unter Hypnose Erlebnisse aus diesem Sprachbereich herauf, die mir die Gänsehaut über den Rücken laufen ließ. Mein Freund wurde zu einer Art Wesenheit, die festgebunden hinter technischen Konsolen sitzend die Weiten des Alls durchquerte und sterben wollte, doch der Technik wegen, ihm das Sterben versagt war. Sicher, alles Phantasie. Was nicht sein darf, kann auch nicht sein. Aber so denke ich eben nicht und grenze auch nicht aus, was offensichtlich wird. Da gab es ein Geheimnis, ob nun vom Gehirn meines Freundes verschlüsselt oder Informationsfetzen gesendet aus den unendlichen Weiten des Universums, verlor an Bedeutung. Dieser Mensch erlebte in seinen inneren Räumen etwas, was es eigentlich nicht geben darf. Wir hatten keinen Lehrer, der uns riet, uns zur Seite stand, uns unseres Forschergeistes lobte. Uns umgab die Ignoranz einer Gesellschaft, die nicht anerkennen wollte, was nicht mit den Händen ertastbar war, oder im Bereich ihrer Vorstellungswelten begreifbar war, geschweige denn kommerziell nutzbar. Die Versuche gerieten außer Kontrolle. Axel ließ sich nicht mehr so einfach erwecken, wurde immer mehr zu dieser merkwürdigen Wesenheit hinter kompliziertesten Konsolen, obwohl er nie Sience Fiction Lektüre laß. Es kam zu Situationen, in denen er unter Trance aufstand, zum Balkon unserer Wohnung im 2ten Stock ging und eben mal dort das Haus verlassen wollte. Als ich spürte, daß mir das Ganze total aus den Händen glitt, Kontrolle über meinen Freund nur noch schwerst möglich aufrecht zu erhalten war, brach ich die Experimente ab. Schließlich wollte ich nicht mit 15 zum Mörder werden. Wir sprachen dann lange Zeit nicht mehr über das Thema, denn die Bedrohung schwang im Raum. Meine Ängste, da etwas entdeckt zu haben, was weder mir, noch der Menschheit hätten dienlich sein können, veranlaßte mich dazu, alle Tonbandaufnahmen und schriftliche Beweise zu vernichten. Ich hielt einfach das Gewicht des Wissens auf meinen schmalen Schultern noch nicht aus. Auch heute bin ich noch froh, daß es keine Beweise mehr dafür gibt, wenn ich betrachte, wozu der Mensch sein Wissen benutzt. So phantastisch das Hypnotisieren auch war, ich hatte eine deutliche Warnung erhalten. Mit 27 nahm ich noch mal an einem Kurs in Hannover bei einem Heilpraktiker teil, wo dem Patienten in Trance Beruhigungssuggestionen eingeimpft wurden, die meinem Weltbild nur noch lachhaft vorkamen. Schließlich wußte ich in dieser Zeit schon, daß das Beruhigen ohne das Hinterfragen der Ursache der Unruhe, nichts weiter ist, als ein Pflaster auf eine bösartige Wunde zu kleben und sich schnellstmöglichst vom Erkennen abzuwenden. Dies ist denn auch generell mein Eindruck über die Anwendung der Hypnose bis heute geblieben. Man versucht den Trancezustand zu benutzen, um dem Patienten, der ja auch nicht die Ursachen seines Leidens erarbeiten will, neue Leitbilder überzustülpen. Da soll also etwas ein- Gebildet werden, Fremdbilder aus Vorstellungswelten eines Umfelds, werden dem Patienten aufoktroyiert, damit er angepaßt an eine eventuell falsche Außenwelt weiter brav funktioniert und brauchbares Mitglied eines falschen Überzeugungssystems bleibt. Also, meine Damen und Herren, Treue seiner Sippe gegenüber ist wirklich keine zu verachtende Eigenschaft, aber Treue gegenüber einem Denksystem, daß auf Verbrauch der Menschlichkeit und Liebe ausgerichtet ist, wie es eine Verbrauchergesellschaft hervorbringt, ist nur Dummheit. Ein System von Gemeinschaft gleichgestalteter Wesenheiten, sollte doch sich die Weiterentwicklung und dem Ausmerzen von Fehlern zum Ziel setzen und das, durch das Erkennen von Fehlern im System. Die Hypnosetherapie wiederspricht diesem Grundsatz in jeder Beziehung, kann nur kurzfristige Erfolge bringen, weil das Verstehen des Lebensgefüges Patient aufs gröbste mißachtet wird. Die Hypnose an sich ist wohl eine hervorragende Methode in unbekannte Räume vorzustoßen, so wie es unsere Ahnen in ihren Trance-Riten schon entdeckten. Die Entdeckung von unbewußtem Material ist ein unschätzbarer Wert, neue Ziele des Erlebens anzufixieren und das Leben im Gelebten zu meistern. Wer aber meint, sich nach dem Erkennen zurücklehnen zu können, so wie es viele junge Leute mit ihrer Marihuana und LSD Kuren praktizieren, hat sich wohl im Leben getäuscht. Der große Geist, wie es die Indianer benannten, verlangt das Erleben