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Pioniere unter den Vulkanen
 
Rancho de Caballos
Casilla 142
Pucon - Palguín Alto
CHILE
Tel: 0056 45 441575
Handy:
rancho1@terra.cl
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

      Gästebuch

      unsere Pionierzeit
      SOS-Schneechaos

 

Dies ist ein Bericht von uns aus dem Jahre 1993 veröffentlicht in der Zeitung "Urlaub im Sattel".

Pioniere unter den Vulkanen

Wenn man tagein, tagaus mit grober Handarbeit konfrontiert wird, ist es schon etwas schwierig, sich die Zeit zu nehmen, um sich mal hinzusetzen und über das Resümee des Aufbaus einer Pferderanch nachzudenken. Und gerade dann, wenn man sich noch neben Alltäglichkeiten mit den Problemen eines "Schwellenlandes" wie Chile auseinandersetzen muss. Die Schönheit des Landes mit seinen gewaltigen Vulkanen, glasklaren Flüssen, großen Seen und immensen Wäldern lässt immer wieder die Probleme der Einsamkeit  des langen regen- und schneereichen Winters und mancher Provisorien vergessen.

Als wir, Wolfgang (40) und Christa (37)  vor 7 Jahren uns zum Auswandern nach Chile entschlossen, taten wir dies mit dem Bewusstsein, einmal etwas ganz anderes machen zu wollen, als z.B. Psychologe oder Krankengymnastin in einer Praxis bis zum Rest seines Lebens den Problemen seiner Klienten zu dienen. So fiel uns die Entscheidung auch nicht zu schwer, uns einen Platz in diesem schönen und freundlichen Land Chile, welches wir auf einer unserer Informationsreisen vorher kennen lernten, zu suchen. Da saßen wir dann in unserem Flugzeug mit je einem großen Rucksack und einer Reisetasche ausgestattet, ohne zu wissen, wo wir letztendlich "landen" werden. Das Gefühl, ganz in der Luft zu hängen, hatte schon etwas beängstigendes aber auch Freiheitliches an sich. Nichts konnte uns mehr aufhalten. Es gab nur noch ein Voran und kein Zurück mehr. Es war irgend­wie das Gefühl des Neugeboren werden, ohne die Klarheit und Sicherheit, wohin es uns führen wird, aber mit der Gewissheit, stark genug für das Kommende zu sein.

In Santiago, der recht europäisch anmutenden Hauptstadt, erwartete uns im Januar dann 30°C trockene Hitze, nachdem wir Deutschland mit 15° minus verlassen hatten. Da aber das Land eher trockenes als feuchttropisches Klima hat, gewöhnten wir uns schnell daran, so dass der Winter-Sommer-Wechsel auch sehr angenehm war.

 So machten wir uns dann mit frischem Elan an die Reise in das 700 km entfernte und südlich gelegene Seengebiet, in einem der vielen hier verkehrenden, ausgesprochen luxuriösen, Nachtbusse. Wie üblich in solchen Fällen, hatten auch wir ein paar Adressen in der Tasche, so dass uns ein paar liebe Leute halfen, ein Häuschen in dem freundlich gelegenen Urlaubsort Pucon, am Fuße des noch aktiven Vulkans "Villarrica", zu fanden. Von dort aus begann dann unsere Suche nach einem Stück Land, was wir zu kaufen beabsichtigten. Schnell bemerkten wir, dass ohne ein geländegängiges Fahrzeug diese Suche wenig aussichtsreich war. Es musste also erstmal ein Jeep her, den wir schnell in Form eines 15 Jahre alten Landrovers fanden. Damit fühlten wir uns gleich ganz anders, wie so richtige Safari-Freaks nur ohne Tropenhelm. Über einige Umwege und viele Gespräche mit unserem damals noch sehr schlechten Spanisch, fanden wir dann unser kleines Paradies. Nach einer recht abenteuerlichen Jeeptour über eine 30 km lange Schotterpiste - zur rechten Seite der alles überragende schneebedeckte Vulkan, zur Linken der Rio Trancura, der auch zum Rafting dient - erreichten wir nahe bei einem hier bekannten Thermalbad mit Hotel "unser Campo".