mit Freud und Leid, mit Arbeit und Aufopferung, aber bestimmt nicht mit dekadenter Faulheit im Drogenmief. Entschuldigung, lieber junger Leser, ich wollte Sie nur vor einer Illusion warnen. Ich machte dann zu meiner Therapeutenzeit auch noch ein paar wenige, aber interessante Entdeckungen mit der Hypnose. Erwähnt man, daß man das Hypnotisieren ein mal gelernt hat, werden die Leute immer aufmerksam, sie interpretieren da den Magier rein, den Wundermann oder andere archetypischen Gestalten aus der Ferne ihrer Ahnen, die vielleicht der Sehnsucht nach dem allwissenden Schamanen gleich kommen. Wenn der Hypnotiseur doch nur ein Schamane wäre, dann wäre ja alles gut, denn dann würden sich die Kräfte der Natur, der Wunsch nach Heilung für seine ihm anvertraute Sippe und die Liebe zu seinen Mitmenschen harmonisch verbinden. Aber eine Hypnoschau im Fernsehen mit einem Schaumoderator und künstlich verzogenen betroffenen Gesichtern, um Einschaltquoten zu erzielen, ist die Vergewaltigung eines Wissens, daß entzogen gehört. Hören Sie, ich hypnotisierte also mit ca. 26 meine Freundin nach ihrem neugierigen Wunsche hin und gab ihr einen posthypnotischen Befehl, ihren Hausschuh um genau 13.47 Uhr auf den Ofen zu legen. Es war die erste Sitzung dieser Art mit ihr, so daß die Hypnose nicht besonders tief ausfiel und sie teilweise bewußt meine Worte noch wahrnahm. Sie erwachte also aus ihrer Trance, lachte und sagte mir, daß sie diesen unsinnigen Befehl nicht ausführen werde. Ich antwortete ihr nur, daß ich damit einverstanden bin und wir ja mal abwarten könnten. Wir unterhielten uns über andere Dinge und vergaßen fast die vorangegangene Trance. Doch meine Freundin sah von Zeit zu Zeit auf ihre Armbanduhr und wurde deutlich ersichtlich unruhiger. Um 13.47 Uhr zog sie ihren Hausschuh aus, schimpfte vor sich hin, stellte ihren Hausschuh auf den Ofen und sagte mir, sie hätte keine Lust mehr diesen blöden Druck weiter in sich zu verspüren. Jetzt ginge es ihr besser. Einen ähnlichen Versuch machte ich mit einer anderen Bekannten, auf ihren Wunsch hin. Sie sollte ihren Wecker zu einer festgelegten Zeit auf den Ofen stellen. Die Trance war diesmal tiefer, so daß sie meine Stimme nicht mehr bewußt wahrnahm. Sie stellte also brav ihren Wecker auf den Ofen und tat so, als wäre nichts gewesen. Also fragte ich sie, warum sie denn den Wecker auf die Heizung stellte. Sie glauben gar nicht, was da alles kam. Es kam eine seriös präzise Erklärung, daß das Uhrenwerk innen vor ein paar Tagen feuchtgeworden wäre und nun eine gute Gelegenheit wäre, es zu trocknen. Dabei fiel ihr allerdings nicht auf, daß die Heizung kalt war. Auch bei anderen Gelegenheiten stellte ich immer wieder fest, daß der menschliche Geist sich blitzschnell Erklärungen für die unsinnigsten Handlungen ausdachte, rationale Erklärungen, die völlig plausibel erschienen und doch vollkommen an den Haaren herbei gezogen waren. Spätestens da wurde mir klar, wie Streit entsteht, wie Wünsche sich ausbreiten, wie Zwangshandlungen zur Durchführung kommen, wie Gedankengebäude entstehen, wie Gemeindestrukturen sich aufbauen. Immer waren es herrationalisierte Denksysteme, die aus einem Antriebszwang heraus sagen: „So ist das, so soll das sein oder es gilt nichts anderes, als dieses!“
Der Schicksalsfaktor– die Illusion der Selbstbestimmung
Oft genug habe ich jetzt das Wort Schicksal und Schicksalsfügung erwähnt. Das ganze Thema erscheint aus einer anderen Welt zu stammen, die mit Logik und Verstand, mit Individualismus und wissenschaftlicher Begreifbarkeit nichts mehr zu tun hat. In unserem Leben als Menschen gehen wir immer von der Steuerbarkeit und der Kontrolle unserer Lebensmöglichkeiten aus. Wir meinen, wir wären verantwortlich für unser Tun und Handeln. Das brauchen wir auch so, weil wir ohne diese Vorstellung uns in unserer Freiheit und unseren Aktionen bedroht fühlten. Unsere persönliche Wahrheit gaukelt uns ein Bild von allgemeiner Wahrheit vor. Wir unterscheiden zwischen objektiv und subjektiv, also Begriffen von egoorientiertem Bewußtsein und kollektivem Bewußtsein. Wir erleben uns als Einzelwesen, aber auch als Gruppenwesen, Staat und Menschen. Wir erleben uns aber nicht als Einzelmensch, Sippe, Staat, Homo sapiens, Säugetier, Luftatmer, Erdbewohner, organisches Leben, anorganisches Leben, Sonnensystembewohner, Milchstraßenbewohner oder Existenz zwischen Raum und Zeit. Alles dreht sich immer um die Erhaltung unseres persönlichen physischen und psychischen Überlebens als Einzelindividuums, Peter Schmidt oder John Lennon....usw. Ein größeres System braucht jedoch die Vielheit, wobei die nächst kleinere Einheit Aufgaben übernimmt, die der größeren Ordnung zu gute kommt. Dazu werden Aufgaben zugeordnet, und zwar nicht von uns, sondern vom höheren System. Das höhere System verfügt somit auch über eine höhere Intelligenz. In unserem Falle als Menschen, könnten wir von einem Gott der Menschen reden, der die menschliche Ordnung letztendlich festlegt und bewahrt. Bei anderen Arten, wie zum Beispiel den Katzen legt der Gott der Katzen die Ordnung vor. Bei den Gräsern legt die Ordnung das übergeordnete System der Gräser, also der Gott der Gräser das Leben fest. Im längst vergangenen Schamanismus war es vollkommen klar, daß alles Existierende einen lenkenden Geist hatte, der sich nach außen sichtbar und nicht sichtbar zeigte. War man von Pflanzen oder Tieren, dem Wetter oder dem Boden abhängig, wurden Rituale und Handlungen begangen, um diese Götter gut gegen die Sippe zu stimmen. Die einzelnen Kräfte, von denen man abhing, mußten in einem Gleichgewicht zueinander stimmen, um die eigene Art, das eigene System zu erhalten. Also mußten alle Götter gut miteinander auskommen. Das ging nur über die Beobachtung in sinnlicher aber auch sensitiver Art. Oft sagten Intuitionen mehr, als die Augen, Ohren oder der Geruch. Intuitionen waren die Kommunikationslinien zu anderen artfremden Lebenssystemen und Göttern. Eine sprachliche Verständigung zu einem Gott der Wölfe wäre über die Stimme eine Lächerlichkeit, während ein Austausch über die Ahnung, das Spüren und der Traumwelten durchaus akzeptabel war. Im System einer Art müssen alle Kräfte vertreten sein, die den Bestand sichern. Das wissen wir schon vom Herrn Darwin und allen anderen Biologen und Verhaltensforschern. Nur wie dieses System im Kollektiv tatsächlich funktioniert, weiß wohl nur eine kleine Anzahl von Menschen, die dem Kollektiv zuarbeiten. Menschen, die sich selber und der Erhöhung ihres Egos zuarbeiten, können dies nicht erfassen, weil das Ego selbst als Filter gegen die Erkenntnis angeht. Wer das Ego stärkt, schwächt sein Kollektivbewußtsein. Wer sein Kollektivbewußtsein stärkt, schwächt seine Eigeninteressen bis hin zur Selbstaufgabe. Aus diesem Grunde durchlitten und durchleiden alle „Schamanen“ fast tödliche Krankheiten und Krisen. Ohne dem eigenen Tod nahe zu sein, ist das Sehen der anderen Wirklichkeit unmöglich. Auch sind deswegen kommerzielle Interessen ganz ausgeschlossen, weil sie der Erhöhung des Egos dienen. Der Schicksalsfaktor ist die Festlegung einer Wesenheit in einen Aufgabenbereich, die es in seinem Lebenszyklus zu übernehmen hat. Mit dem Schicksalsfaktor wird die Berufung festgelegt, sowie die dazugehörigen Charaktermerkmale, die es ermöglichen, die Berufung überhaupt auszuführen. Ablesbar sind diese Eigenschaften über die Zeitqualität seiner Geburt, die in einem Horoskop erlesbar werden, wenn sie denn richtig gelesen werden. Wirklich sinnvoll ist ein Horoskop nur, wenn man es zu entschlüsseln weiß, und das bedarf der Kenntnis vieler Generationen und bestimmt keiner 4-Seitigen Abhandlung mit Hilfe eines Computers. Ein guter Astrologe kommt dem immer nur nahe, kann sich jedoch noch stark bei der Auslegung irren. Der Schicksalsfaktor kann jedoch auch durch übernommene Vorstellungsbilder so stark verzerrt werden, daß er für eine Persönlichkeit nicht mehr sichtbar wird. In diesem Falle hilft das Schicksal mit einem vielfältigen Instrumentarium seinem Anvertrautem, Erkenntnisse herüber zu senden. Das Schicksal wirkt in diesem Falle mit Hilfe eines „höheren Selbst“, welches in jeder Person jederzeit wirkt und fügt. Es ist kein Zufall, wenn wir über einen Stein stolpern und uns den Arm brechen. Es ist auch kein Zufall, daß es der Arm war und nicht das Bein, wenn dieses Instrumentarium am wirken ist. Der Unfall an sich und die Schädigung im Speziellen, können Auskunft darüber geben, wie und wo man seinen Lebensweg und Aufgaben verlassen hat. Sucht man jedoch nur bei den verrotteten Bremsleitungen seines Autos, oder einen Schuldigen im Unfallgegner, hat man einmal mehr nicht hingehört. Die Begegnungen mit bestimmten Personen, Büchern