Von vornherein waren wir begeistert. So viel Wald, Weide, zwei Gebirgsflüsse mit Wasserfallen. ein Berg und dazu noch der Hausvulkan Mocho ("der Geköpfte"), der vor einigen tausend Jahren explodierte und seit­dem keine schöne Vulkanspitze mehr hat.

Und das könnte jetzt unser Campo sein?

Viel haben wir nicht nachgedacht. Wir haben es einfach gekauft - mit ein paar Reiseschecks, weil es so billig war. Da es zu dieser Zeit noch Winter war, mussten wir unsere Ungeduld schwer am Zügel halten, um nicht gleich mit dem Hausbau zu beginnen.

Als dann der letzte Schnee vom Frühling verdrängt war und die ersten hier vorkommenden essbaren Baumpilze sprossen, die Bandurias (chilenische Störche - Ibize) aus den Tälern in die Bergwelt aufstiegen, begannen auch wir unser Werk. Erst Wochenendweise, dann im Zelt wohnend, begannen wir einen alten Holzschuppen, das einzige vorhandene Gebäude, zu unserem Haus umzugestalten. Mit Hilfe eines sehr freundlichen Nachbarn, der Gewöhnlicherweise im Schnitz- und Holzhandwerk tätig ist, ging die Arbeit schnell voran. Einen Monat später schon wohnten wir in unserem Provisorium ohne fließendes Wasser, aber mit Plumpsklo. Da die ganze Situation für uns noch etwas sehr komisches hatte und die Provisorien von dem Gefühl etwas sehr abenteuerliches zu machen, überdeckt wurden, brachten wir noch viel Geduld auf. So freuten wir uns dann umso mehr, als wir dann endlich eine Spüle mit fließend Kaltwasser im Haus hatten oder die ersten Täfelbretter die Außenverschalung des Häuschens unsichtbar machten. Christas Freude war besonders groß, als ihr Gemüsegarten die ersten, später riesigen Kohlköpfe zeigten. Nach und nach schafften wir immer mehr Materialien mit unserem Jeep ran, der oft genug nun auch den freundlichen Nachbarn als Taxi diente (ein eigenes Auto hatte hier keiner), so dass wir bald auch ein Badezimmer mit Warmwasser und manch anderem bescheidenen Komfort hatten.

Da nun das Leben auf dem Land nicht ohne Tiere sein kann, kamen schnell Hunde, Katzen, Hühner, Gänse, Enten, 4 Kälber und 2 Lamas dazu. Was wir mit dem ganzen Viechzeug eigentlich wollten, wussten wir selber nicht so genau, nur dass sie zum Landleben a la Robinson Crusoe dazu gehören, war uns irgendwie klar. Da hatten wir wieder etwas, worum wir uns kümmern mussten, was uns Freude, aber auch Verpflichtungen brachte. So war dann der Gedanke auch nicht mehr fern, dass wir auch zwei Pferde brauchten. In Spanien als Tourist habe ich einmal für drei Stunden auf so einem armen Touristen Gaul gesessen - inklusive Grillbraten, Tanz und Besäufnis. Diese Erfahrung war für mich als Berliner Stadtkind tief eingebrannt.

Sehr nahe ist noch die Erinnerung, als wir uns dann unsicher an die Leute hier wendeten, mit dem Wunsch, uns bei der Suche nach wirklich friedlichen Pferden zu helfen. So saß ich dann plötzlich auf der Stute "Galleta" (Keks) zum Proberitt - nur wie bewegt man so ein Viech......? und was ist, wenn die plötzlich losrennt..! Mir stand der Schweiß schon auf der Stirn und mein Macho hatte arge Schwierigkeiten, vor den Chilenos nicht zu lachhaft zu wirken. Also tat ich genau das, was mir der Pferdebesitzer sagte: in die Selten treten, mit einer Hand lenken, mit der anderen am Sattel festhalten. ..und ab geht´s. Und siehe da, es war ganz einfach. Das Viech war plötzlich das liebe Pferdchen und nach hier üblichen Verhandlungen auf Gras sitzender Weise wechselte die Stute, samt ihres 2-jährigen Sohnes den Besitzer. Wir waren nun glückliche Pferdebesitzer, und der Verkäufer, ein "Halbblut" Mapuche, war glücklich, weil er sich nun zwei Kühe für das Geld kaufen konnte.