oder Werkzeugen weisen auf unseren Weg hin. Die Erscheinungen von diesen Personen und Dingen sind wie eine Art Kulisse im Hauptprogramm unseres persönlichen Lebens. Sowie auch wir selbst zu Erscheinungen und Schicksalserfüllungsgehilfen der Anderen auf ihrer Bühne werden. Es findet also ein ständiges Wechselspiel von Erscheinungen statt, die zeitlich nur vorübergehend aufleuchten, um uns in unserem Wege zu begleiten. Immer schon waren wir von Geburt an geprägt mit einer Aufgabe und den dazu gehörigen Qualitäten. Sie können das deutlich in allen Ihren Freundschaften und Bekanntschaften erkennen. Wenn Sie meinen, die Ursache und Wirkung käme durch die Prägung einer zufällig entstandenen Umwelt, also ein Kind hat mit schlechten Eltern Pech gehabt, verweigern Sie sich selbst, die Ordnung zu erkennen, die überall zu sehen ist. Erkennen Sie jedoch die sichtbare Realität an, erkennen Sie langsam die dahinterstehende nicht sichtbare Ausdruckskraft eines übergeordneten Systems. Haben Sie cholerische Freunde, werden Sie diese wohl zeitweilig verfluchen, also brauchen Sie offensichtlich in ihrer Lebenskulisse diese Bekannten, um sich aufregen zu können, während Ihre Bekannten offensichtlich ein Opfer benötigt, daß Sie nieder machen kann. Ob es in diesem Beispiel Ihre Schicksalsaufgabe ist, stets das Opfer zu spielen oder diese Rolle vorübergehend brauchen, um zu Ihrem eigentlichen Ziel zu kommen, wird Ihnen das Leben selbst lehren. Deswegen dienen da auch keine Blicke in die Zukunft. Was Sie leben und durchleiden müssen, ist Teil Ihrer Aufgabe oder Berufung. Den Beruf, den Sie ausführen, kann eventuell etwas mit Ihrer Berufung zu tun haben, vielleicht aber auch gar nicht. Je vielfältiger nun eine Gesellschaft konzipiert ist, desto eher haben Sie eine Chance Ihre Berufung zu leben, Ihren persönlichen Schicksalsfaktor zu erkennen. Wenn jedoch eine Gesellschaft ein Lebenssystem innehat, daß auf das Gleichmachen eines jeden Individuums per Dekret verordnet, wird es verdammt schwer, zu erkennen, welche Aufgabe man denn eigentlich hat, ja sogar, wer man eigentlich ist. Da sehe ich gerade in der westlichen sozialkapitalistischen Gesellschaft das Ausufern des Psycho- und Esoterikmarktes als ein deutliches Zeichen, daß die Suche nach sich selbst nach wie vor seine Bedeutung nicht verloren hat. Ganz extrem zeigt das die Methode der Visionssuche mit alten, neuen Riten, die gesellschaftlich zwar offiziell verpönt sind, sich aber einer winzigen Gruppe als eine Möglichkeit zur Findung der eigentlichen Berufung eröffnet. Würde es das persönliche Schicksal und „die Berufung“ nicht geben, würden all diese Selbstfindungsmaßnahmen Wahnsinn sein. Würde es keine übergeordnete Ordnung aus einem klügeren Geist, wie dem Unseren als Einzelindividuum, nicht geben, so würden alle nach ihrem inneren Gefühl lebenden Menschen Verrückte sein. Würde es nur das geben, was uns die Wissenschaft heute als bewiesen zugesteht, wäre jedes weiterleben, erleben und forschen sinnlos. Betrachten wir alle Krankheiten und Unfälle und Erfolge als das Produkt von Glück und Pech aus einer Welt des Chaos, oder fixieren wir eine wissenschaftlich anerkannte Ordnung an, würden wir zu dekadenten Idioten reduziert werden. Der Schicksalsfaktor ist kein Instrument „des Himmels“, um uns in festgelegten Einbahnstraßen zu versklaven, sondern ein Weg, eine dialektische Ordnung aufrecht zu erhalten mit den vielfältigsten Erfahrungsbildern, die nur möglich sind. Ein Gott kann dabei nur die Rolle einer alles liebenden Wesenheit spielen, die den Ausdruck von gut und böse nicht gelten läßt. Wenn Sie beginnen, all Ihre entscheidenden Erfahrungen in Ihrem Leben mit Partnern, Berufen, der Familie und größeren Gemeinschaften durchzugehen, werden Sie Rhythmen erkennen, eine Komposition aus einer Grundmelodie mit vielen Variationen, oder einem Bild, mit einer Grundfarbe oder einem Grundmotiv mit vielen Begleitfarben, oder einem Roman mit einem Grundthema, aber vielen Nebengeschichten. Bei mir war das Grundthema, das Heilen leidvoller Lebenssysteme, die ausgelassene Fröhlichkeit nicht zulassen. Merkwürdigerweise mußte ich mich mein halbes Leben mit dem Thema Leid, Schuld, Trauer und Ernsthaftigkeit beschäftigen. Ich mußte immer wieder Leid und Schuld auf meine Schultern nehmen, und wenn es doch einmal zu fröhlich wurde, sorgte ich selbst dafür, jemanden vors Schienenbein zu treten, auf das ich Schuld auf mich laden konnte. So sehe ich auch inzwischen das Drama meines Ursprungvolkes und dessen Schuld im Holocaust. Da gab es in der Welt im Jahre 1936 ein Volk, was es auf sich genommen hat, der Welt störende Minderheiten aufs grausamste umzubringen. Das germanische Volk fühlte sich dazu imstande Millionen von Artgenossen ihrer körperlichen Existenz zu berauben und damit ein Prinzip der Vereinheitlichung durchzusetzen, mit dem Opfer, Schuld von Menschenleben auf sich zu nehmen. Heute sehen wir das von den barbarischen Germanen entwickelte Prinzip überall in der Welt in Uniformiertheiten, von den Chinesen angefangen bis hin zur Konzentration wirtschaftlicher Macht. Wenn Sie mich nach einer realen Schuld meines Volkes im Holocaust fragen würden, würde ich Ihnen sagen, daß dies eine dumme Illusion sei. Die Deutschen wurden nicht schuldiger als die Juden, und die Talibans in Afganistan nicht schuldiger, als die Amerikaner. Das was die Deutschen an Schuld in Form einer Schicksalsgemeinschaft auf sich genommen haben, nehmen heute die Israelis mit den Palästinensern auf sich. Der Kreislauf des Leids ist merkwürdigerweise ein Teil des Schicksalsfaktors, um Erlebniswelten zu schaffen, Bilder und Abenteuerkulissen, die für das Gesamtgefüge gebraucht werden. Insofern sind Persönlichkeiten wie ein Herr Georg Bush, ein Mussolini, ein Hitler, ein Napoleon, Richard Nixon, Pinochet usw. Erscheinungen des Bösen, weil sie Schuld auf sich laden. Aber wollen Sie etwa in ihre undankbare Rolle für das Gefüge schlüpfen? Wollen Sie Leid austeilen und Wahnsinn sähen? Ich bin, ehrlich gesagt, froh, daß ich Butterblumen zählen darf, Vögeln lauschen kann und aus einem Gebirgsbach Wasser trinke, auch wenn ich genau das gleiche Horoskop eines Adolf Hitlers habe. Lachen Sie nicht, es ist wirklich so! Deswegen habe ich auch dem Adolf vor kurzem verziehen. Sehen Sie, ein Schicksalsgefüge steht in einer Zeit, es bedarf zu bestimmten Zeiten bestimmte Persönlichkeiten. Wäre ich vor 120 Jahren in Braunau geboren, wäre ich wohl Hitler geworden, weil ich auch in mir fanatische Züge oft entdeckte, aber heute braucht es keine Hitlerpersönlichkeit als Bereiniger und Schuldträger, auch keinen Jesus Christus, sondern einen Billy Gates von Microsoft. Der ist der Schuldträger der heutigen Zeit und andere Superreiche, die die Menschenwelt mit Ihrer Geisteswelt versklaven, sie tragen das Kreuz und die Dornenkrone, auch wenn wir meinten, sie hätten die Macht. Sie haben so viel Macht, wie wir ihnen geben, und wir geben ihnen so viel, wie es unser heutiges kollektives Bewußtsein verlangt. Wenn alle lieber auf Papier schrieben und keiner Lust hätte auf riesige Konzerne, der Gott des Geldes nur eine Lächerlichkeit wäre und Konsum von uns als falsch eingestuft worden wäre, gäbe es keinen Billy Gates mit 90.000.000.000 US$ Gewinnen jährlich, die der Menschheit an Zeit und Energie entzogen wird. Aber wie gesagt, der Billy trägt auch das Kreuz und die Dornenkrone, denn Sie glauben doch nicht im Ernst, daß der wüßte oder ahnte, was Liebe ist. Der Schicksalsfaktor ist zeitlich gesehen variabel und fügt sich ein in die ständig wandelnden Umständen der Welt. Nur bestimmen wir diesen Faktor nicht nach unserem Gutdünken als Einzelwesen. Dennoch haben wir Anteil an einer Entwicklung, die man ethische Werte nennen könnte. Dazu bedarf es der Helden, die sich selber opfern, um erkannten neuen Idealen für das Kollektiv zu dienen. Diese Helden sind sicherlich keine Politiker, die sich nur selber und ihrer Selbsterhöhung dienen, sondern Persönlichkeiten, die einer neuen Idee oder einem Ideal gehorchen. Diese Helden horchen und gehorchen und werden zu Werkzeugen einer „höheren Intelligenz“, die mit einer Profilierung nichts gemein hat. Mahatma Gandhi war wohl ein typischer Held in einem kleinen schmächtigen Körper, aber einer geistigen Kraft, die auch den kanonenbestückten Engländern unheimlich wurde. Dessen Schicksalsfaktor hat in ihm die Voraussetzungen geschaffen, das zu leisten, was er leistete. Auch ein Tom Hawkins in seinem verdrehten Körper ist als Physiker der heutigen Zeit ein Held und braucht ganz offensichtlich seinen Rollstuhl und seine Verkrüppelung, um genau die Gedanken entwickeln zu können, die der Welt einen Gedankenvorschub leistet. Ein Albert Einstein, war