Nach so manch unsicheren Fragen an die Nachbarn und einigen frustrierenden und auch gefährlichen Erfahrungen lernten wir das Reiten. Natürlich lernten wir es nie, wie es in Deutschland in der Reitschule gelehrt wird, sondern nur so, wie es die Chilenos machen, und das nennt sich wohl Westernstil. Auch beim Beschlagen der Hufe wurden wir langsam firm, weil man als Helfer dem mehr bewandten Nachbarn zur Seite stehen musste. Kurz und gut, die Pferde wurden uns bald so selbstverständlich, wie die anderen Tiere auch und wir begannen mit ihnen die Umgebung auszukund­schaften.

Da wir für die Einheimischen doch immer so etwas wie Exoten waren, die man liebevoll "Gringitos" (Gringo) nannte, sprach es sich auch bis zu den europäischen Rucksackreisenden herum, dass wir dort oben auf dem Berg leben. So kam hin und wieder mal ein Neugieriger in unsere Einsam­keit, um zu sehen, wie es einem Auswanderer so geht. Beim Anblick unserer beiden Pferde wurde dann immer wieder der Wunsch geäußert, auch mal einen kleinen Ausritt probieren zu dürfen.

Da wir weder Reichtümer angehäuft, noch im Lotto gewonnen hatten, ergab sich die Idee ganz von selber, noch ein paar Pferde mehr anzuschaffen, um Reitausflüge mit unserer Begleitung durch die begeisternde Umgebung für ein paar Mark (bzw. Pesos) anzubieten. Mit Hilfe unseres treuen und fleißigen chilenischen Landangestellten, Pepe, fanden wir nicht nur einige ruhige ausdauernde Pferde, sondern auch die verstecktesten und schönsten Pfade. Da ging es dann durch Gebirgsbäche, über Wildblumen bewachsene Wiesen, steil ansteigende Waldpfade, durch Bambus überwucherte Wege bis zum Araukarien- Hochwald (nur hier vorkommende urweltliche Koniferen).

Ein drei Tage dauernder Ritt brachte uns zur Vulkanhochebene über Schnee- und Lavafelder zur blauen Lagune. Die ganze Landschaft war dann einge­rahmt von dem intensiven Blau des hochandinen Himmels, mit dahinschwebenden, beutesuchenden Kondoren und dem Bergpanorama mit seinen weißen überzuckerten Vulkanen. Die Vegetation, sowie einige Wolken hatten wir bereits weit unter uns gelassen. In dieser phantastischen Land­schaft schlugen wir dann unsere Zelte auf und bewunderten bei Lager­feuer des Nachts den unendlich weiten Sternenhimmel. Gerade wenn man zum ersten Mal neue, von Einheimischen nur wenig bekannte Wege findet, ist die Begeisterung besonders groß, so dass es mir auch jetzt noch viel Freude macht, anderen diese Herrlichkeit der Anden vom Pferde­rücken aus zu zeigen.

Mit Macheten bewaffnet, mussten wir einige dieser Urwald- und Bergpfade wieder öffnen, weil sie seit langem keine Bedeutung mehr hatten. So arbeiteten wir gemeinsam Reitpfade für 3-stündige bis 5-tägige Touren im Schweiße unseres Angesichts aus. Als dann, nach einigen kleinen Werbeaktionen, die ersten Reittouristen kamen, wurde uns erstmal etwas flau. Immer wieder tauchte die Frage in unseren Köpfen auf: Wie gefährlich ist das eigentlich, was wir da mit relativ wenig Kenntnissen anbieten. Nur waren unsere Pferde von vornherein so kooperativ, dass selbst Neuanfänger im Sattel nicht die geringsten Schwierigkeiten hatten. So ernteten wir schnell Begeisterung und eine Menge zusätzlicher Erfahrungen. Die ersten Reiter blieben in ihren Zelten ein paar Tage bei uns und gaben uns noch eine Anzahl neuer Ideen und Tipps, während sie das ruhige, sonnige "Campoleben" genossen.

So begannen wir dann, nach und nach ein paar Blockhäuser für unsere Gäste in wirklich rustikalem Stil, aber mit allem drum und dran, aufzubauen. Es war und ist nicht immer einfach , ökonomische Lösungen für den Häuserbau, die Ausstattung, sowie die Pferdepflege zu finden, Jedoch haben wir uns langsam recht gut an die Mentalität des Improvisierens der Chilenen gewöhnt, ohne dabei Abstriche an Gemütlichkeit und Sicher­heit machen zu müssen.

Nachdem wir dann über ein Gästehaus, ein Clubhaus (unsere private Kneipe in der Wildnis) sowie einen Campingplatz verfügten, begannen wir uns verstärkt um Kleinstreisegruppen von 5-8 Personen zu bemühen. Wir wurden nämlich einfach nicht warm mit dem ständigen Kommen und Gehen der zufällig eintreffenden Reittouristen. Außerdem begannen uns die Pferde beim häufigen Wechsel der Reiter leid zu tun.

So machten wir dann die ersten Erfahrungen mit kleinen Gruppen, mit denen wir hier verschiedene Sternritte von 3 Stunden bis zu 3 Tage unternahmen. Wir bauten in unser fast 3-wöchiges Programm zum Ausruhen noch andere interessante Unternehmungen, wie das Wildwasser- Rafting, Wanderungen, Ortsbesichtigungen, Badetage und Jeeptouren ein, an denen jeder Reisende auf Wunsch teilnehmen kann. Da wir unsere Grüppchen selber vom Flughafen abholen und wieder wegbringen, entfielen die Sprachprobleme für die Gäste. Zum Anfang machten wir uns noch viele Sorgen über unsere Fähigkeit, vernünftiges Essen auf den Tisch zu bringen und jedem Ge­schmack gerecht zu werden - denn weder sind wir professionelle Gast­wirte, noch Köche, noch Reiseleiter. Schnell merkten wir jedoch, dass, wer zu uns kommt, eher ein Abenteurer, als ein Vier-Sterne-Tourist ist und die Begeisterung mehr auf ein abendliches Grillbraten am Lager­feuer liegt, als wie ein 5-gängiges Menü in Plüsch.

Nur die Natur spielte uns nicht immer so mit, wie wir es gerne hätten. Einmal schneite es mitten im Sommer, so dass ein 2-Tagesritt ausfiel oder extreme Regenfälle verschütteten im Winter, zum Glück außerhalb der Saison, unseren Turbinenkanal, so dass wir eine Woche lang keinen elektrischen Strom hatten. Wegen des Fehlens eines öffentlichen Stromnetzes müssen wir nämlich selber unsere eigene Elektrizität per Wasserkraft herstellen. Aber Naturgewalten gibt es überall, nur zum Glück in Südchile nie im Extrem. Was Krankheiten und Seuchen, Raub und politische Unsicherheit, sowie Inflation anbetrifft, ist Chile ein sehr ruhiges und demokratisches Land.

Wir hoffen, dass wir das Projekt "Pferderanch unter den Vulkanen Südchiles" auch mit unseren hier geborenen Kindern (l und 3 Jahre) weiter fort­führen und ausbauen können. Denn die Unabhängigkeit  eines kinderlosen jungen Paares mit bescheidenen Geldmitteln ist nun nicht mehr vor­handen. Somit sind auch wir nun in ein vorausschauendes und verantwortungsbewusstes Leben eingebunden, welches uns gewisse Zwänge unterwirft. Deshalb hoffen wir nach einem sehr positiv ausschauenden Beginn auf eine gute Nachfrage durch abenteuerlustige, reitbegeisterte Reisende, die entweder ihren 3-wöchigen Winterurlaub zum Sommer machen wollen oder eine längere Südamerika-Reise mit einem Reitabenteuer ver­binden möchten.

Und zum Schluss soll noch gesagt sein, dass, so wild auch einige Berg­pfade erscheinen mögen, so unproblematisch jedoch ist das Zurecht­kommen mit den Reittieren auch für Anfänger mit wenig Reiterfahrung.

"Rancho de Caballo"
Casilla 142
Pucon   IX Reg. / Chile
Tel: 0056 45 441575
www.rancho-de-caballos.com
rancho1@terra.cl

 

 

 

 

     

Blockhäuser im gemäßigten Urwald