ja auch nicht gerade ein Herkules, doch schaffte er es als Mathematiker einer „Verkopften“ Welt eine Relativität aufzuzeigen, die den Unsinn der höheren Mathematik offensichtlich werden ließ. Aber es ist immer nur das Gesamtsystem vieler Menschen, sozusagen der Menschengott, der entscheidet, wer den Nobel Preis bekommt und wer aus dem Netzt fällt. Das Einzelindividuum lebt sich in seinen persönlichen Grenzen, aber das Kollektiv entscheidet in Rhythmen, welche Melodie gehört werden will. Der Rhythmus entscheidet über die Rolle des Einzelnen in der Zeit, aber der übergeordnete Geist entscheidet über den Schicksalsfaktor eines Individuums vor der Erscheinung in der Welt, sprich, vor der Geburt. Es gibt Menschen, die jammern ihr ganzes Leben über ihre Armmut, ihre Verantwortung, ihre Schwäche, ihre Stärke, ihre Sensibilität oder ihre Härte. Warum nur? Weil ihre Außenwelt ihnen keinen klaren Platz für ihre Fähigkeit zuweist. Ich nenne Ihnen wieder ein Beispiel aus meinem eigenen Lebens-Labor, nämlich mein Selbst in der heutigen Zeit. Man erkannte, als ich ein 4-jähriger war, daß ich unter Astegmatismus „litt“, was heißen sollte, ich wurde mit einer Hornhautverkrümmung beider Augen geboren. Ich sah also meine Außenwelt nicht so, wie sie andere sahen, sondern verschwommen. Man meinte es mit mir gut, im Rahmen einer ständig normisierenden Gesellschaft, und wollte mich dem Blick der anderen anpassen. Ich bekam eine Brille für meine „Fehlsichtigkeit“ mit 4 Jahren. Für mich selber war das sehen kein Problem, denn ich fand mich vorher gut zurecht, außer, daß ich schon immer auf andere wie ein zerstreuter Professor wirkte. Mit der Brille sah ich urplötzlich gestochen scharf, so wie es wohl die Mehrheit Meinesgleichen auch tat. Das war zwar lieb gemeint im Rahmen der Solidarität und der sozialen Anpassung an die Lebensumstände, aber ob mich ein Lebensgefühl mit meiner „Fehlsichtigkeit“ verband, interessierte Niemanden. Ist der Blick leicht verschwommen, ist es eine „Realitätsflucht“ oder ein Tagträumen, sagt man. Bei meinen Augen wurde der Punkt zum Strich und der Strich zum Punkt. Erst 42 Jahre später ging mir dann ein Licht auf, daß dieser „falsche“ Blick ein Teil meiner persönlichen Wirklichkeit war. Ich hatte also mit der Brille meine persönliche Wirklichkeit durch die Wirklichkeit meiner Umwelt, bzw. den Vorstellungsbildern meiner Mitmenschen vertauscht. Mein Blick drückte nämlich genau diesen merkwürdigen an mir speziellen Teil meiner Weltempfindung aus, Dinge und Außenwelt nicht scharf zu fixieren, sondern sie eher verschwommen als Ganzes zu erfassen, aber andererseits im realen Außen für Andere verschwommen wahrgenommene Erscheinungen deutlicher zu sehen. Der Punkt wird zum Strich, die real materielle Welt wird makrokosmisch, der Strich wird zum Punkt, die dahinter liegende nicht sichtbare Welt wird scharf. In der Sippe eines Naturvolkes, wäre ich nicht zum Jäger ernannt worden, aber vielleicht zum Strategen oder Medizinmann. In meiner Gesellschaft in Berlin wurde ich eingezwängt in ein Leben in der Norm. Da mußte ich erst Drogen nehmen, um wieder meine eigentliche Wirklichkeit sehen zu dürfen, und das illegal und verfolgt, wider dem Recht des Staates. Ich nehme nicht an, daß ich der einzige bin, dem man um seine Wirklichkeit geprellt hat, sondern einer von vielen Millionen. Für einen Menschen in einer ländlichen Kultur, die nicht zentralisiert und monopolisiert ist, gibt es bei weitem mehr Möglichkeiten, sein inneres Wesen zu entdecken und sein persönliches Schicksal zu leben. Zivilisationskrankheiten machen als Schicksalsschläge dort kaum noch einen Sinn, während Hungersnöte schon eher den Menschen in seine Grenzen weisen. Ich will jetzt nicht Verkünder des Primitiven werden, sondern nur auf das für und wider einer normisierten Massengesellschaft mit der Grundphilosophie des Wirtschaftswachstums und des Verbrauchs hinweisen. Es werden eben nicht nur Industrieprodukte verbraucht, sondern Seelenpotentiale, sowie Schicksalswege zum Zwecke der Ver-stellung und Ordnung an eine Überzeugung, die mit der Zeugung rein gar nichts mehr zu tun hat. Das auf Dauer der Schuß nach hinten losgeht sieht man an schizophrenen Entscheidungen und Handlungen hochgestellter Politiker, die als Volksvertreter erbarmungslos versagen, nur um sich über den Verbrauch anderer zu profilieren.
Sie sehen es auch bei der geistigen Verarbeitung der kürzlich stattgefundenen Flächenstromausfälle (14.08.03 USA/Kanada, 28.08. England, 23.09. Dänemark/Schweden, 28.09. Italien). Die etablierte Schicht läßt nur die Fixierung auf technische Fehler zu und versucht krampfhaft nach Verbesserungen im Netz zu suchen, läßt aber alle anderen Überlegungen außen vor. Glauben Sie denn im Ernst, daß es wieder einmal der Zufall aus einem Chaos heraus war, ob nun ein umgefallener Baum auf die Starkstromleitung oder ein Fehler in der Schaltzentrale, schuldig war? Aber warum fragt keiner, weshalb denn nun innerhalb eines Monats gerade dieser Baum, gerade dieser Schaltkasten und gerade dieser Computer ausfallen mußte? Warum hat der Mensch nur so eine schreckliche Angst vor der Fügung, daß er weiter blind durch die Gegend rennen muß? Wenn Sie seit klein auf daran gewöhnt sind, sich selbst zu verleugnen, Ihre Empfindungen beiseite zu schieben, selbst Schicksalsschläge als Pech zu identifizieren, verschiebt sich die Wahrnehmung von Ursache und Wirkung zu einer skurrilen Komik, zu einer Intelligenz, die an bodenlose Dummheit erinnert. Kleine Grüppchen von Esoterikern und Spirituellen führen eine Gradwanderung, weil aus lauter Verstellungen keiner mehr recht weiß, ob man mal wieder einer Fremdvorstellung zum Opfer gefallen ist oder diesmal der Weg stimmt. Das Analysieren tatsächlicher gesellschaftlicher Fehlentwicklungen und das Finden angemessener lebensfreundlicher Wege kann man weder mit einem wissenschaftlich technischen Verstand, noch mit einem Abklatsch von australischem Traumfänger, vorgestellter Heilung durch Handauflegen oder anthroposophischer Verheiligung. Man kann es aber mit dem Schauen, mit dem Hinsehen, was ist, mit dem Erspüren woher wir kamen und wohin wir gehen. Jedes Terroristengesetzt, was die persönliche Freiheit weiter einschränkt, beschränkt auch das Leben und die persönliche Wirklichkeit eines jeden einzelnen. Das ist dann der wahre Terrorismus, staatsverordnet, gesetzlich geschützt und polizeilich verfolgt. Eine kleine Gruppe von Terroristen ist schlimm genug, sollte hinterfragt werden, was sie in die Welt bringen wollen und dann muß ein Ausgleich geschaffen werden. So, wie es jetzt läuft, würde ich fast annehmen, daß die sogenannten Terroristen ein Mittel zum Zweck für das etablierte Establishment ist, um das Sklavenvolk noch mehr zu beugen. Ist es nicht so, wie mit ungezogenen Kindern? Man versucht meist, sie zu unterjochen durch einen Anpassungsprozeß, der erdacht wurde, während die Kinder eigentlich Aufmerksamkeit und Liebe einfordern, die gefühlt werden sollten. Nur kann der Einzelne nicht mehr sich selbst fühlen, kann sich auch ein Staatsdiener nicht mehr fühlen und so fühlt auch das ganze System nichts mehr. Es denkt nur noch. Und es denkt in Vorstellungsbildern und Überzeugungen, die mit einer Wirklichkeit konträr laufen. Der Schicksalsfaktor ist die einzige Kontrollinstanz, die uns zeigt, ob wir als einzelner oder als Gesellschaft richtig liegen oder nicht. Strecken wir unsere „Antennen“ aus und lassen uns durchdringen von den Signalen und Botschaften des Weltgeschehens, des Nachbarschaftsgeschehen oder des eigenen Gesundheitsgeschehen, können wir nichts mehr falsch machen; auch dann nicht, wenn wir unkonkret sagen: „Ich fühle, ich ahne, daß es gut wird oder das wir einen Riesenfehler begehen.“ Ahnungen sind oft präziser, als intellektuelle Überlegungen. Ich beziehe mich dabei nicht auf die Anfertigung komplexer technischer Anlagen! Aber ich schließe die Welt der Ahnungen durchaus in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien mit ein. Freies assoziieren ist die intelligenteste und kreativste Form des Sehens. Je mehr Beschränkungen auferlegt werden, desto weniger wird gesehen und im Dunkeln getappt.
Konfusion und Leid der jungen MenschenOft habe ich mich in den letzten zwei Monaten gefragt, was ich denn damit erreichen will, bis zu 14 Stunden vor einer Mattscheibe und einer Tastatur eines Computers zu glucken, wo doch draußen die Blätter sich im Wind wiegen, die Vögel zwitschern, die Halme der Wiesen wachsen, meine Pferde auf einen Ausritt warten. Es war zum einen, mit einem wichtigen Teil meines Lebens einen friedlichen Abschluß zu finden und ihn zu ordnen und zum anderen die Verzweifelung, das Leid und die Ohnmacht vieler junger Menschen im Sklaventum der Industrie. Wir arbeiten hier im chilenischen Sommer seit langem mit jungen deutschen Assistenten auf der Basis von freier Kost und Unterkunft. Dafür annoncieren wir in einem kleinen Bioblatt, daß monatlich in Naturkostenläden ausliegt. Früher annoncierten wir in Reiterzeitschriften. Der Unterschied wurde deutlich in den Interessengruppen. Die einen wollten nur Reiten und Spaß mit den Pferden, aber keine innere Entwicklung oder Konfrontation mit dem eigenen Ich. Die anderen wollten meist eine „Auszeit“ aus der Hektik und etwas meditative Entspannung im Urwald mit der Erfahrungssammlung eines Pionierlebens. Eine Anzeige von ca. 12 Wörtern brachte eine Anfragenlawine von 80 bis 100 Menschenseelen hervor. Wir konnten aber nur 2 bis 4 Helfer durchfüttern, obwohl wir Arbeit für eine Hundertschaft gehabt hätten. Viele dieser Anfragen kamen von Menschen auf der Suche nach „der Insel“, nach einer Alternative oder nach neuen Herausforderungen, die Ihnen ihre Heimat nicht bieten wollte. Manche Briefe waren so ehrlich und ergreifend, daß es mich schmerzte, absagen zu müssen. Ich baute sogar noch den Trick ein, daß ich unsere Ranch als spirituellen Kraftort darstellte, um die Anfragenden zu verschrecken. Das half etwas, lockte jedoch dafür durchgetickte Möchtegernschamanen und Menschen auf Esoteriktrip an. Wir wollten jedoch ganz normale vorurteilslose junge Menschen bei uns haben, denen wir etwas von unseren Erfahrungen vermitteln können, die uns helfen, die praktische Arbeit zu bewältigen und selber neue Energie und Lebensfreude tanken können. Mit diesem Buch möchte ich vielen jungen Menschen einer Industriewelt Hoffnung machen, Ihren persönlichen Weg zu finden und auch zu gehen, ohne sich zu unterjochen und das Rückrad ihrer Seele brechen zu lassen. Das ist mein Fanatismus. Ich bin fanatisch in meiner Hoffnung, daß es auch in der sogenannte Zivilisation noch Liebe, Wärme und Verständnis gibt, die die Menschen verbindet und die Verbindung fühlbar wird über eine durchdringende Kommunikation auch zu dem kosmischen „All-Einen“ und unserer Schöpfung. Ich empfinde tiefe Trauer, wenn ich die Entwicklung zu immer mehr Konsum und Verbrauch von Seelenqualitäten beobachte. Der letzte Schock war die Begegnung mit meinem Sohn Michael, der sein Leben mit 18 erst begonnen hat und schon verlor. Denke ich an die vielen Drogensüchtigen, besonders des Alkohols und dabei schließe ich die Psychiater, Flugkapitäne und Manager ein, spüre ich wieder das Leid dieser Welt auf meinen schmalen Schultern lasten. Auch wenn ich ahne, daß dieses Buch wohl kaum von einem Verlag angenommen wird und ich mir meiner schriftstellerischen Unfähigkeit bewußt bin, will ich es nicht unversucht lassen, wenigstens mir selber Hoffnung gemacht zu haben. Um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, werde ich jetzt einen Briefwechsel mit einer fast erwachsenen jungen Frau zwecks Bewerbung bei uns beifügen: ....................
Sehr
glücklich war ich wohl nicht. Man kann sich auch mal bei der Geburt im Revier irren.?
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